Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.
Part 16
Ein hillich vater heisch sent magot Der dede kundigen syn gebot Synen orden ind syn gebet Off yemant wer der syn wet Ind syne regel wuolde intfaen In synem orden syn vnderdain Van geckshusen was he genant He was der eyrstwerf den orden vant Die stait van den boiffen orden Dat ich in duytschen worden Wil vertzellen sunder wain Wilt ir hoeren ind wail verstain Den eyrsten broder den he vntfinck Der also sacht in den orden gynck Dat was broder euerhart Dem wart der orden also hart Want he leyt mannichen harden dach Hunger dorst ind vngemach Allet vmb des ordens willen leyt Ich nemen idt wael vp mynen eyt Dat he alle syn leuen lanck Nye vroelichen dach gewant Want alle selicheit was ym dure Sent magot gaf ym auenture Dathe ein here und ein abt is wurden In dem seluen swaren boiffen orden Ind gaf eme die craft Dat he van synre macht In des rychen godes genade Ander broder mochte ouch beraden
Fol. 3^a.
Ind hangen an den habyt He hadde des ordens groissen vlyt Eyn priuilegium he ym gaf Da al der orden was komen af Ind da die regel tzo mail in steit Des was der abt wail gemeit Dat priuilegium bedudet alsus Benedicite dominus. Geselle wuoltu dych bekeren Ind den hilligen orden eren Ind den boiffen orden entfaen So moistu wyslich daer na staen Ind gelouen dat in truwen Dattu mit vreuden ind mit ruwen Den hilligen orden stede tzo halden Ind da by ouch tzo alden Ouch wil ich dir vort sagen Den habyt saltu moissen dragen Nae sent magertz wetz Dat is ein hemde ind ein netz Dat willen wir dyr schencken Dyn cleyder willen wir verdryncken Idt sy peltz rock off wambus Dat moistu aller komen vys Kogelbrvch ind ouch die hosen Dat moistu aller hier laissen Licht vur dē wynde dunne vur dē hagē Alsus moistu dich beiagen Ind alsus in den orden varen Ind dych ouch nyrgens ynne sparen
Fol. 3^b.
Ouch moistu dycke louffen erre Want vnser closter dat is verre Ind vnser dormenter is verbrant Nyrgen nae is he genant Ouch moistu dich ouch dair tzo saissen Alle goide dynge saltu laissen Ind bestain alle affenheit Ind alle goide dinge sullen dir wesen leit Du salt alle boisheit trecken vort Nūmer en saltu sprechen goide wort Vloich swere ind wese vnkuysch Vlys dich tzo vndoegeden ind genuyss Ind wanne du kumps tzo heren houe So halt vast in dynem loue Die genen die in der kuchen syn So wirt dir vleisch broit ind wyn So friß suyf ind bis ein sluch Vur eyn got kiese dyn buich Haue al wege dyn getzyde bald vyss De kuche sy dyn gotzhuyss Metten Prime synck du allein Eyns anderen Jae sy dyn neyn Tercie None ind Deprofundis Lais varen ind rayme des mundes Lais ouch varen dat magnificat Ind mach dich mit den eyrsten sat Pater noster ind ouch den crede Mit den saltu ouch hauen vrede Want sie en hoeren in den orden niet Den sent magot gehalden het
Fol. 4^a.
Lais sy lesen die begynen Ind begyn tzo sorgen ind tzo pynen Ind begyn tzo sorgen al den dach Wie dat gefullet werde dyn krach Nummer en saltu werck bestain Geneire dych mit moissich gain As dich dan hunger besteit Ind dyn buich widder die ribbe sleit Ind is dat dir also ergait Dattu kumbs in ein stat kalt in nat Ind hais dar tzo den clappertzant Ind en hais dar tzo noch gelt noch pant Ind du en hais noch vleisch noch broit Ind hais hunger ind dorst groit Weistu wattu salt dan bestain Vroemlich saltu dyn dynck anfain Ganck umb in dat eirste huys Ind sprech vngeluck vair hervys Ind schudde dyn lodder holt Ind sprich vrauwe dusentvalt So mois vre goit vermeret syn Ir syt so edel ind so rechte fyn Ind van so gaer hoger art Got hait vch seluer bewart Lyef sele got ind ere Is dattu den huys here Nyet in dem huys en vyndes So raeden ich dyr dattu begynnes Van artzedyen tzo sagen Woultu goit ind ere beiagen
Fol. 4^b.
So sprich dattu eyn meister sys Ind sys van kunsten also wys Idt sy dat heuftwe off den redde Die gicht kanstu boesen mede Den huest off den snabelruysch Kanstu allet dat dryuen vys Ouch saltu sie betasten Synt sie vet so heisch sie vasten Sprich du kunnest snyden den steyn Ind dar tzo heilen arm ind beyn Ind wie die suchten synt gelegen Do weistu allet boyse entgegen Hant sie dan heuftsweren Den buychbyss off ander seren Dairaf saltu sie corrigieren Ind eyn sanunge visieren Ind proeuen vmb ein goit woirt Dat saltu dicke trecken voirt Alsus saltu mit yn viseuasen Ind salt yn driwerf in den ars blasen Sy geuen dir wattu heisch Idt sy visch off vleisch Sy geuen dir broit ind gelt Dat nym ind mach dych vp dat felt Danck in sere ind bis vro In dem anderen huse do ouch also Ind versmae grois noch clein Vyndestu anderswie dy mait alleyn Off die dochter van dem huse So treck ein ander kunst heruys
Fol. 5^a.
Sprich dattu ein waerseger sys Ind sys verdreuen van parys Ind hais waersagen geleirt Ind sys daer van wael sere vermeirt Wyden ind syden in dat lant Es sy in dem vuyre off in der hant In dem spigel off anderswae Gelych wail ich michs verstae Ouch kan ich ander meisterie Ind schaffen eynen vrye Wae magde ind knaben weren Ich nemen tzo hulpen vnsen heren Ind wolde idt mit worden daer tzo bringen Dat sy were in den dyngen Alle syns willen dat is wair Idt sy heymlich off offenwair Hedde ouch ein maget ein bolen vtverkoren Als dat sie den magdum het verloren Ind wer gesprongen ouer dat seyl Dat kan ich allet machen heil Die eyn saltu kruyt leren suiffen Die ander baden in der kuiffen Der derden laissen an dem enkel An dem arm ind an dem schenckel An den voissen off an der hant Alsus wurstu al vmb wael bekant Ind vur ein meister gehalden Beyde van iungen ind van alden So louff dan in dat wynhuys Do mach dyn wort also kruys
Fol. 5^b.
Dae vinstu ritter ind knauen Dae vinstu leyen ind paffen Dae saltu auer nuwe begynnen Van wiedspiel ind van mynnen Van weidspiel ind van iagen Dair van saltu syngen ind sagen Van vogelen ind van hunden Van torneien ind van tafelrunden Van rennen ind van ryden Van schirmen ind van stryden Ind van anderen behegelichen dyngen Dair aff saltu sagen ind syngen Gyfft dir yemant goit off ere Dat nym ind bedanck dich sere Es sy gelt off wyn Dat brenge dae die gesellen syn Ind bewair dyn dynck mit eren Dat dir idt niemant moege verkeren Want alle die in dem orden syn Die brengen al ir beiach by dat dyn Es sy ouch klein off groit Pletzer wurst vleisch off broit Es gyft vrende tzer vart Ind guyss des wyns in dynen bart Ind tast mit tzo hyn ind her Idt sal noch betzalen der Der is niet burge wolde wesen As men tzo reuenter hait gelesen So saltu besitzen der rechter boiffen wet Ind setzen dich by dat dobbelbret
Fol. 6^a.
Ind werpen al vmb ein kanse Idt wirt ein hasert off ein schantze Kanstu dan vurdel vp dem steine Dattu werfes vil kansen off eyne So machstu lychtlich goit gewinnen Is dat die steine also rennen Dat dich dat spiel duncket verloren Sprinck vp ind mach eynen tzorn Ind sprich ir boiffen die steyne syn valsch Ind slach ir eynen an den hals An dat heuft ind anderswae Du vindest leichte eynen dae Der sich des ordens wael versteit Ind dich widder dyn oir sleit Off he nympt eyn wyn kan Ind absoluirt dich van dem bann Ind deit dyr recht broderschaff Ind nympt dir al dyn leyt aff Ind gyft dyr vp mit vlissen Dat dich die vloe niet en byssen. Wandt idt hoert den broederen tzo Tzo allen tzyden idt sy spade off vroe Hude broder morgen geslagen Al sulchen orden sullen die heren dragen Als wir vch alsus vinden rein corrigiret Ind van den sunden absoluiret Vch lust tzo dryncken vil de bass Als vch dat bloet leufft vmb den hals Weistu wattu dan salt doin Du salt werffen vmb ein nuwe soyn
Fol. 6^b.
Vmb peys ind vmb vrede Dat vuer eyn den anderen bede Ind gelouen by vren eyden Vre ein van dem anderen nyet tzo scheiden Ind sytzen weder neder vp die stat Ind dryncket ouch des wyns sat Ind solt dat also volbringen Mit drincken ind mit syngen Als idt in vre regel steit So wilch man gelt off cleit Mit eyme slaiffen dreyt En helt niet des ordens eyt Ind is vys syme orden getreden Dair vmb sage ich vch mit kurtzen reden Haistu dan gelt off pant Des mach dich quyt tzo hant Ind behalt des ordens recht Woultu syn ein getruwer knecht Ind ein gehorsam broder So en halt rock noch voider Broich hosen noch lappen Du setzes idt allet vur den tzappen As du drinckes ouch also Dat alle dyn lyf is gantz vro Ind dich dan der slaiff besteit Ind dyn tzunge vp trippen geit Ind du weres geren tzo rasten Ind beginst al vmb dich tzo tasten En mach dir niet geuallen bass So kruyf in eyn vass
Fol. 7^a.
Bis vro ind kruyf balde dair in Ind sprech me noch mynne Want vns die bedde syn dure So willen wir louffen in ein schuyre Jae iae boiffen orden got ere dich Leuen ich lange ich meren dich So gain ich in ein wyn huys Hain ich idt dat mois her vyss So gaint die stein vp dem brede Ind sagent mir ein nuwe rede Setz dych neder geselle myn Ind trecke vyss die cleider dyn Want der wurffel hait den art Dat he van rechter vart Nie goit en gewart
Hye endet der boiffen orden und etzlige broder des seluen Ordens stain genoempt mit namen ind tzonamen als hernae volghen wirt
Fol. 7^b.
Hyr nae volgen die Namen der broder.
(Folgt der nämliche Holzschnitt, welcher schon auf dem Titel steht.)
Fol. 8^a.
Dyt syn die namen der broder dye tzo der tzeyt in dem orden waeren:
Setzwurffel Clopkyste Kyicker durch den gaden
Fotzen huet Tzyt verliess Duldendey Quincquanck Krauen schenckel Ruymschottel Lantschade Hundes quaste Droech potgyn Ruyme die kyste Suyme dich niet Quait vasel Nummer goit Galgen cloppel Seyl meysigyn Sleinerbeck Luntres der alt Stapelgeck Selden reyn der iunge Slabbert der alt Fuet heinrichen Her anteschmyt Her hoden sack Schnyden wynt Galgen swengell
Ind vort vil rechlicher gesellen der namen mir tzo vil wer tzo tzelen want ir syn vil boues maisse Dat yr eyn den anderen niet en kan geruymen die straissen.
Explicit caluerstertz der Hunt hait die blase en wech.
Maria hoichgeboren ind moder der barmhertzycheit bedenck dye armen broder dat Sy nummer werden verloren Want sye lyden vp erden so groysse smaecheit ynd spot des lais Sy geniessen barmhertziger ewiger got Amen.
+Fol. 8^b.+ (Buchdruckerzeichen.)
+Haag.+ M. J. A. G. +Campbell+, zweiter Bibliothekar bei der königl. Bibliothek.
=Einige Leuchter für den Profangebrauch=, +in den Sammlungen des germanischen Museums+.
In Nr. 12 des vorigen Jahrganges sind einige Leuchter aus den Sammlungen des germanischen Museums abgebildet, die theils sicher, theils wahrscheinlich dem kirchlichen Gebrauche angehörten und daher in unsern Sammlungen unter die kirchlichen Alterthümer eingereiht sind. Wir haben dort nur diejenigen beschreiben zu müssen geglaubt, die in Original sich in unsern Sammlungen befinden, ohne auf die reichhaltige Sammlung von Abgüssen einzugehen, in denen sich der Entwickelungsgang leicht verfolgen läßt, da solche als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Diesen Leuchtern nun lassen wir hier einige folgen, die sich in der Sammlung profaner Gebrauchsgegenstände finden, glauben jedoch, da dergleichen aus älterer Zeit verhältnißmäßig selten sind, auch auf einige Abgüsse interessanter Originale eingehen zu sollen. Der älteste, dessen wir zu erwähnen haben (Fig. 1), zeigt einen einfachen Dorn auf einem aus romanischem Blattwerk gebildeten dreiseitigen Fuße. Die Arbeit ist handwerksmäßig roh. Er dürfte dem 13. Jahrh. entstammen; das Original ist in Sigmaringen. Das älteste Original unserer Sammlung ist ähnlich; es zeigt einen umgestürzten sechsblätterigen Blumenkelch, oben abgeflacht und mit einem Dorn versehen, um den sich ein Wachskerzchen wand (Fig. 2). Dieser Leuchter ist von Kupfer, mit Emailschmuck ausgestattet, und war ehemals vergoldet. Er gehört schon dem 14. Jahrh. an. Ein ähnlicher, etwas größerer Leuchter aus dem 14. Jahrh. findet sich in der k. k. Ambraser-Sammlung in Wien. (Photographie im german. Museum.) Eine weitere Leuchterform des 14. Jahrhunderts, die nicht selten gewesen zu sein scheint, ist im german. Museum nur durch ein Bruchstück vertreten; ein Abguß eines ganzen Leuchters, der sich im bayerischen Nationalmuseum in München befindet, erklärt jedoch das Bruchstück hinreichend. Es stellt einen Mann (Fig. 3) in engen Beinkleidern, kurzer um die Hüfte gegürteter Tunica mit weiten Aermeln dar, der auf den ausgespreizten Armen zwei Kerzenhülsen trägt und auf einer dreifüßigen Platte steht. Wir bilden nicht unser Bruchstück, sondern den Leuchter des bayerischen Museums in München ab, da noch vielseitig ähnliche Bruchstücke als heidnische Götzen gelten. Klemm hat in einer der früheren Ausgaben seines Werkes solche Figuren (ohne Untersatz und Lichthülsen) für altgermanisch gehalten, und das germanische Museum besitzt einige Abgüsse von solchen Figuren aus dem böhmischen Museum in Prag, die, mit heidnischen Götzennamen versehen, als slavische Idole galten, bei uns jedoch unter die Leuchter des 14. Jahrhunderts eingereiht sind. Die Abbildung des vollständigen zweiarmigen Leuchters wird jedoch hoffentlich jeden Zweifel lösen, der noch da und dort bestehen sollte.
Aus dem 15. Jahrhunderte besitzt das Museum zwei sehr hübsche Leuchter aus Eisen. Der eine ist klein, für eine Kerze bestimmt, die durch eine Feder in der hohen Hülse festgehalten wird. Wir haben in diesem nur 4″ 2‴ hohen Leuchterchen, das schon ganz an die für Talgkerzen gebrauchten Leuchter unseres Jahrhunderts erinnert, offenbar den Leuchter der einfachen bürgerlichen Haushaltung (Fig. 4), während der Leuchter Fig. 5, für vier Wachskerzen berechnet, in höheren Kreisen der Gesellschaft seine Dienste leistete. Ein Messingleuchter in Gestalt eines Drachen (Fig. 6) erinnert an die romanischen Drachenleuchter, steht aber auf der Grenzscheide des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Kerzenhülse stammt von einem andern Leuchter her und ist zur Erklärung, da sie gerade paßt, hier aufgesetzt. Zwei ziemlich einfache, zweiarmige Eisenleuchter gehören dem 16. Jahrh. an. Es schien nicht nöthig, sie hier abzubilden. Ein Landsknecht des 16. Jahrh., der ehemals zwei Kerzen auf den ausgestreckten Armen trug und auf einem runden Untersatze steht, ist eine Reproduktion des Gedankens, den schon Fig. 3 gibt. Da die Figur des Landsknechtes sehr charakteristisch ist, so glauben wir, sie hier abbilden zu sollen (Fig. 7). Drei verschiedene eiserne Leuchter, die dem 16. und 17. Jahrh. angehören, dienten, wie Fig. 1 und 2, zur Festhaltung dünner Wachskerzchen, die jedoch in eine scheerenartige Federvorrichtung eingeklemmt waren. Einer davon ist in Fig. 8 abgebildet. Zum Schlusse geben wir in Fig. 9 und 10 zwei Leuchter aus dem 16. und 17. Jahrh. als Probe schöner Eisenarbeit. Fig. 9 ist so eingerichtet, daß die Kerzenhülse nebst dem Behälter für Tropfwachs sich auf- und abschieben läßt; ohne Zweifel befand sich eine zweite solche Kerzenhülse neben der ersten. Fig. 10 hat, wie Fig. 4, eine Federvorrichtung, welche die Talgkerze in der Hülse festzuhalten hat. Er hat unten sein Tropfbrett; die Verzierungen, welche den Charakter der Renaissance tragen, sind frei und leicht und zeigen ungemeine Handfertigkeit. Zwei ähnliche, etwas einfachere und vielleicht etwas jüngere Leuchter sind im Besitze des Herrn v. Wurmser in Gratz.
Wir haben nun zwei ganz gleiche Wandarmleuchter aus Eisen zu nennen, von denen der eine in Fig. 11 abgebildet ist. Aus vierkantigem Eisen ist ein horizontaler Arm gebildet, der am Ende auf einer in die Wand eingreifenden senkrechten Stütze aufliegt und dessen vorderes Ende durch eine schräge Stütze gehalten wird. Durch aufgeschweißtes Flacheisen sind maßwerkähnliche Verzierungen gebildet. Diese Wandarme gehören dem 16. Jahrh. an. Ferner ist eine Reihe interessanter Kronleuchter vorhanden. Dem 14. bis 15. Jahrh. gehört ein Messingleuchter an, der ganz ähnlich sich im Rathhause zu Regensburg findet; dem 15. und 16. Jahrh. ein einfacher, flacher, eiserner Reif, auf den einige Kerzenträger aufgenietet sind, und der an drei Ketten hängt; derselben Zeit ein großes Hirschgeweih, das mit einem geschnitzten Engel mit vergoldetem Gewande und Haaren, bemaltem Gesichte und Händen verbunden ist. Der Engel hält in der einen Hand einen Kerzenträger; eine Anzahl solcher ist an dem durch einen Eisenreif vollends in’s Runde gezogenen Geweih befestigt. Dieser Kronleuchter stammt aus dem Rathhause zu Forchheim. Besonders schön ist ein dem 16. Jahrh. angehöriger großer Kronleuchter, der einen Drachen vierköpfig und zweischwänzig zeigt (Fig. 12), welcher mit einem Rennthiergeweih verbunden ist und an drei Ketten hängt. Er stammt vom Schlosse Gleishammer bei Nürnberg und ist Geschenk des Herrn Fabrikbesitzers Zeltner. Einige weibliche Halbfiguren von ähnlichen Leuchtern in Gypsabguß schließen diese Serie der Beleuchtungsapparate.
Ziemlich einfach sind zwei alte Blendlaternen (17. Jahrh.), während eine Reihe von Lichtputzscheeren in Messing einige Exemplare enthält, die mit außerordentlich reichem und schönem Schmucke versehen sind.
+Nürnberg.+
A. +Essenwein+.
Ein hebräischer Druck des Sigenot.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts bildete sich unter den Juden Deutschlands mehr und mehr ein neuer Zweig der Literatur aus, welcher in Uebertragungen und Bearbeitungen nicht nur hebräischer, sondern auch deutscher Bücher in jene jüdisch-deutsche Mischsprache bestand, die bis auf den heutigen Tag (doch jetzt mehr als Satire) unter den Israeliten in Wort und Schrift vielfach in Uebung geblieben ist und früher fast immer mit hebräischen Buchstaben und nach einem den deutschen Lauten angepaßten Systeme dargestellt wurde. Diese jüdische Volksliteratur erreichte ihre Blüthe in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh., als durch die Verfolgung, die über die Juden in Polen ergieng, diese in alle europäischen Länder zerstreut wurden. Im Anfang beschränkte sie sich fast nur auf das religiöse Gebiet, indem meist Theile der heil. Schrift, Gebete Stücke des Cultus und Ritus, moralische Abhandlungen der Rabbiner u. a. m. in dieses volksthümliche Gewand gekleidet wurden; später jedoch griff man auch nach profanen, namentlich unterhaltenden Stoffen, unter denen wieder die Ritter- und Heldengeschichten, Volks- und Märchenbücher (König Artus Hof, Kaiser Octavian, Herzog Baba der Fromme, Ritter Sigmund und Magdalena, die sieben weisen Meister, die Schildbürger, Eulenspiegel etc.), auch einzelne Volkslieder u. dgl. die beliebtesten waren.
Eine reiche Sammlung dieser Erzeugnisse ist die des ehemaligen Prager Rabbiners David Oppenheim, die (früher in Hannover) jetzt in der Bodley’schen Bibliothek zu Oxford sich befindet und deren Verzeichniß mehreren Zusammenstellungen der jüdisch-deutschen Literatur als Grundlage gedient hat. Vgl. Naumann’s Serapeum, IX. Jhg., Nr. 20 ff. Einen willkommenen Nachtrag zu denselben glauben wir in folgender Mittheilung über ein in der Hof- und Staatsbibliothek zu München in einem Sammelbande (A. Hebr. 377) enthaltenes Stück geben zu können, auf welches wir durch Herrn Custos J. Klausner daselbst aufmerksam gemacht wurden. Es ist dies eine Uebertragung des bekannten, zur deutschen Heldensage gehörigen Gedichtes von Sigenot, und zwar der späteren Bearbeitung desselben, wie solche in Drucken des 15.-17. Jahrh. vielfach verbreitet wurde (s. v. d. Hagen, Grundriß, S. 26-33. Gödeke, Grundriß, S. 70). Dieselbe erstreckt sich jedoch nicht sowohl auf die Sprache, wie bei den übrigen Stücken dieses Literaturkreises, sondern sie besteht nur in einer ziemlich genauen Uebertragung des Textes, wie er sich in diesen Drucken darstellt, aus der deutschen in die hebräische Schrift, wobei jedoch für unsere Vokale nicht die hebräische Punktierung, sondern eine eigene Bezeichnung angewendet ist; nämlich:
a = א (oder ohne Bezeichnung); e= ע und י; tonloses e = י (oder ohne Bezeichnung); i = י; anlautend אי; o = ו, auch א, anlautend או; u = ו, anlautend auch או; ä = ע (e); ö = וי oder ע (e); ü = וי; au = וי, anlautend אוי; äu und eu = עוי; ei = יי, anlautend איי, auslautend ייא; ie (diphthongisches) im Auslaut יא. Für w steht װ, für ch כ, auslautend ך, für f und v פ. Alle Dehnungszeichen der deutschen Orthographie fallen weg, Doppelconsonanten sind vereinfacht.
Dieser in hebräische Schrift umgekleidete Sigenot umfaßt 196 Strophen auf 22 Blättern in kl. Quart. Das erste derselben trägt auf der Vorderseite nachstehenden Titel in einer Einfassung:
„ein schön lid un gros riter(sch)schaft wert ir drinen gefinden. gar kurz weilig zu leien[36] fer weiber un meidlich. verteischt[37] gar bescheidlich genant mit namen her ditreich. zu kaufen arm un reich in einem gelt rechten. aso wert enk[38] got (_er sei gelobt!_[39]) behüten fer bösen anfechten.
gedrukt in der gelobten stat Kraka unter dem gewaltigen köng sigmunds _im Jahre 357 in der kleineren Zahl_ (d. i. 5357 = 1597).“
(Unten in der Einfassung:) „_durch die Hand_ (des) _isaak_ ben (Sohn) _des herrn_ aaron von prostiz.“
Oben in der Einfassung steht mit hebräischen Worten: „Dies ist das Thor des Herrn, die Gerechten werden dahinein gehen“ (Psalm 118, 20).
Auf der anderen Seite des ersten Blattes beginnt das Gedicht selbst, dessen Strophen durch Absätze, die Reimzeilen aber nur durch ein Punkt unterschieden sind.
Wir geben hier die ersten drei Strophen in buchstäblich getreuer Uebertragung der hebräischen Schriftzeichen und mit in den Noten beigefügter Vergleichung der wesentlichen Varianten des alten Druckes „durch Friderich Gutknecht zu Nuͤrnberg“ (um 1560), den O. Schade auf’s neue (Hannover, K. Rümpler. 1854) in 150 Exemplaren hat abdrucken lassen.
WOLT ir her schaft hie betragen[40]. gros abenteier wil ich eich sagen. fon sterken sturmen un herte. die der berner um[41] hildbrant leit. fil menchen sturmen er da streit. bis das in got ernerte. es mocht im anders nit dergan[42]. er reit alein aus beren. durch menchen wilden vinstern plan[43]. das mocht ir heren geren. gros lib un leid im da geschach. fon einem starken risen. kam er in un gemach.
da der berner bei hildbrant sas. di zwen worden auch reden das. was si heten erstriten(.) mit irer held kreft[44] hant. also sprach sich meister hildbrant. ich hob so fil erliten. wol fon den starken eisengrein. un fon sein wilden weib[45]. si het mir nach[46] das leben mein. gescheiden fon den leibe. si zwang mich unter[47] ire bein. ich must sein da gebliben(.)[48] das wendeit[49] ir her ein[50].