Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 27
Die erneute Aufnahme, wir dürften sagen Wiederbelebung, welche seit geraumer Zeit in steigendem Maße Albrecht Dürer bei unserm Volke gefunden, möchten wir als eins der besten Zeichen der Gegenwart erkennen. Wir finden darin die sichere Bürgschaft, daß man, müde, sich länger vom fremden Einflusse umtreiben zu lassen und in die Bildung des deutschen Charakters Elemente aufzunehmen, die darin, wie auf ungeeignetem Boden wuchernd, nur Mißbildung hervorbringen konnten, mit Bewußtsein an die abgerissene Entwicklung unseres Wesens wieder anknüpft und erkennend und thatkräftig fortsetzt, was bis dahin der Natur und günstigen Umständen überlassen war. Albrecht Dürer vereinigt in seiner Persönlichkeit alle die Vorzüge, die gerade der Deutsche sich zu eigen zu machen im Stande wäre, welche andrerseits, vereint herausgebildet, erst den Deutschen zu dem machen würden, wozu er seiner ganzen Anlage und Geschichte nach berufen ist. Sein eigenstes Wesen hat Dürer aber in seinen Werken niedergelegt und darin erst recht anschaulich gemacht, daß gewiß kein Zug seines tiefen Gemüthes, seines reinen Strebens, seines strengen Ernstes dem Verständigen verschlossen bleibt. Glücklicher Weise sind seine meisten Arbeiten auch der Art, daß sie von vorn herein für die Allgemeinheit bestimmt waren. Da gleichwohl die Originale, Kupferstiche wie Holzschnitte, dem Bedürfnisse nie genügten, hat man zu allen Zeiten sich bemüht, sie in guten Copieen nachzubilden. Für die Kupferstiche erreichte man darin das Höchste schon im 16. Jahrhundert. Die Holzschnitte entsprechend wiederzugeben, blieb unsrer Zeit vorbehalten, und zwar ist die hier in Rede stehende Copie der kleinen Passion von C. Deis ohne Zweifel das Beste, was in dieser Beziehung geleistet worden. Verständniß und Geschick haben auf gleiche Weise gearbeitet, ein Werk zu schaffen, welches das Original möglichst wenig vermissen läßt. -- Freunde der Dürer’schen Kunst werden gern hören, daß derselbe Meister gegenwärtig auch das Leben der Maria in Angriff genommen hat.
v. E.
_Aufsätze in Zeitschriften._
+Das Ausland+: Nr. 19, S. 452. Aeltere (vorchristliche) Einwanderung von Angelsachsen nach England. -- Nr. 22, S. 510. Flußnamen. -- Nr. 23, S. 533. Ueber den Ursprung der menschlichen Sprache. Nachtrag. (Dr. G. Jäger.)
+Die Biene+: Nr. 15. Schloß Ambras in Tirol.
+Kathol. Blätter aus Tirol+: Nr. 15. Zur Geschichte des religiösen Sektenwesens in Tirol.
+Ergänzungsblätter+: III, 9, S. 530. Die Kunstindustrie. II. Geschichtlicher Rückblick auf die Hauptzweige derselben.
+Europa+: Nr. 21, Sp. 667. Die Loge im Dienste des Teufels. (Teufelsbündnisse betr.)
+Die Gartenlaube+: Nr. 24, S. 379. Die Sonnenwendfeuer.
+Magazin f. d. Literatur d. Ausl.+: Nr. 20, S. 296. Eine Preßordonnanz aus alter Zeit (Wien, 1672). (Rob. Schück.) -- Nr. 21, S. 319. Loreley. Ursprung des Namens und der Sage. (M. C. Grandjean.) -- Nr. 23. S. 348. Die Vögel in den böhmischen Kinderliedern. (Alfr. Waldau.)
+Augsb. Postzeitung+: Beil. Nr. 32. Fünde, Studien und Ausgaben althochdeutscher Dichtungen.
+Rübezahl+: IV. Heft, S. 150. Der starke Hans. Sage aus Oestr.-Schlesien. (Prof. Dr. A. Peter.)
+Preuß. Staats-Anzeiger+: Beil. Nr. 109. Denkmäler preußischer Geschichte in Oberschlesien. -- Nr. 115. Die Wohnhäuser des niedersächsischen Volksstammes.
+Deutsche Vierteljahrs-Schrift+: Nr. 121, S. 173. Das Pentagramm. Kulturhistorische Studie. (Adolf Zeising.) -- Nr. 122, S. 1. Ueber die Religion der alten Deutschen. (G. Hauff.)
+Gemeinnützige Wochenschrift+: Nr. 18. Zur Geschichte des Tabaks etc.
+Zeitschrift f. bild. Kunst+: 8. Heft, S. 188. Meisterwerke der Braunschweiger Gallerie. In Radierungen von William Unger. 1. der Heirathskontrakt, Oelgemälde von Jan Steen. -- 9. Heft, S. 221. Paulus Potter. Mit einer Orginalradierung von Potter. (M. Thausing.)
+Allg. Zeitung+: Beil. Nr. 165. Ein kleiner Handschriftenfund in München. (Aug. Theen.)
+Illustr. Zeitung+: Nr. 1298. Dem Gedächtniß Hans Dollinger’s (der Dollinger-Saal in Regensburg). (Hans Weininger.) -- Nr. 1299. Der Dom und die Liebfrauenkirche zu Trier. -- Der Palast König Theodorich’s in Ravenna. -- Deutsche Gedenkbrote. Pfingstbrote. (E. L. Rochholz.)
Vermischte Nachrichten.
58) Bei +Alt-Ofen+ ist man auf dem Territorium der dortigen Actien-Ziegelbrennerei-Gesellschaft auf +römische Gräber+ gestoßen. Auf dieser Stelle befand sich einst das alte Aquinum, die Hauptstadt des mittlern Panonien. Drei Steinsärge sind ausgegraben worden; der eine, offenbar für ein Kind bestimmt, war leer, in dem zweiten befand sich das 7 Fuß lange Skelet eines Mannes, der dritte barg die Gebeine einer Frau, welche, wie die Inschrift des Sarkophags besagt, die Gattin eines reichen römischen Hauptmanns war. Außerdem fand man einen römischen Altarstein (ara) und andere dergleichen bedeutende Steine. (Ill. Ztg. Nr. 1294.)
59) Das Theater der Stadt +Angers+ ist vor einiger Zeit abgebrannt, und es wird ein neues Gebäude errichtet. Bei der Grundlegung hat man +Entdeckungen von Alterthümern+ gemacht, die jetzt auf Kosten des Stadtrathes weiter verfolgt werden. Die Stelle war in der ältesten christlichen Zeit ein Kirchhof und trug später nicht weniger als 5 Klosterkirchen, von denen die letztere 1793 entfernt wurde. Man hat die Kapelle einer gallisch-römischen Kirche wiedergefunden, die in gewissen Beziehungen der Krypta von St. Gervais zu Rouen gleicht. Noch zwei andere Krypten haben sich gezeigt, und eine derselben enthält viele wichtige Särge, die zum Theil bis zur Zeit der Merovinger zurückreichen. Römische, karolingische und gothische Alterthümer und Kunstwerke, Waffen und gottesdienstliche Gegenstände sind zum Vorschein gekommen, und unter den Funden befindet sich auch ein großer und vollständiger weiblicher Schmuck.
(Eur.-Chron. Nr. 17.)
60) Ueber die im Kloster +Lambach+ (Oberösterreich) jüngst bloßgelegten +romanischen Deckengemälde+ (siehe Anz. Nr. 4 d. J., Spalte 146, Nr. 38) schreibt uns Prof. J. Klein: Es sind 3 Kuppeln, die eine Art westlicher Empore bilden. Die Bälge der Orgel nehmen fast den ganzen Raum ein, so daß man einen Gesammtüberblick nicht gewinnen kann. Im Centrum des mittlern Gewölbes ist ein Stern, der über dem Haupte der an der Westseite des Gewölbes angebrachten Mutter Gottes aufgeht. Die heil. Jungfrau sitzt majestätisch auf dem Throne und hält das segnende Jesuskind. Zur Rechten steht ein Engel, zur Linken eine Frauengestalt. Der Grund ist durch einen Vorhang abgeschlossen, hinter dem noch zwei Köpfe sichtbar sind. Ohne architektonische Trennung schließen sich auf der einen Seite die drei Könige, welche Gaben darbringen, an, auf der andern die schlafenden drei Könige, welche vom Engel gewarnt werden. An der Ostseite, der heil. Jungfrau gegenüber, eilen die drei Könige mit ihren Gaben der Krippe zu.
Die südliche Kuppel zeigt in einer reichen Architektur (wol die Stadt Jerusalem) den König Herodes; vor ihm eine Figur, wahrscheinlich einer der drei Könige, der nach dem neugebornen Kinde fragt. An der nördlichen Seitenkuppel sind die drei Könige zu Pferd mit ihrer Begleitung zu sehen. Die drei Könige haben keine Kronen, sondern phrygische Mützen auf. Die Farben sind fast nur Roth und Gelb (Ocker). Wenig Schwarz findet sich vor, da die Conturen fast nur roth sind. Die Malereien der Seitengewölbe sind sehr zerstört, so daß man die rothen Conturlinien nur mit Mühe verfolgen kann.
61) Vor Kurzem hielt Oberstlieutenant Köhler in +Danzig+ einen Vortrag über die +Befestigung+ dieser Stadt im 14. u. 15. Jahrh. Derselbe ist das Resultat langer, tief eindringender Studien im Archiv und in der Bibliothek der Stadt und einer speziellen Untersuchung aller aus jener Zeit noch erhaltenen, freilich sehr versteckten Ueberreste. Der Vortragende ergänzte seine Mittheilungen durch Vorlage zweier von ihm entworfener Pläne, welche den Zustand der Befestigung Danzig’s um 1520 und 1577 darstellen. Dieselben beruhen auf alten Plänen im Stadtarchiv und sind nach den noch vorhandenen Bauresten berichtigt und ergänzt. Von besonderem Interesse war die Hinweisung auf die im Anfang des 16. Jahrh. in Folge des vervollkommneten Geschützwesens gänzlich veränderte Art und Weise der Befestigung (Wälle statt der Mauern).
(Danz. Dampfb. Nr. 111.)
62) Die bekannte +Schloßruine+ zu +Cochem+, bisher königliche Domäne, ist mit dem 15. Juni in den Besitz des Commerzienraths Ravené zu Berlin übergegangen, der die Burg in ihrem frühern alterthümlichen Stile wieder aufzubauen beabsichtigt. Von der Ruine stehen gegenwärtig nur noch der alte, massive Thurm einige Reste des Hauptgebäudes der Moselfronte mit dem sog. Hexenthurm und die weitläufigen Ringmauern mit dem Thore.
(Ill. Ztg. Nr. 1302.)
63) In +Prag+ ist an dem Hause Nr. 351 in der Bethlehemsgasse, wo vor mehr als fünfthalbhundert Jahren +Johann Huß+ wohnte, eine marmorne +Denktafel+ mit bezüglicher Inschrift angebracht worden.
(Dies. Nr. 1300.)
64) Das Genfer National-Institut hat die historische Monographie „+Ueber den Ursprung der schweizerischen Eidgenossenschaft+“ von Jul. Hugo Hungerbühler aus St. Gallen, z. Z. Cand. jur. in Heidelberg, mit dem ersten Preise von 600 Frcs. gekrönt und dieser französisch geschriebenen Concursarbeit die Ehre des Druckes in seinen Annalen zuerkannt.
(Dies. Nr. 1298.)
65) Den +Nürnbergern+ haben wir -- schreiben die Schles. Provinzialbl. in ihrem Märzheft -- einen Landsmann namhaft zu machen, der hier (in +Breslau+) begraben ist und ein ungemein trefflich gearbeitetes Denkmal von feinem Sandstein auf der Wetterseite des Domes besitzt. Es stellt die so beliebte „Gregoriusmesse“ dar. Der Stifter kniet rechts und hat als Wappen auf spätgothischem Schilde einen gekrönten Vogel. Erdmann (Beschreibung des Domes, 22) konnte die saubere Minuskelschrift nicht lesen, sie lautet: Anno do’ 1506 am obent erhebunge des heiligen creuczis ist gestorben der Erbar +Hans Steger+ seidenhefter von Nornberg alhy begraben dem got genedig sey.
66) Zu +Trier+ ist in einem Grundstücke zwischen dem Neu- und Brückenthore, wo die Gebrüder Schloß ein Magazingebäude aufführen lassen, ein +römisches Bauwerk aufgefunden+ worden, das unter Anderm noch unbeschädigten Wandverputz mit gemalten Figuren zeigt. Domkanonikus v. Wilmovsky hat von diesem Funde genauen Vormerk genommen und einzelne Theile der Wandbekleidung in Verwahrung gebracht.
(Ill. Ztg. Nr. 1300.)
67) Bei den Ausgrabungen in einem Thurm des Römercastells +Osterburken+ hat der Mannheimer Alterthumsverein unter andern Anticaglien, Waffenüberresten, chirurgischen Instrumenten, Schlüsseln, einer Münze von Commodus u. s. f. einen merkwürdigen +Inschriftstein gefunden+. Er gehört der dritten aquitanischen Cohorte, die von Philippus Arabs oder ihm zu Ehren den Namen Philippina trug, und ist ihrem Genius gewidmet. Die Inschrift der offenbar in der Mauer angebrachten Arula lautet: GENIO OPT · COH · III · AQVIT · PHILIPPI ANAE· Es ist dies unter Anderm auch ein neues Indicium, daß das Castell bald nach Philipp, bis zu welchem bis jetzt die Münzfunde reichen, zerstört worden sei.
(Ill. Ztg. Nr. 1302.)
68) Wie bereits im Anzeiger erwähnt, hat die +Nachlassenschaft+ der nunmehr auch in +Nürnberg+ aufgelösten +Handwerkszünfte+ und +Innungen+ ein verschiedenartiges Schicksal gehabt. Die meisten dieser Verbände haben doch die größten Theils durch ihr Alter oder durch Kunst werthvollen Andenken ihres einstigen Bestandes auf entsprechende Weise, entweder im städtischen oder im germanischen Museum, der Nachwelt zu erhalten vorgezogen; andere haben sie durch Verkauf für den Augenblick nutzbar gemacht, so die Goldschmiede, welche zugleich mit die interessantesten Gegenstände besaßen und diese am 18. Mai zur Versteigerung gebracht haben. Eine Legende des h. Eligius, Pergamenthandschrift von 1283 mit Initialen, kam auf 305 fl., ein Brief Martin Luthers an die Innung auf 151 fl. Der schöne, dem Wenzel Jamnitzer zugeschriebene Silberpokal gieng zu 750 fl. an den Antiquar Pickert in Nürnberg über.
Mittheilungen.
Es wird gewünscht, für den Hochaltar der in Restauration begriffenen, sehr alten (Mitte des 14. Jahrh.) und in Conception und Detailbildung besonders edlen, schönen Kirche zu Pestlin einen +alten+, geschnitzten +gothischen Altarschrein+ zu erwerben. Da solche Altarschreine noch in vielen Kirchen meist sehr vernachlässigt, fast immer unbenutzt und selten beachtet sich finden, erlaube ich mir an die betreffenden geehrten Kirchen-Vorstände die ergebenste Bitte zu richten, gefälligst mich benachrichtigen zu wollen, wo ein solcher Altaraufsatz sich findet, welcher +zu besagtem Zwecke+ zu verwerthen wäre, damit er, würdig restauriert (was freilich sehr theuer ist), wieder zu Ehren komme und zum Schmuck des an sich schönen Kirchengebäudes und zur Verherrlichung des Gottesdienstes in demselben beitragen könne. Falls man besorgt, daß die hohen Behörden in eine solche Translocierung nicht willigen würden, so übernehme ich es, die Erlaubniß dazu auszuwirken.
+Pestlin+ bei Stuhm, den 7. Mai 1868.
R. +Bergau+
Rübezahl. Der Schles. Provinzialbl. 72., d. n. F. 7. Jahrg., 3. Heft.
Diese alte Zeitschrift entwickelt sich in ihrem neuen Gewande rasch zu immer weiterer Vollkommenheit. Die Ausstattung durch Abbildungen gewährt ihr einen neuen Reiz, dessen man in der Gegenwart nur ungern noch entbehrt. Gleich auf der ersten Seite macht die Grabkapelle des Grafen Brandenburg in Domanze einen freundlichen Eindruck; beigegeben ist der Beschreibung eine kurze Lebens- und Charakterschilderung des einer trüben Zeit zum Opfer gefallenen Staatsmannes. Auch die ausführliche Biographie des verstorbenen Professors Haase, verdient Aufmerksamkeit; seinem wohlgetroffenen Bildnisse ist eine zweite kleine Skizze beigegeben, welche ihn in seinem Costüme auf dem Kriegsschauplatze zeigt, nebst Facsimile seiner Handschrift. Von einer spannenden Novelle „Das Bild“ steht der Schluß für das folgende Heft in Aussicht. Durch 2 hübsche Bilder ist die „Schlesische Bauerntracht“ illustrirt. Die „Rechtsdeduction in Sachen der Breslauer Verbindungsbahn“ macht einen wichtigen noch unerwähnten Umstand geltend. Wir erwähnen ferner: Geschichte und Beschreibung des Breslauer „Bethanien“ (Abbildung dazu im vorigen Hefte). Geschichte des Gleiwitzer Turn- und Rettungvereins. Tättowirte Schlesier. Ungedruckte Gedichte Hoffmann’s v. Fallersleben (zu dessen 70. Geburtstage). Endlich eine Masse von kürzeren Artikeln und Notizen jeder Gattung: Blumenlese, Räthsel, Fragen und Anregungen, Aufzeichnungen aller Vorgänge in Literatur, Kunst, Theater, Tagesgeschichte, Handel und Gewerbe, Wohlthätigkeit, Todesfällen u. a. Personalien u. s. w.
P. F. V.
Von dem durchlaucht. Herrn Verfasser der Monographie: „+Das heraldische Pelzwerk+“ ist uns eine Partie gedruckter Berichtigungen und Nachträge (S. 67 u. 68 derselben) zur Verfügung gestellt worden, welche wir unseren verehrten Lesern, die diese Abhandlung bereits besitzen, gratis, soweit die Exemplare reichen, mit der nächsten Nummer unserer Zeitschrift zusenden können, wenn dieselben bei der Buchhandlung oder dem Postamte, durch welche sie das Blatt beziehen, diesen Nachtrag bestellen.
Die Redaction.
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
ANZEIGER
FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Fünfzehnter Jahrgang.
=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuß oder 2 Thlr. preuß.
Für _Frankreich_ abonniert man in Straßburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. +Brockhaus+ in Leipzig, befördert.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1868. Nº 7. Juli.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Sphragistische Aphorismen[88].
XI.
In meiner Monographie über das heraldische Pelzwerk (S. 21) habe ich die Ansicht ausgesprochen, daß die Decken des Hirsches auf dem hier abgebildeten Siegel IV, C. des Werner von Meding, Marschalls von Lüneburg, v. J. 1307[89], wol als „von Pelz“ zu blasonnieren sein dürften. Da Bedenken gegen diese, bis jetzt allerdings nur hypothetische Blasonnierung, namentlich von meinem gelehrten Freunde Grotefend, dessen gütiger Mittheilung ich dieses, sowie das folgende und die zwei Campe-Bodendik’schen Siegel verdanke, erhoben worden sind, so erlaube ich mir, zur weiteren Unterstützung meiner Ansicht und als einen Beitrag zur endlichen Lösung dieser Frage einige Bemerkungen hier nachzutragen.
Meine Ansicht beruht hauptsächlich auf dem Umstande, daß, wie ich durch weitere Beispiele nachweisen werde, auf norddeutschen Siegeln[90] bisweilen Thiere vorkommen mit Decken, auf welchen (wie dies auf den Pferdedecken im Mittelalter allgemeine Sitte war) das +Wappen+ ihres Besitzers abgebildet ist. Von diesen Thieren auf Siegeln wird wol schwer oder kaum nachzuweisen sein, ob sie ursprünglich ein Theil des eigentlichen (heraldischen) +Wappenbildes+, oder ein wirkliches, ein symbolisches oder ein redendes (sphragistisches) +Siegelbild+ und somit nur der Träger des Wappens waren.
Die Zeichnung der Decke des Hirsches auf unserem Siegel kann ich nun in keine andere Verbindung mit den Meding’schen +Wappen+ bringen, als mit dem untern Theile des folgenden.
XII.
[Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 Werner’s von Meding, („juvenis“, in der Urkunde nennt er sich „junior“) v. J. 1308[91] (s. Sp. 219).
Daß wir es hier mit heraldischem Pelz zu thun haben, der häufig zu jener Zeit in der Sp. 219 abgebildeten eckigen Form vorkommt, scheint mir nicht zweifelhaft[92]. Auf den Umstand, daß auf einem [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 Werner’s von Meding, („famuli“) v. J. 1320[93] die Zeichnung auf der Decke den gewöhnlichens heraldischen Pelzmustern weniger entspricht, lege ich ein geringeres Gewicht, weil bekanntlich im Laufe der Zeit, ja oft sogar weniger Jahre, bis zur Unkenntlichkeit gesteigerte willkürliche Metamorphosen mit so vielen (ursprünglich einfachen und deutlichen) Wappenbildern vorgenommen worden sind.
Beispiele von Wappendecken und zwar ganz ähnliche, auch auf einem Hirsch, liefern die Siegel des Geschlechts der Herrn von Campe[94].
XIII.
Das [Symbol: Schild] Siegel IV, A. 1 des Truchsess Anno von Bodendik, mit der Legende: Sigillum Annonis dapiferi ducis de Brunswic, von c. 1258, zeigt uns einen solchen Hirsch mit dem +Wappen+ auf seiner Decke.
XIV.
Das Wappen selbst sehen wir hier auf dem Siegel IV, A. 2 des von Bodendik[95] v. J. 1338.
F.-K.
(Schluß folgt.)
Auszüge aus den Wertheimer Inventaren des 16. und 17. Jahrhunderts[96].
I. Baarschaft, Silbergeschmeide und Waffen, welche Hans Kallenbach, Gräflich Werthheimischer Rentmeister, 1587 hinterlassen.