Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 8
Die jüngst vorgenommene Restaurierung und neue Aufstellung des großen Sandrart’schen Gemäldes: das Friedensmahl auf dem Rathhaussaale zu Nürnberg, lenkt die Aufmerksamkeit von neuem auf einen Mann, der zu seiner Zeit eine bedeutende Rolle in der Geschichte spielte und namentlich in der genannten Stadt eine Zeit lang eine Stellung einnahm, der es wenig entspricht, daß man später, trotz seiner Verherrlichung durch Künstlerhand und der dadurch in hervorragender Weise erhaltenen bildlichen Gegenwart, ihn gänzlich aus dem Andenken gestrichen hat. Unter der ansehnlichen Gestalt nämlich, welche auf dem Bilde, durch den getragenen Marschallsstab als Anordner des Festes kenntlich gemacht, den Pagen voran, zum Vordergrunde schreitet, hat man den Feldmarschall Wrangel oder einen Marschall von Pappenheim erkennen wollen, während jener schon unter den an der Tafel Speisenden sich befindet, andererseits historisch von Keinem des Geschlechtes Pappenheim sich nachweisen läßt, daß er in der erwähnten Eigenschaft bei der in Rede stehenden Feier engagiert gewesen. Bekanntlich war der berühmte kais. Feldmarschall dieses Namens schon 1632 bei Lützen gefallen. Mit größter Wahrscheinlichkeit läßt sich aber unter der bezeichneten Figur der oben genannte Graf Schlippenbach vermuthen, der beim Pfalzgrafen Karl Gustav, dem späteren Könige Karl X. von Schweden und Geber des Festschmauses, Hofmarschall war, und als solcher ohne Zweifel den letzteren anordnete, wol auch die Verewigung desselben durch Sandrart’s Pinsel besorgte und als Besteller und Bezahler des Bildes mit dem Künstler in so nahe Berührung kam, daß es natürlich erscheint, wie dieser ihm einen so hervorragenden Platz auf dem Gemälde angewiesen. Zur Gewißheit aber wird jene Vermuthung erhoben durch eine Anzahl von Handzeichnungen, die vor einiger Zeit in den Besitz des germanischen Museums gelangt sind und die Mehrzahl der auf dem Sandrart’schen Gemälde dargestellten Personen in Brustbildern vorführen. Diese Porträte sind mit dem Stift trefflich ausgeführt, wahrscheinlich von Sandrart’s eigener Hand, der sie als Studien für seine große Arbeit aufnahm. Es ist dies um so mehr anzunehmen, da einige Abweichungen der Zeichnungen von den Malereien vorkommen, während ein Copist diese letzteren wol getreu und schwerlich so gut nachgebildet haben würde. Die einzelnen Porträte sind durch beigeschriebene Namen von etwas späterer Hand näher bezeichnet und bei dem hier in Betracht kommenden Kopfe steht zwar nicht der Name +Schlippenbach+, aber -- +Schlittenbach+. Daß jedoch der letztere nur irrthümlich statt des ersteren gesetzt, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Schrift rührt, wie angedeutet, nicht von Sandrart’s eigener Hand her -- zu deren Vergleichung uns andere Proben zu Gebote gestanden. Vermuthlich fügte sie ein folgender Besitzer der Zeichnungen bei, der noch Gelegenheit hatte, die Namen der Abgebildeten zu erkunden, den in Süddeutschland aber wenig bekannten Namen Schlippenbach nicht richtig erfuhr oder auffaßte. Die anderweitigen Erklärungen der Figur rühren offenbar aus einer viel späteren Zeit, in welcher man vom Hofmarschall von Schlippenbach nichts mehr wußte. Man erkannte auf dem Bilde nur den Marschall, und da der Feldmarschall Wrangel, sowie die Marschälle von Pappenheim vor allem bekannt sind, wählte man ohne Untersuchung einen dieser Namen.
Wir benutzen den Anlaß, über die Familie und Person des Grafen Schlippenbach einige Mittheilungen[26] anzufügen, die zum Theil auf bisher noch nicht bekannt gewordenen urkundlichen Forschungen beruhen.
Die Schlippenbach gehörten zum alten Geschlechtsadel der westfälischen Grafschaft Mark, sind jedoch dort erloschen, nachdem sie sich nach Lievland verpflanzt und von daher in den zwei Nebenländern Curland und Esthland verbreitet haben. Von Curland gieng ein Zweig aus dem Hause Salingen nach Schweden, erwarb dort die Grafenwürde und siedelte später nach preußisch Pommern und Brandenburg über, während ein kleiner Rest des Geschlechts in den russischen Ostseeprovinzen im Freiherrnstande fortblüht. -- An das Stammwappen, eine senkrecht hängende Kette mit zersprengten Ringen (Schleifen) am oberen und unteren Ende, knüpft sich in der Grafschaft Mark eine ganze Gruppe von Familien, die jetzt verschiedene Namen führen; zunächst das schon 1194 urkundlich vorkommende Geschlecht von Bönen auf Kettinghausen (auch nach diesem bei Bönen zwischen Hamm und Cahmen gelegenen Sitze genannt); ferner die Budberg, Neuhof u. s. w.; ebenso die Schlippenbach, früher Slipenbeck (Slipe, niederdeutsch, gleich Schleife). Heinrich I. kommt 1406 urkundlich als Ritter und Edelbürger zu Iserlohn vor; Heinrich III. starb 1486, wahrscheinlich als der letzte seines Hauses im Stammlande. -- Hier scheinen sie gewaltige Jäger gewesen zu sein; denn ihr Andenken verliert sich in einer gespenstischen Volkssage, die zwar, nach ihrer Verpflanzung in den Nordost, den Schauplatz ihres Thuns auch weiter ostwärts verlegte. In der Altmark ist ein Schlippenbach der „wilde Jäger“. Vielleicht entstand die Sage aber auch erst nach Rückkehr des Geschlechtes auf das deutsche Festland.
(Schluß folgt.)
Notizen in Betreff der geographisch-heraldischen Gruppen.
Wenn man die Wappen alter Geschlechter nach deren Stammsitzen zusammenstellt, so ergeben sich nicht selten in derselben Gegend Gruppen von Familien, welche dieselben Wappenbilder führen, theils nur verschieden durch die Farben, theils durch Beizeichen oder das Hinzutreten anderer Wappenbilder, sowie anderer Helmzierden. Die letzteren sind jedoch von geringerem Belange, da nicht selten bei ein und demselben Geschlechte zu verschiedenen Zeiten oder auch gleichzeitig bei verschiedenen Zweigen des Geschlechtes verschiedenartige Helmzierden geführt sind.
Im „Freien Grunde“ bei Siegen findet man das mächtige, in viele Linien verzweigt gewesene Geschlecht v. Selbach und, ihm benachbart, die v. Gevertzhagen (Gebhardshain), gen. Lützenrode und gen. Kotzerode, v. Langenbach, gen. Sassenrode, v. Ders, v. Stein etc., welche sämmtlich drei schrägrechts gestellte Rauten führen. Dasselbe Wappenbild findet sich mehrfach weiter westlich bis an den Rhein.
An der mittleren Sieg findet man vorherrschend Rosen; so bei den v. Crottorf, v. Wildenburg, v. Wissen, v. Isengarten.
Besonders auffallend ist aber das häufige Vorkommen von Ringen oder Kränzen, und zwar meistens von drei Ringen in der Stellung 2. 1. in Westfalen, am Rhein und in den Niederlanden.
In Westfalen sind bis jetzt folgende Geschlechter bekannt, welche sämmtlich drei Ringe in der Stellung 2. 1. führen:
+v. Asseln+ zu Asseln bei Unna und Hünninghausen, sowie in Dortmund, führen quergetheilten Schild, darin oben ein wachsender Löwe, unten in Schwarz drei (2. 1) silberne Ringe.
+v. Aden+ zu Borg bei Werl, führten unter einem Schildeshaupt drei Ringe 2. 1. (Ein zweites Geschlecht v. Aden in derselben Gegend führt drei Steine und einen Querbalken.)
+v. Frytag+ (Freytag-Loringhoff) bei Hamm, Dortmund, Unna etc. in Westfalen, sowie in Curland, führen in Blau drei silberne Ringe 2. 1. (Zu ihren Besitzungen gehörte die Burg Aden bei Lünen.)
+v. Grevele+ in Westfalen, haben drei Ringe 2. 1.
+v. Harde+ zu Hülshoff, in Blau drei goldene Ringe 2. 1.
+Hasgebeck+ (Husgebeck), in Roth silberne Ringe 2. 1.
+v. Herricke+ oder Herdecke bei Unna, 3 Ringe 2. 1., darüber einen Turnierkragen.
+v. Hoyngen+, +gen. Hune+, (Hoiningen-Huene) aus der Grafschaft Mark (aus der Gegend von Soest und Unna, wo auch gleichnamige Orte sind) nach Curland gezogen, haben drei silberne Ringe 2. 1. in Schwarz.
+v. Lamesdorp+, Lamsdorff (nicht zu verwechseln mit v. d. Wenge-Lamsdorff), drei Ringe 2. 1.
+v. d. Lippe+, gen. Hune, (Hun, Hoen), dem Namen und Wappen nach unzweifelhaft aus der Lippe-Gegend stammend, an der Sieg und Maas etc. angesessen, führen drei Kränze oder Ringe 2. 1., mit oder ohne Rosen belegt.
+v. Wunnemann+ (v. Bornecke, gen. Wunnemann) zu Edelburg bei Iserlohn, führen einen Querbalken, darüber zwei Ringe, darunter ein Ring.
Außer den Wappen der vorgenannten Geschlechter, welche gleichmäßig drei Ringe in der Stellung 2. 1. haben, finden sich noch in Westfalen manche Geschlechter, in deren Wappen die Ringe in anderer Stellung und in anderer Zahl vorkommen; so führen die v. Knipping gespaltenen Schild mit drei Ringen 1. 1. 1., v. Wrede gespaltenen Schild mit einem Ringe, v. Altenbockum in Schwarz einen silbernen Ring.
Nächst Westfalen zeichnen sich die Niederlande, besonders Flandern, aus durch das häufige Vorkommen von Wappen mit Ringen und Kränzen in der Stellung 2. 1.
+d’Autrive+, in Gold drei schwarze Ringe.
+v. Belle+, in Schwarz drei goldene Ringe.
+de Haveldonc+, in Silber drei grüne Kränze, mit Rosen belegt.
+v. Hoede+, desgl.
+v. Hoynk+, in Silber zwei rothe Ringe und statt des dritten Ringes eine rothe Rose.
+de Kaysere+, in Schwarz drei goldene Ringe.
+de Lonqueville+, in Gold drei schwarze Ringe.
+v. d. Pütte+, in Roth drei silberne Ringe.
Am Mittelrhein (Archiv zu Coblenz) findet man sehr viele Siegel von Schöffengeschlechtern, welche unter Beifügung mancherlei Beizeichen oder anderer Wappenbilder drei Ringe 2. 1. führen.
Am Niederrhein führten die Pithane, v. Nörvenich, Calium, gen. Lohausen, Godelheim und Edelkind sämmtlich im Wappen einen Querbalken, darüber zwei Ringe, darunter einen Ring.
Im übrigen Deutschland finden sich zwar ebenfalls Wappen mit Ringen, und zwar in der Stellung 2. 1., aber ganz zerstreut, nirgends gruppenweise bei einander, z. B.:
+v. Roidheim+, silberne Ringe in Roth.
+v. Neyperg+, silberne Ringe auf Blau.
+v. Hetzer+, desgl.
+v. Segrat+ (?).
+v. Hornberg+ (?).
+v. Waldstein+, goldene Ringe in Schwarz.
+v. Winsem+, goldene Ringe in Roth.
Auch finden sich hier drei Ringe, verbunden mit Schildestheilungen; z. B. bei den Familien v. Schönau, v. Cosiack, v. Schlick, v. Virtüng.
In der Schweiz finden sich drei Geschlechter, welche in nicht zu großer Entfernung von einander angesessen waren:
+v. Breitenlandenberg+, in Roth silberne Ringe 2. 1.
+v. Puirs+, in Silber schwarze Ringe 2. 1.
+v. Nydberg+, in Silber rothe Ringe 2. 1.
In Gegenden, wo, wie besonders in der Grafschaft Mark, mehrere Geschlechter dasselbe Wappen führen, muß die Frage entstehen, ob der Grund hiervon in dem gemeinsamen Ursprunge der Geschlechter, oder darin zu suchen ist, daß mit dem Wappenbilde eine Bedeutung verknüpft war, der Art nämlich, daß es gewissermaßen ein Amtszeichen, oder dem Wappen des Lehnsherrn entliehen war. Die Wappen der Familien v. Frytag-Loringhoff und v. Hoiningen-Huene stimmen in allen Theilen überein, da auch beide als Helmzierde einen doppelten Flug führen, auf jeder Hälfte wieder mit drei Ringen 2. 1. belegt, und bei beiden findet sich in früherer Zeit dasselbe Schwanken in den Farben des Schildes und der Ringe, bis man, wie oben angegeben, für die Frytag blaues, für die Huene schwarzes Feld festgehalten hat. In Betreff der Helmzierden in der Wiederholung des Wappenbildes auf denselben finden sich ebenfalls in früherer Zeit Schwankungen. Beide Geschlechter, derselben Heimat entsprossen und aus dieser zur selben Zeit nach Curland gewandert, scheinen offenbar demselben Stamm entsprossen zu sein. Unter Beachtung der Namen und Wappen gehören auch die v. d. Lippe, gen. Hune, sowie die niederländischen v. Hoynk zu diesem Stamme; ob man aber auch die übrigen genannten Geschlechter Westfalens demselben Stamme zuzählen darf, wäre erst näher zu prüfen. Beachtenswerth dürfte es aber hierbei sein, dass die v. Frytag im Besitze von Aden, die von Asseln im Besitze von Hüninghausen waren, und daß die Stammsitze der meisten angeführten westfälischen Geschlechter nahe bei einander gelegen waren.
In seltenen Fällen wird es gelingen, den gemeinsamen Ursprung verschiedennamiger Geschlechter einer heraldischen Gruppe so vollständig urkundlich nachzuweisen, wie dies für die verschiedennamigen Nachkommen der Grafen von Sponheim geschehen ist, obgleich dieselben ihre Wohnsitze weiter von einander hatten, als dies bei den genannten westfälischen Geschlechtern der Fall war.
In einigen Gegenden findet man bei dem Lehns-Adel das Wappenbild des Lehnsherrn wiederholt. So ist z. B. im Herzogthum Jülich und in Geldern das häufige Vorkommen des Löwen in den Wappen auffallend, während man im Bergischen nicht selten gezinnte Balken findet. Viele Vasallen der Grafen von Katzenellenbogen zu Hohenstein führen, wie letztere, ein rothes Schildchen in silbernem Felde, aber begleitet von verschiedenartigen Beizeichen in einer Oberecke des Hauptschildes.
Aehnliche Verhältnisse sind mehrfach bekannt.
Die Entstehung solcher heraldisch-geographischen Gruppen mit gemeinsamen Wappenbildern scheint nach diesen Andeutungen nicht immer auf demselben Grunde zu beruhen.
Während manche Gruppen aus ein und demselben Stamme hervorgegangen sind, dessen Zweige nach Gütern, oder durch andere Umstände veranlaßt, verschiedenartige Namen erhalten, aber stets das gemeinsame Wappenbild beibehalten haben, kann bei anderen Gruppen ein gemeinsamer Ursprung nicht angenommen werden, da bei ihnen das gemeinsame Wappenbild von demjenigen des Landesherrn entnommen ist.
Die Betrachtung der heraldisch-geographischen Gruppen ist gewiß für genealogische Forschungen von großer Wichtigkeit, und es wäre zu wünschen, daß derselben eine möglichst große Aufmerksamkeit geschenkt würde.
+Unkel. A. Freih. v. Hoiningen-Huene.+
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1868. Nº. 2. Februar.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, 15. Februar 1868.
Wir sind heute in der Lage, den Freunden und Förderern der Anstalt die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß wir Hand an ein lange vorbereitetes Werk legen konnten, indem der Ausbau des Kreuzganges und die damit zusammenhängenden Arbeiten bereits in den letzten Tagen in Angriff genommen worden sind, und daß wir einem raschen Fortgange des Baues entgegensehen, so daß der Schmutz und die Lasten des Baues beseitigt sein werden, noch ehe der stärkere Fremdenbesuch die eigentliche Bauthätigkeit hemmen würde. In Verbindung mit diesen Bauten wird sich die begonnene Umstellung der Sammlungen fortsetzen.
Unsere Sammlungen haben in letzter Zeit wieder einige namhafte Bereicherungen erfahren. Hinsichtlich eines Theiles derselben verweisen wir auf das Verzeichniß am Schlusse dieser Zeilen, worin die überaus werthvollen Geschenke aufgeführt sind, die unsern drei Abtheilungen durch Herrn Landesgerichtsassessor Ludw. von +Cuny+ in Köln, dessen wir schon so oft in der letzten Zeit dankbar zu gedenken hatten, zugegangen sind.
Eine weitere Bereicherung erhielten unsere Sammlungen durch eine fast ganz neue Abtheilung, nämlich durch eine beträchtliche Sammlung von Stoffmustern und Stickereien vom 6. bis zum 18. Jhdt., die durch Ankäufe von verschiedenen Seiten zusammengebracht wurde. Wir können auf diese rasch entstandene, hoffentlich sich stets mehrende Sammlung stolz sein. In einer großen Zahl vortrefflicher Exemplare ist die Entwicklung der Musterung der Seiden-, Leinen- und Wollenstoffe, sowie der Bortenwirkerei durch 12 Jahrhunderte dargelegt. Höchst wichtige und werthvolle Stickereien von Seide und Gold, wie in Leinen und Wolle, schließen sich denselben an. In Verbindung mit dem, was das Museum an Erzeugnissen der textilen Kunst früher schon besessen, dürfte diese Sammlung wol unbestritten als die erste in Deutschland gelten.
Wir hoffen, darüber bald einen Specialcatalog veröffentlichen zu können, und legen auf solche Abtheilungen wol mit Recht großen Werth, weil die wissenschaftliche Bedeutung vorzugsweise in größeren Serien sich kund gibt. Darum ist es stets unser Bestreben, durch dergleichen darzulegen, wie sich der Entwicklungsgang der einzelnen Gebiete gestaltet hat. Wer unsere Sammlungen nach dieser Richtung hin betrachtet, wird gestehen müssen, daß dieselben, wie sie nach und nach an Bedeutung gewinnen, auch einen immer höheren wissenschaftlichen Werth erhalten. Insbesondere wird jeder, der sich die geringe Mühe gibt, die Fortschritte zu verfolgen, wie sie von Jahr zu Jahr mehr und mehr heraustreten, jeder, der aus dem Geleisteten auf die Leistungsfähigkeit der Anstalt einen Schluß zu ziehen im Stande ist, ihr seine Anerkennung nicht versagen.
Um so betrübender war es daher für uns, zu vernehmen, daß die kgl. preußische Regierung in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 25. Januar d. J. sich in Folge eines Gutachtens der kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin veranlaßt gesehen hat, zu erklären, daß sie ihre Bereitwilligkeit, weitere Mittel für das germanische Museum zu bewilligen, zurückziehen müsse, weil nach diesem Gutachten „die wissenschaftliche Bedeutung nicht von der Art ist, daß eine höhere Subvention aus preußischen Staatsfonds sich rechtfertigen läßt.“
Leider hat Se. Excellenz der Herr Minister für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten sich nicht bewogen gefunden, auf eine sofort nach Bekanntwerden dieses Ausspruchs an ihn gerichtete Eingabe die unserer Anstalt in jenem Gutachten gemachten Vorwürfe bekannt zu geben.
Wir glauben jedoch von dem freundlichen Entgegenkommen der kgl. preußischen Regierung hoffen zu dürfen, daß diese Angelegenheit einer nochmaligen Besprechung und Prüfung der Sachlage unterzogen und zu einem die angegriffene Ehre der Anstalt vollständig reinigenden Resultate führen werde.
Von neuen +Jahresbeiträgen+ wurden seit Veröffentlichung des letzten Verzeichnisses folgende angemeldet:
Von =Anstalten für Kultus und Unterricht=. =Nürnberg.= Kgl. Gymnasium 5 fl.
Von =Privaten=: =Danzig.= Admiralitätsrichter Abegg 1 fl. 45 kr., Privatbaumeister Halbritter 1 fl. 45 kr., Kaufmann R. Kämmerer 1 fl. 45 kr. =Freiburg i. Br.= Professor Dr. Alzog 2 fl., Professor Amann 1 fl., Graf v. Andlau 1 fl., prakt. Arzt Dr. Böhringer 1 fl., Professor Dammert 1 fl., Hofrath u. Professor Dr. Ecker 1 fl., Lyceumsdirektor Dr. Furtwängler 1 fl., Domkapitular Dr. Haitz 1 fl., Professor Dr. Hegar 1 fl. 10 kr., Kreisger.-Rath Graf v. Hennin 1 fl., Hofrath u. Prof. Dr. Kußmaul 1 fl., Hofger.-Sekretär C. Jäger 1 fl., Hammerwerksbesitzer Klehe 1 fl., Geh. Rath Freih. v. Marschall 2 fl., Freih. v. Neveu 2 fl., Graf v. Rohde 2 fl., Professor Dr. v. Rotteck 1 fl., Professor Schreiber 2 fl., Gasdirektor A. Spreng 1 fl., Freih. v. Wengen 2 fl. =Graz.= Ignaz Schrotter, Professor an der steierm. landsch. Oberrealschule, 1 fl. 10 kr. =Köln.= Dietr. Leonardt 1 fl. 45 kr., Professor Mohr 1 fl. 45 kr., Dagobert Oppenheim 8 fl. 45 kr., Dombauwerkmeister F. Schmitz 1 fl. 45 kr., Banquier C. Stein 8 fl. 45 kr. =Lauf.= Kaufmann Barth 1 fl., Pfarrer Seuß 1 fl., Pfarrer Wild 1 fl. =Nürnberg.= Baer, Pfarrer bei St. Sebald, 1 fl., k. Bez.-Amtsassessor, Theod. Bezzel, 1 fl. 30 kr., Dr. Ferdin. Hiller, Gewerbsreferent, 1 fl. =Rennertshofen.= Wolfg. Fichtl, Pfarrer u. Distriktsschulinspektor in Stepperg, 1 fl. =Wertheim.= Kaufmann Bernhard Benario 1 fl.
+Einmalige+ Beiträge gaben:
Von =Privaten=: =Freiburg i. Br.= Rechtsanwalt Barbe 1 fl., Stabsarzt Dr. Beck 1 fl., Professor E. Bender 1 fl., Professor Dr. A. Claus 1 fl., Kreisger.-Präsident Fezer 1 fl. 45 kr., Oekonom H. Gäß 1 fl., Oskar Frhr. v. Gleichenstein 1 fl., Oberamtmann Haas 1 fl., Dekan Helbing 1 fl., Kaufmann Herzog 1 fl., Partikulier v. Jagemann 1 fl., Professor Dr. König 48 kr., Dr. Ad. Maier, geistlicher Rath u. Professor, 1 fl., Domkapitular Marmon 1 fl. 45 kr., Redakteur Dr. Mayer 30 kr., Privatier H. Meier 1 fl., Direktor J. Merkel 30 kr., Fabrikant Karl Metz 4 fl., Banquier Christian Metz 1 fl., Professor A. Metzger 30 kr., Dr. J. Müller, Hofrath u. Professor, 1 fl., Domkapitular Orbin 1 fl., Dr. L. Oettinger, Hofrath u. Professor, 1 fl., Professor Dr. Rauch 1 fl., Frhr. v. Rinck 1 fl., Fabrikant J. Risler 1 fl., Professor A. Schwab 1 fl., Buchhändler Fr. Wagner 4 fl., Hofrath Weißgerber 1 fl., Kreisger.-Rath Wilhelmi 1 fl. 10 kr. =Hameln.= Gymnas.-Direktor Ebeling 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Gilbert 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Möhle 52½ kr., Gymnasiallehrer Rose 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Theilkuhl 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Wittrock 52½ kr.
Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu:
I. Für das Archiv.
(Nr. 3469-3472.)
=Annaberg.= +Bruno Hempel+: Eintrag in dem Kirchenbuche zu Possendorf bei Dresden, Geburt und Taufe Ferdinands v. Schill betr. 1776. Pap.-Facsimile. -- =Crailsheim.= +G. F. Faber+, Bleistiftfabrikant: Geburtsbrief für Joh. Chr. Friedr. Mackh, Metzger, v. Crailsheim, ausgestellt im Namen des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg. 1724. Pergam. Lehrbrief für Joh. Chr. Friedr. Mackh u. s. w. 1724. Pgm. -- =Marktbreit.= +G. Schneider+, Schullehrer: Geburtsbrief für Hans Bronicher, ausgestellt von Bürgermeister und Gericht des Fleckens Hohestatt. 1687. Pap. Orig.
II. Für die Bibliothek.
(Nr. 21,688-21,785.)