Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band.

Part 10

Chapter 103,022 wordsPublic domain

September-October: Der Hausaltar der seligen Margaretha, Tochter Königs Bela IV. Von Dr. Florian Rómer. (Mit 1 Taf.) -- Ueber Rundbauten, mit besonderer Berücksichtigung der Dreikönigs-Capelle zu Tulln in Niederösterreich. Von Dr. Karl Lind. (Mit 45 Holzschn.) -- Ueber die kirchlichen Denkmale Armeniens. Von Dr. F. Kanitz. (Mit 4 Holzschn.) -- Die Todtenleuchte in Hof bei Straden in Steiermark. (Mit 1 Holzschn.) -- Die gothische Monstranze in der k. k. Ambraser-Sammlung zu Wien. (Mit 1 Holzschn.) -- Ein alter Brunnen und römischer Votivstein in der Festung Belgrad. Von F. Kanitz. -- Spätgothisches Reliquiar in der Marienkirche zu Krakau. (Mit 1 Holzschn.) -- Besprechungen. -- Notiz.

+Mittheilungen der Kaiserlich-Königlichen, Mährisch-Schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Brünn.+ Verantwortlicher Hauptredakteur: Heinrich C. Weeber. 1866. Brünn. 4.

+Notizen-Blatt+ der historisch-statistischen Section der k. k. mähr.-schles. Gesellsch. etc. Redigirt von Christian d’Elvert. (Vom 1. Jänner bis 1. Dec. 1866.) Brünn, 1866. 4.

Zur Culturgeschichte Mährens und Oest.-Schlesiens. Von Christian Ritter d’Elvert. I. Theil. Bildet den 15. Band der +Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. m. s. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur und Landeskunde+. Brünn, 1866. 8. VI u. 640 Stn.

Nachrichten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

4) +Anleitung zur Anlegung und Fortsetzung der Orts-Chroniken+ von J. Barth. Sigmaringen, 1867. Hofbuchhandlung von C. Tappen. 8. 48 Stn.

Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo jeder Ort in Deutschland einer eigenen Chronik sich rühmen darf, um so eher, als von Seite der Regierungen, namentlich der preußischen, auf die Abfassung solcher Ortschroniken gedrungen wird. Wo man bis jetzt noch Hand an’s Werk zu legen zögerte, war die Ursache vielleicht keine andere, als daß man die Sache nicht gehörig anzufassen wußte. Die vorliegende Anleitung dürfte daher, als ein zeitgemäßes Unternehmen, von Vielen willkommen geheißen werden. In gedrängten, vorzüglich auf kleinere Orte berechneten Unterweisungen handelt der Verfasser von der Aufsuchung des historischen Materials, von dem Lesen der alten Handschriften, von der Benützung der geschichtlichen Dokumente, der Sichtung des Stoffes, der Ortsbeschreibung und der Fortführung der Chroniken. Zum Schlusse wird noch ein Auszug aus der Ortschronik des Dorfes Ringingen als praktisches Beispiel gegeben.

5) +Ueber die Einführung der monumentalen, insbesondere der christlich-monumentalen Studien in den Gymnasial-Unterricht. Von Dr. Ferdinand Piper.+ Berlin, 1867. 8. 40 Stn.

In fast zu bescheidener Weise, wie uns bedünken will, lenkt auf den wenigen Blättern der oben genannten Broschüre, einem Sonderabdruck aus dem Evangel. Kalender für 1867, der Verfasser das Augenmerk auf einen Gegenstand, dem wir die höchste Bedeutung beilegen möchten, die Hebung des künstlerischen Geschmackes, in Bezug auf welchen die Deutschen im Allgemeinen, die bei sehr getrübtem instinctiven Gefühl, rein auf die Schule angewiesen, und doch trotz aller Museen und Sammlungen fast gänzlich der Schule entbehren, gegenwärtig keinen ihrer sonstigen Bildung entsprechenden Standpunkt einnehmen. Zwar geschieht seit einiger Zeit viel, um auf dem Gebiete des Kunstgewerbes auf historischer Grundlage, wie auch in der angezeigten Schrift ausgeführt wird, der einzig richtigen und erfolgversprechenden, zu besseren Einsichten zu führen; allein um auch den Geschmack selbst des gebildeten Publikums zu bilden, ist ein wirksamer Anlauf noch kaum genommen. Der Verfasser weiset nach, wie das Gymnasium der eigentliche Ort für ausreichende Pflege monumentaler Studien sei; ferner, wie die Aufnahme dieser trotz der bereits herrschenden Ueberbürdung mit Lehrgegenständen zu ermöglichen, und gibt praktische Winke, wie die eingeführten Studien auch innerhalb eines enger angewiesenen Bezirkes nutzbar zu machen. Die Schrift hat vorzugsweise das Verdienst wiederholter Anregung; der Gegenstand ließe sich sehr viel weiter ausführen, mit einer weit größeren Anzahl von Gründen unterstützen, könnte im Verhältniß zu anderen Lehrgegenständen zu seinem Vortheil strenger abgewogen werden, müßte indeß auch, wenn einmal Ernst mit der Sache gemacht würde, namentlich in seiner Scheidung nach vor- und nachchristlicher Zeit und der Bedeutung beider Epochen genauer in Untersuchung gezogen werden. Erfolge der gegebenen Anregung und gleichlautende Strebungen, von welchen im Buche Mittheilung gemacht wird, bilden einen erfreulichen Gegensatz gegen andererseits angeführte Proben des noch immer bestehenden Vandalismus. v. E.

6) +Karl’s des Großen Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze.+ Kunstgeschichtliche Beschreibung des karolingischen Octogons zu Aachen, der späteren gothischen Anbauten und sämmtlicher im Schatze daselbst befindlichen Kunstwerke des Mittelalters. Herausgegeben von +Dr. Fr. Bock+. Mit 69 Holzschnitten. Cöln u. Neuß, 1866. Verlag von L. Schwann. 4. VI u. 160 Stn.

Der Holzschnitt ist ein vortreffliches Mittel, die Publikationen in möglichst weite Kreise zu bringen. Durch Clichés läßt sich eine unbegrenzte Zahl von Abdrücken herstellen, und man kann dieselben Abbildungen zu den verschiedensten Zwecken verwenden. So erscheinen auch in der vorliegenden zweiten Lieferung eine Anzahl Holzschnitte wieder abgedruckt, die der Verfasser für frühere Veröffentlichungen hatte anfertigen lassen. Diese zweite Lieferung behandelt die Gegenstände der Kleinkunst aus der gothischen Periode, und es ist somit in diesem ersten Bande der ganze Schatz des Münsters zusammengestellt und mit 133 Holzschnitten erläutert. Es ist damit gewissermaßen ein raisonnierender Catalog über diese Schätze gegeben, die in chronologischer Reihenfolge vorgeführt werden. Störend ist dabei jedoch die Art und Weise, wie der Verfasser Nachträge einschaltet, die Numerierungen der Seiten und Figuren plötzlich wieder von vorne anfangen läßt. Es sind dies Verstöße, die sich nur ein Verfasser erlauben darf, wie Bock, bei dem man ob der Fülle des interessanten Stoffes Aeußerlichkeiten gerne übersieht. In der That bietet auch der nun geschlossene I. Band bei seinem reichhaltigen Materiale viel Belehrung und eine vollkommene Uebersicht über die Entwickelung der Goldschmiedekunst; er gibt ein Bild des Reichthums an kostbaren Kirchengeräthen, den früher jede bedeutende Kirche hatte, und führt zugleich neben den schon bekannten und früher vervielfältigten Objekten so viele neue vor Augen, daß das Buch als eine wesentliche Bereicherung der archäologischen Literatur anzusehen ist. Einige beigefügte Zeichnungen von neuen Werken lassen erkennen, wie weit man heute am Rheine auf dem Gebiete der kirchlichen Goldschmiedekunst im Geiste der Alten wieder gekommen ist.

A. E.

7) +Joseph Eutych Kopp+ als Verfasser, Dichter, Staatsmann und Geschichtsforscher, dargestellt von +Alois Lütolf+. Erste Abtheilung. Luzern. Verlag von Franz Jos. Schiffmann. 1868. 8. 192 Stn.

Wenn unter den schweizerischen Geschichtsforschern, nächst Gilg Tschudi und Johannes v. Müller, irgend einer eine ausführliche Biographie verdiente, so ist es gewiß J. E. Kopp, dessen Name eine neue Epoche schweizerischer Geschichtsforschung bezeichnet; und diese Biographie ist in gute Hände gekommen, da Herr Lütolf, dermal Subregens am bischöfl. Seminar in Solothurn, selbst tüchtiger Geschichtsforscher, auch viele Jahre hindurch mit Kopp in nahem, vertrautem Verhältnisse stand und nach dessen Tod über ein reiches, sehr interessantes Material zu einer solchen Arbeit verfügen konnte. Die ziemlich einläßliche Schrift weist in klarer, bündiger Weise nach, wie Kopp allmählich zum gründlichen und immer gründlicheren Geschichtsforscher sich heranbildete, wie wahrheitsliebend, gewissenhaft, scharfsinnig und unermüdet er dabei verfuhr, und wie das, was er zunächst für die Geschichte der eidgenössischen Bünde leistete, auch auf die neuere Geschichtschreibung unverkennbare Rückwirkung ausübte. Die Darstellung gewinnt sehr dadurch, daß Lütolf meistens seinen Helden selbst reden läßt. Die Ausstattung des Buches ist vortrefflich; der Preis billig.

8) +Das monumentale Rheinland.+ Autographische Abbildungen der hervorragendsten Baudenkmale des Mittelalters am Rhein und seinen Nebenflüssen, von +Dr. Fr. Bock+. Cöln u. Neuß. Verlag von L. Schwann. 8.

Der fleißige Herausgeber hat sich in diesem Werke auf das Gebiet der Architektur begeben und hat es unternommen, eine Anzahl der interessanten Kirchen, an denen das Rheinland so reich ist und die theilweise unbekannt, theilweise nicht genügend bekannt waren, in trefflichen Zeichnungen des Architekten Schneider in Aachen, eines Schülers Ungewitters, zu veröffentlichen; die Abteikirche zu Lorch, die Liebfrauenkirche zu Oberwesel, Kirche und Wernerskapelle zu Bacharach und die Stiftskirche zu Andernach bilden den Inhalt der ersten vier Lieferungen.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+Katholische Blätter aus Tirol+: Nr. 34. Ein Beitrag zur Geschichte der Wiedertäufer in Tirol. (Aus dem Gerichtsarchiv in Sarntheim.) Malefiz-Recht der Erharte Yrscher.

+Blätter f. liter. Unterhaltung+: Nr. 4, S. 62. Die Quelle zu Gottfried’s „Tristan“.

+Europa+: Nr. 4, Sp. 119. Geschichtliches über unsere Hausthiere.

+Die Gartenlaube:+ Nr. 5, S. 68. Die Inselburg (Pfalz) im Rhein. -- S. 75. Ein Bild deutscher Volkslust (Sichelhänget und Hahnentanzen im Steinlachthal in Schwaben).

+Deutsche Kunst-Zeitung+: 1868, Nr. 1, S. 6 ff. Das Bayerische National-Museum in München. (Erwin Förster.)

+Schles. Provinzialblätter+: Decbr. 1867, S. 708. Polizeiordnung des Magistrats zu Neustadt, betreffend die Feier bei Verlöbnissen, Hochzeiten und Taufen, aus dem Jahre 1589. Mitgetheilt von Pfarrer A. Weltzel. -- S. 728. Zur Kritik der ersten schlesischen Bischöfe. (Ulfilas.) -- S. 731. Oberschlesische Liebeslieder.

+Sonntagsblatt+ (von E. Dohm): Nr. 1 f. Barbarossa und die Sage von seiner Wiederkehr.

+Ueber Land und Meer+: (1868) Nr. 17. Das alte Heidelberg und das Heidelberger Schloß vor seiner Zerstörung. -- Nr. 19, S. 306. Schloß Triefenstein am Main.

+Volksblatt f. Stadt u. Land+: Nr. 9. Odenwälder Briefe. III. (Ueber Melanchthon.)

+Zeitschrift des Anwaltsvereins f. Bayern+: VIII, 2 ff. Gutsanheiratung im Bayerischen.

+Zeitschrift f. bild. Kunst+: 3. Heft, S. 63. Weberei und Stickerei bei den Alten, vom Standpunkte der Kunst. (Jak. Falke.)

+Allgemeine Zeitung+: Beil. Nr. 15 u. 17. Aus dem Isarwinkel. II. Linguistische Fündlingsblöcke. (Dr. Sepp.) -- Nr. 24. Zur Gudrun. Von Konrad Hofmann. (Mythische u. histor. Bestandtheile der Sage.) -- Nr. 26 f. Neue Forschungen aus Alt-Tirol. -- Nr. 29. Wiesbadener Kur- und Kunststudien. II. (I: 1867, Nr. 284.)

+Illustrirte Zeitung+: Nr. 1280. Die Grabplatten-Abdrücke im Alterthums-Museum zu Freiberg. -- Ein norwegisches Fahrzeug aus der Wikinger Zeit. Die Wappen der Cantone der schweizerischen Eidgenossenschaft. -- Nr. 1281. Die Reismühle, angebliche Geburtsstätte Karl’s des Großen. -- Nr. 1283, S. 83. Glasmalereien für den Chor des Kölner Doms (im Stile des 14. Jahrhunderts).

Vermischte Nachrichten.

11) Innerhalb des großen Baukörpers der +Marienkirche zu Danzig+, deren Mauern, wie Th. Hirsch überzeugend nachgewiesen, der Zeit von 1403-1502 angehören, entdeckte ich kürzlich -- was von allen andern Forschern bisher übersehen worden ist -- noch sehr +bedeutende+, vortrefflich erhaltene Ueberreste der älteren, 1343-59 erbauten Kirche, welche Basilikenform hatte. Einen Theil der Grundmauern derselben hatte Hirsch, auf alte Tradition fußend, nachgewiesen. Es sind aber noch 2 Joche der beiden Seitenschiffe, das zugehörige Stück des Mittelschiffes und ihre Mauern, Gewölbe mit Consolen edelster Bildung, Fenstern, incl. Maßwerk etc. vollständig vorhanden. Ich bin nun im Stande, die alte Kirche nach allen Dimensionen genau zu zeichnen. Durch diese für die Baugeschichte Danzigs wichtige Entdeckung -- diese Theile dürften die +ältesten+ bedeutenderen Architekturtheile in Danzig sein und zu den schönsten derselben gehören -- werden die von Th. Hirsch und J. C. Schultz gegebenen Nachrichten nicht nur bestätigt, sondern auch bedeutend erweitert. Sobald die Jahreszeit eingehenderen technischen Untersuchungen günstiger sein wird, werde ich solche ausführen und dann in diesen Blättern genaueren Bericht darüber erstatten.

+Danzig.+

+R. Bergau.+

12) Der Westflügel des ehemaligen +Franziskaner-Klosters+ in +Danzig+ wird gegenwärtig zum Local für die Gewerbeschule umgebaut. Die 1793 eingeschlagenen Zellen- oder Netz-Gewölbe (von Büsching in Kugler’s Museum 1835, S. 107 und 118, „Zuckerhut- oder Mützengewölbe“, von E. Strehlke im Organ für christliche Kunst 1855, S. 167, „Kuffengewölbe“ genannt) im Westflügel des Kreuzganges sind in trefflichster Weise und nach dem Muster der alten (Ende des 15. Jahrhunderts erbauten) Gewölbe hergestellt worden.

+Danzig.+

+R. Bergau.+

13) Herr Major Köhler in Danzig, welcher eifrigst und mit bestem Erfolge die Geschichte der Befestigung Danzigs im 15. und 16. Jahrhundert studiert und in Folge dessen höchst interessante und sehr wichtige Ergänzungen und Berichtigungen zu dem etwas mangelhaften ersten Abschnitt der Geschichte der Festungswerke Danzigs von K. Hoburg (Danzig 1852) zu liefern im Stande ist, hat kürzlich im Stadt-Archiv zu Danzig eine bisher nicht genügend beachtete, große +Zeichnung+ gefunden, welche den Zustand der westlichen Hälfte der +Danziger Stadtmauern+ im Jahre 1520 mit allen Einzelheiten klar darstellt und das hellste Licht auf den Zustand der Befestigung während dieser besonders interessanten Periode wirft.

Sie ist demnach für die Geschichte der Befestigung von der höchsten Wichtigkeit.

+Danzig.+

+R. Bergau.+

14) König +Ludwig+ II. von +Bayern+ hat genehmigt, daß zum Zwecke der +Erhaltung+ der in Beziehung auf Kunst und Geschichte merkwürdigen +Denkmale+ und +Alterthümer+ im Königreiche eine Kommission von Sachverständigen gebildet werde, welche unter der unmittelbaren Leitung des Staatsministers des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten steht, und daß dieser Kommission ein Generalkonservator als Mitglied beigegeben werde, welcher nach näherem Auftrage des Ministers alljährlich einzelne Theile des Königreiches zu bereisen, die in Bezug auf Architektur, Skulptur, Malerei und Kunstindustrie denkwürdigen Werke zu verzeichnen und bezüglich der Erhaltung oder Nutzbarmachung derselben geeignete Vorschläge zu machen hat. Die Funktion eines Generalkonservators für diese Zwecke ist in widerruflicher Weise dem Professor und Konservator des Kupferstichkabinets, Dr. v. Hefner-Alteneck, übertragen.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 57, Frk. Kur. Nr. 31.)

15) In +München+ wird am 16. März die +Kunstsammlung des Bildhauers J. O. Entres+ durch den Kunsthändler J. Aumüller +versteigert+ werden, welcher soeben den Katalog versendet hat. Entres, ein alter Sammler und tüchtiger Kenner, legte den Grund zu seiner schönen Sammlung noch zu einer Zeit, wo nur Wenige Sinn für die Denkmäler des Mittelalters hatten, und so kam es, dass sich nach und nach alle verfügbaren Räume seines Hauses mit kostbaren Gemälden, Skulpturen, Antiquitäten, Kupferstichen, Holzschnitten u. s. w. füllten. Besonders sollen die Gemälde alter Meister aus den verschiedenen Schulen und die Skulpturen sehr interessant sein. Der Katalog umfaßt nicht weniger als 3940 Nummern; auch einige neuere Meister auf dem Gebiete der Malerei sind vertreten.

(Korr. Nr. 71, nach d. A. Abdztg.)

16) In +Heidelberg+ sind bei dem Neubau einiger Häuser am Westende der Stadt neulich die +Fundamente des alten Speierer Thores aufgefunden+ worden. Auch wurden zu gleicher Zeit mancherlei Rüstungen und Waffen ausgegraben, die wahrscheinlich aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges herrühren, wo bei der Belagerung der Stadt und des Schlosses Heidelberg durch Tilly an dem Thore heftige Kämpfe vorgefallen sein mögen. Endlich ist ein Theil eines unterirdischen Ganges entdeckt worden, der vom Schloß auf den Marktplatz führte.

(Korr. Nr. 74.)

17) Die Resultate verschiedener +Ausgrabungen+ in der +norddeutschen Tiefebene+ sind von dem Baron von Dücker der Geographischen Gesellschaft in Berlin vorgelegt worden. Die Gräber, aus welchen die Funde herstammen, lagen meistens auf Inseln in der Mitte norddeutscher Landseen, wie namentlich auf einer Insel des Sees bei Königswalde, desgleichen auf einer andern im Plönes-See, 3½ Meilen von Stargard, und auf zwei kleinen Inseln im Scharmützelsee bei Fürstenwalde. Die Urnen, welche Hr. v. Dücker mit den in ihnen aufgefundenen Gegenständen vorzeigte, befanden sich in einer auf dem nordwestlichen Ufer des Scharmützelsees sich erstreckenden Hügelreihe aus gelbem Diluvialsande, in welchem sie 2-3 Fuß unter der Oberfläche zwischen Feldsteinen gebettet waren. Sie enthalten außer Schmucksachen von Bronze vornehmlich Reste menschlicher Gebeine. Bisweilen wurden auch rohe Feuersteinmesser in der Nähe gefunden. Merkwürdigerweise sind die Knochen, Schädelstücke und Zähne häufig von außerordentlich kleinen Dimensionen.

(Ill. Ztg. Nr. 1282.)

18) In der Feengrotte zwischen St. Aubin und Vaumarcus im Canton +Neuenburg+ wurden zwei +Armspangen von Glas+, von blauer und violetter Farbe, acht römische Medaillen und Spangen von Bronze, sowie eine Agraffe von demselben Metall gefunden.

(Dies. Nr. 1288.)

19) In der +Londoner Vorstadt Highbury+ wurde beim Umgraben eines Streifens Wiesenland eine +Vase mit etwa 7000 Silbermünzen+ verschiedener englischer, irischer und schottischer Grafschaften nebst einer Anzahl von auswärtigen Stücken, darunter venetianische und +deutsche+, zwei Goldmünzen aus der Zeit Eduard’s III. und ein Rosenkranz aus Bernstein gefunden. Man vermuthet, daß der Schatz, der an die Krone abgeliefert wurde, den Rittern des Johanniterordens gehörte und von ihnen im Jahre 1381, als die Rebellen unter Wat Tyler die bei dem Fundorte gelegene Priorei des Ordens angriffen, stürmten und verbrannten, vergraben wurde.

(Korr. Nr. 67.)

20) Unter den +Preisaufgaben+, welche die +Société Dunkerquoise pour l’encouragement des sciences+ etc. für das Jahr 1868 ausgeschrieben hat, befinden sich folgende historische: eine populäre Geschichte von Dünkirchen (für Elementar- und Sonntagsschulen) und eine Abhandlung (étude) über das Leben und die Werke des Malers Jean de Reyn von Dünkirchen. Für 1869 ist ausgeschrieben: eine gedrängt (succinctement) abgefaßte Geschichte der Industrie des Alcohols im nördlichen Frankreich. Der Preis für jede gekrönte Schrift besteht in einer goldenen Medaille, unter Hinzufügung von 100 Frcs. für die Lösung der erstgenannten Aufgabe. Die Arbeiten sind vor dem 1. Juli jeden Concursjahres an den Secretär der Gesellschaft, bei welchem auch nähere Auskunft zu erholen ist, einzusenden.

Mittheilungen.

Im Verlage von +Ferdinand Enke+ in +Erlangen+ ist soeben erschienen:

=Gengler, Dr. Heinrich Gottfried, Codex juris municipalis Germaniae medii aevi.= Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erster Band, 3. u. 4. Heft. Lex. 8. geh. Preis 2 Thlr. 16 Sgr. oder 4 fl. 20 kr. Preis des nun vollständigen ersten Bandes, enthaltend A-D, 5 Thlr. 14 Sgr. oder 9 fl. 20 kr.

=Einladung zur Subscription=

auf eine

=Geschichte von Eysölden und Umgegend=.

Die Burg und die Ruine Stauf mit dem angrenzenden Landeck schauen nach allen Seiten weit in’s Land hinein und ziehen die Aufmerksamkeit des Wanderers schon von ferne auf sich. Jeder, der sie ansieht, möchte aber auch gerne etwas Näheres über sie wissen und erfahren: wer früher daselbst gehauset, wer sie erbaut, bewohnt und zerstört hat. Um diese beiden Berge herum liegen die Ortschaften Thalmessing, Aue, Gebersdorf, Ruppmannsburg, Schwimmbach, Offenbau, Pyras, Mindorf, Eysölden, Alfershausen u. a., die dem ehemaligen Amte Stauf und Landeck untergeben waren, und deren Vorzeit reich an wichtigen Begebenheiten ist.

Man glaubt einem allgemeinen Wunsch und Bedürfniß zu entsprechen, wenn man eine Geschichte von Eysölden und den übrigen genannten Orten und Burgen der Oeffentlichkeit übergibt und zum Kaufe anbietet.

Der Umfang dieser Schrift kann 8 bis 10 Bogen stark werden und soll broschiert den Preis von 1 fl. 15 kr. nicht übersteigen. Sobald die zur Deckung der Kosten erforderliche Zahl von Abnehmern vorhanden ist, wird mit dem Drucke begonnen und der Subscriptionspreis erst bei der Ablieferung bezahlt.

+Mkt. Eysölden.+

=Dr. Hübsch=, Pfr.

Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A. v. +Eye+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

ANZEIGER

FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge.

Fünfzehnter Jahrgang.

=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuß oder 2 Thlr. preuß.

Für _Frankreich_ abonniert man in Straßburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. +Brockhaus+ in Leipzig, befördert.

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1868. Nº 3. März.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Markgraf Friedrich’s von Brandenburg Besuch der Stadt Nürnberg im Jahr 1496.

(Schluß.)