Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.

Part 42

Chapter 423,332 wordsPublic domain

Aktenmäßige Beiträge zur Geschichte des windischen Bauernaufstandes vom Jahre 1573. Von Krones. -- Ueber Joh. Albert Kendlmayr und seine Chronik des Chorherrenstiftes zu Rotenmann. Von Pangerl. -- Das fürstbischöfliche Archiv zu Laibach und sein Inhalt an Materialien für Steiermark. Von Luschin. -- Topographische Studien. I. Ueber die Lage des pagus Chrouuat. Von Felicetti. -- Stiriaca in der fürstlich Dietrichstein’schen Bibliothek zu Nikolsburg. Notiz von Zahn. -- Ueber die Archive zu Eisenerz. Notiz von Luschin. -- Literatur. -- Register.

27. +Bericht über das Museum Francisco-Carolinum.+ Nebst der 22. Lieferung der +Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens+. Linz, 1868. 8. LXXII u. 636 Stn. (Mit 1 Charte.)

Peuerbach. Ein rechts-historischer Versuch von Julius Strnadt.

+Vierunddreißigster Jahresbericht des historischen Vereins von Mittelfranken 1866.+ Ansbach. 4.

Abhandlung über Schreibmaterialien der Alten, von Johann Georg Pfister. -- Ueber das Steuerwesen im 16. u. 17. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Finanzgeschichte des Fürstenth. Brandenb.-Ansbach, von W. Vocke. -- M. Wenceslaus Gurckfelder’s Chronik, betit.: Stamm der von Eyb im Land zu Franken, neu hrsg. von Dr. J. C. M. Laurent. -- König Friedrich II. zu Ansbach, von J. Baader. -- Der Placker Hanns Thomas von Absberg, von dems. -- Pechthaler Ehhaft, von Prof. Dr. Schiller. -- Regesten zur Geschichte der Stadt Ansbach. II. Abtheil. Die Zollern’sche Zeit, zunächst von 1331-1361. Hrsg. von S. Hänle u. W. Caselmann.

Nachrichten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

29) +Die vornehmsten Kunstdenkmäler in Wien.+ Von +G. F. Waagen+, Director der königl. Gemälde-Gallerie u. s. w. in Berlin. 2 Bde. Wien, 1866, 1867. Wilhelm Braumüller. 351 u. 420 Stn. 8.

Einen Complex von Kunstschätzen, wie die alte, reiche Kaiserstadt Wien sie enthält, von der Feder eines so bewährten Kenners beschrieben und ihrem werthvollen Inhalte nach bestimmt und zusammengestellt zu sehen, ist für den Forscher wie für den Liebhaber gewiß eine bedeutungsvolle Thatsache. Nach der allbekannten schriftstellerischen Thätigkeit Waagen’s dürfen wir für Charakterisierung des Buches selbst kein Wort mehr verlieren; der nun verewigte Verfasser hat in dieses sein letztes Werk die ganze Reife und Fülle niedergelegt, welche sein langes, ausschließlich und rastlos dem Studium zugewendetes Leben ihm zum Gewinn gegeben. Es ist, wie wir aus der Vorrede ersehen, die Frucht einer während vierundvierzig Jahre wiederholt aufgenommenen Arbeit. Um indeß auf den Reichthum des Inhalts aufmerksam zu machen, geben wir einige Auszüge der vorgesetzten Verzeichnisse. Der erste Band behandelt mit geringen Ausnahmen, welche durch die örtliche Zusammengehörigkeit des Stoffes veranlaßt sind, ausschließlich die Malerei, und zwar zunächst die k. k. Gemäldegallerie des Belvedere, sodann die Sammlungen der k. Akademie der Künste, des Fürsten Liechtenstein, der Grafen Czernin, Schönborn, Harrach, Landskoronsky und sechs andere Privatgallerieen. Wo Anhaltspunkte gegeben, ist die Geschichte dieser Sammlungen vorangeschickt, von ihrem Inhalte Alles ausgehoben, was der Beachtung werth, und jede Nummer kunstgeschichtlich gewürdigt. Der zweite Band bespricht zunächst die in der k. k. Hofbibliothek befindlichen Miniaturen, die byzantinische Schule in zwei Handschriften, die deutsche in dreizehn, die böhmische in acht, die niederländische in sechsunddreißig Manuscripten u. s. w., mit einem Anhang von arabischen, persischen und türkischen Malereien dieser Art und drei niederländischen Gebetbüchern in der Privatbibliothek des Kaisers. Sodann folgt die Besprechung der Handzeichnungen der Albertinischen Sammlung, der Kupferstiche in dieser und der Hofbibliothek, der Ambraser-Sammlung insgesammt, des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets, der kais. Schatzkammer und endlich des österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Ausführliche Register machen das Werk zugleich zu einem sehr dienlichen Handbuch.

v. E.

29) +Die Waffensammlung des österreichischen Kaiserhauses im k. k. Artillerie-Arsenal-Museum+ in +Wien+, herausgegeben von +Quirin Leitner+, k. k. Hauptmann. I. Band. I. u. II. Lieferung. Wien, Verlag von H. Martin. Gr. Fol.

So unersetzlich die Photographie erscheint, wo es sich darum handelt, den Charakter und geistigen Ausdruck eines Kunstwerkes wiederzugeben, worin sie nach dem jetzigen Stande ihrer Vervollkommnung auch den geschicktesten Künstler übertrifft, so unzulänglich sind ihre Mittel, wenn es gilt, die technische Zusammensetzung und Ausführung irgend eines Kunst- oder Gewerbserzeugnisses zu verdeutlichen. Da sie bekanntlich die Zeichnung in den tieferen Schatten nicht zu verfolgen vermag, hüllt sie oft Theile des Gegenstandes in einen Schleier, der das Verständniß zu sehr unterbricht, und läßt Dinge nur errathen, die man vollständig überschauen müßte. So freuen wir uns, auf einem Gebiete, auf welchem man der neueren Entdeckung bereits einen zu großen Spielraum eingeräumt, wieder einmal ein anderes, solides Verfahren angewandt zu sehen. Die Steinradierung, an passenden Stellen abwechselnd mit Tondruck in Kreidemanier, zeigt sich in Darstellung von Bewaffnungsgegenständen um so entsprechender, wenn sie so trefflich durchgeführt ist, wie in dem vorliegenden Werke. -- Jede Lieferung desselben bringt fünf Blätter mit Abbildungen und einen Bogen mit erklärendem Text. Um Abwechselung in die einzelnen Lieferungen zu bringen, sollen stets Gegenstände verschiedener Art abgebildet werden, jedoch das Schlußheft ein chronologisches Verzeichniß enthalten. Aus den vorliegenden Blättern heben wir eine prachtvolle, Kaiser Maximilian I. zugeschriebene Rüstung hervor, einen Mailänder Harnisch aus etwas späterer Zeit, das Koller, welches König Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen trug, u. s. w. Der beschreibende Text ist sehr eingehend, die Ausstattung des Werkes dem Gegenstande angemessen.

v. E.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+Europa+: Nr. 39, Sp. 1223. Die aus Holz geschnitzte Stube zu Lübeck (das Fredenhagensche Zimmer, verfertigt 1573-85). -- Nr. 41, Sp. 1289. Ritter Blaubart.

+Die Grenzboten+: Nr. 40, S. 19. Die mecklenburgische Pfandstadt Wismar.

+Der Hausfreund+: 16. Heft, Nr. 47, S. 748. Das graue Kloster. (Wilh. Petsch.)

+Danziger Kathol. Kirchenblatt+: Nr. 41. Die Pfarrkirche zu Christburg. (R. Bergau.)

+Magazin für die Literatur des Auslandes+: Nr. 42, S. 623. Das Burggrafenamt Meran. -- S. 635. Besprechungsformeln (aus Pommern, 1604).

+Illustrierte deutsche Monatshefte+: Octbr., Nr. 49 (145), S. 59. Die Mythen u. Sagen von wundersamen Meergeschöpfen und Meerbewohnern. (G. F. Daumer.) -- Ueber Ursprung und Bedeutung der Sage von Shylock. (Rud. Grisebach.)

+Die Natur+: Nr. 40. 42. Zur Geschichte der Erfindung des Fernrohrs und des Mikroskops. Nach dem Holländ. des Prof. Harting, von H. Meier. 1. u. 2. Artikel.

+Notes and Queries+: Nr. 38. 40. The „St. Christopher of 1423.“ -- Nr. 38-41. Fairford windows. -- Nr. 40. Observations on early engraving and printing. Part. 1. (Henry F. Holt.)

+Novellen-Zeitung+: Nr. 37. Die Vogelsprache bei den Czechen. (Alfr. Waldau.)

+Revue des deux mondes+: 1. Septbr., 1. livr., p. 81. La Suisse et ses ballades. II. Les chants de la guerre, par M. Louis Etienne.

+Deutscher Sprachwart+: Nr. 13, S. 202. Ueber die sprichwörtliche Redensart „Hunde führen“. (J. Franck.)

+K. preuß. Staatsanzeiger+: Beil. Nr. 192. 198. 204. Die vaterländischen Bildwerke in dem k. Residenzschloß Potsdam. -- Nr. 192. Aus dem bürgerlichen Leben in Graudenz während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. -- Nr. 210. Preußische Städtewappen. -- Uebersicht der Nothmünzen, welche während der Belagerung preußischer Festungen ausgegeben worden sind.

+Wochenblatt d. Joh.-Ord.-Balley Brandenburg+: Nr. 37. Deutsche Fürsten im Reformationszeitalter. I. Landgraf Wilhelm der Weise von Hessen-Kassel. -- Nr. 38. II. Landgraf Moritz I. von Hessen-Kassel, zubenannt der Gelehrte.

+Zeitschrift f. d. ges. luth. Theol. u. Kirche+: 4. Quart.-Heft. Die Mystik und ihr Verhältniß zur Reformation. 1. Art. (Tietz.)

+Zeitschrift f. wissenschaftl. Theol.+: 11. Jhg., 4. Hft. Zwei ungedruckte Briefe Philipp Melanchthon’s. (B. Spiegel.)

+Allgem. Zeitung+: Beil. Nr. 261. Prof. Aschbach und die Gedichte der Nonne Roswitha. (Wilh. Christ.)

+Illustr. Zeitung+: Nr. 1315, S. 183. Der Feenstein bei Regnier in Savoyen. (W. Lampmann.) -- Nr. 1316, S. 199. Land und Leute in Mecklenburg. -- Nr. 1317, S. 221. Das „goldene Rössel“ zu Altötting. (Hans Weininger.)

+Land- und forstwissensch. Zeitung der Prov. Preußen.+ Nr. 34. Der Mörtel in den Bauten des Deutschen Ordens in Preußen. (R. Bergau.)

Vermischte Nachrichten.

96) Der +internationale Congreß für Alterthumskunde und Geschichte+ nahm nach dem vorausgeschickten Programm vom 14.-21. September seinen Verlauf. Die Betheiligung war zahlreich; hervorragende Gelehrte vom In- und Auslande hatten sich eingefunden, letztere namentlich aus Frankreich, Belgien, England und Rußland. Geleitet von den Präsidenten Berghauptmann Nöggerath und geh. Regierungsrath von Quast, unterstützt von den Generalsekretären Prof. aus’m Weerth und Dr. Dognée aus Lüttich, theilte sich die Versammlung in drei Sectionen: für die Urgeschichte, das heidnische Alterthum und für die christliche Zeit. Schlossen sich die Vorträge auch nicht genau an das aufgestellte Programm, so kamen doch die darin zum Vorwurf gebrachten Fragen fast ohne Ausnahme zur Behandlung, und wenn es, namentlich was die erste Section betraf, in der Natur der Sache lag, daß eine vollständige Lösung der Fragen nicht gegeben werden konnte, so galt es doch viel, den Standpunkt klar gelegt zu sehen, bis zu welchem die Wissenschaft sich der Lösung genähert hatte. Von besonderem Interesse war es, Vertreter von Fächern, die bis dahin kaum noch gemeinschaftlich auf einen Punkt hingewirkt, denselben Gegenstand von verschiedenen Seiten beleuchten und so verwandschaftliche Berührungen einzelner Zweige der Wissenschaft aufgedeckt zu sehen, deren Begegnung äußerst anregend und befruchtend wirken mußte. Durch alle in Betracht kommenden Umstände begünstigt, fanden auch die Ausflüge nach archäologisch wichtigen Punkten in der näheren oder ferneren Umgebung der Stadt Bonn zahlreiche Betheiligung, so nach der Doppelkirche zu Schwarzrheindorf, den Ruinen von Heisterbach, Godesberg, Rolandseck u. s. w. Vor allem wurde ein Besuch der archäologischen Merkwürdigkeiten der Stadt Köln unter kundiger Leitung des Stadtarchivars Dr. Ennen und des Herrn von Quast eine Fundgrube der Belehrung. Mehr noch galt dieses von der für den Congreß im Capitelsaale der Münsterkirche und einem Theile des Kreuzganges angeordneten Ausstellung, zu welcher die Dome zu Trier, Aachen, Limburg, Minden, die Kirchen zu Essen, Deutz, Xanten, Quedlinburg, St. Denis bei Paris, das Musée des Souverains daselbst, das königliche Museum zu Berlin, der Verein der Alterthumsfreunde im Rheinlande, das germanische Museum zu Nürnberg, die Bibliothek zu Gotha, der König von Preußen, die Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen, von Wied und viele Private, namentlich mit Rücksicht auf sonst schwer zugängliche Schätze des Alterthums, beigesteuert hatten, worin Stoff zu eingehenden Besprechungen für alle Sectionen, namentlich aber Material für eine Uebersicht der Geschichte des Email gegeben war, wie sie reichhaltiger und entsprechender niemals beisammen gefunden sein dürfte.

97) Das berühmte +Bild+ in der +Marienkirche+ zu +Danzig+: „Das jüngste Gericht“, ist von den neuem Kunstkritikern bekanntlich fast einstimmig als ein Werk Hans Memling’s anerkannt worden. Früher hielt man Johann van Eyck, dann Albert von Ouwater, Hugo van der Goes oder auch Roger van der Weyden für den muthmaßlichen Urheber. Jetzt ist aus Brügge die Kunde nach Danzig gelangt, daß Weale, ein bedeutender Forscher auf dem Gebiete altvlämischer Malerei, den Niederländer Stourbout als den wirklichen Maler des Bildes ermittelt habe. Laut eines noch existierenden Contracts hat Stourbout „Das jüngste Gericht“ für eine mailändische Adelsfamilie gemalt, die Weale aus den Wappenschildern auf der Rückseite des Gemäldes noch bestimmt zu recognoscieren gedenkt.

(Ill. Ztg. Nr. 1315.)

98) Dem Dr. Salviati in Venedig, dessen Glas-Mosaiken und Gläser auf der letzten Pariser Ausstellung gerechtes Aufsehen gemacht haben, ist die +Restauration+ der bekannten mosaicierten +Marienstatue+ zu +Marienburg+ für den Preis von 1100 Thalern übertragen worden.

R. +Bergau+.

99) Da die bisherigen Publicationen von Frick, Büsching etc. des historisch wie künstlerisch gleich wichtigen Ordenshaupthauses +Marienburg+, welches man wol mit Recht als die bedeutendste aller aus dem Mittelalter uns erhaltenen Profanbauten bezeichnen kann, als ungenügend sich erwiesen, bereitet Blankenstein in Berlin eine neue, vollständige, dem hohen Werth des Gebäudes und dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechende Aufnahme und Publication desselben vor.

R. +Bergau+.

100) Der König von Preußen hat die Summe von 20,000 Thlrn. als Beitrag zum +Ausbau+ der +Liebfrauenkirche+ in Trier bewilligt.

(Ill. Ztg. Nr. 1316.)

101) Bei Gelegenheit des Umbaues der Sacristei des +Kölner Doms+ mußte das an der Ostseite stehende +altare fixum+ abgebrochen werden. Die im sepulchrum vorgefundene Urkunde ergibt die interessante Notiz, daß der Altar bereits im Jahre 1271 (die letzte Ziffer ist nicht mehr deutlich, dem Anscheine nach aber eine 1), also 31 Jahre nach der Grundsteinlegung des Doms, und zwar durch den sel. +Albertus Magnus+, consecriert worden ist. Die Urkunde lautet: In Nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Consecratum est hoc altare a venerabili patre Domino Alberto episcopo quondam Ratisbonnensi regnante rege Rudolfo sub venerabili patre nostro Syfrido Coloniensi Episcopo in honorem Thome martyris atque pontificis, Beatae Mariae Magdalenae et Gregorii Papae anno Domini MCCLXXI in vigilia Cosmae et Damiani.

(Organ f. chr. Kunst Nr. 17.)

102) In +Köln+ ist im Garten eines Hauses der Christophstrasse, bei der Ausschachtung eines Kellers, 10 Fuß tief, das untere Stück eines schmalen +römischen Weihaltars+ aus Jurakalk gefunden worden. Erhalten ist nur der Sockel und der Schluß der Inschrift: SVLEVIS S* L* M* P. Sulevis solvit (oder sua?) lubens merito posuit. Die matres Suleviae, denen der Altar gewidmet war, sind auch sonst bekannt. Ein in Deutz gefundener, ihnen geweihter Stein ist verloren gegangen, ebenso ein auf der Schweppenburg bei Andernach befindlicher Altar. In Italien, Frankreich und England findet man sie. Aber auch in der Einheit kommt eine Göttin Sulevia oder Sulivia vor. Der Name des Weihenden begann hier die Inschrift. Die Weihungsformel weicht von der gewöhnlichen ab. Der Stein ist vom Museum erworben worden.

(Ill. Ztg. Nr. 1316.)

103) Bei Gelegenheit einer Rectification des Pflasters auf einem öffentlichen Platze der Stadt +Zürich+ stieß man auf zahlreiche +Gefäße und Scherben römischen Ursprungs+. Diese waren auf einem so geringen Raume vereinigt, daß von einer planmäßigen Ausgrabung viel zu erwarten ist. Dr. Ferd. Keller vermuthet, daß hier ein römischer Tempel gestanden sei.

(Dies. Nr. 1319.)

104) Ein +altgermanischer Grabhügel+ auf dem Palmberge bei +Vippach-Edelnhausen+ ist kürzlich im Interesse der Sammlungen des Germanischen Museums in Jena von dem Conservator desselben, dem Dr. Klopfleisch, ausgegraben worden. Auf dem Boden des Berges befand sich ein 4 Fuß hohes, etwa 30 Fuß langes und 20 Fuß breites Steinpflaster, auf welchem das Leichenfeuer gebrannt hatte, wie die vielen Kohlen und Aschenstellen bewiesen. Diesen pflasterartigen Steinaltar hatte man, nachdem das Leichenfeuer ausgebrannt, mit schwarzer, von anderwärts hergeschaffter Erde bedeckt. Auf diesem künstlich bereiteten Fußboden lag im Mittelpunkt der ganzen Anlage, von welcher übrigens nach der Peripherie des Hügels zu einige Nebenaltäre ausliefen, das Feuerspuren an sich tragende, vollständige Skelet einer Frau; zu ihren Häupten fand sich in einer zerdrückten Urne ein Häufchen geglühter Menschenknochen, wol ein Theil der irdischen Reste ihres Gemahls. Ringsherum lagen viele Reste geschmolzener Bronze, darunter eine wohlerhaltene fibula, Reste anderer Nadeln, eines medaillonähnlichen Schmuckes und eines bronzenen, verzierten Gefäßes. Zur linken Seite des Skelets fanden sich drei von der Erdlast zerdrückte, theilweise verzierte Urnen ohne Inhalt, und etwas weiterhin die vollständigen Reste eines Rosses, jedoch ohne Schädel, da dieser den Göttern dargebracht wurde, während man das Fleisch des übrigen Körpers beim Todtenopfermahl zu verzehren pflegte. Zur rechten Seite des weiblichen Skelets lagen, mit kleinen Bruchsteinen umsetzt, die theilweisen Skeletreste eines Mannes. Bei einer andern Grabstelle desselben Hügels, welche zu dem in der Peripherie befindlichen Skeletkranze des dienstbaren Gefolges gehörte, waren nur die Füße von den Hüften an beigesetzt, und zwar vollständig und in geordneter Lage. Die Reste von Holzpfählen, die sich um das im Mittelpunkt bestattete Paar vorfanden, werden wol die Träger gewesen sein, auf denen man die Häupter der hier geopferten Thiere, Kränze u. dgl. oberhalb des Hügels befestigte. Ueber die ganze Oberfläche des beschriebenen künstlichen Bodens, auf welchem die zwei Hauptpersonen und die Urnen lagen, waren ferner außer gebrauchten Mahlsteinen von Kalk zahlreiche Scherben der Gefäße, die beim Todtenopfermahl gedient hatten, zerstreut, darunter die Reste einer reich verzierten römischen patera der Kaiserzeit.

(Ill. Ztg. Nr. 1312.)

105) In dem neuen Flußbett der +Lippe+ hat man kürzlich wieder ein +altes Schiff gefunden+, welches wie dasjenige, auf welches man vor drei Jahren beim Durchstich der Lippe stieß, die primitivsten Formen hat. Es ist nämlich ein ausgehöhlter Baumstamm. Die Höhlung ist zwar mit Hauwerkzeugen ausgeführt; dagegen sind die Schnäbel und Seiten im rohen Zustande geblieben. Seine Länge beträgt 24 Fuß und seine Breite in der Mitte 2½-3 Fuß. Das 1865 aufgefundene und jetzt im Provinzialmuseum zu Münster befindliche Schiff hat dagegen behauene und geglättete Seiten.

(Korr. v. u. f. D. N. 531.)

106) Am Nachmittage des 5. October sammelte ein Mädchen von +Lustnau+ (unweit Tübingen) im sog. Lustnauer Wäldchen am Oesterberg Eicheln. Von einer nicht sehr alten Eiche fielen einige Eicheln in’s Gebüsch zwischen zwei aufrechtstehende Steine; das Mädchen wollte sie holen, und als sie die Steine entfernt hatte, fand sie einen großen irdenen Hafen mit zwei Henkeln, angefüllt mit über tausend alten deutschen +Silbermünzen+ aus dem Mittelalter, von der Größe eines Kreuzers bis zu der eines Sechsbätzners, mit undeutlichem Gepräge und theilweise mit Grünspan bedeckt.

(Ders. Nr. 533, nach dem Schw. M.)

107) Nach Art. XII des Friedensvertrages, welchen Bayern und Preußen vor zwei Jahren abgeschlossen, sollten „die in dem k. b. +Archiv+ zu +Bamberg+ befindlichen, im Wege kommissarischer Verhandlung zu bezeichnenden Urkunden und sonstigen Archivalien, welche eine besondere und ausschließliche Beziehung auf die ehemaligen Burggrafen von Nürnberg und die Markgrafen von Brandenburg fränkischer Linie haben“, an Preußen ausgeliefert werden. Das Resultat der kommissarischen Verhandlungen, welche vom 22. Juni bis 1. August darüber stattfanden, ist nach der Hoffm. Korresp. (Korr. v. u. f. D. Nr. 479) folgendes. Die betreffenden Archivalien belaufen sich auf 3071 Stück, bestehen aus Akten, Korrespondenzen und Verträgen der brandenburgischen Fürsten, welche sechs Jahrhunderte in Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Kulmbach residiert und regiert haben, und haben sämmtlich nur noch historischen Werth. Es gelang dem k. b. Kommissär, den Grundsatz zur Anerkennung und Durchführung zu bringen, daß jedes Stück, welches auf Bayern u. seine Geschichte Bezug habe, Bayern verbleiben müsse. Preußen erhielt dagegen die Familienkorrespondenz der Brandenburger, ihre Hausverträge, Eheberedungen, Verhandlungen über Apanage, Morgengabe, Witthum u. Leibgedinge, die Aufzeichnungen über Geburten, Heiraten, Erziehung, Unglücks- und Todesfälle der Prinzen und Prinzessinnen u. dgl. m. Im Ganzen erhielt von den 3071 Stücken Preußen 1401 und behielt Bayern 1670, wobei 135 Stücke unter beide getheilt wurden. Zu bemerken ist noch, daß von wichtigern Urkunden entweder bereits alte Copien oder zweite Exemplare sich vorfanden, oder, sei’s für Bayern oder Preußen, angefertigt werden und die Urkunden, von welchen Bayern noch Abschriften machen will, noch zurückbehalten sind. Auch ist in Bezug auf das jetzt in Bamberg verhandelte Archivmaterial das Prinzip vollster Gegenseitigkeit in der Benützung, sei es zu amtlichen oder wissenschaftlichen Zwecken, stipuliert worden.

Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

(Mit einer Extra-Beilage.)

(Extra-Beilage zum Anzeiger Nr. 10, 1868.)

Jahresbericht der historischen Commission bei der k. bayer. Akademie der Wissenschaften.

=München= +im October+ 1868. In den Tagen vom 30. September bis 5. October dieses Jahres hielt die historische Commission ihre statutenmäßige Plenarversammlung, zu welcher sämmtliche ordentliche Mitglieder mit Ausnahme des Hofraths und Archivdirektors Ritter v. +Arneth+ aus Wien und des Professors +Droysen+ aus Berlin sich eingefunden hatten.

In der Eröffnungsrede wies der Vorsitzende, Geheimer Regierungsrath v. +Ranke+ aus Berlin, auf Janssens jüngst erschienene Schrift: Joh. Friedrich Böhmer’s Leben und Briefe hin und legte dar, wie sich dieser, um das Studium der deutschen Geschichte hochverdiente Gelehrte unter den Einflüssen seiner Zeit entwickelte, indem zugleich der wissenschaftliche Standpunkt desselben vom Redner einer eingehenden Beurtheilung unterworfen wurde. Ueber die Geschäfte des abgelaufenen Jahres erstattete sodann Professor v. +Giesebrecht+ als Sekretär den statutenmäßigen Bericht. Nach demselben waren im Laufe des Jahres in den Buchhandel gekommen:

1) K. +Hegel+, Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis 16. Jahrhundert. Bd. VI., der erste Theil der von L. +Hänselmann+ bearbeiteten Braunschweiger Chroniken.

2) R. v. +Liliencron+, die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert. Bd. III.

3) Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Vierte Lieferung, enthaltend Geschichte der Aesthetik von H. +Lotze+.

4) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. VIII.

Außerdem waren im Druck vollendet, so daß die Ausgabe in den nächsten Tagen erfolgen kann:

5) Deutsche Reichstagsakten, Bd. I, enthaltend: Deutsche Reichstagsakten unter König Wenzel. Erste Abtheilung 1376-1387. Herausgegeben von J. +Weizsäcker+.

6) Bayerisches Wörterbuch von J. +Andreas Schmeller+. Zweite, mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe, bearbeitet von G. K. +Frommann+. Lieferung I.

Mit besonderer Freude nahm die Commission die ersten Exemplare dieser neuesten Publicationen entgegen, da mit ihnen Unternehmungen in das Leben traten, welche sie von ihren Anfängen an vorzugsweise in das Auge gefaßt hat und die einem tiefempfundenen wissenschaftlichen Bedürfniß Abhülfe gewähren.

Die Berichte, welche dann im Laufe der Verhandlungen von den Leitern der einzelnen Unternehmungen erstattet wurden, zeigten den rüstigen Fortgang der Arbeiten nach allen Seiten und gaben die Sicherheit, daß einzelne Hemmnisse derselben in kurzer Zeit zu überwinden sein werden. Die hiesigen und auswärtigen Behörden, wie die Verwaltungen der Archive und Bibliotheken fahren fort, mit nicht genug zu rühmender Liberalität alle Bestrebungen der Commission zu unterstützen, und tragen dadurch wesentlich zur Förderung der Arbeiten bei.