Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 43
Von der Geschichte der Wissenschaften ist eine neue Abtheilung, die Geschichte der Sprachwissenschaft von Professor +Benfey+ in Göttingen, unter der Presse. Der Wunsch, gleichzeitig noch andere Abtheilungen dieses großen Werks dem Drucke zu übergeben, war leider nicht zur Ausführung zu bringen, da mehrere Mitarbeiter nicht zu der festgestellten Zeit ihre Handschriften einreichten. Die Bearbeitung der Geschichte der Rechtswissenschaft hat Professor v. +Stintzing+ in Erlangen, die der Geschichte der Astronomie Prof. Rud. +Wolf+, Direktor der Sternwarte in Zürich, übernommen.
Die Arbeiten für die Herausgabe der deutschen Städtechroniken sind nach verschiedenen Seiten fortgesetzt worden. Der Druck der Magdeburger Schöppenchronik in der Bearbeitung des Archivsekretärs Dr. +Janicke+ ist so weit vorgeschritten, daß die Publication in wenigen Wochen erfolgen kann. Die Straßburger Chroniken von Closener und Königshofen, deren Bearbeitung Professor +Hegel+ selbst übernommen hat, werden voraussichtlich zwei Bände füllen, von denen der erste im Herbst 1869, wie man hofft, erscheinen wird. Professor v. +Kern+ ist mit der Bearbeitung der nürnbergischen Chronik von Deichsler ununterbrochen beschäftigt, so daß auch der vierte Band der Nürnberger Chroniken bald in die Presse gelangen kann. Ein zweiter Band der Braunschweiger Chroniken wird später folgen, wie die Lübeck’schen Chroniken, für welche Professor +Mantels+ die Arbeiten fortführt.
Der erste, nun vollständig gedruckte Band der Reichstagsakten zeigt, mit wie außerordentlichen Hülfsmitteln und großer Sorgfalt dieses monumentale Werk, welches der deutschen Geschichtswissenschaft unberechenbaren Gewinn verheißt, unternommen wurde. Nachdem die Schwierigkeiten, welche von den Anfängen eines so bedeutenden Werkes untrennbar sind, glücklich besiegt wurden, läßt sich eine ununterbrochene Fortführung desselben erwarten. Für den zweiten Band sind nur noch wenige Nachträge zu machen, um dann auch ihn der Presse zu übergeben. Professor +Weizsäcker+ ist in seinen mühevollen archivalischen Arbeiten für dieses Unternehmen durch den Bibliothekar Dr. +Kerler+ in Erlangen und den hiesigen Reichsarchivpraktikanten Dr. +Schäffler+ mit dem größten Eifer unterstützt worden.
Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs lagen mehrere neue Abtheilungen vor. Dr. +Breysig+ in Culm hat seine Geschichte Karl Martell’s zum Abschluß gebracht, welche demnächst zu veröffentlichen ist. Auch die Geschichte K. Pipin’s von Dr. +Oelsner+ in Frankfurt, welche nur noch einige Ergänzungen bedarf, wird voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres publiciert werden können. Von den weit vorgeschrittenen Arbeiten des Dr. +Steindorff+ in Göttingen über die Geschichte K. Heinrich’s III. wurde der Commission Mittheilung gemacht. Die Geschichte Philipp’s von Schwaben und König Otto’s IV. ist zur Bearbeitung dem Hofrath +Winkelmann+ in Dorpat übertragen worden.
Der Druck des vierten Bandes der historischen Volkslieder der Deutschen wird demnächst beginnen. Voraussichtlich wird derselbe mit dem in Bearbeitung stehenden Supplementband bis zum nächsten Herbst dem Publikum übergeben werden und so ein Unternehmen, welches die allgemeinste Anerkennung gefunden hat, zum raschen Abschluß gedeihen.
Auch der Schlußband der Weisthümer ist in der Redaktion so weit vorgeschritten, daß dem baldigen Druck kein Hinderniß im Wege steht. Durch eine größere Anzahl neu aufgefundener Stücke, welche man besonders dem hiesigen Reichsarchiv verdankt, dürfte der Band einen solchen Umfang gewinnen, daß die wichtigen Sachregister wahrscheinlich für einen besonderen Supplementband werden zurückgelegt werden müssen.
Die Herausgabe der Hanserecesse hat eine sehr bedauerliche Verzögerung dadurch erlitten, daß Professor +Frensdorff+ sich wegen anderer Geschäfte die übernommenen Redaktionsarbeiten aufzugeben genöthigt sah. Die Commission hofft jedoch auch dieses neue Hemmniß, welches dem durch +Lappenberg’s+ und +Junghans’+ Tod schon so lange gestörten Unternehmen erwachsen ist, bald heben und für die Arbeiten, welche zur Drucklegung des Werks noch erforderlich sind, in Dr. +Koppmann+ zu Hamburg einen geeigneten Gelehrten gewinnen zu können.
Die Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ wird, da sie sich mehr und mehr als ein Bedürfniß für die Wissenschaft zeigt, in der bisherigen Weise fortgeführt werden.
Die ausgedehnten Arbeiten für die Herausgabe der Wittelsbach’schen Correspondenz haben zu neuen erwünschten Ergebnissen geführt. Der Druck des zweiten Bandes der Correspondenz Churfürst Friedrich’s III. von der Pfalz hat sich nicht, wie in Aussicht stand, im Laufe des verflossenen Jahres bewerkstelligen lassen, weil das Material sich noch in letzter Zeit so mächtig ansammelte, daß eine neue Redaktion nothwendig wurde, um das gesetzte Maß nicht zu weit zu überschreiten. Die Arbeit ist indessen so weit gediehen, daß der Druck jetzt beginnen wird. Für die ältere bayerische Abtheilung, welche unter der Leitung des Reichsarchivdirektors v. +Löher+ bearbeitet wird, haben die Nachforschungen des Dr. v. +Druffel+ in den hiesigen und Wiener Archiven den reichsten Ertrag geboten; die Sammlung des Materials für den Briefwechsel H. Albrecht’s V. aus den Jahren 1550 bis 1555 kann jetzt als abgeschlossen betrachtet und die Publication des diesen Briefwechsel umfassenden Bandes vorbereitet werden. Für die jüngere pfälzische Abtheilung, welche unter Leitung des Professors +Cornelius+ steht, hat Dr. +Ritter+ die Arbeiten in den hiesigen Archiven und in Paris fortgeführt, überdies die Einleitung zum ersten Bande, welche die Geschichte der Unionspolitik in dem Jahrzehend vor dem Beginn der mitzutheilenden Actenstücke darstellt, in der Handschrift vollendet. Dem Drucke des ersten Bandes dieser Abtheilung steht von Seiten der Redaktion nun kein Hinderniß mehr entgegen. Für die jüngere bayerische Abtheilung welche ebenfalls unter der Leitung des Professors +Cornelius+ steht, ist besonders neben demselben Dr. +Stieve+ thätig gewesen. Mit seiner Hülfe hat der Herausgeber das Bernburger Archiv für die Jahre 1612-1616 ausgebeutet und in Paris die Beziehungen Frankreichs zu Pfalz, Bayern und dem Reich zu erforschen begonnen.
Die regelmäßige Fortsetzung der neuen Ausgabe von Schmeller’s Wörterbuch ist gesichert. Dr. +Frommann+, der in rühmlichster Weise seine Aufgabe erfüllt, hofft in etwa vier Jahren das ganze Werk zu veröffentlichen; durchschnittlich werden drei Lieferungen im Jahre erscheinen.
Die Geschichte der Grafen von Spanheim, bearbeitet vom Pfarrer J. G. +Lehmann+ in Nußdorf, zu deren Herausgabe auf den Antrag der Commission +Seine Majestät der König+ eine Unterstützung aus der Dotation der Commission bewilligt hatte, ist der Presse übergeben und wird in zwei Bänden im Laufe des nächsten Jahres in die Oeffentlichkeit treten.
Bei dem gedeihlichen Stande der Arbeiten, welche die Commission in den letzten Jahren beschäftigt haben, glaubte sie auch einige neue Unternehmungen, welche an früher vorgelegte Pläne anknüpfen, jetzt bestimmter in das Auge fassen zu sollen.
Unter den Vorschlägen, welche +Jakob Grimm+ der ersten Plenarversammlung machte, stand in erster Linie eine Zusammenstellung des historischen Inhalts der mittelhochdeutschen Dichtungen. Die Commission gieng auf diesen Vorschlag ein, stieß aber in der Ausführung auf so große Hindernisse, daß sie von dem Unternehmen endlich Abstand nehmen mußte. Professor W. +Wackernagel+ nahm, als er nach Grimm’s Tode in die Commission trat, sogleich den Gedanken seines Vorgängers auf, beschränkte aber dabei den Plan auf eine Sammlung der historischen Gedichte der deutschen Lyriker im 13. Jahrhundert. Nach den Mittheilungen, welche Professor Wackernagel der diesjährigen Plenarversammlung machte, würde die Sammlung, welche den vollständigen Text der Gedichte mit geeigneten Commentaren enthalten soll, nur zwei Bände umfassen und in wenigen Jahren zu vollenden sein; Professor Wackernagel stellte überdies seine eigene Mitwirkung bei der Bearbeitung in Aussicht. Die Commission, erfreut, so einen Gedanken Jakob Grimm’s aufnehmen zu können und zugleich eine höchst werthvolle Ergänzung der Liliencron’schen Sammlung zu gewinnen, beschloß, die zur Einleitung des Unternehmens erforderlichen Anträge an +Seine Majestät den König+ zu stellen.
Einen weit größeren Umfang beansprucht ein anderes Unternehmen, welches Geheimer Rath +v. Ranke+ schon seit den Anfängen der Commission vielfach angeregt hat, dessen Durchführung aber früher kaum thunlich erschien. Ein Werk, welches die Lebensbeschreibungen aller namhaften Deutschen in lexikalischer Reihenfolge bietet, fehlt unserer Literatur, und diese Lücke wird allseitig empfunden. Es steht außer Frage, daß einer solchen allgemeinen deutschen Biographie die lebhafteste Theilnahme entgegenkommen würde; die Ausführung, wenn sie auf kritisch gesicherter Grundlage erfolgen soll, wird aber nur unter der Mitwirkung eines gelehrten Vereins, wie ihn die historische Commission darstellt, sich ermöglichen lassen. Der Vorsitzende erneuerte deshalb seinen früheren Antrag auf die Herausgabe einer allgemeinen deutschen Biographie durch die Commission, und der Versammlung schienen jetzt alle Vorbedingungen vorhanden, um mit Aussicht auf günstigen Erfolg Hand an dieses große nationale Werk zu legen. Sie beschloß, allerhöchsten Ortes die Erlaubniß zur Einleitung auch dieses Unternehmens zu beantragen.
Es ist jetzt gerade ein Jahrzehend, seit +König Maximilian+ II. die ersten Schritte that, um die historische Commission in das Leben zu rufen, und die ausgeführten und vorbereiteten Arbeiten innerhalb dieses Zeitraums erweisen, daß der königliche Gedanke für die Geschichtswissenschaft und das gesammte Geistesleben der deutschen Nation ein überaus fruchtbarer gewesen ist. Was aber die Commission bisher durch vereinte Kraft geleistet hat, oder noch leisten wird, hat Deutschland im letzten Grunde +König Maximilian+ II., dem hochherzigen Stifter, und +König Ludwig+ II., dem huldreichen Erhalter der Commission, zu danken.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
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Neue Folge. Fünfzehnter Jahrgang.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1868. Nº 11. November.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die Schlacht bei Pavia,
+nach dem Bericht eines Augenzeugen+.
Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich bekriegten sich ohne Unterlaß. Dieser konnte nicht vergessen, daß er in seinem Versuche, die Wahlstimmen der Churfürsten zum deutschen Kaiserthrone auf seine Person zu lenken, gegen Karl unterlegen. Er brachte die alten Forderungen, die schon durch den Vergleich von Noyon 1516 abgethan worden, neuerdings auf die Bahn. Darüber entstand ein mehrjähriger Kampf, der vom Jahre 1521 bis 1525 dauerte, in Navarra, den Niederlanden und in Italien geführt wurde und 1525 mit der Niederlage des französischen Königs bei Pavia und seiner Gefangenschaft endete. Der Sieg des Kaisers wurde durch die deutschen Landsknechte unter Georg von Freuntsberg und Marx Sittich von Ems (Hohenems) entschieden. Unter Freuntsberg diente ein bayerischer Edelmann, der Ritter Caspar Wintzerer, der ein Fähnlein Landsknechte in die Schlacht führte. Er hatte seinen Ansitz zu Winzer in der Nähe von Regensburg und war bestallter Rath und Diener der Herzoge Wilhelm und Ludwig von Bayern. Von Mailand aus schickte er den Herzogen einen Bericht über die Schlacht von Pavia, welchen dieselben unterm 8. März 1525 ihrem Schwager, dem Markgrafen Kasimir von Brandenburg, mittheilten.
In einem eigenen Zettel schildert Wintzerer die Treffen, die der Schlacht vorausgegangen. Er beginnt also:
„Als vnser hauf von Loda gezogen ist, hat sich der marggraf von Bischarra[182] für Castell sannt Angell[183] mit etlichen landsknechten vnd Hyspaniern gelegert vnd ein sturm gethan, denselbigen verlorn, vnd der vnsern by 100 vmbkomen, aber von stund an wider ein andern sturm angethretten, das stettlin gewonnen vnd bey 200 erstochen vnd die v̈brigen fengklich angenommen vnd mit wyssen stäblin lassen abziehen. Vnd sind darinn gewesen 50 kürisser, 200 ringer pferdt, das sich thrifft by 800 pferden[184], vnd bey 600 büchsenschützen. Darnach ist das her furterhin bis ein klain wällisch meil zu Paphyä khommen vnd gelegert, vnd haben alle tag scharmützel, vnd brechen den veinden vyl ab. Sie haben auch 100 Hispanier --, die leger der veind zu besichtigen vnd die feind herauß zulocken. Da dann by 400 Eydgenossen[185] uff sein gloffen, haben die Hispanier by 100 oder 150 erstochen vnnd 3 fänlin inen abgewonnen.“
„Item so sind capiten Zerenz Haufe vff Marsilien gezogen, zum Frantzosen in das her wöllen. Haben die vnsern, so zu Alexandra gelegen sind, vff sie gehalten und sie geschlagen; do dann by 2000 oder 2500 erschlagen und 17 fänlin abgewonnen.“
„Es sind auch yetzt in acht oder 10 tagen die in Paphya mit 6 fenlin, 4 theutschen, 2 hyspanischen, in das frantzosisch leger gefallen, zwo groß büchsen genommen vnd ein wagen mit puluer vnd sonst ein wagen, das man acht ob 10000 cronen werdt sey, darzu bis in die 500 Frantzosen erstochen vnd on schaden wider hinein khomen; vnd ligen ytzund vnd warten alle stund der schlacht.“
Diese ließ nicht lange mehr auf sich warten, und Wintzerer gibt von derselben nachstehende Schilderung:
Antzaigung vnd neue zeitung, wie aigentlich mit der slacht vor Paphia --[186] vnd als wir erstlich von Lodi ausgetzogen den veinden entgegen am freytag des 24. february, daran gefalen ist
S. Matheis des h. zwelfpotten tag Anno Im 1525:
Erstlich als wir den 24. tag jenner zu Lodi mit allen heuffen auf Morian vnd von dannen gen Conpian[187] verruckht vnd daselbs jenen[188] vmb das nechst vnser leger zesamen geslagen, haben wier den ersten scharmützl zw ross vnd fues daselbst am ortt des tiergartns mit den Frantzosen angenomen, alda etlich zu fues erlegt worden, in mitler weil pruggen geslagen, spinadi[189] gemacht, vnd am 3 february sey wir zu Canpian mit dem hörr neben dem tiergartn vnd des Frantzosen leger gegen Paphia auf ain welsche meyl geruckht, daselbst in freyern veld wider das leger geslagen. Da sein die veind zwischen vnnser vnd der stat gelegen vnd sich vast vergraben[190], damit wir sy nit vbertzugen, inen auch nicht wissten abtzeprechen dan mit großen mercklichen schadn. Die von Paphia haben vns zuegeschryben durch die zyffern, das wier kains wegs da angreyffen sollen, auch vnser sach irnthalb in kain gefer setzen sollen. Darauff wier begertt haben, ainen von inen zu vns heraus zuschickhen mit im zurattschlagen, damit sie wissen vnnser, vnd wier irn anschlag. Darauff sy vnns den Waldenstain heraus geschickht, haben wir mit ime ratt geschlagt, damit sy aus dem sloss heraus ziechen vnd hinder inen das schlos besetzen vnd 200 knecht an die ortt, da es dann von nötten gewest, verordnen sambt etlichen Dälienern[191], vnd doch mit inen beschlossen, das sy ir sach in kain gefär setzen vnntz das wier in der nacht zwen schuß mit großen stuckhen in zu ainem wortzaichen thun, damit sy wissen, das mir auf sein, dargegen sy vnns fairtzaichen geben, vnd damit angetzaigt, das sy ier sach auch in ordnung haben.
Sein darauf die vnnsern zwo stund in die nacht aufgewesst, den droß von in hinder sich auf die seyten an die maur getzogen, die mauer vester, dan wier geacht, befunden. Nun alls der tag her ganngen, haben wier die maur gewunen vnd zu ainem lauffenden hawffen zwae tausent knecht genumen vnd ain tausendt Spannier, die all weys hemeder angehabt, vnd welcher nit hembder angehabt, mit weysen bapier vertzaichnett, verordnet, aus vrsach, das wir gemaind haben, die mauer vor tags zugewinnen. Vnd haben wellen die kürisser ime tiergarten v̈berfallen. Hat vns der tag, von wegen daz es sich so lang mit der maur vertzogen, daran verhindert. Sein in dem die kürisser der sach gewar worden vnd auff gewest vnd zu ierem hauffen geruckht. Auff dieselben haben wier verordnet den laufenden hauffen vnd neben inen die leychten pherdt, vnd ist auf sy ganngen vnnser geschütz, darnach herr Merckht[192] Sittich von Embs mit seinem hawffen lanndsknecht, so er mit im herein gefuertt, mit sambt den zwelf fenndle knechten, so im herr Jörg von Freuntsperg von seinem haufen zuegeben, getzogen. Nach demselben ist getzogen herr Jörg von Freuntsberg mit seinem hauffen knechten, darunder ich mit meinem fendle bey dem ersten fendle gewesen. Vnd die v̈berigen Spanier zu fues sein herr Merckhten auff der rechten Hand getzogen.
Also haben die zeugmaister ausserthalb beuelch der obristen die püxsen aufgespannen, vnd haben wier, so wier in den tiergarten komen, ain wortzaichen mit den von Paphia gemacht, wan wier zum tiergarten einkomen, das wir inen ein wortzaichen geben; dess dan geschehen ist, daz wier vnd sy vndereinander in ainer poseß, Mirabel genandt, zusamen khomen solen. Ist herr Merckhten durch den marckess von Peschära enpoten worden, er soll eylends ziechen zu dem haws[193]; vnd herr Jörg mit seinem hauffen wartten muessen, damit das geschütz wider angespannen wurd. Haben das geschütz nit so gschwind v̈ber die gräben pringen mögen, das durch deß Frantzosen raysigen etlich pauren, ochsen vnd roß pey dem geschütz erstochen; haben also etlich geschütz verlassen muessen, vnd herr Jörg mit seinem hawffen bas wider zu herr Merckhen getzogen vnd die veind hefftig am nachtzug in mein hauffen geschossen deßgleichen herr Merckhen vor mein in seineme haufen auch schaden gethan[194].
Also hat der Frantzosen geraesiger zeug, desgleichen sein hawfen landsknecht vnd die Schweytzer gegen vns geruckht vnd ier geschütz vor inen geschlaefft vnd heftig gegen vnns geschossen, vnd doch, got hab lob, nit darnach schaden gethan: Also sey wir rettig worden, wiewol die von Paphia nit bey vnns gewest, vnd im namen gottes bey den 1500 Spanischer Handschützen vnnserm raesigen zeug, nachdem er vill schwecher dan auf der andern seitten gewest ist, zuegeben, vnd her Jörg, herr Merckht mit iren heuffen gestrackhts neben einander ierem geschütz zuetzogen. Darauf dess Frantzosn Landsknecht, den negsten vnns vnder die augen getzogen, vnd haben von ersst mit herr Jörgen hauffen getroffen, und herr Merckh v̈ber ain ortt[195] auch dieselben lanndskneht angegryffen vnd sy also geschlagen, vnd mit vnnsern beyden hewffen fürgetruckht, inen ier geschütz bey 32 stuckh abgewunen. Also haben die Spanischen schützen vnd neben inen vnser geraysigen so vast in die kürisser gestochen vnd geschossen, das ire kürisser den Schweytzern ier ordnung zerprochen vnd zertrenndt, vnd vnser raysigen mit inen darein gehawen, dem künig sein ross geschossen, doch kain leme nit[196].
So pald wier die lantzknecht geslagen, haben die Schweytzer kain pstand[197] mer gethan. Da sind vnsere raysigen, sunderlich graff Niclas von Salm vnd sein reytter, daz hofgesind, inen nachgefolgt, vnd graff Niclas von Salm sich so hartt vmb den künig angenomen vnd dem künig sein pherd erstochen. Der künig hat sich auch vast gewerdt, doch do der hengst vnder ime gefallen, ist er gefangen worden, vnd wellen ir vil ietzo den künig gefangen haben. Der künig hat auf die von Paphia ain hawffen lanntzknecht, Schweytzer vnd Gaschganier[198] verordnet, dieselben zuuerhalten[199]. Also sein die von Paphia hinaus gefallen vnd sy gar hartt geslagen vnd gross guet gewunen; dann sy inen ier leger geplündert.
Also hat vnns gott auf disen tag gegen vnsern veinden syg vnd glückh geben, dess wir sein götlichen gnadn pyllich danckpar sein sollen vnd wellen, vnd also ob den 10000 Mann an[200] die, so ertrunckhen seind, zw tod geslagen, darunter vil guetter leudt tod pelyben; vnd ich acht darfür, das auf vnnser seytn nit über 400 man verlorn. Aber dess Frantzosen lanntzknecht haben sy[201] dapher gewerdt, aber vast all das gloch schon betzalt[202]. Vnd haben vil guetter gefangen, vnd nemblich den künig Franz von Franckhreich, den künig von Nouera[203], des künigs von Schottn brueder, Friderico de Bosaw, graf Wolfen von Lüphen, den Brandeckher vnd sunst vil mechtig herrn, der namen mir ietz nit wyssen ist. Die nambhafften, so auf der waldstat pelyben: der von der weysen rosen, der hertzog von Lütringen, der Balis[204] vnd vil nambhafter herren. Welche nit gefangen sein worden, sein den merer tael all ertrunckhen und vmbkumben. Der Schweytzer, so wir gefangen vnd wider ledig gelassen, seyn 5000[205]. Auch sein vill lanntzknecht gefangen worden. Der Langenmantl vnd Steffan von Neslingen seind vmbkumben. Der Schweytzer hauptleut seind gewesn achtvndzwaintzig, nit mer dan zwen lebentig pelyben.
Gefangen: künig Franz von Franckreych, künig von Nouera, graff von sand Paul, herr von Leschgü[206], herr von Memorantzj, herr von Florentzi, herr von Tobin[207].
Erschlagen: Der von der weysen rosn[208], herr von Drumbele[209], herr von Pelitzo, herr von Bussy[210], der obrist anmirald[211] graff von Bömund, künigs stalmaister ein graf von Galytz[212], der obrist marschalckh.
Gefanngner bis in die 7000, Frantzesisch, Aidgnos, lanntzknecht, geraysigen, alles zesamen.
Item 32 stuckh büxsen inen genomen.
Item 3500 Schweytzer hat man widerumb gon lassen[213] vnd ain ieden ain weyß rietle[214] in die hannd geben vnd ain auffgereckhten ayd[215] muessen schweren, ier lebenlang wider das haus osterreich oder kayserliche mayestat zuziechen[216]. Also haben es die welschen pawern in der selben gegendt vnrecht verstannden vnd alle zu tod erschlagen.
+Anzahl der beiderseitigen Truppen:+
Die fürstliche Durchlauchtigkait Ferdinandus 2000 gerüste[217], vnd 1500 ringer[218] pherd, fueszewg 14000 guetter lantzknecht, fueszewg 7000 Spanier, vngeferlich zwae bis in die 3000 allerlay welscher knecht.
Der Franntzoß bis in die 14000 gerüster pferden vnd geringer, Teutscher knecht bis in die 6000, Schweytzer bis in die 7000.
+Nürnberg.+ +Jos. Baader.+
Die Reliquienbehälter in der Sammlung kirchlicher Alterthümer im germanischen Museum.
(Schluß.)
Dem 15. Jahrhundert gehört ein großer, holzgeschnitzter, gekrönter, weiblicher Kopf mit einem hoben Rumpfe ohne Arme an; in diesem Rumpfe ist eine viereckige Oeffnung, welche die in diesem Gefäße zu verschließenden Reliquien sehen läßt. Damit verwandt ist ein kleines, hölzernes, weibliches Köpfchen, bei welchem man durch einen Vierpaß die eingeschlossenen Reliquien erblicken konnte.
Ein sehr elegantes Reliquiar ist in Form eines Kreuzes gebildet, dessen Arme in Vierpässe enden (Fig. 4). Das Kreuzchen steht auf einem eleganten sechsblätterigen, in’s Oblonge gezogenen Fuße mit Stiel und Knauf, letzterer mit sechs Rosetten besetzt. Die Vorderfläche des Kreuzchens selbst ist graviert, die Figur des Gekreuzigten gegossen. Vor dem untersten Vierpaße ist ein knieender Engel, gleichfalls gegossen, angebracht, der den Kelch zur Auffangung des Blutes emporhält; auf der obern Spitze des Kreuzes kniet der Erzengel Michael mit Schild und Schwert. Vom untern Vierpasse gehen zwei ornamentale Arme aus, auf denen die Figürchen von Maria und Johannes stehen. Das Kreuz, 27 Centim. hoch, ist ein hübscher Repräsentant der Goldschmiedearbeit des 15. Jahrhunderts.