Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.

Part 24

Chapter 243,259 wordsPublic domain

Die fortwährenden Ruhestörungen jener Tage veranlaßten die Bildung jener +Einung+, die König Wenzel bezüglich der Städte und Landschaften Eger und Elbogen mit den benachbarten Fürsten, als den Herzogen von Baiern, den Markgrafen von Meißen, dem Grafen von Schwarzburg, dem Abt von Waldsassen, der Landgräfin von Leuchtenberg u. A. am 13. April 1412 schloß zum gegenseitigen Schutze gegen Räubereien, Mord und Brand aller Art[80]. Sehr beachtenswerth ist der Umstand, daß der Burggraf unter den Mitgliedern der +Einung+ nicht erscheint, und es dürfte aus dem Nachfolgenden ersichtlich werden, weshalb er der Einung füglich nicht beitreten konnte.

Der Artikel des Einungsbriefes: „Gewuͤnne man aber sloße ader hoͤfe, die scholde man brechen, vnd was guter czu den sloßen ader hoͤfen gehoͤren, die schulin dem, in des herscheft sie gelegen weren, denn bleiben“ -- sollte bald gegen die Forster Anwendung finden. Diese begaben sich nämlich unter den Schutz des Burggrafen von Nürnberg und setzten ihre Gewaltthaten fort. Da wurde die Exekution gegen sie aufgeboten, und die Contingente der Herren und Städte der Einung, die Egerer obenan, zogen in ansehnlicher Stärke vor Neuhaus, das nun alles Ernstes belagert wurde[81]. So von allen Seiten bedrängt, kamen die Forster der Erstürmung zuvor, indem sie mit den Belagerern in Unterhandlung traten. Es wurde endlich festgesetzt, daß die Forster ihr Schloß Neuhaus mit allen Rechten und Zugehörungen der Einung gegen 4000 fr. abtreten und einen Urfehdebrief ausstellen. Dagegen sollen ihre Schuldbriefe von König Wenzel dem Rathe der Einung vorgelegt werden, dessen Ausspruche sie sich zu fügen hätten. Das Schloß wurde geschleift, die Burgstelle aber sammt deren Zugehörungen übergab König Wenzel gegen Erlag der 4000 fr. den Bürgern der Stadt Eger mit der Bestimmung, daß das Schloß nicht mehr aufgebaut werden solle[82]. Mit den 4000 fr. glaubten die Egerer sich -- obwohl theuer genug -- Ruhe erkauft zu haben.

II.

Mit der Schleifung des Schlosses Neuhaus endet nur der erste Akt dieses seltsamen Schauspiels. Die Fortsetzung ließ nicht lange auf sich warten, da die Forster an den Egerern wegen der Zerstörung von Neuhaus Rache nehmen wollten. Sie begaben sich nun vollends unter die Herrschaft des Burggrafen von Nürnberg und verkauften ihm ihre Güter zu +Selb+ und +Weißenbach+, die ihnen der Burggraf als Mannlehen wieder verlieh. Da diese Orte zum +Egerlande+ gehörten, so war dies ein offenbarer Eingriff in das Egersche Stadt- und Landrecht, welches jedwede Güterveräußerung aus dem Lande verbot. Vergebens suchten die Egerer diesen Kauf zu hintertreiben, der Burggraf behielt, was er einmal in Besitz genommen hatte, ja, er machte Ansprüche auf einzelne Güter, die früher zum Schlosse Neuhaus gehört hatten, und zürnte den Egerern noch obendrein, daß sie dem Könige davon Anzeige gemacht. Daher ließ er es gern geschehen, daß +Nickel+, +Wilhelm+, +Heinrich+ und +Caspar Forster+, vier der angesehensten Bürger von Eger, nämlich +Erhard+ und +Sigmund Rudusch+, +Albrecht Frankengrüner+ und +Rüdiger Junckher+, unter nichtigen Vorwänden vor das kaiserliche +Landgericht des Burggrafen von Nürnberg+, damals zu +Fürth+, kämpflich vorforderten. Dies widersprach den Rechten und Freiheiten der Bürger von Eger, welche nach ihrem von K. Rudolf 1279 bestätigten Stadtrechte von Niemand zum Zweikampfe gefordert und nach einem Privilegium K. Albrechts v. J. 1305 vor kein Gericht außerhalb ihrer Stadt gezogen werden sollten[83]. Daher verbot ihnen auch König Wenzel, an den sie sich um Hülfe gewendet hatten, vor dem Landgerichte zu Fürth zu erscheinen, und suchte diese Angelegenheit vor seinen Richterstuhl zu ziehen. Aber dem wurde keine Folge gegeben, sondern der Burggraf ließ durch seinen Landrichter über die genannten Bürger von Eger in deren Abwesenheit das Urtheil sprechen und sie in die Reichsacht erklären. Die Egerer riefen nach allen Seiten um Hülfe. Aber das Einschreiten König Wenzels hatte nicht den gewünschten Erfolg, indem sein Aufruf an die gesammten Reichsstände, um den Burggrafen zur Abstellung der Procedur gegen die Egerer zu vermögen, nur eine zeitweilige Aufhebung der Acht erwirken konnte. Auf eine direkte Aufforderung König Wenzels antwortete der Burggraf am 3. Okt. 1413 mit einer Berufung auf die unbeschränkte Freiheit des kaiserlichen Gerichts unter spezieller Hinweisung auf ein Privileg Kaiser Karls IV., aus welchem er folgende Stelle citiert: „Wer auch, das wir ader dhein vnser vorfarn an dem reiche keinem ffursten, grafen, hern, freyen dinstmannen, rittern oder knechten, steten oder mergkten, clostern oder ymanden anders sulche gnade recht oder freiheit geben hetten oder noch geben wurden, domit der egenannte burcgraffe zu Nuremberg, jrr erben vnd nachkomen herschafft ader landgerichte zu Nurembergk gekrencket ader geswecht mochten werden, das schol wider disen briff kein macht noch krafft haben noch gewynnen in dheinweis“ etc. Auch des Burggrafen Bruder +Friedrich+, Verweser der Mark Brandenburg, konnte nicht mehr als Aufschub bis zu einer persönlichen Rücksprache erlangen[84]. Da sich aber seine Ankunft bedeutend verzögerte, so brachte es sein Abgesandter, Propst Petrus von Langenzenn dahin, daß auf den 21. Oktober ein Tag nach +Culmbach+ angesetzt wurde, wo die Streitigkeiten zwischen dem Burggrafen und den Forstern einerseits und den Bürgern von Eger anderseits in Güte geschlichtet werden sollten. Die von Feiltsch erhielten den Auftrag, die Egerer nach Culmbach zu geleiten. Jene vier nahmen aber billig Anstand, persönlich in Culmbach zu erscheinen, sondern es wurden vom Rathe von Eger zwei Bevollmächtigte in der Person des Rathsherrn Michel Puchelberger und des Schöffen Niklas Wundsam abgesendet. Aber auch hier gelangte man zu keinem Resultate; denn schon am 24. Okt. ließen die Bevollmächtigten in Nürnberg eine große Berufungsschrift an -- den +Papst+ verfassen, und Puchelberger übernahm es auf den Rath seines Rechtsfreundes, dieselbe persönlich -- da keine Zeit zu verlieren war, und er ohnehin schon eine Beglaubigung besaß -- in Rom zu überreichen[85]. Da ertheilte der Papst +Johann XXIII+. am 26. Dez. d. J. dem Bischofe von Regensburg den Auftrag, die schwebende Angelegenheit zwischen den Bürgern von Eger und den Forstern zu untersuchen und die Entscheidung zu fällen. Damit scheint jedoch die Gegenpartei nicht einverstanden gewesen zu sein, sondern die Sache wurde erst am 18. März 1416 von +Konrad Truchseß von Pommersfelden+, des Burggrafen Johann Hofmarschall, auf den beide Theile compromittierten, dahin entschieden, daß die Vorladungsbriefe zum Landgerichte außer Kraft gesetzt werden und beide Parteien hiemit ausgesöhnt sein sollen.

Dies der Verlauf dieser interessanten Begebenheiten, soweit er sich aus den Quellen des Egerer Stadtarchivs herstellen läßt. +Scherber+ (Bayreuthische Vaterlands-Geschichte I, S. 188 f.) und +Pelzel+ (König Wenzel II, S. 623 f.) geben aus Mangel an einschlägigem Material nur Bruchstücke. --

+Eger.+

+Dr. Franz Kürschner.+

Beiträge zur Sprichwörterliteratur.

Wie bedeutend die Kenntniß der älteren deutschen Sprichwörterliteratur seit den Arbeiten von Nopitsch -- 1822. 1833. -- gewachsen ist, zeigen viele Arbeiten der Neuzeit in diesem Literaturzweige. Zu den hierbei bisher schwerlich bemerkten Schriften gehören die nachstehend beschriebenen.

„Catechesis oder vnderricht, für die klainen vnd großen kinder, nach dem brauch der Christlichen kirchen zů Haylprun̄...“ Auf dem in einem Holzschnitte eingefaßten Titel und in der vom 27. des Weynmonats 1530 datierten Vorrede ist „Caspar Gretter Gundelßhaymer, Schůlmayster“ als Verfasser genannt. Gretter oder Gräter war später Hofprediger des Herzogs Ulrich von Württemberg. (Vgl. auch Gödeke’s Grundriß, I, 237, 67.) Das Buch enthält in 8^o 64 ungez. Bl., Sign. A-H., das letzte Blatt leer. Die letzten drei Blätter enthalten der Angabe nach Sprichwörter unter folgender Ueberschrift: „Damit kain Bletlin leer bleyb an disem Büchlin, hab ich auch den Jungen zů gefallen, Ettliche gemaine vnnd breuchliche Sprüchwörtlin auß den Weysen Männern verteutscht vnd hinzů gesetzt, bittend, mein trewen fleyß vnd gůtwillig hertz im besten zů erkennen vnd anzůnemen.“

Bei der geringen Zahl der Sprüche und der anscheinend sehr freien Uebertragung wird die Quelle der Sprüche schwierig zu ermitteln sein. Vielleicht führt eine genauere Vergleichung von „Das buch von dem leben vnd sitten der heydnischen maister“ (vgl. Panzer, Annalen, Bd. 1, S. 186), oder noch eher von dem Sebastian Franck’schen: „SIben weisen in Grecia berümpt“ (vgl. Weller, Annalen Bd. 2, S. 303) auf die Quelle. Die wenigen bemerkenswertheren Sprüche sind:

Vbermůt, thet nye gůt. Hoͤre vil, vnd red wenig. Seye nitt Richter zwischen den Freünden. Dann zwischen thür vnd angel zerklempt man die Hend gern. Laß die zung nit schneller sein, dann das gemüet. Gehe zů kaim radt, du werdest dann berůffen. Frey nach deins gleychen, damit du nitt Herren für schwäger überkommest.

Eine größere Sammlung von deutschen Sprichwörtern ist von S. 75 bis 112 enthalten in:

„Nova GRAMMATICA Linguae Germanicae .... Oder Neue Teutsche Sprach-Kunst, .. durch GEORGIUM BARENIUM. Nebst beygefügten Büchlein, darin über tausend Teutsche Sprichwörter, sinnreiche Redens-Arten und Reime enthalten ... Nordköping, .. 1707.“ 8^o. -- Die Sprichwörter sind je nach dem ersten Worte alphabetisch geordnet. -- Die Mehrzahl bilden die in vielen Sammlungen gewöhnlich wiederkehrenden Sprichwörter und Redensarten. Einige mögen hier hervorgehoben werden:

Alte Eier, alte Freier, und ein alter Gaul, sein gemeinlich faul. Angenomne Weise zergehet gleich dem Eise. Auge, Glaube, Glimpf, leiden keinen Schimpf. Bad, Wein und Weiber erkwicken unsre Leiber. Bad, Wein und Weiber verderben unsre Leiber. Bei Lahmen lernt man hinken, Bei Säufern lernt man trinken. Blasen zweie in ein Horn, ist der dritte Mann verlorn. Böses kommet hergeritten, Gehet aber weg mit Schritten. Er hat den Scham-Hut abgezogen. Er ist und bleibt ein Narr, wenn Gott sein Vater wär. Geschwinde zum Hute, und langsam zu dem Beutel. Herrenfeuer wärmt und brennet. Laß die Leute reden, Gänse könnens nicht. Naidhart böser Art. Pfeffer, Kappe, Kalk decken manchen Schalk. Priester sollen beten, Fürsten uns vertreten, Bauren sollen geten. Rauch vertreibt die Bienen, Sünde die Engel. Reiche steckt man in die Tasche, Arme sezt man in die Asche. Reuling wird dich beissen. Schickt einer nach Pariß den Esel an Geberden, Ist er ein Esel hie, wird dort kein Pferd draus werden. Sendegut, Schendegut. Sparmund und Nehrhand kauffen fremdes Land. Stockfisch, Esel, Weiber, Nuß, man zum guten schlagen muß. Traue keinem Judas Kusse, fremden Hund und Pferde-Fusse. Vorhin prächtig, itzt verächtig.

In der Vorrede ist das durch Göthe beliebt gewordene: „Gold’ne Aepfel in silbernen Schalen“ -- nach der Luther’schen Bibelübersetzung eigentlich „mit silbernen Bildern“ -- benützt. Die Vorrede beginnt: „Nach des weisen Königes Ausspruche, ist ein Wort zu seiner Zeit geredet, wie göldene Aepfel in silbernen Schalen. Solche Worte seien vornemlich die kurtzbündigen Reden und Land üblichen Sprichwörter.“

40 Sprichwörter sind enthalten in:

„Neue Sammlung alter Sprüchwörter .... lebendig vorgestellet in einer Schlittenfahrt von den Herrn Studenten in Freysing den 18. Jänner, Da IM VVInter z’ FreIIsIng aVCh kaLter SChnee VVar .... Freysing...“ 4^o. 4 Bl. -- Beispiele sind:

Angepumpt! wir haben keinen Keller. Der Bart macht den Mann nicht. Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man den Bogen um’s Maul. Nichts Bruder im Spiele. Viel Geschrey, und wenig Ey. Umgekehrt ist auch gefahren. Zu wenig, und zu viel ist aller Narren Ziel.

Unter „drei“ bringt Wander’s Sprichwörterlexikon 69 Sprüche und Redensarten. Eine größere Menge von Sprüchen, welche indessen großen Theils weder als sprichwörtliche Redensarten anzusehen, noch einer andern bestimmten Art der Spruchpoesie zugezählt werden können, enthält eine in meinem Besitze befindliche Handschrift von 24 Blättern, 4^o, mit dem Titel: „Aller güetten ding sollen Drey sein. Ein Khuertzes Tractatl, Von Vrsprung bemeltes Sprichworts mit Inserierung 100 Exempl Sprüch vnd Lehrn thails aus heiliger schrifft. Item von allen gueten Tugenten, in Geist- vnd Weltlichen, Hoch- vnd niedern Ständen, mit fleiß Zusamb getrag.“ Als Verfasser ist in der Widmung Hieronymus Wysing genannt, der in der Grafschaft Tirol lebte. Einige Proben folgen hier:

40. Drei Ding vergleicht des Menschen Leben ist brechlicher als glas eben Denn als der windt sich schnell verwendt Vnd als die Sonn schnell vnd behendt. 52. Drei Ding soln am Richter sein Gotsforcht, weisheit, warheits Lieb fein. 57. Drei Ding halte ein Lehrer frei Vbersehen was zu sagen sei Ansehen was Er sagen wol, merkhen wie uil Er sagen sol. 77. Drei Ding sein zu bezalen khein Zeit gesund Khunst vnd Tugentsambkheit. 78. Drei Ding hindere man nit vil Der gern etwas guets lernen } Der Eelichen vnd Heuraten } wil. Der Puessen vnd bessern sich } 84. Drei neu sach erlustigen gleich neu Khlaid, neu Haus vnd Junges weib. 87. Drei Ding verderben ohne grundt manch weiser Rath ins armen mundt manch schön Holz auf weiter Haid vnd manch schön maidl in schlechtes Khlaid. 90. Drei weg sein zu begreiffen schwer Erstlich des vichs im dieffen mör Des Vogels in dem hohen Lufft Des wurmbs in der Erden grufft. 92. Drei Ding den Augen bschwärlich seind Rauch Sturmwind glückselig feind. 95. Drei sach den Menschen veruolgen thuet Durch der Aduocaten daz guet Der Leib von vnglerten Arzten Die Seel von falschen Theologen. 96. Dises sein drei verlorne werkh Vil gehört vnd wenig gemerkht, Vil gelesen wenig verstanden Vil gejagt wenig gefangen. 97. Drei Ding raizen zum wollust frey weiber Musicanten Gastrei. 98. Drei Safft vns am nötigisten sein Dz wasser Oel vnd auch der wein. 99. Drei schändliche Ding sein furwar feld ohn gras gstreus ohn Laub, Khopf on Har.

Dem Anschein nach, was hier aus Mangel an Hilfsmitteln jetzt nicht näher geprüft werden kann, ist eine größere Reihe von Kupferstichen von Gerardus de Lairesse (geb. 1640 zu Lüttich, † 1711 [1712?] in Amsterdam) vorhanden, welche zum Theil sprichwörtliche Unterschriften enthalten. Von diesen Blättern besitze ich nur die mit nachstehenden Unterschriften versehenen Stücke:

70. Geen Plaets ontbeert haer spie. de steenen krygen ooren. De Lucht krygt tongen, wort s’lands ondergang gezwooren. 71. Dus deerlyk sneuvelde kartagoos koningin. Men schrikke, en wachte zich voor d’ongebonde min. 72. Dus maalt de schrikt geheim op Annaas eerbre kaken. Geen veinzen kan in noot opreghte min verzaken. 73. Des eenen druck, des andern geluck. Corruptio unius generatio alterius 74. Lieven mogen kyven, maer moeten Lieven blyven. Amantium irae amoris integratio est. 75. Die licht gelooft wort licht bedrogen. Qui facile credit facile decipitur.

Im Berliner Kupferstichkabinet im neuen Museum fand ich nur die Blätter Nr. 70 bis 74 und von denselben war nur 71 mit der Zahl versehen, während bei den übrigen die Zahl fehlte -- Herausgeber der Sammlung ist Nicolaus Visscher, der auch noch herausgab: Afbeeldingen der voornaamste Historien, soo van het oude als nieuwe Testament. Amsteldam s. a. -- Unter den Kupferstichen dieser Sammlung sind auch biblische Sprüche, welchen häufig entsprechende lateinische Sprüche der Classiker beigefügt sind, und unter welchen sich auch Sprichwörter finden.

Die Frage in der dreizehnten Lieferung des Wander’schen Sprichwörterlexikons nach der Uebersetzung der Adagia des Erasmus durch Sprengius wird in der zu erwartenden Arbeit des Dr. Suringar in Leyden eine Beantwortung finden. Nach einer gefälligen Mittheilung desselben ist die freie Uebertragung Erasmischer Sprichwörter wahrscheinlich in den Loci communes etc. Basel, 1572 -- Nopitsch S. 205 -- von Sprengius enthalten, der zugleich die alte niederländische Sprichwörtersammlung stark benützte -- Anzeiger 1854, S. 268. -- Die Vorrede dieser Loci communes ist S. A. J. unterzeichnet, also ebenso, wie die bei demselben Verleger 1576 und 1582 erschienenen beiden Ausgaben der: Carminum proverbialium... loci communes; in gratiam juventutis selecti, addita plerumque interpretatione germanica, welche Nopitsch S. 208 -- wol auf Jöcher und also mittelbar auf Thomasius de plagio literario gestützt, -- dem Germberg zuschreibt.

+Landeshut+ in Schlesien.

+A. M. Ottow.+

Die Kirche zu Mühlbach am Neckar

bietet für den Kunst- und Alterthumsfreund manches Anziehende. Das Aeußere derselben zeigt zwar keinen ansprechenden Stil, die ehemaligen Spitzbogenfenster sind in geschmacklose Vierecke verwandelt; dagegen trägt das Innere der Kirche noch vollständig den Charakter der Gothik. Die Fensternischen bestehen aus rohen Spitzbogen; der Chor mit seiner nächsten Umgebung aber ist besonders merkwürdig. Am Choreingang finden wir oben die Jahreszahl 1401, ein Fingerzeig für die Erbauungszeit des Chors, während die Jahreszahl 1501 am westlichen Eingang in das Langhaus die Hindeutung gibt, daß erst ein Jahrhundert später an den Chor das Langhaus angebaut worden war.

Zu beiden Seiten des Eingangs in den Chor und noch vor demselben finden sich zwei Seitenaltäre, die im gothischen Stil ausgeführte und hübsch verzierte Aufsätze haben. Von besonderem Werthe sind die Malereien, welche für Arbeiten des Ulmer Malers Lucas Moser aus Weil gelten, der auch 1431 das Altarwerk in die Kirche zu Tiefenbronn lieferte. Es sind Darstellungen der Geburt und ersten Jugend Jesu. Die äußeren Seiten der Bilderthüren enthalten Holzschnitzereien, die Anrufung der Maria und das Grab Jesu. Ueber dem Spitzbogen des Choreingangs befindet sich eine Nische, in welcher die 12 Apostel in etwa fußhohen Holzschnitz-Figuren aufgestellt sind.

Der Chor selbst enthält einen im Rococcostyl hergerichteten Altar mit einem Crucifix, neben dem Maria und Johannes in Holzfiguren stehen. Zur linken Seite des Altars sieht man ein Sakramentshäuschen, das im reinsten gothischen Stil bis ins Einzelne exact und schön ausgeführt ist.

Der Gang des Langhauses und des Chores ist mit Grabsteinen belegt, deren Inschriften meist nicht mehr zu lesen sind; jedoch ist anzunehmen, daß es Denksteine derer von Gemmingen-Guttenberg sind, welche sich diesen Platz zu ihrer letzten Ruhestätte gewählt hatten. Im Chor befinden sich folgende Gedenktafeln an den Wänden angebracht:

1. für Auguste Benedicte von Gemmingen († 1759); 2. für Philipp von Gemmingen (geb. 1702 † 1785) und Margaretha v. Gemmingen, geb. v. Racknitz († 1784); 3. für Elisabeth v. Hardenberg, geb. v. Gemmingen-Guttenberg († 1767).

Das Innere des Langhauses zeigt sofort dem Eingang gegenüber das sehr kunstvoll gearbeitete Grabmal des Friedrich Christoph von Gemmingen († 1702) mit dem Bilde des Verstorbenen in Lebensgröße. Daneben ist eine einfache Platte für Friedrich Ludwig von Gemmingen († 1766) und eine für Christoph Dietrich v. G. († 1800).

Das merkwürdigste Grabmal ist außerhalb in die Kirchenmauer eingelassen, zur linken Seite des Haupteingangs. Die Mitte des sehr umfangreichen Grabmales zeigt in Haut-relief den eben auferstehenden Christus, wie er den linken Fuß auf eine mit dem Kreuz geschmückte Weltkugel setzt, während der rechte noch im Sarge ist. Unter dem Sarge liegt der Tod, hinter demselben wirft der Satan dem Auferstandenen grimmige Blicke nach. Rechts vom Auferstandenen steht: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden Jo. 16. Von der Hand der Hölle will ich sie lösen, vor dem Tode will ich sie retten. Hos. 13.“; links: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, ob er schon stirbt, und wer da lebt und glaubet an mich, der wird nicht sterben ewiglich. Jo. 11“. -- Unter diesem Bilde des Auferstandenen mit den Sprüchen zeigt das Hauptfeld des Grabmals eine knieende Familie aus 8 Personen, ebenfalls in Haut-relief; rechts der Vater, links die Mutter und in der Mitte der Reihe nach die Kinder, über deren Köpfen auch ihre Namen stehen: Blicker. Gotfried. Michel. Ursula. Ursula. Clara. Darüber steht die Inschrift: „Anno 1550. Diesen seinen geliebten frummen Eltern auch sechs Geschwistern so oben verzeichet und in der Kindheit abgestorben bei inen uf diesen Kirchhof begraben ligen. Herr Jesus Christus du sun Gottes und Heiland der Weld in dein heiligs leiden sterben und ufersteung seczen wir hoffnung unser selickeit verleie uns am leczten dag ein frölich uferstandnus und des ewick leben. Amen“. -- Unter der knieenden Familie stehen die Inschriften: „A. D. 1526 uf den dag decembris starb der edel ernvest Dietrich von Gemmingen bleickers sun ein frumm erlibender gotzforchtiger man, ein libhaber göttlichs Wortz und fürderer evangelischer lutherischer ler“; -- und: „A. D. 1533 uf den... dag... starb die erbar edel dugendreich fraw ursula von nippenburg sein hausfraw in ern zucht und gotsforcht irem hausherrn gantz gleichformich“. -- Ueber dem ganzen Epitaphium aber steht folgende Widmung: „Zu Ern hat Philips von Gem̄. ir leczt lebēder und nach irē Absterbē regierēder Son dis Epitaphiū und Denckzeichen uf gerich. Anno 1550“[86].

Auf dem Kirchhofe, an der Mauer befindet sich eine Marmorplatte für Friederike Dorothea von Gemmingen († 1800).

+Haßmersheim am Neckar.+

+Pfarrer Wirth.+

Zur Geschichte der fahrenden Schüler.

In der Handschrift N. 135 des k. k. g. H. H. u. St. Archivs zu Wien findet sich auf Fol. 68 b die nachstehende Urkunde, welche, wenn auch nur Produkt eines gewandten Spassvogels, gleichwohl nicht unwichtige Anhaltspunkte für die Geschichte des Vagantenthums in den deutsch-österreichischen Ländern bietet. Da dieselbe in der Handschrift, einem Copialbuche des ehemaligen Chorherrenstiftes St. Pölten, zwischen zwei Urkunden vom Mai 1265 und Jänner 1266 steht, wovon die Abschriften gleichzeitig sind, so muß ihre Copierung oder Eintragung in jenes Copialbuch in der dazwischen liegenden Zeit bewerkstelligt worden sein. Sie lautet also: