Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums

Part 16

Chapter 163,223 wordsPublic domain

Der reiche, farbige Schmuck, welcher ehemals die Wände der mittelalterlichen Kirchen bedeckte, ist im Laufe der Zeit großentheils verschwunden. Die Tünche hat in jener Zeit, als man die Kunstwerke des Mittelalters nicht mehr „schön“ fand und glücklicher Weise verblichene Malereien lieber zudeckte, als auffrischte, den bunten Schmuck meist überweißt, so daß allenthalben reiche Schätze von Gemälden unter der Tünche schlummern. Unserer Zeit war es vorbehalten, einen großen Theil derselben von der deckenden Hülle zu befreien. Leider nur haben dieselben kaum irgendwo solche Frische, noch sind sie in ihren Farbtönen so wohl erhalten, in ihrer Zeichnung so unverletzt, daß sie in demselben Zustande erhalten werden könnten, in welchem sie aus der Tünche herausgeschält werden. Was nicht vorher schon beschädigt war, wird beim Entfernen der Kalkkruste durch die Arbeiter zerstoßen. Wenn nun auch der Kunstfreund sich mit solchen Resten begnügen würde, so gestattet meistens der fromme Sinn nicht, daß die Wände des Heiligthums sich in dieser Gestalt zeigen, in welcher allerdings auch kein profaner Mensch die Wände seines Wohnzimmers belassen würde. Die Gemälde sollen restauriert werden. Restaurieren ist aber da nichts Anderes als Uebermalung. Wir bekommen neue Gemälde, bei denen mehr oder weniger gut die alte Zeichnung zu Grunde liegt und die alte Farbe in ursprünglicher(?) Frische wieder erscheint. Ist nun auch die Kirche in würdiger Weise wieder ausgestattet, so sind doch an Stelle der Originale Kopieen getreten, die eine kunstgeschichtliche Beweiskraft nur mehr in geringem Grade haben. Darin liegt eine der Hauptschwierigkeiten der Publikation solcher Wandgemälde, deren Lösung nur ein Mann wie der Herausgeber des Werkes versuchen konnte, dessen Titel an der Spitze dieses Aufsatzes steht. Als sich das Interesse für die kirchliche Kunst des Mittelalters in den Rheinlanden in jener Tiefe entwickelt hatte, daß alle Zweige derselben Beachtung fanden, waren auch, wol zuerst in Deutschland, dort mehrere umfassende Wandmalereien aufgedeckt worden, die nicht nur das Dekorationssystem aus verschiedenen Zeiten vor Augen führten, sondern auch heute noch, wenn auch inzwischen viel Anderes gefunden wurde, zu dem Schönsten in ihrer Art gehören. Es war der Maler Hohe in Bonn, welcher schon im Beginn der fünfziger Jahre die Aufdeckung verschiedener solcher Wandgemälde durchgeführt und solche restauriert hat, nachdem er erst Pausen der Originale genommen, die auch für das vorliegende Werk die Zeichnungen liefern sollten. Sein 1868 erfolgter Tod brachte Störung, noch größere der Umstand, daß sich bei Vergleichung seiner Zeichnungen mit den Wandgemälden selbst Abweichungen ergaben, die zu großem Theile Neuzeichnungen nothwendig machten. So konnte das Werk erst jetzt erscheinen, das sich als Fortsetzung des allen Alterthumsfreunden rühmlichst bekannten großen Werkes desselben Verfassers darstellt, dessen erster Band schon 1857 erschienen ist.

Es sind im Wesentlichen 3 Reihen, die uns hier gegeben werden: die ältesten jene des Kapitelsaales zu Brauweiler, der Mitte des 12. Jahrhunderts angehörend und die Illustration der Märtyrergeschichten des Hebräerbriefes darstellend, sodann die der Ober- und Unterkirche von Schwarzrheindorf, deren letztere die letzten Visionen des Propheten Ezechiel darstellt, während die Oberkirche Stellen aus der Offenbarung Johannis zur Darstellung bringt, die wol gleichzeitig mit der ersteren sind, sodann die bereits dem gothischen Stile angehörigen Malereien der Deutschordenskapelle zu Ramersdorf, ein Cyklus von hoher Schönheit, welcher leider heute nicht mehr existiert. Ihnen schließt sich sodann an, was an Resten der Malerei in der Kirche zu Brauweiler, frei restauriert, noch vorhanden ist, im Buche nach Hohes alten Zeichnungen wiedergegeben. Dann folgen die Gemälde der jetzt abgebrochenen Kirche zu Bergheim an der Sieg. Den Schluß bildet die Darstellung eines steinernen Altars aus Küdinghoven, dem Schlusse des 14. Jhdts. angehörig.

Der Kunstgeschichte ist auch durch diese neue Publikation des verdienten Verfassers reiches Material zugeflossen. Es ist deshalb um so lebhafter zu bedauern, daß die Schwierigkeiten, welche sich der Herausgabe entgegenstellten, und die nicht blos den Eingangs geschilderten inneren Gründen ihre Entstehung verdanken, sondern auch äußeren, den Verfasser entmuthigt zu haben scheinen, so daß er es in Frage stellt, ob überhaupt noch Fortsetzungen folgen, ob der reiche Schatz an Werken aller Art, den die Rheinlande noch bergen, in solch sachgemäßer Weise zur Publikation gelangen und eine Kunstgeschichte der Rheinlande, welche seit frühester Zeit eine in sich zusammenhängende, abgeschlossene Kunstschule in sich gebildet, als Krönung des Werkes folgen werde.

A. E.

7) +Die Kunstsammlung von Eugen Felix in Leipzig.+ Katalogisirt von +Dr. A. v. Eye+ und +P. E. Börner+. Leipzig. In Commission bei T. O. Weigel. 1880. gr. 8. Mit einem Atlas von 36 Tafeln in Lichtdruck von A. Naumann.

Die Sammlung des Herrn E. Felix zu Leipzig gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Privatsammlungen, welche gegenwärtig noch in Deutschland existieren. Sie nahm bekanntlich den ganzen Regensburger Silberfund in sich auf, wurde später durch Ankauf der Milanischen Sammlung in Frankfurt a. M. erweitert, enthält in ihrer kleinen, aber gewählten Kupferstichsammlung Seltenheiten, welche auf den Versteigerungen der letzten Jahrzehnte selbst königlichen Kabineten wegen ihrer hohen Preise unerreichbar erschienen, hat namentlich aber durch Erwerbung höchst kostbarer Stücke, wie der in einem Grabgewölbe zu Rositz im Herzogthum Altenburg gefundenen sächsischen Ordenskette, italienischer Bronzen, limousiner Emails, deutscher Goldschmiedearbeiten u. s. w., in letzter Zeit solche Belege früherer Kunstfertigkeit in sich vereinigt, daß über die Befriedigung bloßer Liebhaberei hinaus darin auch der Freude am Vollendeten und Schönen, wie dem Studium reiche Nahrung geboten wird. Es kann deshalb nur beifällig aufgenommen werden, daß ein streng wissenschaftlich durchgeführter Katalog dieser Sammlung ihren Bestand feststellt und weitere Kreise damit bekannt macht. Der beigegebene und reich ausgestattete Atlas kommt dabei der Anschauung in ergiebigster Weise zu Hülfe.

8) +Heraldisches Handbuch+, für Freunde der Wappenkunst, sowie für Künstler und Gewerbtreibende bearbeitet und mit Beihülfe des kgl. Preuß. Cultus-Ministeriums herausgegeben von +F. Warnecke+ mit 313 Handzeichnungen von +E. Döpler d. J.+ und sonstigen Abbildungen in Lichtdruck von S. Kovácsek. Görlitz, C. A. Starke. 1880. 4. IV und 52 Seiten und 33 Tafeln.

Die Absicht des Verfassers war hier nicht, der Wissenschaft neues Material zuzuführen, noch durch entsprechende Verarbeitung Bekanntes in das rechte Licht zu setzen. Sein Buch hat ausschließlich einen praktischen Zweck. Es soll in möglichster Kürze alles zusammenfassen, was der Künstler wissen muß, welcher Wappen zeichnen soll, und was etwa der Besteller einer solchen Wappenzeichnung zu wissen nöthig hat, um beurtheilen zu können, wie weit der Auftrag, den er gegeben, auch richtig ausgeführt ist. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß trotz aller Publikationen von Seite der Fachmänner das richtige Verständniß noch immer auf enge Kreise beschränkt ist. Es mag dies zum Theil seinen Grund darin haben, daß ein kurzes Handbuch bisher fehlte, welches, populär im besten Sinne, uns das gibt, was der Laie brauchen kann, und denselben nicht durch zu große Vertiefung abschreckt. Das in Kürze und dabei in größter Zuverlässigkeit zu bieten, ist dem Verfasser gelungen; der Zeichner hat aber durch die vollendete, echt künstlerische Auffassung und die Feinheit der Empfindung, welche er mit der Energie und Strenge der heraldischen Darstellung zu verbinden wußte, durch gute Auswahl alter Muster und treffliche Komposition neuer, im alten Geiste gedachter Vorlagen den Verfasser auf das beste unterstützt.

Daß das Werk die Unterstützung der kgl. preuß. Regierung gefunden, ist ein Beweis seiner praktischen Brauchbarkeit.

Vermischte Nachrichten.

42) Auf dem Felde des Gutsbesitzers +Schäfer+ in +Kl.-Gollnisch+ bei Eichberg (Kreis Bunzlau) war man bereits seit mehreren Jahren wiederholt auf Spuren einer ehemaligen heidnischen Begräbnißstätte gestoßen; auch beim diesjährigen Pflügen wurden einige solcher Ueberreste bloßgelegt. Durch den Inhaber des Territoriums freundlichst aufmerksam gemacht, begab sich Berichterstatter an die interessante Stelle. Ein oberflächlicher Blick genügte, um das Vorhandensein eines ausgedehnten vorgeschichtlichen Beerdigungsplatzes zu erkennen, da zahlreiche Feuerstätten bekundeten, daß heidnische Ansiedler unbekannter Zeit und Nationalität daselbst ihre Todten verbrannt hätten, und diverse Topfscherben und zerstreute Knochenreste bezeugten, daß bereits Neugier oder Wissenstrieb geschäftig gewesen. In meiner Gegenwart wurden nunmehr von den Herren +Schäfer+ und Gastwirth +E. Freude+ in Eichberg unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln systematische Ausgrabungen angestellt. Man fand vorläufig hinter je einer Kohlenstätte genau orientiert, in einer Entfernung von etwa 10 Schritt von einander, ungefähr 1 Fuß unter der tiefgehenden Furche, zwei große Urnen mit zerkleinerten, erst verbrannten Gebeinen, welche bis auf geringe Beschädigungen -- nur die Deckel waren meist von den Pferden eingetreten -- wohlerhalten herausbefördert wurden, ebenso in unmittelbarer Nähe der Töpfe je zwei kleinere sogenannte Thränennäpfe. Alle diese Gegenstände sind nach deutlichen Spuren auf der Drehscheibe gearbeitet. Eine der Urnen zeichnete sich durch gefälligere Behandlung aus; sie zeigte außen drei buckelartige Handhaben, unterbrochen von je zwei langgezogenen Vorsprüngen. Ganz besonders interessant -- weil seltener -- war ein, leider nur fragmentarisch erhaltener, niedriger, breiter Napf mit strichförmigen, rothgemalten Ornamenten. Zu bedauern ist, daß keine Geräthschaften zugleich entdeckt wurden, welche annähernd das Alter der +Funde+ bestimmen ließen; nur ein pfundschweres Stück geschmolzenes Eisen, welches mir als früher gefunden bezeichnet wurde, möchte für eine späte Periode der Grabstätte sprechen. Die Umgegend von Eichberg ist schon mehrfach durch heidnische +Funde+ bekannt; auf Zimmermanns vorgeschichtlicher Karte von Schlesien sind die Ortschaften Kromnitz und Gr.-Gollnisch als Stätten von Flachgräbern markiert. -- Das Museum schlesischer Alterthümer wird voraussichtlich die Mehrzahl der gefundenen Gegenstände für sich erwerben.

Dr. +E. Wernicke+ im niederschles. Courier, Nr. 40.

43) Aus +Marburg+ in Hessen erfährt die „Köln. Zeitung“: An dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers wurde am Goldberge zu Mardorf bei Marburg ein Fund +seltener Goldmünzen+ u. s. w. gemacht. Nachdem an dem Abhange des Berges einige Tage zuvor 2 Goldmünzen gefunden worden, begannen darauf am Montag einige Hundert Dorfbewohner mit Hacken und Spaten an der bezeichneten Stelle den Boden weiter zu untersuchen. Infolge dessen wurden über 100 Goldstücke zu Tage gefördert, und in den folgenden Tagen noch immer weitere Funde gemacht. Neben Münzen fand man auch sonstige Goldsachen, als ein Kreuz, eine Spange und einen Armring. Die Münzen selbst sind Hohlmünzen, auf der Hohlseite mit dem erhöhten Bilde eines schlangenartigen Thieres und mit 3, 5, 7 oder 9 erhöhten Punkten versehen, während die erhabene Seite in der Mitte eine birnförmige Erhöhung zeigt, welche von 2 oder 3 Punkten und einem Blätterkranze umgeben ist. An Größe kommen die Stücke dem Zehnmarkstücke gleich, sind aber dicker, haben in der Regel 7¼ Gramm an Gewicht und demnach ungefähr den Goldwerth eines Zwanzigmarkstückes.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 149.)

44) Dem Geschichtsverein in +Hanau+, welcher in den letzten Jahren für die Spezialgeschichte der Provinz Hessen eine rege Thätigkeit entfaltet hat, ist es gelungen, ein +Römerkastell+ in der Nähe von Hanau, am Einfluß der Kinzing in den Main, zu entdecken. Viele Urnen und Geräthe, sowie Reste von Gebäuden der alten Römerzeit sind aufgefunden und bereits dem Museum des Hanauer Geschichtsvereins einverleibt worden. Leider konnten die Grundmauern des Kastells, welche mit einer Ackerkrume von kaum 1½-2 Fuß bedeckt sind, nicht sämmtlich bloßgelegt werden, weil die Ackerbestellung solches hinderte. Es wird beabsichtigt, diesen Herbst nach der Ernte die Ausgrabungen fortzusetzen.

(Fränk. Kurier, Nr. 176.)

45) +Trier+, 11. April. (Cöln. Ztg.) In den letzten Wochen sind in unserm Bezirke wieder wichtige +Funde+ an +römischen Alterthümern+ gemacht worden. Unmittelbar bei Trier, auf der linken Moselseite, wurde eine große Masse eiserner Geräthschaften als Wagenreife, Schwerter und Ackergeräthe gefunden, ferner ein Bronzerelief, welches in getriebener Arbeit einen Krieger darstellt, der von einer neben ihm stehenden Victoria bekränzt wird. Nicht weit von dieser Stelle kamen bei Anlage eines Weinberges Säulentrommeln, korinthische Kapitäle und Architrave aus den seltensten Marmorsorten und von vorzüglicher Erhaltung zum Vorschein. Noch wichtiger, die hohe Stufe der römischen Kultur in unserer Gegend aufs neue bezeugend, ist die Entdeckung einer römischen Glasfabrik auf der Hochmark bei Cordel in der Eifel. Ausgrabungen, welche seit Beginn des Frühjahrs seitens des hiesigen Provinzialmuseums daselbst vorgenommen worden sind, haben zur Auffindung einer großen Masse von Resten der Glashäfen, Glasschlacken und Glasfragmenten geführt. Unter den Glasfragmenten nehmen namentlich einige mehrfarbige Stücke (sogenannte Millefiores) besonderes Interesse für sich in Anspruch; denn sie zeigen, daß die mehrfarbigen Glasgefäße nicht, wie man bis jetzt annahm, aus Italien eingeführt worden, sondern einheimische Fabrikate sind.

(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 89.)

46) Ueber die an der Nordseite der Stadt +Xanten+ gemachten +Ausgrabungen+ wird der „Cöln. Ztg.“ geschrieben: Die Aufdeckungsarbeiten sind nach dem Froste wieder aufgenommen worden und haben ein überraschendes, großartig zu nennendes Ergebniß gehabt. Die große, zuerst gefundene Mauer ist in der Länge bis 105 m. gewachsen in gleicher, gewaltiger Dicke von 3 m. Der Alterthumsverein beschloß, nur nach der einen Seite hin die Anlagen weiter zu verfolgen, und hat es ermöglicht, daß nunmehr die 4 Ecken eines Gebäudes klar zu erkennen sind, dessen Lang- und dessen Breitseite je 105 m. betrugen. Innerhalb des Gebäudes sind Abtheilungen zum Vorschein gekommen von 6 m. Breite und 20 m. Länge. Das in seinen Umrissen erkennbare Bauwerk ist aber nur ein Flügel eines Gebäudes, welches allem Anschein nach sechsmal größer als der benannte Theil ist. Das Baumaterial ist hauptsächlich ein fester Thonschiefer, nach den Außenmauern zu Basalt, dabei höchst sorgfältig gemauert, mit trefflichstem Mörtel zusammengefügt. Wozu diente dieser gewaltige Bau, dessen Fundament 4 m. tief noch im Grunde steckt? Ist er von Römern oder von Franken errichtet? Das sind Fragen, welche nur von gewiegten Sachkennern annähernd beantwortet werden mögen. Alterthumskundige und Bautechniker müssen sich hierbei die Hand reichen. Besondere Funde sind bei den Ausgrabungen bis jetzt nicht gemacht worden, etliche römische Münzen aus den Zeiten der Antonine und des Alex. Severus und ein zierliches Löffelchen aus Bronze ausgenommen. Dieselben könnten für den römischen Ursprung des Gebäudes sprechen; aber auch bei den Franken sind römische Münzen lange in Umlauf gewesen. Dem Volke, das hier gebaut hat, haben jedenfalls bedeutende Transportmittel zu Gebote gestanden, da mit Ausnahme der wenigen Dachziegel sämmtliches Baumaterial vom Oberrhein her hierhin geschafft werden mußte; außerdem aber muß die Technik des Mauerns bei denselben in hohem Grade ausgebildet gewesen sein. All dieses kann eben so gut auf die Römer als auf das Reich der Nibelungen passen. Eben so gut ist ein solches Bauwerk für die casta veterna mit ihren 3 Legionen Besatzung nöthig gewesen, als für den festungsartigen Palast eines alten Germanenkönigs. Schließlich sei bemerkt, daß der Alterthumsforscher Hr. Prof. Schneider aus Düsseldorf diese Aufdeckungen als die im Rheinlande in jüngster Zeit bei weitem bedeutendsten bezeichnet hat. Es ist schade, daß nach Jahresfrist die aufgedeckte Fläche wieder eingeebnet und als Ackerfeld benutzt werden muß.

(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 79.)

47) +Aus dem Ried+, 30. März. Bekanntlich zerstörte die durch den Eisgang verursachte Hochfluth Anfangs dieses Jahres die Dämme der Gemarkung Groß-Rohrheim an verschiedenen Stellen, und man ist soeben damit beschäftigt, die beschädigten Stellen wieder herzustellen. Zu diesem Zwecke wurden vom Staate auf beiden Seiten der Landstraße zwischen Groß- und Kleinrohrheim einige Morgen Feld angekauft, um ausgehoben zu werden, damit die nöthige Erde zum Ausbessern der Dämme an Ort und Stelle gewonnen wird. Bei dieser Gelegenheit nun fanden die Arbeiter antike Scherben und Knochenreste (was übrigens in diesem Felde schon öfter vorkam, von den betreffenden Findern aber nicht weiter beachtet wurde) und wurde dies alsbald dem Herrn Lehrer Gölz aus Klein-Rohrheim mitgetheilt, welcher sofort die nöthigen Schritte einleitete, um allenfallsige werthvolle Funde nicht verloren gehen zu lassen. Der historische Verein für Hessen beauftragte sofort sein Mitglied, Herrn Rentner Kofler (?) aus Darmstadt, mit der Nachgrabung, welche am Samstag vor Ostern auch in Angriff genommen wurde. Es fand sich, daß man wahrscheinlich hier auf einen fränkischen Begräbnißplatz (400-500 Jahre nach Christi) gestoßen ist; es waren bis heute Vormittag 14 Gräber aufgefunden mit männlichen und weiblichen Skeletten. Auch fand man in den Gräbern Schwerter, Lanzen, Ringe von Eisen, knöcherne Kämme und Mosaikkugeln, von Perlenschmuck herrührend. Die Todten liegen alle mit dem Gesichte nach Osten gewandt und den meisten derselben sind Urnen und sonstige Geschirre beigegeben; auch soll man heute Mittag Goldmünzen gefunden haben, welch Letzteres ich jedoch nicht verbürgen kann, da ich dieselben nicht gesehen habe.

(Wormser Ztg., Nr. 76.)

48) Aus +Kowno+ erfährt die „Neue Zeit“, daß daselbst der Plan besteht, in einiger Zeit sich an die Restauration eines werthvollen Baudenkmals aus dem 14. Jahrhundert, der bis auf den heutigen Tag noch erhaltenen Ruinen des +Schlosses der deutschen Ordensritter+, zu machen. Die Ruine liegt in der „Altstadt“, am Ufer der Wilia. Nach überlieferten Nachrichten war Kowno bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts befestigt, da um jene Zeit der Großmeister Kniprode die Burg zu Kowno mit stürmender Hand eingenommen hat. Hinsichtlich des Schlosses, von dem ein Thurm und Theile einer Mauer dem zerstörenden Einfluß der Zeit bis jetzt getrotzt haben, nimmt man an, daß dasselbe von dem Orden errichtet sei, der nach dem Fall Kownos im Jahre 1383 auf den Trümmern neue Befestigungen aufführte und ihnen den Namen „Ritterswerder“, d. h. Ritterinsel, beilegte, weil die Burg in der That von dem Fluß Wilia und einem zum Niemen durchgelegten Kanal ganz umschlossen war. Spuren dieses Kanals, der gegen 6 Faden Breite gehabt hat, haben sich bis zur Stunde noch erkennbar erhalten.

(D. Reichsanz., Nr. 80.)

49) Am 15. März fand eine fachmännische Eröffnung der in der zur Demolierung bestimmten St. Adalbertskapelle auf dem Hradschin befindlichen Gruft statt, bei welcher Gelegenheit nicht nur der Sarkophag mit den Ueberresten des Heiligen selbst, sondern auch mehrere auf die Beisetzung derselben an diesem Orte bezügliche Inschriften aufgefunden wurden, deren authentische Abschrift ich mir mitzutheilen erlaube.

Im Sarge lag eine mit Blei überzogene Schachtel, deren Deckel durch eine Schnur, an welcher sich das wohlerhaltene Siegel des ersten Erzbischofs von Prag, Arnest von Pardubitz, befand, geschlossen war. Auf diesem, die Reliquien des hl. Adalbert bergenden Behältnisse lagen zwei Bleitafeln, wovon die kleinere folgende Inschrift trug:

„Anno dni MCCCIXVI^o in festo Sancti Adalberti dominica die jubilate, quae fuit dies vicesima secunda mensis aprilis translata est haec capsa cum corpore seu reliquiis Sancti Adalberti episcopi et martyris patroni regni Bohemiae praedicti de antiqua ecclesia in istud medium novae ecclesiae Pragensis cum reliquiis Sanctorum quinque fratrum et multis variis reliquiis aliorum sanctorum, quorum nomina ignoramus.“

Auf der zweiten, ziemlich beschädigten Tafel ist zu lesen:

„Anno Domini MCCCXLVI, Die XI. Mense Januarii Ego Arnestus Primus Archiepiscopus Pragensis in praesencia Serenissimi Principis Domini KaroIi, marchionis Moraviae nec non primogeniti Domini Johannis regis Bohemiae, qui ipsam ecclesiam Pragensem in archiepiscopalem aput (d) sedem apostolicam erigi procuravit, aperiri fecit hanc capsam repertam in tumba beati Adalberti episcopi et martyris, in qua una cum reliquiis in ea reconditis erat carta tenore infra scripti: hic sunt cineres Sancti Adalberti episcopi et martyris et pan(n)iculi qui circa ossa fuerunt et quinque fratrum et sunt reliquiae plurimorum sanctorum, quorum nomina ignoramus, que pridie Kalendas Octobris sunt reconditae.“

Im Innern der capsa lag endlich eine dritte Bleitafel, deren sehr beschädigte Inschrift mit der obigen gleichlautend ist.

+Prag.+ +Bruno Bischoff+.

50) +Sindelfingen+, den 22. März. Bei der Ausgrabung eines Fundaments an der Böblinger Straße wurden jüngst einige Gerippe von Menschen und mehrere +Alterthümer+ gefunden. Die Skelette lagen mit den Füßen nach Osten und ca. 5 Schuh von einander entfernt. Bei allen befanden sich Lanzen, Degen oder Dolche. Wahrscheinlich stammt der Fund aus dem Jahre 1525, der Zeit der Bauernkriege.

(Schwarzwälder Bote, Nr. 73.)

51) Vor einigen Monaten wurde nach einer Notiz von R. Serrure (Brüssel) in den Blättern für Münzfreunde bei Venlo ein Münzfund gemacht, welcher Goldmünzen Karls VI. v. Frankreich (1380-1422), Wilhelm VI. von Holland (1404-17), Rudolfs v. Diepholz Bischofs von Utrecht (1431-55), Reinhards von Geldern (1402-20), Arnolds von Geldern (1423-73), Johanns von Heinsberg, Bischofs von Lüttich (1419-56) und der Stadt Frankfurt mit dem Namen des Kaisers Sigismund, sowie Groschen Heinrichs VI. von England, geschlagen zu Calais, und Rudolfs von Diepholz (1426-31) enthalten waren.

52) +Billenhausen+ bei Krumbach, 14. März. Vor einigen Tagen wurde hier ein auch +historisch interessanter Fund+ gemacht. Es kamen nämlich beim Ausheben einer Düngerstätte über 5000 Münzen verschiedenen Gepräges, größtentheils aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammend, zu Tage. Sicherem Vernehmen nach ist der Fund bereits in den Besitz der Staatssammlung übergegangen.

(Fränk. Kurier, Nr. 142.)