Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 7
+Zinstags den 18. Juli 1606+ befohlen: „daß ein Schreiben an Herrn Bischoffen zu Chur umb Lieferung eines abgerichten abgetragenen mit dem geleut wolbehengten +Happich+ verfertigt werde.“
+Den 9. Juli 1614+ befohlen, „dass Ihro Gnaden dem Herrn Bischofen zu Chur +umb den Habich+ zugeschriben werden solle.“
Noch bis in’s Jahr 1630 gehen diese Beschwerden fort.
Die +Armbrusterbücher+ haben dies Weisthum ebenfalls; aber nichts, was nicht aus den Urkunden hier auch bekannt wäre. Im Stuttgarter k. Staatsarchiv ist ebenfalls ein Aktenstück, den „Habicht“ betreffend, das fast wörtlich unsere Mittheilungen enthält und das v. Langen gleichlautend in seinen Beiträgen gibt.
+Des Nachrichters ayde.+
Aus dem Stadtrecht von 1545.
Bl. 39 a. Item ain hennker soll zu Gott unndt den hailigen schwören den räthen unnd den burgern gehorsam ze seindt und ze richtende: es seye mit dem schwert, mit dem rade oder mit +ertrenken+[11] oder wie man ain person ab leib tun will unnd von jetlicher persone nit mer dann zway pfund haller zenemen.
item und so man ains +erblente+ es were frow oder mann i lib. und denen man die zungen usschneit v ß hll. und denen man die oren abschneit v ß hll.
item und was vichs unsern burgern stirbt, sie seyendt in der statt oder uff dem landt: das soll er inen ouch schniden und soll von ainem ross, rind oder ainer kue nit mer nemen dann 3 ß hel.
item von ainem zwaijärigen kalb, das zway hay geessen hat i ß hel. von ainem das i hew geessen hat i ß hll.
item von ainem järigen fülhin 10 hllr.
item von ainem +milchfulhin+ 1 ß hllr.
item von ainem milchkalb 8 hllr.
item von ainem schaf 8 hllr.
item von ainem kitzin und ainem lemlin 4 hllr.
item von ainer gaiß ouch 8 hllr.
item unnd von Usleuten von altem vih nit mer dann iiii ß hllr. und sol ouch er oder sein knecht hingôn, wo man ine hinschickt unsern burgern in unsern dörfern, die zů unserer statt gehörendt bey ainer mill wegs oder zwayen.
item were es ouch das er oder sein knecht unser burger ainem ainiche hüt braechte, davon soll man ime ouch beschaidenlich lonen und mag ouch heut wol darumb inbehalten, bis ime davon gelonet wirt, es sey umb schnyden oder umb das haimbringen.
item und ob jemant den unsern ainich vaist ochs oder was vihs das were, stürbe, wann der begerte ime das vich vffzetund und ime das unschlitt herus zegeben: das sol er ouch tůn und ime das widergeben; und ob jemant sonst begerte das vich uffzethund, darumb, daß er sehe, was ime gebreste: das sol er ouch tun.
item were ouch das ainem ain vaißt schwein stürbe: das soll er ime ouch schniden und beraiten und schmelzen umb den halbtail, ob er anders des begert; und ob ainem ain vaißt pferdt oder +veldtross+ sturb, das soll er ime ouch ufftůn und das schmalz herustůn und widergeben, wer des begert.
item wann ouch ain beschlagen pferdt oder veldtross sturbt: dem sollen sie die ysen ouch abbrechen und widergeben.
item er soll ouch nieman anderswo hingôn richten, weder herren noch stetten: ain burgermaister erloube ime dann das und sollendt ouch seine knecht, deren seyen ainer oder mer das ouch schwören ze halten als er.
item darumb soll man ime geben alle fronfasten 30 ß hllr. und behusung in der alten statt; da der erste maister innsaß und soll ouch er das hus und den garten nutzen und nießen und alle die zins richten, so davon gandt. (Bl. 40 a.)
item von ainem ochsen oder alten rind lebendig zů begraben xv ß hllr.
item von ainer thunnen hering zů verbrennen v ß hllr. ob sich aber fůgte, das er zwo oder drey mit ainander verbrennen wurde, soll er ouch nit mer dann v ß hllr. ze lon nemen[12].
+Oberndorfer Weisthümer.+
(Monum. Hohenb. S. 924.)
1) „Item, so man das erst gericht uff Michahelis widerum helt, so soll der Richter die erst Urtal nit geben, der statknecht geb dann dem schulthais und richtern ihr Gerechtigkeit das ist jedem ain +wißen+ und ain +rotten Nestel+.“
2) „Item alle die vor Gericht Brief begerend, die sol ain Burgermaister versiglen; darum gehört im ain +schwarze Henn+ oder ain +Behmisch+.“ (S. 925.)
+Buße für den Entleibten.+
In den Lindauisch-Monfortischen Händeln (15. Jhdt. Graf Wilhelm v. M.) in einem Lindauer Spitalurbar steht also:
„item die drey, die schuld an dem todtschlag hond, sond den +entleupten bützen+ mit 4 walfarten: gen Rom, +Auch+, +Aynsidlen+ und +Sanct Lenhart+; IV kerzen tragen; XII mäss lesen lassen und sond die kerzen der frowen und den fründen geben werden; item ain +stayne crütz+ setzen und des +Entleupten+ frouwen XXV pfund haller geben werden“[13].
+Der Schwörtag in Lindau.+
Vierzehn Tage nach dem Kinderfest (August) war der Schwoͤrtag in der Barfüßerkirche. Prozession in der Kirche. Der ganze Magistrat, alle Geistlichen und weltlichen Behörden versammelten sich. Die Statuten und Gesetze wurden von der Kanzel verlesen. Nachher mußte jeder Stand darauf schwören.
+München.+ +Dr. A. Birlinger.+
Die Paramente der Marienkirche zu Danzig.
Es dürfte in Deutschland wenig Kirchen geben, welche in ihrem Innern so reich ausgestattet sind mit Altären, Statuen, Bildern, Epitaphien, Grabsteinen, Fahnen, reich geschnitztem Gestühl, Gittern, Reliquienbehältern, heiligen Gefäßen u. s. w., überhaupt Kunstwerken aller Art, vielleicht keine andere, welche in ihrer Gesammtwirkung[14] so ausgezeichnet wäre, noch so vollkommen das Gepräge des mittelalterlichen Katholicismus mit seiner soliden Pracht und seinem Reichthum trüge, als die (jetzt evangelische) Marienkirche zu Danzig, bekanntlich eines der größten[15] Kirchengebäude der Welt.
Ueber die Geschichte dieser Kirche besitzen wir eine sehr ausgezeichnete, auf genauester und umfassendster Kenntniß der archivalischen Quellen und eingehendstem Studium der Monumente beruhende, vortreffliche monographische Darstellung[16] von dem um die Geschichte der Stadt Danzig und der Provinz Preußen im Allgemeinen hochverdienten Th. Hirsch. Das Gebäude selbst, die Kapellen und Altäre hat er genau beschrieben und historisch erläutert. Ueber die Werke der kirchlichen Kleinkunst aber und die Paramente geht er kurz weg (Bd. I, S. 387), erwähnt ausführlicher nur eines Meßgewandes aus arabischem Stoff. Und auch später ist eine Beschreibung derselben bis jetzt nicht angefertigt worden. Fr. Bock, welcher Danzig um das Jahr 1853 besuchte, erwähnt in seinem verdienstvollen Werke „Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters“ der Paramente der Danziger Marienkirche öfter (Bd. I. S. 55, 111, 246. Bd. II. S. 26, 73 u. s. w.) mit großem Lobe, sagt (I, 111) sogar, daß „nach dem Zither in der Domkirche zu Halberstadt nicht leicht in Deutschland eine Sacristei zu finden sein dürfte, die einen solchen Schatz an mittelalterlichen Cultgewändern aller Art in den reichsten Seiden-, Silber- und Goldstoffen aufzuweisen hätte, als die Sacristei zu Danzig“. Durch Bock wurde zuerst die Aufmerksamkeit der Freunde der Kunst des Mittelalters auf diese Schätze hingelenkt. Mehrere derselben kamen nach Danzig, um sie zu studieren.
Seit der Anwesenheit Bock’s ist diese Sammlung durch neue, in den Jahren 1861, 1862, 1863, 1864 und 1867 gemachte Funde bedeutend vermehrt worden, so daß sie gegenwärtig
26 Chormäntel, 92 Caseln, 20 Dalmatiken, 21 Schultertücher, 18 Stolen, 18 Manipeln, 24 Velen, 11 Antipendien
zählt und nun sowohl dem Umfang, als dem historischen und künstlerischen Werth nach die Sammlung im Zither zu Halberstadt übertreffen dürfte.
Die Erhaltung dieser mittelalterlichen Cultgewänder in einer evangelischen Kirche durch die vielen Stürme[17] hindurch, welche die Marienkirche erleiden mußte, und bei welchen unzählige Kunstwerke geraubt oder zerstört wurden, ist ein glücklicher Zufall. Die erhaltenen Gewänder bilden freilich nur einen kleinen Theil der einst vorhanden gewesenen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts waren an der großen Zahl der Capellen und Altäre der Marienkirche 128 Priester[18] thätig. Ein im Jahre 1526 angefertigtes Verzeichniß[19] führt folgenden Besitz der Kirche auf:
6 Kelche vom reinsten Golde mit kostbaren Steinen, 6 goldene Patenen, 6 goldene Ampullen mit Edelsteinen, 1 goldenes Ciborium mit Korallen und Gemmen, 2 goldene Kreuze mit Gemmen, 1 Bild der Mutter Gottes mit 4 Engelfiguren aus dem besten Golde, 1 silberne Statue der heil. Jungfrau, silberne Statuen der Apostel, 24 silberne Ciborien, 46 silberne Kelche, davon 24 vergoldet, 12 silberne, vergoldete Ampullen, 11 silberne, nicht vergoldete Ampullen, 23 silberne Schüssel, darunter 12 vergoldet, 12 silberne, vergoldete Kelche mit Deckeln, 12 silberne, vergoldete Kreuze mit Korallen und Edelsteinen, 24 kleinere, silberne Kreuze, 8 größere } 10 kleinere } silberne Rauchfässer u. s. w., 12 golddurchwirkte Caseln mit Perlen und Gemmen, 12 rothseidene Caseln mit goldenen Fransen, 82 seidene Caseln, 12 golddurchwirkte Antipendien mit Perlen und Gemmen, 6 sehr kostbare Cappen, 12 andere seidene Cappen, 46 goldene, mit silbernen Blumen durchwirkte Alben, 65 andere feine Alben, 88 kostbare Altardecken, 49 golddurchwirkte Altartücher, 99 einfachere Altartücher u. s. w.
Weil die Marienkirche schon zur Zeit der Reformation (1557) in die Hände der Protestanten übergieng, sind +alle+ erhaltenen Paramente aus dem Mittelalter und dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Bei dem ehemals sehr bedeutenden Reichthum der Marienkirche kann es nicht auffallen, daß viele derselben, was Stoff, Form und Stickerei anbetrifft, zu den ältesten und kostbarsten Cultusgewändern gehören, welche überhaupt bekannt sind. Sie bilden demnach eine besondere, hohe Zierde der Marienkirche, eine unerschöpfliche Fundgrube an Mustern für Herstellung neuer Erzeugnisse, für Studien auf dem Gebiete der christlichen Kunst-Archäologie. Nimmt man dazu die vielen, meist gestickten Paramente des 17. und 18. Jahrhunderts, welche aus den jetzt aufgehobenen berühmten, einst sehr reichen Nonnen-Klöstern zu +Zarnowitz+[20] und +Zuckau+ in den gleichnamigen Pfarrkirchen (beide unfern Danzig) sich befinden, so hat man hier, nahe beisammen, vielleicht die umfangreichste (allein etwa 250 Caseln), interessanteste und in historischer Beziehung wahrscheinlich vollständigste, kaum eine Lücke zeigende Sammlung liturgischer Gewänder, welche überhaupt vorhanden. Die Sacristeien der genannten drei Kirchen sind demnach des eingehendsten Studiums werth.
Bis zum Jahre 1854 waren die in der Kirche erhaltenen Stoffe im Allgemeinen wenig beachtet und den Alterthumsfreunden schwer zugänglich, in verschiedenen Kapellen in roher Weise an die Wände genagelt, oder lagen in Kisten und Truhen oder geheimen Wandschränken in den vielen Räumen der großen Kirche versteckt. Erst allmählich kamen sie wieder an’s Licht. Es ist nicht unmöglich, daß deren noch andere gefunden werden.
Seitdem hat der Küster +A. Hinz+, voll des wärmsten Interesses für die Kunstdenkmale der seiner Obhut anvertrauten Marienkirche, dieselben geordnet, in drei verschiedenen Räumen besser aufgestellt, sorgt für ihre Erhaltung und ist unablässig bemüht[21], dieselben zur verdienten Anerkennung zu bringen. Derselbe hat kürzlich auch den Hofphotographen +Fr. Gust. Buße+ in Danzig veranlaßt, alle diejenigen Paramente, welche durch Form des Gewandes, Beschaffenheit oder Muster des Stoffes, Kunst oder Technik der Stickerei sich auszeichnen, in möglichst großem Maßstabe, zum Theil in Originalgröße, photographisch abzubilden und auf diese Weise auch entfernten Freunden der Kunst des Mittelalters zugänglich zu machen. Eine Anzahl solcher Abbildungen: verschiedener arabischer Stoffe, Stickereien der Borten eines Chormantels, der aurifrisiae einer Casel, beide aus dem 15. Jahrhundert, die parurae von zwei Schultertüchern (amictus), die Borte eines prachtvollen Antipendium aus dem 14. Jahrhundert mit 17 gestickten Heiligenbildern und verschiedener anderer Stickereien liegen bereits vor und lassen in ihrer Ausführung nichts anderes zu wünschen übrig, als auch die Wiedergabe der Original-Farben[22].
+Danzig.+ +K. Bergau.+
Bietet Agricola in den ersten beiden Theilen seiner Sprichwörter ursprünglich nur 748 Nummern?
Friedrich Hasenow theilt im Anzeiger 1867, Sp. 278 f. die dankenswerthe Beobachtung mit, daß in der Hagenauer Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s vom Jahre 1534 Nr. 602 vollständig fehle, die Zählung mithin von 601 gleich zu 603 übergehe. Er scheint daran sowohl der Fassung als dem Titel seiner Mittheilung nach die Vermuthung zu knüpfen, daß ein ähnlicher Irrthum in sämmtlichen Ausgaben Agricola’s wiederkehre. Dies ist aber keineswegs der Fall, und somit dürfte Hasenow’s Mittheilung nach beiden Seiten ἅμα πρόσσω καὶ ὀπίσσο einer Ergänzung bedürfen. Ich selbst bin augenblicklich nur der ersten Hälfte dieser Aufgabe gewachsen; hoffe aber, daß das freundliche Eintreten J. Franck’s, dessen prüfendem Auge ich diese Zeilen zuerst unterbreite, gleichzeitig mit mir ein, wie Hasenow mit Recht bemerkt, in jedem Falle erwähnenswerthes Factum auf’s Reine bringen werde.
+Die Hagenauer Ausgabe von 1529 hat die fragliche Lücke nicht.+ Die Gruppe der Sprichwörter, welche bloße Vergleichungen enthalten, umfaßt die Nummern 598-619. Was aber in der Ausgabe von 1534 unter Nr. 601 sich findet: „Geel wie ein wachß“, ist hier (1529) bereits Nr. 602; und so folgt denn auch ohne weitere Lücke Nr. 603: „Weysser denn schnee“. Voraus aber gehen ohne Irrthum in der Zählung Nr. 598. Er wirt so bleych wie ein asche, ascherfarb. 599. Weyß wie ein kreide. 600. Schwartz wie die erde. 601. Blaw wie der hymel. --
Ich halte billig jede Vermuthung zurück, wie etwa der Irrthum in der Zählung der Ausgabe von 1534 und wahrscheinlich auch der späteren Drucke könne entstanden sein; die Sorgfalt meines Freundes wird diese Lücke meiner Darstellung mit leichter Mühe auszufüllen wissen.
Nur zwei Worte gestatte ich mir noch im unmittelbaren Anschluß an Hasenow’s Mittheilung.
Hasenow nennt meine Untersuchung über Agricola’s Sprichwörter eine sorgfältige. Diese Sorgfalt hat sich augenscheinlich in der Vergleichung der Ausgaben von 1529 und 1534 schlecht bewährt; ich habe eigentlich nur aus Chr. C. am Ende ausgeschrieben, der mir alles hier zur Frage Stehende im wesentlichen erschöpft zu haben schien. Zweitens entschuldigt Hasenow das bisherige Uebersehen der Lücke an mir wie andern Forschern mit dem begründeten Hinweis, daß diese Vergleichungen (Nr. 598 ff.) nach allen Richtungen am wenigsten Interesse darbieten. Vielleicht aber hat die Gruppe auch abgesehen von dem sprachlichen Gewinn noch einen relativen Werth; sie charakterisiert gewissermassen die drei Sammlungen, die wesentlich von Agricola abhängen; die sogen. erste Egenolffische vom Jahre 1532, deren Autor kein Geringerer als S. Franck ist; die Klugreden von 1548-1615 und die zu Campen in den Niederlanden unter dem Titel Gemeene Duytsche Spreckwoorden 1550 erschienene Sammlung.
S. Franck, ein comprehensiver genius wie nur einer, hat den größten Theil dieser Sprichwörter in +einer+ Nummer 355 zusammengefaßt mit dem kurzen Schlußwort: ein vergleichung etlicher ding mit anderm; die Campen’sche Sammlung bietet dieselben Gleichnisse in ihrer Vereinzelung; die Klugreden lassen sie sämmtlich fort. Gegen die Flüche Agricola’s verhalten sich alle drei Compilationen gleich ablehnend.
+Schwerin.+ +Friedr. Latendorf.+
Nachwort.
Dem Wunsche meines Freundes gern willfahrend, habe ich nur zu bedauern, eine auf Grund eigener Ansicht sämmtlicher Ausgaben des 2. Theiles nebst Gesammtausgaben vollkommen befriedigende und jeden Zweifel abweisende Auskunft zur Zeit nicht geben zu können, weil mir bis jetzt von den mit Bestimmtheit existierenden 15 Ausgaben nur erst 9 vorgelegen sind. Die Drucke, welche durch meine Hände giengen, und aus deren einem (Hagenaw, 1534) ich den in Rede stehenden Irrthum schon im Winter 1845[23] wahrgenommen und in meinen Collectaneen notiert hatte, sind mit einigen ihrer Fundorte folgende: 1. Hagenaw 1529 (Germ. Mus.; Berlin; Ottow’s Sammlung). -- 2. o. O. (Erfurt) Melch. Sachse 1529. (Berlin; Ottow). -- 3. Nürnberg, Joh. Stüchs 1530. (Augsburg: Stadtb.; Berlin; Ottow). -- 4. Hagenaw 1534 „am xv. tag des Mertzen“ (Germ. Mus.; München: Staats- u. Univ. Bibl.; Berlin; Ottow; eig. Samml.). -- 5. Hagenaw 1537 „am viij tag des Mertzñ.“ (Ulm; München: Staatsb.; Dresden; Berlin; Wolfenbüttel; Ottow). -- 6. o. O. 1541. (Augsburg: Stadtb.; München: Staats- u. Univ.-Bibl.; Ulm; Berlin). -- 7. o. O. 1558. (Germ. Mus.; Dresden; München: Univ.-Bibl.; Berlin; Ottow.). -- 8. Wittenberg 1582. (Germ. Mus.; Augsb.: Stadtbibl.; München: Univ.-Bibl.; Berlin; Ottow.). -- 9. Wittenberg 1592. (München: Staatsbibl.; Dresden; Berlin; Wolfenbüttel; Ottow).
Von diesen bietet, wie schon +Latendorf+ selbst vollkommen richtig angegeben, die Original-Ausgabe v. 1529 (Nr. 1) die fragliche Lücke nicht; sie erscheint zum +ersten Male+ in der +ersten+ Gesammtausgabe (Nr. 4), während alle andern, mit Ausnahme einer einzigen -- der aus derselben Hagenauer Presse unmittelbar folgenden Ausgabe (Nr. 5) -- den Text der ersten nach Wort und Zählung genau wiedergeben. Es möchte darum der Schluß, daß auch die übrigen von mir noch ungesehenen Ausgaben der ersten Redaction gefolgt sind, wohl erlaubt sein. Zu Recht aber besteht in jedem Falle, und zwar für alle Drucke ohne Ausnahme, die Schluß- und Gesammtzahl 749[24].
Sonach ist das Aeußere der beiden Texte für die in Betracht kommenden Nummern 600-603 also gestaltet:
a. +Hagenaw. 1529. Ander Theil.+ Bl. 156 a/b. (ebenso: Nürnberg, Joh. Stüchs, 1530). (Bl. 156^a) 600.
Schwartz wie die erde.
Die erde ist nicht allenthalben schwartz/ Inn Doringen ist sie schwartz/ am Reyn ist sie rot/ wie wol die schwartze erde zum Korn wachsen besser ist denn die rote/ vnd die rot zum wein wachsen besser denn die schwartze. Die heilige schrifft sagt/ daß der mensch aus roter/ nicht aus schwartzer erden geschaffen sey/ darumb sichs schleußt/ daß diß wort nicht an allen orten Deutschs landes war ist/ Denn an etlichen ortten ist eyttel sandt/ weder schwartze noch rote erden.
601.
Blaw wie der hymel.
[Sidenote: Cesius.]
Der hymel ist blaw/ wie wir sehen/ da her wir ein farbe nennen hymelblaw/ vnd ist eygentlich mehr graw denn blaw.
(Bl. 156^b) 602.
Geel wie ein wachß.
[Sidenote: Cereus.]
Flauum heyßen die Roͤmer liechtgeel, Fuluum dunckelgeel/ Addam cerea quoque/ Geele spieling/ wachß geel ist todten farbe.
603.
Weysser denn schnee.
Ein Deutsche Hiperbole/ weyßer deñ der schnee/ so doch nichts fast weysser seyn mag/ deñ schnee. Die heilige schrifft sagt/ wie der Engel kleider/ welche den weibern nach der aufferstehung Christi bey dem grabe erschinnen/ sind weyß gewesen wie der schnee.
b. +Hagenaw. 1534. Sybenhundert vnd | Fünfftzig Teütscher | Sprichwoͤrter+... Bl. 6 v a/b.
(Bl. 6 v^a) 600.
Schwartz wie die erde.
Die erde ist nicht allenthalben schwartz/ In Doͤringen ist sie schwartz/ am Rein ist sie rot/ wie wol die schwartz erde zum korn wachsen besser ist/ denn... rote erden.
[Sidenote: Cesius.]
Der hymel ist blaw/ wie wir sehen/ daher wir eyn blawe farbe nennen hymelblaw/ vn ist eygentlich mer graw/ denn blaw.
601.
Geel wie eyn wachs.
[Sidenote: Cereus.]
(Bl. 6 v^b). Flauum heyssen die Roͤmer liecht geel/ Fuluum dunckel geel. Addam cerea quoque pruna. Geelspilling/ wachßgeel ist todtẽ farb.
603.
Weisser denn schnee.
Eyn Deutsche Hiperbole/ weisser denn schnee/ so doch nichts fast weisser sein mag/ denn schnee...
Auf welche Weise aber ist dieser Irrthum in der Zählung entstanden? -- Die Frage löst sich, wie mir scheint, einfach und ungezwungen durch die Ansicht der zu diesem Zwecke hier abgedruckten Texte. Der Setzer, welcher den Satz der Ueberschrift seiner Vorlage („601 Blaw wie der hymel.“) versäumt hatte, wurde zwar seines Irrthums bald gewahr, anstatt diesen aber an der rechten Stelle zu verbessern, zog er es aus Bequemlichkeit vor (die Seite war einmal gesetzt), ihn erst auf der folgenden durch Ueberspringung einer Nummer gut zu machen. Auch an anderweitigen falschen Bezifferungen und Ungehörigkeiten fehlt es diesem Drucke keineswegs. So sind nur die ersten 31 Blätter foliiert, wobei jedoch 26, 28 und 30 ausgelassen und statt 27 -- 20, statt 29 -- 30 gesetzt wurde. Custodierung findet zwar in der Regel Statt, doch ist auch diese dreimal in den Vorstücken und vierzehnmal im Texte vernachlässigt. Im Uebrigen zeigt sich die Ausgabe von 1537 auch sonst als unveränderter Abdruck derjenigen von 1534, der nur in unwesentlichen Dingen (deutsche Typen statt römischer für das Register, durchgehende Numerierung der Sprichwörter am Rande, statt bei der Ueberschrift etc.) von seinem Vorgänger abweicht.
Es sei mir verstattet, diese Gelegenheit zu benützen zu einer Bitte an die Leser des Anzeigers und die Freunde des deutschen Sprichworts insbesondere. +Nopitsch+ in seiner Literatur d. Sprichwörter, S. 22, gedenkt einer Ausgabe der „Opera“ Agricola’s: Basel 1558. Fol., in welcher die Sprichwörter ebenfalls enthalten seien. Diesen Druck aufzufinden, wollte jedoch bis jetzt weder in einer bedeutenden Anzahl deutscher Bibliotheken gelingen, noch bin ich selbst in mehreren Hunderten von antiquarischen und Auctions-Catalogen ihm begegnet. Da nun außerdem +Kordes+ in seinem „Leben Agricola’s“ (Altona 1817. 8.) und ebenso +Latendorf+ in seinem vortrefflichen Buche: „Agricola’s Sprichwörter“ (Schwerin 1862. 8.), nicht minder sämmtliche mir bekannten literarischen und bibliographischen Handbücher älterer und neuerer Zeit[25] (Clessius, Jöcher, Adelung, Schellhorn, Jördens etc.) völlig von ihr schweigen, so bin ich in Folge dessen fast geneigt, einen Irrthum Nopitsch’s anzunehmen und die Existenz der Ausgabe überhaupt zu bezweifeln. Sollte ich aber meinestheils mich irren, so würde ich es mit dem größten Danke anerkennen, wollte ein Leser die Freundlichkeit haben, mir den Fundort derselben, sei es direkt oder durch diese Zeitschrift, mitzutheilen.
+Annweiler.+ +J. Franck.+
Graf Friedrich Christoph von Schlippenbach auf dem Sandrart’schen Bilde des Friedensmahles zu Nürnberg.