Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.

Part 30

Chapter 303,039 wordsPublic domain

Achtundzwanzigster Band. Erstes Heft. Die Reihenfolgen der Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns nach ihrem urkundlichen Vorkommen vom XIII. Jahrhundert bis zum Jahre 1803. Mitgeth. von Ernest Geiß. Zweite Abtheilung. Niederbayern, mit dem Innviertel, Salzburg, Nordtirol, den auswärtigen Besitzungen des Bisthums Freising und den ehemals altbayerischen Aemtern im jetzigen Regierungsbezirke Oberpfalz. (Mit einem Ortsregister über beide Abtheilungen.) -- St. Christoph und seine Erzbruderschaft im Pütrich-Kloster zu München. Von Anton Mayer.

+Neunundzwanzigster Jahres-Bericht+ desselben Vereines. Für das Jahr 1866. Erstattet... durch den ersten Vorstand Friedrich Hektor Grafen Hundt. München, 1867. 8.

Die +Sammlungen+ desselben Vereins. Herausgegeben von den Conservatoren derselben. Erste Abtheilung: Bücher. Handschriften. Urkunden. Erstes Heft: Die Bücher-Sammlung nach ihrem Bestande zu Anfang des Jahres 1866. Herausgegeben durch Bibliothekar Föringer. Erstes Heft. Alphabetischer Catalog. A-L. München, 1867. 8. 238 Stn.

+Kirchenschmuck.+ Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und christliche Alterthumskunde. Herausgegeben unter der Leitung +des christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg+. Redigirt von Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XXIII. Band, erste Hälfte. Zwölfter Jahrgang 1868. Erstes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Zur Kunstgeschichte des Doms in Mainz. (F. Falk.) -- Die alte bischöfliche Kirche in Mainz. -- Die sogenannten Willigiskelche im Mainzer Dome und ihre wahre Bedeutung. (Falk.) -- Das älteste Cruzifix im Vorarlbergischen. -- Zur Sitte und Sprache der Kirche. -- Literatur. -- Miscellen.

+Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben.+ Achtzehnte Veröffentlichung. Der größern Hefte zwölfte Folge. Mit 4 Steindrucktafeln und 2 Holzschnitten. Ulm, 1868. 4.

Studien aus der Staatssammlung vaterländischer Alterthümer von Oberstudienrath Dr. K. D. Haßler.

+Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern.+ I. Jahrgang 1867/68. Sigmaringen. 8.

Angelegenheiten des (am 15. April 1867 gegründeten) Vereins. -- Urkunden zur Geschichte des Dominikaner-Nonnen-Klosters Hedingen. Von A. Lichtschlag. -- Beiträge zur Geschichte der Stadt Sigmaringen. Von Seb. Locher. (Hiezu 1 Tafel mit 3 lithograph. Siegelabbildungen.)

+Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Alterthums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angränzenden Landschaften.+ Ersten Bandes erstes Heft. Freiburg im Breisgau, Fr. Xav. Wangler. 1867. 8.

Die römische Töpferei zu Riegel, von H. Schreiber. -- Ein gleichzeitiger Bericht über das am 15. Okt. 1632 in Hüfingen angerichtete Blutbad, von K. H. Frhrn. Roth von Schreckenstein. -- Beiträge zur Schul- und Gelehrtengeschichte. I. Von Fr. Bauer. -- Der Bauernaufstand im Hegau 1460, von Theodor von Kern.

+Correspondenzblatt des Gesammtvereines der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine+. Herausgeg. vom Verwaltungsausschusse des Gesammtvereines in Altenburg. Sechzehnter Jahrgang. 1868. Nr. 3-5. März-Mai. 4.

Die Urkunden der Deutschen Kaiser und Römischen Könige im Regierungsarchive zu Altenburg. Mitgetheilt von Dr. Hase. -- Zur Geschichte der Grafen von Wartberg. Von Grote-Schauen. -- Literarische Anzeigen. -- Zur Erhaltung und Zerstörung von Kunstdenkmälern in Preußen. -- Otto, Bischof zu Halberstadt. 1123-1134. -- Notizen über alterthümliche Funde, Restaurationsarbeiten etc. -- Fürsten im Johanniter-Orden. Vom Archivrath v. Mülverstedt. -- Das Ordens-Kreuz im Wappen der Johanniter-Ritter. Von dems.

+Mittheilungen des Freiberger Alterthumsvereins+ auf das 6. Vereinsjahr 1866. Herausgeg. im Auftrage des Vereins von Buchdr. Heinr. Gerlach. 5. Heft. Mit Wappentafeln. Freiberg. 1867. 8.

Mittheilungen über das Gymnasium zu Freiberg. Vom Gymn.-Oberl. Werner Prössel. -- Die Bevölkerung Freibergs vor dem Jahre 1643. Von Dr. G. Benseler. -- Die regierenden Bürgermeister der Stadt Freiberg. Zusammengestellt von Gerlach. -- Die Wappen hervorragender Geschlechter aus Freibergs Vergangenheit. Von dems. Mit 2 Taf. Abb. -- Das Schützenbuch und die Königstafeln der Freiberger Schützengilde. Von dems. -- Das Hochnothpeinliche Halsgericht. Von Archivar Heinze. -- Ueber die Bedeutung des Ausdruckes „Zipkorn“. Von Adv. Gautsch. -- Freiberger Urkunden-Sammlung. Briefe von Luther und Melanchthon. Mitg. von Buchdr. H. Gerlach. -- Nachträge, Bemerkungen etc. zu früheren Abhandlungen.

Nachrichten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

21) +Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen+ 777-1313, kritisch, topographisch und historisch, nebst anderweitigen Documenten und Excursen von +Dr. Roger Wilmans+. Erster Band. +Die Urkunden des Karolingischen Zeitalters 777-900+. Mit zwei lithographirten Tafeln. Münster, Druck und Verlag von Friedrich Regensberg. 1867. 8.

Die bei Urkundenpublikationen in älterer Zeit fast ausschließlich zur Anwendung gebrachte Gruppierung war topographischer Natur, indem man die auf einzelne Klöster, Stifter, Orte, Territorien u. s. w. bezüglichen Urkunden gemeinschaftlich edierte. Später wurden große Dokumentensammlungen lediglich nach dem Princip der Chronologie veranstaltet. Endlich galt es, die Urkunden nach ihrer Gleichartigkeit zusammenzustellen, und so entstanden Ausgaben von Urkunden, die von Kaisern, Königen und anderen Regenten, geistlichen (namentlich den Päpsten und Bischöfen) und weltlichen Standes ausgestellt waren. Das vorliegende Werk nun vereinigt die erstgenannte Maxime der Gruppierung mit der zuletzt bezeichneten Art der Zusammenstellung, indem es sich auf ein bestimmtes Territorium beschränkt, nämlich Westfalen, und nur eine bestimmte Klasse von Dokumenten, nämlich die Kaiserurkunden, in’s Auge faßt. Dieses Arrangement des urkundlichen Materials und die demselben entsprechende Behandlung dürften als neu zu betrachten sein; ihre Vorzüge an sich schon unterliegen keinem Zweifel, und wenn die Durchführung eine so völlig gelungene ist, wie in unserem Werk, dann muß die neue Methode als ein höchst schätzenswerthes Mittel zur Förderung der Geschichtswissenschaft gepriesen werden.

Wir können daher die Idee des Verfassers, welche seinem Buch zu Grunde liegt, nur als eine sehr fruchtbare bezeichnen, und stimmen ihm von Herzen bei, wenn er sagt: „Die Bearbeitung und Erläuterung der einschlägigen Kaiserurkunden in dem oben angedeuteten Sinne zu unternehmen, möchte ich nun überhaupt für eine wichtige, den Vorständen unserer Provinzial-Archive obliegende Aufgabe, und gleichsam für eine Schuld erachten, die wir in unserer besonderen Stellung an die deutsche Reichsgeschichte abzutragen haben. Denn da wir allein uns im vollständigen Besitz und freiester Disposition über das bei jeder Urkunde in Betracht kommende diplomatische und archivalische Material befinden, und durch unser Amt auf die Erwerbung der speziellsten Kenntniß der Localverhältnisse angewiesen sind, so dürften wir zunächst berufen sein, das rechte Verständniß dieser wichtigen Geschichtsquellen auch den weiteren wissenschaftlichen Kreisen zu vermitteln.“

Diese Winke zur Beherzigung für Beamte in Provinzialarchiven verdienen gewiß alle Beachtung; wo man aber die Provinzialarchive durch die Sucht nach Concentration verstümmelt und die Archivare zu Conservatoren herunter decretiert hat, da ist die Lösung einer so schönen Aufgabe, wie sie Wilmans den Provinzial-Archivaren zuweist, eine Unmöglichkeit, die freilich der Geschichtswissenschaft nicht zum Vortheil gereicht.

Die tiefgehenden Forschungen, wie sie in unserem Werk niedergelegt sind, machen im Speziellen und im Ganzen den Eindruck wissenschaftlicher Vollendung, und ohne auf Einzelheiten eingehen zu können, glauben wir die Ueberzeugung aussprechen zu dürfen, daß die gewonnenen Resultate in beiweitem den allermeisten Fällen auf der Basis der rechten Erkenntniß beruhen.

Das Einzige, was wir an dem Werke aussetzen möchten, ist das Register. Denn einmal entbehrt es wenigstens an einer Stelle der Genauigkeit, da wir unter „Mainz“ nur die Erzbischöfe Sunderolt und Siegfried aufgeführt finden, während außer diesen doch auch noch Bonifacius, Lullus, Liutbert und Hatto hätten genannt werden sollen. Der Letztere wird im Verzeichniß gar nicht aufgeführt. Außerdem genügt unseres Dafürhaltens bei einer sonst so musterhaften Arbeit ein so einfaches Register wie das vorhandene nicht, und wir halten uns im Interesse der Wissenschaft zu dem Wunsche berechtigt, der Verfasser möge sein Werk durch Register krönen, wie wir deren z. B. in Stumpf’s Acta Moguntina sæculi XII. finden.

C. W.

22) +Johannes Kepler.+ Vier Bücher in drei Theilen. Von +Dr. Edmund Reitlinger+, k. k. Professor am Polytechnikum in Wien; unter Mitwirkung von +C. W. Neumann+ k. bayr. Hauptmann u. s. w.; und dem Herausgeber +C. Gruner+, k. württ. Ober-Justiz-Revisor u. s. w. Mit vielen Illustrationen. Im Selbstverlag des Herausgebers. Commissions-Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart. 1868. 8. I. Theil. 224 Stn.

Wie vorzüglich durch das Verdienst des Herausgebers des vorliegenden Buches das Andenken eines der bedeutendsten Vertreter der deutschen Geistesgeschichte in dem Maße hergestellt worden, daß es ermöglicht ist, demselben ein großartiges Denkmal zu errichten, ist bekannt. Die Errichtung des Monuments hat die Abfaßung der Biographie Kepler’s mittelbar zur Folge gehabt und so dem ganzen Unternehmen eine ergänzende Seite hinzugefügt, die Charakter und Wirksamkeit des Mannes der allgemeinen Kenntniß noch näher bringt und somit nicht minder anerkennenswerth ist. Biographien Kepler’s sind schon früher erschienen, doch, soweit sie das ganze Leben umfassen, in wenig zugänglicher Gestalt, noch weniger erschöpfend. Ihr Hauptverdienst ist, manches Material, das sonst vielleicht verloren wäre, namentlich einen reichhaltigen Briefwechsel bewahrt zu haben. Die gegenwärtige Beschreibung aber beruht auf ganz neuen archivalischen Forschungen, die der Herausgeber mehre Jahre hindurch mit angestrengtem Eifer und unerwartetem Erfolge an allen Orten, an welchen der große Gelehrte gelebt und gewirkt, betrieben hat. Es wird uns erst jetzt das ganze Bild seines tief und reich bewegten Lebens mit allen feinen Schattierungen aufgedeckt, die aus dem Hintergrunde der Zeit auf dasselbe fallen. Wir sehen, daß Kepler so bedeutend als Mensch wie groß als Gelehrter war, und verfolgen seine Schicksale mit Interesse, auch wenn wir nicht im Stande sind, seine epochemachenden Entdeckungen im Einzelnen zu verstehen. Tief verwickelt in die allgemeinen geschichtlichen Ereignisse seiner Zeit, die er in seinen Briefen mit eben so großem Scharfblick wie unparteiischem Sinne begleitet, obwohl er selbst aufs empfindlichste davon betroffen worden, liefert sein Leben zur Aufhellung mancher damaligen Verhältnisse nicht unbedeutende Beiträge. Der erste Band behandelt dasselbe bis zu seiner Flucht aus der Gegenreformation des Erzherzogs Ferdinand und begleitet die zusammenhängende Darstellung mit zahlreichen Noten und urkundlichen Beilagen. Die bildlichen Zugaben sind ein Portrait in trefflichem Kupferstich, eine Photographie nach dem zu errichtenden Denkmal, Abbildungen von Oertlichkeiten, die in Bezug zum Gegenstande des Werkes stehen, ein Facsimile der Handschrift Kepler’s u. a.

v. E.

23) +„Dem Landfrieden ist nicht zu trauen“. Fehde Mangold’s von Eberstein zum Brandenstein gegen die Reichsstadt Nürnberg+ 1516-1522. Charakterbild der rechtlichen und wirthschaftlichen Zustände im deutschen Reiche unmittelbar vor dem großen Bauernkriege. Herausgegeben nach urkundlichen Aufzeichnungen und Briefen im k. Archive zu Nürnberg von +Louis Ferdinand Freiherrn von Eberstein+, königl. preuß. Ingenieur-Hauptmann a. D. u. s. w. Nordhausen. Verlag von Carl Haacke, 1868. 8. 96 S.

Ein Charakterbild aus einer Epoche zu schöpfen, deren Charakter hauptsächlich darin bestand, allen Zügen desselben freien Lauf zu lassen, ist immer eine dankbare Aufgabe, um so mehr, als die speziellste Ausmalung stets so viel vom allgemeinen Geiste der Zeit geben wird, um das wissenschaftliche Interesse aufrecht zu erhalten. Das vorliegende Büchlein tritt in um so höherem Grade unter diesen Vortheil, als Personen darin spielen, die auch sonst in der Zeitgeschichte von Wichtigkeit wurden. Wie viele ähnliche Episoden aus kleinem Anlasse entsprungen, verzweigte sich der Streit des Mangold von Eberstein mit der Reichsstadt Nürnberg durch eine Reihe von Jahren bis in jene hinein und deckt die Zustände der damaligen staatlichen Gemeinschaft in fast erschreckender Nacktheit auf. Wir sehen die Mächte, die früher das Reich erhalten, bedeutungslos werden und vom Schauplatz zurücktreten, andere deren Stelle einnehmen, weil Gelegenheit und Vortheil ihnen gleichen Anlaß bieten, sich der Ordnung und Sicherung der Verhältnisse anzunehmen, nach welchen die Mehrheit der Reichsinsassen sich sehnt, sie zugleich aber auch die Richtung einschlagen, die später deren Aufkommen ebenso gefahrbringend macht, wie es früher erwünscht erscheinen mußte. Handgreiflich tritt uns die Ohnmacht des Kaiserthums und seiner Institutionen entgegen; die Ritterschaft ist zum Theil zum Brigantenthum herabgesunken; der engherzige Eigennutz der Städte bildet schon jetzt den Boden, auf welchem die Monarchie des 17. und 18. Jahrhunderts erwachsen konnte. -- Die Fehde ist in Urkunden des Nürnberger Archivs fast vollständig beschrieben; diese sind daher hier der Reihenfolge nach abgedruckt. Für die Schwierigkeit, sich durch den endlosen Schwulst der damaligen Amtssprache hindurch zu lesen, entschädigt die Gewißheit, daß kein Zug des lebenvollen Bildes verloren geht.

v. E.

24) +Bibliotheca historica medii aevi.+ Wegweiser durch die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters von 375-1500. Supplement nebst einer Zeitfolge der römischen Päpste, der deutschen Kaiser und Könige sowie sämmtlicher deutschen Bischöfe von +August Potthast+. Berlin. W. Weber & Co. 1868. 8. IV u. 456 Stn.

Das Werk Potthast’s ist schon von seinem ersten Erscheinen hinweg, selbst ehe noch eine ganze Reihe günstiger Beurtheilungen veröffentlicht waren, von allen Sachkennern mit so ungetheiltem Beifalle aufgenommen worden, daß es heute als völlig überflüssig erscheint, auf den großen wissenschaftlichen Werth desselben zurückzukommen. Es kann sich nur darum handeln, das Verhältniß dieses Nachtrages zu dem früheren Hauptwerke mit einigen Worten zu erläutern.

Bei dem umfassenden, zumeist auf die bedeutsamsten historischen Erzeugnisse der europäischen Völker gerichteten Plan waren einzelne Lücken fast unvermeidlich. Ueberdies liegt es in der Natur eines solchen Buches, daß sein Material durch fortgesetzte Forschungen und neue Erscheinungen unausgesetzt vermehrt wird. Jene zu ergänzen und auszufüllen und diese nachzutragen war der Zweck, welchen der Verfasser bei Herausgabe dieses Supplements sich vorgesetzt hatte. Indem er die bei dem Hauptwerke zu Grunde gelegte Eintheilung festhielt, gelang es ihm, den Ueberblick der zusammengebrachten Sammlung zu erleichtern, und die gewonnene Nachlese ist zugleich eine sehr bedeutende geworden.

Das vorliegende Supplement umfaßt zunächst diejenigen größeren und kleineren Werke, welche in die Verzeichnisse des ersten Bandes noch gar nicht aufgenommen waren. Zu dem Ende wollen wir aus den Scriptores rerum allgemeinen Inhalts die bei Firmin Didot in Paris erscheinende Biographie générale u. s. w., aus den Scriptores rerum der einzelnen Länder die Collection d’historiens belges, publiée par l’Académie etc., K. Höfler’s Geschichtschreiber der husitischen Bewegung in Böhmen, die Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte, das Recueil de chroniques, chartes et autres documents concernant l’histoire et les antiquités de la Flandre occidentale, publiée par la Société d’Émulation de Bruges, die Monumenta Poloniae historica u. a. m. hier nur beispielsweise anführen. Ebenso haben die Angaben aus der Abtheilung über die einzelnen Schriftsteller und Schriften eine sehr ansehnliche Vermehrung erfahren. Wir erinnern zunächst an die Artikel über Johannes Hus, die zugleich als Probe der Behandlung dienen mögen. Es konnten von dem Verfasser aus der Höfler’schen Sammlung nicht blos die Universitätsschriften und Briefe des böhmischen Reformators nachgewiesen, sondern auch über den Geleitsbrief Kaiser Sigismund’s und die Vertreibung der Deutschen aus Prag eine ganze Reihe von Aktenstücken verzeichnet werden. Nicht minder reichhaltig sind auch die Nachträge zu den Lebensbeschreibungen (Vitae) ausgefallen, die der Verfasser trotz ihrer in sich sehr abweichenden Formen bekanntlich in einer besonderen Abtheilung zusammengestellt hat. Hier erhielt diesmal auch Girolamo Savonarola eine Stelle. Der Verfasser hat eine kritische Geschichte der Ausgaben der Vita S. Hieronymi Savonarolae gegeben und außerdem noch über dreißig Erläuterungsschriften zusammengestellt, welche in lateinischer, italienischer, französischer, englischer und deutscher Sprache die Geschichte des italienischen Agitators behandeln. Diese Sorgfalt und Genauigkeit ist bei scheinbar unbedeutenden Erzeugnissen wie bei andern von entschieden historischer Wichtigkeit in gleicher Weise erkennbar.

Auch der Ergänzungen zu den schon früher verfaßten Artikeln muß gedacht werden. Bei Behandlung des genuesischen Geschichtschreibers Cafari sind die von diesem verfaßten Schriften von denjenigen seiner Fortsetzer deutlicher geschieden, und überdies durch neue Zusätze erweitert worden. Die Vita S. Hieronymi presbyteri et doctoris ecclesiae erhielt zur Ausstattung eine lange Reihe von Erläuterungsschriften, von denen die meisten, namentlich die in italienischer Sprache geschriebenen, wie Potthast uns mittheilt, auch für die Kirchengeschichte Aquileja’s interessant sind. Ebenso wurde bei dem heil. Martin von Tours die namentlich in Frankreich noch fortwährend im Wachsen begriffene Literatur über denselben nachgeholt und mit großer Pünktlichkeit verzeichnet. Aehnliche Berichtigungen und Ergänzungen sind der Vita b. Lanfranci archiep. Cantuar. und der Vita S. Leonis IX. Lpp. zugewiesen worden. Die angeführten Beispiele dürften vollkommen genügen, um den Leser zu überzeugen, mit welcher Gewissenhaftigkeit der Verfasser fortwährend bemüht ist, seinem Werke kritischen Werth und möglichste Vollständigkeit zu verleihen.

Als höchst schätzbare Hülfsmittel hat derselbe seinem Supplemente noch die nachfolgenden Beilagen hinzugefügt: 1. Vollständigeres Verzeichniß der Heiligen, ihrer Tage und Feste, 2. Zeitfolge der römischen Päpste sowie der deutschen Kaiser und Könige, 3. Zeitfolge der deutschen Bischöfe, 4. Mittelalterliche Sonn- und Festtagsbezeichnungen. Das erste dieser Stücke dürfte in der That das vollständigste und umfangreichste von allen Verzeichnissen sein, die bis jetzt in den verschiedenen Calendarien mitgetheilt worden sind. Das zweite ist für den Gebrauch sehr zweckmäßig eingerichtet, da es mit einem einzigen Blicke die Reihe der Päpste übersehen läßt, welche je einer kaiserlichen Regierung entsprechen. Die Zeitfolge der deutschen Bischöfe berichtigt Mooyer’s bekannte Schrift in sehr wesentlichen Punkten; ist zugleich vollständiger, und enthält namentlich die österreichischen Bisthümer, die dort nur theilweise berücksichtigt sind. Auch die vierte Mittheilung ist sehr dankenswerth, da sie uns auch von dieser Seite die Mannigfaltigkeit der mittelalterlichen Bildungen vor Augen stellt. Wir sehen hier nicht blos bei den großen Festtagen die mannigfachsten Beziehungen ausgedrückt, sondern auch die Sonntage nach Pfingsten treten mit eigenthümlichen Benennungen hervor.

Der Verfasser hat für den Fall einer zweiten Auflage eine völlige und zwar praktischere Umgestaltung des ganzen Werkes in Aussicht gestellt. Unmaßgeblich halten wir dafür, daß es den Ueberblick ungemein erleichtern würde, wenn der bis jetzt gesammelte Stoff nach den einzelnen Nationen in besondere Verzeichnisse gebracht, und auf diese in einem allgemeinen Register in kurzer, aber scharf bezeichnender Weise zurückgewiesen werden könnte. Je größere Vollkommenheit aber Potthast dem Werke, welches nunmehr zu seiner Lebensaufgabe geworden ist, verleihen wird, desto mehr dürfte sich der Wunsch geltend machen, auch die Geschichtschreiber der morgenländischen Nationen, welche unmittelbar in die europäische Geschichte eingreifen, einer ähnlichen Bearbeitung unterworfen zu sehen. Namentlich für die Geschichte Spaniens, Süditaliens, des byzantinischen Reichs, der Türkei und Rußlands wird dies früher oder später zur Nothwendigkeit werden, und wir rechnen es schon jetzt dem Potthast’schen Werke zum Verdienste an, durch sein musterhaftes Beispiel dieses Bedürfniß vergegenwärtigt und zur Befriedigung desselben aufgefordert zu haben.

A. F.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+Die Biene+: Nr. 19. Böhmische Getreidesagen. -- Nr. 20. Das Gevatterloch und das Bad Teplitz bei Weißkirchen in Mähren. (Dr. J. N. Enders.)

+Daheim+: Nr. 40, S. 630. Die Feldschulen im dreißigjährigen Kriege. Historische Skizze. (Georg Hiltl.)

+Europa+: Nr. 26, Chron., Sp. 398. Die Wandgemälde im Kreuzgange des Paulinums in Leipzig. -- Nr. 27. Das deutsche Schauspiel im sechszehnten Jahrhundert. -- Französischer Vandalismus in Deutschland.

+Die Gartenlaube+: Nr. 25. Die Johannisfeier im heiligen Köln.

+Der Hausfreund+: 11. Heft, Nr. 33, S. 517. Schloß Carolath. (Dr. Otto Spielberg.)

+Jahrbücher für deutsche Theologie+: 13. Bd., 2. Hft. Ein Weihnachtslied für die Knaben im Kloster zu St. Gallen von Ekkehart IV.

+Der Katholik+: Mai. Die Confraternitäten des Mittelalters etc.

+Allgem. Kirchen-Zeitung+: Nr. 37 f. Briefe der Päpste an Maximilian I., Herzog von Bayern, Kurfürsten.

+Monatsblätter f. innere Zeitgeschichte+: 31. Bd., 3. Heft., März. Kaiser Heinrich IV. und die Geschichtschreibung. (O. Hartwig.)

+Notes and Queries+: Nr. 26, S. 597. Notes on certain theosophists and mystics. Tauler and his school. (Eirionnach.)

+Augsburger Postzeitung+: Beil. Nr. 39 f. Zur Geschichte und Bedeutung der Tagespresse. Vortrag. (Herm. Geiger.)

+Internationale Revue+: 4, Bd., 5. Hft. Zur Geschichte unserer Ziffern. (H. Deutsch.)

+Der Salon+: Juli, S. 218. Prag. (E. M. Vacano.)

+Sonntagsblatt+ (von Dohm): Nr. 18-22. Die blutige Maria. Geschichtliche Skizze. (J. Mühlfeld.) -- Zur Geschichte des Ringes.

+Preuß. Staatsanzeiger+: Beilage Nr. 127. Brandenburgisch-preuß. Denkmäler am Rhein. -- Nr. 138. Die Einnahme der Tempelburg Arkona auf Rügen am 15. Juni 1168.

+Illustr. Zeitung+: Nr. 1305, S. 9. Kloster Nimbschen.

+Leipziger Zeitung+: Wissensch. Beil. Nr. 43 f. Der Kriegszug des Kurfürsten Moritz von Sachsen gegen Kaiser Karl V.

Vermischte Nachrichten.