Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 32
Es möchte wol nicht unwahrscheinlich sein, daß die nördlichste der römischen Heerstrassen (die südliche folgte bekanntlich dem Laufe der Lippe) von Holland und dem Zuidersee durch das Fürstenthum Osnabrück an die Weser führte. Wenigstens Möser meint, daß Germanicus auf seinem zweiten Zuge von der Ems nach dem Idistavisischen Felde jenseit der Weser über die Kuackenbrücke und so weiter über Vörden gegangen sei. Wenn wir nun den östlichen Theil dieser Strasse vom rechten Emsufer ab verfolgen, so kommen wir durch eine an vorchristlichen Alterthümern und Römerspuren überaus reiche Gegend. Unterhalb Düthen (dem Tuderium des Ptolemäus?), wo der Weg die bis dahin noch schiffbare Ems überschritt, so daß hier eine Verbindung mit den zu Schiffe stromaufwärts kommenden Truppen stattfinden konnte, finden wir in der Nähe von Lathen in der Tinner Dose, einem zwischen dem Emsufer und dem Hümmling gelegenen Moore, eine Fortsetzung der pontes longi, welche die Holländer bekanntlich im Jahre 1818 im Bourtagner Moore zwischen dem Kloster Terapel und dem Dorfe Varlte aufdeckten. Den Bohlenweg in der Tinner Dose zwischen dem Hengstberge[142] und der Bauerschaft Sprackel am Westrande des Hümmling entdeckte im Jahre 1860 der Amtsvogt Buchholz in Lathen. Er besteht, wie der Bohlenweg in der Bourtagne, aus 8 Fuß langen, ungleich breiten, 2 bis 3 Zoll dicken, mit der Axt zugehauenen eichenen Bohlen und liegt ebenfalls 3-4 Fuß unter der Sohle des Moores. J. G. Kohl besuchte den Bohlenweg in der Tinner Dose einige Jahre später und hat in seinen „Nordwestdeutschen Skizzen“ davon erzählt. Wir betreten nun das Hochplateau des Hümmling, vor allen ausgezeichnet durch heidnische Steindenkmäler, von denen nach Wächter’s Statistik im Jahre 1841 noch 28 vorhanden waren. Erwägt man nun, wie viele Steindenkmäler im Laufe der Zeit zerstört sein mögen, so ist die Anhäufung derselben auf einem verhältnißmäßig so kleinen Raume höchst merkwürdig. Gleich in der Sprackeler Mark finden wir ein schönes Hünengrab von 13 Trägern und 4 Decksteinen. Berühmt sind ferner die drei Börger Denkmäler, dann das schöne Hünenbette bei Werlte von 14 kolossalen Decksteinen und 32 Trägern. Leider zerstört ist das berühmte Denkmal des Königs Surbold im Walde bei Börger, das größte dieser Art, da unter dem einzigen Decksteine 50, nach Anderen sogar 100 Schafe Platz hatten. Aber neben den altheidnischen Denkmälern finden wir wiederum Römerspuren. So wurden im Jahre 1824 in einem Grabhügel mehrere römische Silbermünzen vom Kaiser Augustus und der Kaiserin Faustina entdeckt (Wächter’s Statistik S. 139). Von dem trocknen Rücken des Hümmling steigen wir in die Haseniederungen hernieder und verfolgen unseren Weg über die Kuackenbrücke, an den Dammer Bergen vorbei über Vörden, Venne, Bohmte in das Fürstenthum Minden. Wir durchziehen die altosnabrückschen Aemter Bersenbrück, Damme, Vörden, Hunteburg und Wittlage, welche überaus reich an altgermanischen Alterthümern und Römerspuren sind. Im Amte Bersenbrück fesseln das berühmte Giersfeld mit seinen 8 Steindenkmälern, welches oft, zuletzt von J. G. Kohl in seinen „Nordwestdeutschen Skizzen“, beschrieben worden ist, und unter vielen das Hünenbett zu Hekese bei Bersenbrück, welches 300 Fuß lang und 20 Fuß breit ist, und Decksteine von 12 bis 15 Fuß Länge enthält, unsere Aufmerksamkeit. Im Amte Damme liegen Steindenkmäler, eines bei Hinnenkamp von 40 Fuß Länge und 24 Fuß Breite und eines bei Damme, deren auch Lodtmann in seinen Monumentis Osnabrugensibus S. 29 erwähnt. Aber auch Römerspuren vermissen wir im Amte Damme und seiner Nachbarschaft nicht. Am südlichen Abhange der Dammerberge liegen nahe beieinander zwei Schanzen, Ringlager. In der Nähe von Ihorst fand man, wie uns Nünning erzählt, im Jahre 1705 in einem Heidenmonumente einen Carneol, worauf ein Kuhgespann sehr niedlich ausgraviert war. Vergl. Dr. J. H. Müller, vorchristliche Alterthümer S. 49.
Wir betreten nun auf einem einzigen Wege das Amt Vörden. Der jetzige Flecken dieses Namens ist ein alter Grenzpaß. Vörden sind nach Möser uralte Anlagen, älter als Strassen -- +es sind Wege, die zuerst mit Holz belegt gewesen+. Im Amte Vörden sind die Römerspuren vor allen wahrnembar. Unter der Regierung des Fürstbischofs Ernst August II. wurden in einem Grabmale ein römischer Merkur und um ihn herum verschiedene Aschentöpfe gefunden. In der Nähe des Wittenfeldes, wohin die Sage die letzte Schlacht zwischen Karl d. G. und Wittekind verlegt, werden von den Bauern, wie Möser erzählt, beim Plaggenmähen römische Gold- und Silbermünzen gefunden und 130 solcher zu Barenaue aufbewahrt. Möser hat sie für die Monumenta Osnabrugensia seines Freundes Lodtmann bestimmt und behauptet, daß keine einzige das Zeitalter des Augustus überschreite[143]. Wir betreten nun das für Alterthumskunde und Sage wahrhaft classische Amt Hunteburg; denn hier liegen Welplage auf der Haar, wo Karl d. G. nach der Sage lagerte, und das Karlsfeld, wo er mit Wittekind stritt und das Feld behauptete. An dem Wege von Venne nach Ostercappeln lagen früher (Wächter’s Statistik S. 111) 3 Steindenkmäler auf dem s. g. Felsen-Esch. Das eine ist noch ziemlich erhalten, und der einzige noch aufliegende Deckstein ist 10 Fuß lang, 5 Fuß breit und 4½ Fuß dick. Interessanter noch sind die 3 Denkmäler zu Dargvenne. Das größte hat eine Länge von 26 Schritt, und die größte Breite beträgt 13 Schritt. Unter den noch vorhandenen 6 Decksteinen ist einer 10 Fuß lang, 6 Fuß breit und 5 Fuß dick. Auf einem zum Gute Krebsburg gehörigen Grundstücke im Driehauser Felde liegt das ansehnlichste Steindenkmal von allen (Wächter S. 111). Es besteht aus 42 großen und kleinen Steinen, von denen noch 7 auf ihren Trägern ruhen.
Im Venner Moore wurden im Anfange der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwei römische Goldmünzen gefunden. Die eine derselben, die auf dem Titelkupfer der Geschichte des Hochstifts Osnabrück von Dr. Eberh. Stüve abgebildete bekannte Goldmünze August’s mit den Cäsaren Gajus und Lucius auf dem Revers, ist im Besitz der Frau Gräfin Münster zu Langelage. Die andere ist eine überaus seltene Goldmünze des Aquillius Florus, die Riccio unter No. 5 der gens Aquillia anführt.
Caesar Augustus. Caput laur. dextr. Rev. L. Aquillius Florus III. Vir. Flos.
Sie befindet sich jetzt im Besitze des Herrn Archiv-Sekretärs Sudendorf zu Hannover.
Zwischen dem Dorfe Bohmte im Amte Wittlage und dem Stifte Levern im Fürstenthum Minden zieht sich längs des Bohmter Bruches eine lange Haide hin bis zum Levern’schen Sundern. Ehe man dahin gelangt, wird die Haide durch Moräste, welche von beiden Seiten sich dort zusammenziehen, fast bis zur Weite eines Büchsenschusses zusammengedrängt. In dieser Erdenge finden sich an drei verschiedenen Stellen doppelte und dreifache Gräben und Aufwürfe, die wie uralte Verschanzungen aussehen. In der einen soll Karl d. G., in der gegenüberliegenden Wittekind vor der Schlacht auf dem Karlsfelde gestanden haben. Vier in der Nähe liegende Hügel wurden im Jahre 1807 vom Grafen Münster untersucht und Gegenstände von Eisen: 3 Nägel, eine große, runde Schnalle mit Heftnadel und mehrere längliche, an der Spitze gebogene Stücke gefunden, außerdem eine feine, in Grünspan oxydierte Kette von der Form und Größe einer gewöhnlichen Venetianerkette nebst Perlen von blauem Email. Vergl. Müller a. a. O. S. 11.
Indem wir nun das Fürstenthum Osnabrück verlassen und in das Fürstenthum Minden eintreten, finden wir in der alten Comitia Stemwede in der Nähe von Randen, sechs Stunden von Minden, die letzten Spuren von altgermanischen Denkmälern. Graf Münster, welcher diese Gegend im Jahre 1807 besuchte, gibt an, daß von zwei Denkmälern nichts mehr übrig sei, als der Platz, wo sie gestanden. Von den beiden anderen, theilweise erhaltenen weise das hinter dem sogenannten Jägerkruge gelegene einen Hauptstein von enormer Länge auf. Er soll 8 Schritte lang und 3 Schritte breit sein. Vergl. Müller a. a. O. S. 21.
Soweit haben wir nun den Germanicus auf seinem Zuge nach dem jenseit der Weser gelegenen Idistavisischen Schlachtfelde zwischen der Weserscharte, dem Schaumburger Walde und den Döhrener Bergen begleitet, und wenn auch die Richtigkeit dieses Weges wol nicht bewiesen werden kann, da Tacitus hier gerade eine empfindliche Lücke hat (Ann. II, 8 ist hinter „hausti sunt“ bis „metanti castra“ eine Lücke, und die Angabe des Weges verloren gegangen), so bleibt doch der Umstand wichtig, daß wol selten anderswo ein solcher massenhafter Fund von Römermünzen aus der Zeit des Augustus vorkommt.
+Lintorf.+
+Dr. Herm. Hartmann.+
Die Dürermedaille von Bezold.
Wer je ein Original dieser Medaille gesehen hat, wird gleich zur Ueberzeugung gekommen sein, daß sie nicht, wie Will[144] und Bolzenthal[145] angeben, um 1625 entstanden sein kann. Sie gehört unbestreitbar den besseren Werken der Mitte des 16. Jahrhunderts an.
Wie ist nun der Name Janus Bezoldus auf dem Revers der in den beiden citierten Werken abgebildeten Medaille zu erklären? Gab es zwei Künstler dieses Namens, oder hat Hans Bezold, der bekannte Nürnberger Goldschmied, eine ältere Darstellung copiert? Letzteres wäre möglich; ich habe zwei sehr ähnliche, aber durchaus verschiedene Ausführungen dieser Porträtmedaille constatiert.
Ich besitze ein prachtvolles +Original in Silber+ von diesem Kunstwerke, mit folgender, erhaben aus dem Silber heraus ciselierten Umschrift auf der Vorderseite: ALBERTI DVRERIS (_sic_) PICTORIS GERMANI EFFIGIES. 1561. ✣
Der Revers ist wie bei dem von Will und Bolzenthal abgebildeten Exemplare ebenfalls schwarz emailliert, und man liest darauf in erhabenen, silbernen Buchstaben folgende Inschrift, wie sie auch in dem Nürnbergischen Münz-Cabinet von C. A. im Hof, Th. I, Abth. 2, S. 726 abgedruckt ist:
Honori Alberti Dureri Norimberg. Pictoris celeberrimi Cernere naturam si vis, en cerne Dürerum Haec sculptura refert os, humerosque. Viri Ipsa sed athereos mens alta perambulat igneis Impar cui Pallas Parrahasiusq(ue) fuit, Ingenij monumēta libros tabulasq(ue) reliquit Quas admiratur Gallia, Roma, Brito Fulsit Olympiadas denas et quatuor orbi Hesperus hic Cineres patria servat hum(us). Denatus Norimbergae VIII Idum Aprilis A. Dn̄i. MDXXIIX
Vom Avers besitze ich außerdem einen alten Bleiabguß ohne alle Inschrift.
Da diese Medaille das authentische Datum von 1561 hat, so kann sie unmöglich von dem bekannten Hans Bezold sein, der 1550 geboren wurde.
+Paris.+
+Edwin Tross.+
Hat Luther die von Sebastian Franck übersetzte Türkenchronik bevorwortet?
Eine herrschende Tradition, der u. A. selbst H. Bischof in seiner Tübinger Preisschrift über S. Franck und Heinr. Merz in dem biographisch-literarischen Artikel der Herzog’schen Real-Encyklopädie für protest. Theologie und Kirche beistimmen, nimmt an, daß Luther die von S. Franck aus dem lateinischen Original eines Siebenbürgers im J. 1530 übersetzte Türkenchronik mit einer Vorrede eingeleitet habe.
Diese Angabe hat ihre großen Bedenken; es mag daher gerathen sein, um die für Luther und S. Franck gleich wichtige Frage zur Entscheidung zu bringen, die bisher bekannten wesentlichen Momente zusammenzustellen.
1) Die Vorrede findet sich nach Erbkam, Geschichte der protestantischen Sekten, 1848, S. 291, Not. 3 +nicht+ in der Walch’schen Ausgabe von Luther’s Werken; eben so wenig in der neueren Erlanger, noch in der Jenaer Ausgabe, welche ich beide selber verglichen habe.
2) Die beiden von H. Stainer zu Augsburg im Jahre 1530, resp. unter dem 26. October und dem 18. December vollendeten Drucke enthalten diese Vorrede gleichfalls nicht. s. Jördens, Lexikon I, 559. Ch. K. am Ende, Fortges. kleine Nachlese, 1798, S. 6 und die dort gegebenen Nachweisungen.
3) Freilich erwähnen Jördens a. a. O. sowie Ch. K. am Ende, daß die Augsburger Drucke Nachdrucke einer von Fr. Peypus zu Nürnberg in demselben Jahre veranstalteten editio princeps sind. Dafür spricht auch in dem Augsburgischen Titel der Zusatz: Newlich widerumb vberlesen. Diese editio princeps scheint aber beiden Männern nicht durch Autopsie bekannt gewesen zu sein.
4) Der Titel der Nürnberger Ausgabe lautet bei Ch. K. am Ende a. a. O., muthmaßlich nach Nopitsch in dem Nürnberger Gelehrten-Lexikon oder auch Schelhorn’s Ergötzlichk. 1, 126:
Chronica vnnd beschreibung der Tuͤrckey mit yhrem Begriff, ynnhalt, prouincien, voͤlckern, ankunfft, kriegen, reysen, glauben, religionen, gesatzen, sytten, geperden, weis, regimenten, fruͤmckeyt, vnnd boßheiten, von eim Sibenbuͤrger, 22 jar darinn gefangen gelegen, in Latein beschrieben, +verteutscht mit einer vorrhed D. Martin Lutheri. Zehen oder aylff Nation+ vnd Secten der Christenheyt Anno MDXXX. in 4.
Zuletzt: Getruckt zu Nuͤrnbergk durch Fridericum Peypus.
Die gesperrten Worte lauten nun in den Augsburger Drucken wesentlich anders:
+durch Sebastian Franck verteutscht. Sechzehn Nation, Secten vnd parthey.+
5) Wäre es möglich, daß diese Peypus’sche, ohne Angabe des Uebersetzers veranstaltete Ausgabe von Just. Jonas herrührte? Die Jenaer Ausgabe von Luther’s Werken enthält in tom. V (1588) Bl. 258 b ff. eine Vorrede Luther’s von 1530: „Auff ein Lateinisch Buchlin geschrieben, Welchs von der Tuͤrcken Religion zum teil redet, Verdeutscht durch D. Justum Jonam.“
Soweit das, was ich zu ermitteln wußte. Ich darf aber wol die Hoffnung aussprechen, daß auch Andere mit mir den Wunsch und das Bestreben hegen werden, an ihrem Theile jedem der hier betroffenen Triumvirn zu seinem Rechte zu verhelfen.
+Schwerin.+
+Friedr. Latendorf.+
Ein Heft Meisterlieder von Hans Sachs.
Wegen des beinahe vollständigen Verschwindens von Einzeldrucken der an sich so seltenen Meisterlieder unseres Hans Sachs will ich hier den Inhalt einer kleinen Sammlung, welche der Nürnberger Drucker Valentin Fuhrmann um das Jahr 1580 besorgte, kurz beschreiben. Den Tönen zufolge sind die zehn darin enthaltenen Meisterlieder sämmtlich von Hans Sachs. Das Exemplar gehört dem germanischen Museum; aber es mangelt Bogen A, und von mehreren Blättern des Bogens B der untere Theil mit etwa zwei Zeilen. Dies war auch der Grund, weshalb man es zurückgestellt hatte, so daß es erst jetzt mir zu Gesicht kam. Vollständig mußte das Heft 16 Blätter zählen; es ist ohne Datum und trägt die Nachschrift: Bey Valentin Fuhrmann. Vom fünften Liede fehlen die beiden ersten Zeilen, mit denen der erste Bogen schloß; dasselbe handelt vom Teufel wie er den Juristen holt: drei Strophen oder Gesetze.
6. Der Kauffmann mit der Hetzen. In Frawen Ehren Thon. 3 Str.
ZV Rom da saß ein Kauffmann reich etc.
7. Von dem vergifften Saluenstock, Im Rosen Thon, Hans Sachsen. 3 Str. JOhannes Boccatius schriebe etc.
8. Das bitter süß Ehelich Leben, Inn dem Rosen Thon. Hanns Sachsen. 3 Str. (Anfang abgeschnitten.)
9. Ein schön Tischzucht, Im Rosen Thon. 3 Str.
HOr Mensch, wenn du zu Tisch wilt essen etc.
10. Der Kauffmann mit dem Teuffel, Im Rosen Thon. 3 Str.
EIn armer Kauffmann macht ein bunde etc.
+Nürnberg.+
+E. Weller.+
„Vom alten Hilleprandt disputieren.“
Zur Geschichte der Heldensage bringe ich folgende Stelle bei: In Jacob Gretser und Conrad Vetters S. J. „+Procession Buch+“ das ist, katholischer Grund „und außführliche Erklärung von den heiligen Bettfahrten“ u. s. w. Ingolstatt 1612, 4^o S. 6 und 7 werden Pentecoste, Quinquagesima u. s. w. erklärt; nach dem heißt es: „vnd ist freylich mehr daran gelegen, daß man sehe, was der gegenwärtig und bekannte Brauch leyde und erheische, als von den +alten Wörtern vnd alten Hillebrandt+ disputieren, welches sein zeit vnd maß auch haben, aber da nicht und so nicht.“
+A. Birlinger.+
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1868. Nº 8. August.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, 15. August 1868.
Nachdem wir unsere Chronik in der vorigen Nummer dazu benützt haben, den auswärtigen Freunden mitzutheilen, was in jüngster Zeit in Bezug auf die Sammlungen geschehen ist, und so an dieser Stelle nicht blos ein Bild dessen zu geben, was im Laufe der Zeit der Anstalt geschenkt worden, und wie ihre äußeren Verhältnisse sich entwickelt haben, sondern auch, so weit die innere Entwickelung sich in kurzen Worten darstellen läßt, für kommende Zeiten festzuhalten, in welcher Reihenfolge und in welchem Maße hier die Fortschritte sich ergaben, so haben wir in dem gegenwärtigen Berichte wieder zunächst der äußeren Schicksale, d. h. der Unterstützungen, die uns geworden sind, zu gedenken.
Wie früher alljährlich, so ist uns auch im Jahre 1868 aus bayerischen Kreisfonds eine namhafte Unterstüzung zugegangen, und zwar aus mittelfränkischen 300 fl., oberfränkischen 50 fl., unterfränkischen 100 fl., oberpfälzischen 50 fl., rheinpfälzischen 100 fl. und niederbayerischen 200 fl. Die großh. oldenburgische Staatsregierung hat den früher geleisteten Beitrag von jährlich 100 fl. auf drei weitere Jahre erstreckt; Herr Graf v. Erbach-Schönberg hat die Summe von 100 fl. zur Minderung unserer Schuld an Herrn von Aufseß gespendet.
Unserem Wunsche, den wir in der Chronik zu Nr. 4 dieses Jahres ausgesprochen: es möchten die edeln Familien Deutschlands uns behülflich sein, daß unsere Grabsteinhalle in Gipsabgüssen der künstlerisch und historisch merkwürdigsten Grabsteine wo möglich auch die Namen der alten edeln Familien dem Publikum vor Augen führe, hat in liebenswürdigster Weise Herr Freiherr v. Gemmingen, großh. Kammerherr, in Karlsruhe entsprochen und einen Gipsabguß des Grabsteins Diether’s von Gemmingen († 1405) in der Kirche zu Gemmingen uns übersendet. Möge dies schöne Beispiel recht viele Nachfolge finden, und mögen uns baldigst die betreffenden Mittheilungen gemacht werden, damit wir in der chronologischen Aufstellung der Denkmale nicht beirrt sind.
Wir haben noch zu erwähnen, daß die hohen Regierungen, angeregt zum Theile durch die öffentlichen günstigen und ungünstigen Aussprüche über unsere Anstalt, derselben nunmehr ein erhöhtes Interesse zuwenden, und daß manche derselben sich veranlaßt gesehen, spezielle Informationen über den jetzigen Zustand und die gegenwärtigen Tendenzen des german. Museums einzuholen. Mit Freuden begrüßen wir diese Schritte, da wir darin nicht nur Beweise des Interesses sehen, sondern auch fest überzeugt sind, daß Alles, was in jüngster Zeit geschehen und worin sich der jetzt in unserer Nationalanstalt herrschende Geist ausspricht, so weit gebilligt werde, daß wir über die fernere Unterstützung derselben von Seite der Regierungen beruhigt sein können.
Mit besonderem, hohem Danke aber haben wir hier der bayerischen Regierung zu gedenken, die uns überhaupt so wohlwollende Förderung hat angedeihen lassen, daß sie nämlich, in Folge der Informationen, die der Herr Referent im Kultusministerium sich hier erholte, und auf dessen Bericht hin, die Bitte des I. Vorstandes genehmigt und ihre Gesandten bei allen deutschen Höfen angewiesen hat, den Regierungen Aufschlüsse über die jetzigen Zustände des Museums zu geben und sie zu nachdrücklicher pekuniärer und moralischer Unterstützung desselben einzuladen. Wir hoffen, daß dieser wohlwollende Schritt der bayerischen Regierung, der auf direkter Information über unsere Anstalt beruht, den Regierungen, wie auch dem gesammten deutschen Volke, den Beweis liefern wird, daß das germanische Museum sich nunmehr auf einer Bahn befindet, die es vollkommen berechtigt, das Interesse des deutschen Volkes in Anspruch zu nehmen.
Unser Gelehrtenausschuß hat auch im Monat Juli mehrere seiner Glieder leider durch den Tod verloren, nämlich: den Universitätsprofessor und Direktor der k. Gemäldegallerie in Berlin +G. F. Waagen+ († 15. Juli), der sich zugleich als vieljähriges Mitglied des Verwaltungsausschusses um unsere Anstalt verdient gemacht hat; ferner: +Chrn. v. Stramberg+ in Coblenz († 20. Juli) und den geh. Regierungsrath und Universitätsprofessor Dr. Fr. +W. Schubert+ in Königsberg († 21. Juli).
Seit Veröffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende +Jahresbeiträge+ bewilligt:
Von =öffentlichen Kassen=: Landshut, Stadtmagistrat 10 fl. (statt früher 5 fl.)
Von =Privaten=: =Archangel=. Lehrer der deutschen Sprache E. Roller 3 fl. -- =Jena.= Verlagsbuchhändler Costenoble 1 fl. 10 kr., Professor Czermak 1 fl. 45 kr., Dr. Ebers 1 fl. 45 kr., Dr. med. Frankenhäuser 1 fl. 45 kr., Buchhändler Ed. Frommann 1 fl. 10 kr., Professor Gädechen 1 fl. 10 kr., Hofrath Gerhardt 1 fl. 45 kr., Geh. Hofrath Göttling 1 fl. 45 kr., Ober-App.-Ger.-Rath v. Hahn 1 fl. 10 kr., Dr. Friedr. Klopfleisch 1 fl. 45 kr., Archidiakonus Dr. Klopfleisch 1 fl. 45 kr., Geh. Hofrath Ried 1 fl. 45 kr., Postmeister Schmidt 1 fl. 10 kr., Hofrath Stöckhardt 1 fl. 10 kr., Professor Zenker 1 fl. 45 kr. =Lauf.= Kaufmann J. Gebhardt 1 fl., k. Notar Weingärtner 1 fl. =Ludwigsburg.= W. Eberbach 1 fl., Apotheker Greiner 1 fl. 10 kr., Dr. v. Heider in Markgröningen 1 fl., E. Schreiber 1 fl. 10 kr. =Neustadt a/H.= Herausgeber der Neustädter Chronik, Kunstgärtner Dochnahl 1 fl. =Nürnberg.= Apotheker Rosenhauser 1 fl. 45 kr., Oberst Schieber 1 fl. 45 kr., Regimentsaktuar Ant. Unfried 1 fl. =Pfaffenhofen.= Mühlbesitzer Aichbiehler in Gebrontshausen 1 fl. 45 kr., Pfarrer Ant. Hell in Gosseltshausen 1 fl. 45 kr., Kaufmann Alois Kistler in Wolnzach 1 fl. 45 kr., Maler Balthasar Kraft 1 fl. =Posen.= Kaufmann und Stadtverordneter Breslauer 1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Fritsche 1 fl. 45 kr., Medizinalrath Dr. Le Visseur 1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Meerkatz 1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Seliger 1 fl. 45 kr., Baurath Stenzel 1 fl. 45 kr., Buchdruckereibesitzer Zörn 1 fl. 45 kr. =Reutlingen.= Oberamtmann Schippert 1 fl. 45 kr. =Schwerin=. Gymnas.-Lehrer Dr. Sellin 1 fl. 45 kr. =Stuttgart.= Hauptmann im k. württ. Generalstab Sarvey 1 fl.
+Einmalige+ Beiträge wurden gegeben.
Von =Privaten=: =Jena=. Privatdozent Dr. Conrad 1 fl., O.A.G.-Rath Eberhardt 1 fl. 45 kr., Professor Fortlage 1 fl. 45 kr., Buchhändler Fr. Frommann 1 fl. 10 kr., Hofrath Gegenbauer 1 fl. 45 kr., Professor Geuther 1 fl. 45 kr., O.A.G.-Rath Gottschalk 1 fl. 45 kr., O.A.G.-Rath v. Gross 1 fl. 45 kr., Professor Häckel 1 fl. 45 kr., Professor Hildebrand 1 fl. 10 kr., Prosessor Hilgenfeld 52½, Professor Langethal 1 fl. 10 kr., Justizamtmann Martin 52½ kr., Professor Schäffer 52½ kr., Collegienrath Dr. Schiele 1 fl. 45 kr., Professor Schillbach 1 fl. 10 kr., Hofrath E. Schmid 1 fl. 10 kr., Bauinspektor Spittel 1 fl. 10 kr., O.A.G.-Rath Schüler 1 fl. 45 kr., Diakonus Stier 52½ kr., Geh. Medizinalrath Wedel 1 fl. 45 kr., Schuldirektor Dr. Zeiß 52½ kr. =Wien.= k. k. Gerichts-Adjunkt Ritter von Raimann 3 fl. 30 kr.
Für unsere Sammlungen liefen ferner folgende Geschenke ein:
I. Für das Archiv.
(Nr. 3490-3492.)
=Dortmund.= Dr. +H. Becker+: Französisches Kaiserreich: Ministère de la guerre. Instruction pour la défense des villes ouvertes et des villages. Paris. 1815, mai. Gleichzeitige Pap. Abschr. Französisches Kaiserreich: Ministère de la guerre. Instruction sur la défense et la démolition des ponts en campagne. Paris. 1815. mai. Gleichzeitige Pap. Abschr. -- =Nürnberg=. +Bleicher+, Kaufmann: Urkunde, durch welche sich die drei Brüder Hans, Ulrich und Luthold von Königsegg mit ihrem Vetter Bratzen von Königsegg über die Erhebung der von der Stadt Kempten zu entrichtenden Reichssteuer vertragen. 1454. Pgm.
II. Für die Bibliothek.
(Nr. 22,498-22,625.)