Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 28
i vierfach gulden Regall. iii Doppel Regall. i Schifnobel. i halb Schifnobel. iii Vngarische Doppel Ducaten. i stückh goldts vf 20 Patzen gewirdigt. ii Frantzosische Kronnen. i beeß Doppel Regall. vi Ungarische Ducaten. i gekhrumpter Doppel Pordugaleser. viiii Pordugaleser. iii Stückhlein goldt vnbekhanndt vf ... goldtgüldten geacht. xiii goldtgüldten. v stück goldt, eins vf 40 Patzen geacht. v Schlickhen Taller. iii beser Taller. xv Spitzgröschlein. xxvii alte Turnuß. v f. an Müntz. vii gld. Taller. xxxxiii f. v Patzen an allerlay Müntz. i Doppel Scheuren[97] vberguldt. i Scheuren verguldt. i Schwitz Pecher mit eim Deckhel. iii glatter Pecher mit füßlichen, deren einer zerbrochen. i Silbrenn Khenndlein mit Hannß Connradt Schmiders wappen. i Silbren Khenndl mit einem zerbrochen Deckhel[98]. vi Backhöllein[99]. i Pecher mit dreyen Eicheln. ii Pecherlein mit Khnöpffen. i Indianische Nuß mit Silber beschlagen. i Silbren Dolchen wigt 33 loth vnd 3 q. i Silbren Dolchen mit einem Crucifix, so Schaffen[100] gewesen, ohne Messer. i Moßbacher Weidtner mit Silber beschlagen[101]. i Eisen Spitz dolchen ohne Silber. i Mannß Leibgürtl mit Silber beschlagen. i gewirckhter Porth mit Silber beschlagen vnd verguldt. i gestückht Pörtlein mit Sammet. i Paar Weibermesser mit Silber beschlagen vnd einem Silbren Khettlein. i Silber Weibergürttel. i Silbren Kettel. i gemalt Drichelein[102] darin ligt ii Perlein Schappel[103], i Beerlein Mutter, ii Rotter Scheppelich. i Feuer Spiegel[104]. i Seidengürttlein mit Silberen stefften so verguldt. i Sammeten gürtl mit Silber beschlagen. i Seidengürtl mit Silber beschlagen. ii guldtener Breutschnür. i gemalt Drichlein darin ligt iii gülden Leisten, i gulden Leisten vf weiß genähet, ii gulden Khregen, i gulden Khragen mit einer Brustlappen[105], vi stückhlein gulten Portten. iii Löffel mit Silber beschlagen. i guldt Petschier Ring, so Hannß Schaffen gewesen. i güldten Petschier Ring, so Kallenpachs gewesen. i guldtener Ring mit einem Kröttenstein. iii guldtener Ring mit Türkhus. i guldten Ring mit einem Schmaragt. i guldten Ring mit einem Robin. Ist dem Elßlein verschafft[106]. i gulden Ring schlecht mit einem Robin. i gulden Ring mit einem Carniol. i gulden Ring mit Sieben Perlein. i guldten Dennckhring[107] doppel. ii guldten Dennckhring ein Jeder drifach. i guldener geflochtener Ring vierfach. i gulden gewinnen Ring genannt Sternschuß[108]. ii gulden dreu Ring. i Silbren gicht Ring. ii Silbren Dennckhring doppel[109]. iii Paar große vergulte Schloß. iiii Paar vergulter Cleiner Schloß. iii Silbren Crucifix, deren zwey verguldt. i Silbren Christoffel mit zweyen Ringen. ii Silbren Khettlein mit Khnöpfen verguldt an einen gürtl gehörig. i güldten Zannstuerer. i Silbren Zannstuerer[110]. i Vberguldte Eichel. viii Loth allerlay Silber in einem Peuttel. i Silbren vergulten Rinckchen an einem gürttel gehörig. iii Silbren Klippen zimblich groß. lxiiii stückh allerlay Müntz, groß und khlein, wegen an gewicht x loch. i Silbren Pfeufflein. ii ungefaste gelbe Augstein[111]. i groß vergulte Müntz, darauf die Aufferstehung Christi stehet. i gegossen vbergulte Müntz, Graff Georgen von Eisenberg[112] Bildt. i Rundt vergultes gefeßlein mit zweyen Ringeln. ii Stückh eingefast Einhorn. i Stückhlein vngefaßter Einhorn. ii Rundter Stückhlein Perlein Mutter. i gefaster Khrottenstein. i gefaster Bluttstein[113]. i ungefaster Khatzendoniger[114]. ii Silbern Bisem Khnöpff[115]. i Amadist vnd Cristall in Silber gefast. iii Cranatsteinlein vngefast. iii Cristall Steinlein gar khlein. i vngefaster Wolffszann[116]. viii Carniol, drey Silbren Eichel, zwo Corallen vnd zwo Silbren Corallen, alles an einem Schnürlein. i Patter mit Cleinen Rotten Corallen. i groß Patter mit Müntzen, wigt 14 Loth. i Clein Silbren Khettelein mit gar Cleinen Corallen. i eingefaster Dattelkhorn[117]. i Schlecht Patter mit Schwarzen Augsteinen. i Patter mit Cleinen gelben Augsteinen. i guldten Khettlein, wigt acht goldtguldten. i Schechtelein mit Khrebsaugen vnd zwey Stückh Ellendtskhlawen[118]. i Schechtelein, darinen Cleine bese Müntz. ii stückh Ellennts Khlawen, deren Eins gefast. i Renndtling[119] mit einer Behemischen Clingen. i Reutschwerdt mit einer Silbren Platten. i Hanndt Degen mit Silber beschlagen. i Wehrlein mit Silber beschlagen. i Dusseggen[120] mit Silber beschlagen. i Khnebelspieß. i Cleins spieslein. i Ottergabel. i alte Hellepardten. i Clein Buerstbüchslein. i Hirschen Bulluerflaschen. i alt Fürbüchslein. i Cleiner Feustling[121]. ii Pulluer Flaschen. i khöcher. i Faustkholb. iii Hulffter zu Püchsen. i Messener Faustkholb. i Bartten, u. s. w.[122].
II. Fahrende Habe der 1629 wegen Zauberei verhafteten Margaretha Stark von Wertheim.
An +Geld+: 35 Doppel vnd einfache Ducaten. 9 Französische Cronen. 15 Goltgulden. 35 Stuckh Marzeller[123]. 310 Stuckh allerlei alte Munz. 5¾ Joachimsdaler. 654 Rdlr. 11½ Guldenthaler. 26 ganze Königsdaler. 18½ Kopfstukh. 1 Säkhlin mit Pfeningen. 1 Sakhelin mit Dreiern vnd Wurzburgischen Schillingern. 1 Blasen mit Strassburger Creuzerlen. 1 Blasen mit allerhand Munz. 1 Beutel mit 3 Kreuzern vnd Dreibaznern. 199½ Reichsdaler. 1 Stukh Golt, so 6 Rdlr. gultig. 2 Guldenthaler. 1 dreifacher, 1 doppelter Augspurg Daler. 1 Gulten mit Pfenningen. +Silbergeschmeidt+: 1 Silbern Becher mit 1 Rdlr. am Boden. 1 Säkhlin, darin Silbern Löfel, gurtl, Ring vnd Becher, so die Juden von Wenkheim versetzt. 1 Schalen übergult. 2 Silbern Becher mit füssen. 14 guldin Ring. hat Low Jud Reichenberger versezt. 1 Perlin Huetschnur. 1 Guldin Ring mit 5 Steinen. 1 Silbern Becher mit 3 Eicheln fußlin. 2 Silbern Becherlin. 1 Klein Silbern Becherlin. 1 Guldin Ring. 1 Silbern Fingerhut. 1 Schaupfening. 6 Silbern Ring. +Böthwerkh+: 16 Ober vnd Unter Bötth. 8 Pfulben. 12 Kussen. +Getuch+: 14 Leilacher. 2 Böthziechen. 3 Stukh wurkhin Duech. 15 Stukh fläxin Duech schmal vnd brait. 46 Lailacher. 8 Kussenziechen. 22 Dischtücher. 1 Stukh gewirfelt Bötthziechen. 6 Handtzwehel. 2 Deppich. 1 Schoppel. 2 Stukhlin Kreppduech. 12 Handtzwehel[124] guet vnd bös. 12 Leilacher wurkhin. 4 Kussenziechen. 6 Dischtucher schlecht. +Zinnwerkh+: 63 Zin gros und klein. 8 zinern Loffel. 6 Viertel Kanten. 19 Maskanten. 15 Seidlins Kändlin. 5 Flaschen. 7 Deller. 8 zinern Schussel. 5 zinern Kanten. 2 Becher. 1 zinern Saltz Kandtlin. +Messing+: 8 Messing Leuchter. 2 Messing Kessel. 2 Häfen. 2 Bokhen. 3 Kändlin. 4 Kohlpfannen. 1 Ring. 2 Spritzen. 1 Seiher. 2 Hanen. +Kupfer+: 5 Kessel gros vnd klein. 3 Häfen. 1 Stuzen. 1 Kupferling[125]. 2 Seiher. 1 Wasserständer. 1 Stüzen. 2 Kessel. 1 Hafen. 3 Löfel. 1 Höllhafen[126]. 5 Kessel. +Eisen+: 13 Pfannen. 2 Bratpfannen. 5 kleine Pfannen. 3 Lofel. 4 Pfannen. 2 Bratspis. 2 Röster. 6 Blechine Schussel. 1 Bankh Messer. 6 Stukh Messing gewicht. 6 Stukh Eisen gewicht. 2 Messer. 4 Fleischbeihel. 3 waag mit Schusseln. 1 große Schnapwaag. 1 Mörser. 1 Dannenschmär. 1 halbe weisse haut Niderlendisch Leders. Etliche Stukh selbigen Leders. 1 Spiegel. 2 täfelen darauf schulden. 2 Mussqueten. 3 Rohr.
+Wertheim.+
Dr. +Alex. Kaufmann+.
(Schluß folgt.)
Zur Geschichte der Feuerwaffen.
(Mit einer Tafel Abbildungen.)
Der mächtige Einfluß, welchen im jüngsten Kriege die Art der Waffen auf den Erfolg gezeigt, hat allenthalben die Sachverständigen zu neuen Versuchen angeregt, und eine Erfindung drängt die andere. Die Infanteriewaffe wird jedenfalls einer gänzlichen Umbildung unterzogen, und Alles, was bisher noch in dieser Beziehung in Gebrauch war, gehört in der kürzesten Frist nur mehr der Geschichte und Alterthumsforschung an. Es muß sich nun aber auch für den Geschichts- und Alterthumsforscher das Resultat ergeben, daß auf die Kriegführung der früheren Zeit wol die Waffen einen ähnlichen Einfluß hatten wie heutzutage, und das Studium der Entwicklung der Feuerwaffen hat deshalb heute auch für andere Kreise als die militärischen ein Interesse gewonnen. Insbesondere ist es interessant, den Anfängen jeder Erfindung nachzugehen und zu sehen, ob sie rasch oder erst langsam Eingang fand, zu sehen, wie manche Neuerung nicht durchgreifen konnte, wie manches Motiv wieder aufgegeben wurde und erst Jahrhunderte später seine Bedeutung erhalten konnte[127].
In dem interessanten Aufsatze: „Die ersten Büchsenschützen, die an der Wange abschossen“ (Anzeiger 1866, Nr. 5, Sp. 172 ff.) hat Toll einige Irrthümer berichtigt, die ziemlich allgemein sich eingebürgert hatten. Wir möchten daran noch einige Bemerkungen knüpfen. Man scheint im 14. und 15. Jahrhundert den Handfeuerwaffen keine sehr große Ausdehnung und Bedeutung gegeben zu haben, indem man selbst sehr kleine Feuerwaffen auf Gestelle auflegte. So sind z. B. die Geschütze, welche aus einer Münchener Handschrift (Cod. germ. 600) im Anzeiger 1860, Nr. 11, Sp. 405 ff., beschrieben und abgebildet sind, sehr klein[128]. Der Verfasser (v. Retberg) setzt das Manuscript in die Zeit von 1345 bis höchstens 1350; Toll in die Zeit von 1360-80. Ein solches Geschütz, wie sie in diesem Münchener Codex enthalten sind, wurde unlängst vom german. Museum erworben. Wir bilden es in Fig. 1 ab. Es besteht aus einem Blocke von Eichenholz, der sich nach rückwärts verjüngt und eine Länge von 1,44 Met. hat. Am vorderen Ende ist die Breite des Blockes 0,135 Met., die Höhe 0,1. Darauf ist mit eisernen Bändern ein, wie es scheint, aus +einem+ Stücke geschmiedetes konisches Geschützrohr befestigt. Dasselbe hat eine Länge von 0,23 Met.; die Lichtöffnung der Mündung beträgt 0,04 Met., die innere Länge 0,22 Met., die Weite am Ende 0,025 Met. Das vordere Ende ist des Bandes wegen rund und enger; der übrige Theil ist roh achteckig. Das Gewicht beträgt sammt Schaft 33½ Pfd. Ein Gewerkszeichen hat das Geschütz nicht. Wir haben es ähnlich, wie das Fol. 17b des Münchener Codex (siehe die Tafel an der citierten Stelle des Anzeigers), in ein Gestelle gelegt zu denken. Das Geschütz soll aus dem Zeughause zu Dresden stammen, wo es der Verkäufer vor mehreren Jahrzehnden mit einer größeren Zahl anderer Waffen, die nun zum Theil im Besitze des german. Museums sind, gekauft hat, als man die unscheinbaren Stücke von den damals für werthvoll gehaltenen sonderte.
Ferner ist in der Sammlung des german. Museums ein Geschütz aus dem 14. Jahrh., eine Lothbüchse (Fig. 2), aufgestellt worden, die gleichfalls kleines Kaliber hat.
Wenn es zweifelhaft ist, ob man das soeben beschriebene Geschütz den Handfeuerwaffen im engeren Sinne oder den Stücken der Artillerie zuzählen soll[129], so haben wir hier ganz sicher ein Artilleriestück vor uns; doch ist es auch für die Geschichte der Handfeuerwaffen sehr wichtig, indem es zeigt, daß man die Vorzüge des längern Rohres wohl kannte, aber bei dem schlechten Pulver und der Schwierigkeit des Ladens bei den Handröhren davon abstand. Erst mit Beginn des 15. Jahrh. werden die Handröhren dieser Lothbüchse proportional. Sie ist aus drei Stücken geschmiedet, die zusammengeschweißt und mit Ringen umlegt sind, und hat ein Kaliber von 0,04 M., was einer Bleikugel von 1½ Pfd. entspricht, und eine Länge von 0,94 Met. Die Kammer, welche eingeschraubt war, ist abgesprengt, hatte aber, wie sich aus dem Schafte, der vollkommen Original ist, ergibt, eine Länge von 0,178, so daß die ganze Büchse eine Länge von 26 Kalibern hatte. Die Eisenstärke beträgt 0,013 M. und ist, den Gewindetheil für die Kammer abgerechnet, ohne Verstärkung nach dem Boden zu. Sie ist vielmehr innen und außen cylindrisch.
Der Schaft ist unter seinem Schwerpunkte von einer Gabel umfaßt, die unten wahrscheinlich einen Stift hatte, der in ein Loch des Gestelles eingelassen wurde; die Gabel ist nur noch zum Theil vorhanden. Das Gewicht der Büchse mit Schaft in ihrem jetzigen Zustande beträgt 48 Pfd.
Von großem Interesse ist jedenfalls auch eine Büchsenröhre im german. Museum, die der Mitte des 15. Jahrh. angehören dürfte. Sie ist von Eisen geschmiedet, sechseckig, ohne Verstärkung, nur mit einer gegliederten Einfassung des Mundstückes. Der Boden ist nicht am Ende, sondern in ungefähr ⅓ der Länge, und der Theil hinter dem Boden ist nach rückwärts offen. Wenn sie nicht einen sehr +starken Haken+ an der Unterseite hätte, so müßte man annehmen, daß hier ein Stiel eingesteckt worden ist, wie sich dies auch auf dem unten zu erwähnenden Kriegzuge im Hausbuche zeigt. Die ganze Länge der Röhre ist 0,89 Met.; die innere Weite 0,24, die Länge des Innern 0,70. Der Haken ist 0,1 lang. Das Gewicht beträgt 22¼ Pfd. Das Zündloch ist schräg angebracht.
Eine Röhre, welche bei einer Ausgrabung auf der Marienburg gefunden wurde, muß den Umständen nach aus der Belagerung von 1457 stammen. Durch diese Zeitbestimmung ist sie höchst wichtig, da sie eine sehr bedeutende Länge hat, nämlich 1,42 M. Einen Hahn hatte sie noch nicht; die offene Pfanne hat nach hinten eine Erhöhung, um das Gesicht des Schützen gegen die Flamme des abgebrannten Pulvers zu schützen. Ihr Gewicht beträgt 24½ Pfund.
Als Beitrag zur Art des Anschlagens der Gewehre dient auch das bekannte Bild im Artushofe zu Danzig, die Belagerung der Marienburg von 1460, wo nicht blos ähnliche Gewehrformen, wie die eben beschriebene, sich zeigen, sondern auch ein an der Wange anlegender Schütze zu sehen ist.
In etwa dieselbe Zeit gehört eine Handfeuerwaffe im german. Museum, die jedoch dem Aussehen nach nur theilweise noch ursprünglich sein dürfte, theilweise ergänzt ist. Wir wollen es unterlassen, ihr einen Namen zu geben; sie wurde uns als „+Schießprügel+“ bezeichnet. In einen starken, hölzernen Schaft sind vier eiserne Röhren eingelassen, deren jede ein eigenes Zündloch hat, das durch einen hölzernen Schuber bedeckt ist, so daß das Pulver nicht herabfallen konnte, wenn sich die Röhre um ihre Axe drehte. Hinter diesen Zündlöchern wird der Stiel enger, so daß er in der Hand gefaßt werden kann. Der vordere Rand ist mit vier Stacheln besetzt, so daß die Feuerwaffe, wenn die vier Schüsse abgefeuert waren, als Keule dienen konnte.
Venturi[130] gibt unter Fig. 5 die Abbildung eines geharnischten Ritters zu Pferde, der eine ähnliche Waffe trägt, die zwar einläufig erscheint, uns jedoch von dem Gebrauche dieser Handröhren einen Begriff gibt[131].
Eine Anzahl Handröhren finden sich abgebildet in dem fürstlich Wolfegg’schen Manuscripte, welches das german. Museum unter dem Titel „Mittelalterliches Hausbuch“ herausgegeben hat. Es erscheinen bereits dergleichen Handröhren in größerer Zahl. So tragen z. B. solche eine Anzahl Fußknechte in dem Kriegszuge Blatt 51b und 52a. Sie erscheinen als ziemlich lange, hölzerne Stangen, an denen je eine Röhre angebracht ist. Theilweise haben die Stangen Astansätze und erscheinen so ziemlich unbearbeitet; theils jedoch zeigt sich eine gewisse Schäftung, und man kann sogar eine Art Kolben erkennen. Es ist damit die Zeit Kaiser Friederich’s III. charakterisiert. Aehnliche Handröhren sollen in Original noch existieren, theilweise zum Laden von hinten eingerichtet. Ob wir irren, wenn wir glauben, an einigen Röhren auf der genannten Zeichnung im Hausbuche Kammerladung erkennen zu können, mag dahin gestellt sein. Wir erinnern uns nicht, Gelegenheit gehabt zu haben, solche in Original zu sehen.
+Nürnberg.+
+A. Essenwein.+
(Schluß folgt.)
Geistliche Scherze des Mittelalters.
V.
Das zuletzt mitgetheilte strophische Gedicht ist sehr ernsthaften Inhalts und paßt somit nicht recht zu der Ueberschrift; nur durch seine Form ist es in diese Gesellschaft gekommen. Ich lasse ein zweites folgen, welches in der Handschrift unmittelbar vorhergeht und durch eine besonders heftige Feindschaft gegen die Mönche ausgezeichnet ist. Da noch nicht von Bettelmönchen die Rede ist, wird es wol noch dem zwölften Jahrhundert angehören.
+De corrupto mundi statu Rhytmus.+
Prohdolor confusio nascitur ant} Impia fit pietas, equitas in } Dolet amicitia quod sit inim } iqua Rationis linea facta est in } Vitia suppullulant, virtus suffoc} A patrono quolibet virtus vidu } Deperit iustitia, virtus releg } atur Regnat avaritia, scelus domin } Regnat avaritia, regnatque us } De divina gratia non est ulla c } Creatorem proprium spernit creat } ura Hec est vita moriens, vita non vict} Hoc exemplum laicis prebent litter } Qui ponunt sub modio lucem excec } Student avaritie, student vanit } ati Et sic limes sceleris fiunt et pecc } Laicorum error est pene veni } Defluit a clericis error sibi t } Quorum vita pessima est induta m } alis Quos fex rerum inquinat, fex simoni} Pretermitto laicos qui sunt quasi br } Quos docere clerici cum sint instit } Hos potius dedocent facti ceci m } uti Nescii scientie, vitiis imb } Detinet religio quosdam cleric } Qui mutare destinat cursus anim } Sed falluntur habitu quia monach} orum Sunt errores pessimi ultimi pol } Quisquis hic precipuis moribus dulc } Qui reformans federa iurgia comp } Postquam vestit monachum protinus ac} escit Nigra vestis consanat menti que nigr} Hii nec iuxta regulam vivunt nec hon } Hiis inest hypocrisis quia Christo t } Est hec pestis pessima peior omni p } este Lupus rapax latitat sub ovina v } Ut quidam de talibus facti sunt pri} Statim mutant animum, regulam et m } Et qui mali facti sunt pessimi pri } ores Dicuntur a fratribus esse poti } Hic qui de radicibus vixerat et h } Prior urit subditos moribus ac } Priorissam alligat bonis, prece, v} erbis Et fortasse puerum donec est imb } Hic qui prius vixerat herbis et rad } Cuius erat facies similis mir } Postquam prior factus est, it cum meretr} ice Sic tumorem inguinis sanat et ves } Sic domus que fuerat dives et orn } A suis redditibus dolet vidu } Nec miror quod ita sit, nam determin} ata Istis mercatoribus marca est merc } Si prior a cellula propter hoc priv } Si paulo presumpserit domus pignor } Bursa que pepererat rursus impregn } atur Post hec Bardos colligit, domus spoli} Jam non pudet monachos foro indic } Et a iure pauperes exheredit } Viduas et orphanos cogunt mendic } are Cum in claustris debeant iugiter or} Inficit sceleribus hec gens tunic } Munum quorum facies est extermin } Ve vobis hypocrite, ve gens sceler } ata Merces quam habebitis iam est vobis d}
+Heidelberg.+
+W. Wattenbach.+
Eine Notiz über die alten Fastnachtspiele.
Theatralische Vorstellungen, Sing- und andere Spiele, wozu der Stoff größtentheils dem alten Testamente und anderen Historien entnommen wurde, fanden schon in den Stifts- und Klosterschulen des Mittelalters eine fleißige Pflege; und als nach ihrem Vorgange später auch Pfarr- und andere Schulen errichtet wurden, sind diese dem Beispiele der alten gefolgt, die heiligen und nicht heiligen Zeiten als Gelegenheit zu ihren Spielen und Vorstellungen benützend. Nicht immer wurden dieselben blos in geschlossenen Räumlichkeiten aufgeführt; seit der Mitte des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts treten die Schüler als Acteurs auch in die Oeffentlichkeit -- auf die Gasse. Besonders waren die lustigen Fastnachtspiele sehr beliebt. Solche wollten um das Jahr 1520 auch von den Schülern am hl. Geistspitale zu Nürnberg aufgeführt werden. Sie baten den Rath um Erlaubniß dazu. Weil aber mancher Unfug und manches Aergerniß bei diesen Spielen zum Vorschein gekommen, war der Rath der Aufführung derselben nicht sehr gewogen. Deshalb versprachen die Schüler, sie wollten ihr Spiel blos treiben an den Orten, dahin sie gefordert würden, und sie wollten es in züchtiger Weise treiben. Hier ihre Eingabe:
„Fürsichtigen erbern vnd weysen, gonnstigen lieben herrn! Vnns langt ane, wie e. f. w. tzu dieser freidenreichen tzeit nach alter loblichen gewonnhayt vnd herkomen dieser stat Nürmberg tzu ainer besundern frewde vnd ergetzlichkayt gemeyner stat den fleischhackern tzu danntzen vnd im schenpart zulauffen[132], auch andern freidenreiche spill zutreyben erlawbt vnd vergont haben. Nun haben wir auff ansinnen etlicher herrn vnd erbern burger dieser stat ain kurtzweylichs spill in reymen fürgenommen vnd nyndert dann an den orten, do wir sunderlich gefodert vnd gepetten werden, tzutreyben. Es ist auch solchs durch vnns an den fürsichtigen, erbern vnd weisen hern Anthoni Tucher, pfleger e. w. newen spitals, gelangt, der vnns dann tzu antwurt geben, er hab solchs ane e. f. w. wissen nit zuerlawben noch tzuuergonnen; ist an e. f. w. vnnser gantz vnnderthenig bit, vnns solche kurtzweyl vnd spill gonstiglich tzuerlawben, wann wir solchs tzüchtiger weis treyben; wollen wir vmb e. f. w. mit vnsern gehorsamen willigen dienst altzeit tzuuerdienen willig vnd geflissen sein.
E. f. W.
willige gehorsame die chorales des newen spitalls.“
+Nürnberg.+
+Baader.+
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1868. Nº 7. Juli.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, 15. Juli 1868.
Die Reisezeit, in diesem Jahre vom angenehmsten Wetter begleitet, hat die Reiselust geweckt, und so ist in diesem Jahre wieder der Besuch der Sammlungen durch Fremde ein sehr lebhafter. Viele langjährige Freunde der Anstalt kommen, um sich persönlich von dem Zustande und dem Fortgange derselben zu überzeugen, und wir hoffen, daß aus den Eindrücken, die sie mitnehmen, und dem dabei stattfindenden Verkehre mit dem Vorstande und den Beamten des Museums manches erfreuliche Resultat für unsere Anstalt erwachsen wird. Wir freuen uns, constatieren zu können, daß diejenigen, welche in der Lage sind, den jetzigen Zustand mit dem früherer Jahre zu vergleichen, einen entschiedenen Fortschritt erkennen.
Ein solcher Fortschritt macht sich in diesem Jahre allerdings durch die geführten Bauten deutlich erkennbar, die uns mehrere große, helle Lokalitäten gegeben und zu einer Aufstellung mancher Theile der Sammlungen Veranlassung gegeben haben. Auch die Sammlungen selbst, von denen wir mehrere Monate nicht gesprochen haben, wurden durch eine Anzahl wichtiger und wesentlicher Gegenstände bereichert. Die Sammlung von Abgüssen mittelalterlicher Grabdenkmale erhielt eine Bereicherung durch mehrere merowingische und karolingische Denkmale; die Sammlung von Abgüssen architektonischer Ornamente wurde bei ihrer neuen Aufstellung durch manche Stücke erweitert.
Die neue Aufstellung der Waffensammlung hat für diesen Zweig gezeigt, wie wichtig selbst sonst unscheinbare Gegenstände sind, wenn sie zu einander in richtige Beziehung gebracht werden. Diese Beziehungen wurden durch eine Reihe von Zeichnungen hergestellt, die den Entwicklungsgang der Rüstungen von der römischen Periode durch das ganze Mittelalter hindurch bis zu den Cuirassieruniformen unserer Armeen verfolgen lassen, und so zeigen, welche Bedeutung die einzelnen Rüstungen und Rüstungstheile der Sammlung haben. Aehnliche bildliche Reihenfolgen sollen auch ferner auf anderen Gebieten belehrend und erklärend eingeführt werden. Die Sammlung von Webereien und Stickereien wurde durch einen großen Teppich aus der Zeit Maximilian’s I., eine Scene aus dem Leben der Waldmenschen darstellend, sowie mehrere Stickereien vermehrt; ein schönes großes Messer aus dem 14. Jahrhundert, einige mittelalterliche und spätere Gläser, welche Lücken unserer Sammlungen ausfüllen, kamen zu den betreffenden Abtheilungen hinzu.