Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums
Part 13
„Ao 1621 den 20 July ist Hanß Fritzschen weib Catharina alhier zu Machern wohnende von Ihrer eigen Mietkuhe[67], da sie gleich hochleibß schwanger gang, auff Ihren Eigenen hofe zu Tode gestoßen worden. Vber welch vnerhörten Fall der Juncker Friederich von Lindenau, alß Erbsaß dieseß ortes, in der Jurißtischen Facultet zu Leipzig sich darüber deß Rechtes belernet, Welche am Ende deß Vrtelß diese wort also außgesprochen: So wird die Kuhe, alß abschewlich thier, an Einen abgelegenen öden ort billig geführet, daselbst Erschlagen oder Erschoßen, vnnd vnabgedeckt begraben, Christoph Hain domalß zu Selstad wohnend hat sie hinder der Schäfferey Erschlagen vnd begraben, welcheß geschehen den 5. Augusti auff den Abend, nach Eintreibung deß Hirtenß zwischen 8 vnd 9 vhren.“
Man sieht, daß die Fakultäten im 17. Jahrhundert mit ihrem Gutachten rascher vorgiengen und weniger vorsichtig waren, als gegenwärtig. Zu bedauern, wenn auch nicht zu verwundern, ist, daß das ohne Zweifel sehr weitläufig und gründlich motivierte Urtheil nicht vollständig mitgetheilt worden. Beachtenswerth ist im Eintrage des damaligen Pfarrers der ungetrennte Gebrauch der lateinischen und deutschen Buchstaben.
+Dresden.+ A. +von Eye+.
Ritterspiele.
Zwei Abbildungen vom Jahre 1441.
Derselbe Codex, welcher Konrads von Würzburg trojanischen Krieg enthält, aus dessen Federzeichnungen wir verschiedene Darstellungen wiedergegeben haben, begreift auf Blatt 201 bis 266 als zweites Stück, ebenfalls reich illustriert, den Wilhelm von Orlens des Rudolf von Montfort. Sind die Abbildungen des Trojanerkrieges einem Gebiete entnommen, welches doch der Künstler als ein fremdes betrachten mußte, auf dem wir also neben den Beiträgen zur Geschichte der Tracht und Waffen nur wenige dem wirklichen Leben entnommene Bilder finden, weil er ja nicht jede Scene, die zu seiner Zeit sich ereignete, im Liede angedeutet finden konnte, so bewegt sich alles im zweiten Stücke Darzustellende für den Künstler auf dem Gebiete des damaligen Lebens, und wir können deshalb auch einige Darstellungen daraus entnehmen, die ihres Inhaltes wie der sichern Datierung wegen von besonderer Wichtigkeit sind. Auch hier bewegt sich der Künstler auf dem Gebiete des ritterlichen Lebens, wie im trojanischen Kriege; aber hier weiß jeder von uns, daß er die Helden als seiner eigenen Kultur angehörig betrachtet, daß er hier die Ritter seiner Zeit genau wiedergibt, ohne Zuthaten und ohne Weglassungen, wie wir bei den Illustrationen des ersten Stückes solche fürchten und etwa durch solche Furcht das Vertrauen in die unbedingte Sicherheit seiner Darstellungen verlieren könnten.
Es ist deshalb für uns ganz besonders interessant, daß er die Ritterspiele in den Kreis seiner Darstellungen zieht. Es sind an mehreren Stellen Turniere gegeben, und zwar sowohl das Rennen mit dem Stechzeug, als der Kampf mit Kolben.
Wir müssen hier, da wir bei den Turnieren die Helmzierden sehen, ein wenig auf die Frage des wirklichen Tragens derselben insoweit eingehen, daß wir davor warnen, aus unsern Bildern Schlüsse zu ziehen. Wo eine größere Zahl von Kämpfenden beisammen ist, fehlt im ernsten Kampfe der Mehrzahl die Helmzier. Nur einzelne tragen sie; dies aber deshalb, um sie als ganz bestimmte Person, etwa als Hektor oder Achilles im trojanischen Kriege, als Wilhelm von Orlens oder A. im zweiten Stücke zu bezeichnen. Es war dies um so nothwendiger, als öfter mehrere Scenen in ein Bild zusammengedrängt sind und demgemäß dieselbe Person mehr als einmal auf demselben Bilde erscheint. Man könnte nun ebenso behaupten, daß die Könige ihre Kronen nie abgelegt haben, weil der Illustrator sie in jeder Situation gekrönt zeichnet. Sie haben auch hier in den Kampfscenen kein Kleinod, wohl aber die Krone auf dem Helme, wie wenn sie nackt im Bette liegen, weil sie eben dadurch als Könige bezeichnet werden. So wenig der König seine Krone thatsächlich im Bette trug, so wenig wol auf dem Helme; so wenig aber trugen wol auch die auf dem Bilde durch das Zeichen bestimmten Ritter beim ernsten Kampf solches thatsächlich auf dem Kopfe.
Dasselbe Verhältniß sehen wir aber auch beim Turniere. In Fig. 1 tragen drei der Kämpfenden zu ihrer Bezeichnung als bestimmte Figuren Helmzierden; der König trägt nur die Krone auf dem Helme, die ihn als solchen bezeichnet, in Fig. 2 trägt außer dem Könige nur Wilhelm seine Helmzier; die übrigen haben keine.
Die Pferde sind in beiden Figuren gerüstet, was in den Kampfscenen nie der Fall ist, und zwar tragen sie eine den Kopf schützende metallene Stirne, welche auch in eigenen Behältern die Ohren umschließt. Ferner tragen sie vorne geschweifte, polygon angelegte eiserne Schürzen, während über den hintern Theil vom Sattel aus eine Decke herabhängt. Auf dem Sattel ist ein Aufsatz auf Stangen derartig hoch, daß der Ritter gar nicht sitzen kann, sondern im Bügel steht; eine geschweifte Wand an der Vorderseite des Sattels deckt den Ritter bis zur Brust.
Beim Rennen Fig. 1 sind Schranken nicht zu sehen; beim Kolbenturniere dagegen ist ein Kreis durch solche abgeschlossen und eine Fahne auf den Schranken aufgepflanzt. Außerhalb der Schranken steht der Bote, welchem Wilhelm seinen Brief zeigt, auf Grund desselben Einlaß begehrend. Dem Stil entsprechend, ist er innerhalb, unter den Kämpfenden, noch einmal dargestellt. Wie hätte man, wenn er nicht bestimmt durch Schild und Kleinod, also sein Wappen, charakterisiert wäre, erkennen können, daß er nicht blos in einer, sondern in zwei Figuren dargestellt ist; aber die Ansicht, daß bei Turnieren jeder sein Zimier getragen, muß durch Anblick unserer Bilder schwankend werden, wenn nicht angenommen werden soll, daß der Künstler gerade durch Weglassen der Zimiere zeigen wollte, daß nicht irgend welche bestimmte Ritter, sondern nur eben Ritter im allgemeinen neben den besonders herausgehobenen am Turniere Theil genommen, was freilich sodann auch wieder für die Darstellungen des Ernstkampfes gelten müßte.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Studentenkämpfe im 15. Jahrhundert.
Die folgenden Briefe, dem von Wattenbach (Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins, XXII) benützten und besprochenen Cod. Lat. Monac. 466 entnommen, behandeln vorwiegend Streitigkeiten zwischen Studenten und Bürgerschaft, die in Leipzig, wie in andern Universitätsstädten, während des ausgehenden Mittelalters keine Seltenheit waren und zeitweilig, wie in den hier erzählten Fällen (1458 und 1462), größere Dimensionen annahmen. In Leipzig selbst machte wenige Jahre später die sogenannte „Schusterfehde“ ein gewisses Aufsehen (1471). Heidelberg hatte seinen Studentenkrieg, Wien seinen lateinischen Krieg, größere oder geringere Analogieen zeigen sich überall; (vgl. Hautz, Gesch. der Univ. Heidelberg I, 244 ff. 283 ff. 317. Aschbach, Gesch. der Wiener Univ. II, 131 ff. Kampschulte, die Universität Erfurt I, 141. Prantl, Gesch. der Ludw.-Max.-Univ. in Ingolstadt I, 140). -- Der zweite Brief bietet außerdem noch ein besonderes Interesse durch seinen Ueberblick der gleichzeitigen großen Verfolgungen des Klerus durch die Laien, sowie durch die Bezugnahme des Schreibens auf jene deterministischen Anschauungen, die im späteren Mittelalter eine so bedeutsame Rolle spielen (res fatate; über die populären Prophezeiungen von einem Strafgericht über den Klerus vgl. z. B. Döllinger, im histor. Taschenbuch V, 1, 350. 357; Zarncke, Brants Narrenschiff, S. X, Anm. 1).
+München.+ +Dr. F. v. Bezold+.
I.
Cogit me multimode vestre dileccionis commissio, quatenus, si quid novitatis meis foret allatum auribus, huius vos inscias (!) non sinerem, set scriptis vestris favoribus transmittere dignarer. Vestris igitur cupitis in omnibus obtemperans ea, que nunc occurrunt, vobis stilo rudi breviter insinuare curavi. Inaudita quidam (!) a nostri studii exordio acciderunt noviter hactenusque in dubio ventilantur. Errant etenim studentes ut grex solus in agris pastoris neglecto regimine ocio continuo intenti. Nam nec lecciones nec exercicia nec disputaciones nec resumpciones habebantur publice a qui(n)dena hucusque. Accidit forte quinta feria de sero in hac sillaba Fus Arnolphus Prax Mag. etc.[68] anno 1458, quod aliqui studentum (!) ex fecundis caliditatibus plus solito lascivi quosdam laycos messores eis molestos crebris ictibus graviter vulneraverunt. Eo facto unus reliquo fugam captante ad consocios cerevisie insudantes subito refugium quesivit, quos vicina rusticitas clamoribus excitata in domum vallavit, eandem cum fustibus et gladiis, cultris et phalangis obsidendo. Deinde famuli civitatis presidio fulti iudicis domum subiverunt et eos quamvis multipliciter renitentes, ymmo durissime ferientes captivos ad locum vinculi traducere conabantur. Set studencium affluens tumultus extra domum prestolatur, et (!) cum eductirentur (!) captivi, liberi forent laycis a ianua fugatis. Interea civitatis famuli metu perculsi domum exire non audentes sine periculo magistrum civium nunctiis vocaverunt, qui veniens cum vicinis studentes propellere laborabat. Set ipsi non ignavi exemptis gladiis et cultris laycos acriter invaserunt, invasos prostraverant (!) et prostratos feriebant durissime. Layci vero pretorium accedentes campanulam pulsant, que in magnis consuevit pulsari disturbiis, qua (!) reliquarum campanarum sonus assequebatur. Pene tota in civitate commota tum ex campanarum tinnitu tum ex ictuum fragore et populi murmure in arma quilibet prorupit. Accurrente igitur armatorum multitudine studentes inermes et pauci laycos innumeros et armatos sustinere non poterant, set fugam accelarabant (!), quorum aliqui in fuga conversa (!) laycorum plerosque terram invitos osculare (!) coegerunt. Studencium insuper reliqui versus cimiterium sancti Nicolai, ut collegium subirent, gressum maturantes ante bursam nostram, que ecclesie vicina est, se in laycos converterunt et nos e bursa vocantes in auxilium laycis viriliter restiterunt. Sapientes vero burse nostre castrensium foraciam (!) ac multitudinem cernentes illud attendunt: Nil potiter (!) iusta tucius esse fuga; bursam firmis clauserunt obicibus. Nos autem ad fenestras cucurrimus spectatum, aliqui vero e nostris iniuriam consociorum forinsecus feriencium dedignati lapidibus laycos obruunt et eos quasi mortuos in vico civitatis relinquerunt (!) prostratos. Quo facto isti ribaldi furore succensi arcus tendentes unum ex nostris aspicientem duntaxat per nasi acuciem in maxillam trajecerunt, quod nos egre valde sustulimus, attamen extra bursam venire non poteramus velantibus magistris. Rursus laici in foro congregati cum quibusdam consulibus in bursam nostram, deinceps in alias irruant (!) maturant, set vix quorundam discretorum sedati prohibitu. In captos, quorum prius est mencio (!), quilibet suam profuderat rabiem, hic ferit, hic pungit, pungnis hic percutit, iste crines evellit; et tandem captos in locum detencionis recluserunt, quorum x erat numerus. Alii vero studentes illesi a periculis abierunt, saltem sine vulneribus, licet non sine ictibus. Set laicorum plures in terram prostrati, ni armati fuissent, gladiis, interiissent, qui plura arma dimiserunt territi fuga, que studentes ceperant et ad collegia asportaverunt. Vale.
Ex Pliczk (!) etc.[69]
II.
Gratum obsequium dicit et se commendatum facit. Si nunquam ea, que rara sunt et per auditum miranda, tum ex cronicis tum aliis antiquitatum libris lectitassem, duceret forsitan me egra mens mea, ut non nihil fidei preberem hiis, qui asserunt, quoniam res fatate sunt, ideo aventuras necessarium, presertim hoc tempore, cum rei, que longe ante fatata est, plurimum astipuletur veritas. Scimus vulgo dictum et latere neminem annos, qui post sexagesimum numerantur, iacture cleri deputandos esse, quod et Sibillam et alios quam (?) complures, quorum per vos scripta lecta sunt, a longi temporis evo commeminisse ferunt. Quantum nunc ea recte eveniant, in operis patet evidencia. Fluctuat cleros in orbi toto, in omni gente nec est provinciola vel minima quidem, que clerum sineret inconfusum. Ordiamur a capite. Quis iam apostolicum ut (!) eos, qui penes ipsum sunt, fratres curat? Cui accepta sunt eius mandata? Quis non fastidiat censuras ecclesie? Nil de vobis meque loquor, qui privati sumus. Videamus primores populi, quorum acta, ut brevior sim, partim ex hiis, que transmisi, scriptis, partim ex auditis vobis nota coniectandum est. Adeo iacet Romana curia, ut vix paucis familiaribus surroget victum, ut referunt, quibus ex orbe (!) est iter. Set parum est, ut sic dixerim, si cleri iacturam ex hiis, qui in Italia sunt, clericis comprobari (!) velim, cum ibidem terni episcopi cum familia tota vix numerum senarium reddant. Alemannia est, que clerum hucusque fovit, in qua et nunc eum subsidere necesse est, cum tot simultates, tot odia, tot bella adversa sint. Omitto Franciam et eas, que externe sunt, partes. Metensis episcopus cum Burgundionum duce, qui fratrem spurium presulem vult esse, bella gerit; fortis in fortem conatur; non est tuta eorum audacia (!). Rem quidem perniciosam ecclesie agunt. Non alia res Maguncie agitur. Ei, qui per papam datus est, auxilio sunt Trevirensis et Coloniensis episcopi, comites plures ex Reno cum provinciola, quam. Rincaw vocant, muitissima. Fertur eciam principem Wilhelmum[70] ea, que ad victum conducunt, undequaque coemere, exercitum parare eaque mente esse, ut electo per Romanum principem (!) ferat auxilium. Set non minus potens est per capitulum electus. Castra, civitates et forcias firmiores optinet, Palatino comite ut fratre utitur et ex Rheno potenciorum comitum habet assistenciam. Quid in his speratur malis, nisi Maguntine ecclesie, que pre diviciis, pre dignitate, pre fama cunctis in Theutonia ecclesiis prelata est, subversio atque destruccio? Mar. Alb.[71] ille tirannus uno episcopo iam lacero in altero grassatur; nulli penitus (?), set neque sanctorum sanctis (!) parcens villas exurit, cimiteria ac ecclesias, que in his partibus munite sunt, expugnat, spoliat, incendit. Nil inactum (!) relinquit, omnia dissipat effrenis eius furor. Ea sunt, fautorum optime, que me unum ex vulgo pene facerent, ut crederem, que predicta sunt, eventura necessario, nisi ex cronicis et antiquorum gestis legissem ea et prius et sepius evenisse, presertim tempore quo Heinricus cognomento quartus sua tyrannide exercuit imperium; qua tempestate adeo diversus dispersusque fuit clerus, ut vix duo mutuo consentirent. Non est contenta iactura ista in locis, que (?) magnus (!) et clerus insignis dominatur; fervet ut credo ubique terrarum. Increbescit (!) Erfordie, ubi magistri, quorum nomen quondam erat venerabile, nunc vinculis mancipantur, dum liberiore in laicos utuntur li(n)gua. Neque est minus odium in nostra civitate, qua tucior quisque foret in Bohemorum silva. Fuit quidem nec adhuc plene mitigatus est furor ac inmortalis simultas, cum nulli ad domum vicini secerum (!) datur accedere, cum nec famuli, quorum est opus, potagia ferre vel clara luce tuti sunt, quin pocius ledantur, spoliantur (!) mutilenturque. Hec res quomodo exordium sumpserit scribam. Accidit in transactis nundinis, quas autumnales vocant, cum quidam studens ex sutoribus quendam gladio necavit; quo in fugam recepto universitas, quod potuit, fecit, exclusit eumque de nostro numero deletum esse voluit. Affecit dolor iste quosdam de mechanicis, quia impunitus evaserit, qui cum liberi essent ab uxoribus, se nocte quadam colligunt et quos studentes reperriunt, sternunt, angulos quosque perlustrant et eum, quem solum reperiunt, vulnerant, ledunt, potus vel epotant vel effundunt, pecunias capiunt, urnas confringunt cantarosque observant (!). Ita res paulatim succrevit, ut minus minusque foret tutum; omnis cum (?) sermo de sutoribus erat culpaque omnis eis imputabatur. Erat iam in transactis civitatibus communis cervisia mechanicis, qua plus soliti (!) poti sese in vicos diversos recipiunt utque potum meliorem potent, famulos nostros expectant. Hos dum invadunt, oritur clamor, assunt domini resque cultris et gladiis agitur. Eorum, qui circa frena operantur et seras, duo gravissime lesi sunt, ut de unius vita, alterius defidant (!) sanitate. In parte alia pelliparii quosdam e domibus vocant, a quibus post proba (!) ad gladios arcusque tensas ventum. Utrumque (!) igitur mortes commisse essent, nisi beneficio cuiusdam femine et nobilis cuiusdam fortuitu res incepta fuisset. Colligunt se de nostris complurimi (!) perque plateas cursitant quidque reperiunt, aut in fugam vertunt, aut bene quassatos noctis vigilibus tradunt. Erant enim hii, qui vigilias vigilant, cum eis timore forsitan ducti. Sic quoque vario turbine prima pars noctis acta est; in ceteris mirum est habitum silencium. Die sequenti querele varie et a civibus et a nostris facte sunt. Res apud maiores nostros agitatur est (!), ubi concorditer placuit, principem adeundum fore, qui nisi nos pace debita fovere voluerit, suspendi lecciones debere eaque et omnia omittere, ut universitas desoletur. Qui ad principem missi sunt, iam primum venere; quid novitatis afferant, sciemus. Valete et me, qui, cum longe vobis cordi fuerim, ut modo sim, precor, efficite.
Ex Lipczk, die lune quarta Januarii anno LXII.[72]
Ein verschollener Hofjuwelier des 17. Jahrhunderts.
Das äußerst reichhaltige Archiv des ehemaligen Jesuiten-Collegii zu +Schweidnitz+, wohin ich erst nach besonderer Empfehlung der kirchlichen Behörde den Zutritt auf die Dauer erhalten konnte, enthält an kunsthistorischem Material aus dem 17. Jahrh. noch außerordentlich viel. Eine Probe der dort noch zu hebenden Schätze möge der im Folgenden wiedergegebene Briefwechsel liefern. Nachträglich kann ich indeß bestätigen, dass Herr Stadtpfarrer und bischöflicher Kommissar +Simon+ mir in liberalster Weise seine archivalischen Schätze zugänglich gemacht hat.
I. +Contract zwischen dem P. Knittel und dem Hofjuwelier Littigen wegen Kirchenleuchter.+
Itzund zu entgesetztem Dato ist zwischen Ihro Hochwürden Herrn Pater +Casparus Knittel+ an einem und dann Herrn +Conrad Rudolf Littigen, Kaiserlichem Hof-Juwelier+ anderntheils folgender Contract aufgericht und beschlossen worden. Als nämlich bestellten Ihro Hochwürden bei ihm 6 weißgetriebene Kirchenleuchter sammt dem dazu gehörigen Crucifix, zusammen im Gewicht auf 56 Mark, und versprechen ihm für jede Mark, wenn das Geld davon allhier in +Wien+ erlegt würde, 25 Gulden zu bezahlen. Sollte aber das Geld in +Augsburg+ erlegt werden, für jede Mark 24 Floren.
Dagegen verspricht Herr +Littigen+, solche besagte 6 Leuchter sammt dem Crucifix innerhalb vier Monate von Augsburg anhero zu machen, rein, schön, sauber verfertigt nach der dargezeigten Visirung und Höhe des Spagats,[73] allzeit zwei und zwei Leuchter zu liefern. Dessen zu wahrer Urkund sind dieses Contractes zwei gleichlautende Exemplaria[74] aufgericht und jedem Theil eins zugestellt worden,
Geschehen in Wien den 4. Febr. 1696.
II. +Briefe für reverendo in Christo patri Wenc. Hartmann Soc. Jesu-Coll. Rectori Schwidnitii.+
a) +Reverende pater in Christo.+
Lampas argentea... habetur apud dominum, qui non amplius vocatur +Littingen+, sed +Fritsch+, cum Littingen nuper defunctus fuerit, primaris Fritschii in commercio collega, a quo ipse Fritsch denominabatur. Lampadis circumfer(enc)iam mitto in filo per totum; altitudinem à basi usque sursum ad os foraminis, in quo debet oleum collocari, exhibet brachium fili longius à nodulo. Pretium leget R. V^a in charta adjecta. Habet lampas solum tres prostantias cum capitibus angelorum, unde catenula sursum; alias nulla ornamenta exstantia sunt addita. -- Lampas autem nidite elaborata ab eodem artifice qui candelabra fecit, et habet apparentiam magnificam satis...... Vienna 15. Sept. A. (16)96.
servus in Christo Knittel.[75]
b) +Spezial-Rechnung des Juweliers.+[76]
6 Weißgetriebene Altar Leichter -- die Höhe iedtweders paar Leichter zeiget der Spagat -- sambt dem Crucifix, wogen 21 March 7⅛ Lot Wienner Gewicht, die March per 25 [Reichstaler]: Betragt in Geldt 536 fl. 9 Xr. Im Fall aber größere verlangt würden, in der Höhe von 3 biß 4 Spannen hoch, kommen 6 Leichter sambt dem Crucifix gegen 1300 Fl.; aber es brauchet 4 Monat Zeit, biß ichs von +Augspurg+[77] kommen lasse: primo: Wenn das Gelt mir in ordinari corrent könnte zu Augspurg erlegt werden, were mir lieb, wo aber nicht, so kans in +Wien+ bezahlt werden. 2^do solche Leichter sambt dem Crucifix laß ich auf mein Unkosten anhero nacher Wien kommen, daran es kostet den Kauffer weiter nichts mehrer, als jede March 25 [Reichstaler] und waß selbiges wiegen wirdt, rechnet man nach dem Gewicht auß. 3^o werden auch solche Leichter sambt dem Crucifix innerhalb 4 Monat Frist unfehlbar alhier zu Wienn geliefert werden. 4^to Keinen fertigen Abriß hab ich anitzo nicht bey Handen; denn ich hab in erst mit der jüngst abgegangenen Post nachher Augspurg geschickt, weilen ich vor einen gewissen Praelathen (Prälaten) auch dergleichen machen lasse. Soll aber einer verlangt werden, so wiel ich einen zeichnen und dem hiesigen Herrn P. Procurator einhendigen. Jedoch versichere ich, daß sie recht sauber und +nach der neuersten Façon+ wohl ins Gesicht gemacht werden sollen. 5^to, wanns beliebt, so kan ein Contract gemacht werden (cf. vorhin). NB. die Höhe begehre ich zu wissen just.
c) +Rechnungs-Abschluß.+
Actum 1696 den 15. Juni in Wien.
6 Weißgetribene Kirchen-Leichter sambt dem Crucifix wäget zu sambt M. 58: 14: 2 p. 25 fl. 1472: 41 pro daß Eysern werch 7: 30 „ den Kasten 1: 30 ------------ fl. 1481; Xr. 41
+Quittung+; Den 14. Augusty ist dieses ime (ihm) sambt dem embalagio mit 1484 fl. 11 Xr. paar bezahlt worden.
Conrad Rud. Littigen, Kays. Hoff-Juwelirer.
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.
Judas Ischarioth in lateinischen Versen.
Ein kurzer Artikel im Daheim (Jahrg. 1880, S. 11): „Die Oedipussage im christlichen Gewande,“ veranlaßt mich, eine Mittheilung über eine Maihinger Handschrift zu machen, in welcher derselbe Stoff, welchen Franz Pfeiffer in Frommanns Zeitschrift für die d. Mundarten, II. Jahrg., S. 291 ff. als Probe altkölnischen Dialektes (saec. XV.) nach einer Stuttgarter Handschrift herausgab, und worauf der Daheimkorrespondent fußt, in lateinischen Versen behandelt ist.
Ich habe z. Z. weder den Maihinger Codex, noch Frommanns Zeitschrift vor mir; es mögen folgende Notate genügen, die ich mir ehedem über den Maiingensis machte.
Der Cod. Maiing. II. Lat. 1. fol. nro. 94 enthält auf Bl. 1^a ein Gedicht, welches beginnt:
Cunctorum veterum placuere poemata multum; Nunc nova scribentem plebs deridet quasi stultum. V. 9. Jeronimus pater egregius triplex ydeoma Noverat et nobis doctrinae misit aroma. V. 21. +Forte Ruben dictus vir in urbe manebat Hebrea Uxorem ducens cui nomen erat Zirobea.+
Blatt 1^b schließt, mit Vers 191 abbrechend:
Argenti statuit sibi ter denos dare nummos.
Blatt 2^a folgt ein anderes lat. Gedicht (Viri fratres servi dei, s. Du Méril 1847, p. 136); aber die Fortsetzung des Ischariothgedichtes kommt Bl. 18^a in 61 Hexametern, so daß sich die Gesammtzahl der Verse auf 252 beläuft. Bl. 18^a die Unterschrift: 1475.
Der Cod. Monacensis 12,262, saec. XV. enthält Bl. 206-208 eine Vita Judae Ischarioth und der Cod. Monac. 21,259 saec XIII.-XIV. Bl. 228 ein Opusculum de ortu Pilati und Bl. 231 f. de ortu Judae Scariothis. Aus letzterer Fassung wird die altkölnische Uebersetzung stammen.
+Dinkelsbühl.+ Dr. +Schepß+.
Zur Baugeschichte des Schlosses in Cassel.