Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.

Part 34

Chapter 343,353 wordsPublic domain

Der Titel gibt schon vollständig an, was in dieser Schrift zu finden ist. Das Unternehmen, von solchen der Zerstörung mehrfach ausgesetzten Denkmälern aus älterer -- zum Theil schon sehr alter -- und neuerer Zeit genaue Beschreibung und überhaupt Kunde zu geben, ist ein dankenswerthes, und seine Fortführung kann allen denen, welche sich namentlich für Genealogie und Heraldik interessieren, nur recht erwünscht sein. Ueber eine nicht geringe Anzahl alter Adelsfamilien, die aus der Altmark ihren Ursprung herleiten, dort ansässig waren oder noch sind, aber auch in den andern Marken und nach Hannover, Sachsen etc. sich ausgebreitet haben, finden sich hier Aufschlüsse, die in solcher Sicherheit schwerlich sonst irgendwoher zu erlangen sein dürften. -- Der Verfasser ist sehr sorgfältig bei Aufzeichnung der Inschriften und Beschreibung der Wappen verfahren und hat schätzbare genealogische Notizen und Nachweisungen beigebracht, vornehmlich auch in heraldischer Beziehung Alles gegeben, was zur Aufklärung dienen konnte. Die beigefügten 7 Tafeln Abbildungen von alten Grabsteinen (3 aus dem 13., 3 aus dem 14. und 1 aus dem 15. Jhdt.), wie auch das Titelblatt mit dem Wappen der Altmark und den Wappenschildern der in den behandelten zwei Kreisen jetzt ansässigen 12 Adelsfamilien, sind gut gearbeitet, und da auch Druck und Papier zu loben sind, erscheint der Preis von 25 Sgr. (wofür das Heft von dem Verfasser zu Mieste in der Altmark zu beziehen ist) nur gering. R.

26) +Die Siegel der Mark Brandenburg nach Urkunden des königl. Geh. Staatsarchivs, des Staatsarchivs zu Magdeburg, sowie städtischer und anderer Archive.+ Lieferung I. Berlin in Commission bei J. A. Stargardt. (1868.) (gr. 4., 28 Stn. Text und 12 Tafeln Abbildungen in Holzschnitt).

Der bewährte Alterthumsforscher Voßberg, allen Freunden der Münzkunde und der Sphragistik durch vortreffliche Werke längst bekannt, hat es unternommen, zu dem großen Urkundenwerke des höchst verdienstvollen brandenburgischen Historiographen Riedel, dem Codex diplom. Brandenburgensis, eine schon vielfach vermißte und darum gewünschte Ergänzung zu geben, indem er die in dem Codex selten berücksichtigten alten Siegel in vollkommen treuen Abbildungen der Originale herauszugeben beabsichtigt. Das Material dazu hat er seit vielen Jahren in den ihm bereitwillig geöffneten Staats- und Privat-Archiven angesammelt, und eine große Anzahl von Siegeln der Markgrafen, Bischöfe, Städte, des Adels und der Bürger, der geistlichen Stifter, der Gewerke und des alten Johanniterordens auf’s genaueste zeichnen lassen, deren allmähliche Publicierung mit dieser ersten Lieferung, die schon von allen vorerwähnten Abtheilungen Siegelabbildungen enthält, begonnen ist. Auf den die Siegel der Markgrafen Albrecht des Bären und Otto I. enthaltenden Tafeln hat der Herausgeber sehr zweckmäßig auch Abbildungen von Münzen dieser Fürsten gegeben, welche Münzen zur Erläuterung der Siegel beitragen; sodann ist eine besondere Tafel vorangestellt mit Abbildungen der seltenen Münzen einiger Wendenfürsten, die vor den Ascaniern Theile der Mark beherrschten, und deren Darstellung ungemein interessant ist. -- Zu jeder Abbildung der Siegel und Münzen ist eine Beschreibung, zum Theil mit bezüglichen Erläuterungen, und zu den einzelnen Abtheilungen noch eine geschichtliche Einleitung gegeben, -- alles kurz, aber doch vollständig genügend und dem Zwecke entsprechend. --

Da der Herausgeber in dieser ersten Lieferung die Reihefolge der Siegel weder nach dem Alter, noch nach dem Buchstaben geordnet, sondern nur eine, wie es scheint, willkürliche und zufällige Auswahl getroffen hat und auch wol in dieser Weise bei den folgenden Lieferungen fortfahren wird, so beabsichtigt er wahrscheinlich, bei Vollendung eines Theiles seines Werks oder bei dem Abschlusse desselben die wünschenswerthe Uebersichtlichkeit des Inhalts durch ein vollständiges Namenregister zu erhöhen, in welchem dann auch auf die betr. Urkunden des Riedel’schen Codex Bezug genommen werden möchte. --

Von Forschern und Freunden des Alterthums, der Geschichte und Genealogie wird dies Unternehmen mit eben so großer Freude aufgenommen werden, wie von den Sphragistikern insbesondere, da es für Kunde der Vorzeit im allgemeinen und insbesondere der Marken viel Interessantes und zur Aufklärung Dienendes bringt. Die Ausführung im Holzschnitte -- für Siegel gewiß mehr zu empfehlen, als die freilich viel billigere Lithographie -- ist musterhaft, insbesondere auch wegen der ungemeinen Genauigkeit, von der sich Referent durch Vergleichung mit Originalen überzeugt hat. -- Der Herausgeber hat es vorgezogen, ein sehr festes, aber doch wegen der gelblichen Farbe nicht angenehm in’s Auge fallendes Papier anzuwenden: sicherlich würde das durch vorzüglichen Druck ausgezeichnete Heft im Aeußeren noch gewonnen haben, wenn dazu ein ganz weißes Papier verwandt wäre. R.

27) +Alterthümer und Kunstdenkmale des Cisterzienserklosters St. Marien und der Landesschule zur Pforte+, von W. +Corssen+. Mit XII Tafeln und 99 Holzschnitten. Halle, Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 1868. gr. 4. 344 Stn.

Den Freunden mittelalterlicher Baukunst war die Kirche des Cisterzienserklosters zur Pforte, der jetzigen Schulpforte, an der Saale längst lieb und werth, seit Puttrich in seinem großen Werke über die sächsischen Baudenkmale Abbildungen gegeben hatte. Die Bauwerke Pfortes haben aber auch ein besonderes Interesse für die vielen Angehörigen der Schule, und so wird wol das glänzend ausgestattete Werk, das beiden Kreisen willkommene Mittheilungen und Abbildungen bringt, allseitig freundliche Aufnahme finden.

Der Verfasser gibt zunächst die urkundlich belegte Geschichte des Klosters, dann die der Fürstenschule und fügt daran eine Beschreibung und Würdigung der Gebäude und sonstigen Kunstwerke, die durch gute Abbildungen dem Auge des Lesers vorgeführt werden. Von besonderem Interesse wird für das größere Publikum die Beschreibung der einzelnen Theile des ehemaligen Klosters sein, durch die auch der Laie ein übersichtliches Bild des Lebens und der Thätigkeit eines größeren Klosters erhält; schon die Aufzählung der einzelnen Räume -- die leider zum großen Theile nicht mehr, oder doch nicht in alter Weise vorhanden sind -- zeigt, welch mannigfaltige Bedürfnisse vorhanden waren, und wie das Kloster eine Welt für sich bilden konnte, in der für alle leiblichen wie geistigen Bedürfnisse gesorgt war.

Die schönen und edeln Formen der Kirche, die guten Verhältnisse, die schöne Ornamentik, ebenso die Gliederung und Verzierung der Abtskapelle werden allen jenen besonders willkommen sein, die das Studium der alten Baukunst mit Rücksicht auf ihre Wiederanwendung betreiben; die Grabdenkmale, Skulpturen und manches andere haben Bedeutung für die Kunstgeschichte und geben so in Verbindung mit der Architektur eine Uebersicht über die Kunstgeschichte des Mittelalters.

Die schöne Ausstattung des Buches wird mit dazu beitragen, dasselbe auch in Kreisen, denen sonst ernstere Studien ferne liegen, heimisch zu machen.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+Das Ausland+: Nr. 32, S. 751. Worsaa’s Erklärung der Moor- und Erdfünde. -- S. 754. Tacitus und die rheinischen erloschenen Vulkane. (Dr. Jacob Nöggerath.)

+Die Biene+: Nr. 23. Holzkirchen in Mähren.

+Börsenblatt f. d. deutsch. Buchh.+: Nr. 143. Aldus Manutius.

+Europa+: Nr. 29, Sp. 921. Tanzlieder und Pfeiferkönige. -- Nr. 30, Sp. 951. Der Wenden Untergang auf Rügen. -- Nr. 31. Sp. 977. Zwei mittelalterliche Reisende. -- Sp. 983. Chiffrierschrift und schwarze Kunst (Tritheim’s Steganographie.)

+Die Gartenlaube+: Nr. 31 f. Die Mutter unserer heutigen Scheidekunst (über Alchemie). (Dr. O. L. Erdmann.)

+Die Grenzboten+: Nr. 29, S. 81. Der gegenwärtige Stand der Runenkunde. -- Nr. 31, S. 161. Die alte Kunst und die Mode. (Otto Jahn.)

+Jagd-Zeitung+: Nr. 12, S. 370. Die Moritzburg (bei Dresden).

+Danz. Kathol. Kirchenblatt+: Nr. 30. Eine Monstranz in Stuhm. (R. Bergau.)

+Evang.-reform. Kirchenzeitung+: 18. Jahrg., Maiheft. Zur Geschichte des Heidelberger Katechismus.

+Illustr. deutsche Monatshefte+: Aug., Nr. 47 (143), S. 473. Eine hochberühmte Schatzgräbergeschichte (1715). (Moritz Müller.)

+Notes and Queries+: Nr. 28, S. 40. Calvin and Servetus.

+Revue des deux mondes+: 1. Juillet, 1. livr., p. 84. Le drame religieux du moyen âge jusqu’à nos jours. (Nach Dr. K. Hase.)

+Rübezahl+: 5. Heft, S. 203. Bräuche und Sagen aus Oesterreichisch-Schlesien. (Prof. A. Peter). -- S. 206. Lerchenborner Sagen. (Pastor K. J. Th. Haupt.) -- S. 212. Geschichte des Görlitzer Theaters (Ewald Schulz.) -- 6. Heft, S. 266. Ein Wort über schlesische Mundart. (K. F. W. Wander.)

+Augsburger Sonntagsblatt+: Nr. 30. 31. Zur Geschichte der Rose.

+Sonntagsblatt+ (von E. Dohm): Nr. 29. Zur Geschichte des Hundes.

+Preuß. Staats-Anzeiger+: Beil. Nr. 150 ff. Alterthümer und Kunstdenkmale des Erlauchten Hauses Hohenzollern. -- Zur Geschichte der deutschen Handelsgesetzgebung. -- Nr. 174 ff. Die Kirchenbauten der romanischen und der gothischen Periode in Preußen. -- Nr. 180. Das Leichenbegängniß des Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg zu Frankfurt a. M. am 12. März 1486.

+Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg+: Nr. 32. Zwei Lutherbriefe.

+Zeitschrift f. Protestantismus u. Kirche+: N. F. 55. Bd., 6. Hft. Episoden aus der Kirchengeschichte der Grafschaft Leiningen-Westerburg, besonders der Gemeinde Grünstadt. -- Reformationsgeschichtliches.

+Allgemeine Zeitung+: Beil. Nr. 221. Fund eines römischen Militärdiploms bei Weißenburg in Mittelfranken. -- Nr. 227. Die Restauration des Ulmer Münsters.

+Danziger Zeitung+: Nr. 4924. 4926. Wendlers Modell für die Wiederherstellung des Hochaltars der Oberpfarrkirche St. Marien zu Danzig.

Vermischte Nachrichten.

74) Der Bildhauer Wendler in Berlin hat ein sehr vortreffliches Modell zur +Restauration des Hochaltars von St. Marien+ in +Danzig+ (Vergl. Danz. Ztg. vom 3. u. 4. Juli 1868) gefertigt. Auf Grund desselben ist ihm die Ausführung des Altar-Aufsatzes für den Preis von 10,000 Thlr., auf Kosten der Klose’schen Eheleute in Danzig, übertragen werden.

+R. Bergau.+

75) Die +Kapelle zu St. Bartholomä+ am Königssee war in der jüngsten Zeit sehr baufällig geworden. Da die Pfarrkirchenstiftung St. Andrä in Berchtesgaden, welcher der bauliche Unterhalt obliegt, absolut leistungsunfähig ist, so sollte die Kapelle zum Abbruch gelangen. Hiedurch würde jedoch der Königssee in historischer und ästhetischer Beziehung eine schöne und eigenthümliche Zierde verloren haben; König Ludwig II. von Bayern befahl daher, daß die Kapelle auf Kosten der Kabinetskasse wiederhergestellt werde. Die desfalls vorgenommenen baulichen Reparaturen sind nun vollendet, und am St. Jakobstage (25. Juli) wurde in der renovierten Kirche der erste feierliche Gottesdienst gehalten.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 386.)

76) Am 26. Juli wurde in +Lüttich+ das +Monument Karl’s des Großen enthüllt+, welches die Stadt und die Provinz diesem Kaiser errichtet haben, den sie zu ihren speziellen Landsleuten zählen, weil die Vorfahren desselben in dortiger Gegend Besitzungen hatten, nach welchen sich einige derselben benannten, wie z. B. Herstall und Landen. Uebrigens ist, wie bekannt, Karl’s Geburtsort mit Sicherheit nicht zu ermitteln. Das Monument ist eine Reiterstatue in Bronze auf einem Postamente von weißem französischen Sandstein; an dem Postamente befinden sich sechs kleine Bronzestatuen, welche Karl’s Vorfahren darstellen. Die Reiterstatue mißt 5 Meter in ihrer ganzen Höhe, das Postament ist 7 Meter hoch. Das Denkmal ist das Werk des Bildhauers Jehotte, Professors an der Brüsseler Akademie. Es ist in Brüssel gegossen.

(Ders. Nr. 390.)

77) Am 10. Juli eröffnete, wie die Heidelb. Zeitung Nr. 163 und die Bad. Landesztg. Nr. 163 u. 164 berichten, der Fabrikbesitzer Karl Metz eine von ihm selber während einer langen Reihe von Jahren zusammengebrachte +Sammlung von Alterthümern+ und andern Gegenständen der verschiedensten Art, welche, aufgestellt im Hause Nr. 22 vor dem Karlsthor (Hausacker genannt) der Stadt +Heidelberg+, namentlich enthält: Kirchliches, Folterwerkzeuge und Richtschwerter, Waffen und Rüstungen, musikalische Instrumente, Thür- und Schrankschlösser, Porzellansachen, Münzen, Uhren, Autographen, Reliquien und Curiositäten. Hervorzuheben ist eine in einem der höher gelegenen Zimmer angebrachte Holzvertäfelung, welche zu Anfang des 17. Jahrh. die Arbeitsstube des Bürgermeisters der Stadt Zürich schmückte.

78) Die erste Abtheilung der berühmten Ritter v. +Schultheß-Rechberg’schen Münz- und Medaillensammlung+ ist im Juni in +Dresden+ unter lebhafter Betheiligung fremder Käufer +versteigert+ worden. Viele der bedeutendern Stücke sind in Deutschland verblieben und theils für öffentliche Sammlungen, theils von Privaten erworben worden. Auch das kön. Münzkabinet in Dresden hat sich die Gelegenheit zur Bereicherung nicht entgehen lassen, noch größere Summen verausgabte das Berliner Museum zu Anschaffungen. Andere Stücke sind nach der Schweiz, nach Frankreich, Italien, Schweden, Russland, England, selbst nach Amerika gewandert. Es wurden bedeutende Gebote erzielt und ein Thaler häufig mit 30-50, selbst mit 60-100 Thalern bezahlt, wie der Thaler des Salzburger Erzbischofs Leonhard von Keutschach vom Jahre 1504 mit 105 Thalern., ein Doppelthaler des Cardinals von Dietrichstein, Bischofs von Olmütz, ebenso hoch etc. Die zweite Hälfte der Sammlung, 4000 Stück, darunter viele Seltenheiten, wird im Mai k. J. versteigert. Diese numismatische Sammlung hat vor ihrer Zerstückelung eine wissenschaftliche Bearbeitung durch die Brüder Erbstein erfahren und somit wenigstens auf dem Papiere den Charakter der Untheilbarkeit erlangt.

(Ill. Ztg. Nr. 1309.)

79) Wie man aus Fronhofen bei Simmern schreibt, hat ein Arbeiter beim Steinbrechen zu +Unzenberg+, in der Nähe des römischen Standorts Dommissas bei Kirchberg, einen +Topf mit 840 Silbermünzen+ gefunden, die sämmtlich etwas schwerer sind als ein 2½ Silbergroschenstück. Diese Münzen tragen ein Bildniß mit der Inschrift: „Probus Marcus Aurelius“ und sind ganz gut erhalten. Da der Deckel des Topfes fehlte, so haben die Inschriften meist einen leichten Ueberzug.

(Dies. Nr. 1308.)

80) Bei +Trifail+ (Steiermark) stieß bei Urbarmachung eines Waldes der Spaten eines Landmanns auf ein Gefäß, welches etwa 1 Fuß tief unter der Oberfläche lag und mit etwa 300 großen, massiven, wohlerhaltenen +Silbermünzen+, anscheinend keltischen Ursprungs, gefüllt war. (Dies. Nr. 1309.)

81) Auf dem Gute +Wotrum+ bei Teterow (Meklenburg) wurden in letzter Zeit mancherlei +Bronzealterthümer+ und daneben eine Anzahl +mittelalterlicher Ofenkacheln+ gefunden.

(Dies. Nr. 1311.)

82) Beim Erweiterungsbau der Strafanstalt in +Zürich+ ist ein +Stein mit altrömischer Inschrift ausgegraben+ worden. Dieselbe lautet: Deae dianae et Silvano ursarii posuerunt ex voto. Die Römer gebrauchten die Bären zur Jagd, und die Führer der Bären gehörten zum Jagdgefolge. Auch noch weitere antiquarische Funde wurden an dieser Stelle gemacht. Die Arbeiter stießen nämlich auf zwei Armbänder und sieben Ringe von Gold; erstere laufen künstlich in Schlangenköpfe aus, letztere sind theils ciseliert, theils fassen sie eine Gemme. Die Schmuckgegenstände mögen nach dem Urtheil der Kenner des Fachs aus dem 2. oder 3. Jahrh. stammen; sie sind von der antiquarischen Gesellschaft angekauft worden.

(Das.)

83) Auf dem Gute +Pölitz+ in Meklenburg sind im Laufe dieses Frühjahrs und Sommers eine Menge uralter Wohnstätten, sog. +Höhlenwohnungen+, entdeckt worden. Zwei, drei und vier Fuß unter der Oberfläche stieß man beim Drainieren auf zahllose Glasscherben, Knochen von Thieren, besonders von Schweinen, Rindern, Pferden und Hirschen, sowie auf einzelne Geräthe. Nach der Beschaffenheit der Scherben und Geräthe gehören diese ehemaligen Wohnstätten theils der letzten heidnischen und zum Theil der Steinzeit an. Mehrere Kisten mit Knochen und Scherben sind dem Schweriner Archiv übersandt worden.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 401.)

84) Bei +Clermont+ im Oisedepartement hat man die +Ueberreste der Brücke aufgefunden+, die Cäsar dort über die Sümpfe hatte schlagen lassen, um die Bellovaker in ihrem Lager zu überraschen. Man hatte sich bisher vielfach über die Oertlichkeit, wo diese Vorfälle stattgefunden haben, gestritten.

(Ill. Ztg. Nr. 1311.)

85) Die werthvolle +Bibliothek+ des verstorbenen Sprachforschers Franz +Bopp+ ist, wie man der Allgem. Ztg. aus Berlin schreibt, von der Universität Ithaka in Amerika erworben worden. Die Doubletten hat der Antiquar Stargardt in Berlin übernommen, mit andern werthvollen Werken vereinigt und darüber ein Verzeichniß von etwa 1300 Nummern veröffentlicht.

86) Von der Calve’schen k. k. Universitätsbuchhandlung in Prag ist folgendes Schriftchen ausgegeben worden: „Diplomatische Abhandlung über ein zu München aufbewahrtes Fragment eines +Sendschreibens des Kaisers Glycerius an den Ostgothischen Feldherrn Widemir+, als die einzige bisher bekannte occidentalisch-kaiserliche Urkunde etc. Von J. C. Frhrn. v. Aretin. 8. 34 Stn.“ Ueber die in dieser Abhandlung besprochene Urkunde war schon um 1759 ein Heft unter dem Titel: „Jo. Adami E. B. de Ickstädt Observationes historico-criticae in epistolam autographam Glycerii Imperatoris ad Widimerum Ostrogothorum Regem. Monachii (prostat in Bibliopolio Elect. academico.) S. a. 4. 14 Stn., mit 1 Tafel.“ in zwei Auflagen erschienen, damals aber ziemlich unbeachtet geblieben. Die betreffende, den Erben des kurfürstl. Hofraths Frhrn. Widmer in München gehörige und schon seit länger als einem Jahrhundert im Besitze der Widmer’schen Familie befindliche Urkunde stammt aus dem J. 473 und ist nach v. Aretin’s Ausspruche wegen ihres Alters sowohl, als wegen ihres Inhalts „eine der größten Kostbarkeiten, mit welchen eine öffentliche Bibliothek geziert sein kann.“

(N. Anz. v. Petzholdt, H. 8, S. 272.)

Mittheilungen.

Die den Freunden der älteren deutschen Literatur wohlbekannte Bibliothek des verstorbenen Predigers +Kläden+ über deren Seltenheiten (besonders der Schriften von Grimmelshausen) Holland, Keller u. A. Mittheilungen gegeben, ist von dem Antiquar +Stargardt+ in Berlin angekauft worden. -- Ein Verzeichniß derselben, das zugleich eine Ergänzung zu +Heyse+’s Bücherschatz bildet, enthält ca. 2300 Nummern zum Theil mit literarischen und bibliographischen Nachweisungen.

Auf Sp. 194 des diesjährigen Anzeigers ist durch Fortlassung eines Komma ein Satz der Art entstellt, daß anzunehmen ist, es sei behauptet, Luther habe die Stelle Sprüche Salomo’s 25,11 übersetzt: „Gold’ne Aepfel mit silbernen Bildern.“ -- Richtig lautet der Satz aber: „In der Vorrede ist das durch Göthe beliebt gewordene: Gold’ne Aepfel in silbernen Schalen“ nach der lutherischen Bibelübersetzung, -- eigentlich: „mit silbernen Bildern“, -- benutzt.“

Der anscheinend auffallende Umstand, daß Sp. 196 bei der auf einen Brief Dr. Suringar’s zu Leiden vom 25. Februar 1866 gestützten Mittheilung über Sprengius die abweichende Ansicht Franck’s -- Anzeiger 1867, Sp. 10 und Herrig’s Archiv, Bd. 40, S. 91 -- nicht beachtet ist, erklärt sich dadurch, daß mein Aufsatz im Anzeiger älter als der Abdruck der Franck’schen Arbeit ist und +bereits im December 1866+[146] nach Nürnberg abgesendet war.

+A. M. Ottow.+

An den Tagen vom 14.-21. September findet zu +Bonn+ ein von dem Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande veranstalteter +internationaler Congress für Alterthumskunde und Geschichte+ statt. Die Verhandlungen werden, auf drei Sectionen vertheilt, Fragen aus der Urgeschichte, aus dem heidnischen Alterthum und aus der christlichen Zeit zum Gegenstande haben. Außerdem ist eine Ausstellung solcher Kunstwerke und Alterthümer in Aussicht genommen, welche, in Privatbesitz oder Kirchen befindlich, bisher wenig zugänglich waren, oder sich besonders als Material für die vergleichende Kunstgeschichte eignen. Anmeldungen sind an den Vorstand des obengenannten Vereins zu richten.

+Die Redaktion.+

Die =Jahresconferenz des germanischen Museums= findet

am Montag den 28. September d. J.

und den nächstfolgenden Tagen statt.

=Der Vorstand des german. Museums.=

Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

ANZEIGER

FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Fünfzehnter Jahrgang.

=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuß oder 2 Thlr. preuß.

Für _Frankreich_ abonniert man in Straßburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. +Brockhaus+ in Leipzig, befördert.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1868. Nº. 9. September.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Sphragistische Aphorismen[147].

(Schluß.)

XV.

Einer Wappendecke begegnen wir ferner auf dem [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 Lippold’s von Behr von 1283[148], nur mit dem Unterschiede, daß wir es auf den Siegeln Nr. XI und XIII mit dem Hirsch als +wirklichem+ oder symbolischem[149], hier aber mit dem Bären als redendem +Siegelbilde+, das wol erst später in ein +redendes Wappen+bild verwandelt wurde, zu thun haben[150].

XVI und XVII.

Mit diesem Siegel bilden die beiden Siegel Ulrich’s[151] und Harnid’s[152], beide an derselben Urkunde von 1283 -- an welcher auch noch das [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 Heinrich’s hängt, in welchem gleichfalls der Bär mit der Wappendecke erscheint, -- eine sehr interessante Serie, da auf dem Siegel Ulrich’s das eigentliche Wappen allein, und auf dem Harnid’s ein Theil des Wappens (zwei der drei Schwanenhälse) und ein Stück des Bären zu sehen sind.

Dergleichen poetischen Lizenzen begegnet man häufig auf Siegeln des Mittelalters, namentlich im 13. u. 14. Jahrh. und in den verschiedensten Formen.

XVIII.

Auf dem schönen Siegel IV, A. 2 Leo’s von Brüssel von 1215[153] sehen wir z. B. den Löwen als +redendes+ Siegelbild in Verbindung mit dem Wappenschilde, welchen sein Vater Gottfried, Castellan von Brüssel, auf seinem großem Siegel III, B. 3 von 1215[154] führt.

Das Siegel Leo’s gehört wol unter die frühesten Beispiele heraldischer Schildträger:

XIX.

Interessant ist das [Symbol: Linse] Siegel IV, A. 2 Heinrich’s von Hochstetten von 1276, mit einer weiblichen Figur als Schildträger. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man dieses Siegel leicht für ein Porträtsiegel III, B. 2a halten. Das ursprüngliche Wappen möchte wol als ein gespaltener Schild, mit je einer Fahne in versetzten oder verwechselten Tinkturen, zu blasonnieren sein. Bei Siebmacher erscheint es II, 114 als von Roth und Weiß getheilt, mit drei grünen Pfählen im Weißen und V, 366 ebenso, aber mit anderer Tinktur.

XX.

Eine eigene Art von Zusammenstellung eines +redenden+ Siegelbildes mit dem Wappen sehen wir auf dem [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 2 des Arnold Strauß, von 1297.

An der gleichen Urkunde hängen noch das [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 Heinrich’s und das Siegel IV, B Johann’s, der Brüder Arnold’s. In der Urkunde nennen sie sich nobiles fratres de Struze.