Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 17
53) +Zwickau+, den 30. März. (Dresd. J.) Auf den in den Jahren 1875 und 1879 zu Dresden, beziehentlich Leipzig, veranstalteten Kunstgewerbeausstellungen befanden sich unter anderen, der hiesigen Stadt gehörigen kunstgewerblichen Gegenständen auch 2 +alterthümliche silberne Pokale+, deren Werth für die hiesige Stadt sich hauptsächlich erst infolge jener Ausstellungen herausgestellt hat. Beide Trinkgefäße, von denen das eine aus dem Jahre 1475 herrührt, sind gothischen Stils von ebenso seltener, als geschmackvoller Form, und es war der Stadt für käufliche Ueberlassung derselben an einen auswärtigen Juwelier und Antiquitätenhändler eine verhältnißmäßig sehr hohe Summe als Kaufpreis geboten worden. Es waren jedoch von Seiten der Stadt zunächst über den Kunstwerth der Becher eingehende Ermittelungen angestellt worden, und nachdem neuerdings die Generaldirektion der königlich sächsischen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, zu deren Kenntniß die Angelegenheit gelangt war, unter Hinweis darauf, daß es sich hier um künstlerisch höchst werthvolle und für die kunstgeschichtliche Forschung interessante Werke handle und es jedenfalls in den weitesten Kreisen ein schmerzliches Bedauern erregen würde, wenn sich die Stadt eines solchen Besitzes, auf welchen sie stolz sein könne, entäußern und diese kostbaren Kleinodien in Gefahr bringen wollte, in Privatbesitz überzugehen und vielleicht gar ins Ausland zu wandern, dem Stadtrathe die nochmalige Erwägung der Sache anheimgestellt hat, hat der Rath, da er es nicht mit der Ehre der Stadt für vereinbar zu erachten vermag, sich jenes aus alter Zeit überkommenen Besitzes ohne ganz dringende Noth zu entäußern, beschlossen, von einem Verkauf der Trinkgefäße definitiv abzusehen.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 78.)
54) +Durch den Ankauf der Destailleur’schen Ornamentenstichsammlung+ für das +Berliner Kunstgewerbe-Museum+ wurde der Kunstbesitz der deutschen Reichshauptstadt wieder um eine kostbare Sammlung vermehrt. Die Kunstgewerbe-Museen Englands und des Kontinents haben sich stets bemüht, neben ausgeführten Arbeiten kunstgewerblicher Art auch alle ornamentalen Zeichnungen, Ornamentstiche, Dekorations- und architektonische Werke zu sammeln. Fast alle großen Künstler der verschiedenen Kunstepochen haben in Zeichnungen und Entwürfen einen großen und wichtigen Theil ihrer Erfindung niedergelegt, und diese Arbeiten sind unentbehrlich zur Ergänzung der Sammlungen ausgeführter Gegenstände. Das Berliner Kunstgewerbe-Museum besaß bisher keine solche Sammlung, weil es an der Gelegenheit zum Erwerbe einer schon bestehenden gefehlt hat, die allmähliche Bildung einer solchen aber bei der heutigen Lage des Kunstmarktes weit größere Mittel erfordert und nach manchen Richtungen überhaupt unmöglich sein würde. Als nun im vorigen Jahre die Sammlung des Architekten Destailleur in Paris, welche unter allen bekannten den größten Ruf genießt, nach England verkauft war und die Gelegenheit sich darbot, dieselbe zu einem mäßigen Preise zu erwerben, haben einige Kunstfreunde in Berlin die Sammlung gekauft, um deren Erwerb für das hiesige Kunstgewerbe-Museum möglich zu machen, und sie der Staatsregierung für den Selbstkostenpreis angeboten. Da keine öffentliche oder private Sammlung bekannt ist, welche einen solchen Reichthum an Original-Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten kunstgewerblichen Inhalts von deutschen, niederländischen, französischen, italienischen und englischen Meistern des 16., 17. 18. Jahrhunderts besitzt, so hat die Staatsregierung nicht gezögert, den Ankauf zu betreiben. Der Kaufpreis beträgt 381,000 m.
(Beiblatt zur Zeitschr. f. bild. Kunst, Nr. 24.)
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1880. Nº 5. Mai.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Aus Baseler Handschriften.
Herr Bibliothekar Dr. L. Sieber in Basel hat die Güte gehabt, mir einige Mittheilungen aus Baseler Handschriften zukommen zu lassen. Im Cod. chart. misc. Bibl. publ. Basil. A. VII. 42, der aus der Karthause stammt, findet sich ein Tractat „Viridarium clericorum“, geschrieben 1445 in Etlingen. Darin ist auch das Gedicht gegen die Weiber enthalten, welches schon im Anzeiger, 25. Jahrg., Sp. 315, gedruckt ist, aber so abweichend und vermehrt, daß ein neuer Abdruck gerechtfertigt ist, da er zugleich zeigt, wie sehr sich in mündlicher Tradition diese Stücke umgestalteten.
.... Jeronimus dicit: Mulier est janua dyaboli, via iniquitatis, scorpionis percussio, nocivumque genus, quod gentes ferreas et mentes castissimas libidine domat. Unde metrista de arte ejus:
O quam sincerum cor polluit } O quam forte merum, sed fortior } Heu jam presbiterum laqueo ligat } Et capit armigerum, si non fugit, } Cum populo clerum stultum facit } Quantumcunque ferum cor mitigat } Non timet orbis herum, sed deicit } Cordibus in veterum facit ignes } Sepe senem puerum fatuum facit } O quam mortiferum volnus facit } Virus pestiferum tibi porrigit } Ad foveas scelerum stultos trahit } Perditio rerum que (quod?) fit, facit } ars mulierum Consilium procerum jam dissipat } Ignoro numerum quos destruit } Hunc reputo miserum quem decipit } Ade mortiferum pomum dedit } David et Homerum decepit (l. deceperat) } Et Salomonaticum[86] stultum fecit (l. facit) } Infringit verum falsum simul } In scoriam cinerum[87] Troyam dedit } Corpus sincerum putridum facit } Et ditem clerum depauperat } Cunctorum scelerum fraudatrix } Non tibi sit mirum si te domat }
Ecce quanta mala facit ars mulierum, quocunque modo hoc vocabulum ars sumatur, sive latine sive theutonice.....
Auf das Viridarium clericorum folgt von anderer Hand:
Prosperitas rerum, series longinqua dierum, Preterit absque mora, mortis dum venerit hora. Si fueris dives, fortis pulcherve, quid inde? Si dominus mundi, rex sive papa[88], quid inde? Si prior aut abbas fueris presulve, quid inde? Tam cito pretereunt hec omnia, quod nichil inde. Sola manent merita, quia glorificabimur inde.
Vir[89], videas quid tu[90] jubeas, dum[91] magnus haberis, Et caveas[92] ne forte ruas, dum[93] stare videris[94]. Inspicias[95] ne despicias quem[96] ledere queris: Dat varias[97] fortuna vias[98], non ergo mireris[99]. Miramur omnes quod orbis exul et hospes Construit in terra domus, alta pallatia, castra. Cur non in celis sibi construit ista fidelis, Ut videas Christum contemplative nobiscum? Terra transibit, celum sine fine manebit.
Diese letzten Verse sind sehr viel besser gemeint, als scandiert. Im Cod. membr. F. II. 31 saec. XIII. (Conradi de Mure Graecista novus), ebenfalls aus der Karthäuserbibliothek, steht am Ende von jüngeren Händen: „Congratulor incauto quod ulterius scribere nolo.“ Gemeint ist doch wol die Dinte incaustum. Ferner der so häufige Schreibervers: „Detur pro penna scriptori pulchra puella.“ Darauf folgt:
Est bona vox +schenk+ in, melior +trinck+, optima +gerus+. Funde merum, funde, quasi sint fluminis unde; Non dicas unde, sed funde semper abunde.
Scientia est arbor alta, cujus radix amarissima fructusque dulcissimus, nec ejus fructum gustabit qui ejus amaritudinem non sensit. Hoc Augustinus ca^{lo} lib^o et partibus ejus.
+Berlin.+ +Wattenbach+.
Jagdscene des 14.-15. Jahrhunderts.
Wir geben hier in der Größe des Originals aus unserer Hagada eine Scene wieder, die dem Leben entnommen ist, wie es sich in vornehmen Kreisen abspielte, eine Jagdscene, da ja die Jagd die Lieblingsbeschäftigung jener Kreise war. Die Hunde halten bereits den Hirsch fest, und der Jäger bläst in sein Horn. Er hat den Bogen als Waffe bei sich. Ein Häschen schaut über den Hügel hervor. In den Bäumen unterhalten sich die Vögel des Waldes, die ja so viel zur Poesie der Jagd beitragen, und ohne die der Aufenthalt im Walde nicht jenen Reiz haben könnte, der so verlockend ist. Es ist gerade die Aufnahme der Vögel in dem Bilde besonders charakteristisch. Wie die Dichter, so zeigt uns auch hier der Maler, daß unsere Voreltern den Wald nicht ohne Vögel sich denken konnten, daß schon sie wesentlich um des Gesanges willen den Wald liebten. Die Scene stellt Esau dar, der aus der Jagd ist, die seine Sinne gefangen nimmt, während zu Hause Jacob den väterlichen Segen statt seiner empfängt.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Zur Geschichte der musikalischen Instrumente.
Die Darstellung von Musikern und Musikinstrumenten in alten Handschriften ist eine sehr häufige. Man vergleiche Figur 4 in Nr. 3 und die letzte Abbildung in Nr. 4 des diesjährigen Anzeigers. Wir veröffentlichen heute einige fernere Beiträge zur Geschichte der Musikinstrumente aus zweien der in jüngster Zeit in diesem Blatte mehrfach besprochenen Manuscripte. Figur 1-3 sind der Hagada entnommen. Es ist eine Lautenschlägerin und zwei Trompeter; Figur 4 und 5 sind dem trojanischen Kriege von 1441 entnommen; Figur 4 gibt zwei Trompeter, die an der Spitze eines Kriegsheeres zu Pferde in den Kampf ziehen. Sie sind durchaus unbewaffnet und tragen die Gesellschaftstracht der vornehmen Kreise. Der Zaddelhaube und den Zaddeln an der Tunika entsprechen auch solche an der Decke unter dem Sattel. Figur 5 zeigt dagegen zwei Pfeifer, die zum Mahle aufspielen, in der Tracht der geringen Leute.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Aus dem Egerer Archive.
1. +Der älteste Parte-Zettel+[100].
Das Egerer Archiv bewahrt einen Papierstreifen von ca. 20 cm. Länge, ca. 5 cm. Breite, der in schön gezeichneten Schriftzügen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts folgende Worte enthält:
„Bitt den almechtigen Got fur Jobsten Schonsteter des Statschreibers Sun Der in frembden landen verschieden sein sol, den wirt man begeen auff morgen montag zw abent mit vigilien vnd auff den dinstag mit den ambtten der heiligen meß Bitt got ab die Sele etc.“
Der hier gemeinte Schönstetter, Vater, dürfte Konrad Schönstetter sein, der von 1466 bis 1504, in welchem Jahre er starb, Stadtschreiber in Eger war, und dem sein Sohn Sebastian Schönstetter (des obigen Jobstens Bruder) folgte von 1504-1543, bis zur Resignazion in Folge „Alters und Unvermögenheit“. Für die Zeit des letzteren scheinen mir die Schriftzüge wie die Schreibweise wol schon zu alt.
Der Zettel trägt weiter keine Adresse und keinen Namen eines Absenders. Ich vermuthe, eine Anzahl ähnlicher wurden vom alten Stadtschreiber nach Empfang der Todesnachricht an Gönner und Verwandte herumgeschickt, und irgend ein altes Rathsmitglied steckte den seinen zu andern Akten, mit denen er nun erhalten blieb. Für ein Konzept ist die Schrift zu geziert; selbst in den vorliegenden von Schönstetter, der doch den Zettel geschrieben haben wird, abgefaßten Aktenstücken führt derselbe nicht diese schöne Handschrift.
2. +Ein Beitrag zu altem Aberglauben.+
„Am Alhie Zue Staffelstain[101]... Angestelten Schützenhoeff .... hatt es sich Anfengklich Inn Besichtigung der Püchsen so ein Ider erschinnener Schütz den Erkiesten Herren Siebenern[102] fürlegen müssen, Zugetragen, Daß An Eines wolbetagten Alten Manß Mit Nahmen Peter Fritzsch von Eger seines handtwercks Ein Peck geschoß Am Schafft In der dicken des Anschlags[103] do die Rechte Handt Zum halten und Abtrücken gebraucht wirdt. Ein Kreütz so ein weisen[104] Schein gehabt. sich befunden..... Inn dem..... hat man daß Benante Kreütz mit einem Messer durch Auf- oder nachgraben geöffnet vnnd darin ein verdächtige Materia befunden.... Darauff befragt worden, warümb er dieses Kreütz Inn dem Schafft machen Lassen, er zur Antwort geben, der Schiffter[105] habs One sein geheyß gethan, vnnd wie ers erfahren. so sey es Elsen holtz[106] gewest. daß söll gut vnd bewert sein für Zauberey. Vf die gegenfrag vf wem er sich Zauberey befare,[107] den söll er Namhafft machen, hat er Keinen ZubeNahmen gewust. Vf solches der vnlust[108] volkümblich wie gehört Ausgegraben, vnd Im sein Püchsen wieder gegeben worden.
Nach diesem Allen Alß daß Schiesen sein Anfang genomen vnd die Schützen von Schüessen Zu Schüessen vortgeschriten, Ist seinethalben Allerley Inn gemein fürkomen. Daß er mit Vortheil seine Schüß thue, welches gleichwol den Herren Siebenern heimbliche Bedencken gemacht, Also daß sie Sönderbare[109] Verordnung gethan. vf Ine den Verdächtigen Inn den Schieß Ständten auf Achtung zu haben. Darbey kein fürneme oder erhebliche Vrsache zu schöpffen gewest. Daß dan vom 16. Schuß an Bieß vf den 18. Instehendt Also Er sitzen Blieben, Inn dem sichs Zugetragen, Daß durch sönderliche Verordnung Gottes des Allmechtigen durch etliche Persohnen, vnnd fürnemblich Ein frembde Persohn so ein Schleyffer. Aber Kein Schütz gewest. sich verlauten Lassen, wie er dieses tags Alß Mitwochen neben mehr Persohnen Zu früe Inn der Pfarr Kirchen (darein sie sich dieselb Zubesehen verfügt) wax so er geweyet geheisen, vonn einem Leüchter vf einem Altar genomen. Mit vnwarhaffter erdichten Vermeldung. die Herren Siebener (so Im sein Püchsen Am Schafft geschmellert vnd gelöchert) hetten Im den Rath geben, er söllt dasselb Ortt[110] mit geweyten wax Ausfüllen, welches[111] so vern vnd weit sich Ausgebraitet, daß Aus dem Kirchen Beraub.... seine Nachbarn sich von Im gesöndert. Auß dem durch die Herren Siebener mit Zuordnung etlicher gemainer Schützen ... ertzwungen worden (weil er... wieder daß Ördentlich Ausschreiben mit geuerlichen Vortheilen seine Schüß verBracht) Ime dieselben... nit Zugestatten noch weniger Zum Vergleichen Zutzulassen, welches Im Also... Angetzeigt worden Ob er wol durch diese erscheinende[112] Puben Stück seines Schieß Zeugs Auch verlüstig were, so wölle doch die Erbare Schützen geselschafft Alß die dessen nit Bedürfftig seiner Löblichen Herrschafft derwegen verschonen..... Actum Mitwoch den 5. Septembris Anno 84. Stilo Nouo.“
(Das ausführliche Protokoll, dem die vorstehenden Hauptpunkte entlehnt wurden, ist einer brieflichen Antwort des Bürgermeisters und Rathes zu Staffelstein, de dato 13. Oct. 1584, beigefügt, aus welcher hervorgeht, daß Fritsch bei seiner Nachhausekunft sich beim Egerer Rathe beschwerte und dieser, seinen Mitbürger vertretend, nach Staffelstein schrieb, worauf eben der dortige Rath unter Beilage des von den Siebenern abgefaßten Protokolls Auskunft ertheilte.)
+Eger.+ +Heinrich Gradl+.
Ein Manuscriptenschatz der Grafen von Sayn.
Nachricht über einen solchen Schatz gibt eine im Staatsarchive zu Idstein beruhende Urkunde vom 10. Mai 1490, laut welcher Graf Gerhard von Sayn dem Cisterzienserkloster Marienstatt (im Bezirk des heutigen Amtes Hachenburg, Regierungs-Bezirk Wiesbaden, gelegen) eine Schenkung, bestehend in 128 Handschriftenbänden in Pergament zuwies. Indem ich mich jeden Kommentares enthalte, gebe ich für die, welche an der Nachricht über diese Sammlung ein Interesse haben könnten, die betreffende Schenkungsurkunde und das Verzeichniß der Manuscripte hier wieder. In Idstein, wohin die Archivalien des Klosters Marienstatt nach der Säcularisation gekommen sind, befindet sich keine der Handschriften. Auch läßt es sich hier nicht feststellen, ob dieselben bei Aufhebung des Klosters noch in dessen Besitz waren. Vielleicht, oder vielmehr wahrscheinlicher Weise, sind sie schon vorher in alle Welt zerstreut worden. Wirft man doch gerade den Marienstatter Mönchen der späteren Zeit eine besondere Zuchtlosigkeit vor; so daß man sich bei ihnen keiner besonderen Pietät gegen das Geschenk des Grafen von Sayn wird versehen können. Wüthete doch auch über diesem Kloster so mancher Sturm des großen, verheerenden Krieges, der Deutschland noch ganz andere Schätze geraubt hat.
Mit Freuden würden es gewiß viele begrüßen, wenn diese Sammlung sich intakt wiederfinden würde. Doch sind das wol „fromme Wünsche.“ Der Umstand wenigstens, daß mannigfache Aktenstücke im Archiv des Klosters Marienstatt Pergamenteinbände tragen mit Bruchstücken von Handschriften verschiedener Jahrhunderte, gibt zu ganz besonderen Vermuthungen Anlaß. Hier genüge es, öffentlich Akt zu nehmen von der Munifizenz des Grafen Gerhard, von der das nachstehend wiedergegebene authentische Dokument den Beweis liefert.
Wir broder Frederich apt zu Sente Marienstat, prior und gantz gemeyn convent da selbs doin kunt und bekennen vur uns unde unse nakomen in diesem unserm brieffe, so wie das uns der edell und waillgeboren herre herre Gerhart grave zu Seyne etc. unser gnediger lieber herre van sunderlicher groiszer gnaiden und gunst syne gnaide zu unserm gotzhusze vorgenant und uns hait gutwillentclichen gegeben in unser gotzhusze hant reichen hait laissen vor datum disz brieffs, myt namen hundert und echt und zwentziich latynscher bucher uff pergamene geschreben der hilliger schriifft, die dan van namen zu namen gliich na dyssem brieffe geschreben staynt, wie igliichs heyst. bekennen die also van syner gnaiden entphangen und in unserm gotzhusze haben, geredden und geloben alsz dar umbe wir apt prior unde gantz convent obgenant by unserm orden unde professie vor uns und unse nakomen der vorgenanten bucher keyns noch zu maile zu verkeufen zu versetzen zu veruseren ader[113] bussent[114] unse cloister zu verliihen, sunder die in unserm cloister erffliich[115] ewencliich unde ummerme unverdeylt zu behalden und uns der dar inne gode dem almechtigen zu lobe unde eren zu gebruchen. Were aber sache, das eynich unser gnediger lieber herren graven zu Seyne, so dan zu yeder ziit ist, so geleirt were und der vorgenanten bucher eyns ader me begern und behuben[116] were, sall man yme dye altziit zu syme gesynnen[117] lehenen, doch also und in der gestalt, daß alle ziit, so he des gebrucht hait, wieder umbe in das genante unse cloister zu lieberen[118] und neyt hynder sich zu behalden, das eyn grave van Seyne dan ouch also wieder doin sall sunder insage. und des zu urkunde und getzuge der wairheit, uff das disz also veste stede und unverbruchlichen gehalden werde, so haben wir broider Frederich apt vorgenant unser aptygen syegel an dyesen brieff gehangen, und wir prior unde convent obgenant unser gemein conventz syegell auch an diesen brieff gehangen, der gegeben ist in den jaren unsers herren m^occcc^o und nuntzich uff maendach na dem sondage „cantate.“ (1490, Mai 10).
(Original auf Pergament, Siegel des Abtes und des Konvents.)
+Idstein.+ +Dr. Joachim+.
Verzeichnis der Manuscripte:
Augustinus de civitate dei.
Augustinus de trinitate.
Augustinus de natura et origine anime, et in enchiridion.
Augustinus super XV gradus.
Augustinus prima pars super Johannem.
Augustinus secunda pars super Johannem.
Augustinus super primam quinquagenam.
Augustinus de verbis domini.
Augustinus de doctrina christiana.
Augustinus de corporis et anime miseria.
Augustinus in libro confessionum.
Augustinus de diversis causis, et de paciencia.
Augustinus contra Donatistas.
Ambrosius super beati inmaculati.
Ambrosius in exameron.
Ambrosius in Thobiam.
Ambrosius super Lucam abbreviatus.
Amalarii de divinis officiis libri tres.
Amalarii liber quartus.
Liber de animalibus.
Alanus de planctu nature, et Ysegrinus.
+Brito.+
Beda super Lucam.
Boetius de musica.
Basilii regula, exhortacio ejusdem ad monachos, Bernardus ad Cluniacenses et Clarevallenses, et de XII gradibus, et alia.
Catholicon.
Crisostimus de reparacione lapsi.
Crisostimus in exposicione epistole multipharie.
Cassiodorus super primam quinquagenam.
Cassiodorus super secundam quinquagenam.
Cassiodorus super terciam quinquagenam.
+Cassiodorus in ecclesiastica historia.+
Cassianus in collacionibus patrum.
Cromacius de octo beatitudinibus.
Concordancie quatuor evangelistarum postillate.
+Cronice abbatis Broniensis.+
Cordiale de quatuor novissimis, item tractatus de ascensionibus.
Comes.
Doctrinale.
Diversi auctores.
Epistole Pauli postillate, et ecclesiasticus.
Exposicio epistolarum canonicarum et beati Pauli.
+Ecclesiastica historia Rufini.+
Effrem.
Exposicio super canonem misse.
+Freculfus.+
Gregorii dyalogus.
Gregorii prima et secunda pars moralium.
Gregorii V et VI pars moralium in Job.
Gregorius in XL omeliis.
Gregorius in pastorali.
+Gregorii vita.+
+Gesta et vite sanctarum feminarum.+
Grecismus.
Hebraicorum et latinorum dictionum interpretacio.
Hugucio.
Hylarius de trinitate.
Hugo super quartum sentenciarum.
+Horosius.+
Hatligarius de viciis et eorum remediis.
+Josephus.+
Jeronimus in correctione psalterii.
Iheronimus super Ysaiam.
Iheronimus super Jeremiam.
Iheronimus super Danielem.
Iheronimi epistole.
Iheronimi commentarium.
Iheronimus contra Jovinianum.
Ieronimi concordancie in evangelistis.
+Jacobi de Voragine+ prima pars de tempore.
Johannes ad Castorem de institucione vite monastice.
Interliniaris super septem canonicas et Pauli epistolas.
Interliniaris super ecclesíasten, et alia.
+Itinerarium Clementis+ pape et alia plura.
+Itinerarium de diversis partibus transmarinis et precipue de terra sancta.+
Leonis epistole, et Ancelmus cur deus homo?
Lucanus.
Libri philosophie.
+Martilogium.+
Marcianus de nupciis philologie, et de 7 artibus.
Musice plurium doctorum tractatus.
Nycolaus de Lyra super psalterium postillatus.
Oracii Flacci carminum, et alia.
Petrus Lambardi super epistolas glosa ordinaria.
Prisciani majus volumen.
Prisciani minus volumen.
Priscianus in peregisi.
Pronosticorum liber.
Phisionomia autentica, et de tonitruo.
Racionale divinorum.
Rodulphus de symonia.
Rodulphi dictamina et epistole.
Remigius super Marcianum Mineum Felicem Capellam.
Raymundus summa, et compendium theologie.
Rabanus in benedictionibus Jacob.
Speculum judiciale.
+Vincencii prima pars in speculo historiali.+
+Vincencii secunda pars in speculo historiali.+
+Scolastica historia.+
Summa super titulis decretalium, composita a magistro Gofrido de Trano.
Summa Roffredi et Compostellanus.
Super decretum palearum glosa.
Statuta synodalia et provincialia.
Sacramentale Gwillelmi de Monte Lauduno.
Smaragdus in dyademate monachorum.
Smaragdus in regula sancti Benedicti.
Suffragium monachorum et Wilhelmus Mandagoti.
Sermones Johannis de Rupellis a festo sancti +Petri+ ad vincula.
Sermones de tempore.
Sermones de tempore.
Sermones de sanctis per annum.
Super cantica canticorum trifaria exposicio.
+Salustius, Macrobius et Plato.+
Seneca de beneficiis.
Thome glosa ordinaria super Matheum et Marcum.
Thome glosa super Lucam et Johannem.
Thome prima secunde partis summe.