Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 46
31) +Das deutsche Land in seinen charakteristischen Zügen und seinen Beziehungen zu Geschichte und Leben der Menschen.+ Zur Belebung vaterländischen Wissens und vaterländischer Gesinnung. Von Professor Dr. J. +Kutzen+. Zweite, vielfach veränderte und großentheils vollständig umgearbeitete Ausgabe. In zwei Bänden. Ferdin. Hirt, Verlags- u. Königliche Universitäts-Buchhandlung. Breslau, 1867. 409 u. 464 Stn. 8. (Preis 3 Thlr. 10 Sgr.)
Das vorliegende Werk verhält sich zu einem gewöhnlichen geographischen etwa wie eine Reliefkarte zu einem Atlasblatt; es zeigt das Land zugleich unter dem Einflusse der Geschichte und Kultur und, indem es Rücksicht nimmt auf Bewohnbarkeit, Bebauung, Hülfsquellen, Vertheidigung einer Gegend u. s. w., gibt es bedeutsame Winke über Einwirkung der Naturbedingungen auf die geschichtlichen Vorgänge. Das Ganze zerfällt in sieben, der Form und Behandlung nach ziemlich gleichartige, auf Grund des wechselnden Stoffes aber in außerordentlich anziehender Mannigfaltigkeit sich bewegende Abtheilungen. Die erste behandelt Deutschland im Ganzen und Allgemeinen und zwar mit Rücksicht auf dessen geographische Stellung und die daraus entspringenden ethnographischen und universalhistorischen Folgen, auf die verticale und horizontale Gestaltung des Landes und deren Einwirkungen auf politsche und Kultur-Geschichte, auf die Flußsysteme in Vergleichung mit denen anderer europäischer Länder, die klimatische Eigenthümlichkeit Deutschlands und deren Einwirkung auf den Volkscharakter, endlich auf das deutsche Volk in quantitativer und qualitativer Beziehung. Unter Festhaltung und zum Theil genauerer Präcisierung der im allgemeinen Abschnitt aufgestellten Gesichtspunkte behandeln die folgenden einzelne Theile des Reiches: der zweite das Gebiet des deutschen Hochgebirges, der dritte das nördliche Vorland der Alpen, der vierte die mittleren Stufenlandschaften Deutschlands, der fünfte die mittelrheinischen und westphälischen Plateau- und Berglandschaften, der sechste die Gegenden nördlich vom mitteldeutschen Hauptgebirgskamme, wie Hessen, Thüringen, den Harz, das Wesergebirge u. s. w., der siebente endlich das norddeutsche Tiefland. Ein Anhang gibt Quellen und Erläuterungen, ein ausführliches Register dient dem Bandgebrauch. Die Bewältigung des außerordentlich umfangreichen Stoffes verlangte von vorneherein eine gewisse Beschränkung, und so ist das Buch im Ganzen im Lapidarstil verfaßt; nur einzelne Stellen, wo Bedeutsamkeit oder Fremdartigkeit des Gegenstandes es verlangte, sind ausführlicher behandelt, ohne daß indeß dadurch der Gleichartigkeit Abbruch geschähe. Das Bild des deutschen Landes, welches uns daraus entgegentritt, ist gewiß so individuell wie vollständig. Daß darin einzelne Irrthümer mit unterlaufen, wie z. B. das erste Entstehen der späteren Reichsstadt Nürnberg bis in die karolingische Zeit zurückgeführt wird, ist nicht zu verwundern, und fällt nur denen zur Last, welche die Spezialstudien zu machen hatten.
v. E.
32) +Repertorium der steierischen Münzkunde. Von Dr. Friedrich Pichler.+ I. und II. Band. Grätz. 1865. 1867. Commissions-Verlag von Leuschner und Lubensky’s Universitäts-Buchhandlung. 8. Je 248 Stn. Mit lith. Tafeln.
Der erste Band dieses fleißigen Werkes behandelt nach vorausgeschickter Einleitung über die Pflege der Numismatik in Steyermark die daselbst gefundenen keltischen und consularen Münzen, der zweite die der römischen und byzantinischen Kaiser. Jener beschreibt 115 keltische und 50 consularische nebst einigen ägyptisch-ptolemäischen und sicilischen Geprägen; dieser etwa 2300 der römischen und 24 der byzantinischen Kaiser unter Nachweisung der Fundorte, Angabe der Literatur u. s. w. Manche sonstige archäologische Beziehungen sind mit eingeflochten, von besonderem Interesse Beilagen über keltische Sprachdenkmäler in Orts-, Stamm- und Personen-Namen im Umfange der Grenzen des Landes. Was aber dem Werke bezüglich seines Hauptzweckes vor allem Werth verleiht, ist, daß es nicht mehr nach hergebrachter Weise die Münzen als bloße Curiositäten aufführt, sie allein nach ihrem äußeren Aussehen beschreibt, sondern auch als das behandelt, als was sie ursprünglich gegolten, ihren Werth festzustellen sucht. Den keltischen Münzen ist eine Tafel mit Abbildungen und eine Karte mit Bezeichnung der Fundstätten, eine solche in ausgedehnterem Maßstabe, mit Rücksicht auf die Entdeckung antiker Denkmäler überhaupt, auch den Kaisermünzen beigefügt.
v. E.
_Aufsätze in Zeitschriften._
+Das Ausland+: Nr. 44 f. Vier esthnische Volksmärchen. (Michael Weske.)
+Börsenblatt f. d. deutschen Buchhandel+: Nr. 221. Zur Geschichte des Leipziger Buchhandels. Culturhistor. Skizze von Otto Moser. (Leipz. Tagbl.)
+Illustr. Familien-Journal+: Nr. 45 (779). Zur Geschichte des Claviers.
+Die Gartenlaube+: Nr. 44, S. 695. Die Martinsgans.
+Deutsche Gemeindezeitung+: Nr. 38. Ueber Raths-Ernennungen früherer Zeiten, insbesondere in Olmütz.
+Die Grenzboten+: Nr. 43, S. 154. Das Museum für vaterländische Alterthümer in Kiel. (Gust. Freytag.) -- Nr. 44, S. 161. Colin Muset der Jongleur.
+Der Katholik+: Aug. Die ewige Anbetung im Mittelalter.
+Danz. kathol. Kirchenblatt+: Nr. 43. Die Kirche zu Baumgart. (R. Bergau.)
+Korrespondent v. u. f. Deutschland+: Nr. 563. Das friesische Zwölfmänner- oder Rathsgericht. -- Nr. 564. Die Stadtbibliothek in Nürnberg. -- Nr. 574. Die Barfüßerkirche zu Lindau. -- Nr. 585. Der Fund zu Hildesheim. (Aus der Weserzeitung, von Prof. Unger aus Göttingen.)
+Illustr. deutsche Monatshefte+: Nr. 50 (146), Novbr., S. 137. Zur Geschichte der Glocken. (Aug. Vogel.) -- S. 144. Der Dom zu Regensburg. (Hans Weininger.)
+Monatsrosen+: 1869, Nr. 1, S. 22. Kulturhistorische Wanderbilder aus dem Bereiche der Natur und Kunst. I. Frauenchiemsee. (Dr. H. Holland.)
+Notes and Queries+: Nr. 42 f. Observations upon early engraving and printing. Part. II. The block books.
+Augsb. Postzeitung+: Beil. Nr. 71. Das Haus Dietrichstein.
+Sonntagsblatt+ (von Dohm): Nr. 36. Das Wunderblut u. seine Rolle in der Religionsgeschichte. (E. Krause.)
+K. preuß. Staats-Anzeiger+: Beil. Nr. 222 u. 228. Die deutsche Volkswirthschaft unter den beiden ersten Königen von Preußen. 1. 2. -- Die Wartburg. 1. 2. -- Bildnisse brandenb. Kurfürsten in dem herzogl. Museum zu Braunschweig. -- Die antike Rüstkammer des Emdener Rathhauses.
+Wochenblatt d. Joh.-Ordens-Balley Brandenburg+: Nr. 44 ff. Preußische Skizzen (Deutschorden, Christianisierung, Gebräuche etc.)
+Allgem. Zeitung+: Beil. 294. 295. Kloster Königsfelden im Aargau u. seine Glasgemälde. (Forts. u. Schluß.) (Gottfried Kinkel.) -- Nr. 305. Tiroler Ruinen. -- Nr. 312. Albrecht Dürer’s Haus zu Nürnberg.
+Illustr. Zeitung+: Nr. 1322. Alte Jungfern. (v. R. D.) -- Ein Porträt Luther’s von Lukas Cranach. -- Nr. 1324. Kloster Veßra (Henneberg.)
+Köln. Zeitung+: Nr. 310, 2. Bl. Der große antike Fund bei Hildesheim. (Dr. Otto Benndorf.)
Vermischte Nachrichten.
108) Das Aeußere der eleganten +Wallfahrtskirche+ zu +Straßengel+ bei Graz wird einer durchgreifenden +Restauration+ unterzogen, für welche die von den Schülern des Oberbauraths Schmidt in Wien gefertigten Aufnahmen als Grundlage dienen. Die Ausführung besorgt Steinmetzenmeister Grein unter Leitung der Architekten Scanzoni und Grath. Eine besonders schwierige Arbeit verursachte der zierlich durchbrochene Steinhelm des Thurmes, der aus schlechtem Material errichtet und stark verwittert war. Ein großer Theil des Helmes wurde ganz aus hartem Muschelkalk erneuert; die Kreuzblume des Thurmes, gegen 8′ hoch und c. 5½′ im Durchmesser, wurde aus Kalkstein von Nabresina hergestellt. Interessant war es, bei näherer Untersuchung der am Fuße des Thurmhelms stehenden Engelfiguren, wie solche jetzt durch die Gerüste möglich war, zu finden, daß vier derselben Blasinstrumente trugen, die eine mechanische innere Einrichtung hatten, um bei Luftzug Töne von sich zu geben. Die Restauration der Kirche selbst ist vom Chore an bis zum Seitenportal beendet; über letzterem wird ein Schutzdach aus Stein aufgeführt. Man hofft im Winter die beiden Portale und den Westgiebel restaurieren zu können, so daß diese schöne Kirche, die, auf hohem Bergrücken stehend, schon von weitem dem vorüberreisenden Publikum in die Augen fällt, bald äußerlich in altem Glanze dastehen wird. Leider können die späteren Anbauten an der Nordseite, die gerade von der Eisenbahn aus sehr störend erscheinen, nicht beseitigt werden.
+Straßengel.+ +U. Greiner.+
109) In +Köln+ fand man unlängst beim Abbruche alter Häuser neben der Kunibertskirche, die großen Neubauten Platz machen mußten, +Ueberreste einer romanischen Kapelle+, aus Tuffstein errichtet. Von Interesse war dabei, daß sich im Innern einer späteren Wand der Anfang einer kleinen Abside fand, welche noch in vollkommener Farbenfrische erhaltene Gemäldeüberreste zeigte. Zwei Einzelfiguren waren noch vollständig erhalten; eine Magdalena mit dem Salbgefäß und darunter ein Johannes der Täufer. Von einer größern Scene, wahrscheinlich einer Kreuztragung, fanden sich einzelne Köpfe. Die Ausführung der Malerei ist nicht gerade elegant, in der Weise der romanischen Wandgemälde der Rheinlande; aber die Zeichnung edel und rein. Der Stil der Zeichnung steht auf der Grenzscheide des 13. u. 14. Jahrhunderts. Er schließt sich noch den allgemeinen Typen der Zeit an ohne die specifischen Eigenthümlichkeiten der späteren lokalen Schule. Leider konnten die Ueberreste nicht erhalten werden, sondern wurden wenige Tage nach ihrer Entdeckung zerstört; doch hat Maler Schüller vollkommen exakte, naturgroße Copien für das germanische Museum angefertigt.
110) Vor einigen Wochen genehmigte die Versammlung der Stadtverordneten von +Köln+ die Anstellung von +Nachgrabungen+, welche der Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande auf dem zwischen der Rampe der festen Rheinbrüche und dem Viadukt der Rheinischen Eisenbahngesellschaft liegenden Rasenplatze ausführen zu lassen beabsichtigte, um die Lage der alten, entlang der Burgmauer gestandenen römischen Stadtmauer weiter nach Osten zu verfolgen und festzustellen. Die Nachgrabungen haben am 10. November begonnen, und die dabei beschäftigten Arbeiter sind bereits auf alte Mauerreste gestoßen, von welchen vorerst noch kaum zu sagen ist, ob sie römischen oder mittelalterlichen Ursprunges sind.
(Köln. Ztg. Nr. 315, 2. Bl.)
111) Bei dem Grundbau des Gebäudes der öffentlichen Bibliothek des katholischen Gymnasiums an Marzellen -- diesen Titel führt die Bibliothek amtlich -- in +Köln+ hat man +römische Alterthümer+ gefunden. Etwa zwölf Fuß unter der Sohle traf man auf Spuren von römischen Gräbern; man fand unter Anderm Krüge, Aschenurnen und Lämpchen in mancherlei bekannten Formen, ein Trinkgeschirr mit Thierdarstellungen, einen Krug mit zum Anfassen bestimmten Eindrücken und ein ganz unversehrt erhaltenes Fläschchen. Am bedeutendsten ist ein römisch-christlicher Grabstein von buntem Marmor, 1′ 5″ breit, 11″ tief, 3″ dick, mit einer Inschrift, von welcher nur der erste Buchstabe in der ersten und ein Theil desselben in der zweiten Zeile abgebrochen ist. Sie lautet:
· MAGE T F UCILIO QVAE VIXIT ANNOS · XV FIDE LIS IN PACE RECESSIT
Unter der Inschrift steht das christliche Monogramm. Sie selbst steht auf vorgezogenen Linien. In den ersten Zeilen sind die Buchstaben M und A, V und A mit einander verbunden. Das V in der Zahl XV hat eine eigenthümliche Gestalt. In _recessit_ steht statt des zweiten E irrig ein C.
(Das.)
112) Dem Vernehmen nach wird die k. Regierung, welcher die Stadt +Trier+ die Aufdeckung und Erhaltung der wichtigsten ihrer ehemals verschütteten Baudenkmale verdankt, nun auch für die gänzliche Freilegung der +porta nigra+ Sorge tragen. Es soll sogar der dazu erforderliche beträchtliche Fond bereits zur Disposition gestellt sein. Die porta nigra, das einzige erhaltene Römerthor, zeigt sich nämlich noch nicht in seiner ganzen Höhe, die an den Thurmabtheilungen 94 Fuss 8½ Zoll beträgt, sondern liegt noch 7 Fuß tief unter dem Niveau der Straße vergraben. Dieser Theil des kolossalen Baues wird nun wahrscheinlich etwa in der Art, wie es bei der Kathedrale und der Laurentiuskirche geschehen, freigelegt und die Passage durch das Hauptthor, wenn es nicht für immer geschlossen werden soll, durch eine Ueberbrückung ermöglicht werden. Auf diese Weise tritt das Römerthor erst in seiner ganzen ursprünglichen Großartigkeit hervor und gewährt der Stadt einen erhöhten antiken Reiz.
(Köln. Ztg. Nr. 309, 2. Bl., nach d. Trier. Ztg.)
113) In dem um einige Fuß abgelassenen +Streitzigsee+ bei Neustettin ist ein bisher durch Rohrwuchs verdecktes großes +Pfahlbautenrevier+ entdeckt worden, bei dessen oberflächlicher Untersuchung viel Kohle und mehrere alte Mahlsteine gefunden wurden.
(Ill. Ztg. Nr. 1323, Korr. v. u. f. D. Nr. 564.)
114) In +Böhmen+ haben sich, nach österreichischen Blättern, nun auch Reste von +Pfahlbauten+ gefunden, und zwar auf der Höhe des Erzgebirges im Kreiserwalde bei Sonnenberg. Von den in ziemlicher Tiefe gefundenen Werkzeugen und Geräthschaften werden erwähnt: Ein Schleifstein, aus einer Platte von hartem Sandstein bereitet, ein aus dem Zahn eines Ebers gefertigtes Weberschiffchen, eine Steinschleuder, Pfriemen zur Bearbeitung von Lederwaaren, eine Vase, ein Thonkessel, ein Wagen- oder Karrenrad, eine eichene Kette, ein Angelhaken, eine Dolchspitze, ein kurzes zweischneidiges Schwert, eine Nadel aus Bronze. Das Bemerkenswertheste sind jedoch vier dabei befindliche Menschenschädel.
(Ill. Ztg. Nr. 1321.)
115) Etwa 800 Schritte östlich von dem letzten Hause des Dorfes +Pestlin+ (zwischen Marienwerder und Marienburg), dicht am Wege nach Zyguß, wurde im Sommer 1867 beim Graben nach Mauergrund auf ebenem Felde in nur zwei Fuß Tiefe unter der Oberfläche eine große Anzahl (der Angabe nach über fünfzig) +heidnischer Aschengefäße+ verschiedener Form gefunden. Die meisten derselben sind von den Findern zerschlagen worden. Nur vier Stück, welche Kinder an sich genommen hatten, haben sich durch Zufall erhalten und sind, in Folge meines eifrigen Nachforschens, wieder zum Vorschein und in meinen Besitz gelangt[220]. Nach Angabe der Landleute standen und lagen die Töpfe dicht bei einander, zum Theil umgekehrt, in dem groben Sande und haben nichts Bemerkenswerthes enthalten. In diesem Frühjahre besuchte ich die Fundstätte, fand aber nur Scherben in großer Anzahl. Bei verschiedenen Nachgrabungen gelang es mir, außer unendlich vielen Scherben und einigen zerbrochenen, auch einige wohlerhaltene Gefäße zu finden. Sie standen meist umgekehrt, mit dem Boden nach oben und waren durchaus leer.
Es befand sich also an dieser Stelle ein großes Todtenfeld, welches die historische Nachricht (Script. Rer. Prussic. I, 60 u. 357; J. Voigt, Gesch., II, 620), daß Pestlin schon am Anfang des 13. Jahrhunderts ein bedeutender Ort war, in trefflichster Weise bestätigt.
Die Gefäße sind von auffallend schöner Form (dieselbe erinnert oft an die schönen antiken, griechischen, bemalten Gefäße), zum Theil mit einem Henkel und leise angedeutetem Ausguß versehen, von dünnen Wänden und hart gebrannt, so daß sie klingen. Deckel habe ich nicht gefunden. Der Thon ist von bläulicher Farbe und stark mit grobem Sand vermischt. Sie zeigen eine schon sehr ausgebildete Technik (auf der Drehscheibe) und sind mit den einfachsten Mitteln in sehr verschiedener, stets hübscher und sinniger Weise am Halse ornamentiert. Fast alle haben am oberen Theil des Bauches wagrechte Riefelungen. Diese Gefäße stehen also ganz im Gegensatz zu den sonst in unserer Provinz gefundenen Aschengefäßen, welche meist ganz roh mit der bloßen Hand geformt sind, dicke Wände haben und ungebrannt sind. Gestützt auf diese Thatsachen, möchte ich die Pestliner Gefäße für viel jünger halten, als die meisten sonst gefundenen, glaube, daß sie aus historischer Zeit stammen, da ganz Pomesanien der Form nach schon christlich war, die alten Preußen ihre heidnischen Gebräuche aber noch nicht aufgegeben hatten. Ein zwischen den Gefäßen gefundenes Fragment eines eisernen Geräthes scheint meine Ansicht zu bestätigen.
+Pestlin.+ +R. Bergau.+
(Aus der Altpreuß. Monatsschr., 6. Heft.)
116) Bei +Kötten+ (Eisenacher Oberland) wurden bei Anlegung einer neuen Straße riesige +Skelette+ nebst silbernen +Armspangen+, mit Perlen besetzt, und Messer in eigenthümlicher Form gefunden. Nach der Ansicht des Professors Dr. J. Klopfleisch aus Jena, welcher zum Zweck weiterer Nachforschungen die Stelle besuchte, gehören die genannten Objekte dem heidnischen Alterthum an.
(Frk. Kur. Nr. 317.)
117)[221] Auf einem Felde nächst +Hildesheim+ ist, gelegentlich der Anlage einer Militärschießstätte, 9 Fuß unter dem Erdboden eine große Anzahl (54 Stück) massiv +silberner+, theilweise vergoldeter +Gefäße aufgefunden+ worden, die, einen Silberwerth von wenigstens 3000 Thlrn. repräsentierend, dem Alterthum entstammen und zu einem Tafelservice gehörten. Gefunden wurden: Ueberreste eines gegossenen Dreifußes (3 Füße mit Thierklauen, 3 Aufsätze in Form kleiner Hermen des bärtigen Bacchus, verschiedene Theile der Verbindungsstäbe mit noch beweglichen Scharnieren); ein ½ Meter hoher, glockenförmiger Krater, ganz umzogen von den reizendsten Ornamenten, in welchen allerhand Figuren, namentlich Eroten, angebracht sind; 4 Schalen mit Inschriften, im Innern mit aufgelötheten Hochreliefs (Minerva, Büste einer Kybele, eines Deus Lunus, des Herakles als Knabe, Schlangen würgend); einfache Schale; zwei Becher mit Ornamenten und Inschriften; beweglicher Henkel einer Vase; 5 flache Tafelaufsätze mit Inschriften und je 4 Füßen, an den Langseiten Dithyosen (?), an den Schmalseiten tauchende Enten; drei Tiegel mit ornamentiertem Griff und Inschriften; verschiedene Schalen, je über 1 Pfund schwer; drei glockenförmige Becher mit Händen und Füßen, die äußere Fläche überfüllt mit bacchischen Symbolen und Masken von Panen, Titanen, alten und jungen Satyren männlichen und weiblichen Geschlechts, Hermen etc.; zwei hohe Vasen von konischer Form, umzogen von Kreisen mit Thierfiguren; ein Salzgefäß; ein Eimer ohne Henkel und ohne Verzierung; Fragmente anderer Gefäße. Die Reliefs sind durchweg von getriebener Arbeit, Ornamente und Darstellungen der Reliefs ausnahmslos der antiken Kunst und Mythologie angehörig; die lateinischen Inschriften weisen auf Gebrauch in römischer Zeit, die in der Silbertechnik und dem Styl der Ornamente und Figuren sich aussprechende hohe Kunst auf griechische Künstler, etwa der augusteischen Zeit, hin.
(Frk. Kur. Nr. 316, nach der Köln. Ztg.)
118) Im +Zalarer+ Comitat (Ungarn), nicht weit von Also-Lendva, stieß man beim Ackern auf eine Urne, welche in ihrem Innern an 1000 Stück +Silber- und Kupfermünzen+, goldene und silberne Ringe, Armbänder und Halsketten barg. Eine der Silbermünzen, welche Prof. Wagner in Ofen erhielt, trägt vorn die Inschrift: „Imp. Cae. C. Vib. Volusiano Augg.“ und die Rückseite zeigt die Worte: „Pietas Augg.“, sowie die Abbildung einer auf dem Altar opfernden Vestalin. Cajus Vibius Volusianus war der Sohn des Vibius Trebonianus Gallus und dessen Mitregent seit 252 n. Chr., daher die Inschrift der Kehrseite „Pietas Augustorum“, da derselbe sammt seinem Vater 253 von seinen eigenen rebellischen Prätorianern umgebracht wurde.
(Ill. Ztg. Nr. 1320.)
119) Wie bereits mitgetheilt (auch in der vor. Nr. dies. Bl.), wurde in dem Walde der württemb. Gemeinde +Lustnau+ vor Kurzem unter einer Eiche ein Topf aufgefunden, welcher +Silbermünzen+ enthielt. Es waren dies über 6000 Stück kleine, schüsselförmige, blos auf einer Seite geprägte Münzen in der Größe eines Groschens, einige, doppelt geprägt, in der Größe eines Sechsers, und einige, circa 200, gleichfalls mit doppeltem Gepräge, kamen einem frühern Zwölfkreuzerstück gleich. Die Münzen scheinen aus dem 14. und 15. Jahrh. zu stammen und kursierten in der Gegend von Tübingen, indem eine größere Anzahl derselben der gräflich Hohenberg’schen Münzstätte zu Rottenburg am Neckar entsprungen sind und den Namen des Erzherzogs Leopold Graf von Tirol tragen, welcher 1396 mit Württemberg, Augsburg, Oettingen, Ulm, Esslingen, Gmünd einen Münzvertrag schloß. Der Topf, in welchem sich die Münzen befanden, ist ein Essighafen, welcher unten zwei Henkel und ein Zapfenloch hat. Der größere Theil der Münzen wurde an das k. Münzkabinet in Stuttgart gesendet.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 540, nach d. Schw. M.)
120) In +Lüttich+ will man ein +Gemälde von Teniers+ aufgefunden haben. Ein Speisewirth hat das Bild, welches ganz mit Schimmel bedeckt war, in einer Auction erstanden. Es stellt den heiligen Antonius dar, wie er vom Teufel versucht wird. Dem Besitzer sind bereits hohe Preise von Kunstfreunden geboten worden.
(Monatsrosen 1869, Nr. 1.)
121) In Nr. 2 des diesjährigen Anzeigers habe ich nähere Nachricht von der höchst bedeutenden Sammlung mittelalterlicher Paramente in der Marienkirche zu +Danzig+ gegeben. Jetzt kann ich die erfreuliche Nachricht hinzufügen, daß dieselbe binnen Kurzem auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden soll, indem zu Ostern k. J. im Verlage von Kasemann in Danzig ein großes Werk erscheinen wird, welches photographische Abbildungen aller interessanten Stücke nebst einem beschreibenden Text von Hinz enthalten wird.
+R. Bergau.+
122) Seit dem 7. Oktober erscheint in +Berlin+ eine +neue Wochenschrift für Kunst+ unter dem Titel: „Blätter für bildende Kunst“, Organ des Preußischen Kunstvereins, herausgegeben unter Mitwirkung namhafter Fachmänner von C. Schönau. Wenn sich das Blatt auch als „Organ des Preußischen Kunstvereins“ ankündigt, so will es doch auch die allgemeinen Kunstinteressen in ausgedehntestem Maße vertreten. Es bringt größere abhandelnde Artikel, Mittheilungen aus dem Berliner Kunstleben, auswärtige Original-Correspondenzen, Kritiken neuer Werke, eine Rundschau auf dem Gebiete der Kunstliteratur, Biographieen und Charakteristiken hervorragender Künstler etc. Die Redaktion hat im Programm den Grundsatz aufgestellt, eine durchaus unparteiische Kritik üben zu wollen. Für Künstler und für die Mitglieder des Preußischen Kunstvereins hat der Herausgeber den Abonnementspreis auf 1 Thlr. pro Quartal bei directer Bestellung in der Redaktion in Berlin, Dorotheenstrasse 31, ermäßigt. Für andere Abonnenten im In- und Auslande beträgt das Abonnement 1 Thlr. 10 Sgr. vierteljährlich.
123) An der Mauerseite, wo in +Regensburg+ ehedem der Hallerthurm stand, ist eine +Gedenktafel+ angebracht worden, welche die Inschrift trägt: „Hier wurde der Hallerthurm, im Jahre 1542 vom Bauherrn Haller mit einer Uhr versehen, früher das Ostenthor (Porta orientalis), zur Erweiterung der Durchfahrt im März 1868 abgebrochen. Vor diesem Thore fiel bei einem Ausfall gegen Kaiser Otto’s Heer der tapfere Pfalzgraf Arnulf, von Pfeilen durchbohrt, im Jahre 954.“
(Augsb. Postztg. Nr. 256.)
+Mittheilungen.+
Es sind in den letzten Jahren wiederholt in der „+Allgemeinen Zeitung+“ und anderen Blättern, so jüngst in Nr. 273 der Spener’schen Zeitung in Berlin, Artikel, mit „=A.=“ unterzeichnet, über das germanische Museum erschienen, die zwar mitunter das unter meiner Leitung Erreichte sehr anerkennend hervorheben, dabei aber wieder Ansichten aufstellen, die ich so wenig theile, daß ich mich verpflichtet fühle, öffentlich zu constatieren, daß ich nicht nur in gar keiner Beziehung zu diesen Artikeln stehe, sondern auch lebhaft bedauere, dieselben nicht verhindern zu können, indem ich wohl fühle, daß sie durch Hervorhebung von Dingen, die längst von competenter Seite entschiedene Verurtheilung erfahren haben, dem Rufe des Institutes schaden müßten, wenn sie als von der Vorstandschaft desselben ausgehend angesehen würden.
+Nürnberg+, den 25. November 1868.
=Der I. Vorstand des germanischen Museums.=
+A. Essenwein.+