Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) Neue Folge. Dreizehnter Band.
Part II. Saxon, arabic, persian, and early venetian glass. (William
Chaffers.)
/Ausland:/ Nr. 6. Die Urbevölkerung der britischen Inseln. -- Nr. 10. Ein ortskundlicher Streifzug durch die Urkantone der Schweiz.
/Biene:/ Nr. 6 ff. Die Buchdruckerkunst in ihrer welthistorischen Bedeutung von den Tagen der Erfindung bis zur Gegenwart. In kurzen Umrissen geschildert.
/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 5. Bilder aus dem deutschen Mittelalter. 12. Der deutsche Ritter. (Thaddäus Lau.)
/Chilianeum:/ Nr. 3. 4. Kleine Beiträge zur Culturgeschichte der Grafschaft Wertheim. (Dr. Alex. Kaufmann.)
/Daheim:/ Nr. 22. Der Münster von Freiburg. -- Nr. 23. Die Kinderkreuzzüge im Mittelalter. (Dr. Wald.) -- Nr. 25. Die Arzneimittel vor fast 200 Jahren.
/Europa:/ Nr. 9. Das Deutschthum in Böhmen. -- Ostern und Pfingsten in Natur und Haus.
/Familien-Journal:/ Nr. 9. (639): Die Monstranz in der Kirche zu Zizelitz. Böhmische Volkssage. (Ernst. Halma.) -- Nr. 11. (641.) Das Täubchen von Amsterdam. Charakterbild (Otto von Tschocher)
/Grenzboten:/ Nr. 10, S. 385. Alte Fastnachtspiele. Vortrag am 7. Febr. 1866 im Leipziger Professorenverein. (Prof. Eckstein.)
/Hausblätter:/ 4. Heft, S. 305. Volkssagen. 8. 9. (Fr. Schultheis.) -- 5. Heft, S. 396 u. 6. H., S 459. Sagen aus dem Spessart. 8-14. (Adalbert v. Herrlein.) -- S. 474. Ueber den Gebrauch der Ringe, Brautringe, Brautkränze. (Fr. Grebel.)
/Der Hausfreund:/ Nr. 11. Ein Besuch Karl’s XII. in Dresden. Historische Skizze. (Ferd. Pflug.)
/Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 4. Wahrheit und Dichtung in den ältesten Papstbriefen. Vortrag. (P. Hinschius.)
/Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 99. Allerheiligen (Klosterruinen im Schwarzwald). -- Nr. 114 ff. Die Walkyren. Vortrag. (W. Hertz.)
/Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 8. Ueber die nationale Herkunft der Steinmetzfamilie Arler, genannt „Prager Jungherrn.“
/Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr. 7. Deutsche Einflüsse auf das polnische Volksthum. I. Bis zur Reformation. -- Nr. 10. Die Pfahlbauten des Garda-Sees. (Franz Maurer.)
/Protestantische Monatsblätter für innere Geschichte:/ Decbr. 1865. Die anabaptistischen Tendenzen in ihrer Bedeutung für das Verständniſs der Reformationszeit. (Fr. Nippold.)
/Illustr. deutsche Monatshefte:/ Nr. 18 (114), S. 640. Frauenlob. (J. Bamberger.)
/Schles. Provinzialblätter:/ Jan. u. Febr. Beiträge zur Kultur-Geschichte Oberschlesiens. Aus Hippel’s handschriftlichem Nachlasse. (Dr. Th. Bach.) -- Schlesisches Gerümpel und Gerölle (Aberglaube, Sitten und Bräuche). (H. Strusche.) -- Die Begründung der kaufmännischen Corporation und die Reichskramer-Societät zu Breslau. Mit der Stiftungsurkunde. (Jul. Neugebauer.) -- Oeffentliche Aufzüge und Hahnenkämpfe in Schlesien. (R. S.) -- Rechtspflege der Vorzeit. (Beydelt.) -- Eine Teufelssage aus dem Trebnitzer Gebirge. (A. T.) -- Helden- und Loblied etc., gesungen in Reich-Hennersdorf z. Z. des bair. Erbfolgekrieges. (Lehrer Menzel.) Beitrag zur Geschichte der Begründung der Steindruckerei in Schlesien. Von C. Krone. -- Das ehemalige Postwesen Schlesiens. Von A. Weltzel. -- Ein Beitrag zu den Ringwällen, Steinwällen und Heidenkirchhöfen in Schlesien. Von Robert Schlich. -- Zur Geschichte der Stadt Krenzburg O./S. -- Die Belagerungen von Schweidnitz in d. J. 1757 u. 58, in einer mundartlichen poetischen Schilderung. Mitgetheilt von Oberlehrer H. Palm.
/Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 7. Ueber historische Sagen und Anekdoten. (Georg Heinrich.) -- Nr. 9. Neue hansische Geschichts- etc. Bilder. II. Kaiser Karl IV. in Lübeck. (Heinr. Asmus.)
/Volksblatt f. Stadt u. Land:/ Nr. 9. Der Zigeunerkönig. (Pfarrer Baist.) -- Nr. 11. Ueber Luther’s Auffassung der Empfängniſs Mariä.
/Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg:/ Nr. 8 f. Das Bisthum Schleswig, von der Entstehung desselben im Jahre 943 bis zur Ernennung des ersten lutherischen Bischofs im Jahre 1541.
/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 60. Germanistische Funde in Italien. (Dr. Franz Pfeiffer.) -- Nr. 64. Eine Spur vom Grabe Karl’s des Groſsen.
/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 49 f. Ein bayerisches Grafenschloſs zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts. -- Nr. 52. Kunstwerke aus dem Mittelalter. -- Nr. 60 ff. Zur Charakteristik oberbayer. und verwandter Dialect-Poesie. (Fr. v. Kobell.) -- Nr. 67. Woher kommt „Schnadahüpfln“? (A. Birlinger.) -- Nr. 73. Die Klosterkirche Gnadenberg bei Neumarkt in der Oberpfalz.
/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1183. Die Krämerbrücke in Erfurt.
Vermischte Nachrichten.
~Die archäologische Ausstellung in Paris im Jahre 1867.~
23) Bekanntlich wird mit der groſsen Industrieausstellung in Paris im Jahre 1867 auch eine internationale archäologische Ausstellung verbunden und ist eine Gallerie des Ausstellungsgebäudes dafür reserviert, wo sie unter dem Titel „Histoire du travail“ figurieren wird. Die französische Commission, bestehend aus den Herren Graf von Nieuwerkerke, Graf von Laborde, von Longpérier, de Sommerord, Lartet, Alphons von Rothschild und Alfred Darcel, hat nun das Programm veröffentlicht und ein Circular an die Besitzer erlassen, welche Objekte haben, die zur Ausstellung kommen sollen. Wir finden uns rücksichtlich des Programms zu einigen Bemerkungen veranlaſst.
Ein Passus heiſst: „Jede Nation wird über einen bestimmten Antheil der Gallerie verfügen, um hier die Gegenstände aufzustellen, welche sich auf die Industrie ihrer Gegend beziehen. Die Gegenstände werden hier so aufgestellt, daſs sie die verschiedenen Epochen der Geschichte der Arbeit erkennen lassen.“
Wir können uns nun durchaus nicht damit einverstanden erklären, daſs in einer Ausstellung, die bestimmt ist, die künstlerische und gewerbliche Thätigkeit der gesammten Menschheit von den ältesten Zeiten an vor Augen zu führen, die fast zufällige heutige Staateneintheilung zu Grunde gelegt wird, und daſs der Raum dafür nach dem Raum bemessen wird, den die heutige Industrie jener Länder einnimmt. Zudem werden durch diese Eintheilung zusammengehörige Gruppen getrennt und weniger Zusammengehöriges vereinigt. Welche Industrie hat heute Aegypten? Wie klein soll also der Raum für die in der Geschichte der Menschheit so unendlich wichtige ägyptische Kunst ausfallen? Welche Rolle spielt Griechenland unter den Industriestaaten? Welcher Raum wird also nach diesem Maſsstab der vollendeten Kunstblüthe Griechenlands zugewiesen? Welche Nation wird uns die Kultur des assyrischen und babylonischen Reiches, die Kultur der Phönizier vor Augen führen? Wie wird die über alle Welttheile zerstreute Kunst und Gewerbthätigkeit der Römer in allen verschiedenen Abtheilungen zerstreut sein? Stehen sich nicht bei aller nationalen Verschiedenheit die Werke des Mittelalters der Franzosen, Engländer und Deutschen, selbst der Italiener näher, als sie den römischen Werken stehen, die zufällig in diesen Ländern gefunden wurden?
Ist es gerechtfertigt, die Erzeugnisse Deutschlands gerade in die drei Gruppen Oesterreich, Preuſsen und das übrige Deutschland zu trennen? Wäre es nicht, wenn eine Untertheilung statt haben soll, natürlich, den alten Gaugrenzen zu folgen, die Theilung nach den verschiedenartigen Schulen vorzunehmen, von Oesterreich und Preuſsen die den übrigen deutschen Schulen verwandten Gegenstände diesen anzuschlieſsen, die Kunst des ehemals mächtigen Polenreiches nicht unter drei jetzt bestehende Länder zu trennen.
Eine archäologische Ausstellung soll nicht Spielerei sein; sie soll der Wissenschaft nützen, sie soll die Kunstforschung fördern. Das kann nur durch ein dem Ganzen zu Grunde liegendes, groſses, gemeinsames System geschehen, das auf wissenschaftliche Grundlage basiert ist, und das uns gestattet, die verwandten und zusammengehörigen Objekte, welche die Zeit weit auseinander geworfen hat, hier neben einander stellen und mit einander vergleichen zu können. Eine solche Ausstellung muſs eine anschauliche Uebersicht über die Entwickelung der ganzen menschlichen Kultur geben. Nur dann hat sie Werth.
Nur dann aber auch ist sie der Kosten werth, die dafür verausgabt werden. Wer muſs diese Kosten tragen? Der einzelne Aussteller kann das nicht; es ist also Sache der Regierungen. Da sind nun diejenigen sicher übel daran, die etwa kolossale Objekte aus groſser Ferne zu transportieren haben. Wird das Interesse, welches sie an der Ausstellung haben, diese Kosten aufwägen? Ich glaube kaum. Ist es etwa gerechtfertigt, wenn blos das neben einander stehen soll, was zu Hause auch nebeneinander steht, es nach Paris zu senden? Ist es gerechtfertigt, die kostbarsten Objekte aus den Museen, aus den Kirchen, aus dem Leben nach Paris zu schaffen, wenn sie doch nicht neben die verwandten Objekte gestellt werden und so der Wissenschaft wirklich nützlich sind?
Unserer Anschauung nach müſste eine internationale Commission aus hervorragenden Gelehrten zusammengesetzt werden, welche die Auswahl aus den allerorts zerstreuten Objekten trifft, welche einen groſsen Gesammtplan entwirft und die Ausstellung so anordnet, daſs sie in /einer/ Serie den Entwickelungsgang der ganzen Kultur verfolgen läſst. Darin liegt für die Wissenschaft wie für das Publikum ein Gewinn, der wohl werth ist, daſs die einzelnen Regierungen in einem der Gröſse und dem Reichthum der Länder angemessenen Theile die Kosten tragen.
Wird eine derartige Einheit nicht in die Sache gebracht, so wird die Ausstellung eine lückenhafte, verfehlte Spielerei sein. Man wird freilich Manches beisammen sehen können, was man sonst nur an verschiedenen Orten sieht; allein es wird sich die Frage stellen lassen, ob die Regierungen es Befürworten sollen, daſs man ohne wissenschaftlichen Zweck blos dahin arbeiten solle, daſs eine Anzahl Reisende, die sonst in’s Land kämen, fern bleiben, da sie ihre Neugier in Paris befriedigen können.
A. E.
24) Einige höchst interessante /Alterthümer/, welche in der Gegend von /Merseburg/ schon vor längerer Zeit gefunden, bisher in Privatbesitz waren, jetzt aber durch das Antiquitätengeschäft von /Zschiesche/ und /Köder/ in /Leipzig/ erworben worden sind, dürften, nun zugänglich gemacht und zum Verkaufe ausgestellt, wohl geeignet sein, die Aufmerksamkeit der Sammler und Kenner auf sich zu ziehen. Nach einer älteren schriftlichen Aufzeichnung wurden sämmtliche noch zu besprechende Stücke bei dem Dorfe /Leuna/, 1/2 Stunde südlich von Merseburg, beim Ausgraben von grobem Kies, in einer Tiefe von 5-6 Fuſs gefunden. Gedachtem Berichte nach stieſs man zunächst auf das Skelett eines nach ärztlichem Urtheile ungefähr 30 Jahre alten Menschen, wovon aber gegenwärtig nur noch ein Stück der obern Hirnschale and ein solches des Unterkiefers vorhanden ist, indem schon beim Ausgraben der gröſste Theil desselben zu Grunde gieng. In geringer Entfernung soll das Skelett mit 6 Gefäſsen umstellt gewesen sein, die, mit Kies angefüllt, mehrere Gerätschaften enthielten. Drei dieser Gefäſse sind Urnen von gebranntem Thon, wie sie häufig in jener Gegend an Begräbniſsplätzen gefunden werden, wenn auch von ungemein zierlicher Arbeit und nicht gewöhnlicher Gestalt, die eine 8″ hoch und 3½″ im stärksten Durchmesser, die andere 5½″ hoch und 3¼″ im Durchmesser, die dritte 5¾″ hoch und 6½″ im Durchmesser. Das vierte Gefäſs ist eine sogenannte etrurische Schale von höchst gefälliger Form, schöner rother Farbe mit Verzierungen und von hellem Klange, 4¾″ in der Höhe und 9″ im obern Durchmesser. Die interessantesten Stücke aber sind zwei starke /Glasschalen/, von welchen die eine 5½″ oberen Durchmesser und 3½″ Höhe, die andere 9″ Durchmesser und 4″ Höhe hat, beide durchsichtig und opalisiert. Im Innern sind diese Schalen ganz glatt, auf der äuſsern Fläche aber verziert, und zwar ist auf der kleineren Schale die Scene eingeschnitten, wie Aktäon die Artemis im Bade überrascht und, von dieser in einen Hirsch verwandelt, von seinen eignen Hunden angefallen wird. Die beiden Namen ΑΡΤΕΜΙΣ und ΑΚΤΑΙΩΝ sind in die Masse einpunktiert. So unvollkommen auch das Eingeschnittene erscheint, so erhält es doch, vom Innern der Schale aus betrachtet, Rundung und gefällige Formen. Die gröſsere Schale zeigt nur eingegrabene Verzierungen. Unter den Geräthschaften befindet sich ein trefflich erhaltenes bronzenes Sieb nebst gleich groſsem Kessel, die zusammengehört zu haben scheinen. Auch ein defectes hölzernes Gefäſs mit Metallbeschläge, zu dem noch zwei einzelne Reifenstücke gehören, läſst sich in Zusammenhang mit letztgedachten Gegenständen bringen. Da der Boden des Fundorts aus grobem Kies bestand und bei gehörigem Abfluſs des Wassers von der schiefen Oberfläche immer trocken erhalten wurde, ist sowohl die Erhaltung eines Restes des hölzernen Gefäſses als auch des Skelettes erklärlich. Nächstdem befinden sich noch unter den Geräthen 2 silberne Sporen mit kurzem, geradem Stachel (ungarisch) und 2 angeblich silberne Pfeilspitzen, eine kleine silberne Zange, mehrere Spangen, eine Gürtelschnalle und metallene Ringe. Gehören auch die gefundenen Gegenstände augenfällig verschiedenen Zeiten und Völkern an, so ist doch ein Auffinden derselben an einem und demselben Orte deshalb noch nicht zu bezweifeln, auch die Identität der Stücke verbürgt. Sehr zu bedauern wäre es, wenn diese seltsame Ausbeute vaterländischen Bodens deutschen Landen entführt und in die Fremde wandern sollte. Möchten Museen, denen Mittel zur Seite stehen, die Dinge prüfen und zu erhalten suchen.
25) Die treffliche /Sammlung norddeutscher/ und insbesondere in
/Pommern gefundener Alterthümer/ in Stein und Bronze, welche der im vergangenen Herbste zu Greifswald verstorbene Dr. Friedrich v. /Hagenow/ während eines Zeitraumes von mehr denn 40 Jahren mit Eifer und Glück zusammengebracht hat, ist in ihrer Gesammtheit dem Vaterlande und deutscher Wissenschaft erhalten worden. Es hat nämlich das junge /Provinzialmuseum/ zu /Stralsund/ diese Sammlung um den Preis von c. 1600 Thalern angekauft, im Vertrauen, durch Freunde heimischer Alterthumskunde den in drei Raten abzuführenden Kaufpreis sich geboten zu sehen. Die gehoffte Hülfe wird dem anerkennenswerthen und mit Freuden zu begrüſsenden Unternehmen auch sicher nicht ausbleiben. Schon sind von Privaten Beiträge von 100, 30, 10 Thlr. u. s. w. geleistet worden. Der literar.-gesellige Verein zu Stralsund (auch an der Förderung des german. Nationalmuseums zu Nürnberg in sehr löblicher Weise betheiligt) hat die Summe von 100 Thlr. bewilligt, und weitere und noch gröſsere Beiträge stehen von den Landständen und von der Stadt Stralsund zu hoffen, die dem jungen, durch Erwerbung der Hagenow’schen Sammlung so schnell zu Bedeutung gelangten Provinzialmuseum im oberen Stockwerke ihres stattlichen Rathhauses ein mit groſser Liberalität ausgestattetes Asyl geboten hat.
26) Die fortgesetzten /Nachgrabungen auf dem Leichenfelde von Schleitheim/ bei Schaffhausen haben schon mehr als 100 Gräber bloſsgelegt, und noch wird kaum die Hälfte dieses Begräbniſsplatzes aufgedeckt sein. An den gemachten Fundstücken läſst sich der Einfluſs der römischen Kultur nicht verkennen. Daſs dieselben aber nicht das Werk römischer Hände sind, beweist die Art der Bestattung der Todten und die Menge hausräthlicher Gegenstände, welche auf ein anderes Volk als die Römer hindeuten. Hinwieder enthalten diese Todtenkammern so viel Produkte einer vorgeschrittenen Kunstfertigkeit, daſs sie auch den Alemannen nicht zugeschrieben werden können. Es ist also wol anzunehmen, daſs diese Gräber, welche in das 4. oder 3. Jahrhundert vor Chr. gehören, ein Werk keltischer Ansiedler sind.
(Ill. Ztg.)
27) Im Hannover’schen Amte /Osten/, in dem zwischen Minstedt und dem rechten Osteufer belegenen Moore ist eine sehr alte /Pfahlbrücke entdeckt/ worden, deren Spuren bis auf eine Länge von 2500 Schritt verfolgt wurden. Mit Beginn der günstigeren Jahreszeit sollen genauere Nachforschungen angestellt werden.
(Dies.)
28) Auſserhalb der Nikolauskapelle der Münsterkirche in /Aachen/, nahe der aufgefundenen Apsis, ist in einer Tiefe von fast 9 Zoll ein /Deckstein eines ehemaligen Kanals gefunden/ worden, welcher 14 Zoll hoch, 7½ Zoll dick und im Durchschnitt 18 Zoll dick ist und in Schriftzügen des Mittelalters die Inschrift trägt:
IN H(o)C SEP(ulchro sunt) TUMUL(ata) OS(s)A CA(r)OL(i) (M)AGNI DEO IN AET(e)R(n)O GRAN(i)S.
Bei weitern Nachgrabungen in der Allerseelenkapelle des Münsters ist man auch auf /Mauerwerk aus der Zeit der Karolinger/ gestoſsen, und man hegt die auf historische Momente ältester Zeit gestützte Vermuthung, daſs sich die Gruft Karl’s des Groſsen hier befunden habe.
(Versch. Bll.)
29) Die /Burgruine Habsburg/ im Canton /Aargau/, welche in letzter Zeit dem Verfall sehr entgegengegangen ist, soll auf Kosten der Kantonsregierung =repariert= werden. Es ist zu diesem Zwecke bereits eine Summe ausgesetzt.
(Ill. Ztg.)
30) Das für die /Restauration des St. Stephansdomes in Wien/ eingesetzte Dombaucomité hat beschlossen, im laufenden Jahre die Restauration des hohen Thurmes zum Abschluſs zu bringen, den Bau einer neuen Sakristei in Angriff zu nehmen und die Wiederherstellung des Innern des linksseitigen Chors zu vollenden.
(Dies.)
31) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien am 21. Februar überreichte Regierungsrath Dr. Joseph Diemer als Fortsetzung seiner „Beiträge zur ältern deutschen Sprache und Literatur“ eine /neue Ausgabe des Liedes von den Wundern Christi/. Dasselbe wurde im Jahre 1065 bei Gelegenheit einer groſsen Pilgerfahrt nach Jerusalem, an der über 7000 Menschen Theil nahmen, von Ezzo, Scholasticus in Bamberg, verfaſst und gehört zu den ältesten und schönsten Dichtungen des Mittelalters. Es befindet sich nur in der vom Herausgeber entdeckten Vorauer Handschrift XI aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, aber leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern durch den spätern Bearbeiter oder Schreiber mehrfach verändert. Das Lied, wenigstens dem Sinn und Inhalte nach, in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen, ist der Zweck der vorgelegten Ausgabe.
32) Kaum gibt es einen Namen in der deutschen Kunstgeschichte, der die Forscher so vielfach beschäftigt und so oft irre geführt hat, als der des /Van der Weyden/. Kannte man früher nur einen Roger van der Weyden, der die Kreuzabnahme in Berlin von 1488 gemalt, und nach van Mander 1529 gestorben war, so kam darauf der Roger von Brügge als Roger van der Weyden der Aeltere zu Tage, und jener erste und einzige erhielt den Beinamen „der Jüngere.“ Durch andauerndes Forschen und Vergleichen ist es gelungen, eine namhafte Zahl von Gemälden als Arbeiten des ältern Roger festzustellen, durch die er als einer der bedeutendsten Meister der altflandrischen Schule dasteht. Als die herrlichsten Werke seiner Hand wurden verschiedene Tafeln in den kgl. Sammlungen zu München und Berlin anerkannt; zu diesen kamen dann später noch die „Sacramente“ in Antwerpen und das „Jüngste Gericht“ in Beaune, aus welchem seine Urheberschaft des „Danziger Bildes“ klar zu Tage trat. -- Gehen auch in diesen Dingen die Meinungen noch etwas auseinander, so ist doch eine Uebereinstimmung nicht unglaublich, da überall Momente der Verständigung vorliegen. Aber eine groſse Schwierigkeit bietet die Kreuzabnahme des s. g. jüngern Roger. Zunächst ist zu bemerken, daſs derselbe seine Existenz einer als irrig dargethanen Nachricht van Mander’s verdankt. Roger’s Sohn hieſs Peter, dessen Sohn Goswin, und erst dessen Sohn wieder Roger; und dieser jüngere Roger, weit entfernt 1529 zu sterben, war noch gegen 1540 in voller künstlerischer Thätigkeit, die er erst 1528 begonnen. (S. die archivalischen Untersuchungen bei Chev. Leon de Burbure, documens biographiques etc. Bruxelles, 1865.)
Nun ist die Kreuzabnahme in Berlin, die, mit 1488 bezeichnet, dem jüngern Roger zugeschrieben wird, eine Copie, deren Original einst in einer Marien-Kirche auſserhalb der Stadt Löwen war, und in so hohem Grade das Wohlgefallen der Statthalterin der Niederlande, Maria von Ungarn, Schwester Carl’s V., erregte, daſs sie nicht ruhte, bis sie es in ihren Besitz bekam (um 1530). Durch sie ist es nach Spanien gekommen und durch eine Copie von M. Coxcie ersetzt worden. Jetzt aber ist das Bild zweimal in Spanien, einmal im kgl. Museo, das andere Mal in der Sacristei der Laurentius-Kirche des Escorial, ohne daſs man mit Sicherheit zu sagen weiſs, welches das Original sei? Noch weniger ist sicher gestellt, wann und durch wen es gemalt worden?
Sehr vieles spricht für Roger; und doch sind Formen in dem Bilde, die mit ihrer Fülle und Rundung auf eine spätere Zeit weisen, als die Roger’s, der 1465 aus dem Leben geschieden. Nun tritt ein neuer Umstand hinzu, der -- wie dunkel er noch ist -- doch einiges Licht verspricht. In der Kirche S. Domenico zu Neapel, in der Capella del Crocifisso (d. i. des Crucifixes, das einst mit Thomas von Aquino gesprochen hat) ist eine Kreuzabnahme, die man dort dem neapolitanischen Maler Zingaro zuschreibt, die ich aber sogleich als deutsche Arbeit und bei näherer Betrachtung unter Anwendung von Kerzenlicht, da der Ort sehr dunkel ist, als ein Werk Roger’s oder eines seiner Zeitgenossen erkannte. Ungeachtet der Verschiedenheit des Formates ist die Composition in allen Motiven (soweit ich sie verfolgen konnte) dieselbe, wie die obengenannten in Madrid und Berlin; aber Zeichnung und Technik scheinen mir älter zu sein. Daſs Roger in Italien war (um 1450) ist vielfältig sicher gestellt. Sollte das Bild in Neapel mit seinem Aufenthalt in Italien in Verbindung stehen?
Soviel vorläufig, um zu weitern Nachforschungen zu reizen.
/München/, 15. März 1866.
/Dr. Ernst Förster./
Inserate und Bekanntmachungen.
8) In dem Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1866, S. 24, findet sich die noch unerklärte Inschrift auf einem Tische aus dem 15. Jahrh. Der Einsender derselben hält solche für einen /Zauber- und Segenspruch/. Der Unterzeichnete glaubt darüber andere Auskunft geben zu können. Auf der hiesigen Stadtbibliothek findet sich ein solcher Tisch mit der Bezeichnung der ehemaligen lüneburgischen Münzen: Mark, Schilling und Pfennig in den allbekannten Abkürzungen. Dieser Tisch diente einem Rechnungsbeamten, der mit Kreide die eingehenden oder auszugebenden Summen neben diesen Zeichen bemerkte und darnach in seine Rechnung eintrug. Ein solcher Tisch war offenbar auch der im Museum zu Freising befindliche; nur ist die Bezeichnung etwas anderer Art. Das M bedeutet tausend, das C hundert, X zehn, das folgende Zeichen [*Pfund] die Einheiten nach Pfunden. Die folgenden Zeichen, wahrscheinlich die Bezeichnung der Unterabtheilung (in Norddeutschland Schillinge [ß] und Pfennige [Denare ₰]) wird ein der älteren Münzverhältnisse Bayerns Kundiger darnach leicht enträthseln. Das X und V sind offenbar die Zahlzeichen zehn und fünf. An jeder Seite des Tisches hatte ein Rechnungsführer seinen Platz und die Reihe der Zeichen zu seiner linken Hand. Daher die doppelte Reihe.
/Lüneburg./ /Dr. Volger/, Director der Realschule des Johanneums.
9) Das /Minutoli/’sche Institut für Kunst und Gewerbe wird um Mitte April d. J., wie im Jahre 1857, in den Räumen des königl. Schlosses zu Liegnitz eine groſse Ausstellung seiner sämmtlichen Muster-Sammlungen veranstalten.
10) =Die altpreuſsische Monatsschrift=
zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, Wissenschaft und Industrie herausgegeben von
=R. Reicke= und =E. Wichert=
erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~, ~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, ~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und ~Bibliographie~.
Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.
/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.
Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter /Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition (Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen.
Königsberg i. Pr., 1866.
~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~ Den Commissions-Debit besorgt die ~J. C. Hinrichs~’sche Buchhandlung in /Leipzig/.
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.
ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.
/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.
Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.
Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1866. Nº 4. April.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die Krönungsinsignien des Mittelalters.
Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen
von A. /Essenwein/.
Unsere deutsche Literatur ist nicht eben arm an guten und interessanten Werken, und doch dürften sich darunter wenige finden, die gerade für alle die Kreise, welche das germanische Museum repräsentiert, mehr und gleichmäſsigeres Interesse finden, als das groſse Prachtwerk des Canonicus Dr. F. Bock, Mitgliedes unseres Gelehrtenauschusses. Ist ja sein Inhalt so enge verwachsen mit der Geschichte des deutschen Volkes und behandelt er doch gerade die sprechendsten Zeugen oder Zeichen deutscher Herrlichkeit! Aber nicht blos für den Patrioten, nicht blos für den Forscher auf dem Gebiete der Geschichte, auch für die Kunstforschung ist das Werk ein hochwichtiges, da es derselben neue und höchst werthvolle Materialien zuführt. Es ist für den Künstler von höchster Wichtigkeit, denn wie oft bildet der Maler den deutschen Kaiser ab! welche Fülle von Ornamenten findet der Goldschmied, der Seidenwirker, der Sticker in den Tafeln des Werkes! So allseitig auch das Interesse daran sein mag, so Wenige werden leider in der Lage sein, das Werk selbst zu sehen, da es zu jenen theuern Prachtwerken gehört, die nur Wenigen zugänglich sind. Wir glauben daher eine Pflicht zu erfüllen, wenn wir die Leser des Anzeigers nicht blos obenhin damit bekannt machen und von dessen Existenz einige Worte sprechen, sondern näher auf den Inhalt selbst eingehen, da wir aus dem angeführten Grund eben die Leser nicht auf das Werk selbst verweisen können. Wenn wir daher die vorliegende Besprechung nicht in die Beilage des Anzeigers unter die literarischen Notizen stellen, so mag der Umfang derselben, die Wichtigkeit des Gegenstandes, und die Unzugänglichkeit des Originalwerkes dies rechtfertigen. So ist es uns auch möglich, in der Reihenfolge der zu behandelnden Gegenstände einigermaſsen von der durch das Entstehen des Werkes selbst bedingten zufälligen Reihenfolge abzuweichen.
Das Werk behandelt nicht blos die eigentlichen deutschen Reichskleinodien, sondern auch alle formverwandten Parallelen, d. h. so zu sagen alles, was von königlichen Insignien aus dem Mittelalter heute noch erhalten und bekannt ist; wir finden darin eine Serie von Goldschmiedearbeiten, die ihren Ausgangspunkt noch unter den altgermanischen Stämmen nimmt und durch das ganze Mittelalter sich bis in’s 17. Jahrh. verfolgen läſst; wir finden alle Entwicklungsphasen vertreten, welche die Form der Krone durchgemacht hat. Wir finden Reichsäpfel, Scepter und Schwerter vertreten; wir finden eine prachtvolle Serie von Pluvialen, Dalmatiken, Alben und Tunicellen, die fürstlichen Personen gedient haben, so daſs auch hier sich interessante kunstgeschichtliche Parallelen aufstellen lassen. Auſserdem finden wir aber auch den ganzen Apparat, der in der Krönungskirche bei der feierlichen Gelegenheit einer Krönung gebraucht wurde, und die Behandlung der Feierlichkeit selbst.
Wir zerlegen daher den Aufsatz in drei Theile, in deren erstem wir das besprechen, was sich auf die Krönung der Kaiser bezieht, im zweiten werden wir die einzelnen Theile des Krönungsornates in Besprechung ziehen, im dritten aber die kunstgeschichtliche Bedeutung der einzelnen Parallelen und den Entwickelungsgang der Formen der einzelnen Zeichen königlicher Machtvollkommenheit zu zeigen versuchen. Wir hoffen so unserem gelehrten Freunde und Mitarbeiter des Museums gerecht zu werden wie dem Interesse der Wissenschaft.
I.
Die Einleitung des Bock’schen Buches beschäftigt sich mit der Krönung, und zwar vorzugsweise mit der Art und Weise, wie und in welcher Reihenfolge die einzelnen Stücke angelegt wurden. Bekanntlich wurden die Reichskleinodien zu Nürnberg in einer Truhe aufbewahrt, die jetzt im germanischen Museum steht, ehemals aber in der heil. Geistkirche oben am Gewölbe hieng. Von Nürnberg aus wurden die Kleinodien zu jeder Krönung in die Krönungstadt (Rom, Aachen, später Frankfurt) gebracht, und zwar durch Abgesandte des Rathes. Es existieren noch Berichte der mit dieser Sendung beauftragten Rathsherren. Der Verfasser concentriert seine Bemerkungen zunächst auf die zu Aachen 1520 stattgefundene Krönung Karl’s V. Wir bemerken, daſs sich im königlichen Archiv zu Nürnberg ein Bericht von den damals mit der Mission der Ueberbringung der Kleinodien betrauten Nürnbergern befindet[A]. Am 22. October hatte die feierliche Einholung des Königs stattgefunden, am folgenden Tage versammelten sich die drei geistlichen Kurfürsten mit ihrer Klerisei in der Nicolaikapelle des Domes, wo der König mit glanzvoller Umgebung in fürstlichen Gewändern mit goldenem Oberkleide erschien. Der Erzbischof von Köln beräucherte ihn, worauf er das Kreuz und Evangelienbuch küſste und, von den drei Erzbischöfen und vom Clerus geleitet, in die Kirche eingeführt wurde, während der Chor die Antiphon anstimmte: Ecce ego mittam angelum meum. Vor dem Altar lieſs sich der König auf goldenem Teppich nieder, worauf der Erzbischof von Köln, der die Krönung vollzog, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten begann. Von den Erzbischöfen zu Mainz und Trier wurde Karl sodann zur Sella aurea geführt. Darauf begann die Krönungsmesse, wobei der Chor den Introitus vom Feste Epiphanias anstimmte: Ecce advenit dominator dominus. Die Epistel begann mit den Worten: Surge illuminare Jerusalem. Während der König sich sodann wieder vor den Stufen des Altars niedergelassen hatte und der ganze Clerus kniete, sang man die Liturgie aller Heiligen; darauf legte der Consecrator, angethan mit der Mitra und dem Stabe in der Hand, dem Coronandus die üblichen Fragen vor, nach deren Beantwortung er sich an die versammelten Fürsten wandte: Vultis tali principi et rectori vos subjicere ipsiusque regnum firmare fide Stabilire atque jussionibus illius obtemperare juxta Apostolum: Omnis anima potestatibus sublimioribus subdita sit sive regi tanquam praecellenti...? Nach dreimaligem „fiat“ wendete sich der Abt von Prüm an das Volk, dem er die Frage deutsch vorlegte. Abermals kniete Karl am Altar nieder und der Erzbischof sprach eine längere Segnung, worauf er Handschuhe und Ring ablegte und Karln salbte, der hierauf von den Erzbischöfen von Mainz und Trier in die Sakristei geleitet wurde, wo die Kapläne die gesalbten Körpertheile abtrockneten. Die Gewänder, die der Gesalbte bis dahin getragen, wurden nun abgelegt und fielen dem Krönungsstifte zu. Da Karl aber mit den vom Nürnberger Rathe gesendeten Gewändern (Sant Keysser Karl’s claidung) in der Sakristei bekleidet werden sollte, entstand eine Verwirrung, da man die Reihenfolge der Anlegung nicht genau kannte und auch befürchtete, die Kleider möchten Schaden leiden. Karl wurde daher mit andern analogen, dem Münster gehörigen Pontificalien bekleidet. Nach dem Ritus hätten zuerst die seidenen Strümpfe und Schuhe, sodann das seidene Humerale angelegt werden sollen, hierauf die dunkle tunica talaris, den priesterlichen Talaren entsprechend, die, nach Bock, mit einem Gürtel geschürzt wurden. (Wir glauben hier bemerken zu müssen, daſs das Gewand so zugeschnitten war, daſs eine Schürzung nicht nothwendig war, daſs es aber auch nur eine gröſste Länge von 4′ 7½″ hat, daſs also, da es bis zu den Füſsen reichen sollte, die Schürzung bei groſsen Personen nicht nothwendig war.) Darüber hätte nun von der Nürnberger Krongesandtschaft und den Hofkaplänen die kaiserliche Albe gelegt werden sollen, statt der Karl „mit einer schlechten weiſsen Alm“ bekleidet wurde. Diese Albe ist sehr lang, muſste also auch bei den gröſsten Personen mit einem Gürtel aufgeschürzt werden. Darauf war die groſse, breite kaiserliche Stola anzulegen, die, da sie 18′ lang ist, mehrfältig zusammengelegt und geschürzt werden muſste, was bei ihrer groſsen Breite immer gewisse Schwierigkeiten machte. Unter den von Nürnberg mitgebrachten Kleidungsstücken befand sich auch die sogenannte „Adlerdalmatika“, die indessen nicht blos hier nicht gebraucht wurde, sondern die wohl überhaupt von jeher ein Profangewand war, zu dem auch die nun verloren gegangene Gugel gehörte, und das etwa gebraucht wurde, wenn sich der Kaiser im Festzuge aus dem Palaste zur Krönungskirche begab. Eine wirkliche Dalmatika jedoch, die sich noch zu St. Peter in Rom befindet, stand zur Krönung in Beziehung, indem sie der zu krönende Kaiser trug, wenn er in der Krönungsmesse das Evangelium sang.
An den Altar zurückgekehrt, empfieng Karl vom Krönenden das aus der Scheide gezogene Schwert, das sodann in die Scheide gelassen und dem Coronandus umgegürtet wurde. Hierauf wurde ihm ein Ring an den Finger gesteckt, der jedoch, obwohl bei jeder Krönung nothwendig, nicht zu den Kleinodien gehörte, bei denen schon im Beginn des 15. Jahrh. sich keine Ringe mehr befunden zu haben scheinen. Unmittelbar nachher dürfte der zu Krönende die Handschuhe angezogen haben. Die damals noch bei den Kleinodien befindlichen zwei romanischen Armspangen mit Darstellungen der Geburt Christi und der Opferung in Email wurden damals schon nicht mehr gebraucht und an ihrer Stelle dem Coronandus die Insignien des goldnen Flieſses umgehängt. Zugleich damit wurde demselben der Mantel angelegt, der nach dem Ritus erst später hätte gegeben werden sollen, wenn er bereits Scepter und Reichsapfel hatte, die von den Assistenten dem Consecrator übergeben wurden, der nun das Scepter in die Rechte, den Reichsapfel in die Linke des zu Krönenden legte, wobei er das vorgeschriebene Gebet verrichtete.
Sodann nahmen die drei Erzbischöfe die goldene Krone und setzten sie dem neuen König unter vorgeschriebenen Gebeten auf, der nun zum Altar schritt und auf das Evangelium den Eid ablegte. Hierauf begab sich der König, geführt von den Erzbischöfen, über eine Wendeltreppe auf die Empore des karolingischen Octogons, wo der König vom marmornen Stuhle Karl’s d. Gr. Besitz nahm. Der Erzbischof von Mainz sprach nun Worte der Begrüſsung an den Neugekrönten, worauf Propst und Canoniker des Krönungsstiftes nahten und nach vollzogener Begrüſsung den König in die Reihe der Canoniker aufnahmen, wobei er den vorgeschriebenen Eid leistete, worauf er Einigen den Ritterschlag ertheilte. Nach Noppius stand es frei, ob der König dies mit dem Schwerte „derer von Nürnberg, so etwas schwer sei“, oder mit dem Karl’s d. Gr. von Aachen thun wolle. Der Chor sang das Te Deum. Nachdem sich der König sodann wieder in die Kirche zum Altar begeben hatte, wurde das Meſsopfer fortgesetzt. Ein Canoniker des Stiftes sang das Evangelium der Epiphania: Cum natus esset Jesus in Bethlehem Juda. Nachdem der Chor den Gesang des Symbolums beendet hatte, wurde die Sequenz Reges Tharsis angestimmt. Der König legte nun das Schwert ab, überreichte es dem Erzmarschall, den Reichsapfel dem Pfalzgrafen bei Rhein; das Scepter in der Rechten haltend, trat er sodann zum Altar und brachte ein Geldstück zum Opfer, hierauf schritten die Kurfürsten und Canoniker des Krönungsstiftes zum Opfer und wurde ihnen vom Celebrans das Sacrum zum Kusse gereicht. Beim Agnus Dei kniete der Bischof von Lüttich am Altar nieder und empfieng das osculum pacis; derselbe nahm sodann das Sacrum und reichte es dem Bischof von Mainz, der es dem König zur Verehrung darbot. Nach der Communion des Celebrans empfieng der König solche an den Stufen des Altars.
Nach der letzten Collecte begab sich der Erzbischof in die Sakristei, während der König, vor dem Altar sitzend, abermals Mehreren den Ritterschlag ertheilte, und die drei Kurfürsten die Pontificalien mit dem kurfürstlichen Purpur vertauschten. Auf einer eigens dazu erbauten Brücke, die mit Tuch belegt war, begab sich sodann der König mit dem Gefolge im Zuge unmittelbar zum Rathhaussaale, wo das Krönungsmahl statthatte.
Das Ceremoniale stimmt, wie wir hier nebenbei bemerken wollen, im Wesentlichen mit dem anderer Königskrönungen überein, so mit dem der polnischen Krönungen, das wir in unserm Buche „Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau“ angeführt haben.
In einem Theile des Anhanges führt nun Bock noch einige kostbare Prachtstücke auf, die zum Schmucke des Altares der Krönungskirche dienten. An der Spitze das Frontale zur Bekleidung der Altarmensa, aus Gold getrieben, das nicht mehr im Ganzen besteht, dessen einzelne Theile aber noch sämmtlich erhalten sind. In der Mitte ist die Majestas Domini, daneben St. Michael, Patron Deutschlands, und die heilige Jungfrau. Die Symbole der Evangelisten umgeben den Mitteltheil, darum zehn Scenen aus dem Leiden Christi vom Einzuge in Jerusalem bis zur Auferstehung.
Noch erhalten sind die zwei kostbaren Reliquienschreine, von denen einer die Gebeine Karl’s d. Gr. umschlieſst, die hinter der Mensa des Hochaltares erhöht aufgestellt wurden. Sie finden ausführliche Beschreibung, wie auch der Ambo Heinrich’s II. und der Kronleuchter Friedrich Barbarossa’s, das Kreuz Lothar’s, das Evangelienbuch Heinrich’s II., eine Kleinodientruhe, von Richard von Cornwallis herrührend, ein Aquamanile in Gestalt eines Bacchuskopfes, 2 silberne Meſskännchen in Gestalt von Engeln, das Weihwassergefäſs aus Elfenbein Otto’s III., endlich die beiden Reliquiarien in Form eines Brustbildes uud eines Armes, in denen das Cranium und der Armknochen Karl d. Gr. aufbewahrt werden. Auf dem Kopfe dieses Brustbildes ruht die Corona argentea.
Ein anderer Abschnitt des Anhanges beschäftigt sich mit den zu den deutschen Reichskleinodien gehörigen Reichsreliquien und der von 1425-1523 jährlich stattfindenden öffentlichen Vorzeigung der Kleinodien und Reliquien, die zu Nürnberg am zweiten Freitag nach Ostern geschah und als Festum de lancea et clavis domini in Deutschland und Italien gefeiert wurde, ein Festtag, der sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat.
(Schluſs folgt.)
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Abgedruckt mit einem zweiten Berichte über den Einritt des Kaisers in Aachen, der sich handschriftlich in der Bibliothek des germanischen Museums befindet, von Dr. Cornel. Will, Archivsekretär des german. Museums, im Chilianeum IV, 334 ff. Dieser Abdruck hat neben Hartmannus Maurus der Darstellung Bock’s zu Grunde gelegen. Ein Bericht des Ritters Ludwig von Eyb über Maximilan’s Krönung zu Aachen 1486, mitgetheilt von Jos. Baader, bietet nach mancher Seite hin gröſsere Anschaulichkeit (Annalen des histor. Vereins f. den Niederrhein, XV. Heft. 1864).]
Die Juden zu Naumburg an der Saale.
Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.
(Fortsetzung.)
Im J. 1402 verehrten die Juden dem Rathe eine Lamprete. Es muſs aber in jener Zeit ein groſser Fisch diesen Namen geführt oder das /eine/ nur die Art bezeichnet haben, weil es heiſst: „mit den guten Freunden verzehrt Woche Exaudi.“[22]
Das Ereigniſs blieb unermittelt, durch welches in anderthalb Decennien eine ungemeine Verminderung der Juden zu Naumburg stattfand, und ist eine partielle Vertreibung am wahrscheinlichsten.
Im J. 1410 fand ein Vergleich der drei Räthe mit der Judenschaft statt -- mit /allen dreien/, weil sonst das, was der regierende (sitzende) Rath beschlossen hatte, von dem folgenden über den Haufen geworfen werden konnte. Ein solches Abwechseln, welches die Freiheit schützen und das Parteigetreibe unschädlich machen sollte, fand sich in vielen Städten, z. B. in Mühlhausen.
Zu dem Vertrage waren „vnsern mit Rathmanne vnnd geschworene kumpane“ gezogen worden, unter denen einige Edelleute. Die Zahl der Juden wurde auf 22 festgesetzt, und war dieses die im Hause C wohnende Familie[22b] des Rabbi /Abraham/. Verringerte sich diese, so konnte jene durch Zuziehende voll gemacht werden. Die Juden gelobten, jährlich 40 gute rheinische Gulden schwerer Münze, in zwei Terminen (Michaelis und Walpurgis) zu zahlen, und zwar für Synagoge, Schule und ein Wohnhaus, „sampt dem minderen flecke, das ist in dem sagkvit“.
Sollten aber mehr Juden in die Stadt kommen, als oben festgesetzt, stets nur mit Wissen des sitzenden Rathes, so ist die Besteuerung dieselbe, als die der angesessenen Juden, und blieb es gleich, ob jene dauernd, oder nur zeitweise weilten. Man wollte den Angesessenen das Vertrauen schenken, die Steuer von den Zugezogenen einzuziehen und auf das Rathhaus zu bringen. Ein abziehender Jude muſste zuvor die rückständige (vorsessen) Steuer entrichten. Verminderte sich die obige Zahl der Juden ohne Wiedervollmachung, so sollten die vorhandenen dennoch die ganze Steuerquote aufbringen. Die Schule sammt dem Vorhause wurde den Juden erblich übergeben; sie waren aber von der Entrichtung des Wachgeldes frei und brauchten für die innehabenden Grundstücke keine „Thormtage“ zu thun. Sollte jene Schule abbrennen, so wollte sie der Rath wieder aufbauen; kam aber das Feuer durch die Juden aus, so waren diese, nach ihrem feierlichen Gelöbnisse, zum Wiederbaue verpflichtet.
Am Schlusse heiſst es (im heutigen Deutsch): „Auch haben wir obengenannte drei Räthe von Naumburg den vorerwähnten Juden und ihren Erben gelobt und geloben ihnen mittelst dieses Briefes, daſs wir sie vertheidigen, beschützen und beschirmen wollen, mit Ausnahme (gegen) unseres Herrn (des Bischofs), und ihnen zu allen Rechten verhelfen, gleich unseren Mitbürgern, so wir auf das Beste können und mögen, ohne Arglist.“
Beide Theile schworen sich das Halten des Vertrages zu, der am Sonnabend nach St. Veronika abgeschlossen worden ist. Es ist bemerkenswerth, daſs von einem Eigenthumsrechte des Bischofs an den Juden keine Rede ist[23].
In demselben Jahre 1410 wurde zu Naumburg ein Jude getauft, was sich im J. 1411 mehrfach wiederholte. Von den früheren Glaubensgenossen des Convertiten heiſst es: „wie noch gehabt eine sondirliche geſslein, die Judengasse genannt“[24].
Im J. 1442 finden wir wenigstens die Juden genannt; Kaiser /Friedrich/ III. machte den Versuch, aus dem obersächsischen Kreise das Opfergeld von Israel zu erlangen, und da werden namentlich die Juden zu Naumburg, Querfurt u. s. w. erwähnt.
Im J. 1446 traten bischöfliche Beamte mit dem Rathe von Naumburg wegen des von den Juden getriebenen Wuchers zusammen. Die Namhaftmachung ist nicht ohne Interesse: Der gestrenge /Hans von Selfchicz/, der Hauptmann /Gerhard/, der Rath /Hans von Nixte/, der geschworene Richter zu Naumburg /Nikolaus von Höndorff/; ferner, mit Vollmacht (volborte) der drei Räthe: die Burgermeister /Hans von Glogau/ und /Thomas Hildebrand/, der Kämmerer /Konrad/, der Schützenmeister /Paulick/ etc.; dann von den Juden: /Leser/, /Meyer/, /Muschel/, /Jakob/, /Gatheus/, /Abraham/ und /Yusche/.
Die Räthe hatten erkannt, daſs die Stadt schwer gelitten habe und leider durch den von den Juden getriebenen Wucher, auch in anderer Weise. Die Bitte um Abhülfe war dem Bischof /Peter/ vorgetragen und von diesem eine Teyding befohlen worden. Fortan durfte von Bürgern, ihren Frauen und Kindern wöchentlich vom Gulden oder Schock nur zwei Pfennige Zins genommen werden (eyne halli. guldin adir eynen ort). Es wurde untersagt, Zins zum Kapital zu schlagen (folgin hyndir sich zu rechin), vor Ablauf eines Jahres von einem Naumburger Bürger Zahlung zu fordern; fürchtete aber der Jude, daſs das Pfand nicht mehr Kapital (houbit -- Hauptgut) und Zins (wuchir) decke, so muſste er die Sache vor den bischöflichen Richter und den sitzenden Rath bringen.
Es sollte Geld auf Schein oder Pfand von den Juden, Jüdinnen, Angehörigen nicht an Bürger, Bürgerinnen, Bürgerskinder geliehen werden, die unter Vormundschaft standen, und zwar bei Verlust des Betrages. Der Erlaſs wurde jedes Jahr in der Kirche veröffentlicht, auch ein Verzeichniſs der unter Vormundschaft Stehenden dem Vorstande der Juden zu weiterer Verbreitung mitgetheilt. Wer sich von den letzteren dem Vorstehenden nicht fügte, der sollte nicht in Naumburg aufgenommen oder daselbst geduldet werden[25].
In den Jahren 1478 und 1479 hatten Juden Häuser, was die Erklärung wohl darin findet, daſs solche durch den Bischof /Dieterich/ auf 4 Jahre zugetheilt worden waren, also in der Georgen-Freiheit lagen.
Wir geben wörtlich die folgende Notiz (im heutigen Deutsch[26]: „/Dieterich von Erdmannsdorff/ bringt an Ihren Gnaden (den Bischof) ein Credenz-Schreiben, an Rath wegen /Meyer’s/ des Juden. Zu Nacht darauf er auch diese (diesen) gefangen, seine Güther verzeichnet und theils beigelegt worden.“
Beim J. 1489 heiſst es, „/Kunz Berold’s/ Haus ist gekauft und daraus Judenhäuser gebaut worden. Andere Wohnungen der Israeliten wurden, ebenso die Synagoge, ausgebessert[27]. Von diesen gemietheten Baulichkeiten zahlten die Juden 1491 jährlich 40 Gulden an den Rath[28].“
Am Montage nach Vocem jucunditatis 1494 erlieſs Bischof /Johannes/ III. einen Brief, wo einleitend das fürstliche Streben hervorgehoben wird, den Unterthanen zu nützen, Schaden von ihnen zu wenden. Rath, Räthe, Handwerker, Kassenmeister hätten mannichfache Klagen gegen die Juden erhoben, gegen diese Feinde des Kreuzes Christi, Lästerer seiner werthen Mutter, Verspotter des christlichen Glaubens. In Betracht der starken Vermehrung und des den Einwohnern zugefügten Schadens will der Bischof die Juden „vrlauben“ und aus allen Gebieten und Gerichten ziehen lassen, womit sich Dechant, Senior und Domkapitel einverstanden erklärt haben. Jener verpflichtete sich und seine Nachkommen (sic) auf ewige Zeiten, keine Juden aufzunehmen oder wissentlich zu dulden, welchen Handel diese trieben. Geschähe solches in benachbarten Gebieten, so soll doch kein Israelit des Handels wegen in Naumburg, in die Vorstädte oder in die Freiheit eingelassen werden. Treibt ein solcher mit den Unterthanen Geschäfte, so soll ihm Rechtsbeistand versagt werden.
Obgleich die Synagoge früher dem Stifte zuständig war, will sie dennoch der Bischof der Stadt zu gemeinem Nutzen überlassen. Dagegen hat sich der Rath durch besondere Verschreibung zu verpflichten, anstatt der bedeutenden (?) Einnahmen, die der Bischof von den Juden gezogen, jährlich 60 rheinische Gulden in halbjährigen Terminen zu zahlen. Dieser Zins kann aber von der Stadt mit 1200 vollwichtigen und landesüblichen (lantwerigen) rheinischen Gulden abgezahlt werden, bei vierteljähriger Kündigung, an die Kammer zu Zeitz. Schlieſslich bekennen Prälaten und Domkapitel ihre Zustimmung, und sind die groſsen Siegel des Bischofs und des Stiftes der Urkunde angehängt[29].
Die Synagoge wurde im J. 1496 abgerissen und heiſst es beim J. 1498: „Diſs Jahr ist das Judengeld Ihrer Fürstlichen Gnaden Kammer zum ersten mahl als 60 fl. gegeben worden“[30].
Die obige rückkäufliche Zinszahlung erfolgte durch vier Jahrhunderte mit jährlich 52½ Thaler, und hatte man die Herstammung längst vergessen. Im J. 1812 verzichtete die Stiftsregierung auf die Rente, wogegen die Stadt den Leibzoll fallen lieſs, den sie von den die Naumburger Messe besuchenden Juden erhob[31].
FUSSNOTEN:
[Fußnote 22: A. N., S. 129; M. N., S. 1b.]
[Fußnote 22b: familia, wie im Alterthum, einschlieſslich Seitenverwandte und Dienstboten.]
[Fußnote 23: C., S. 45 f. Vgl. unten Urkunde A.]
[Fußnote 24: A. N., S. 142; M. N., S. 1 b; N. R., S. 113.]
[Fußnote 25: O., Nr. 26. Vgl. unten Urkunde B.]
[Fußnote 26: M. N., S. 11 b.]
[Fußnote 27: A. N., S. 195, 197 b; N. B. 364; 559; M. N., S. 14 a.]
[Fußnote 28: A. N., S. 195; N. R., S. 559.]
[Fußnote 29: C., S. 49; A. N., S. 140. Vgl. unten Urkunde C.]
[Fußnote 30: M. N., S. 15 b.]
[Fußnote 31: Kämmerei-Sachen. Act. XVII, 1, S. 77 f.]
Anhang.
Drei bisher ungedruckte Urkunden.
=A. 1410.= Judenn was die ethwann vor gerechtkeyt jn der stade gehabt.
Joh. Hermann Schleif Claus Matstede Bürgermeister, hanns Hiltebrant Vrise Gibüthe, kammerer, andrer vnsern mit Rathmanne vnnd geschworne kumpanne, hanns Posenhayn, hanns von Grbyg, Cunrat vonn Hondorff, Albrecht von Vitzthumm, hanns Schwabesdorff, heinnrich thann, hanns kimschewitz, Nicol Werker inn dem erstenn Rathe, hanns Rogehansing, Johannes Matsfeder, Burgemeister Otto Simeke, Nickol von Kircke Chammrer, Andrer vnnssrer Mitrathmannen vnnd geschworene kumpane zu andren Rath, Heinicke vonn Ogrer, krestian von Igener, Bürgermeister, Conrad hillebrannt Hans Brauhopf Chammerer, andere vnsere mitrathmanne vnnd geschworene kumpane zum dritt. Rathe der Stadt Naumburgk bekennen offentlichenn jnn dissenn briue, vnnd thunn kunt allenn denenn die jnn sehenn oder hoernn lesenn, das wir vns mit Vorrathe vnnd mit gütl. wyllen vnd wissenn dryer Rethe vnd aller der die vnssre vorgenanntenn Stadt bürgerrecht habenn, gentzlichenn vnd eintrechtiglichenn vereiniget habenn mit vnssrenn Judenn dy do wonhaft vnnd behauset sein in vnnsre stade Naumburgk, idoch so sollen der Juden die in der zal gehoren zween vnd zwantzigk seien, Nemlich Meister abraham vonn haus C mit jren (?) kinndern vnd allenn jrenn erbenn, Vnd wo sie ire zal volkomlich nicht habenn, so sollen sie ire zal vol machenn, wann sie das ann andrenn Judenn gehabenn mugen, ane argelist.
Dorumb sie vnns gelobet haben vnnd geloben samptlichenn jnn diesen briue vnns alle Jhar vonn der sinagogenn, vonn der Schule, in den furdern hause, das ist in dem Sagkwit, sollenn vnnd wollenn gebenn, zu geschos vnd zu zinssenn vierzigk guthe Rheinische guldenn schwer gemünzt, ann gelte darprenge vnd gebd.[A] sein, jeglicher gulden zu (unleserlich), jn dem Jhar halb auff Sannct Michahelistags negst zukünftiges, das andere halbteyl auf Sannct Walpurgentags negst noch volgennt, Vnnd also sollen sie alle jhar jerlichenn, dieweil die obgenanntenn Jüdenn mit irenn rechtenn erbenn, besessen vnd behauset sein inn vnnsre Stad Naumburgk, -- Were auch das obgenannter Jüdenn einer wegk ginge oder züge, so sollen die Hierbliebenenn in der Stade mehrere wiedernehmenn zu hülffe das ire zall vol sei, ann denn ehegenannthenn schosse vnnd zinnsse, also ihrer vorgenhannt haben die wegk zügen, -- Die Jüdenn sollenn dann desselbigen gleichen es genissenn als die vorgenanntenn Jüden genossenn habenn.
Kommen aber mehr Jüden vber die vorgenannte zal jnn vnnssre Stadt, zu rastenn oder zu wohnenn, die sollenn thun nah jre manzzall ooprennder[B] Stadt mit wissen des raths, der zu den gezeiten ist, mit geschosse vnnd mit zinnse gleicher wis als die ehegenannthenn ersteren Jüdenn thunn vnnd gethann habenn.
Des sollen wir den vorgenannthenn Jüden glauben, die dahie gebhorenn seint oder werden gebhorenn, das vnns denn zinns vnd geschoss vonn denn vbeirleychen Jüden getrülichen insammelenn, nehmenn, vnd brengenn auf vnser Rathhaws mit jrem geldt auf die vorgenantenn tagezite, als sich vonn rechte gebürt, -- Noch ist mehr gered vnnd gelobbt vonn denn vorgenannthen Jüden, die da inn dem obgenannten gelde stehen, ob irgend einer wegkzihenn oder geenn wolde, der sol des eher denn zins vnd geschos abelegen, den er des Jhars vorsessenn hat, ooprenn (?) seine genossenn denselben, denn sollenn wir vnd wollenn inn nicht hindernn, sondre wyr wollen inn zihenn lassen, wo hinn er wyl, ane ansprach vnd alleini hindernus vnnd ane gefherdt. -- -- Were es auch das die ehegenannthenn Jüdenn eins zyts wegk zügen oder kgaten, oder das sie ann der zal minder würde, so sollenn doch die andrenn, die hier seinn vnnd bleibenn, vnnd ihre wie viel der ist, das vorgenannte geschoss vnd zinsse zumal genntzlich leisten vnd bezalenn auf die vorgenannthenn tagezyten ane allerley widerspruch hindernus vnd gefherde, -- Alss haben wir den obgenannthenn Jüden, Jüd(innen) vnd irenn rechtenn erbenn, die schule vorerbt vnd gelassenn zu einem rechtenn erbe, mit dem Vorhowse das dahin gehoert, mit sampt dem hinderteyl das inn sayk trit, vnd sollen umb der vorgenanntenn jerlichen zinsse vnd gulde, frei vnd loss seinn, Wachegelds -- -- -- -- Thormtage keines mehr vonn der vorgenannthenn schule vnd haeuser zu thün vnnd zu geben,
Were es auch das die obgenannte schule abeginge wegen (feuer) oder Brandis noth, da got vor sei, so sollenn vnd wollen wir die schule selber wider bauenn vnd machen nach ire macht vnd vermügen,
Kehme aber ein feuer oder ein brant aus vonn denn Jüdenn, so habenn vnns die Jüdenn geredt vnnd gelobtt, gereden vnnd geloben, semptlich inn disem briue, das sie sollenn vnnd wollenn, haus vnnd Schuel wider bauen, als es vor gewessenn ist, so sie beste mügt, mit jre selbst kost vnnd geld,
Auch habenn wir obgenannthe drei Rethe zu Naumburgk, denn vorgenannthe Jüdenn vnnd irenn erbenn gelobtt vnnd gelobenn wir inn diesenn briue, das wir sie wollen vorteidingen vorschützen vnd beschirmen, sonder[C] vor vnssern herrn, zu allenn iren rechten gleicher weis, als vnsser mitbürger, so wir aufs best konnen oder mügen, ane allerlei argelist,
Alle disse vorgeschriebene redestück vnnd Artikel dis briues, gelobenn wir vorgenannthe rathsgeschworene, den mehr genanntenn Jüden vund sie vnns wider gleicher weise ganntz stethe vnnd oner benachlichung[D] zu haltenn, ane alle gefherde vnnd argelist -- Vnnd habenn das zu vrkunde vnnd einem warenn bekentnus wissentlichenn vnnssrer stade Naumburgk gross Insigel ann disenn offnenn brief gehanngenn Der gegeben ist nah gottes gottes gebürt virzehennhundert Jhare, danach in dem zehenndem Jhare am negstenn Sonnabend nach S. Veronikstage.
Copieen aller gemeiner stadt Naumburg privilegien Wilkoren Erkauftenn Gerechtigkeiten vnnd vortregen etc. 1540.
Bibliothek des Magistrats zu Naumburg. Manuskripte. (Fol. 45 f.)
Das Vorstehende ist eine Abschrift in der Sprache des 16. Jahrhunderts.
(Schluſs folgt.)
FUSSNOTEN:
[Fußnote A: gebende.]
[Fußnote B:? -- ooprennder Stadt, d. i. opren (opfern, offere) der St. -- Vergleiche: „Opferpfennig, tributum, quod Judae olim solvere tenebantur Imperatori.“ Scherz. -- /D. Red./]
[Fußnote C: Mit Ausnahme, ausgenommen.]
[Fußnote D: Etwa: unerweglichen? /D. Red./]
Zur Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts.
Von Dr. A. /von Eye/.
(Hierzu eine Beilage.)
Bekannt ist das Miſsverhältniſs, in welchem, im Gegensatze zur neueren Zeit und in Bezug auf die Wissenschaft, im Mittelalter Kunst und Künstler zu einander stehen. Auf der einen Seite, aus Bürger-Gildenbüchern und anderen Urkunden entnommen, zahlreiche Namen ohne eine einzige Leistung, welche mit Sicherheit diesem oder jenem zuzuschreiben wäre; auf der anderen noch mehr Werke, von denen wir kaum genau wissen, in welche Gegend sie zu versetzen sind. Im groſsen Ganzen der mittelalterlichen Kunst die tiefste Innerlichkeit, reinster Erguſs des verborgenen Seelenlebens, vollkommenste Verkörperung des allgemeinen Zeitgeistes im anschmiegenden Wesen der Persönlichkeit und doch wieder zur Erklärung all der so geheimniſsvollen wie bedeutsamen Erscheinungen nichts als den Geist der Zeit im Allgemeinen, kaum irgendwo die Kenntniſs engerer Verhältnisse, die damals die künstlerische Entwicklung fördern und richten halfen. Weniger glücklich als die Geschichte unserer Literatur, die längst begonnen hat, dem Verhältnisse des Dichters zum Dichtwerke die feinsten Reflexe abzugewinnen und diese zur Beleuchtung beider, wie ihrer Epoche, zu verstärken, muſs sich die ältere Kunstgeschichte mit wenigen Ausnahmen noch darauf beschränken, Stoff zusammenzutragen, dem Gebiet der Forschung die äuſseren Grenzen zu bestimmen und oberflächliche Eintheilungen zu machen.
Daſs diesem Sachverhalte gegenüber auch der kleinste Beitrag der Specialforschung nicht zurückzuweisen ist, dürfte einleuchtend sein. Auch auf das Gebiet der Miniaturmalerei sich zu begeben, hat jene gewiſs das Recht, seitdem erwiesen ist, daſs die groſse Epoche der van Eyk kaum etwas Anderes als letztere zum Ausgangspunkte gehabt. -- Schon im ersten Bande des Anzeigers gaben wir über einen Augsburger Miniaturmaler v. J. 1487 Bericht, dem wir hier nachträglich anfügen, daſs der dort noch Joh. Gutlinger entzifferte Name, mit mehr Wahrscheinlichkeit /Giltlinger/ zu lesen ist, welche Lesung durch die Schrift selbst nicht ausgeschlossen wird, so daſs der Maler einer auch sonst in Augsburg vorkommenden Künstlerfamilie sich einreiht. Diesmal weisen wir auf zwei benannte Miniaturmaler aus dem 14. Jahrhundert, von deren Hand sich Arbeiten ebenfalls in der Sammlung des germanischen Museums befinden.
Nicht nur den Namen, sondern auch das Bild des Einen finden wir auf dem Groſsfolioblatte eines Plenariums, welches das Officium der heil. Agnes enthält. Auf dem mittleren Stabe des verzierten Initials M, mit welchem dasselbe beginnt, hat der Schreiber die Heilige selbst und daneben sich in anbetender Stellung dargestellt. Ein von seinen zusammengelegten Händen ausgehendes fliegendes Band nennt ihn: /frater mathyas minor dictus stamler/. -- Da die beiliegende Durchzeichnung das Bild nur in schwarzen Umrissen wiedergibt, die Farbe aber einen um so wesentlicheren Bestandtheil desselben bildet, je mehr der ornamentale Charakter darin vorherrscht, lassen wir eine kurze Beschreibung desselben folgen.
In den zu ziemlich breiten Feldern erweiterten Grundstrichen des groſsen Buchstaben ist der mittlere Raum zur Aufnahme einer Verzierung von Gold herausgenommen, während eine Randleiste von der Dicke der schmaleren Linien übrig bleibt, die, wie letztere, mit über Eck gestellten Farben roth und blau coloriert ist. Abwechselnde kleine, goldene Schilde und schwarze Ringe nebst einem Spiele von weiſs aufgesetzten Lichtern beleben diese Farbenzusammenstellung, in welcher, was nicht unbemerkt zu lassen sein dürfte, wir genau dieselbe wiederfinden, die bis zum Ausgang des Mittelalters bei Bemalung des ornamentalen Theiles plastischer Kunstwerke vorherrschend in Anwendung gebracht wurde. Die im Innern ausgeschiedenen Felder sind mit Beibehaltung einer heraldischen Stellung der Farben roth und grün getheilt; die darauf angebrachten Ornamente aus abenteuerlichen Thier- und Blattformen zusammengesetzt. Der Raum innerhalb des geschlossenen Initials, der, in vier Felder geschieden, ganz mit geschupptem und in Schneckenwindungen sich an einander schlieſsendem Riemenwerk ausgefüllt ist, bietet auf den abwechselnd roth und violett tingierten Flächen den Platz für vier Medaillons, von welchen eines eine rothe Rose, zwei goldene Bestiarien aufweisen und deren viertes dem anbetenden Franziskanerbruder die Stelle eingeräumt hat. Vier ähnliche, an der Auſsenseite des Buchstabens angebrachte Medaillons ergänzen dessen Rundung zu einem Quadrat, während zur Füllung der übrig bleibenden Lücken das Riemenwerk des inneren Raumes hervorgenommen worden, das indeſs hier seine Gestalt mannigfach wandelt oder zu Schreiberzügen sich löst. -- Die heil. Agnes, vor dem mittleren Stabe des Initials dargestellt, trägt ein blaſsrothes Kleid unter hochrothem, hermelingefüttertem Mantel, eine goldene Krone auf hellgelbem Haare und das Lamm in einer Art Nimbus auf dem linken Arme, während sie die Rechte mit vorgestrecktem Zeigefinger zu dem Betenden neigt. Der Heiligenschein ist, ohne Zweifel, um nicht Gold neben Gold zu stellen, purpurfarben gehalten und trägt eingezeichnete Ornamente. Der verehrende Künstler ist mit dem aschfarbenen Gewande und dem Knotenstrick seines Ordens angethan. Ob die auffallende Erscheinung, daſs das Ornament des Hintergrundes, welches an die Umrisse der Figur der Heiligen überall genau sich anschlieſst, von der seinigen rund umher durch eine weiſse Zwischenfläche geschieden ist, eine Bedeutung habe, ob vielleicht, wenn der klösterliche Zeichner dieser Verzierung die Bedeutung des alten Goldgrundes und des himmlischen Glanzes beilegte, der durch die vornehme heraldische Theilung seiner Felder etwa noch erhöht erscheinen sollte, derselbe demüthig sich einstweilen davon als ausgeschlossen betrachtet zu wissen wünschte, wollen wir dahingestellt sein lassen.
Die Schrift des ganzen Blattes umgiebt eine schmale Leiste, in Bezug auf welche wir unserer Abbildung nur anfügen, daſs in ihr die oben angegebenen Grundfarben abwechselnd sich wiederholen, wie daſs ihre vier Ecken durch gröſsere, mit Bestiarien ausgestattete Medaillons, die Seiten durch kleinere Rosetten unterbrochen sind.
Neben dem besprochenen liegen zwei andere Blätter, von welchen das eine, mit dem Officium des heil. Johannes des Evangelisten angefüllt, durch den Inhalt, wie durch ganz gleiche Schrift und groſse Ähnlichkeit der bildlichen Darstellung als demselben Werke entnommen sich ausweist. Das andere Blatt scheint zwar von anderer Hand geschrieben, zeigt jedoch in seiner ornamentalen Ausstattung, einem groſsen Initial-A und einer reicheren Randleiste, so viel Verwandtschaft mit dem beschriebenen, daſs wir kaum an einen anderen Verfertiger denken können.
Was nun die Künstlerschaft des letzteren betrifft, die wir nachzuweisen hoffen, obwohl wir denselben anfangs nur als Schreiber eingeführt haben, so ist zunächst festzuhalten, daſs sie allerdings sich nur aus der Schreibekunst entwickelt hat, daſs der Bruder Matthias vom Schrift- zum Figurenzeichner fortgeschritten ist -- eine Wahrnehmung, welche zwar in der älteren Kunst als ganz allgemeine sich wiederholt, die aber um so mehr Bedeutung gewinnt, je klarer aus dem einzelnen Falle hervorgeht, wie -- im Gegensatze zur Neuzeit, welche die in Jedermanns Gebrauch befindliche Fertigkeit kaum noch als Handwerk gelten läſst -- in jenen Zeiten der beginnenden Entwicklung die seltene und geheimniſsvolle Kunst des Schreibens nicht nur bereits den Boden gewährte, auf welchem auch die bildende Kunst, mit der Zeichensprache des Ornaments und des Symbols beginnend, sich weiter entfaltete, sondern auch einem reizbaren Gemüthe den Anstoſs zu geben vermochte, der es durch die verschiedenen Stadien des vermittelnden Verständnisses zur letzten Abfindung mit der Welt des Geistes und Heiles, soweit sie im Bereich der Kunst beschlossen liegen, antreibt. -- Daſs in unserem Falle Zeichner und Schreiber in derselben Person vereinigt waren, geht unzweifelhaft aus dem vorliegenden Documente selbst hervor. An einigen Stellen bedeckt die Schrift die Malerei; an anderen ist diese über jene hinweggeführt, und beide zeugen von solcher Gleichzeitigkeit, daſs darin kaum das Wechseln des Platzes Raum finden würde. Der unmittelbare Uebergang von dem gemalten Initial zur vergoldeten und reich mit Zügen ausgestatteten Schrift, welche in unserer Abbildung durch Schraffierung angedeutet ist, dürfte in dieser Beziehung einen weiteren Anhaltspunkt bieten. -- Aber der Schreiber trug unbewuſst ein künstlerisches Talent in sich; die Schriftzüge gestalten sich unter seiner Hand unwillkürlich zu Kunstwerken. Aus dem einfachsten Elemente seiner Verzierung, den Linien, Ranken und Riemen, gestalten sich ohne Ende Figuren mannigfaltigster Art, abenteuerliche und natürliche Wesen, die, wenn auch ganz auf dem Boden der Ueberlieferung erwachsen, doch so viel eigenthümliche Erfindung und individuelles Leben offenbaren, daſs sie eine Schätzung auch auſserhalb des allgemeinen, durch die Zeit gebotenen Maſses zulassen. -- Andrerseits stehen dem Künstler zur Umreiſsung seiner Figuren auch kaum mehr als Schreiberzüge zu Gebote. Zwar sind diese im Originale gewandter und mit mehr Feinheit durchgeführt, als wir sie in unserem Versuche des Ueberdrucks haben wiedergeben können, doch entbehren sie fast überall des nöthigen Formenverständnisses, das ja auch von der strengsten Handhabung des Stiles nicht ausgeschlossen ist. Wenn gleichwohl der klösterliche Zeichner den Bedingungen des Stils, der eben zu seiner Zeit in deutschen Landen die schönste Ausbildung gewonnen, in edler Haltung der Figuren, sanftem Schwunge der Falten und allen den anderen bekannten Merkmalen vollkommen entspricht, wenn er sogar trotz der mangelhaften Zeichnung in den Umrissen im Ganzen seinen Gestalten wohlgebildete Verhältnisse, seinen Gewandungen, trotz mangelnder Durchführung der einzelnen Motive, eine künstlerische Anordnung zu geben weiſs, so sind diese Vorzüge aber als Ausfluſs seiner begabten Naturanlage zu schätzen.
Charakteristischer noch, als die von uns wiedergegebene Abbildung, ist die figürliche Darstellung auf dem zweiten angeführten Blatte. Wir sehen da innerhalb eines dreitheiligen, mit phantastisch geschmückten Giebeln überdachten Gebäudes zunächst den Evangelisten Johannes nackt im Kübel mit siedendem Oele stehen, die Hand segnend über den ihm vorgehaltenen vergifteten Kelch erhebend, aus welchem die Schlange hervorschlüpft. In der zweiten, der Hauptabteilung, sitzt Christus thronend, und vor ihm der Jünger, als der besonders geliebte, das Haupt in seinen Schooſs legend. In der dritten steht der gealterte Evangelist im priesterlichen Gewande, aus dem selbst bereiteten Grabe zum Herrn betend, der oberhalb des abgeschlossenen Hintergrundes mit den übrigen Aposteln erscheint. Eine aus mehrfachen Friesverzierungen zusammengesetzte Basis schlieſst das Gebäude nach unten ab. Eine ähnliche Bandleiste, wie auf dem mitgetheilten Blatte, Medaillons mit denselben Bestiarien u. s. w. umgeben die Schrift, die, wie bemerkt, das Pergamentblatt demselben Werke zuweiset, dem auch das andere entnommen. Wollten wir aber wegen einiger vorkommenden Abweichungen die Zeichnung einer anderen Hand, etwa einem zweiten kunstsinnigen Klosterbruder zuschreiben, so träte bei der vorwiegenden Uebereinstimmung statt der Individualität eines einzelnen Mannes die eines Klosters hervor, die nach damaligen Verhältnissen ja nicht weniger bestimmt sich auszuprägen vermochte, und die wir, da vom Bruder Matthias Stammler schwerlich etwas Weiteres wird in Erfahrung gebracht werden, wenn nicht einmal ein altes Todtenregister den Ort anzeigen wird, wo er gelebt und frei von Ehrgeiz seine Kunst geübt hat, zu unserm Zweck uns wohl gefallen lassen können.
Auch in der letztgenannten, ziemlich umfangreichen Darstellung sind die Figuren von zarter Auffassung, edler Haltung und sinniger Zusammenstellung. Die Gewandung trägt, obwohl sie hier weniger zur Geltung kommt, den anmuthenden Charakter der Epoche; die ornamentale Ausstattung zeugt von origineller Erfindung. -- Das Initial des dritten Blattes trägt auf der linken Seite eine weibliche, auf der rechten eine männliche gekrönte Schlange, beide grün schattiert auf goldenem und blauem Grunde, mit übereck gestellten Farben. Die innere Füllung, wie die Ränder, sind genau behandelt, wie bei dem Initial M, mit Wiederholung der Medaillons, ohne figürliche Darstellung. Der interessanteste Theil dieses bemalten Blattes ist aber die äuſsere Bandverzierung, in welcher die Leiste selbst aus halben, mit Blau und Roth abwechselnden Linien zusammen gesetzt ist und einen ganzen Wald eigenthümlich behandelten Laubwerks von sich abzweigt, das wiederum von einer Schaar jener seltsamen, mit bestimmtem Charakter versehenen und doch für den sprachlichen Ausdruck kaum faſsbaren Phantasiewesen belebt ist.
Was die Technik unseres Künstlers betrifft, möge dessen Eigenthümlichkeit sich nur in einer einzigen Person oder in der enggeschlossenen Gesammtheit eines Klosters concentrieren, so ist dieselbe noch sehr einfach. Alle Zeichnung ist mit schwarzen Linien umrissen, der innere Raum mit einem gleichmäſsigen Farbtone ausgefüllt und der Schatten, meistens im Anschluſs an die Umrisse, mit einem dunkleren Tone nachgetragen. Auch das angewandte Glanzgold ist noch schwarz umzogen, und mit der Feder hineingezeichnet. Bei den häufig vorkommenden Medaillons und Rosetten macht sich indeſs bereits das Bestreben bemerkbar, in denselben Tiefen und Höhen plastisch hervorzuheben: Bemerkt dürfte noch werden, daſs die damals blühende Wappenmalerei unserm Künstler ersichtlich mit als Schule diente. Nicht nur an den beschriebenen Hintergründen, noch mehr fällt dieses auf am erwähnten Hermelinbesatz des Mantels der Heiligen, der ebenfalls ganz in Weise der Heraldik behandelt ist.
Der zweite Name, der hier mitzutheilen, findet sich auf dem ersten, leider vereinzelten Pergamentblatte einer städtischen Wahlordnung, das auf der Vorderseite, über dem Beginn der Schrift, in goldenem, fast die ganze Breite des Kleinfolioblattes einnehmendem Initial-E als bildliche Füllung das jüngste Gericht darstellt -- ohne Zweifel in Beziehung auf den folgenden Inhalt des Schriftstückes. Der groſse Buchstabe ist, wie gesagt, einfach mit Glanzgold belegt; der innere Grund, zur Bezeichnung des Himmels, blau; der äuſsere roth, ziemlich kunstlos mit gelben Ranken und blauen Blumen überzogen. In der Mitte, auf dreifachem Regenbogen, thront Christus als Weltrichter, nur mit goldgesäumtem Purpurmantel bekleidet, die Wundenmale zeigend, während zwei rothe Schwerter von seinem Munde ausgehen. In den beiden oberen Ecken blasen zwei Engel aus Wolken heraus die Posaune; unten öffnen sich zwei steinerne Sarkophage, aus deren jedem zwei lebendige Leiber sich erheben. Auf den zur Seite liegenden Deckplatten hat der Maler seinen Namen: /Linhart Frater/ und die Jahreszahl 1322 angebracht.
Die Kunst des Letzteren steht, wenn sie der Epoche nach auch schon vorangeschritten ist, doch der des Bruders Matthias nach. Während dieser noch mit Form und Vortrag ringt, im geistigen Bemühen die Darstellung bereichert und zu edlem Stile erhebt, ist Bruder Linhart mit jenen beiden fertig und sucht bereits das äuſsere Aussehen auf Kosten des inneren Gehaltes auszubeuten. Er hat eine Schule durchgemacht und, überzeugt von der Wirksamkeit dessen, was er dort gelernt, enthält er sich, irgendwo die Probe zu machen, vergnügt sich vielmehr, von seiner eigenen Erfindung hinzuzuthun, und verfällt bereits in ein entschieden naturalistisches Streben. Wir würden das Blatt, wenn es keine Jahreszahl trüge und diese durch die Schrift durchaus bestätigt würde, in eine spätere Zeit versetzen. Es zeigt aber, daſs von der Miniaturmalerei im Verhältniſs zur Wand- und Tafelmalerei gilt, was etwa von der Goldschmiedekunst im Verhältniſs zur Architektur: die kleineren Künste eilten in Aus- und Ueberbildung der Formen und theilweise selbst der Technik den gröſseren voraus. -- Auf dem in Rede stehenden Blatte ist in den nackten Theilen ein kräftiger Lokalton als Unterlage gegeben; die Muskulatur ist mit einem bräunlichen Schattentone conventionell eingezeichnet; das Licht weiſs, mit feiner Schraffirung und berechneter Strichlage aufgesetzt. An der Figur Christi ist bereits entschieden die Wirkung des Reflexes vom rothen Mantel mit in’s Auge gefaſst; Alles aber handwerksmäſsig behandelt. Die Falten des Mantels weisen zwar im Allgemeinen noch den geschmeidigen Fluſs auf, der im 14. Jahrhundert die Draperie charakterisirt, aber manche wulstige Lage drängt sich mit ein, die, um einen Schritt weiter geführt, den knitterigen Bruch der folgenden Periode an’s Licht stellt. Das Interessanteste an dieser ganzen Malerei ist jedenfalls, daſs sie die Phase ihrer Entwicklung an einen so genau bestimmten Zeitpunkt knüpft und dadurch zum Anhaltspunkt für andere wird.
/Literärische Forschungen./
Von Subrektor /Franck/ zu Annweiler.
(Schluſs.)
9. Discessus /Friderici Henrici/ Auriaci Principis, a fratre Mauritio (qui munitionem Mondorfii supra Colonia medio Rheno excitarat, quae a forma clericalis galeri /Pfaffenmüz/ dicta) cum firma equitum manu et Anglis aliquot equitibus Vnioni subsidio missus, postquam dominari Spinolam et Palatinus Weterauiaeque nullo impediente potiri videt, taedio verum cum Batauis suis in Belgium revertit (1620) ansamque prouerbio dedit: /Er gehet durch wie ein Holländer/. I, 75.
Vergl. /Imm. Weberi/ specimen Paroem. historic. Gissae 1718. 4. S. 5-16.
Ita famosa illa vnio... austro blandientium persuasionum grauida cum equabus Hispaniae ventos vanitatis peperit.
Der vnirten Trew ging gantz verlorn Kroch endlich in ein Jägerhorn: Der Jäger blies sie in den Wind Das macht das man sie nicht mehr find. I, 75.
Vergl. /Weller/ Ann. I, S. 125-126.
10. Fama est hoc tempore [1619-1621] Hispanos aureis et argenteis hastis pugnasse cum Vnionum exercitu in Palatinatu, pluraque tam auro quàm ferro administrata esse: Vnde tum prouerbium ortum: /Hispanicos dublones/ (_Dublonen_) /facere duplices nebulones/. I, 75.
11. /Das dich der Limbach schlage./
Paulo ante hanc pugnam (ad Lanam fluvium ann. 1625) Tillius Nienburgum quoque obsidere tentarat, vbi autem infelicem successum habuit; fortiter illam vrbem defendente strenuo gubernatore /Limbachio/... cujusque virtus etiam apud hostes admirationem habuit. Nam recedentes Nienburgo Caesariani, maledicentes alicui familiari hoc dicterio sunt vsi: /Das dich der Limbach schlage/. I, 92.
12. Post proelium Lutteranam [1626] Daniae Rex cum magna suorum parte Lutterâ vsque Stadam profugere coactus fuit, indèque vulgatum dicterium ortum:
/Von Lutter bis hin nach Stade, War das nicht eine braue retirade?/ I, 95.
Vgl. /Imm. Weberi/ spec. a. a. O. S. 21-22.
13. Fama est Wallensteinium Consuli Stralsundensi, quem datâ securitate in castra euocauit, pro imperio iniunxisse, vt urbem dederet, se enim non prius recessurum, donec voti (er wolte Stralsund sich bemeystern, wē es auch mit ketten an den Himmel geschlossen were) compos esset redditus. Ad quae quum Consul mascula verba reponeret, jurasse Fridlandum: Er Wolte, so bald er Stralsund gewonnen, ihn im Thor vffhencken lassen: Consulemque appositè regessisse: /Er solte nicht ehe Hering ruffen, bis er ihn beim Schwantz hette/. I, 98.
14. In obsidione Noviomagēsi Hispani milites è muris feles suspendebant, addito hoc dicterio: /Alſs dese Katten sollen konnen spinnen, Sall Graf Mauriz Nimwegen Winnen/. Quae conuiciandi libido illis malè cessit vrbe Mauritio Nassouio expugnata. I, 98.
15. Inter Gustaui Adolphi anno 1630. Imperium petentis tribunos fuere /Achatius Tod/ et /Maximilian Teuffel/, unde: /Der König were mit Teuffel vnd Todt in Teutschland/. I, 108.
16. De vrbe Ingolstadio totius Bavariae munitissimo propognaculo Maximilian. Bauariae Dux dicere solitus est:
/München sol mich ernehren:/ /Zu Ingolstat wil ich mich wehren./
Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VI, 545.
17. Ingolstadii in excelsa turri ad D. Mariae reponitur aliquod tormentum quod die Feige appellant. Quum autem rex Sueciae in tricennali bello propugnaculum hoc tentaret, globus tormento isto emissus, ipsum, cui iusidebat, prostravit equum, Vnde prouerbium adhuc in Bavaria frequens, ipsemet aliquoties Ingolstadij audiui: /Zu Ingolstat weiset man einem die Feige/. I, 121.
Vergl. /Pistorius/ a. a. O., I, 65.
18. Constantiam suam Landgrauius /Wilhelmus Hassiae/ [in foedere Heilbrunnensi] illustrem reddidit cuso peculiari nummo hac inscriptione:
Lieber Land vnd Leute verlohren Als einen falschen Eyd geschworen. I, 131.
19. Tempore Wilhelmi II. quum quidam pinnam arboris nauticae (des Prinzen Flagge) inuerteret ac ima summis mutaret, ortum est prouerbium in Belgio minore latum: /Die Holänder hengen den Prinzen bey den Füssen auff/. Quod dictum tamen licentiam exlegem redolet. I, 254.
20. Regula non ficta nequam Moguntia dicta I, 282.
Der üble Ruf der Mainzer (vgl. /Maſsmann/, Eraclius, 431) geht durch das ganze Mittelalter. Schon /Fredegar/ (cap. 87) sagt vom Zuge Sigebert’s III. nach Thüringen i. J. 640, wo er von Rudolf geschlagen wurde: Magaezenses in hoc proelio non fuerunt /fideles/. Alle Verräther des karolingischen Sagenkreises (Genelun, Duolo, Reimund u. a.) sind von Mainz gebürtig, nicht minder /Pilatus/. Daſs die Brücke bei Mainz im Rhein versunken sei, das sei, sagt die /Kaiserchronik/ im Eingange, gekommen „von der Sünde
daz die megenzaere nie neheinen ir hêrren mit ganzen triuwen wonten mite: /noch halten si den alten site/.“
Nach Crusius schwäb. Chronik (von Moser; Frankf. 1733, fol. I, S. 601, b) gab um 1156 der mainzische Erzbischof Arnold denen, welche ihn vor einem baldigen Aufruhre seiner Bürger warnten, zur Antwort: „Die Mayntzischen Hunde sind nur gewohnt zu bellen aber nicht zu beiſsen“, und /Hutten/ sagt 1519 im Vadiscus (ed. Münch I, 167): „Es ist ein alt Sprichwort: Maintz von anbeginne schalckhafftig“.
Vergl. auch Wartburgkrieg, Nîthart, Ottocar etc. /Imm. Weberi/ Spec. prov. hist. (Paroem. I., Moguntia ab antiquo nequam: Mayntz ist ein Schalck voll alter List, S. 1-11) Gissae, 1716. 4.; /Pistorius/ a. a. O., VI, 434; /Guden/, Codex diplom. I, 117; /Leibnitz/, Script. rer. Brunsvic. II, 1137; Hessische Denkwürdigk. II, 393; Rhein. Antiqu. (1739. 8), 395.
21. Nobilis quidam Germanus interrogatus: Ecquando Germani pacem sint habituri perpetuam? egregiè respondit: /Wan alle Vhren im Römischen Reich Zugleich eins schlagen werden/. I, 308.
22. Militum solenne carmen est: /Vnfried in aller Welt: so gelten die Soldaten das meiste Gelt/. I, 312.
23.
Seit die Ritterschafft Thurnieren vermeidt, Vnd die Priesterschafft im Harnisch reit, Vnd Weltliche Mönche Geistliche Pfarr regiren, So müssen Wir Land vnd Leut verlieren. Et alius dicit: quicquid agit mundus, Monachus vult esse secundus. I, 342.
„Es ist kein spil gantz (nach dem Sprichwort) es sey dañ ein Münch oder Pfaff darbey“ versichert /Seb. Franck/ im Weltbuch 1533. Fol. CXXVIII, b.
24. Fratres ordinis Teutonici hodie in suis Commendis luxum et otium ut plurium sequntur. Vnde rythmi:
Kleider aus Kleider an, Eſsen, trincken, schlaffen gahn, Ist die arbeit so die Teutschen Herren han. I, 349.
So schon bei /Seb. Franck/ Zeytbuch vnd Geschychtbibel. Ssraſsb. 1531. Fol. III, CXCI, b, und kurz vorher: „Wer ein schön Weib hat, wa Teutsch Herren sind, ein Metzen korn, vnd ein Hinderthür, der hat ein jar daran zu essen.“ CXC, b.
„Bey den Teutsch Herren geht die Armut auff Bantoffeln vnd tregt Sperber auff den händen. Ebendas. CXC, b. -- Vgl. auch /Pistorius/ a. a. O. X, 1029.“
25. Rythmi, quamuis non adeò venusti, rei veritatem tamen exprimentes, quos de rusticorum querela /Weinheimi/ in Palatinatu legi, hi sunt:
Der Kaiser wil haben sein Trew vnd Pflicht: Der Pastor will haben sein frey Quit; Der Edelman spricht ich bin frey; Der Jud treibt seine wucherey; Der Soldat spricht ich gebe nichts; Der Bettelmann spricht ich hab nichts; Da spricht der Baur, das muſs Gott walten, Muſs ich diese alle erhalten, So geb ich mich gedultig darein, Vnd wollens also zufriden sein. I, 419.
26. Spinolano-Hispani /Euangelium quintum/ de Cruce et afflictione adeò acerbe praedicarunt, vt Palatinatus, hortus ille Germaniae, breui ad sterilitatem fuerit redactus. I, 436.
27. Anno 1462. Cal. Jul. /Friedericus Victoriosus/ (vulgo der böse Fritz) felicissime hostes fudit am Frohnholtz bey Seckenheym zwischen Heidelberg vnd Manheim. Zur gedechtnis dieses Siegs seyn diese alte Teutsche reymen:
Als ein a mit einem i geziert, Vier Huefeisen werden formirt, Ein Axt vnd der Apostel zahl, Geschah die Schlacht am Neckarthal: Do fienge ein iunger Pfältzer Ein Bader, ein Laeger und ein Sältzer. I, 441.
28. Ferendum esse Politici consulunt, quod mutari non potest: Man müsse dem weiter seinen lauff lassen, /vnd gedencken wie die Bürger zu Calis/ [Calais?], welche das Donnern, wetter-leuchten, vnd Platz-regen in Gottes nahmen geschehen lassen. II, 22.
„Mər lossən·s gä^{~}h, sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.“ -- /Leinsweiler/ ist ein kleines Dorf in der Nähe von Annweiler. Daselbst soll einmal ein von der Würde seines Amtes tief durchdrungener Schulze bei einer kleinen Reise, welche er im Begriffe war anzutreten, den Büttel beauftragt haben, dem Gemeinderathe zu verkünden: „Wenn es während seiner Abwesenheit regnen wolle, so sollten sie es gehen lassen.“ Seitdem müssen sie die Begrüſsung dulden: Mər lossən·s gä^{~}h, sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.
29. Commune est publicissimum prouerbium: /Ein ieder Fürst ist Kayser in seinem Lande/. Idem me olim docuit D. Conringius in praelectionibus ad Lampadium. II, 46.
Vergl. /Huld. Eyben/, dissert. de orig. brocard. Ein jeder ist Kaiser in seinem Land. 1661. 4. /Hillebrand/, deutsche Rechtsprichwörter, 1858. Nr. 363. /Graf/ und /Dietherr/, deutsche Rechtssprichw. 1864. S. 487.
30. Germanorum prouerbium et vulgaris versiculus jam Ludouici Bauari aetate fuit:
Curia Romana Non pascit ovem sine lanâ. II, 75.
31. /Das Cammergericht das Jammergericht./ II, 208.
32. Vulgatum est veriverbium: /Vbel gesprochen ist wol appellirt/. Ni hoc salutare remedium iura indulsissent, Deus bone! quantis iniquitatibus, et grauaminibus inferendis fenestra tum in inferioribus iudiciis aperta fuisset. II, 224.
33.
Da Demuth weint vnd Hochmut lacht, Da ward der Schweitzer Bund gemacht.
Rythmi quos Bernensi armamentario inscriptos legi. II, 237.
Vergl. M. /Stettler/, Annales. Bern, 1627. Fol. I, 29, b. /Kirchhofer/, schweizer. Sprichw. Zürich, 1824. S. 113.
34. Potentissimus pagus est /Bernensis/, qui ingruente vi externa, accenso in proximo ad Bernam monte igne, intra spatium 14. horarum 400000 hominum colligere potest. Vnde apud Bernenses prouerbio circumfertur: /Berna et Bernenses tantum possunt, quantum Mediolanum et Mediolanenses/. II, 237.
35. De rege Bohemiae Electorum excellentissimo vulgati rythmi sunt:
Ich bin der Chürfürsten Oberman, Wen man nicht wol eins werden kan, Wem ich dan gebe die Stimme mein, Das der allein mus Kaiser sein. II, 323.
Vergl. /Pistornis/ a. a. O.: „Böhmen ist der Churfürsten Obermann.“ I, 365.
36. Wilhelmus iunior Brunsvic. Dux duos habuit filios... /Henrico/ sorte Brunswicensis siue Guelpherbytana, /Erico/ Goettingensis Ditiones obvenere. Ericus, quum sorte ipsi obtigisset illa portio (referente Letzneri) fertur hunc rhythmum protulisse: /Das Land Zwischen Diester und Leine: Das ist es das ich meine./ III, 123.
Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VII, 652. A. v. /Colenfeld/, Zwischen Deister und Leine, im illustr. Familien-Journal 1864, Nr. 46.
37. Henrici Senioris filius /Henricus Junior/ dux Bellicosus ann. 1519. cum Joāne Episcopo Hildesiensi bellum gessit. Joannes ille, à Caesare Carolo V. proscriptus, in contemptum Imperialis Banni dixisse fertur: /Acht hin, Acht her, Acht vnd Aber Acht sein Sechszehen./ Excutio banni à Caesare commissa est ducibus Brunsvicensibus Henrico atque Erico, qui Episcopum in tantas redegerunt angustias, vt ipsi praeter Vrbem Hildesheim, Peina, Steuerwalt et Marienburg nihil manserit reliquum: In hoc bello aliquoties arx Peinensis frustra fuit a Ducibus expugnata, vnde rythmi:
Peine Ward gemacht so veste, Das die Eule blieb im neste. III, 123-124.
Vergl. /Anzeiger/ 1834, 21.
Die schöne Maria.
Die Geschichte mit den Wunderzeichen der schönen Maria zu Regensburg hat 1519 einiges Aufsehen gemacht. Ihr zu Ehren sollte eine neue Kirche gebaut werden, die jetzige protestantische Neu-Pfarr-Kirche, deren Entwurf Michael Ostndorffer[A] im Voraus auf einer noch jetzt im Nationalmuseum zu München aufbewahrten und zu neuen Abzügen verwandten Holztafel sorgfältig ausführte. Alte und neue Exemplare besitzt Herr Graf Hugo von Walderdorff, welcher die Güte hatte, vorstehende Notizen zu meiner Kenntniſs zu bringen. Die „Contrafactur der Kirchen zu Regensburg... 1610“ (Ex. in Erlangen und im german. Museum) kann nicht, wie es geschehen, als spätere Ausgabe bezeichnet werden. Auch der Text ist ein anderer, in Prosa und offenbar 1610 erst hinzugefügt, obgleich der Schnitt selbst von Ostndorffer herzurühren scheint. Von dieser „Contrafactur“ gibt es drei Ausgaben; die eine von Passavant beschriebene hat den Druckfehler 1516, statt 1519. Den Text druckte Hormayr im Taschenbuch 1843, S. 176, ab. Auch diese Holztafel besitzt das Nationalmuseum, und wurden neuere Abzüge davon angefertigt.
Des Naglers Hier. Ell Lied von der schönen Maria kenne ich blos aus einem undatierten Nachdruck, Folioblatt mit Holzschnitt-Randeinfassung ohne Bildniſs, welcher die offenbar getreue Orthographie zu meiner Nr. 1205 (Repert. typogr.) geliefert; und den ich vor zwei Jahren bei Hrn. Antiquar Butsch in Augsburg gesehen. Derselbe erschien 1610-1619, wahrscheinlich zum hundertjährigen Gedächtniſs. Graf von Walderdorff hat einen nach 1747 besorgten Abdruck des Liedes, Folioblatt mit Kupfer, oft gesehen und selbst in Besitz. Auf diesem Blatte erscheint unter dem Regensburger Stadtwappen, den Schlüsseln, der heil. Cassianus; die Andacht zur schönen Maria wurde aber erst nach 1747 in der Cassianskirche erneuert. Der Orignaldruck von 1519 ist bisher nirgends zum Vorschein gekommen, also wahrscheinlich verloren.
Zu den beiden 1519 entstandenen Gedichten, Nr. 1303 und Nr. 1304 meines Repert. typogr. wäre nichts zu bemerken, als daſs auf beiden Titeln dieselben Distichen stehen und daſs Nr. 1303 sich auch in der Regensburger Kreisbibliothek befindet.
Das letzte Gedicht von 1522 ist noch heute in vielen Exemplaren verbreitet, weil in jenem Jahre das Interesse an der Sache erkaltet, nicht mehr viele Leser erweckte, der Verbrauch daher schwächer geworden war. Ich habe es vielfach gesehen; unter Anderem existiert es im german. Museum, in München, Berlin, bei Hrn. v. Walderdorff u. s. w. Die Wunderzeichen, wie sie das Gedicht erzählt, gehen von Montag nach Sebastiani 1521 bis Mittwoch nach Annuntiationis 1522. Vergl. Panzer’s deutsche Annalen Nr. 1551. Laut der vorhandenen Kirchenrechnung hat es Paul Kohl gedruckt.
In das Jahr 1519 schlägt ein der Regensburger Kreisbibliothek gehöriges Folioblatt mit einer Copie der Dürer’schen Maria (mit dem Jesuskinde auf einem Halbmond stehend) und 40 lateinische Distichen und 12 Hexametern, kein Regensburger Druck, mit dem Titel:
Ad formosam Virginem Mariam | Rastisponae in area Judaeorum expulsorum gratiose residen | tem et Grandibus miraculis coruscantem | Jacobi Locher Philomusi | elegia votiva.
Ein Jahrhundert später wird das von Gumpelzhaimer beschriebene Bild der schönen Maria, ein Folioblatt mit Kupfer, entstanden sein, welches den Titel führt: „Gründliche Nachricht von der schönen Maria in Regenspurg u. s. w.“ Demselben sind mit alten Typen Titel und Distichen der Nr. 1303 vorangedruckt.
Ein Kupferstich mit 4 Zeilen erklärenden Textes und der Ueberschrift: „Wahre Abbildung der so genañten Regenspurgischen Capelle zur schönen Maria“ in Hochquart, aus dem vorigen Jahrhundert, ist im Besitz des Grafen von Walderdorff.
Am häufigsten gedruckt wurde das Prosabüchlein, meine Nummern 1339 und 1340, dessen Original-Manuscript Herr v. Walderdorff besitzt. Verfasser war der 9 Jahre später zum Feuertod verurtheilte Dr. Balthasar Hubmör. Zu den von mir beschriebenen zwei Ausgaben kommen noch zwei andere hinzu, die ich hier zum Schluſs aufführen will:
In disem biechlin sind begriffen, die | wunderbarlichen zaichen beschen zu Regenspurg zu der | schönen Maria der muetter gottes. | (Holzschnitt) | Regenspurg. /Am Schlusse/: Ist allhye | zu Regenspurg gewest, auff montag nach Michaelis. Lob sey got, | vnd der schönen Marie.
o. J. (1520). 12 Bl. 4. (letztes leer). Die 4. Titelzeile im Holzschnitt. -- Im Besitz des Hrn. Grafen Hugo von Walderdorff.
In dysem buchlein seindt begrif | fen die wunderbarlichen zaychen, beschehen zu Regen- | purg zu der schönen Maria der mutter gottes. | (Holzschnitt) | Regenspurg.
o. J. (1520). 48 Bl. 4. -- In Regensburg (wo nur 11 Bl. vorhanden).
Meine Nr. 1339 ist demnach nicht in Regensburg.
/Emil Weller./
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Wenn Passavant T. III, p. 304 und 315, das Blatt dem Altdorfer zuschreibt, so ist dies ein Märchen, das auf einer Tintenfälschung des Monogramms bei dem Exemplar der Albertinischen Sammlung in Wien beruht, wo indeſs das Ostndorffer’sche Zeichen trotz der Correctur noch deutlich erkennbar ist.]
Wann kamen die Wörter „Soldat“ und „Princessin“ in den deutschen Sprachgebrauch?
Ich weiſs zwar nicht, ob das Wort „Soldat“ nicht schon früher in der deutschen Sprache eingebürgert war; aber mir begegnete es in der Bedeutung, wie es etwa jetzt verstanden wird, zum ersten Male im Jahre 1551. Damals wurde das spanische Kriegsvolk, das bisher in Schweinfurt gelegen, nach Windsheim verlegt. Der dortige Rath ersuchte die Stadt Nürnberg, ihm Jemand zu schicken, der der spanischen Sprache kundig wäre, wo möglich, den Michel Stresenreuter. Darauf antwortete Nürnberg unterm 7. März, Stresenreuter sei nie in der Stadt Nürnberg Diener, wohl aber „vnser Soldaten einer“ gewesen. Vor zwei Jahren habe er seinen Abschied genommen, und jetzt halte er sich in der Gegend von Weiſsenburg auf. Dagegen könne man Windsheim den Hanns Kleindienst überlassen, der auch der spanischen Sprache kundig und mit dem Kriegsvolk und seinen Obersten wohl bekannt sei.
Dasselbe dürfte mit dem Worte „Princessin“ der Fall sein. Es ist mir nie vorgekommen, daſs die Töchter deutscher Fürsten vor der Mitte des 16. Jahrhunderts mit diesem Worte bezeichnet wurden. Zum ersten Male fand ich es in einem Schreiben des Raths zu Nürnberg an seinen Syndicus Dr. Christoph Gugel, der im März 1550 wegen Erwerbung des Schlosses Hartenstein an den churfürstlichen Hof zu Heidelberg abgesendet worden und den Auftrag erhalten, behufs Beschleunigung dieses Geschäftes die „Princessin“ mit 500 oder 1000 fl. zu verehren.
„Soldat“[A] und „Princessin“ haben sich meiner Ansicht nach unter Carl V. und Ferdinand I. aus dem Spanischen in’s Deutsche eingebürgert, -- jedoch Alles salvo meliori.
/Nürnberg./ /Baader./
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Vgl. Du Cange, glossarium etc., ed. Henschel, tom. VI, p. 288b.]
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1866. Nº 4. April.
Chronik des germanischen Museums.
Zu unserer innigsten Freude sind wir auch diesmal in der angenehmen Lage, unsern Monatsbericht mit einer Reihe der erfreulichsten Nachrichten zu eröffnen.
Selbst jenseits der dermaligen Grenzen unseres Vaterlandes, an die wir uns übrigens mit unseren der Erforschung und Veranschaulichung /germanischer/ Vorzeit, /germanischer/ Sitte und Gebräuche gewidmeten Sammlungen und Arbeiten unserer Anstalt ohnehin nicht binden können, der Unterstützung gewürdigt zu werden, ist für unser nationales Werk gewiſs ein höchst ehrenvolles Zeugniſs. Es wird deshalb allen unsern Gönnern und Freunden in hohem Grade erfreulich sein, heute zunächst zu hören, daſs der von des höchstseligen Königs der Belgier, Königs Leopold’s I. Majestät dem germanischen Museum als Schriftenabonnement seit Jahren gewährte Zuschuſs von jährlich 50 Franken, von dessen königlichem Nachfolger, /König Leopold’s/ II. Majestät unserm Institute auch für die Zukunft in huldvollster Weise belassen worden ist.
Nächstdem haben wir unserer neulichen Mittheilung bez. der vom Stadtrathe zu Leipzig zum Zwecke des Ankaufes der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen uns gewordenen reichen Beihülfe heute die angenehme Nachricht folgen zu lassen, daſs zu eben gedachtem Zwecke auch von /Dresden/ aus, der /Geburtsstätte des germanischen Museums/ -- denn dort gelangte am 17. August 1852 in der unter Vorsitz Seiner Majestät des jetzt regierenden Königs Johann von Sachsen tagenden Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthumsforscher, die von Seite des Freiherrn Hans v. u. z. Aufseſs Jahre lang unablässig verfolgte Idee der Gründung eines deutschen Nationalmuseums zu ihrer Verwirklichung -- ein gleicher Beitrag uns zugeflossen ist, indem der Rath genannter kgl. Residenz- und Hauptstadt, in erfreulichstem Einverständnisse mit dem Collegium der dasigen Stadtverordneten, zur Minderung der unserer Anstalt durch den Ankauf jener Sammlungen erwachsenen Schuld die Summe von /200/ fl. in wohlgeneigtester Weise und unter der ermuthigenden Zusage uns zur Verfügung gestellt hat, auch in Zukunft gern jede Gelegenheit ergreifen zu wollen, die patriotischen Zwecke unserer Anstalt nach Kräften fördern zu helfen.
Möge das von den Städten /Dresden/, /Leipzig/ und /Heilbronn/, die zum Ankaufe der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen zusammen die Summe von /500/ fl. beisteuerten, gegebene Beispiel patriotischer Liberalität und deutschen Gemeinsinnes Seitens anderer Gemeindevertretungen des Vaterlandes durch recht vielfache Nachahmung die verdiente, die gebührende Anerkennung finden, dann wird die Schuld, deren Minderung eine Sache der Pietät für uns und deren Abtragung eine Ehrensache für die deutsche Nation ist, bald gänzlich ihre gewünschte Bereinigung gefunden haben.
Und wie von Dresdens Rath und Bürgerschaft in vorgedachter Beziehung uns treffliche Unterstützung geworden ist, so hat in dieser lieben Stadt auch eine andere, in diesem Blatte schon mehrfach zur Sprache gekommene Angelegenheit neuerdings wieder anerkennenswertheste Förderung gefunden, nämlich die von unserm 1. Sekretär, Dr. /Erbstein/, der nationalen Anstalt zugedachte unentgeltliche Ueberweisung der von ihm s. Z. dahier erstandenen Sammlung von Modellen ehemals reichsstädtisch nürnbergischer Kriegswerkszeuge. Wie wir sehr dankbar erkennen, ist dem Ankaufe dieser in mehrfacher Beziehung interessanten Collection zum ehrenden Gedächtniſs des verstorbenen, durch seine kunsthistorischen Sammlungen in weiten Kreisen bekannten und auch um unser nationales Institut verdienten kgl. preuſs. Generalmajors /Freiherrn Carl Rolas du Rosey/ von dessen Tochter Freifräulein /Clara Rolas du Rosey/ in Dresden der Betrag von /110/ fl. gewidmet worden. Möge die neue, reiche Förderung, die hiemit einem zur Ausschmückung unseres nationalen Werkes begonnenen Unternehmen sich zugewendet, demselben noch weitere Betheiligung zuführen und somit die Hoffnung und der Wunsch, die Seitens des Deponenten jener Sammlung an deren Uebertragung in die Hallen unseres Nationalmuseums geknüpft wurden, in vollstem Maſse sich verwirklichen.
Bezüglich einer andern sehr erfreulichen Nachricht, die vom Vorsitzenden des unseren freundlichen Lesern bereits rühmlichst bekannten Mannheimer Hülfsvereins unseres Institutes, dem um unsere Anstalt schon hochverdienten und mit seltenem Glücke für uns wirkenden Herrn Prof. Dr. C. B. A. /Fickler/, uns neuerdings geworden ist, behalten wir uns vor, unseren Gönnern und Freunden in unserm nächsten Monatsberichte Mittheilung zu machen.
Von unseren Sammlungen hatten sich im letzten Monate hervorragender Zugänge die /Bibliothek/ und das /Antiquarium/ zu erfreuen. Ersterer giengen als Geschenk Sr. Excellenz des Herrn Generallieutenants Freiherrn /Seutter v. Lötzen/, Gouverneurs der deutschen Bundesfestung Rastatt, eine bedeutende Anzahl ihr noch fehlender Schriften zu; letzteres wurde auf Vermittlung des Herrn Rittmeisters v. /Humbert/ in Aschersleben vom dortigen Hrn. Buchbindermeister Dahle mit einer Anzahl wohlerhaltener, bei dem Dorfe Frohse in Anhalt gefundener Urnen beschenkt.
Tiefbetrübt hat uns die Nachricht von dem am 18. März d. J. erfolgten Tode des kgl. pr. Archivrathes Dr. /Lacomblet/ in Düsseldorf, um so mehr, als der Verstorbene, seit Januar 1859 Mitglied unseres Gelehrtenausschusses, an der Förderung unseres nationalen Institutes in wesentlicher Weise Antheil genommen hat.
In Schriftentausch mit uns ist neuerdings getreten:
der /naturwissenschaftliche Verein für Steiermark zu Graz/.
Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Waldenburg/ in Sachsen und zu /Krumbach/ in Bayern.
An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch folgende:
Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Vom Magistrate zu /Kissingen/ 5 fl.; ferner vom Gewerbevereine zu /Kirchheim/ a. T. 1 fl. 45 kr., und als Reinertrag einer vom Herrn Stadtverordneten G. L. Göldner, Pfleger unseres Institutes für /Laucha/ (Preuſsen), veranstalteten Abendunterhaltung 15 fl.
Von =Privaten=: /Elbogen/: R. Aichhorn, pens. k. k. Postoffizial, 1 fl. 10 kr., Franz Heisinger, Professor, 2 fl. 20 kr., Ferdinand Schwaab, k. k. Steuereinnehmer, 1 fl. 10 kr., Dr. jur. Heinr. Stradal 2 fl. 20 kr., Job. Tuzina, Professor, 1 fl. 10 kr.; /Freiberg:/ Robert Friedrich Hirt, Fabrikbesitzer, 1 fl. 45 kr.; /Freudenstadt/ (Württemberg): Dr. med. Wiedersheim 1 fl.; /Germersheim:/ Stadtvikar Heman 1 fl., Kitzing, k. Major, 1 fl. 45 kr., Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Bezirksarzt Dr. Schmauſs 1 fl. 45 kr.; /Kissingen:/ J. Bergmann, Kaufmann, 1 fl., Dr. K. Boxberger, prakt. Arzt, 1 fl., Ph. Heuſslein Freiherr von Euſsenheim 3 fl., Oberstaatsanwalt Wagner in Lörrach, 2 fl.; /Mindelheim/ (Bayern): v. Ammon, k. Landrichter, 1 fl., Karl Rosenberg, k. Notar, 1 fl.; /Naila:/ Friedrich Borger, Fabrikant, 1 fl. 12 kr., Ludwig Borger, Fabrikant, 1 fl 12 kr., Phil. Dittmar, Hammergutsbesitzer, in Oberklingensporn 1 fl. 12 kr., Eichenmüller, k. Landgerichts-Assessor, 1 fl. 10 kr., Gustav Lintl, k. Bezirks-Amtmann, 1 fl. 12 kr., Pinkas Skutsch, Notar, 1 fl. 12 kr., Sondermann, k. Landrichter, 1 fl. 10 kr., Ottm. Thiroff, Kaufmann, in Culmitz, 1 fl. 12 kr.; /Nürnberg:/ Gg. Möſsel, Akademiker, 1 fl, K. Gilbert Wheeler, Consul d. V. St. v. Nordamerika, 1 fl.; /Osnabrück:/ Dr. phil. Esch 1 fl. lO kr.; /Pesth:/ Friedr. Kirchhof, Gastwirth, 1 fl. 10 kr., Joh. Temple, Ingenieur und Strecken-Chef der k. k. privil. Staatsbahn-Gesellschaft in Waitzen, 1 fl. 10 kr.; /Ulm:/ Rechts-Consulent Dietrich 1 fl., Jos. Steiner, Fabrikant in Laupheim, 1 fl.; /Waldmohr/ (Pfalz): Friedr. Butenschön, k. Gerichtsschreiber, 1 fl., Friedr. Cuny, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Jakob Eberhard, k. Gerichtsvollzieher, 1 fl., Karl Kampf, kgl. Landrichter, 1 fl., Eduard Ney, Reviergehilfe, 1 fl., Ritter, Rechts-Candidat, in Hochspeyer 1 fl., Friedr. Scherer, Bürgermeister, 1 fl., Christian Schlemmer, Gastwirth, 1 fl.; /Zwenkau/ (Sachsen): C. B. Schaarschmidt, Commissär zu Rittergut Imnitz und Kötzchbar 3 fl. 30 kr.
Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:
I. Für das Archiv.
=Dr. Mooren=, Pastor, in Wachtendonk:
3336. Akten über die Einführung der Augsburger Confession in Dortmund. Anfang des 17. Jahrhunderts. Pap.
=J. Liebermann=, Restaurateur, in Nürnberg:
3337. Copie eines Schreibens des Markgrafen Georg Albrecht von Brandenburg an den Bischof von Bamberg, eine Zehentsache der Imhof zu Nürnberg betr. 1661. Pap.
II. Für die Bibliothek.
=Anton Kutschera= in Weitz (Steiermark):
19,173. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 3 Bogen. 8.
=Anton Emmert= in Riva:
19,174. Il Commercio di Riva antico e moderno. 1844. 8.
=Antiquarisch-historischer Verein für Nahe und Hunsrücken= in Kreuznach:
19,175. Ders., sechster Bericht. 1865. 2. Nebst: Vierter Bericht über die Sammlung des Vereins. 1861. 4.
=J. J. Trost=, k. k. akadem. Rath, Professor und Bibliothekar, in Wien:
19,176. Ders., Proportionslehre, mit einem Kanon der Längen-, Breiten-, und Profilmaase aller Theile des menschlichen Körpers. 1866. 4.
=Jos. Ant. Finsterlin=, Buchhandl., in München:
19,177. Bayerischer National Kalender f. d. J. 1865, 1866. 4.
=Schweighauser=’sche Verlagsbandl. in Basel:
19,178. Stockmeyer u. Reber, Beiträge zur Basler Buchdruckergeschichte. 1840. 4.
=Franckh=’sche Verlagshandlung in Stuttgart:
19,179. Hagen, zur politischen Geschichte Deutschlands. 1842. 8.
19,180. Ders., Fragen der Zeit. 2 Bde. 1845. 8.
19,181. Scherr, allgem. Geschichte der Literatur; 2. Aufl. 1861. 8.
19,182. Flegler u. Rückert, allgem. Weltgeschichte. 8.
=Franzen & Grosse=, Buchhandl., in Stendal:
19,183. Götze, Geschichte des Gymnasiums zu Stendal. 1865. 8.
=Ed. Schmid=, Pfarrer, in Pfiffelbach b. Apolda:
19,184. Bote des Gustav-Adolf-Vereins aus Thüringen. 18. Jhrg. 1865. 8.
=Dr. Wilh. Stricker= in Frankfurt a. M.:
19,185. Ders., d. deutsch-wälsche Sprachgrenze in der Schweiz und Italien vor 300 Jahren. 8.
19,186. Ders., zwei ungedruckte Briefe Göthe’s. 8.
=Comité der Tiedge-Stiftung= in Dresden:
19,187. Ders., Mittheilung über die Tiedge-Stiftung. 1865. 4.
=K. Gesellschaft der Wissenschaften= in Göttingen:
19,188. Dies., Göttingische gelehrte Anzeigen; 1865, Bd. I. u. II. 1865. 8.
19,189. Dies., Nachrichten von der k. Gesellschaft der Wissenschaften und d. Georg-Augusts-Universität aus d. J. 1865. 8.
=Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde= in Leiden:
19,190. Dies., Handelingen en Mededeelingen. 1865. 8.
19,191. Dies., Levensberichten der afgestorvene Medeleden; 1865. 8.
=Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften= in Görlitz:
19,192. Dies., neues Lausitzisches Magazin; 42. Bd. 1865. 8.
19,193. Dies., dem Herrn Karl Wilh. Dornick etc. 1865. 4.
19,194. Dies., dem Rector u. Lehrer-Collegium des Gymnasiums zu Görlitz. 1865. gr. 2.
=Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde= in Brünn:
19,195. Dies., Mittheilungen etc. 1865. 4.
=Statistisches Bureau des k. sächs. Ministeriums des Innern= in Dresden:
19,196. Dass., Zeitschrift etc., 11. Jhrg. 1865. 4.
=K. Universität= zu Greifswald:
19,197. Dies., index scholarum etc. 1866. 4.
19,198. Dies., Verzeichniſs der Vorlesungen etc. 1866. 4.
=Dr. Heinr. Schreiber=, Professor, in Freiburg:
19,199. Ders., der deutsche Bauernkrieg; 3 Thle. 1863-66. 8.
19,200. Ders., zur Geschichte der Baukunst u. Baumeister in Freiburg. 1866. 8.
=Dr. Fr. v. Kobell=, Universitäts-Professor, in München:
19,201. Ders., zur Charakteristik oberbayerischer und verwandter Dialect-Poesie. 1866. 8.
=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:
19,202. Ders., fliegende Blätter; XXIII-XXVII. 8.
19,203. Xenophontis gnomologiae etc. 1558. kl. 8.
=Dr. H. C. von der Gabelentz=, w. geh. Rath u. Staatsminister a. D., in Altenburg:
19,204. Ders., die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes. 8. Sonderabdr.
=Geschichts- u. Alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes= in Altenburg:
19,205. Dies., Mittheilungen etc. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8.
=Société des bibliothèques oommunales du Haut-Rhin= in Colmar:
19,206. Dies., II. séance de la 2de. année; I. séance de la 3me. année. 1865. 1866. 8.
=Dr. v. Falkenstein=, k. sächs. Staatsminister, Excellenz, in Dresden:
19,207. Archiv für die sächs. Geschichte, herausg. v. K. v. Weber. 4. Band. 1865. 8.
=K. b. Akademie der Wissenschaften= in München:
19,208. Dies., Sitzungsberichte; 1865, II. Heft 3 u. 4. 1865. 8.
=Dr. A. Birlinger= in München:
19,209. Ders., alemannisches Büchlein von guter Speise. (1865.) 8. Sonderabzug.
=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:
19,210. Ders., das Princip d. Vorkragung u. d. verschied. Anwendungen u. Formen in d. mittelalterl. Baukunst. 1861. 4. Sonderabdr.
19,211. Ders., d. innere Ausschmückung der Kirche Groſs-St.-Martin in Köln. 1866. 8.
19,212. Sulzer, Octavius L. L. Trophimvs V̅I̅ vir sibi et secvndae vxori etc. 1861. 8. Sonderabdr.
19,213. Didron, société d’Arundel pour la propagation des oeuvres d’art. 4.
=Museum Francisco-Carolinum= in Linz:
19,214. Dass., 25. Bericht etc. 1865. 8.
=Dr. H. K. Brandes=, Gymnasial-Professor u. Rektor, in Lemgo:
19,215. Ders., d. Heiligen u. d. Teufel mit Himmel u. Hölle in den geogr. Namen. 1866. 4. Progr.
=Dr. Sachse=, Oberlehrer, in Berlin:
19,216. Ders., über Johannes den Täufer im Mittelalter. 1866. 8.
=Aug. Hopfer=, Buchhandl., in Burg:
19,217. Frick, e. Hof-Pfalz-Grafen-Diplom Joh. Rists. 1866. 4. Progr.
=H. J. Kämmel=, Direktor u. Professor des Gymnasiums u. der Realschule in Zittau:
19,218. Michael, de sequentia mediae aetatis Dies irae, dies illa dissertatio. 1866. 4. Progr.
19,219. Brösing, Nachrichten üb. d. allgem. Stadtschule in Zittau. 1866. 8. Progr.
=Chr. Winter=, Verlagshandlung, in Frankfurt a/M.:
19,220. Simrock, d. deutschen Volksbücher; 12. Bd. 1865. 8.
=Constantin Ziemſsen=, Verlagshandl., in Danzig:
19,221. Mannhardt, Roggenwolf u. Roggenhund; 2. verm. Aufl. 1866. 8.
=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:
19,222. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd. 1866. 8.
=Historisch-antiquar. Verein des Kantons Schaffhausen= in Schaffhausen:
19,223. Ders., Beiträge zur vaterländ. Geschichte; II. H. 1866. 8.
=Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark= in Graz:
19,224. Ders., Mittheilungen; I.-III. Heft. 1863-65. 8.
=Magyar Tudományos Akadémia= in Pest:
19,225. Hunfalvy, a magyar birodalom természeti viszonyainak leirása; III. köt. 1865. 8.
=Verlag der Frauenzeitung= in Stuttgart:
19,226. Kirchenschmuck etc.; XIX. Bd. 1. Heft. 8.
=Wilh. Hertz=, Verlagshandl., in Berlin:
19,227. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter; 2. Aufl. 1866. 8.
=Historischer Verein für das wirtembergische Franken= in Weinsberg:
19,228. Ders., Zeitschrift; VII. 1. 1865. 8.
=K. Universitäts-Bibliothek= zu Göttingen:
19,229. Die Accessionen der k. Universitäts-Bibliothek in Göttingen, 1854 u. 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63 u. 64. 8.
=Dr. L. A. Warnkönig=, geh. Hofrath, in Stuttgart:
19,230. Séances et travaux de l’académie des sciences morales et politiques; 23. et 24. année, t. 67-74. 1864-65. 8.
19,231. Messager des sciences historiques etc. de Belgique; année 1864. 8.
19,232. Zeitschrift f. exakte Philosophie, herausg. v. Allihn u. Ziller; Bd. I, 1. 8.
19,233. Alberdingk Thijm, une fête populaire en Allemagne; répresentation du mystère de la passion à Oberammergau. 1860. 8.
19,234. Die Kirchenfrage in d. württemb. Kammer. 1861. 8.
19,235. v. Ketteler, soll die Kirche allein rechtlos sein. 2. Aufl. 1861. 8.
19,236. Alberdingk Thijm, les fils ainés de l’église. 1861. 8.
19,237. Die alten und die neuen Stände. 1862. 8.
19,238. Alberdingk Thijm, Vazon, évêque de Liége, et son temps. 1862. 8.
19,239. Bormans, traduction romane d’une homélie et d’une épître de St. Grégoire-Le-Grand. 1862. 8.
19,240. Boyer, le Champ du mensonge, an 833. 1862. 8.
19,241. Lhoest, le progres au dix-neuvième siecle. 1862. 8.
19,242. Friedberg, d. Miſsbrauch der geistl. Amtsgewalt. 1863. 8. Sonderabdr.
19,243. Alvin et Chauvin, expositions dex travaux graphiques et plastiques exécutés dans les écoles de Bavière, de France et du royaume de Wurtemberg. 1863. 8.
19,244. v. Keller, altdeutsche Handschriften; 1. 2. 1864. 8.
19,245. Des abus du régime parlamentaire. 2. ed. 1864. 8.
19,246. Gratama, oratio de juris naturalis hac nostra aetate studio. 8.
19,247. Wauters, sur la carte de la Gaule sous le proconsulat de César. 8.
=Direktion des Gymnasiums= in Donaueschingen:
19,248. Programm des gr. Gymnasiums in Donaueschingen. 1865. 8.
19,249. Rapp, d. Helvetier im J. 58 v. Chr. 1865. 8.
=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:
19,250. Ders., Blätter etc. 1865, I. Jhrg. Nr. 1.-6. 8.
=Freiherr v. Seutter=, Generallieutenant, Gouverneur der deutschen Bundesfestung Rastatt:
19,251. Publication der Röm. Key. May. zwischen der Oberkeit und den Kirchendienern Augsp. Conf. in der Stadt Augsburg. 1586. 4.
19,252. Müller, Augspurgische Händel so sich daselbsten wegen der Religion... zugetragen. 1586. 4.
19,253. Müller, Send- und Trostbrieff an seine liebe Landtsleut etc. 1583. 4.
19,254. Der Herren Pfleger vnd Geheimen Räth des h. Reichsstatt Augspurg warhaffter gegenbericht etc. 1587. 4.
19,255. Gegründte christl. Antwort der jetzig. Evangel. Predicanten in d. Statt Augspurg etc. 1586. 4.
19,256. Frick, templum parochiae Ulmensium, Ulmisches Münster etc. 1731. 4.
19,257. Schelhorn, kurtze Reformations-Historie d. k. fr. Reichs-Stadt Memmingen. 1730. 8.
19,258. Georgii, Nachricht v. d. Stadt u. d. Marggrafthum Ansbach. 1732. 4.
19,259. Riccius, zuverläſsiger Entwurff v. d. landsäſsigen Adel in Deutschland. 1735. 4.
19,260. Stieber, histor. u. topogr. Nachricht v. d. Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. 1761. 8.
19,261. Loy, geist- und weltliche Geschichte der des h. röm. Reichs freyen Stadt Leutkirch. 1786. 8.
19,262. Fischer, statist. u. topogr. Beschreibung des Burggraftums Nürnberg u. d. G. etc. 2 Thle. 1787. 8.
19,263. Leben u. Charaktere berühmter und edler im J. 1790 verstorbener Männer. 1792. 8.
19,264. Will, Geschichte u. Beschreibung d. Nürnb. Landstadt Altdorf. 1796. 8.
19,265. Briefe über Ansbach. 1797. 8.
19,266. Burger, histor.-statist.-topogr. Beschreibung des Dorfes Überkingen. 1809. 8.
19,267. Mayer, des Hieron. Osorius Abhandlung über den Adel im Staate. 1828. 8.
19,268. Fleischner, d. Reiche-Versammlung zu Augsburg etc. 1830. 8.
19,269. Höck, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Baiersdorf und der Ruine Scharfeneck. 1834. 8.
19,270. Grüneisen u. Mauch. Ulm’s Kunstleben im Mittelalter. 1840. 8.
19,271. Pfaff, württembergisches Heldenbuch. 1840. 8.
19,272. Sugenheim, Baierns Kirchen- und Volks-Zustände im 16. Jahrhundert. 1842. 8.
19,273. Heinzen, d. preuſsische Büreaukratie. 1845. 8.
19,274. Püttmann, Prometheus; I. u. II. 1846. 8.
19,275. v. Bose, Handbuch d. Geographie, Statistik u. Topographie d. Königr. Sachsen. 1847. 8.
19,276. Eiselein, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Konstanz. 1851. 8.
19,277. Keim, die Reformation der Reichsstadt Ulm. 1851. 8.
19,278. Geschichte u. Denkwürdigkeiten d. Stadt Schongau. 1852. 8.
19,279. Deecke, lübische Geschichten u. Sagen. 1852. 8.
19,280. Haas, d. Rangau, seine Grafen etc. 1853. 8.
19,281. de Haxthausen, les forces militaires de la Russie. 1853. 8.
19,282. Marck, H. Haas’s abenbergische Phantasieen etc. 1853. 8.
19,283. Steitz, wie beweisen die Jesuiten d. Nothwendigkeit d. Ohrenbeichte. 4. Aufl. 1853. 8.
19,284. Römer-Büchner, die Entwickelung der Stadtverfassung und der Bürgervereine der Stadt Frankfurt a. M. 1855. 8.
19,285. Galle, Katechismus der elektr. Telegraphie. 1855. 8.
19,286. Die Lage der Protestanten in d. Österreich. Monarchie einst und jetzt. 1855. 8.
19,287. Politisches Rundgemälde od. kl. Chronik d. J. 1854. 1855. 8.
19,288. Quellen und Erörterungen d. bayer. u. deutschen Geschichte. 1. Bnd. 1856. 8.
19,289. Märcker, d. Stamm-Mütter d. deutschen Herrscher-Geschlechter v. Geblüte der Hohenzollern. 1856. 4.
19,290. Ordnung der Feierlichkeiten bei der am 20. Sept. 1856 zu Berlin stattfindenden Vermählung I. K. H. Luise Marie Elisabeth Prinzessin von Preuſsen etc. 2.
19,291. Voigt, Hermann von Salza etc. 1856. 8.
19,292. Moſsdorff, Programm der höhern Töchterschule in Karlsruhe. 1857. 8.
19,293. Schick, Führer durch Bad Homburg. 2. Aufl. 1857. 8.
19,924. Lochner, die Einwohnerzahl der ehemal. Reichsstadt Nürnberg. 1857. 8.
19,295. Roth v. Schreckenstein, Herr Walther v. Geroldseck. 1857. 8.
19,296. Euler, des Canonicus Baldemar v. Peterweil Beschreibung der kais. Stadt Frankfurt a. M. 1858. 8.
19,297. Die Despoten als Revolutionäre. 1859. 8.
19,298. Der Oberfeldherr des deutschen Bundes. 1859. 8.
19,299. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst; 1. u. 2. Bd. 1860-62. 8.
19,300. Des intérêts Européens en Italie. 1860. 8.
19,301. Mittheilungen an d. Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Frankfurt a. M.; I, 2-4. 1858-60. 8.
19,302. Necesssité d’une place forte fédérale pour la défense de la Suisse. 1860. 8.
19,303. Das Breslauer Rendezvous. 1860. 8.
19,304. Flugblätter des deutschen Nationalvereins; III. 1861. 8.
19,305. Garnier, Tagebuch a. d. Belagerung von Gaëta. 1861. 8.
19,306. Das preuſsische Heer. 3. Aufl. 1861. 8.
19,307. Kärcher, die Straferkenntniſs; II. Bd., 2. u. 3. Abth. 1861-62. 8.
19,308. Kein preuſsisches Kleindeutschland! 1861. 8.
19,309. Maier, d. Kampf zwischen der deutschen Fremden-Legion u. den Garibaldianern. 1861. 8.
19,310. Der wahre deutsche National-Verein. 1861. 8.
19,311. Die Überlegenheit der französ. Waffen etc. 1861. 8.
19,312. Was uns nicht retten kann. 1861. 8.
19,313. Andeutung für Hebung der Pferdezucht. 1862. 8.
19,314. Aresin, der Besitz Venetiens. 1862. 8.
19,315. Gockel, die Gelehrtenschule gegenüber den Forderungen der Zeit. 1862. 8.
19,316. Über Heerbildung. 1862. 8.
19,317. Kelchner, drei Frankfurter Schützenfeste. 1862. 8.
19,318. Groſsherzogl. Lyceum zu Rastatt; 1862-64. 8. Progr.
19,319. Oesterreichs und Preuſsens Mediatisierung. 1862. 8.
19,320. Schlegel, die neuere Romantik etc. I. u. II, 1. 2. 1862-64. 8.
19,321. Rom und die legitimen Fürsten Italiens. 1862. 8.
19,322. v. Varchmin, die Völkerschlacht bei Leipzig. 1862. 8.
19,323. Verhandlungen der 17. Jahresversammlung des badischen Hauptvereins der evangel. Gustav-Adolf-Stiftung. 1861. 8. 2 Ex.
19,324. Böhringer, über die Wolken des Aristophanes. 1863. 8.
19,325. Deutscher Bundes-Militär-Almanach. 1863. 8.
19,326. Hauser, Studien zu einer wissensch. Syntax der lateinischen Sprache; I. Th. 1864. 8.
19,327. v. Andlaw, d. badischen Wirren. 1865. 8.
19,328. Cöllen, Reisen und Dichtungen; 1865. 8.
19,329. Ditz, Geschichte der Vereinödung im Hochstift Kempten. 1865. 8.
19,330. 29. u. 30. combinirter Jahres-Bericht des histor. Kreis-Vereins im Regierungsbezirk v. Schwaben u. Neuburg. 1865. 8.
19,331. Seldner, Lüttich, die zweite burgundische Dynastie und die Markgrafen Karl und Markus v. Baden, 1455-68. 1865. 8.
19,332. Die neue Aera in Baden. 1866. 8.
19,333. Fürer’sches Stammbuch; 1739-41. Hs. qu. 8.
III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.
=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:
5024. 4 Porträts in Kupferstich und Steindruck.
5025. 4 Landschaften in Stahlstich und Steindruck.
5026. Kupferner Fingerring mit kabbalistischen Inschriften.
5027. Gypsabguſs einer Medaille auf Friedrich II. von Preuſsen, von Loos.
=Magistrat= der Stadt Reichenberg:
5028. Lackabdruck des Magistratssiegels der Stadt Reichenberg.
=G. H. Flinzberg=, Seifensieder, in Koburg:
5029. Bleimedaille auf Grundsteinlegung der Kirche zu Morizburg, 1661.
=Lutz=, Hafnermeister, in Nürnberg:
5030. Ausgegrab. Hufeisen und Steigbügel.
5031. Bruchstücke einer verzierten Fuſsplatte und einer Steinfigur vom 18. Jahrh.
=Jos. Proron=, Pfarrer, in Neutitschein:
5032. Acht Abdrücke in Gyps und Siegellack von Siegeln der Stadt Neutitschein des Bisthums Olmütz u. s. w.
=Orth=, Kaufmann und Magistratsrath, in Nürnberg:
5033. Silbermünze der Abtei St. Gallen von 1774.
=Dr. A. Heidenschreider=, prakt. Arzt, in Herrieden:
5034. Tabelle Über Morbilität, Mortalität und Meteorologie, von demselben. Farbendruck.
=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:
5035. Abbildung verschiedener Geschütze, Kupferstich von 1618.
Chronik der historischen Vereine.
/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Helfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg. Januar-Februar. Wien, 1866. 4.
Die Holzkirchen im Bisthume Szathmár. I. Historischer Theil. Von Bischof Dr. Fr. Haas. (Mit 3 Holzschnitten.) II. Architektonische Bemerkungen. Von Franz Schulcz. (Mit 1 Tafel und 25 Holzschnitten.) -- Notizen zur älteren Baugeschichte der Stiftskirche und des Klosters zu Lambach. Von Pius Schmieder. (Mit 12 Holzschnitten.) -- Das goldene Psalterium der k. k. Hofbibliothek. Von Jos. Haupt. (Mit 3 Holzschnitten.) -- Kleinere Beiträge: Das Rathhaus in Bremen. Von H. A. Müller. (Mit 1 Holzschnitt.) -- Die Madonna Hans Holbein’s d. J. in der Gallerie zu Dresden. Von Dr. v. Hoffinger. -- Die vollendete Restauration des Verduner Altars zu Klosterneuburg. -- Besprechungen. -- Correspondenzen: Lambach. Grabfund zu Wolfirsch, Bezirksamt Datschitz in Mähren. -- Aus Tyrol.
/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I. Jahrg. 1865. Nr. 1-6. Wien. 8.
Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich. Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. -- Die Bevölkerung von Wien. Von G. A. Schimmer. -- Zur Baugeschichte des Rathhauses der Stadt Wien. (K. Weiſs.) -- Proben eines Wörterbuches der österreichischen Volkssprache von Hugo Mareta. -- Kleinere Mittheilungen. -- Vereinsnachrichten.
/Fünfundzwanzigster Bericht über das Museum Francisco-Carolinum./ Nebst der zwanzigsten Lieferung der /Beiträge zur Landeskunde von Oesterreich ob der Ens/. Linz, 1865. 8.
Jahresbericht. -- Bertholt Preuhaven, der berühmte Deutschordens-Comthur, ein Oberösterreicher aus Steyr. Von Jodok Stülz. -- Archäologische Nachlese. Von Joseph Gaisberger. II. 1. Fundorte im Kreise Ried, von Süden nach Norden. -- Museal-Notizen. Von A. F. Ritter von Schwabenau. I. Münzen der Stadt Linz. II. Denkmünze aus der Zeit der Bauernunruhen in Oesterreich ob der Ens. III. Die Familie der Grafen Waffenberg, dem Lande Oesterreich ob der Ens angehörig. -- IV. Die im Museum Francisco-Carolinum vorhandenen oberösterreichischen Taiding- und Statutar-Bücher.
/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München./ 1865. II. Heft III. IV. München, 1865. 8.
Miscellen aus den Handschriften der Münchener Hof- und Staats-Bibliothek: I. Eine Encyclica aus dem 9. Jahrhundert. II. Ein Tractat über das heilige Land und den dritten Kreuzzug. (Thomas.) -- Ein alemannisches Büchlein von guter Speise. (Birlinger.) -- Ueber einen französischen Text zur Geschichte der Herzogin Jakobäa. (C. Hofmann.) -- Altfranzösische Pastourelle aus der Berner Handschrift Nr. 389. (Ders.)
/Zeitschrift des Historischen Vereins für das wirtembergische Franken./ Siebenten Bandes erstes Heft. 1865. Mit zwei Lithografien. Weinsberg. 8.
Die älteren Verbindungen des württemb. Frankens mit dem Württembergischen Fürstenhause. Von H. Bauer. -- Lichtel und die Herren von Lihenthal. Von dems. -- Das Gaunerwesen in den 1570ger Jahren. Von D. Mayer. -- Das Rittergut Bodenhof. Von H. Bauer. Fränkische Herren bei König Rudolf in Oesterreich. Von dems. -- Die Zehen. Von dems. -- Tilly in Franken. Von D. Mayer. -- Der Hohenstaufen und die Schenken von Limburg. Von H. Bauer. -- Gemeiner Stadt Weinsberg Privilegienbuch angeblich von a. 1468. Von dems. -- Ein Duzend Urkunden-Auszüge. Von dems. -- Die Möckmühler Centordnung von 1729, mit geschichtlichen Bemerkungen über ihre Entstehung; v. Pfarrer Knödler. -- Curiosum (Teufelsverschreibung). -- Kleinodien d. deutschen Ritterordens. -- Die Klosterkirche zu Frauenthal; v. H. Bauer. -- Die Krypta in Regenbach, nach Dr. Bunz. Mit einer Lithographie. -- Die Wappensammlung im ehemaligen Ritterstifte Comburg v. R.-C. Mejer. -- Die Burg von Weinsberg v. H. B. Mit Lithografie. -- Beiträge zur Kunde der Vorzeit des Oberamtsbezirks Neckarsulm. Von O.-A.-Richter Ganzhorn. -- Ein Reihengrab bei Gundelsheim. Von dems. -- Statistisches, Topographisches, Bücheranzeigen u. s. w.
Kirchenschmuck. /Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des /christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XIX. Band, erste Hälfte. Zehnter Jahrgang. 1866. Erstes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.
Der Martinus-Teppich im hohen Chor des Doms zu Mainz. -- Zur Geschichte des Mantels. -- Entdeckte Wandmalerei in der Stiftskirche St. Peter und Paul zu Weiſsenburg. -- Die St. Paulskirche in Aachen. -- Zur Sprache und Sitte der Kirche. 1. Das Kirchbrot. 2. Vom Bartuche. 3. Brote und Brätzeln auf den Gräbern. -- Ausbau des Kölner Doms.
/Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes./ Sechster Band. 3. u. 4. Heft. Altenburg, 1865. 8.
Jahresbericht. -- Einige Nachrichten über das Marien-Magdalenen-Kloster in Altenburg. Von Dr. H. C. von der Gabelentz. -- Die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes. Von dems. -- Mittheilungen über den Anfang und Fortgang der Reformation in Altenburg. II. Abtheilung. Von Dr. J. Löbe. -- Miscellen: a. Die Familie der Proprio. b. Ueber eine Urkunde der Burggrafen von Starkenberg, die Stiftung einer Messe in der Kirche zu Oberlödla betr. 1398. c. Ueber die lingua rustica u. die lingua patria in der Urkunde Bischof Udo’s I. zu Naumburg, vom J. 1140, die Gründung der Parochie Altkirchen betr. d. Ueber einige seltene Bracteaten aus einem Münzfunde bei Rehmsdorf (mit 1 Tafel Abbildungen).
/Beiträge zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /historisch-antiquarischen Verein des Kantons Schaffhausen/. Zweites Heft. 1866. 8. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung.
Vorwort. -- Urkundliche Darstellung des Leibeigenschaftwesens im Gebiete des jetzigen Kantons Schaffhausen. (H. W. Harder). -- Die Reliquien des Klosters Allerheiligen. (Diak. J. J. Schenkel.) -- Die Kirche unserer l. Frauen auf Neunkirch. -- Joh. v. Müllers Reise in die Schweiz zum Zweck einer Vereinigung der schweizerischen Eidgenossenschaft mit dem deutschen Fürstenbund im Sommer 1787.
/Séances et travaux de l’Académie des sciences morales et politiques/ (Institut Impérial de France). Compte rendu par M. Ch. Vergé sous la direction de M. Mignet. 1864 et 1865. 23e et 24e Année. Quatrième et cinquième Série. Paris, 1864 et 1865. 8.
/Bulletin du Comité Flamand de France./ Tome IV. Nr. 1. Janvier, Février et Mars. 1866. Lilie et Dunkerque, 1865. 8.
Extrait des procès-verbaux, par l’abbé D. Carnel. -- Couvent des Pères Capucins, à Bourbourg. -- Réception de Mgr. l’Evèque d’Ypres, à Bergues, par l’abbé de Laroière.
Nachrichten.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
9) /Ueber Diptychen, Necrologien, Martyrologien und Verbrüderungsbücher im Mittelalter/ mit besonderer Rücksicht auf die Kronländer Oesterreichs. Von /Karl Hirsch/. Programm des k. k. Gymnasiums in Graz. 1865. 39 Stn. 4.
Dieses Schriftchen behandelt eine Klasse historischer Quellen, deren ganze Bedeutung erst in neuerer Zeit gewürdigt worden ist. Während man denselben früher meist nur ein räumlich beschränktes Interesse abzugewinnen wuſste, hat die fortgeschrittene Wissenschaft auch von den spärlichsten Aufzeichnungen aus Zeiten, die an schriftlichen Denkmälern so arm sind, nützlichen Gebrauch zu machen gelernt. Es ist daher als ein verdienstvolles Unternehmen zu betrachten, daſs der Verfasser der vorliegenden Arbeit die Natur und den Werth der in der Aufschrift genannten geschichtlichen Quellen beleuchtete und so gewissermaſsen einen Commentar zu den Publikationen der bezeichneten Denkmäler gab.
Die in gedrängter Kürze gemachten Bemerkungen über die Diptychen orientieren recht gut über das Wesen und die Bedeutung dieser Aufzeichnungen, die eigentlich rein kirchlicher Natur waren, indem sie ursprünglich dazu dienten, den Christen ihre Brüder zum Einschluſs ins Gebet zu empfehlen; später wurden nur die Namen hoher geistlicher oder weltlicher Würdenträger in die Diptychen aufgenommen.
Was der Verfasser über die Necrologien sagt, läſst uns sowohl ihre ehemals practische Seite als auch ihren Werth als Geschichtsquellen erkennen. Vorzüglich wird hervorgehoben, daſs die Todtenbücher nicht nur vielfache, zum Theil höchst wichtige Personalnotizen über die verzeichneten Personen und deren Geschlechter, sondern zuweilen auch historische Nachrichten anderer Art enthalten. Wie z. B. das Klosterneuburger Todtenbuch über die Leithaschlacht im J. 1146 Mittheilungen gibt.
Auch das historische Interesse der Verbrüderungsbücher findet seine rechte Würdigung. Reichen ja doch dieselben bis in’s neunte Jahrhundert zurück, und die zahlreichen Namen derjenigen, welche in die Confraternitäten aufgenommen wurden, leisten zur Vervollständigung der Genealogien solchen Familien die besten Dienste. Und wer sollte den Nutzen nicht einsehen, der für die Sprachforschung aus der Verzeichnung von vielen tausend Vor- und Zunamen erwächst, die im Laufe der Jahrhunderte so vielfache Wandlungen erfahren!
10) /Die Sammlungen des k. k. Münz- und Antiken-Kabinets/ von /Ed. v. Sacken/ und /Friedr. Kenner/; mit einer Tafel. Wien, 1866. VII u. 495 Stn. gr. 8.
Die beiden Custoden des Wiener Münz- und Antiken-Kabinets, denen wir schon manche schöne Veröffentlichung über österreichische Alterthümer und Denkmäler verdanken, haben sich ein neues groſses Verdienst durch vorliegendes Werk erworben, indem sie ihr weltberühmtes Museum genau und ausführlich beschrieben. Wir bedauern hier nur eine kurze Andeutung von dem reichhaltigen Buche geben zu können. Zuerst steht als Einleitung eine „Geschichte der Entstehung des Kabinets“, welche bis in die Mitte des 16. Jahrh. hinaufreicht. Dann folgt die Beschreibung des Museums, wobei „die wissenschaftliche Folge der Monumente mit der gegenwärtigen Anordnung vermittelt wurde“. Zuerst stehen „die antiken Skulpturwerke in Stein“, dreihundert Denkmäler der classischen Sculptur; dann 245 inschriftliche Denkmäler von hoher Wichtigkeit für die römische Zeit. Die Verfasser haben die lateinische Paraphrase untergesetzt. Wir erlauben uns einige kleine Bemerkungen: S. 59, Nr. 14 heiſst PATR: patrono, nicht patri, da von libertis die Rede ist. S. 61, Nr. 22 ist Musa cognomen. S. 66, Nr. 84 lese ich Orcitilia. Ist in der Marmortafel Nr. 153, Zeile 3 ein Strichpunkt (;)? ich zweifele. S. 75, Nr. 195 wird LIB mit liberto zu geben sein. S. 91, Nr. 228 wird die Erklärung Betulio, die schon 1855 in der Zeitschrift für die Alterthumswissenschaft gegeben wurde, richtiger sein, wenn schon die Verf. bei der frühern Deutung Betulo verblieben. S. 93 ist Valenti als Dativ zu nehmen, wie die folgenden Worte zeigen. Bei Nr. 239, wo der verstorbene Hefner Cluentius liest, war anzugeben, ob der Punkt, den die Verfasser zwischen C. L setzen, auf dem Stein steht u. s. w. Hierauf folgen die „Inschriften auf Bronzetafeln“, dann „Kararische Monumente“: griechische, römische, barbarische Thongefässe in groſser Zahl, mit genauer Beschreibung der Bildwerke, nur wenige mit Töpfernamen (welche meist bei Frochner fehlen). Geringer ist die Anzahl der „Bildwerke aus Terracotta“: Reliefs, Büsten, Figuren, Thonlampen, ebenfalls mit nur wenigen Namen (wie vorhin). Die Sammlung antiker Bronze nimmt unter den Museen in Europa eine hervorragende Stellung ein; auf die Beschreibung, welche die Verfasser hier geben, machen wir die Kunstfreunde aufmerksam, ebenso auf die weiter folgenden „toreutischen Arbeiten in Gold und Silber, classischer und barbarischer Technik“. „Von der Münzsammlung konnte bei ihrer auſserordentlichen Reichhaltigkeit nur eine berichtliche Uebersicht der ganzen und eine eingehende Besprechung der als Repräsentanten zur Schau ausgelegten Exemplare gegeben werden.“ Der griechischen Münzen sind 26,926 Stück, darunter 507 in Gold, 9381 in Silber, römische 34,875, darunter 2689 in Gold, 15,520 in Silber, der mittleren und neueren 40,249, davon 6013 in Gold, 25,780 in Silber; 512 kleine Medaillen in Gold, 2431 in Silber, neuere Thaler und Gulden 10,230 Stück, Medaillen in Gold 2526, in Silber 8084, endlich 4144 orientalische (davon 544 in Gold, 1583 in Silber) und zuletzt noch falsche Münzen 3780 Stück. Weiter wird die Sammlung „antiker geschnittener Steine“ von keiner andern übertroffen: hier sind die gröſsten Cameen, die man kennt, kostbare Werke, mit vollendeter Kunst, keine ohne Werth, wie die schöne und klare Beschreibung zeigt, kostbare Glassachen. Dann noch „Kunstwerke der Renaissance-Periode und der Neuzeit“, viele davon Nachbildungen antiker Denkmäler, namentlich geschnittener Steine, Porträts aus alter und neuer Zeit; wenige kirchliche Darstellungen. Endlich im Anhang einige asiatische, meist indische Gegenstände. Beigegeben ist ein Verzeichniſs der Fundorte. Die Tafel enthält fremdartige Schriftzeichen. Dies der Inhalt des verdienstvollen Werkes; wir wünschen, daſs über alle Museen eine so schöne, genaue und lehrreiche Beschreibung verfaſst werde, wie die beiden Wiener Gelehrten zu ihrer Ehre und zu unserm Dank hier uns vorlegten.
K.
Aufsätze in Zeitschriften.
/Ausland:/ Nr. 11. Nilssons Erwiederung auf Prof. Worsaaes Bedenken gegen seine Ansicht über das Bronzealter. -- Nr. 13. Ueber das Alter der Hufeisen. (Chamb. Journ.)
/Biene:/ Nr. 9. Essen und Trinken im deutschen Sprichworte. (J. H. Schwicker.) -- Der Jungfernsprung. Sage aus dem Kuhländchen. (Johann von Hradisch.)
/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 6, S. 162 ff. Die goldene Aue.
/Grenzboten:/ Nr. 12, S. 441. Aus der Geschichte der deutschen Hochschulen: 1. Die Universität des Mittelalters. -- Nr. 13, S. 481. 2. Die neue Zeit im Aufgang. (Mor. Busch.)
/Jahrbücher für deutsche Theologie:/ 11. Bd., 1. Hft. Ueber die Götter und den Gottesglauben der alten Deutschen nach Tacitus Germania.
/Dresdner Journal:/ Nr. 62. Regiomontan. (Auszug aus einem Vortrage von Dr. Alex. Ziegler.)
/Sächs. Kirchen- und Schulblatt:/ Nr. 12. Die Nikolaikirche von Dippoldiswalde.
/Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 5-9. Der 30jährige Krieg und der westfäl. Friede. (Vortrag von Trauttwein von Belle.)
/Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 164 f. Deutsche Berge und Burgen. X. Hohenlandsberg. -- Nr. 165 f. Aventin. (Vortrag von Kluckhohn.)
/Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 10. Etwas über die Künstlerfamilie der van der Weiden. (Ernst Förster.)
/Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr 14. Zur Lorelei-Sage.
/Deutsches Museum:/ Nr. 13. Die Ahnherren des deutschen Dramas (Hans Sachs, Jak. Ayrer, Andr. Gryphius). (Rudolf Rost.)
/Sonntags-Blatt/ (von Spielhagen): Nr. 11. Hans Holbein; Skizze. (M. Bernstein.)
/Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 11 f. Schicksale eines gefallenen Königs (der Bär in Geschichte und Volksmeinung). (Karl Aug. Mayer.) -- Nr. 12. Das karolingische Psalterium des ehemaligen Schatzes der bremischen Kathedrale. (H. A. Schumacher.)
/Münch. Sonntagsblatt:/ Nr. 11. Sagen aus Unterfranken. -- Nr. 12. Deutsche Ostergebräuche. (Dr. L. v. Hörmann.) -- Nr. 14. Gutenberg und die Buchdruckerkunst.
/Ueber Land und Meer:/ Nr. 26. Der Kindlifresserbrunnen und das Eiertüpfen am Ostertag in Bern.
/Oesterr. Vierteljahresschrift für kathol. Theologie:/ 5. Jhrg., 1. Hft. Das Colloquium des Cochläus mit Luther zu Worms auf dem Reichstage 1521.
/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 81. Kunstgeschichtliches aus Tirol. (W. Lübke.) -- Nr. 89 f. Fragmente aus dem Bodensee. -- Nr. 93. 96. Aus dem siebenbürgischen Sachsenland. Skizzen. (W. Hausmann.) -- Nr. 96 f. Deutsche Wörterbücher.
/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 96. Einige historische Notizen über das Wildbad bei Haſsfurt a. M. (Dr. Ditterich.)
/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1186. Die Anfänge der Druckkunst. -- Nr. 1187. Christus am Kreuz. Gemälde von Albrecht Dürer. (Jul. Hübner.) -- Der Dom zu Worms.
/Mecklenburg. Zeitung:/ Nr. 34. Pfahlbau von Vimfow. (Wiechmann.)
Vermischte Nachrichten.
33) In /Ingolstadt/ hat sich unter dem Vorsitze des Rechtsrathes Fr. Ostermaier und des Stadtpfarrers Dr. Paulhuber ein /historischer Verein gebildet/, und zwar zur Sammlung von Urkunden und Denkmälern, zur Erforschung der Sprache, der Sitten, des Rechts, der Wirthschaft, Kunst und Wissenschaft, um die theils in Nebel gehüllte, theils verschwundene Geschichte dieser merkwürdigen Stadt und Umgegend wieder aufzuhellen und in erneuter Gestalt Allen zur Anschauung zu bringen.
(Mgbl. z. Bayr. Ztg.)
34) Dem auſserordentlichen Prof. Dr. phil. E. L. /Dümmler/ in Halle hat die königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen für seine „/Geschichte des ostfränkischen Reichs/“ den dritten der durch die Wedekind’sche Preisstiftung für deutsche Geschichte ausgesetzten, von 10 zu 10 Jahren zu vergebenden /Preis ertheilt/.
(Ill. Ztg.)
35) Ein /altes böhmisches Manuscript/ hat Prof. M. Kolař; im Rathhauskeller zu /Tabor aufgefunden/. Dasselbe stammt aus den hussitischen Zeiten, und sein vorzüglichster Werth besteht darin, daſs es 17 Pergamentblätter mit einem böhmischen Gedicht enthält, welches sich mit dem Leben der Böhmen beschäftigt. Nach dem Ausspruch des Direktors K. J. Erben soll dieses Gedicht um das Jahr 1330 entstanden sein und sich durch alterthümliche Sprachformen auszeichnen.
(Dies.)
36) Ed. His-Heusler in Basel hat /zwei Sendschreiben des Baseler Rathes/ vom 19. November 1545 /entdeckt/, welche über den Sohn des Malers Hans /Holbein/ d. J., von dem bisher nichts weiter bekannt war, Kunde geben. Er hieſs Philipp und war von seinem Vater zu Paris bei dem Goldschmied Jacob David, Bürger von Basel, in die Lehre gethan worden. Nach Ablauf der Lehrzeit will ihn sein Meister nicht entlassen und läſst ihn vom „Herrn Lütenant zu Pariſs“ in Recht nehmen; da nimmt sich der Rath von Basel des „guten frommen Jungen“ an. An einer Stelle wird als Philipp’s Vormund Frantz Schmid sein Bruder genannt, woraus hervorgeht, daſs Hans Holbein eine Wittwe geheirathet. Auch ist in den Schriftstücken von Philipp’s Vater „wylandt Hansen Holbein seligen“ die Rede, wodurch für die in England gemachte Entdeckung seines Todesjahres (1543) ein neuer Beweis der Richtigkeit gegeben ist.
(Zeitschr. f. bild. Kunst.)
37) /Sieben Passionsbilder von Hans Holbein/ dem ältern, die Haupttheile eines groſsen Altarbilderwerks, das er gegen 1500 für das Dominicanerkloster in Frankfurt a. M. gemalt hatte, sind durch das Städel’sche Kunstinstitut daselbst von dem Hofrath Schäfer in Darmstadt, in dessen Besitz sie gelangt waren, wieder /für Frankfurt erworben/ worden, nachdem sie der Stadt für eine längere Zeit verloren gewesen waren.
(Ill. Ztg.)
38) In der kleinen romanischen Kirche zu /Sluze/ bei Tongern (Prov. Limburg) sind in Folge von Restaurationsarbeiten /Wandgemälde zum Vorschein gekommen/. Man hat fünf durch eine Decoration von Laubwerk verbundene Rundbilder bloſsgelegt, von denen das mittlere und gröſsere das Gotteslamm darstellt. Die Medaillons auf den Seiten stellen die Madonna in zwei verschiedenen Positionen dar, während die kleineren Zwischenbilder Engelfiguren zu enthalten scheinen. Das Kolorit wird als klar und wohlgefällig gerühmt und soll ebenso wie die Zeichnung auf einen tüchtigen Künstler hinweisen.
(Zeitschr. f. bild. Kunst.)
39) Am /Magdalensberge/ in Kärnten hat der Besitzer der Gradischniggrube daselbst Nachforschungen an einer Stelle vornehmen lassen, welche seit lange als eine /Fundstätte römischer Alterthümer/ bekannt ist. Leider ist nicht mit der gehörigen Sachkenntniſs dabei vorgegangen worden. Es wurde ein kleines, schön gemaltes Zimmer bloſsgelegt, in welchem sich kaminartige Oeffnungen befanden, wo Flaschen von Glas und Thon mit Asche gefüllt standen. Diese letztern sind von dem Unternehmer, vermuthlich in der Hoffnung, darin Schätze zu finden, zerschlagen worden. Sehr interessant ist eine daselbst vorgefundene 1½ Zoll groſse weibliche Figur aus Bein, welche dargestellt ist, wie sie sich verzweifelnd die Haare zerrauft; darüber war eine Glasglocke gedeckt, die man ebenfalls schonungslos zerschlug. Auch einen Grabstein förderte man zu Tage, dessen Inschrift den Tod zweier Reiter, Veteranen der VIII. Legion unter Kaiser Augustus, meldet. Auſserdem wurden eine Lanzenspitze, eine kleine Pfanne, Nägel, Münzen und eine thönerne Fratze aufgefunden.
(Ill. Ztg.)
40) Dem k. /Welfenmuseum/ in /Hannover/ ist ein /alter Kahn/ von dem Herrn Weſs (?) zu Holthusen /geschenkt/ worden, welchen derselbe im vorigen Jahre aus dem Fluſsbette der Ems hatte ausgraben lassen. Der Kahn besteht aus einem Eichenstamme, welcher vermittelst Feuer und Axt recht gut ausgehöhlt, ungefähr 16 Fuſs lang, fast 5 Fuſs breit, vorn spitz, hinten aber abgerundet ist. Die Beschaffenheit des Holzes sowie die Arbeit deuten auf ein beträchtliches Alter.
(Dies.)
41) Die Cantonsregierung zu Aarau hat beschlossen, die /Ruine der Burg zu Baden/, welche auf die Ermordung Kaiser Albrecht’s II. niederblickte, /restaurieren/ zu lassen, doch so, daſs das Bauwerk verbleibt, wie es jetzt ist, und nur vor noch weiterem Verfall geschützt wird.
(Europa.)
42) In /Köln/ werden neben dem Dom auch andere /Kirchenbauten/, meist Renovierungen, von Bedeutung betrieben. Die St. Peterskirche ist vollständig malerisch decoriert worden, die Minoritenkirche ist in ornamentaler Ausschmückung der Vollendung nahe, und St. Maria vom Capitol wird, nachdem die bauliche Herstellung beinahe fertig ist, ebenfalls malerisch ausgeschmückt; die Ausmalung des Chors ist fast vollendet. Auch für St. Martin ist eine malerische Verzierung projectiert.
(Ill. Ztg.)
Inserate und Bekanntmachungen.
11) =Anfrage und Bitte.= Findet sich in irgend einer öffentlichen oder Privat-Bibliothek Deutschlands (die zu Breslau, von welcher dies bereits bekannt ist, ausgenommen) eine /Handschrift des Froissart/?
Gefällige Antworten hierauf wolle man an das germanische Museum richten, welches diese Veranlassung ergreift, um hiemit an die verehrl. Vorstände öffentlicher wie Privat-Bibliotheken im Interesse der Wissenschaft die ganz ergebenste Bitte zu richten, ihm zu möglichster Vervollständigung seines Handschriften-Repertoriums die /Verzeichnisse/ aller unter ihrer Aufsicht befindlichen /Manuscripte deutsch-geschichtlichen Inhalts/ in Abschrift oder zur Abschriftnahme geneigtest mittheilen zu wollen.
12) ~=Grosse Münzauction in Nürnberg!=~
Im Laufe der nächsten Monate (Juni) soll die bedeutende /Sammlung an Münzen und Medaillen/ des jüngst verstorbenen kgl. Advocaten /Dr. jur. Knoll/ zu /Nürnberg/ zur Versteigerung gelangen. Langjähriger, unermüdlicher Eifer des Verstorbenen, der keine der in Folge seiner Stellung und seines Domicils sich ihm vielseitig bietenden Gelegenheiten, seltene Stücke seiner Sammlung zuzuführen, unbenützt vorübergehen lieſs, brachte das Kabinet zu einer solchen Höhe und Bedeutung, daſs ihm ein sehr günstiger Ruf zur Seite steht. Das jetzt in Druck gegebene, von den DDr. jur. /Erbstein/ sorgfältig ausgearbeitete, umfangreiche Verzeichniſs faſst die Sammlung in ca. /4000 Nummern/ zusammen und zeigt eine Reichhaltigkeit an /Thalern/, /Goldstücken/ und /Medaillen/, wie sie nur selten getroffen werden wird. Es finden sich in der Sammlung /Seltenheiten ersten Ranges/; auch zeichnet sich dieselbe in Folge fast durchgängig guter Erhaltung der einzelnen Stücke vortheilhaft aus. Da die Sammlung /universell/ angelegt war, so wird jedem Sammler Gelegenheit geboten sein, Lücken auszufüllen und seine Collectionen in dieser oder jener Beziehung zu vervollständigen. -- Verhältnisse halber kann die Zeit zwischen Ausgabe des Katalogs und der Versteigerung selbst nur /eine kurze/ sein; deshalb werden alle diejenigen, die einen Katalog zu haben wünschen, schon jetzt durch _J. A. Stein’s_ /Buchhandlung/ in /Nürnberg/ auf die Auction aufmerksam gemacht und gebeten, =schon jetzt die Bestellung des Katalogs= an dieselbe ergehen zu lassen, damit sofort nach Erscheinen desselben die Versendung bewerkstelligt werden könne. Da die Auflage des gut ausgestatteten, systematisch angelegten Katalogs eine nur geringe werden soll, so dürfte ein baldiges Verschreiben desselben den Herren Numismatikern nur anzurathen sein. Nach Beendigung der Auction wird eine Preisliste gedruckt. Man bezieht den Katalog =durch jede Buchhandlung= von J. A. Stein’s Buchhandlung in Nürnberg unter der Bezeichnung:
=DDr. Erbstein, die Knoll’sche Münzsammlung.=
13) ~=Die altpreuſsische Monatsschrift=~
zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst, Wissenschaft und Industrie herausgegeben von
=R. Reicke= und =E. Wichert=
erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~, ~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst, ~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es, daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und ~Bibliographie~.
Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.
/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.
Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter /Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition (Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten und zweiten Jahrgangs zu beziehen.
Königsberg i. Pr., 1866.
~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~
Den Commissions-Debit besorgt die ~J. C. Hinrichs~’sche Buchhandlung in /Leipzig/.
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.
ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.
/Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder 2 Thlr. preuſs.
Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11. rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London; für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.
Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist. Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.
Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.
ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1866. Nº 5. Mai.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Die Krönungsinsignien des Mittelalters.
Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen
von A. /Essenwein/.
(Schluſs.)
II.
Betrachten wir nun die Kleinodienstücke selbst, die zum kaiserlichen Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche, als metallische. Wir fassen zuerst die stofflichen ins Auge, nämlich die Tunica, Alba und Pluviale, denen sich das Humerale, die Strümpfe, Schuhe und Handschuhe anschlieſsen. Das Humerale ist verloren gegangen; von Schuhen und Handschuhen, die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet sich nur noch je ein Paar. An diese Stücke schlieſsen sich noch die Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volksüberlieferung den Ursprung der Gewänder, sowie der metallischen Kleinodien dem Wiedererwecker des römischen Kaiserthums, Karl d. Gr. zu. Die vorhandenen Gewandstücke entstammen jedoch dem Kunstfleiſse der Araber in Sicilien, wo sie am Schlusse des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden und ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche Reich zu dienen.
Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem Seidenstoff, dem dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der kostbarste und theuerste war. Am unteren Rande ist er mit rothem Zendal besetzt und darauf ein goldenes Ornament gestickt. Ebenso am Rande der vorn enganschlieſsenden Aermel, wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner Emailplättchen den Aermel umsäumt.
Der Schnitt ist derart, daſs das Gewand um die Taille verhältniſsmäſsig eng ist, von da aber nach unten sich schräg bedeutend erweitert. Eine einfache Goldborte umgibt den engen Halsausschnitt.
Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weiſsen Seidenstoff, der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleichfalls weiſsen, ungemusterten, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. Sie ist am unteren Rande mit einem breiten Saume von lichtviolettem Purpur versehen, der in 3 Reihen über einander sich stets wiederholend, je 2 einander zugewendete Greife zeigt. Maurische und lateinische Inschrift desselben Inhaltes sagen, daſs Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die Gewänder in Palermo hat anfertigen lassen.
Der Halsausschnitt ist rings um mit breiter Verzierung versehen, die, in Gold und Perlen auf rothen Grund gestickt, dem Rationale der Bischöfe entspricht.
Die Aermel haben am weiten Oberarme einen gestickten Streifen und auf violettem Grunde eine Reihe von sich wiederholenden phantastischen Thieren. Am Vorderarme sind die Aermel eng und gleichfalls mit einem gestickten Saume versehen.
Zu diesen beiden Gewändern gehört ein drittes, der eigentliche Kaisermantel, der sich gleichfalls als Arbeit arabischer Sticker zu erkennen gibt. Der Grundstoff ist rother Zendal, der genau dem entspricht, welcher die Säume der tunicella bildet. Derselbe zeigt in trefflicher Stilisierung, symmetrisch angeordnet, je eine Hälfte des Mantels füllend, auf jeder Seite einer Palme einen Löwen, der ein Kameel zu Boden geworfen hat. Den Rand füllt eine maurische Inschrift aus, die besagt, daſs der Mantel zu Palermo im Jahre 523 der Hegíra (also im Jahre 1133) angefertigt wurde. Die Gewänder wurden von Heinrich VI., als er das Erbe seiner Gemahlin Constanze, Sicilien, antrat (1195), mit einer groſsen Zahl anderer Kostbarkeiten nach Deutschland gebracht und gelangten wahrscheinlich zu den Reichskleinodien, als Friedrich II. bei dem Verluste von Vittoria auch die älteren Kleinodien verlor. Der Zeit Heinrich’s VI. gehören die Handschuhe an, die, obwohl gleichfalls saracenische Arbeit, sich doch durch den Adler in der inneren Handfläche als für Deutschland gearbeitet zu erkennen geben. Dem Schlusse des 13. Jahrhunderts gehört die Stola an und wird von Bock als norditalienisch betrachtet; die Schuhe und Strümpfe dagegen entstammen wiederum dem maurischen Sicilien. Von Gürteln sind noch 2 vorhanden: ein breiter, gröſserer, der, dem Schlusse des 12. Jahrhunderts angehörend, aus einer breiten Goldborte besteht, die einzelne Thiergestalten als Musterung zeigt, während die Ränder die lateinische Inschrift enthalten: CRISTVS RIEHGNAT CRISTVS INQPARAT DEVS. Derselbe könnte als Träger des Schwertes betrachtet werden, während der zweite, schmale, aus blauem Seidenstoff mit Filigranverzierungen besetzt, den Murr nicht gekannt und abgebildet hat, zur Schürzung der Alba gedient haben dürfte.
Unter den metallischen Kleinodien ist zunächst die Krone zu nennen, die gleichfalls nicht in die Tage Karl’s d. Gr. hinaufreicht, sondern von Bock als italienische Arbeit vom Schlusse des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts betrachtet wird. Sie besteht aus 3 Theilen: einem Streifen, der aus 8, oben halbrunden Schildchen zusammengesetzt ist, von denen 4 reich mit Edelsteinen bedeckt sind, 4 aber Emailbilder zeigen: 1. die Majestas Domini, 2. König Ezechias und den Propheten Jesaias, 3. David, 4. Salomo. Als selbständiger 2. Theil ist das reich mit Edelsteinen besetzte Kreuz zu betrachten, als 3. der Bügel mit der Inschrift: CHVONRADVS · DEI GRATIA ROMANORV̄ IMPERATOR AVG., den Bock Conrad III. zuschreibt. Wir brauchen im Uebrigen dem Verfasser nicht auf das Gebiet der Hypothesen über die Geschichte dieser Krone zu folgen.
Der Reichsapfel, aus glatten Goldblechen bestehend, wird durch einen horizontalen Streifen in 2 Halbkugeln getrennt, während 2 breitere Streifen, mit Filigran und Steinen besetzt, die Kugel senkrecht in 4 Theile zerlegen. Auf der Spitze steht das mit Filigran und Edelsteinen geschmückte Kreuz. Bock hält denselben für sicilische Arbeit des 12. Jahrhunderts.
Das Scepter gehört dem 14. Jahrhundert an und wird von Bock Karln IV. zugeschrieben.
Noch befinden sich zwei weitere einfache Reichsäpfel und ein zweites Scepter bei den Kleinodien, das wohl ehedem als Aspergill gedient hat.
Von den vorhandenen drei Schwertern stellt sich das eine, das als St. Karl’s Schwert bezeichnet ist, durch seine künstlerische Ausstattung als zu den stofflichen Ornatstücken gehörig heraus und läſst sich in den Schluſs des 12. Jahrhunderts und nach Sicilien versetzen. Die Scheide, der Haupttheil des Schwertes, ist von oben nach unten durch eine Anzahl über Eck gestellter, quadrierter, emaillierter Metallbleche besetzt, zwischen denen in den Ecken ein Filigrangrund angelegt ist. Perlenschnüre umfassen die Quadrate. Den unteren Abschluſs bildet ein halbrund geschlossenes Emailplättchen, den oberen ein Streifen. Das oberste der quadrierten Emailbleche enthält den deutschen Reichsadler; das Schwert weist also selbst darauf hin, daſs es für deutschen Gebrauch bestimmt ist (falls nicht das Plättchen erst des neueren Gebrauches wegen noch im Beginn des 13. Jahrhunderts zugefügt wurde), und auf Heinrich VI. oder Friedrich II. als diejenigen, für welche es in Sicilien angefertigt wurde. Der Griff des Schwertes stimmt mit der Scheide überein; nur der obere Knauf entstammt der Zeit Karl’s IV. und zeigt auf 3 Eckschildern einerseits den Adler, andrerseits den böhmischen Löwen. Das Schwert ist das Ceremonienschwert, womit der Ritterschlag vollzogen wurde.
Das zweite Schwert des „/heil. Mauritius/“ hat eine metallene Scheide, die mit einer Anzahl getriebener Königsfiguren geschmückt ist, zwischen denen einzelne Emailplättchen angebracht sind; die Parierstange hat dieselbe Inschrift, wie der kaiserliche Gürtel; der Knopf trägt die Umschrift: Benedictus Dominus Deus qui docet manus. Zwei herzförmige Schilde am Knauf zeigen den kaiserlichen Adler, sowie die Hälfte desselben combiniert mit den drei schreitenden Löwen, dem Abzeichen der alten Erblande des Herzogthums Schwaben.
Das dritte Schwert endlich, das früher nicht zu Nürnberg aufbewahrt wurde, sondern dem Schatze zu Aachen angehörte, ist das Karln d. Gr. zugehörige, ihm von Harun-al-Raschid übersandte, ein Werk orientalischer Kunst, von Bock als persisch bezeichnet, wenn er auch den Ursprung bei der nicht vollkommenen Kenntniſs orientalischer Kunstwerke fraglich lassen will.
Das früher ebenfalls zu Aachen aufbewahrte Evangelienbuch ist karolingisch, so daſs der Richtigkeit der Tradition, die dasselbe im Grabe des groſsen Kaisers gefunden sein läſst, kein Bedenken im Wege steht; der Einband ist spät gothisch. Eine Kapsel, gefüllt mit Erde, die mit dem Blute des Märtyrers Stephan getränkt sein soll, an der Hauptseite vollkommen mit gefaſsten, ungeschliffenen Edelsteinen besetzt, an den Seiten aber mit getriebenen Metallblechen, stammt noch aus vorkarolingischer Zeit. Die übrigen Reichsreliquien sind im Werke nur verzeichnet, ohne abgebildet und beschrieben zu sein, da Bock denselben ein eigenes Buch zu widmen beabsichtigt; dagegen sind nach Delsenbach’s mangelhaften Zeichnungen die verloren gegangenen beiden Armspangen und die Sporen nebst den schon erwähnten, nicht mehr vorhandenen Schuhen, Handschuhen und Gürteln dargestellt.
III.
Hat schon das Bock’sche Werk dadurch eine hervorragende Bedeutung, daſs es zum ersten Male mit wirklich archäologischem Verständniſs Abbildungen im groſsen Maſsstabe, soweit es thunlich in Naturgröſse, der kostbaren Kleinodienstücke gibt, so besteht ein weiteres, sehr groſses Verdienst darin, in eben solcher Weise fast alle noch vorhandenen Krönungspontifikalien anderer Völker, sowie die sonst zerstreuten Kaiserreliquien gesammelt und so Vergleiche geboten zu haben, die das Werk auch für die Geschichte der Formentwickelung wichtig machen.
Wir können hier dieselben nur reihenweise in ihrer Zusammengehörigkeit betrachten und fassen auch hier wieder zunächst die stofflichen, sodann die metallischen Objekte in’s Auge. Unter den stofflichen tritt uns zunächst ein Kaisermantel entgegen, der zu Metz aufbewahrt wird. Er ist mit 4 groſsen Adlern auf rothem Grund bestickt und hat die meiste Aehnlichkeit mit dem Kaisermantel, vielleicht um ein Geringes älter, obwohl die Meinungen gerade über dieses Gewand weit auseinander gehen, das durch die Gelehrten als persisch betrachtet und in die karolingische Zeit versetzt wurde. Höchstes Interesse erregen 3 Mäntel aus Bamberg, die der Zeit Heinrich’s zugehörten, von denen der erste mit einer höchst interessanten Darstellung des gestirnten Himmels versehen ist, in der die einzelnen hervorragenden Sternbilder charakteristisch abgebildet und mit Inschriften versehen sind. Eine Inschrift: O Decus Europae Caesar Henrice beare, Augeat imperium tibi Rex qui regnat in aevum, gibt genaue Kunde über die Zeitstellung; eine zweite Inschrift sagt: Descriptio totius orbis. Fax Ismaeli qui hoc ordinavit; bezieht sich also auf Ismael, Herzog von Apulien, † 1020 zu Bamberg.
Eine noch in ursprünglicher Gestalt erhaltene Casula zeigt auf violettem Purpurstoff, in Kreise eingeschlossen, wiederholt einen kaiserlichen Reiter, einen Falken auf der Rechten, ein Scepter in der linken Hand haltend, der über seine Feinde wegreitet und von reichem Ornament umgeben ist. Nach Bock stammt die Casel frühestens aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Er vermuthet, daſs dieselbe ehemals einem Profanzwecke diente und erst später die geschlossene jetzige Gestalt erhielt. Ein drittes abgebildetes Gewand dagegen hatte ohne Zweifel ursprünglich kirchliche Bestimmung, obwohl dasselbe den Kaisermänteln zugezählt wird. Es umfasst in einer Anzahl kleiner Kreise Darstellungen aus der heiligen Geschichte, in der Hauptdarstellung den Herrn in seiner Herrlichkeit, von der Höhe ausgehend, in die Strahlen der Sonne und des Mondes gekleidet. Egredietur Dominus de loco sancto suo, veniet ut salvet (populum suum). Diese kostbare Casula entstammt der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Dem 11. gehört jedoch der ungarische Krönungsmantel an, der, von der Hand der heiligen Gisela herrührend, als Casula für die Kirche zu Stuhlweiſsenburg gefertigt wurde und mit höchst interessanten symbolischen Darstellungen versehen ist. In der Kirche zu Martinsberg bei Raab befindet sich noch die in Naturgröſse gezeichnete Vorlage, nach der die königliche Stickerin ihre Arbeit anfertigte, die in früheren Zeiten gleichfalls als der Mantel selbst betrachtet worden war und so mannigfache Verwirrung unter älteren Gelehrten hervorgerufen hatte. Ein interessanter Kaisermantel ist der Otto’s IV. im Museum zu Braunschweig, mit einer Anzahl Löwen und Sterne und Halbmonde bestickt, in die sich an den vorderen Rändern knieende Engel mit Rauchfässern mischen, während vier einköpfige Adler eine mittlere Theilung auf dem Rücken bilden; auch ihn schreibt Bock sicilianischen Stickern zu.
Der jüngste unter den Mänteln ist die in Aachen aufbewahrte Cappa Leonis, die, der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. angehörig, von Bock als Geschenk des Königs Richard von Cornwallis betrachtet wird.
Den Mänteln schlieſst sich noch eine tunica an, die, Heinrich II. zugeschrieben und aus seinen Tagen stammend, freilich im Schnitte bedeutend modificiert, sich im königl. Nationalmuseum zu München befindet und mit Stickereien versehen ist.
Für die Geschichte der Stickerei ist also eine wesentliche Bereicherung im Bock’schen Werke gegeben. Nicht minder aber auch für die Geschichte der Weberei bietet das Werk interesssante Beiträge, indem Zeit und Herkunft einer Anzahl von Stoffen genau bestimmt sind, die, in Naturgröſse abgebildet, wieder zur Vergleichung anderer die bestimmtesten Anhaltspunkte gewähren. So sind etwa 12 verschiedene Stoffmuster theils in Holzschnitt, theils in Farbendruck naturgroſs gegeben.
Noch wichtiger erscheint das Werk für die Geschichte der Goldschmiedekunst. Da führt es uns eine Anzahl jener Kronen vor, die den vorkarolingischen Zeiten angehören; es zeigt die zu Guarazzo gefundenen Kronen des Recesvinthus und Svintilianus. Die Krone des Agilulf (gegen 600) wurde leider 1804 zu Paris gestohlen und vernichtet; die Krone der Theodolinde zu Monza dürfte aus der Zeit dieser Fürstin herrühren. Sodann folgt die eiserne Krone der Lombardei, die nach Bock ein griechisches Kunstwerk aus dem 9. Jahrhunderte ist und ursprunglich keine Königskrone war, wobei es Bock freiläſst, ob sie, wie andere Kronen, ehemals eine Votivkrone oder ein Armband gewesen, nachdem sich in Petersburg zwei mit der eisernen Krone fast identische Armbänder befinden. Die Krone ist bekanntlich nicht von Eisen, wird auch vor dem 13. Jahrhundert gar nicht als eiserne bezeichnet und hat ihren Namen von einem eisernen Ringe im Innern, der die einzelnen goldenen Theile zusammenhält und der Tradition nach aus einem Nagel vom Kreuze Christi gefertigt sein soll. Die eine der zu München aufbewahrten Kronen, die aus Bamberg stammen, schreibt Bock der heiligen Kunigunde zu, deren Cranium sie Jahrhunderte lang bedeckt hatte. Dieselbe ist mit einer zweiten Krone heutzutage verbunden, die in der chronologischen Reihenfolge einen spätern Platz einzunehmen hat. Eine Krone griechischen Ursprunges, mit der deutschen Kaiserkrone in der Hauptform verwandt, ist die des Constantin Monomachos, von der sich in dem Museum zu Pesth Bruchstücke befinden, zwischen 1042 und 1050 entstanden, vielleicht ein Geschenk an einen ungarischen oder serbischen König.
Die ungarische Krone besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Bestandteilen; der erste ist der Stirnreif, mit den an der Vorderseite befindlichen zackenartigen Aufsätzen, in dem durch angebrachte Bilder die Geschichte des Reifs illustriert wird, und der sich demgemäſs als Geschenk des Kaisers Michael um 1075 an Geisa, Herzog und später König von Ungarn, erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig das Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus den Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Tradition die ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus dem Jahre 1000, wo Papst Silvester II. diesem König eine Krone sendete.
Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, die ehemals ebenfalls oben einen flachen, kreuzförmigen Bügel hatte, wie noch die Ansätze an den einzelnen Theilen erkennen lassen, an deren Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel Kaiser Konrad’s getreten ist.
Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von Ungarn und seine Gemahlin mit in’s Grab genommen haben. Sie sind offenbar blos zu diesem Zwecke angefertigt und bestehen aus einem Stirnreif mit 4 Kreuzen.[A]
Den Arbeiten der deutschen Reichskleinodien, wie sie am Ceremonienschwerte, an den Handschuhen u. s. w. sich zeigen, ist die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, die aus dem Grab erhoben wurde, anzufügen. Sie besteht aus einem Häubchen, das mit einem Stirnreife und ebenfalls mit gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der Grund des Häubchens zeigt ganz die gleiche Arbeit, wie der Grund der Schwertscheide, und die Emails gleichen wieder genau jenen.
Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginne des 13. Jahrhunderts ist die Krone Philipp’s des Guten von Namur, auch als Krone Balduin’s von Jerusalem bezeichnet, die stets eine Reliquienkrone gewesen zu sein scheint.
Die deutsche Königskrone in Aachen, die corona argentea, die jetzt auf dem Haupte Karl’s d. Gr. ruht, ist eine Lilienkrone von sehr eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der über das Haupt von vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, also der Zeit des Interregnums und dürfte von Richard von Cornwallis herrühren. Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört die Lilienkrone an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde verbunden ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit gewaltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV. angefertigt wurde; dem Schlusse des 14. eine äuſserst elegante Krone, die in einem Grabe auf der Margaretheninsel in Pesth gefunden wurde und einer Königin aus der Regierungsperiode der Anjou’s zugehören dürfte. Die jüngsten dieser Kronen dürften die eine sein, die, in München aufbewahrt, gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben wird, die aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht, und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin Karl’s des Kühnen.
Auſser den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus sehr alter Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian in St. Peter zu Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu Guarazzo, das Kreuz des Agilulf, das des Adoloald, des Berengar, das der Theodolinde. Die Waffenstücke Theodorich’s und Childerichs (jetzt in Troyes und Paris), der Kamm der Theodolinde, der höchst interessante, mit Filigran bedeckte ungarische Scepter, der Scepter im Schatze zu Aachen sind kostbare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit überraschende Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse gewährt der Helm des heil. Wenzeslaus und das Schwert des heil. Stephan, das Kreuz des Kaisers Lothar, die Kreuze zu Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten aus Aachen, der im Stile der Renaissance gearbeitete Scepter und Reichsapfel Böhmens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene Reliquiarien, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken zu Mailand u. s. w.
Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Kleinodientruhen werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrh. angehören, so die zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter Medaillons besetzt sind, welche sich auf rothgefärbtem Holze aufgelegt fanden. Sie war von Richard von Cornwallis hergestellt; ihr ganz ähnlich ist die Casette des St. Louis, die jetzt sich im Musée des Souverains zu Paris befindet, jedoch geringere Ausdehnung hat, als die groſse Kleinodienkiste. Aehnliche emaillierte Medaillons befinden sich im Museum zu Pesth, die wol ehemals einer ungarischen Kleinodienkiste angehörten.
Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschiedene Kronen, sind abgebildet, von denen die älteste die sein dürfte, welche ehemals Schwedens Krone umschloſs und sich nun im Besitze des Senators Culemann in Hannover befindet. Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV. für die deutsche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen; ferner die Kapsel für die Brautkrone der Margarethe von York zu Aachen; die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 13. Jahrh. angehörig, hat wieder Verwandtschaft mit den Kleinodientruhen; sie ist mit glattem, ungefärbtem Leder überzogen, auf dem emaillierte Medaillons befestigt und metallene Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung eingeschlagen sind.
Wir können zum Schlusse dieser Beschreibung die Klage nicht unterdrücken, daſs das Werk, seinem kostbaren Inhalte angemessen, so theuer ist, daſs es kaum zugänglich wird; sprechen jedoch die Hoffnung aus, daſs unser gelehrter Freund bemüht sein werde, den Inhalt auf anderem Wege zum Gemeingut zu machen, wozu ihm mit Vergnügen diese Blätter zur Verfügung gestellt würden.
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Bock vergiſst hier anzugeben, welchem Bela die Leiche angehörte, ob Bela I. (1061-63), Bela II. (1131-41), Bela III. (1174-96). Dem IV. dürfte sie wohl schwerlich zugehört haben, der 1235-70 regierte.]
Die Juden zu Naumburg an der Saale.
Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.
(Schluſs.)
=B. 1446.=
Nach Cristi geburt Tusent vier hundert jn dem Sechss vnde vierzigsten Jar Am Fritage nach Judica habin geteydinget Die Gestrengen hans von solschicz houbitman Gerhard selbueldige Rath hans vom Vixte auch gesworene Nicklaus von hoendorff Richter zu Nuemborg alle amptlute vnsers gnedigen hern von Nuemborg alzo mit volborte dryer Reihe vnde der gantzen gemeyne wegin der Stad zu Nuemborg uff eyn nemlich do Borgermeistr. waren hans von Glogow vnde Thomas hyldebrand Camerer Conrad schutzemeistr. pauluck von der hardt vnde andere die medt gesworne Ratheskumpan vnde von wegin der Jodisscheyt wonhafftig daselbst uff die andere sythe. Nemlich der Jod leser meyger muschel Jacob gatheus abraham vnde yusche die Itztzinne Joden zu Nuemborg sint adir jn zukunfftigen getziten hir sin werdin alzo von gebrechins vnde vorhabin der Jodin wuchirrs halbin vnde andir gebrechin mer da vone die Rethe erkanten, das die Stad Nuemborg ser beswert wart unde vordir seier beswert mochte wordin sie vnde sulche beswerunge si vordir bracht habin an vnsern gnedigen hern herren peter itzunt Bischoff zu Neuemborg das dann vordir syne gnade vorwilt vnde tzu gegebin had das die Joden inzukunfftigen gezyten fort mer so haldin sullin alzo hirnach geschriebin stehit Nemlichin das sie eynem iglichin burger burgeryn adir Burgers kynder sie sint cluch adir fryledig dy sich selbst vermelden eynen gulden adir eyn schoch nicht hocher lihen sullin dann eyne wochin umb zwene phennynge eyne halli. guldin adir eynen ort alzo noch folgin hynder sich zu rechin addir an vorschriebunge noch uff phandt vnde sulle auch nymant der eyn Burger zu Nuemborg ist vnder eyme jar zu keyner rechenunge drynge es were dann sache das er tzwifel hedte daz solche syne gute adir phande solich houbit gut vnde wuchir nicht getragen konndte, das sal der Jod brengen an unsers gnedigen hern von Nuemborg Richter vnde an eynen sitzenden Rath die sullen erkenne ob ome (_ihm_) rechins adir clagens not sie werdit darnach sich der Jod richtin vnde haldin sal Vortmer sulle die Joden noch die Jodynn noch die oren (_Ihrigen_) kheynem burger burgeryn adir burgers kynder die do vormunden habin keyn gelt lihen addir uff phandt noch ane phand bie vorlysinnige (_Verlust_) des geldes daz die one (_ihnen_) geleihin habin hynder one vormunden Ouch wullin die Rethe uff das das dy Joden wissin sullin wem sie ihr gelt lyhen werdin ob er vormunden habe adir nicht solchin vorlass (_Erlass_) alle jar vorkundigen lassin In der kirchin daz sich eyn Jederman dornach wisse zu richtin ob ymand zwyfel hedte das vormund er were das der syn adir dy syne gelt Juden Jodin nemen worde daz deme Rathe kunt thun die es dann von die der Joden obirsten eyme vorkundigen sullin der ok dann den andern Jodyn von der vorkundige sal sich dy Joden darnach lassin zu richtin vnde zu haldin also ob yn komt vnde geschrieben stehet wordin ouch die Joden icht vnbilliches vor addir hir nach vorkouffin vornemen daryn sal unsers gnedigen hern von Nuemborg Richter mit deme Rathe macht zu Sprechen habe dornach sich dy Joden richtin vnde haldin sullin. Sulchir eynunge sal eyn ichlicher Jode der do vort mere zu Nuemborg eyn Jode sin wil unde da wonen stetiklich (_unleserlich_) -- -- haldin solchir daz nicht thun wolde vnde darzu nicht gehindin sullin vnde wullin wir zu Nuemborg nicht lyden noch uffnemen czu bekenntnisze sulchir beteydingunge habe ich obgenanter nicklaus von hoendorff myn Ingesiegel budene an diesse gedele gehangen.
An der äuſsern Seite der Urkunde steht: Der Juden brieff wo so es mit dem Wucher zu nemen halden sollen.
Späterer Zusatz: Hinfurdt die Juden vom fl. oder Schock nur wöchentlich ihn 2 ₰ nehmende. 1446.
Originalien des Magistrats-Archivs zu Naumburg _Nr. 26_.
Das Copialbuch von 1540 enthält den Vermerk (Fol. 49): Eyn versiegelter Brief, wie der Juden vbermessiger wucher halb, die Bürger beschwerrt, ferner das sie vnmündigen kindern gelts gelihen, Das es durch vnssers g. h. ampleuthe vorhandelt, das sie christen vom gulden eine Woche nicht mehr den zween pfennige habenn nehmenn thuenn, und kindernn, so nicht vormunder gehabt, nichts leyhen thuen, anno 1446. Welcher brief als unnottigk nicht ist asservirt sondern bei die andrenn Juden Brieue gebundenn wordenn, alda er zu findenn.
=C. 1494.= Wie die Jüdenn mit sechsszigk gülden widerkawflicher zinsse mit zwölfhundert florenn abezulossenn wider aus der Stadt gawfft wordenn.
Wir Johanns von Gots gnadenn Bischof zu Naumburgk, für vnns vnnd unssre nachkommen mogen Allen disses briues ansichtigen bekennen: Nach deme wir uns aus pflicht aufgelegter wurdenn, fürstlicher wirck schuldigk erkennen, auch alle zeyt geneigedt seinn, vnnssre underthanenn nütz, vnnd disses vnnssres vormögens zu trachten, vnnd disse von zukünftige verderbliche schadenn vnnd vngedryung, durch ziemliche vnnd bequemliche Mittel, wo wir können, zuvorschonen -- Sein wir durch die ersamenn, vnnssre lieben getreuvenn Rath, Rethe, Hantwerge Ckassenmeister vnnd ganntze Gemeine vnsser Stadt Naumburgk mit manchfeldigen Clagen angesucht vnnd bericht -- Wir darinn vonn denn Juden, des Crützes Christi feindenn, seiner werdenn muttre lesterer, untz hir vonn vnnseren vorthuren zuliegenn vnnd vnns daselbst enthaldenn, sich teglich mehren, darinn vnnd iren Beywohnern mergliche verderbliche schadenn vnnd abzüge zugefugt wurdenn -- -- Vnnd darauf angeruffenn hochlichen angezogen, vnnd demütiglichen gebethenn, solche Unbeschwerung gnediglich zu hertzen zu nehmenn, vnnd obberürten Unnrath helfkenn zuvorkommen -- -- Als geben wir zuforderst gote vnnd seiner werden muttre Marien ehre vnd lob -- Durch die Vnnssren obgenannt vorderbliche zu hertzen genohmenn vnndt angesehenn, Vor vnns Alle vnnssre Nachkhomenn, mit Zulassung vnnd bewyllegung der wirdigenn vnnd achtbaren vnnssrer lieben andaechtigen Techant, Senior vnnd des ckantzenn Capittels vnnssrer kirchen zu Naumburgk, bemelten Rath, Rethen, Hantwerge, Ckassenmeisterenn, vnnd gantzer Gemeine aus gnedigen wyllenn zugesagt, vnnd vorsychert, zusagenn vnnd vorsychernn In kund mit kraft dis briues, das Wir die Judeschafft itzo zur Naumburgk zur zeitendung ires gleits vnnd vorschreibung, so sie von vnns habenn, vrlauben, die vonn dann aus all vnssrenn gebythenn vnnd gerichten daselbstenn ziehenn lassenn -- Wir vnnd vnnssre nachkommen auch zu ewigen gezeitenn keinenn mehr, was handels der sich noethe, dahinn setzenn, nehmenn, noch habenn, wissentlich leidenn oder duldenn wollen -- Vnnd ob jn umbligendenn stedten, dorffernn oder vaden (?) ausserhalb vnnsser gebit vnnd obrikeyte zukunftigk vonn anndrenn herschafftenn Judenn gehaltenn würdenn, dennselben bei vns noch vnssren nachkommenn, jnn gedachter vnssrer stade noch vorstedten, auch auf der freyheit keines handels, wie der wehre, sol vorstadt oder zugelassen werden, vnnd jnn kraft disser vnssrer vorschreibung verbothenn sein, -- Vnnd ob sie darüber mit Jmandes handeltenn, sol darinn durch vnsser gericht in keiner weyse geholfenn werden, -- Sie sollenn vnnd mogenn auch die gemelte Rath vnnd Gemeine zu Naumburgk aufgedacte zeit der Juden abscheides, die Judenn schul daselbst, wiewol inenn die jnn vnssrenn nahmenn fürmalls aus kraft vnsser obrikeyt zustenndigk gewesenn ist, zu gemeiner stade Nützung nehmenn, dorann wir vnns und vnnssre nachkommenn auch in kraft ditzs briues vorfryhenn, vnnd wollenn die ewiglichenn bei gedachtenn Rathe vnnd gemeine lassenn Vnnd dieweyl wir obgenanter bischof Johans vnnd vnssere vorfahrenn einenn merglichen nütz von der Jüdheit zu Naumburgk jerlichenn jnn vnnssre Ckammer fallent gehabt, habenn sich die gedachtenn Rath, Rethe, hantwerge, Ckassenmeister und gantze gemeine vnnsrer stadt Naumburgk vmb solche vnnssre erzeigte gnade, vor sich jre nachkommen, bewylligtt, vorheischung, vnd sich gegen[A] vnns vorschriebenn jerlichen sechszigk Reinische guldenn[B] zins halb auff Walpurgis vnd halb uff Sanct Michaheli, was sie aber wider zu sich mit Zwölfhündert volwichtigenn und lantwerigenn Reinischenn guld. kauffenn mügen, wenn jnen das denkt[C]. Doch das sie vnns solchen widerkauf ein vierteil Jhares vor kundigen vor einem zinstage mit jrem briue, vnnd dornach auf demselben zinstagk vnns oder vnssren nachkhomenn genannte zwolf hündert Reinische gulden, volwichtiges lantweriges gelts, alhie zu Zeitz jn vnnsre kammer mit allen vorsessen zinnssenn vberreichen vnnd bezaln trewlich vnnd ane alle gefherde. -- Das zu vrkunde haben wir obgedachter Bischoff Johannes vnnssre grost jnnsigel aufs ennde dis briues wissenlich henngen. Vnd wir hier nach geschriebener Güntherus von Bünaw Techant, Andreas von Konritz Senior vnd das gantze Capittel der Thumskirchenn zu Naumburgk bekennenn vor vnns vnnd alle vnssre nachkomenn, das wir zu obberürte vrlaube der Judenn, vonn vnssrenn gnedigenn herrn von Naumburgk obgenant, vnd vortrage derhalbenn mit dem Rathe geschehen, wir vorberürt vnsere günst vnnd bewylligung gethan habenn auch des zu bekenntnus und ferner vrkund vnnssres grosses insigel aufs ende dis briues lassenn brengen. Da gegeben ist nach Christi vnnssres hernn geburth vierzehn hundert und darnach im vier vnnd nüntzigsten Jhare am Montage nach Vocem Jncundatis.
Copien aller etc. Fol. 49.
FUSSNOTEN:
[Fußnote A: Von derselben Hand am Rande: NB. Juden Zins.]
[Fußnote B: Von einer spätern Hand nochmals am Rande wiederholt.]
[Fußnote C: Von späterer Hand: Mit 1200 Reinisch gulden abzuleg. wan der Rath will.]
„Die ersten Büchsenschützen, die an der Wange abschossen.“
Aus der Mittheilung im vorigen Jahrgang des Anzeigers f. K. d. d. Vorzeit, Nr. 12, Sp. 469 geht hervor, daſs über die alten Handfeuerwaffen und deren Handhabung hier und da noch manche Irrthümer herrschen. Eine nähere Beleuchtung und Berichtigung des dort Gesagten dürfte daher vielleicht nicht ganz überflüssig sein.
Im Eingange heiſst es daselbst: „Im J. 1517 wurde das Steinfeuerschloſs zu Nürnberg erfunden. Bis dahin wurden die Büchsen, indem man sie auf ein gabelförmiges Gestell legte, vermittelst einer Lunte abgeschossen. Jene Erfindung verlieh ihnen eine viel gröſsere Treffsicherheit; denn man fieng jetzt an, sie an der Wange abzuschieſsen, was das Zielen sehr erleichterte.“ Hierin sind drei Punkte, deren Richtigkeit bestritten werden muſs, nämlich 1) daſs die Erfindung des Radschlosses im J. 1517 geschehen, 2) daſs man bis dahin die Handbüchsen auf Gabelgestellen und nur mit der -- in der rechten oder linken Hand gehaltenen -- Lunte abgefeuert, und 3) daſs man erst nachher angefangen, sie an der Wange abzuschieſsen.
Den ersten Punkt anlangend, so weist Mehreres darauf hin, daſs das /Radschloſs/ schon im ersten Jahrzehend des 16. Jahrhunderts existiert hat. Vor Allem ist hier eine Stelle im /Theurdank/ zu nennen, der bekanntlich 1517 zum ersten Male und zwar zu Nürnberg im Druck erschien. Sie lautet, nach der Frankfurter Ausgabe von 1589, Bl. 49b, folgendermaſsen:
Denn zu den Zeiten war die Sitt Bein Büchsen trug man Zündstrick mit, Mit eim Feureisen, Schwam und Stein Hielt man Feur bei Geschütz insgemein, Die schädlich Feurschloſs noch nit waren Wie jetzt gemein in selben Jahren.
Unter den /Feuerschlössern/ können nur die Radschlösser verstanden sein; denn 1. wurden im 16. Jahrh. nur diese so genannt, nicht aber die /Luntenschlösser/; 2. wurde es überhaupt erst nach Erfindung des Radschlosses üblich, den Mechanismus zum Abfeuern „Schloſs“ zu nennen (wahrscheinlich von den daran befindlichen Schnellfedern), wenigstens ist kein Beispiel bekannt, daſs der dem Radschloſs vorangegangene federnlose /Luntenhahn/, oder /Drache/ (/Serpentin/) Schloſs genannt worden wäre; 3. konnte vom Luntenhahn nicht gesagt werden, daſs er zur Zeit des Tyrocinimus Maximilans’s I. noch nicht vorhanden gewesen sei, weil derselbe um’s J. 1480 in Deutschland und den angrenzenden Ländern schon viel in Gebrauch war; 4) spricht auch die Bezeichnung „schädlich“ dafür, daſs das Radschloſs gemeint ist; denn von diesem und keinem andern wissen wir, daſs es geraume Zeit für die öffentliche Sicherheit gefährdend gehalten und deshalb das Tragen der damit versehenen Büchsen, die man anfangs /selbstzündende/ oder auch blos /zündende/, später, zumal die Pistolen, /Zündbüchsen/ nannte (Hortleder I, 1943), wiederholt verboten wurde, wie z. B. noch 1533 in Oesterreich (Buchholz, Ferdinand I., VIII, 50. Anm.). Ein solches Verbot gibt es nun auch schon aus dem J. 1506; denn die Gesetze der in diesem Jahre zu /Geislingen/ errichteten Schieſshütte bestimmen, daſs niemand einer „selbstzündenden Büchse“ sich bedienen solle (Jäger, Geschichte d. schwäb. Städtewesens, I, 422). Das Alter des Radschlosses würde hiernach also mindestens bis 1506 zurückgehen. Daſs es noch bis vor 1501 zurückgeht, läſst die Zeichnung einer Handbüchse von diesem Jahre schlieſsen, wovon weiter unten ausführlicher die Rede sein wird. Im Uebrigen ist bekannt, daſs nur die Chronik eines ungenannten Nürnbergers die Angabe enthält, das Radschloſs sei 1517 in Nürnberg erfunden, während andere Quellen, die Doppelmaier benutzte, blos sagen, in diesem Jahre habe man in Nürnberg und gleichzeitig auch in Augsburg die Radschlösser gemacht (v. Stetten, Kunst- etc. Gesch. v. Augsburg I, 201), was vielleicht so zu verstehen ist, daſs solche damals zuerst als stehender Handelsartikel von besondern Handwerkern, die unter dem Namen /Feuerschloſsmacher/ vorkommen, verfertigt wurden.
Gegen den zweiten Punkt, daſs man bis zur Erfindung des Radschlosses die Handbüchsen auf Gabelgestellen abgefeuert, ist geltend zu machen, daſs sich bis jetzt, so viel man weiſs, in den Schriften des 14. und 15. Jhdts. nicht das Geringste gefunden hat, was diese Behauptung bestätigte, wohl aber Mehreres, woraus hervorgeht, daſs man die Büchsen in der Regel frei auf der Hand, ohne sie auf eine Gabel oder andere Stütze aufzulegen, abgeschossen hat. Dahin gehört für die älteste Zeit eine Abbildung in einem Feuerwerkbuche der Münchener Bibliothek (C. g. Nr. 600, Bl. 10), dessen Entstehung aus verschiedenen innern und äuſsern Gründen zwischen 1360 und 1380 gesetzt werden muſs. Diese stellt einen Mann mit einer Handbüchse dar, die damals noch aus einer kurzen Röhre mit einem darin steckenden eisernen Stiel bestand, und die er an letzterem mit der linken Hand schief nach vorn in die Höhe gerichtet hält, während er sie mit der rechten vermittelst eines langen, unten einen Knopf, oben einen seitwärts gewendeten Zacken habenden Feuereisens, wie es scheint, durch Inbrandsetzen einer aus der Mündung heraushangenden Zündschnur abfeuert. Um besser zielen und treffen zu können, als es auf diese Art möglich war, nahm der Schütze, wenn es die Umstände erlaubten, die Büchse in beide Hände, hielt sie frei vor sich hin und lieſs sie, nachdem er darüber visiert und sie je nach der Entfernung des Ziels mit dem hintern Ende mehr oder weniger gesenkt und ihr dadurch den erforderlichen Erhöhungswinkel gegeben hatte, durch einen Gehülfen abfeuern. Dies Verfahren wird in einer Anweisung zum Schieſsen mit dem „gefaſsten“ (d. h. auf einem graden, mit der Hand zu umspannenden, Stab genannten, Holze befestigten) Handrohr, umständlich beschrieben, die in einem die Jahrzahl 1457 am Ende tragenden Kriegsbuch der Wiener Bibliothek (Nr. 221, 2952/Ph.4°202′ §. 38) sich befindet und leicht die einzige sein möchte, die uns aus der ältern Zeit bis zum 17. Jhdt. herab erhalten ist. Auf den Schieſsständen der Schützengesellschaften war im Anfange des 16. Jhdts. nicht nur jede Unterstützung der angeschlagenen Büchse, sondern selbst das Ansetzen des Kolbens an die Schulter untersagt. So heiſst es z. B. in einem 1501 von Bürgermeistern und Rath der Stadt /Kölln/ erlassenen Einladungsschreiben zu einem groſsen Festschieſsen, wovon ein gedrucktes Exemplar mit dem über der Schrift zwischen einer Armbrust und einer Handbüchse stehenden ausgemalten Stadtwappen in der städtischen Bibliothek zu Köln aufbewahrt wird: „Es sall auch eyn yecklicher schieſsen vffrecht mit fryem schwebenden Armen vnd affgesneden wammes ermell aen schnore vnd reme und auch aen scherm oder rauchpanne vnd also dat dye bosse dye assel nyet enroert vnd sunderlich vff yede bossen nyet me dan eyn slecht abesyen vnd hynden eyn lochelyn oder vffen schrentzelyn haben vnd sall geyn schutze zwey Klotz ader Kogelen ader gefedert Klotz schieſsen;“ wer dawider verfährt geht sein Schieſszeug verlustig. Man könnte nun denken, daſs man im Kriege und auf der Jagd die Büchsen auf Gabeln abgeschossen. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte man sicher auch die letzteren neben den Büchsen in den Zeughäusern und Rüstkammern vorräthig gehalten, und sie müſsten dann nothwendig in den Inventarien des Kriegs- und Jagdzeugs, deren wir mehrere sehr vollständige aus dem 15. Jhdt., und darunter auch eins von dem 1462 in Nürnberg vorhandenen Kriegsmaterial, besitzen, mitverzeichnet stehen. Wir finden jedoch nirgends eine Spur davon, selbst nicht für die Hakenbüchsen die wegen ihres Gewichts und Rückstoſses nur aufgelegt abgeschossen werden konnten. Erst gegen Ende des 15. Jhdts., als man anfieng, der Handrohre von mehr als dreilöthigem Kaliber auch im Feldkriege sich zu bedienen, kamen für die grössern derselben, die von drei Mann gehandhabt wurden, tragbare, dreibeinige Schrägen in Gebrauch (nach Beninga hatte 1501 Graf /Edsard von Ostfriesland/ deren 1000 Stück in der Schlacht bei /Dam/ gegen die Gröninger), und für die kleineren, nur einen Mann erfordernden, erst im dritten Jahrzehend des 16. Jhdts. die Gabelstützen, die, soviel man weiſs, zuerst im J. 1521 von den Spaniern in Italien bei ihren langen Musketen geführt wurden.
Zur Widerlegung des dritten Punkts, daſs man erst nach der Erfindung des Radschlosses angefangen, an der Wange abzuschieſsen, bedarf es nur der Hinweisung auf den /Lunten/hahn, der diese Art des Abschieſsens, wodurch bis dahin die Armbrust dem Feuerrohr in der Treffsicherheit beträchtlich überlegen gewesen war, zuerst ermöglichte. Derselbe bestand nur aus einer, an der rechten Seite des Schaftes hinter dem Zündloch auf einem Zapfen angebrachten Winkelhebel, dessen stehender Arm einen flachgelegenen, in eine Klemme mit Schieber auslaufenden Bügel bildete, und dessen liegender in der Mitte einen treppenförmigen Absatz hatte, wodurch seine hintere Hälfte einige Zoll tief unter den Schaft zu liegen kam. Wurde nun der liegende Arm, der durch ein quer über seinen mittleren vertikalen Theil gelegtes Blech gegen Verbiegen geschützt war, durch Heranziehen seiner hintern Hälfte an den Schaft gehoben, so senkte sich der stehende Arm mit dem in die Klemme gesteckten Stück Schwamm, Zunder oder Zachen (Lunte) auf die Zündpfanne herab. Wenn jener hierauf losgelassen wurde, gieng dieser sogleich wieder in die Höhe, weil ersterer viel länger und schwerer war. Die Zeit der Erfindung des Luntenhahns ist nicht näher bekannt, doch scheint er schon vor der Mitte des 15. Jhdts. vorhanden gewesen zu sein. Von dem, was sich dafür anführen läſst, sei hier nur der Bericht eines Augenzeugen von der Schlacht bei /St. Jakob an der Birs/ 1444 (Säkularschrift der hist. Gesellschaft zu Basel, 1844) erwähnt, worin es (S. 21) heiſst, ein Büchsenmeister und fünf andere Männer seien den Berg herabgekommen „mit angezündten geladen Büchsen vnd zunder vnd gespannen armbrosten.“ Die älteste Abbildung einer Luntenhahnbüchse, die dem Schreiber dieses zu Gesicht gekommen, ist in einem Feuerwerkbuche vom J. 1473 der Münchener Bibliothek befindlich (C. g. Nr. 599 Bl. 10). Der vorbeschriebene Mechanismus erscheint hier aber, wie die ganze Waffe, schon so sorgfältig, ja zierlich gearbeitet, daſs sich nicht annehmen läſst, er sei nur erst kurz vorher aufgekommen, zumal wir die damit versehenen Büchsen wenige Jahre später fast in allen Ländern Europas verbreitet finden, wenigstens Zeichnungen von solchen, da sie selbst keinen besondern Namen führten, auſser vielleicht allein in Holland, wo sie knipbussen heiſsen (Annal. rer. in Holl. etc. gest. beim J. 1481, in Mathaei analec. I, 398 und J. a Leydis etc. ebendas. S. 726 beim J. 1477).
Der Luntenhahn darf nicht verwechselt werden mit dem spätern /Lunten-/ oder /Schwammschloſs/. Dies unterschied sich von jenem dadurch, daſs der Hahn vor dem Zündloch stand, also zurückschlug und durch einen künstlicheren, gröſstentheils im Schaft liegenden Mechanismus in Bewegung gesetzt ward. Da nun der Hahn des Radschlosses im wesentlichen dieselbe Einrichtung hatte, und das Schwammschloss wegen seiner gröſsern Einfachheit und Sicherheit nach der Mitte des 16. Jhdts. das Radschloſs bei den zum Kriegsgebrauch bestimmten Handfeuerwaffen, mit Ausnahme der Pistolen und Reiter-Arkebusen, fast ganz verdrängte, so ist anzunehmen, daſs es spätern Ursprungs war als dieses und ihm seine Entstehung verdankte. Es findet sich aber schon an der Büchse, die auf dem früher erwähnten Einladungsschreiben der Stadt Köln vom J. 1501 abgebildet ist, ein rückwärtsschlagender Hahn, der, wie man aus seinem beträchtlichen Hervorragen über das von der linken Seite gezeichnete Rohr und aus dem Mangel des Steines zwischen seinen Lippen schlieſsen muſs, einem Luntenschloſs angehört. Hieraus folgt denn für die Erfindung des Radschlosses, daſs dieselbe noch vor 1501 fällt. Viel weiter zurück dürfte sie aber auch nicht fallen; denn in einem Feuerwerkbuche der Heidelberger Bibliothek (Nr. 126 des Wilken’schen Katalogs der von Rom zurückgekehrten Handschriften), welches 1496 von dem pfälzischen Büchsenmeister /Phil. Mönch/ verfaſst ist, sind die Handbüchsen noch mit dem Luntenhahn ganz ebenso wie in dem Manuscript vom J. 1473 abgebildet. An der Büchse auf dem Einladungsschreiben der Stadt Köln sieht man auch bereits die das Zielen erleichternde Abschrägung auf der linken Seite des Kolbens, die sogen. Backe, ein sicheres Zeichen also, daſs man 1501 an der Wange anschlug. Nicht den geringsten Zweifel aber darüber, daſs man auch schon früher die Luntenhahnbüchse so anschlug, läſst endlich die Abbildung eines zielenden Schützen, die sich in dem illustrierten Inventar befindet, welches Kaiser /Max/ I. im J. 1492 durch seinen obersten Zeugmeister /Barthol. Freysleben/ von allem in den österr. Erblanden vorhandenen Geschütz aufnehmen lieſs, und wovon ein Exemplar in der Wiener (C. Max. Nr. 10,824) und eins in der Münchener Bibliothek (C. icon. Nr. 222) vorhanden ist. Der Mann hält hier das Rohr mit der ausgestreckten Linken ungefähr in der Mitte, mit der Rechten hinter dem Zündloch gefaſst und den sehr langen, wenig zurückgebogenen Kolben gegen die rechte Schulter gestemmt.
Allein die alten Büchsen stieſsen, wie man sich denken kann, nicht wenig, und die herumsprühenden Funken des reichlich auf die Pfanne geschütteten Pulvers versengten trotz des hinter dem Zündloch befestigten Schirms von Leder oder anderem Material, dessen man sich dagegen bediente, den Schützen oft arg genug. Daher kam es denn, daſs viele beim Feuergeben die Wange nicht am Kolben lieſsen, sondern den Kopf abwandten. Besonders scheinen die Söldner diese das Treffen sehr beeinträchtigende Gewohnheit gehabt zu haben, die sie auch nach der Erfindung des Rad- und Schwammschlosses nicht ablegten, wie daraus hervorgeht, daſs noch in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. selbst von Reichs wegen darauf bezügliche Bestimmungen erlassen wurden. So schreibt z. B. die 1570 auf dem Reichstage zu /Speier/ gegebene Fuſsknechtbestallung vor: die Büchsenschützen „sollen auch monatlich geübt und ihnen am Backen anzuschlagen und abzuschieſsen eingebunden werden.“ Hiernach wird nun wohl kein Zweifel mehr sein, wie man es zu verstehen hat, wenn die 1519 zum Bundesheere wider den Herzog /Ulrich von Württemberg/ von der Stadt Nürnberg gestellten 150 Büchsenschützen als solche bezeichnet werden, die an der Wange abschieſsen konnten. Herzog Ulrich hatte übrigens Sorge getragen, daſs es seiner Mannschaft nicht an gleicher Uebung fehlte. Schon am 5. Aug. 1517 hatte er Befehl ergehen lassen, daſs die Büchsenschützen aller Aemter sich bereit halten sollten, in’s Feld zu rücken. Jeder sollte dabei, so viel möglich, eine Zielbüchse mit einem Schloſs haben und auch mit Steckzundeln und Anderm darzu gehörig verfaſst sein, auf daſs, wenn es zum Ernst käme, ein jeder mit am Backen angeschlagener Büchse desto gewisser schieſse, das sie mit guter Geschicklichkeit wohl thun und zuwege bringen mögen, damit der Schaden durch das ungewisse Schieſsen, da man nicht anschlage, verhütet bleibe. (v. Heyd, Ulrich, Herz. v. W. I, 510).
Coblenz, im März 1866.
/Toll/, Artilleriemajor a. D.
Albertus mit dem Zopfe auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der Breitenau in Steiermark.
(Mit einer Abbildung.)
Albertus III. von Oesterreich (reg. 1365-1395) trägt den Beinamen „mit dem Zopfe“. Diesen Beinamen verdankt er dem Umstande, daſs er eine ritterliche Gesellschaft (Orden) vom Zopf gestiftet hatte. Die eigentliche Bedeutung dieses Zopfes wird verschiedenartig angegeben. Nach einer Version soll eine schöne Dame sich ihren Zopf, oder wol einen Theil ihres Haares abgeschnitten und ihm gegeben haben; nach einer andern Version soll er selbst sich sein Haar zu einem Zopfe wachsen lassen und geflochten haben; nach einer dritten Version soll er seiner Gemahlin, als er aus dem gelobten Lande heimkam und sie im Bade antraf, ehe sie sich dessen versehen, den Zopf abgeschnitten haben.
Albert vermählte sich 1366 mit Elisabeth, Tochter Kaiser Karl’s IV., die 1373 ohne Kinder starb; er vermählte sich daher 1375 mit Beatrix, Tochter des Burggrafen von Nürnberg. 1377 unternahm der Herzog eine Preuſsenfahrt, wo er sich die Ritterwürde erwarb. Mit diesem Zuge und dem erhaltenen Ritterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft in einigem Zusammenhange stehen. Die Satzungen dieser Gesellschaft sind unsers Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden. Die älteste Kunde davon scheint Georg von Ehingen gegeben zu haben, der erzählt, daſs sein 1407 gestorbener Groſsvater Burkhard von Ehingen dieser Gesellschaft angehört und sie nach Schwaben gebracht habe; daher er Burkhard mit dem Zopfe hieſs. Andere ältere Quellen sind nicht bekannt; doch befinden sich in einem Codex der k. k. Hofbibliothek zu Wien (des Rationale divinorum officiorum des Durandus), den der Herzog schreiben und illuminieren lieſs, zwei Porträte des Herzogs, auf denen er mit einem um den Hals gewundenen Zopfe erscheint. Birk, der diesen Codex und speziell die Bildnisse in dem I. Bande der Berichte und Mittheilungen des Alterthumsvereins[A] zu Wien beschrieben hat, glaubt daher, daſs die später vorhandenen Bildnisse, auf denen er mit einem und mit zwei Zöpfen im Nacken erscheint, nur auf den Namen hin entstanden seien. Es ist daher von hohem Interesse für die Geschichte der habsburgischen Regentenfamilie, daſs sich noch ein gleichzeitiges Denkmal erhalten hat, auf dem der Herzog in anderer Weise dargestellt ist. Es befindet sich nämlich in der Kirche St. Erhard in der Breitenau in Steiermark eine Serie von Glasgemälden des 14. Jahrh. in einem Fenster, das ganz vom Hochaltar bedeckt und so den Blicken vollständig entzogen ist.
Durch den ehemaligen Landesarchäologen von Steiermark, Herrn Carl Haas, auf dieses Fenster aufmerksam gemacht, hat Verfasser die sämmtlichen Darstellungen desselben durchgepaust, um sie einem Werke über mittelalterliche Glasgemälde einzuverleiben. Nachdem schon einige Blätter lithographiert sind, und somit das Werk selbst bald an die Oeffentlichkeit treten wird, so sei hier des Fensters nicht weiter erwähnt und nur mitgetheilt, daſs sich auf dem untersten Felde rechts der Herzog als Donator mit seinen beiden Gemahlinnen hat abbilden lassen. Diese Darstellung, die wir beifolgend in 1/3 der Naturgröſse nachgebildet haben, zeigt den Herzog knieend, hinter ihm die beiden Gemahlinnen, gleichfalls knieend. Der Herzog erscheint mit dem Panzerhemde bekleidet, das an den Beinen sichtbar wird; darüber erscheint eine Rüstung, die wir wohl bereits als eine eiserne betrachten dürfen. Der Lendner hat eine etwas abweichende Form und erinnert bereits an das Heroldenkleid, wie er auch die Wappenfarben zeigt. Auſser dem groſsen Gürtel ist der Lendner noch um die Mitte mit einem kleinen Gürtel zusammengehalten. Auf der Brust ist an dem Panzer unter dem Lendner der Dolch, das Schwert und der Helm mit Ketten befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog die Stahlhaube mit der Halsbrünne; der Stechhelm erscheint auf der Schulter. Derselbe hat die rothweise Helmdecke; als Helmkleinod erscheint jedoch nicht der österreichische Pfauenbusch, sondern ein gelber Adler mit zwei blauen Flügen. Eine Fahne im Arm des Herzogs ist roth und weiſs gestreift; auch sind die zwei untern Zipfel abgeschnitten, während der oberste fliegt. Die Tracht ist eine etwas fortgeschrittene, doch noch vollständig dem 14. Jahrh. entsprechend. Als besondere Eigenthümlichkeit erscheint eine Metallbüchse, in die wol der Zopf gefaſst ist, auf dem Rücken der Herzogs, und wir können daraus nur schlieſsen, daſs der Zopf entweder am Haupte selbst wuchs, oder wenigstens am Hinterhaupte befestigt war und herabhieng. Die zwei knieenden Frauen zeigen vollständig die Tracht des 14. Jahrh.: die enganliegenden, halb auf die Hand reichenden Aermel, die gefältelte Haube; die hintere erscheint mit dem Gürtel. Der Hermelinmantel bezeichnet die Damen als Fürstinnen, ebenso die auf der Haube befestigte Krone. Zwei Wappenschilde, der eine mit dem doppelgeschwänzten Löwen, der andere schwarz und weiſs geviert, bezeichnen die Damen als die Böhmin und Hohenzollerin.
Eine Inschrift am oberen Bande des Bildes sagt: Albertus dux austrie et stirie et carinthie et ceter. et uxores ejus. Die rückwärtige der beiden Frauen hat auf der Darstellung gleichfalls einen Zopf, der jedoch ohne Kapsel, aber mit langen flatternden Bändern erscheint und sicherlich, da er ebenfalls abnorm ist, zu dem Zopfe des Gemahles in einem Bezuge steht.
Die Frage, ob wir Porträte hier vor uns haben, möchten wir um so mehr verneinen, als die Figuren im Verhältniſs zu der einfachen Technik der älteren Glasmalerei sehr klein sind und nur durch wenige starke Linien der Gesichtsausdruck gegeben ist. Das Bild erscheint jedoch sehr geeignet, auf die Zopfgesellschaft und die Frage, ob und wie Albrecht wirklich einen Zopf trug, ein neues Licht zu werfen. Es sind uns übrigens in Steiermark noch zwei andere Monumente bekannt geworden, die Licht darüber zu verbreiten scheinen, und die wir später zu besprechen hoffen, nämlich ein zweites Glasgemälde, das ein anderes Mitglied der Zopfgesellschaft in gleicher Weise darstellt, und eine derartige Kapsel aus Silber mit Vergoldung, die zur Umhüllung eines Zopfes diente.
/Essenwein./
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Bildnisse österreichischer Herzoge des 14. Jahrhunderts und ihrer Gemahlinnen, zum ersten Male herausgegeben von Ernst Birk, S. 95 ff.]
Der Niemand.
Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit, und wahrscheinlich eine Tradition des vorchristlichen Alterthums, ist der Niemand, dem man Alles in die Schuhe schiebt, der alle häuslichen Fatalitäten angerichtet haben, an jedem persönlichen Miſsgeschick schuld sein soll. Diesem armen Helden widerfuhr von jeher die Ehre, in Reim und Versen, nie in Prosa, verherrlicht zu werden, und seine Groſsthaten wurden nicht blos dem gröſseren Publikum, sondern auch der kleinen Familienwelt nach Gebühr in Holzschnitt wie in Kupferstich vorgezeichnet. Schon um das Jahr 1510 dichtete ein gewisser Jörg Schan, Scherer zu Straſsburg:
Niemanis hais ich, was iederman tut das zucht man mich
ein groſses Folioblatt mit coloriertem Holzschnitt und 130 dreispaltigen Verszeilen, an deren Schlusse genannt ist: „Albrecht buchdrucker zu Memmingen“, einer unserer ältesten deutschen Buchdrucker und der erste in Memmingen, Albrecht Kunne von Duderstadt. Der Anfang dieses in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek befindlichen seltenen, wahrscheinlich einzigen Blattes lautet:
Menger redt vonn mir Vnnd gesach mich doch nie Er besech mich recht yetz stand ich hie Ich bin der, den man Niemants nennet Das huſsgesind mich wol erkennet Wann mit mir beschierment sy sich.
Einen andern Bilderbogen sah ich vor zwei Jahren bei dem bekannten Antiquar Butsch in Augsburg. Er rührt von einem dortigen Holzschneider her, der ungefähr von 1577 bis 1596 arbeitete, und der mit seinen Kollegen jener Zeit tausende von ähnlichen zur Belehrung des bilderlustigen Volkes ausgehen lieſs. Die 40 Verszeilen, welche den Inhalt bilden, haben die Ueberschrift:
Der Niemandts so bin ich genandt, Mägdten und Knechten wol bekandt.
und fahren gleich so fort:
Vnd auch den mutwilligen Kinden, Die mich allzeit wissen zu finden, Was für vnrath von jn geschicht, Was man verwarlost vnd zerbricht, Das muſs ich alles haben gethan etc.
Als Adresse steht angegeben: Zu Augspurg, bey Bartholme Käppeler, Brieffmaler, im kleinen Sachssen geſslin.
Ein Gedicht von Heinrich Göttingi wurde in Casp. Dornavii Amphitheatrum sapientiae socraticae joco-seriae (Hannover, 1619) wieder abgedruckt:
Niemandt: Wie fast Jedermann an ihm wil Ritter werden. Allen Hauſsherren vnd Frawen, so stets mit Gesinde vmbgehen .. kurtzweilig zu lesen, vnd in Deutsche Reimen verfasset. Erfurt, 1585. 8. mit Holzschn. -- Ein Exemplar in der Berliner kön. Bibliothek.
Aus der Zeit von 1620 bis 1650 kenne ich drei undatierte Kupferblätter, das erste mit 30 Verszeilen auf der Erlanger Universitätbibliothek:
Der Niemantz so bin ich genant, In der gantzen Wellt seher woll bekantt,
mit folgendem Anfang:
Niemand so bin ich genanntt Maygtten vnd Knechtten woll bekantt etc.
Das zweite ehemals auf dem Antiquar Heerdegen’schen Lager zu Nürnberg, einen Mann mit einer Laterne und mit Vorlegeschloſs am Munde vorstellend und also anfangend:
Wo ist doch der Niemand nicht. Ueberall ist er anzutreffen Jedermann der will Ihm Aeffen Und mann weiſs nicht was geschicht Thut es doch der Niemand nicht etc.
Das dritte im german. Museum mit 32 Verszeilen:
Allamodischer Niemandt.
beginnt wie folgt:
Ich bin ie ein vnschuldig Mann, Noch thut man mich stets ligen an, So man thut sehen in eim Hauſs, Ein Mangel, ein fehl, ein vnd auſs, Der Niemandt sagt man hats gethon etc.
Auch die neuere Zeit hat ihren, und zwar einen politischen Niemand, von welchem die Nürnberger Stadtbibliothek ein Exemplar besitzt:
Der unschuldige Niemand, dieser ist der Urheber des französischen Krieges. -- Gedruckt in Frankfurth 1794.
Dieses zwei Quartblätter einnehmende Gedicht schlieſst mit folgenden Zeilen:
Auf den Niemand will man schieben, Was geschieht in dieser Welt. Was nur böse Leute ausüben, Hat der Niemand angestellt. Alles will man mir zuschreiben, Der ich Keinen je betrübt; Jeder will an mir sich reiben, Da man alle Schuld mir giebt. Ich muſs unterdeſs allein Der unschuldig Niemand seyn.
/Nürnberg./ /Emil Weller./
Spruch vom schönen Brunnen zu Nürnberg.
Die meisten unserer Leser werden gewiſs schon von diesem Brunnen gehört, oder eine Abbildung desselben gesehen haben. Er steht auf dem Hauptmarkt, der katholischen Pfarrkirche z. U. L. Frau schräg gegenüber, und ist eine der schönsten Zierden der alten Reichsstadt. Erbaut wurde er, wie neuere Forschungen dargethan, in den Jahren 1385-1396 durch Meister Heinrich den Palier. Er besteht aus einer 60 Schuh hohen, reich durchbrochenen und mit Bildwerken gezierten Spitzsäule, die auf achteckiger Grundfläche und in zwei verjüngten Aufsätzen sich erbaut und in eine Spitze von Knospen und Blumen ausläuft. An den Strebpfeilern und zwischen ihren reichgezierten Spitzbogengiebeln stehen in edler Haltung gar viele Standbilder, und zwar an der untersten Stufe die sieben Kurfürsten und neun Helden aus der christlichen, jüdischen und heidnischen Zeit, nämlich Gottfried von Bouillon, Klodwig von Frankreich und Karl der Groſse, dann Judas Makkabäus, Josua und David, schlieſslich Cäsar, Alexander der Groſse und Hektor von Troja[A]. Auf der zweiten Stufe sind unter Spitzbogenwölbungen Moses und die sieben Propheten angebracht. Auſser diesen Statuen befinden sich am Brunnen auch noch andere Bilder, namentlich Menschen- und Thierköpfe. Diese und die Standbilder wurden schon zur Zeit ihrer Aufstellung reich vergoldet und bemalt[B] und mögen in ihrer Farbenpracht einen herrlichen Anblick geboten haben. Jetzt sind nur noch schwache Spuren der Vergoldung sichtbar. Viele der alten Standbilder waren vor 40 Jahren dem Verfall nahe; sie wurden 1824 von kunstverständiger Hand restauriert, oder durch neue ersetzt.
Der Brunnen ist von einem künstlichen, achteckigen eisernen Gitterwerk eingefaſst. Es wurde 1587 von Meister Paul Köhn verfertigt und erregt auch jetzt noch die Bewunderung der Vorübergehenden.
In einer alten Chronik aus dem 15. Jahrh. findet sich ein Reimspruch über den schönen Brunnen, den wir hier folgen lassen:
/Vom Schönprunnen zu Nürnberg:/
Im marckt zu Nürmberg stett ein prun; Als weit als leuchten mag die sun, Findt man deſsgleichen nit von stain, Wie dann die weisen werckleuth main. Wer drey die frumsten beiden will schauen, Der findt sie an den prun gehauen, Und auch die frumsten Juden drey. Sucht man, so findt man auch darbey Drey die allerfrumsten Christen: Wer hoch zu Gott im Himel will nisten, Der leb als künig Eckhardt[C] von Franckreich, Hertzog Gottfrid von Belgier[D] ist im gleich, Der groſs kaiser Carl, dem Gott das schwert gesant, Das sint drey die frumsten christen genant. Die frumsten Juden drey in der alten ehe[E], Kunig Davit und Herzog Josue Und Judas Machabeus der dritt, Die haben sich vor der höll befridt. Kaiser Julius[F] der heid recht urteil fand, Traianus[G] sein richter die haut abschand, Hector von Troia der dritt frumst Heid ist, Als man uns in der wibel list. Das seind neun die allerfrumsten persan, Die sihet man an dem prunnen stan, Und auch die sieben curfürsten darbei. Und ander possenbilder frey, Daran sihet man das es war sey.
/Nürnberg./ /Jos. Baader./
FUSSNOTEN:
[Fußnote A: Vergl. Anzeiger, 1854, Nr. 6 u. 7. /D. Red./]
[Fußnote B: Vgl. Anzeiger, 1854, Nr. 7, Sp. 164 f. /D. Red./]
[Fußnote C: Klodwig.]
[Fußnote D: Bouillon.]
[Fußnote E: Bund.]
[Fußnote F: Julius Cäsar.]
[Fußnote G: Wird hier mit Alexander dem Groſsen verwechselt.]
Die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer, ein Holzschnitzwerk in der Michaeliskirche zu Zeitz.
Die Michaeliskirche zu Zeitz besitzt in dem über der Sakristei befindlichen Bibliothekzimmer ein Holzschnitzwerk, welches der Beachtung der Künstlerwelt in hohem Grade empfohlen zu werden verdient. Dasselbe stellt die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer links und rechts von Christus vor, und besteht in einem durch kräftige Glieder und postamentartige Vorsprünge belebten Untersatz von ungefähr 4 Fuſs Breite, auf den Postamenten nachgeahmte Erd- oder Felsenpartieen und auf diesen die drei Kreuze in rohen, wild geästelten Baumformen, die letzteren gegen drei Fuſs hoch.
Auf die Ausarbeitung ist in jeder Hinsicht der gröſste Fleiſs von echter Künstlerhand verwendet; wenn dies schon von dem schön gegliederten Unterbau mit zierlichen Verkröpfungen, von Christo mehr als von den Verbrechern gilt, und von der Natürlichkeit des mit Gras bewachsenen Felsens, sowie von der ungezwungenen Form der zu Kreuzen hergerichteten und auf der Ueberblattung zusammengenagelten Baumstämmen, so gilt dieses vornehmlich von den drei menschlichen Figuren. Die Richtigkeit und Wahrheit der Zeichnung in den Gliedern, des Muskelwesens bei der durch die Annagelung und Aufhängung nothwendigerweise sich darstellenden Verrenkung, wobei sich die Aeuſserung des dabei empfundenen Schmerzes so herrlich ausdrückt, ist unvergleichlich schön und des Studiums wohl werth. Christus in ruhiger Ergebung, im Gebet zu Gott und um Vergebung der Sünden der Welt den himmlischen Vater anrufend; der jugendliche Schächer, Christo zur Rechten, in buſsfertiger Reue, ringend mittels des gefesselten Körpers und stöhnend um Vergebung flehend; der ältere, bärtige Schächer, Christo zur Linken, im Contraste hiergegen, zwar auch ringend, jedoch nur um sich von seiner Fesselung zu befreien, gesenkten Hauptes, mit mürrischem, verstocktem Gesicht vor sich hin starrend.
Die Figuren sind aus besonderem Holzstücke geschnitzt und mittelst kräftig gekuppten Nägeln befestigt. Jedenfalls war das Ganze ursprünglich unangestrichen, wie jeder Künstler verfahren würde; doch scheint in /späterer/ Zeit eine dem Stoff entsprechende Malerei beliebt gewesen zu sein, von welcher im Lauf der Jahre viel verblichen ist. Es wäre gut, wenn die ganze Farbe verschwunden wäre, um die der feinen Zeichnung hinderliche Dicke des Anstrichs, zumal bei Figuren in solch kleinem Maſsstabe, wieder zu entfernen; jedoch sind noch Stellen damit versehen und kleine Fleckchen ersichtlich, welche einer photographischen Abbildung nicht ohne Nachtheil sind. Nichts desto weniger lohnt die letztere und ist von dem geschickten hiesigen Photographen /Wiegand/ sehr gelungen ausgeführt worden.
Was nun den Namen des Verfertigers anlangt, so steht zwar auf dem mit Oelfarbe angestrichenen Postamente;
„Johann Opfermann -- Anno 1685.“
Doch will mir hieraus nicht unbedingt hervorgehen, daſs dieses der Name des Anfertigers und 1685 die Zeit der Entstehung sei. Indem dieses mit weiſser Oelfarbe auf grauem Oelfarbengrund nicht gerade künstlerisch geschehen und gleichzeitig etwas prahlend für den Beschauer nach vorn gerichtet ist, will mir umsomehr aus der Vorzüglichkeit der Arbeit an dem Kunstwerk der Schluſs verzeihlich erscheinen, daſs das Schnitzwerk vielleicht fast 200 Jahre früher, nämlich in der Zeit vom Jahr 1470-1540 gefertigt sein möchte[A]. Auch ist mir von einem Johann Opfermann, Anno 1685 als Bildhauer wirkend, nichts bekannt; möglich auch, daſs es der Geber war, oder der Anstreicher.
Schlieſslich bemerke ich noch zur Vervollständigung dieses Berichtes, daſs auf einem flatternden Zettel über Christi Haupt das INRI zu lesen, und am Fuſse des Mittelkreuzes ein kleiner, zierlicher Todtenkopf auf zwei Knochen liegend und mit einer Schlange, welche sich durch die Augenhöhlen windet, angebracht ist.
/Zeitz/. /Gustav Sommer/.
FUSSNOTE:
[Fußnote A: Nach der Photographie zu schlieſsen, fällt die Zeit der Entstehung des Bildwerkes mit der darauf angegebenen Jahreszahl zusammen. /Anm. d. Red./]
Alter Spruch.
Eiselein sagt, unter Berufung auf Geiler von Keisersberg, in seinen „Sprichwörtern und Sinnreden“, S. 604: „Es ist ein Sprichwort: Wer nicht trinken kann, der soll ins Bad gan; wer nicht beten, uf das Mer; wer nicht schlafen, in die Predig; (das viert’ gehört uf den Rollwagen)“. „Dieses vierte“ fügt Eiselein bei, „ist wahrscheinlich das oben S. 41, Z. 16 angeführte Sprüchlein mit einer geringen Wendung.“ Ohne dieses zu wiederholen, folge hier der ganze Spruch in Original und Uebersetzung, wie ihn eine Hand des 15. Jahrhunderts auf die innere Seite eines Bücherdeckels geschrieben hat. Es geht daraus hervor, daſs unter dem „vierten“ etwas Anderes gemeint ist, als was Eiselein vermuthet.
Qui dormire nequit sermoni intersit itemque Balnea nudus amet bibere qui nequeat Sit caput et tonsus foede tentiginis expers Non orare valens nauiget atque mare Hys quicumque cupit dictis obnoxius esse Crede mihi acquiret quatuor ista statim.
Magst nit schlaffen die predig her Kanscht nit betten far uff dem mer Magst nit trincken gang in das bad Fücht dich nit an schyr das har ab. Welcher der vier puncten kumpt nach Dem werden sy, im sey nit gach.
/Donaueschingen/. /Dr. Barack/.
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1866. Nº 5. Mai.
Chronik des germanischen Museums.
/Nürnberg/, den 15. Mai 1866.
Einer von Mannheim uns gewordenen sehr erfreulichen Botschaft konnte in unserer letzten Chronik vorläufig nur mit dem Bemerken gedacht werden, daſs Näheres bezüglich derselben in unserem nächsten Berichte zur Mittheilung kommen solle. Dies ist nun Folgendes.
Seitens des zur Förderung unseres nationalen Institutes in /Mannheim/ bestehenden /Hülfsvereines/, dem wir zu wiederholten Malen reiche Zuwendungen bereits zu danken hatten, sind aus den Ergebnissen mehrerer mit der XXIV. Philologenversammlung in Beziehung stehender Vorträge Heidelberger Gelehrten 225 fl. 54 kr. unter der Bestimmung uns übersandt worden, daſs aus dieser Summe zunächst die Anschaffung eines vollständigen Exemplars der Photographieen aus dem germanischen Museum (Preis 48 Thlr.) bewerkstelligt, der hiernach verbleibende Betrag aber, wie der Erlös, der nach erfolgter Ausstellung der gedachten Photographieen im Mannheimer Kunstvereine aus dem Verkaufe derselben erzielt werden wird, zur Förderung des weiteren Ausbaues der Karthause oder in anderer, unserer Wahl überlassener Weise zur Ausschmückung des german. Nationalmuseums verwendet werden solle. Mit innigstem Danke gegen die Stifter dieser reichen Gabe haben wir dieselbe hiernach den Fonds für den in Aussicht genommenen, in letzter Zeit mehrfach zur Sprache gebrachten Bau in der Weise überwiesen, daſs aus den vom Mannheimer Hülfsvereine uns gebotenen Mitteln die Kosten der Herstellung zweier Kreuzgangfenster, deren früher genannte Stifter leider zu streichen waren, und die Verglasung dieser als /Stiftungen des Mannheimer Hülfsvereines/ und der /Leiter der XXIV. Philologenversammlung zu Heidelberg/ zu bezeichnenden Fenster bestritten werden, etwaige Erübrigungen aber zur Minderung der unserem Institute durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen erwachsenen Schuld verwendet werden sollen. Möge das einmüthige Wirken unserer Mannheimer Freunde fort und fort von so trefflichen Erfolgen begleitet, zugleich aber auch die hier gedachte neue Bethätigung des alten Wortes „Durch Einheit stark“ anderwärts Veranlassung werden, zu ähnlichen der Förderung unseres nationalen Werkes gewidmeten Vereinen zusammenzutreten, wie solche zu Mannheim und Berlin zu Nutz und Frommen unseres Institutes schon seit Jahren bestehen!
Dieser Mittheilung haben wir nun zunächst die Nachricht von einer weiteren, mit freudigstem Danke zu begrüſsenden Stiftung folgen zu lassen, die uns äuſserst willkommen sein muſs. Von Herrn Landgerichtsassessor /Ludwig von Cuny in Cöln/, der früher schon als Pfleger unseres Institutes für Cleve der Förderung unserer Bestrebungen in anerkennenswerthester Weise sich angenommen und als solcher die höchst dankenswerthe Zusage uns gemacht hatte, da, wo das german. Museum der Vernichtung oder der Verschleppung in’s Ausland preisgegebene alte Manuscripte, Kunstwerke oder sonstige Denkmäler deutscher Vorzeit zu retten, Gelegenheit finden sollte, demselben im Nothfalle mit Geldmitteln zur Seite stehen zu wollen, sind uns auf die Mittheilung hin, daſs 3 groſse, starke, schön geschriebene und wohl erhaltene Pergamentcodices mit 90 fl. der Vernichtung durch die Hand des Goldschlägers sich entziehen lassen würden, zum Ankaufe gedachter Codices (s. das Geschenkverzeichniſs der Bibliothek 19,388 ff.), wie zur Erwerbung anderer, in obengedachter Weise gefährdeter vaterländischer Kunstwerke und Alterthümer 250 Thlr. zur Verfügung gestellt worden. Es werden der Zeugen deutscher Vorzeit, der Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Lebens und Wirkens unserer Vorväter täglich weniger; Unkenntniſs vernichtet, fremdes Geld entführt der deutschen Wissenschaft alljährlich bedeutendes und leider nur zu oft gerade das werthvollste Material. Wer da retten will, muſs also bald dazuthun, und deshalb können wir die gedachte hochherzige, echtem Patriotismus und edler Pietät entsprungene Schenkung nicht ohne den lebhaften Wunsch in unsere Annalen eintragen, daſs auch Andere je nach Kräften in ähnlicher Weise uns helfend zur Seite treten und uns in die ersehnte Lage versetzen wollen, für Erhaltung vaterländischer Denkmäler und Kunstwerke in /der/ Weise eintreten zu können, wie es einer Anstalt würdig, die bestimmt ist, all den verschiedenen Bestrebungen auf den Gebieten vaterländischer Geschichts- und Alterthumskunde ein Einigungs-, ein Mittelpunkt zu werden.
Ehrend haben wir auch die Uneigennützigkeit des Hrn. /Enderlein/, Hofbesitzers zu Rochsfeld bei Haideck, hervorzuheben, der dem Museum erlaubte, behufs Aufdeckung heidnischer Grabhügel, über welche später weiter Bericht gegeben werden soll, in umfangreicher Weise sein Feld aufzugraben.
Fast gleichzeitig mit dem Eingange obiger Stiftungen wurden wir durch die Botschaft erfreut, daſs aus /pfälzischen Kreisfonds/ unserem Institute auch für 1865/66 ein Beitrag von 100 fl. bewilligt worden ist.
Und all diesen erfreulichen Mittheilungen sind wir so glücklich, auf Grund der Einläufe der letzten Tage heute weiter noch die höchst angenehme und äuſserst willkommene Nachricht folgen zu lassen, daſs auf gnädigsten Befehl /Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Herzogin von Anhalt-Bernburg/ zum Zwecke des /Ausbaues unserer Karthause/ ein Beitrag von /20 Thlrn. Gold/ uns übersendet worden ist, daſs ferner /Seine Durchlaucht der Fürst Leopold zur Lippe/ gnädigst geruhete, als eine auſserordentliche Beihülfe zu eben diesem Zwecke die Summe von 50 fl. uns zustellen zu lassen, und schlieſslich, daſs zur Minderung der durch /Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen/ unserer Anstalt erwachsenen Schuld auf freundliche Vermittlung des Hrn. Christian Ritter d’/Elvert/, k. k. Oberfinanzraths und Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses zu Brünn, von der dortigen k. k. m. /schl. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde/ 20 fl. ö. W. und von der /historisch-statistischen Sektion dieser Gesellschaft/ 10 fl. ö. W. uns zugekommen sind.
Von unseren Sammlungen sah sich in letzter Zeit mit besonders zahlreichen Zugängen vor Allem die /numismatische/ Abtheilung bedacht. Namentlich war eine als Geschenk des Hrn. /Kaufmann Paul Kahle in Berlin/ durch eines unserer dortigen Gelehrtenausschussmitglieder, Hrn. Geh. Rechnungsrath /Schlickeysen/, hierher gelangte Sammlung von 66 /Silber- und 63 Kupfermünzen deutscher Münzstätten/ aus der Zeit vor 1650 uns in hohem Grade willkommen, da sie viele Lücken beseitigte.
Die Stiftungsverwaltung des protest. Kirchenvermögens zu Nürnberg überlieſs dem Museum 2 groſse Teppiche aus dem 15. Jahrh., wovon einer ein ornamentales Muster, der zweite 2 Heiligenfiguren, den leidenden Erlöser und die heil. Katharina, zeigt; von Hrn. Hofrath Prof. /F. C. Mayer/ dahier wurden einige gepreſste Silberplatten überlassen, die, etwas beschädigt, bei einer Restauration des Sebaldusschreines entbehrlich geworden waren und die eine höchst interessante Parallele zu dem in ganz gleicher Weise ausgestatteten Reichskleinodienkasten in den Sammlungen des german. Museums bilden.
Ingleichen hatte sich die Bibliothek in den unter Nr. 19,394 als Geschenke des Hrn. Geh. Hofraths Dr. /F. Ried/ in Jena verzeichneten Bänden eines sehr schätzbaren Zuganges zu erfreuen.
Durch den im März erfolgten, uns erst jetzt bekannt gewordenen Tod des k. pr. Geh. Ober-Justizrathes /Th. Odebrecht/ zu Berlin hat unser Institut leider abermals ein altes und um die Förderung seiner Bestrebungen in vielfacher Beziehung verdientes Mitglied des Gelehrtenausschusses verloren. Als mehrjähriger Vorsitzender unseres Berliner Hülfsvereines, durch rege eigene Betheiligung an dessen Vorträgen u. s. w. hat der Verlebte in unseren Mauern das dankbarste Andenken sich gesichert.
Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Stollberg/ in Sachsen, /Weilburg/ in Nassau und /Eggenfelden/ in Bayern.
An neuen Geldbeiträgen sind auſser den oben bereits genannten noch folgende zu verzeichnen:
Aus =Vereinskassen=: Von dem Turnvereine zu /Baumholder/ (Oldenb. Birkenfeld) 2 fl., von dem Turnvereine der Stadt /Birkenfeld/ 1 fl., von dem lateinischen Kränzchen zu /Erfurt/ 2 fl. 7¾ kr. (einm.), vom histor. Vereine in /Erlangen/ 2 fl., von der Studentenverbindung Uttenruthia daselbst 15 fl. und von der Sängergesellschaft Eintracht in /Mergentheim/ 3 fl.
Von =Privaten=: /Auenheim/ (Baden): Pfarrer H. Förster 3 fl. 25 kr. (einm.), Professor Schuhmacher in Rheinbischofsheim 1 fl.; /Birkenfeld/: Akademiker K. W. Eisel 1 fl., H. Schwab, Tischler aus Altenbamberg, 1 fl.; /Eger/: Dr. philos. Franz Kirschner, Stadtarchivar 1 fl. 45 kr.; /Frankfurt a. M./: A. Beeg 5 fl.; /Freystadt/ (Bayern) Benefiziat Max Betz 1 fl.; /Forchheim/: Pfarrer Imhof in Reuth 1 fl. (einm.); /Freudenstadt/: C. Haug, Flaschner, 1 fl., Werkmeister S. Wälde 1 fl.; /Fürstenfeldbruck/ (Bayern): Dr. Aug. Berger, k. Bezirksarzt, 1 fl., Eduard Friedrich, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Michael von Gäſsler, k. Rentbeamter, 1 fl., Dr. v. Hinsberg, k. Bataillonsarzt, 1 fl., Franz Seraph. Paur, k. Bezirksamtmann, 1 fl., Maurermeister Sappl 1 fl., Privatier C. Trappentreu 1 fl., Kaufmann Peter Trappentreu 1 fl.; /Fürth/: Bronzefabrikant J. Brandeis 1 fl.; /Germersheim/: Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Stadt-Vikar Hemann 1 fl., Major Kitzing 1 fl. 45 kr., Dr. Schmauſs, k. Bezirksarzt, 1 fl. 45 kr.; /Gratz/: Professor Ant. Winkler 2 fl. (einm.); /Hofheim/: Kaplan Bernh. Schebler in Hofheim, 1 fl.; /Karlsruhe/: Architekt Federle 2 fl.; /Mergentheim/: Oberpräzeptor Kolb 1 fl.; /Naila/: Dr. Flügel, k. Bezirksarzt I. Klasse, 1 fl. 12 kr., Dr. Klinger, k. Bade-Arzt, in Steben, 1 fl. 12 kr., Johannes Will in Räumles 1 fl. 12 kr.; /Nürnberg:/ Privatier Amm 1 fl. 45 kr., Gottfried Eckart, Privatier, 1 fl. 30 kr., Christ. Kaufmann, quiesc. Magistrats-Kanzlist, 1 fl., Mündler, Professor am Realgymnasium, 1 fl., Julius Neidhardt, Kaufmann, 1 fl., Heinrich Ruff, Holzhändler, 2 fl., Georg Schwarz, Privatier, 1 fl. 30 kr., Heinrich Stramer, k. Bezirksgerichtsrath, 1 fl.; /Pleinfeld:/ Karl Goſsner, Pfarrer in Pfraunfeld, 1 fl., Franz Anton Hutter, Pfarrer in Stopfenheim, 1 fl.; /Wolfenbüttel:/ Obergerichtsrath Zimmermann 1 fl. 45 kr.; /Zürich:/ Ingenieur Alfons von Baur 2 fl. 20 kr.
Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:
I. Für das Archiv.
=Landaur=, Naturalienhändler, in Frankfurt a. M.:
3338. Sühnbrief des Bisch. Nicolaus v. Bremen für Ghise den Clüuer. 1446. Perg.
3339. Stiftung eines Jahrgedächtnisses durch Erpe van Weyge. 1465. Perg.
=Jos. Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereins, in München:
3340. Fragment einer kirchenrechtlichen Schrift auf Pergament, gröſstentheils unlesbar. 14. Jahrh.
3341. Copie einer Bestätigung von Privilegien durch Kaiser Ferdinand II. 1623. Pap.
=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:
3342. Schuldschein des Schmids Franzen Sohn Jaspar für die Kirchenknechte zu Lochburn. 1535. Perg.
II. Für die Bibliothek.
=Karl Klein=, Gymnasial-Professor, in Mainz:
19,334. Ders., das Groſsherzogthum Hessen. 1866. 8.
19,335. Hattemer, aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom. 1865. 4. Progr.
=Georg Ludw. von Maurer=, Staats- u. Reichsrath, in München:
19,336. Ders., Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; II. Bd. 1866. 8.
=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:
19,337. Monumenta Germaniae historica, ed. Pertz: Script. tom. XIX. 1866. 2.
=K. preuſs. Akademie der Wissenschaften= in Berlin:
19,338. Dies., philol. u. histor. Abhandlungen aus d. Jahre 1864. 1865. 4.
=H. Krause=, Direktor der gr. Stadtschule, in Rostock:
19,339. Ders., kurze hochd. Sprachlehre; 3. Aufl. 1866. 8.
19,340. Ders., groſse Stadtschule zu Rostock. 1866. 4.
=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:
19,341. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Ludwigsbahn f. d. Verwaltungsjahr 1864-1865. 1865. 4.
19,342. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Maximiliansbahn f. d. Verwaltungsj. 1864-1865. 1865. 4.
19,343. Geschäfts-Bericht d. Direktion d. k. b. pfälz. Neustadt-Dürkheimer Bahn für das Verwaltungsjahr 1862/63 bis 1864/65. 1866. 4.
=Platzer=, k. Landrichter, in Sulzbach:
19,344. Vieh-Artzney-Büechl. Pap.-Hs. 18. Jhdt. 4.
=Dr. Lucanus= in Halberstadt:
19,345. Nachrichten über den Kunst-Verein in Halberstadt; 15. Heft. 1865. 8.
=Dr. O. Buchner=, Reallehrer, in Gieſsen:
19,346. Wiegand, Gutachten über eine andere Organisation d. Gymnasiums zu Worms. 1865. 4.
19,347. Hainebach, über d. hannöverischen orthograph. Regeln etc. 1866. 4. Progr.
=C. W. Neumann=, k. b. Oberlieutenant u. Platzadjutant, in Regensburg:
19,348. Wackenreiter, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April 1809. Nachtrag. 1865. 8.
19,349. Mettenleiter, Philomele, Taschenbuch auf das Jahr 1866. I. Jahrg. 1866. 16.
=J. G. Cotta=’sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart:
19,350. Deutsche Vierteljahrs-Schrift; 29. Jahrg., April-Juni 1866. Nr. 114. 8.
=C. Gruner=, k. w. Oberjustiz-Revisor, in Ulm:
19,351. Ders., Kepler’s wahrer Geburtsort. 8.
=Dr. K. H. Funkhänel=, Hofrath u. Gymnas.-Dir., in Eisenach:
19,352. Witzschel, Sitten u. Gebräuche aus der Umgegend v. Eisenach. 1866. 4. Progr.
=Historischer Verein f. Unterfranken u. Aschaffenburg= in Würzburg:
19,353. Ders., Archiv etc.; Bd. XIX, 1. 1866. 8.
=Société d’histoire et d’archéologie de Genève:=
19,354. Dies., mémoires et documents; t. XVI, 1. 1866. 8.
=Dr. J. E. Wocel=, k. k. Universitäts-Professor, in Prag:
19,355. Ders., Pravěk země České; I. 1866. 8.
19,356. Ders., über den Zug der Kelten nach Italien u. zum hercynischen Walde. 1865. 8.
=Aug. Recknagel=, Buchhandlung, in Nürnberg:
19,357. Chifletius, breviarium historicum inclyti ordinis velleris aurei. 1652. 4.
19,358. Faber, familia augusta Lucemburgensis. 1722. 4.
19,359. Heraeus, inscriptiones et symbola varii argumenti. 1734. 4.
19,360. Catalogus bibliothecae Fenizerianae. 1736. 4.
19,361. Ollmützer monathliche Auszüge; III, 4-6 u. IV, 1-3. 1748. 8.
19,362. Calmetii refutatio systematis genealogici a M. Hergott compositi. 1748. 4.
19,363. Praktischer Beytrag zu der Lehre von den Austrägen der löbl. Reichs-Städte. 1775. 4.
19,364. Urkundliche Bemerkungen über d. neuesten Bewegungen d. durchl. Churhauses Pfalzbayern. 1791. 8.
19,365. v. Murr, über d. fabelhafte sog. heil. Ampulle oder Salböl-Fläschchen in Reims. 1801. 8.
19,366-83 18 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J. 1718-1804. 2., 4. u. 8.
=Direktion des Gymnasiums= in Hildesheim:
19,384. Kolbe, de leonis in sacris Aegyptiorum et Babyloniorum signo. 1866. 4. Progr.
=Gesellschaft für südslavische Geschichte u. Alterthümer= in Agram:
19,385. Dies., Arkiv, Knj. VIII. 1865. 8.
=Rudolf Temple= in Pest:
19,386. Ders., Topographie der Herzogthümer Auschwitz u. Zator. 1865. 8. Sonderabdr.
=Direktion der k. Hof- u. Staatsbibliothek= in München:
19,387. Catalogus codicum manu scriptorum bibliothecae regiae Monacensis; tom. I, p. 2 et 3. 1866. 8.
=Ludwig von Cuny=, Landgerichtsassessor, in Köln:
19,388. Antiphonarium für alle Sonn- u. Festtage. Pgm.-Hs. v. 187 Blttrn. 13. Jahrh. 2. Mit Musiknoten.
19,389. Ordinale fratrum ordinis beate Marie de monte Carmeli. Pgm.-Hs. v. 122 Blttrn. 15. Jahrh. 4. Mit e. Calendarium.
19,390. Officium ad communicandum infirmam; benedictio ramorum etc.; Pgm.-Hs. v. 47 Blttrn. 14. Jhdt. 4.
=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:
19,391. Königl. Groſs-Brittannisch- u. Churf. Braunschw.-Lüneb. Staats-Kalender a. d. J. 1793. 8.
19,392. Justus, dat Bödekerlied. 3. Uplage. 1864. 8.
=Dr. Richard Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in Schleiz:
19,393. Ders., Geschichte u. Statistik der Landeskirchen Reuſs ä. u. j. Linie. 1866. 8. Sonderabdr.
=Dr. F. Ried=, geh. Hofrath u. Professor, in Jena:
19,394. Chronik der Stadt Schwäbisch-Hall. Pap.-Hs. 17. Jhdt. 2.
19,395. Das Plenarium oder Ewāgely buoch. 1514. 2.
19,396. Schrot, Wappenbuch des Heil. Röm. Reichs etc. 1581. 2.
=Karl Preusker=, emerit. Rentamtmann, in Groſsenhain:
19,397. Urkunde der Preusker-Stiftung. 1866. 8.
=Histor. Verein für Niederbayern= in Landshut:
19,398. Ders., Verhandlungen; XI. Bd. 3. u. 4. Hft. 1866. 8.
III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.
=von Humbert=, Rittmeister, in Halberstadt:
5036. 6 bronzene Siegelstempel verschiedener Gilden aus Stendal vom 17.-18. Jhdt.
5037. Bruchstücke eines Sporns vom 17. Jhdt.
5038. Eine bei Aschersleben gefundene Pfeilspitze von Knochen.
=von Hartwig=, Major z. D., in Halberstadt:
5039. Gypsabguſs des ältesten Stadtsiegels von Halberstadt und 10 Lackabdrücke von älteren Siegelstöcken.
=Dahle=, Buchbindermeister, in Aschersleben:
5040. 5 Thonkrüge nebst Resten von Bronze- und Eisengeräthen, ausgegraben bei Frohse unweit Aschersleben.
=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:
5041. Heidelberger Silbermünze von 1591.
5042. Bayrischer Groschen von 1660.
=Bromm=, Assessor, in Gieſsen:
5043. Sechs königliche Bracteaten vom 13. Jhdt.
=J. Brandeis jun.=, in Fürth:
5044. Drei Pergamentblätter in gr. Fol. mit gemalten Initialen.
=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:
5045. Messer von Feuerstein aus dem Fund am Treitelsberge.
=Dr. A. Erbstein=, Conservator der Alterthumssammlungen am german. Museum:
5046. Abdruck des Siegels von Joh. Joach. Joner, gen. Ruepli.
=Platzer=, kgl. Landrichter, in Sulzbach:
5047. Thaler Joh. Albrechts von Mecklenburg, von 1549.
5048. 4 kleinere Silbermünzen vom 17. u. 18. Jhdt.
5049. Goldgulden Kaiser Friedrichs III.
=Ungenannter:=
5050. 5 mit Reliefs verzierte Fuſsplatten vom 14. Jhdt. und eine Zusammenstellung kleinerer ohne Muster.
=Frau Brandeis= in Fürth:
5051. Thalerförm. Medaille, sogen. Wiedertäuferthaler, v. 16. Jhdt.
5052. Kursächs. Thaler v. J. 1600.
=Nieſsen=, Vikar, in Unkel:
5053. 5 bei Honnef a. Rh. gefundene römische Kupfermünzen und 1 Messingjeton v. 1793.
=v. Gemming=, Oberstlieutenant, in Nürnberg:
5054. Model von gebranntem Thon mit Darstellung des Saturn. 17. Jhdt.
=L. Britzelmayr= in Günzburg:
5055. Sächs. Thaler von 1608.
=Kracker=, Gastwirth, in Nürnberg:
5056. Kupferjeton mit Schrift v. 1567.
=Ludw. v. Cuny=, Landger.-Assessor, in Köln:
5057. Lackabdruck eines Ruppiner Zunftsiegels.
=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:
5058. 42 Lackabdrücke von städtischen und Kirchensiegeln.
=Solger=, Baurath, in Nürnberg:
5059. Goth. verziertes Weihwasserbecken von Stein.
=Dr. William Bell= in London:
5060. 2 Exemplare der Medaille auf Eröffnung der deutschen Turnhalle in London, 1865.
=Dr. Rich. Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in Schleiz:
5061. 4 Spielkarten vom 18. Jhdt.
=Th. Berner=, Droguist, in Schleiz:
5062. Kupferjeton auf den Harzer Bergbau.
=Hörnlein=, Drechslermeister, in Nürnberg:
5063. 10 Bamberger und Pfälzer Pfennige vom 15. Jhdt.
5064. Breiter Groschen Graf Eberhards von Königstein, von 1519.
=Wich=, Juwelier u. Goldarbeiter, in Nürnberg:
5065. Engelgroschen Johann Friedrichs II. von Sachsen und kleine Silbermünze von Basel.
=Dr. Georgens=, Direktor d. Levanakindergartens, zu Nürnberg:
5066. Ofenmodell von gebranntem Thon mit Reliefverzierungen, 16. Jhdt.
5067. Verzierter Steigbügel vom 17. Jhdt.
5068. Weiſs- und blauglasierte Schüssel von Steingut, 18. Jhdt.
=Paul Kahle=, Kaufmann, in Berlin:
5069. 66 ältere Silbermünzen verschiedenen Gepräges.
5070. 63 Kupfermünzen und Zeichen.
=Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereines zu München:
5071. Gypsabguſs einer steinernen Guſsform zu Bronzepfeilen.
=Peter Bier=, Bierbrauergeselle, in Birkenfeld:
5072. Eine aus der Moselbrücke bei Trier gezogene Kupfermünze des Kaisers Nerva.
=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:
5073. Messingjeton vom 16. Jhdt. und 43 neuere Siegel.
5074. Wappen der Stadt Birkenfeld, Holzschnitt vom 16. Jhdt.
=K. W. Eisel=, Akademiker, in Birkenfeld:
5075. 3 Bleistiftzeichnungen nach Wappen am Thurm der Simultankirche zu Birkenfeld und einer alten Ansicht von Burgbirkenfeld.
=Hugo Graf von Walderdorff=, k. k. Kämmerer, zu Schloſs Hauzenstein:
5076. Freisinger Sedisvakanzmedaille in Silber, 1788.
5077. Regensburger Sedisvakanzthaler, v. 1787.
5078. Gulden des Grafen Jos. Nicolaus v. Windischgräz, v. 1771.
5079. Bleiabguſs der Medaille auf Joh. Phil. Frhrn. v. Walderdorff.
5080. 4 Gypsabgüsse und 2 Photographieen nach Medaillen des 16. u. 17. Jhdts.
5081. 4 Wallfahrtszeichen der „schönen Maria“ zu Regensburg.
5082. Stammbaum der Grafen v. Walderdorff, Druck.
5083. 3 Porträts aus der Familie der R.-Grafen v. Walderdorff, in Kupferstich.
=Hubrich=, Oberförster, in Ellingen:
5084. 2 unter dem Erdreich gefundene Hufeisen.
=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Prof. u. Inspektor des k. Kupferstichkabinets, in München:
5085. 2 Spielkarten mit Orakelsprüchen, vom 18. Jhdt.
=Elsner=, Buchdruckereibesitzer, in Wolgast:
5086. Bruchstück einer am Strande der Ostsee gefundenen verzierten Graburne.
5087. 1 Stralsunder Witte, 1 Wismarsches Zweischillingsstück u. 1 dän. Vierschillingsstück.
5088. Erinnerungsblatt an das 4. Säcularfest der Buchdruckerkunst in der Elsner’schen Buchdruckerei zu Wolgast.
5089. Ansichten von Wolgast, Steindr. v. F. Elsner.
5090. Karte des Jahdebusens, Holzschn. v. C. Elsner, nach der Peutinger’schen Karte.
5091. Ein Stück Bernstein und ein Büschel Wolle von Merinoschafen zu Ranzin.
=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:
5092. 2 halbe Schillinge des Burggrafenthums und der Stadt Nürnberg vom 15. Jhdt., aus dem Funde von Oberschellenbach.
Chronik der historischen Vereine.
/Verhandlungen und Mittheilungen der juristischen Gesellschaft in Laibach./ II. Band, 13. u. 14. Heft. Redigirt vom ersten Secretär, Bürgermeister Dr. E. H. Costa. Laibach, 1866. 8.
/Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern./ XI. Band. 3. u. 4. Heft. Landshut, 1866. 8.
Frauenhofer’s Leben und Wirken. Von Sigmund Merz. -- Beiträge zur Rechtsgeschichte von A. Kalcher. -- Beiträge zur Geschichte des Chorherren-Stiftes St. Nikola bei Passau. -- Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Eching, im k. Bezirksamte Landshut. Mitgetheilt von Dr. Wiedemann. -- Hans Mayr’s Lobspruch der Stadt Landshut. Mitgetheilt von Joseph Maria Wagner.
/Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg./ Neunzehnter Band. Erstes Heft. Würzburg, 1866. 8.
Geschichte des Schlosses und Amtes Bodenlauben und seiner Besitzer. Von Dr. Carl Boxberger. -- Ueber den Grad der Zuverläſsigkeit der Weisthümer, nebst zweien dahin einschlagenden Weisthümern. Von Dr. Kittel. -- Kleine Beiträge zur Geschichts- und Sagenforschung des Frankenlandes. Von Dr. A. Kaufmann. -- Beitrag zur Geschichte der Wallfahrtskirche und ehemaligen Beguinenklause auf dem Kirchberge bei Volkach. Mitgetheilt von Dr. N. Reininger. -- Die älteren Verhältnisse der Stadt Lohr. Von Dr. Fried. Stein.
/Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart./ LXXXI. Hans Jakob Breunings von Buchenbach Relation über seine Sendung nach England im Jahr 1595. Mitgetheilt von August Schloſsberger. Stuttgart, 1865. 8.
LXXXII. LXXXIII. Paul Fleming’s deutsche Gedichte. Herausgegeben von J. M. Lappenberg. I. II. Stuttgart. 1865. 8.
LXXXIV. Gallus Oheim’s Chronik von Reichenau. Herausgegeben von Dr. K. A. Barack. Stuttgart. 1866. 8.
/Mittheilungen des königlich Sächsischen Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Kunst-Denkmale./ Vierzehntes Heft. Mit 3 lithographierten Abbildungen. Dresden, 1865. 8.
Vereinsangelegenheiten. -- Urkunde über das Arno-Kreuz bei Klaffenbach vom 15. Juni 1863. (Im Auszuge.) -- Martin Römer. Ein biographischer Beitrag zur sächsischen Culturgeschichte. Von Dr. E. Herzog. -- Das Kloster Buch in seinem Ursprunge, Wachsthume und Glanze. Von Cantor Hingst. -- Beschreibung der drei lithographirten Abbildungen (Kanzel, Monstranz u. Monstranzkapsel).
/Philologische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin./ Aus dem Jahre 1864. Berlin, 1865. 4.
Der Dreiſsigste. Von Homeyer.
/Nachrichten über den Kunst-Verein und über die Kunstausstellungen in Halberstadt/, in den Jahren 1864 u. 1865. Fünfzehntes Heft. Halberstadt, am 30. December 1865. 8.
/Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg/, herausgegeben von der /S. H. L. Gesellschaft für vaterländiche Geschichte/. Band VIII; Heft 3. Kiel, 1866. 8.
Die Prediger der schleswig’schen Generalsuperintendentur von 1848-1865. Von Dr. Friedrich Volbehr.
Angeheftet: /Sechsundzwanzigster Bericht/ derselben Gesellschaft. Erstattet von dem Vorstande im J. 1865. Kiel, 1865. 8.
Bericht des Vorstandes. -- Die Cultur der Bronze-Zeit Nord- und Mittel-Europas. -- Chemisch-antiquarische Studien, von Dr. F. Wibel. -- Münzfunde in Schleswig. Von H. Handelmann. -- Ein bisher unbekannter Witten der Stadt Hannover. Beschrieben vom Pastor Masch. -- Verzeichniſs der Vermehrungen des Museums vaterländischer Alterthümer zu Kiel.
/Mémoires et documents publiés par la Société d’Histoire et d’Archéologie de Genève./ T. XVI. Livraison 1. Genève et Paris. 1866. 8.
Conjectures historiques sur les homélies prêchées par Avitus, évêque de Vienne, dans le diocèse de Genève et dans le monastère d’Agaune, en Valais, par M. A. Rilliet-de Candolle. -- Genève. Monnaies inédites et imitations italiennes fabriquées à Pomponesco, Bozzolo, Dezana, Passerano et Messerano, par M. A. Morel-Fatio. -- Restitution d’un manuscrit du VI^{me} siècle, mi-parti entre Paris et Genève, contenant des lettres et des sermons de saint Augustin, par M. H. Bordier. -- Les Régestes du Vatican relatifs au diocèse de Genève, suivis de quelques épîtres pontificales inédites. -- Notice sur Fréd. Soret. -- Bractéates genevoises. Note de M. A. Morel-Fatio. -- Note relative au Mémoire sur le Homélies d’Avitus. -- Personnel de la société, etc.
/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique./ Trente-troisième année. Tome VI. IV. Série. 374. Livr. Janvier 1866. 375. Livr. Février 1866. Paris. 8.
/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 2. Paris et Caen, 1866. 8.
Courte visite à Drévant (Cher), en 1865, par M. de Caumont. -- Notice sur la mitre épiscopale, par M. l’abbé Barraud. -- Sépultures gallo-romaines découvertes dans le Grand-Jardin de Lisieux, par M. A. Pannier. -- Chapelle de St. Valérie dans la cathédrale de Limoges, par M. l’abbé Abbellot. -- Découverte de monnaies romaines à St. Aubin-du-Perron (Manche), par M. Quenault. -- Chronique.
/Graf- en Gedenkschriften der Provincie Oost-Vlaenderen./ Uitgegeven door een Middencomiteit [/Comité central de publication des inscriptions funéraires et monumentales de la Flandre orientale/]. 42. Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. II. -- 43. Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. III. -- 44. Aflevering: Gent, Sinte Michielskerk. XI. -- Gand, 1865. 2.
Nachrichten.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
11) /Hessische Urkunden/; aus dem groſsherzogl. hessischen Haus- und Staatsarchiv zum ersten Male herausgegeben von /Ludwig Baur/. Vierter Band. Darmstadt, 1866. 282 Stn. 8.
Der verdienstvolle Verfasser hat mit diesem vierten Bande sein hochwichtiges Werk abgeschlossen. Es wurde begonnen im J. 1846 und hatte ursprünglich nur die Bestimmung, die noch nicht veröffentlichten Urkunden, die sich im reichen Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt finden, bis zum J. 1399 bekannt zu machen. Dies geschah in den ersten zwei Bänden, von denen der erste Band 1372 Urkunden über die älteren Provinzen Starkenburg und Oberhessen, der zweite Band in zwei Abtheilungen 927 Urkunden aus Rheinhessen bis zum J. 1325, der dritte Band vorerst die übrigen Urkunden Rheinhessens (im Ganzen 1511) bis zum J. 1399, sowie einen Nachtrag von 67 Urkunden zu den drei Provinzen gibt. Der vorliegende vierte Band dehnte die Zeit weiter aus; er enthält die Urkunden des ganzen Landes aus dem vierzehnten Jahrhundert, an der Zahl 278. Sie sind meistens in deutscher Sprache, während die früheren Bände fast nur lateinische enthalten. In diesem Bande sind die Urkunden der drei Provinzen nicht geschieden, wie in den früheren. Ueberhaupt hätten wir für Rheinhessen eine andere Einrichtung gewünscht: man hätte die Urkunden nach den früheren Territorien scheiden sollen; also z. B. Mainzer, Wormser, Pfälzer u. s. w. Urkunden, je nachdem sie in diese ehemaligen Gebiete gehören. Es wären dann freilich in Rheinhessen über dreiſsig Abtheilungen entstanden, wiewohl von manchen Orten und Landschaften nur wenige Urkunden sich vorfinden; viele sind z. B. über Oppenheim, Mainz, Worms u. s. w. vorhanden. Wir freuen uns übrigens sehr, daſs dies schöne und inhaltsreiche Werk nach 20 Jahren vollendet ist. Nun fehlt nur noch das Register über die vier Bände, das umfangreich zu werden verspricht. Der Verfasser hat einen neuen Beweis gegeben, wie unermüdlich er arbeitet, um die frühere Geschichte des Landes zu erhellen; wir sind ihm dadurch zu groſsem Danke verpflichtet.
K.
12) /Volksthümliches aus Oesterreichisch-Schlesien/, gesammelt und herausgegeben von /Anton Peter/. I. Kinderlieder und Kinderspiele, Volkslieder und Volksschauspiele, Sprichworte. Troppau, 1865. Im Selbstverlage des Herausgebers. 8. XIV u. 458 Stn.
Erst vor kurzer Zeit, bei Besprechung der Mannhardt’schen, inzwischen in zweiter Auflage erschienenen Monographie über einen in die deutsche Mythologie und Sittenkunde einschlagenden Gegenstand, fanden wir Gelegenheit, auf die Wichtigkeit des sorgfältigen Einsammelns der noch lebend sich vorfindenden volksthümlichen Ueberlieferungen, zugleich aber auch darauf hinzuweisen, daſs ein groſser Theil der bisherigen Arbeiten in dieser Richtung den wissenschaftlichen Anforderungen keineswegs volle Genüge leiste. Der obigen Sammlung jedoch dürfen wir das Zeugniſs nicht versagen, daſs sie, sowohl rücksichtlich der Behandlung und Anordnung, als der Reichhaltigkeit des gesammelten Materials, den bessern Erscheinungen dieser Art sich würdig anreiht. Das ganze Werk soll drei Bände umfassen, von welchen der noch rückständige zweite zur Aufnahme der Sagen, Märchen, Bräuche und Aberglauben, und der dritte für literargeschichtliche, sachliche und sprachliche Erläuterungen (namentlich Lautlehre und Wörterbuch) bestimmt ist. Dieser letzte Band wird zu einer eingehendem Besprechung voraussichtlich mehr Anlaſs bieten, als der vorliegende erste; wir beschränken uns daher für diesen auf eine nähere Angabe seines Inhalts. Die Abtheilungen „Kinderlieder“ und „Volkslieder“ umfassen jede wieder mehrere Unterabtheilungen. Unter die erstgenannte Abtheilung sind z. B. begriffen: Wiegenlieder, Kindergebete, Sprechübungen, Verkehr mit der Natur, Neckreime, Räthsel etc. Dieser Abschnitt zählt im Ganzen (ungerechnet die den „Kinderspielen“ beigesellten Spiel- und Abzählreime) 423 Nummern. Reich vertreten sind auch die Volkslieder, welche unter die Ueberschriften: Balladen, Liebes-, Jäger-, Hirten- und Soldatenlieder, u. a. vertheilt sind. Die Zahl derselben beträgt 193, darunter mehrere in der Mundart. Der Herausgeber hat sich bei jedem einzelnen persönlich überzeugt, daſs es wirklich im Munde des österreichisch-schlesischen Volkes lebt. Dürftiger ist die Sammlung der Sprichworte und Redensarten, die jedoch mit geringen Ausnahmen originell, d. i. mundartlich gefaſst sind. Die Sammlung der Volksschauspiele wird eröffnet durch ein gröſseres Weihnachtsspiel, aus Obergrund stammend: „Die Erschaffung der Welt sammt der Menschwerdung Jesu Christi“, woran sich noch drei kleinere „Christkindelspiele“ reihen. Der Herausgeber glaubt, daſs der Text des ersteren der Hauptsache nach mindestens in’s 16. Jahrhundert zurückreiche.
Aufsätze in Zeitschriften.
/Das Ausland/: Nr. 17. Ueber eine alte Weltkarte in der Markusbibliothek zu Venedig. -- Die Wenden der Niderlausitz. (Franz Maurer.)
/Daheim/: Nr. 30. Luther in der russischen Legende.
/Grenzboten/: Nr. 18. Die Stellung der Römer in den Staaten der Völkerwanderung. -- Nr. 19 f. Deutsche Studenten in alter Zeit.
/Hausblätter/: 8. Heft. Sagen aus dem Spessart. 15-17. (Adalb. v. Herrlein.)
/Sächs. Kirchen- und Schulblatt/: Nr. 17 f. Ein eigenhändiger, ungedruckter Brief des Dr. Justus Jonas. (J. K. Seidemann.) -- Nr. 18. Die Sage von Luther’s Widerruf seiner Abendmahlslehre.
/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 15-18. Zur Geschichte und Charakteristik der evangelischen Kirche in Rheinland und Westfalen.
/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 188 ff. Aus dem Aischgrund. -- Nr. 206. 208. Zur Sage von der weiſsen Frau. -- Nr. 210. Der deutsche Michel. -- Nr. 214. Die älteste Erwähnung eines deutschen Parlaments. -- Nr. 221. Eine Reminiszenz an das Kloster Himmelkron.
/Deutsche Kunst-Zeitung/: Nr. 13. Ueber die gegenwärtige Restaurirungsweise mittelalterlicher Bauwerke. (Karl Köhler.)
/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 20 (116), S. 143. Ein deutscher Bischof des 11. Jahrhunderts. (Rudolf Usinger.)
/Deutsches Museum/: Nr. 14 f. Die Entwicklungsgeschichte des Schweizreisens. (Eduard Osenbrüggen).
/Novellenzeitung/: Nr. 16 f. Die Wahrheit über den Blaubart, französischen Marschall und Waffengefährten der Jungfrau von Orleans.
/Schles. Provinzialblätter/: März. Nachrichten von dem ehemaligen Franziskanerkloster (jetzt Gymnasium) zu Gleiwitz. (Franz Idzikowski.)
/Münchener Sonntagsblätter/: Nr. 15. Maximilian I., Churfürst von Bayern.
/Ueber Land und Meer/: Nr. 29. Das Münster von Freiburg. -- Nr. 31. Die Ruinen der Abtei Allerheiligen im badischen Schwarzwald. -- Der erste Mai. Das Walpurgisspiel.
/Zeitschrift für bildende Kunst/: 5. Heft. Albrecht Dürer in Venedig. (G. F. Waagen.)
/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 102 ff. Der Judenmord zu Deggendorf (1337). (Ludw. Steub.) -- Nr. 117. Keplers wahrer Geburtsort.
/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 100 f. Zum Passionsspiel in Thiersee in Tyrol. -- Nr. 104. Ueber neuentdeckte Pfahlbauten im Lago di Fimon bei Vicenza. -- Nr. 117 ff. Die Walküren. Ein Vortrag. (Dr. Wilh. Hertz.) -- Nr. 127. Christoph Leuttner, ein bisher unbekannter Compositeur Bayerns. (Sighart.)
/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1189. Die Festung Spielberg bei Brünn. -- Nr. 1191. Altdeutsche Frühlingsfeier.
/Leipziger Zeitung:/ Wiss. Beil. Nr. 27 ff. Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.
/Weimarische Zeitung:/ Nr. 103. Slawische Ortsnamen in der Umgegend von Jena. (Notiz.)
Vermischte Nachrichten.
~Entdeckung eines merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode.~
43) Der Mittheilung meines verehrten Freundes Dr. J. G. Burman-Becker in Kopenhagen verdanke ich einen Bericht über die Entdeckung eines sehr merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode, den ich als eine antiquarische Neuigkeit aus dem vorrömischen Norden mich beeile, den Freunden und Forschern der grauen Vorzeit zur Erwägung vorzulegen. Der Bericht lautet:
„Nachdem man hier in Dänemark in dem Spätjahr 1865 und im Winter 1866 bei Markarbeiten in verschiedenen Provinzen, auf verschiedenen Stellen, beim Schleifen von Grabhügeln, Grabkammern von groſsen Steinen entdeckt hat, welche von verschiedener Gröſse waren, und worin man Ueberbleibsel von menschlichen Körpern, nebst steinernen und bronzenen Gerätschaften antraf, hat man im Anfang Januar bei dem Dorfe /Enslev/, nicht weit von dem Städtchen Grenaae im nördlichen Jütland, eine Entdeckung gemacht, die nach meiner Ansicht von groſsem Interesse ist.
Man schleifte einen Grabhügel von 200 Fuſs Umfang und 16 Fuſs Höhe und fand in einer Tiefe von 2 Fuſs ein Skelett, bei dem ein thönerner Topf stand. Dieses Skelett lag auf einem groſsen Steine, der einen schmalen Gang deckte, und dieser Gang führte zu einer groſsen Grabkammer, welche 12 Fuſs lang, 6 Fuſs breit und 3 Fuſs hoch war. Zehn groſse Steine bildeten die Wände, und drei groſse, ebene Steine die Bedeckung. Die Kammer enthielt viel Erde und eine Masse von menschlichen Gebeinen, worunter zwanzig Köpfe; zwischen dieser Masse fanden sich zwei ausgezeichnete Dolche oder Messer von /Feuerstein/, eine Perle und zwei unbekannte Gerätschaften von /Knochen/, nebst sieben Perlen von /Bernstein/. Aber oben auf dieser ganzen Masse lag ein Skelett in ausgestreckter Stellung von Osten nach Westen. Der Kopf lag im Westen, dabei /bronzene/ Ueberbleibsel einer groſsen Nadel und eine Perle von gewickeltem /Golddrahte/. Es könnte beim ersten Anblick scheinen, als ob dies ein Begräbniſs sei aus dem Steinalter, welches im späteren Bronzealter noch benutzt wurde; aber hat man, um den oben Aufliegenden zu beerdigen, die groſse Masse Erde wegschaffen und die ungeheuren Decksteine aufheben können? Denn in der Grabkammer ist kaum Platz genug gewesen, um, von der Seite eindringend, den oben Aufliegenden auf der unten liegenden Masse von zwanzig Leichen aufzuheben und zu placieren. Sind aber die einundzwanzig Leichen hier auf einmal begraben, und ist erst dann die Kammer mit den ungeheuer schweren Steinen gedeckt worden, so müssen wir schlieſsen, daſs manche groſse steinerne Grabkammern jünger sind, ale man bisher in Dänemark geglaubt, und dem späteren bronzeführenden Volke zugeschrieben werden müssen.“
/Leiden/, 17. April 1866. L. J. F. /Janssen/.
44) In /Gera/, wo man 1852 gelegentlich von Erdarbeiten neben der Jahn’schen Maschinenbauanstalt auf eine heidnische Begräbniſsstätte mit Urnen, Bronzegegenständen u. s. w. stieſs, sind gegenwärtig beim Ausgraben in der Bahnhofstraſse, westlich vom Jahn’schen Etablissement, wieder in groſser Anzahl /Urnen/ nebst mehren /bronzenen Gegenständen ausgegraben/ worden. Augenscheinlich hat man hiemit die westliche Grenze dieses uralten Begräbniſsplatzes aufgefunden. Im nächsten Herbste sollen auf dem dazwischen liegenden Feldgrundstücke systematische Nachforschungen angestellt werden.
(Ill. Ztg.)
45) Unweit /Lilkeberg/ in Jütland wurden beim Umgraben einiger Hügel mehre /interessante Alterthümer gefunden/. Dieselben bestanden aus einem langen, dünnen, goldenen Drahte, der offenbar als Fingerzierde gebraucht worden war; ferner aus zwei Spieſsen, vier Ahlen, drei Messern, einer Nadel, einer Zange, einer Pfeilspitze und einer Schraube; alles von Bronze. Diese Gegenstände befanden sich auf dem Boden einer Gruft nebst einigen irdenen Urnen, die man jedoch nicht unbeschädigt zu Tage zu fördern vermochte.
(Dies.)
46) Bei /Pest/ sind unterhalb der alten Schiffbrücke durch die Baggermaschine einige /interessante Alterthümer/ aus der Donau zu Tage gefördert worden, die da wol 1500-2000 Jahre geruht haben mögen. Zwei dieser Gegenstände sind derartig petrificiert und mit Kiessteinen versetzt, daſs sich nur in dem einen an der frei gebliebenen, zweischneidigen Spitze ein Dolch von 10 Zoll Länge erkennen läſst, während die Eigenschaft des gröſsern Gegenstandes nicht anzugeben ist. Der dritte dieser Funde ist ein kurzes Römerschwert; ist der Griff gleich petrificiert, so erscheint doch die Klinge wohlerhalten. Sämmtliche Gegenstände sind an das Pester Museum abgegeben worden.
(Dies.)
47) Auf dem Rittergute /Woynowo/, in der Nähe von Bromberg, fand man beim Trockenlegen eines Teiches 4 Fuſs unter der Erde einen gut erhaltenen /Humpen/ aus Zink. Derselbe wiegt 6½ Pfd., ist 14 Zoll hoch und miſst 2½ Quart. Eingekratzt ist darauf ein Wappen, anscheinend vom deutschen Ritterorden. Das Wappen enthält nämlich zwei sich kreuzende Schwerter und ein Kreuz. An dem Henkel befindet sich rechts der polnische Adler, links das Bromberger Stadtwappen.
(Dies.)
48) Bei der Vornahme von Erdarbeiten in der /Hees/, eine halbe Stunde von Xanten im Kleve’schen gelegen, stieſs man auf groſse, steinharte /Thonröhren/ von etwa 3/4 Fuſs Durchmesser. Da der Fundort sich nicht sehr weit von dem ehemaligen Römerlager befindet, so lassen diese Röhren auf groſse unterirdische Wasserleitungen schlieſsen, welche in jener Zeit bestanden haben müssen.
(Dies.)
49) Von verschiedenen Seiten wird von der /Auffindung alter Münzen/ berichtet. In /Templin/, Provinz Brandenburg, ist am 11. März in einem Hofgarten ein irdener Topf mit kleinen, sehr alten Silbermünzen verschiedener Gröſse, die zusammen etwa 1½ Pfd. im Gewichte haben, ausgegraben worden. Einige Tage darauf wurden an derselben Stelle noch zwei Hände voll von denselben Münzsorten in der Erde gefunden. Laut Meldung belgischer Blätter hat ein Landmann zu /Jemelle/ eine Anzahl kleiner Bronzemünzen aus der Zeit Konstantins I. ausgegraben, und zu /Septfontaines/, einem Dorfe im Luxemburgischen, fand ein Hofbesitzer beim Einreiſsen einer Scheuer 700 Stück kleiner Silbermünzen, die meist in der Zeit Philipp’s des Schönen geprägt sind; doch finden sich auch einige von Ludwig dem Heiligen und Philipp dem Kühnen, eine einzige von Karl von Anjou, König von Sicilien, und ein Groschen der Stadt Dortrecht vor.
(Dies.)
50) Aus dem /Museum Francisco-Carolinum/ in Linz sind folgende Gegenstände /entwendet/ worden: das Gebetbuch des Erzherzogs Mathias von Oesterreich von 1588, und zwei gemalte Wappenbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert, unter diesen das Stammbuch des Philipp Waltinger, sodann die Verlassenschaftsabhandlung der Gemahlin des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, Tochter Kaiser Leopold’s, mit Randbemerkungen des Kurfürsten, und die Genealogie des Hauses Bayern und der bayerischen Geschlechter, mit Wappenabbildungen von Freimann von Randegg etc. Wie groſs die Zahl der entwendeten Autographen ist, läſst sich nicht bestimmen. Sicher ist nur, daſs ein Autograph Kaiser Leopold’s und ein solches des berühmten Naturforschers Schiffermüller, geboren zu Hellmansödt, vermiſst werden.
(Mgbl. z. Bayr. Ztg.)
51) /Eines der schönsten Werke Rembrandt’s/: „Lasset die Kindlein zu mir kommen,“ welches die Perle der kleinen Bildergallerie des Grafen Schönborn-Buchheim in Wien bildete, ist von dem Besitzer für 53,000 Thlr. an den Gruben- und Fabrikbesitzer Suermont in Aachen verkauft worden. Das Bild, für welches ein so auſserordentlich hoher Preis gezahlt wurde, ist nur 4 Fuſs groſs; es wird der Bildergallerie in der stattlichen Villa des reichen Industriellen einverleibt.
(Ill. Ztg.)
52) Das /Opitz-Denkmal/, welches in /Bunzlau/ aufgestellt werden soll, ist vom Bildhauer Michaelis in Breslau im Modell vollendet. Dasselbe besteht aus einem schlanken, vierseitigen Postament mit vorspringenden Ecken. Die Büste des Dichters ist nach einem Titelkupfer in einem seiner Werke modelliert.
(Dies.)
53) König Ludwig II. und König Ludwig I. von Bayern haben der Marktsgemeinde /Vohburg/ zur Erwerbung und Erhaltung des /alterthümlichen Thurmes/ am untern Thore daselbst, der im Mittelalter als Vertheidigungsthurm diente und im Jahre 1435 von Herzog Albrecht III., vermählt mit Agnes Bernauer, bewohnt wurde, seit mehr als 100 Jahren jedoch sich im Privatbesitz befindet, je 1000 fl. zugewandt.
(Korr.)
54) Nach dem Vorbilde der groſsen periodischen Urkundensammlungen, welche diesseits und jenseits der Alpen für die Erschlieſsung der archivalischen Schätze sorgen, erscheint seit dem Anfange dieses Jahres in Venedig eine Zeitschrift, welche sich die /Herausgabe von Documenten für die Geschichte, die Alterthums- und die Münzkunde/ zur Aufgabe stellt. Sie führt den Titel: „Raccolta Veneta. Collezione di documenti relativi alla storia, all’ archeologia, alla numismatica. Venezia nel stabilimento Antonelli.“ Das erste Heft ist von Niccolo Barrozzi als Redacteur gezeichnet. Die „Raccolta“ wird in drei Heften jährlich herauskommen und ihr Material namentlich aus den reichen Schätzen der venetianischen Archive schöpfen.
(Ill. Ztg.)
55) Die kgl. preuſs. Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte am 3. Juli 1862 die /Bearbeitung der Regesten der Päpste von Innocenz/ III. /bis mit Benedict/ XI. /als Preisaufgabe/ gestellt. Nachdem innerhalb drei Jahre keine Bearbeitung dieser Aufgabe eingegangen war, ist dieselbe Preisaufgabe mit verdoppeltem Preise (200 Dukaten) wiederholt worden. Die ausschlieſsende Frist für die Einsendung der dieser Aufgabe gewidmeten Schriften ist der 1. März 1868.
~Der Nutzen des germanischen Museums für die kunstindustrielle Thätigkeit unserer Zeit.~
Die Alterthumswissenschaft den Schöpfungen auf dem Gebiete der Kunst und Industrie unserer Tage nützlich zu machen, ist nicht nur eine sogenannte zeitgemäſse Idee; es ist nicht nur im Interesse der heutigen Schöpfungen, es liegt im Interesse der Wissenschaft selbst, in engen Verband mit der Kunstthätigkeit der Zeit zu treten. Selbst bei fleiſsigem Beschauen der uns von der Vorzeit überlieferten Objekte prägt sich nur ein flüchtiges Bild ein, das eben, weil es nicht eingehend, manchmal sogar geeignet ist, eine verkehrte Anschauung zu wecken und zu nähren. Je mehr man also Veranlassung hat, in das Wesen der Dinge einzudringen, desto eingehender wird man sie auch studieren. Nun liegt aber gerade in der Wiederanwendung der Prinzipien und Formen der dringendste Grund, sich genau damit bekannt zu machen. Der schaffende Künstler, der in einem gewissen Gebiete arbeiten will, wird sicher tief eindringen, da er in den eigenen Schöpfungen den Maſsstab für die Frage findet, ob er auch Alles, ob er auch jede Einzelheit der zu studierenden Gegenstände genau und richtig erfaſst hat. Eine solche Controle für die eigene richtige Auffassung hat der Gelehrte nicht. Es muſs also auch im Interesse der Wissenschaft liegen, wenn sie mit dem praktischen Leben in Verbindung gesetzt wird. Deshalb hat auch das germanische Museum von jeher mit Vorliebe darauf gesehen, solche Verbindungen herzustellen, die auf der andern Seite sicher der heutigen Kunst und Gewerbsthätigkeit in so auſserordentlicher Weise förderlich sind. Wir brauchen hier nicht auf die groſsen Anstrengungen hinzuweisen, die allenthalben in Frankreich und England gemacht werden; wir brauchen nicht daran zu erinnern, daſs das South-Kensington Museum in London und das neue k. k. Museum für Kunst und Industrie in Wien eigens dem Zweck gewidmet sind, das, was die Vorzeit uns werthvolles hinterlassen hat, der Gegenwart dienstbar zu machen, sowohl zu direkter Nachahmung, als auch zu Studien im Allgemeinen.
Solcher Objekte, die theils zum Studium in allgemein bildender Richtung den Industriellen dienen, theils direkte Nachbildung finden können, besitzt das germ. Museum in Original und Nachbildung eine groſse Zahl; noch reicher ist aber das Material, welches Bibliothek und Kupferstichsammlung des Museums bieten, und es könnte manchem Gewerbevereine, wie manchem einzelnen Gewerbetreibenden damit gedient sein. Das Museum könnte aber, wenn sich mehrere Gewerbevereine fest mit ihm verbänden, in dieser Hinsicht noch weit mehr thun. Wir glauben daher hier auch die Antwort des Museums auf eine Anfrage des Gewerbevereins zu Fürth dem Publikum, wie den übrigen Kunst- und Gewerbevereinen Deutschlands bekannt geben zu sollen, und es würde uns sehr freuen, wenn sich durch Verwirklichung des in dieser Antwort Ausgesprochenen das Museum in der Lage sähe, der heutigen Gewerbsthätigkeit so groſsen und wesentlichen Nutzen zu bringen.
/An den löblichen Gewerbeverein in Fürth./
Die verehrliche Zuschrift vom 17. April 1866 hat dem germanischen Museum von den Bemühungen des löblichen Vereins Kenntniſs gegeben, eine der Hauptaufgaben der Industrie unserer Zeit ins Auge fassen und die Erzeugnisse des Handwerks durch die Kunst veredeln zu wollen. Derartige Bestrebungen, die in England und Frankreich so gute Früchte getragen haben, werden auch bei uns nicht ohne Wirkung sein. Der Verein hat aber auch die richtige Basis für derartige Bestrebungen erkannt, indem auch in Frankreich und England die Museen, welche die Schätze der Kunst- und Gewerbsthätigkeit der Vorzeit umfassen, die Basis für alle derartige Studien waren.
Sind es nun schon in den französischen Museen neben den Werken der Antike vorzugsweise /deutsche/ Erzeugnisse des Mittelalters und der Renaissance, welche dem Studium geboten werden, so ist mit Recht vorauszusetzen, daſs deutsche Museen auf diesem Gebiete noch weit reichhaltigeres Material bieten müssen. Es war also ein sehr angemessener und nachahmenswerther Schritt des Fürther Gewerbevereins, das germanische Museum in dieser Richtung um seine Mitwirkung anzugehen. Das Museum besitzt in seiner Bibliothek kostbare Prachtwerke, die einzelnen Vereinen ganz unzugänglich sind, und hat in seiner Kupferstich- und Zeichnungssammlung eine solche Menge von Einzelblättern, daſs es in der That jedem Gewerbeverein viel Material liefern kann.
Das Museum übersendet daher gegen gefällige Empfangsbestätigung dem löblichen Vereine beifolgend einige Werke und Einzelblätter, die, ohne alles System gewählt, die Reichhaltigkeit der Sammlungen illustrieren sollen.
Was die in der verehrlichen Zuschrift angedeutete fortgesetzte Verbindung betrifft, so durfte solche dem Vereine jedenfalls förderlich sein. Der gröſste Nutzen für alle Theile würde jedoch dann entstehen, wenn ebenso, wie der Verein zu Fürth, eine Anzahl anderer Vereine mit dem Museum sich verbände und jeder Verein einen angemessenen Beitrag von vielleicht 50-100 fl. jährlich leistete. Das Museum würde alle diese Beitrage /ganz ausschlieſslich/ auf Anschaffung von kostbaren und theuern Kupferwerken und Einzelblättern, vorzugsweise Photographieen und nicht veröffentlichte Handzeichnungen, verwenden und diese bei allen Vereinen circulieren lassen. Würden sich auf diese Weise etwa 20 Vereine betheiligen, so könnte es das Museum übernehmen, jeden Verein fortwährend mit einer bestimmten Menge von Material zu versehen, das alle 4 Wochen regelmäſsig wechselte. Das Museum könnte auch in den Wintermonaten, wo seine Sammlungen weniger besucht sind, einzelne Objekte aus diesen Sammlungen oder ganze Serien einzelnen Vereinen zur Ausstellung auf je 4 Wochen zustellen, wobei allerdings das Museum nur solche Gegenstände senden könnte, für die durch den Transport kein Schaden zu befürchten ist, oder die durch die Vereine, im Falle sie Schaden leiden würden, eben wieder leicht ersetzt werden könnten, wie Gypsabgüsse u. s. w.
Wir hoffen, dem löblichen Vereine hier in seinen Anschauungen begegnet zu sein, und würden uns sehr freuen, wenn es dem Vereine gefiele, in Verbindung mit einer Anzahl anderer Vereine ein derartiges Abkommen mit dem Museum zu treffen.
/Nürnberg/, den 12. Mai 1866.
Hochachtungsvollst Der I. Vorst. d. germ. Museums A. /Essenwein/. Dr. J. R. /Erbstein/, I. Sekretär.
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
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ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.
1866. Nº 6. Juni.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Über einige mittelalterliche Elfenbeinschnitzwerke und besonders über ein Spiegelgehäuse im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark.
Von /A. Essenwein/.
Die Kunst der Elfenbeinschneiderei des Mittelalters hat uns zahlreiche kleine Werke hinterlassen und bietet uns so einen vollkommenen Ueberblick über ihren Entwicklungsgang. Da die Werke klein sind und sehr leicht in Gypsabguſs reproduciert werden können, so ist es auch möglich, eine gröſsere Anzahl zum Vergleichen neben einander zu legen. So hat die Arundel Society in London eine Serie von etwa 200 Stück in vortrefflichen Gypsabgüssen in Umlauf gesetzt, die alle Perioden vom 2. bis 17. Jahrh. umfassen.
Das germanische Museum besitzt auch eine ziemlich reiche Sammlung von solchen Gypsabgüssen neben einigen guten und werthvollen Originalen. Als charakteristisches Merkmal ergibt sich, wenn eine derartige Serie zusammengestellt ist, daſs der Betrieb dieser Elfenbeinschnitzerei ein ziemlich handwerklicher war, daſs eine einmal festgestellte Composition nicht blos unendlich variiert, sondern daſs sie auch vielfältig direkt copiert wurde. Es ist dies der Fall sowohl bei religiösen, als bei profanen Gegenständen. Von den älteren Werken erscheint jedes einzelne selbständiger, vielleicht aber auch nur, weil sie seltener sind. Von einer Darstellung wenigstens, der „/Tod Mariä/“, nach einer byzantinischen Composition, sind uns mehrere, fast identische Werke bekannt. So befindet sich eines im Museum zu Darmstadt, das im german. Museum durch einen Gypsabguſs vertreten ist; ein zweites in Kloster-Neuburg bei Wien, das gleichfalls durch einen Abguſs im Museum vorhanden ist. Letzteres ist auch publiciert in den Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Baudenkmale, VII. Jahrg., S. 142. Ein drittes Exemplar befindet sich im Musée Clugny zu Paris. Wir behalten uns vor, anknüpfend an jene Publikation der k. k. Central-Commission, auf diesen Gegenstand speciell zurückzukommen, und erinnern hier nur daran, daſs auch die byzantinische Kunst häufig Wiederholungen eines und desselben Gegenstandes zeigt, daſs also bei dem Einflusse der von Osten her auf die abendländische Kunst stattgefunden, nicht blos manche Motive, sondern auch die Anschauung herübergekommen ist, die zu einer handwerksmäſsigen, oft und oft wiederholten Copie einer und derselben Composition führte. Am auffallendsten tritt diese sich stets gleichbleibende und oft wiederholende Composition in den Werken des 14. Jahrh. auf. Manche Motive erhalten sich vom Schlusse des 13. bis in die Mitte des 15. Jahrh. und es ist häufig sehr schwer, einem Werke eine genaue Zeitstellung anzuweisen. Die Anbetung der heil. drei Könige, eine auf Diptychen und einzelnen Täfelchen so oft und oft wiederholte Darstellung, zeigt in deutschen und französischen Werken, die fast zwei Jahrhunderte umfassen, genau dieselben Figuren, oft in gröſserer oder geringerer Feinheit, aber stets im selben Kostüme, in derselben Stellung und Haltung. Es ist nicht das Zeitkostüm, wie es sich in den Gemälden findet; es sind stets dieselben nach einem Originale gearbeiteten Figuren. Im Allgemeinen -- es gibt jedoch auch hier Ausnahmen -- zeigt sodann die gröſsere oder geringere Feinheit, das gröſsere oder geringere Gefühl und Bewuſstsein auf die ältere, oder auf die jüngere Zeit, wo ein schon bekanntes Original gedankenlos von den Gesellen der Kunst reproduciert wurde.
Deshalb sind wir auch nicht so leicht geneigt, ein uns entgegentretendes rohes Werk so geradezu als Falsificat anzusehen, wie dies z. B. der sehr gelehrte französische Forscher Didron thut, der die Hälfte der vorhandenen Elfenbeinsculpturen, oft, wie es scheint, aus bloſser Laune, als Falsa erklärt hat. Sobald die Serie der Gypsabgüsse des Museums erst mehr completiert sein wird, hoffen wir von diesem Gesichtspunkte aus mancherlei höchst interessante Parallelen finden zu können.
Wir wollen hier jedoch das Gebiet der religiösen Darstellungen nicht näher berühren und auf das Profane übergehen, wo uns dieselbe Erscheinung entgegentritt. Fast alle die vielen Elfenbeintäfelchen (Schreibtäfelchen), Spiegelgehäuse, Kästchen, Kämme u. A. von der zweiten Hälfte des 13. bis zum Schlusse des 15. Jahrh. lassen sich auf wenige Grundmotive zurückführen. Wir übergehen hier die gewissen, theils viereckigen, theils sechseckigen italienischen Kästchen, die stets ein sich zugewendetes Paar derselben Figuren tausendfach wiederholen, an den Ecken blos mit anderen Figuren geschmückt sind, an den Deckeln die nackten geflügelten Menschenfiguren zeigen und aus verschiedenfarbigem Holz eingelegte Einfassungen haben. Uns selbst sind mindestens 30 derartige Kästchen zu Gesicht gekommen. Wir heben eine Gruppe zweier Figuren hervor, die in verschiedenartigen Situationen neben einander stehen. So befindet sich in der fürstl. wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen ein vom germanischen Museum in Gypsabguſs veröffentlichtes Täfelchen (abgebildet bei Eye u. Falke, Kunst und Leben der Vorzeit), das auf beiden Seiten geschnitzt ist; es zeigt einerseits unter einem Baum knieend einen Mann und eine Frau, auf dem Baum Amor, eine geflügelte Jünglingsgestalt mit einer Krone auf dem Haupte, zwei Pfeile auf die unten Knieenden versendend. Der Herr hat einen Falken auf der Hand. Auf der andern Seite des Täfelchens sind die beiden Figuren stehend; der Herr setzt der Dame einen Stirnreif auf. Ein Täfelchen genau von derselben Gröſse, das jetzt im Original im germanischen Museum sich befindet, zeigt gerade dieselben Figuren zu Pferde reitend, auf die Jagd ausziehend; wie die beiden früheren Darstellungen ihre Parallelen in einigen Täfelchen des Louvre und des Musée Clugny zu Paris finden, so auch das gegenwärtige, das daselbst mehrmals vorhanden ist, wobei jedoch das des germanischen Museums alle diese in Paris vorhandenen an Feinheit und Zartheit übertrifft, ohne daſs ihm jedoch eine gewisse Härte abzusprechen ist.
Dieselbe Darstellung befindet sich auch auf einem Diptychon, das im Gypsabguſs im germanischen Museum vorhanden ist und dessen zweites Täfelchen dieselben Figuren, Schach spielend, zeigt. Auch einen Hasen jagend finden sich ähnliche Figuren. Die Schachscene findet sich wieder auf einem Spiegelgehäuse im Besitze des Prof. v. Hefner-Alteneck in München und einem zweiten in der Serie der Arundel Society; ebenso wiederholt die Reiterscene in dieser Serie.
Andere Spiegelgehäuse derselben Serie zeigen die Erstürmung einer Minneburg. Sie haben gleichfalls ähnliche Figuren; eines gehört der Sammlung von A. Fountaine an, ein anderes dem Kensington Museum in London. Auf einer Büchse im Museum zu Boulogne, deren in vier Felder getheilter Deckel gleichfalls unter den Gypsabgüssen der Arundel Society sich befindet, ist ebenfalls diese Minneburg abgebildet. Ein sehr schönes Exemplar eines Spiegelgehäuses mit einer Minneburg befindet sich im Museum zu Darmstadt (abgebildet in den Denkmälern der Kunst von Voit, Caspar, Guhl, Lübke). Hier führen die Damen ihre Ritter über eine Treppe in die Burg, auf deren Zinnen bereits mehrere Figuren zu sehen sind. Eine andere Scene zeigt die Minneburg auf dem Spiegelgehäuse der wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen, das durch das german. Museum in Gypsabguſs vervielfältigt ist. Hier steht oben auf den Zinnen der Burg Amor, mit dem Bogen Pfeile versendend; es ist fast dieselbe Figur, wie auf dem früher genannten Täfelchen zu Maihingen. Hinter den Zinnen stehen Damen, die Rosen auf die Angreifer herunterwerfen. Ein Theil der Angreifer hat schon die Mauern erstiegen und liebkost die Damen, die sich ergeben haben. Einer der Angreifer schieſst Rosen aus der Armbrust; ein anderer ist stehend auf dem Sattel seines Pferdes zu sehen, von wo aus er eine der Damen, die an einer Luke steht, liebkost; ebenso hat ein anderer Herr an der entgegengesetzten Seite bereits eine der Damen umschlungen, die eine Luke besetzt hält. Aus dem Thore sprengen zwei Damen zu Pferde gegen zwei Ritter, die mit eingelegter Lanze ihnen entgegenreiten. Die Lanzen haben statt der Spitzen Rosen und eine der Damen hat statt derselben einen Zweig mit drei Rosen. Die Ritter haben Rosen auf ihren Schilden; zu beiden Seiten sitzen Jünglinge auf Bäumen und blasen zum Sturm. Einem derselben reicht eine Dame von der Zinne aus einen Kranz; der zweite wird von einer andern Dame mit Rosen beworfen.
In vielen Zügen mit dieser Darstellung verwandt, jedoch wieder wesentlich davon verschieden, ist der Schmuck eines Spiegelgehäuses, das gegenwärtig im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark sich befindet und vom steiermärkischen Verein zur Förderung der Kunstindustrie in Gypsabguſs verbreitet worden ist. Es sind dieselben Personen in anderer Handlung. Es zeigt sich die Breitseite eines viereckigen Baues; in der Mitte das mit dem Fallgatter verwahrte Thor, neben dem zu beiden Seiten halbrunde Vorbauten angebracht sind. Zu oberst auf den Zinnen steht der Liebesgott, gekrönt, mit ausgebreiteten Flügeln, dem auf dem kleinen Täfelchen zu Maihingen vollkommen gleichend. Er hält einen Speer gesenkt in der Rechten, auf der linken Faust sitzt ein Falke. Er nimmt nicht Theil am Kampfe und erscheint gleichsam als Herr und Gebieter, der die Vertheidigung der Burg leitet. Zur Rechten ein liebendes Paar; zur Linken ein verwundeter Krieger, umgesunken in den Armen einer Dame, die ihn pflegt. Aus dem Thore stürmen zwei Ritter hervor, und hier gilt es nicht einen zarten Kampf mit Rosen, sondern mit geschwungenem Schwert holt einer der von auſsen anstürmenden Ritter gegen einen der inneren aus, der den Hieb zu parieren scheint. Der zweite hinter demselben hat den Speer eingelegt, und ein zweiter, der den Speer auf der Schulter trägt, kommt auch hinter dem äuſsern Ritter hergeritten. Beide Kämpfende, sowie die mit den Speeren, tragen den geschlossenen Helm auf dem Kopfe. Auf den Decken der Pferde, wie auf den Schilden, haben jedoch beide das gleiche Zeichen, -- Rosen. Ein Kämpfer mit einer Eisenhaube dagegen hat eine Rose als Pfeil auf der gespannten Armbrust liegen, um sie gegen die Burg zu entsenden. Hinter ihm steht eine mit Rosen beladene Schleudermaschine. Wie die Burg des vorhin angeführten Spiegelgehäuses, so hat auch die gegenwärtige zwei halbrunde, thurmartige Vorbauten neben dem Thore, die niedriger sind, als der Hauptbau. Auf der Spitze der einen steht ein kosendes Paar und eine einzelne Jungfrau, die einen Stirnreif hält, der etwa dem Armbrustschützen zugedacht sein könnte. In einer groſsen Spitzbogenöffnung dieses Vorbaues ist wieder ein kosendes Paar zu sehen. Unmittelbar über der Pforte befindet sich ein viereckiges Fenster, aus dem zwei Damen heraussehen, von denen die vordere aus einem Korbe Rosen über die aus dem Thore hervorbrechenden Ritter wirft, die zweite aber einen Stirnreif einem jungen Manne reicht, der auf der Platte des zweiten Vorbaus steht. Eine Dame auf der Platte dieses Vorbaues hilft einem auf einer Strickleiter emporklimmenden, noch ganz gewappneten Ritter (nur den Helm hat er abgelegt) in die Höhe, während ein zweiter eben unten die Strickleiter befestigt; die Pferde beider stehen ledig unten. Den Abschluſs zur Seite bietet ein ganz ungewappneter Bogenschütze auf einem Baume. Da der gespannte Bogen in seinen Händen keinen Pfeil erkennen läſst, so ist anzunehmen, daſs er ebenfalls eine Rose versende. Im Ganzen befinden sich demnach auf dem Schnitzwerk 22 Personen und 4 Pferde. Die Composition ist lebendig und selbst was wir heute malerisch nennen; doch ist der Sache und der Deutlichkeit des Ausdrucks so weit Rechnung getragen, daſs sich der Maſsstab der Burg nicht nach dem der Menschenfiguren richtet, sondern die Burg eben nur als Andeutung erscheint; ebenso sind die Bäume mehr ornamentale Andeutungen, als Bäume selbst. Die Bewegung der Figuren entspricht vollkommen dem 14. Jahrhundert.
In Bezug auf das Kostüm scheint uns keine andere Bemerkung nöthig, als daſs hieraus wieder zu ersehen ist, daſs Schild und Helm nur unmittelbar beim Kampf selbst benützt wurden; daſs die noch immer in Eisen gekleideten Krieger, welche nicht unmittelbar kämpfen, den Helm abgelegt haben; daſs sie endlich bei der Geliebten ohne jedes Kampfgewand erscheinen. Hinsichtlich der sehr interessanten Schleudermaschine können wir nur auf Viollet-le-Duc’s Artikel „Engin“ in seinem Dictionnaire de l’architecture française verweisen.
Wenn in dem Spiegelgehäuse aus Maihingen lediglich der Kampf zwischen Herren und Damen geführt wird und mit der Ergebung der Damen endet, so erscheint hier als neues Motiv noch der Kampf der Ritter unter sich um die Minne eingefügt, ein Kampf, der nicht mit Rosen, sondern mit Speer und Schwert ausgefochten wird.
Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s v. J. 1548.
Unter diesem Titel hat J. Franck, ein vorbedeutungsvoller, schöner Name für einen Sammler deutscher Sprichwörter, in dieser Zeitschrift, 1865, Sp. 388 ff., überaus schätzbare Mittheilungen über Agricola’s Sprichwörter veröffentlicht, deren thatsächlicher Inhalt eines aufrichtigen Dankes gewiſs ist. Nur geht der Verfasser von der irrthümlichen Voraussetzung aus, daſs er zuerst einer herrschenden Meinung gegenüber den wahren Charakter jener späteren Sammlung dargethan, und kommt andererseits, was noch bedenklicher ist, auf Grund unzureichender oder miſsverstandener Angaben zu der sicher falschen Schluſsfolgerung, es müſsten zwei Ausgaben der 500 Sprichwörter Agricola’s vom Jahre 1548 nebeneinander existieren.
Der Berichtigung dieser beiden Irrthümer bestimmen wir die nachfolgenden Zeilen und verbinden damit zugleich die Beseitigung einer oder der anderen kleinen Ungenauigkeit in dem gedachten Artikel. Wir hoffen damit dem geehrten Verfasser selbst und der gemeinsamen Sache einen Dienst zu thun; ihm also zunächst sei das Nachstehende zur vorurtheilslosen und strengen Prüfung anheimgegeben.
I. Es ist /keineswegs/ „bis jetzt allgemein angenommen, daſs die 500 Sprichwörter Agricola’s eine nur verkürzte Ausgabe, eine epitome der früheren“ von 750 (749) sei. Ebensowenig ist zu beweisen, daſs die bisherigen Paroemiographen die fragliche Ausgabe „nicht selbst gesehen haben.“
Ich vermag blos unter unseren Zeitgenossen -- denn der Lebende hat Recht -- bereits drei namhaft zu machen, die auf Grund autoptischer Kenntniſs von der fraglichen Ausgabe, wenigstens im Vorbeigehen, gehandelt haben: Zacher, C. Schulze und, den ich als dritten, wo es sich um Thatsachen handelt, unbedenklich hinzufügen darf, ich selber.
/Zacher/ hat die Ausgabe mit Nr. 17 bezeichnet, d. h., wie aus der Vorrede seines Werkes ersichtlich ist, er hat die Ausgabe in der Meusebach’schen Bibliothek vorgefunden und nach Autopsie beschrieben.
C. /Schulze/ bezeichnet die Ausgabe in einer Uebersicht sämmtlicher Ausgaben von A’s Sprichwörtern als den dritten Theil dieser seiner schriftstellerischen Thätigkeit (Herrig’s Archiv, 1862, S. 154) und rechtfertigt diese Bezeichnung gegen einen übereilten Angriff von meiner Seite, ebend. 1863, S. 115.
Ich selber habe in der gedachten Zeitschrift, 1862, S. 475, und in meiner Schrift über Agricola’s Sprichwörter (Schwerin, 1862), S. 53, mit wenigen Worten, aber für meinen damaligen Zweck ausreichend, von diesem Werk A’s. gesprochen.
Franck hat demnach nicht das Recht, von einem allgemeinen Irrthum zu reden, während er allerdings mehr wie jeder andere dazu beigetragen hat, den wahren Charakter dieser späteren Sammlung in’s Licht zu stellen. Die Schätzbarkeit dieser seiner Mittheilungen ist aber gerade der Grund, weshalb wir auch leichtere Versehen berücksichtigen.
II. Sp. 390 das Sprichw. von S. Rochus, Nr. 168, steht Bl. 74a; Spalte 391, Spr. Nr. 290 und 301, stehen Bl. 135a und 138b. An der ersten Stelle hat allerdings auch die Ausg. von 1548 den Druckfehler 235; während doch der ganze Text nur 188 gezeichnete Blätter enthält. Die Ueberschrift „von Halb Rittern, vnnd geflicktem Adel“ geht nicht auf Spr. 393-411, sondern blos auf Nr. 393, die aus dem Renner entlehnte Fabel von dem Maulthier, das sein Geschlecht verleugnet; die nächsten Sprüche schon haben mit der echten oder vermeinten Geschlechtsehre nichts mehr zu schaffen. Im Uebrigen füge man diese unsere Stelle zu den von K. Janicke gegebenen Nachweisungen hinzu; s. seinen Artikel: Die Fabeln und Erzählungen im Renner des Hugo von Trimberg, in Herrig’s. Archiv, 1862, S. 162.
Sp. 392 rühmt Franck an Agricola, daſs diese seine Sammlung wirklich, wie der Titel verheiſse, /newe/ Sprichwörter bringe. Nur die Nummern 8, 54, 167, 169 und 218 (l. 288) fänden sich, wie er nach wiederholter Vergleichung wahrgenommen, bereits in der älteren Sammlung. Die wiederholte Vergleichung Franck’s ist aber nicht im Stande gewesen, /alle/ Aehnlichkeiten und Gleichheiten ausfindig zu machen. Es lassen sich nämlich, ohne daſs wir unsererseits Vollständigkeit verbürgen können oder wollen, noch folgende Nummern hinzufügen.
1548. Nr. 42. Wer viel redet, der leuget gerne. = 1529. Nr. 211.
1548. Nr. 92. Du hast ain starcken Rucken. Er kann xx.xxx person die hohe stiege hinauff tragē. = 1529. Nr. 199. Er ist starck ym rucken. In der Erklärung: Wenn man nu einen hoeflich verreterey zeyhen will, so sagt man, Er hat einen starcken rucken, er kan ein man, funffzehen, zwentzig auff ein mal die stiegen hynauff tragen, das ist, Verraten.
1548. Nr. 149. Er spart der warhait. = 1529. Nr. 423.
1548. Nr. 161. Er wird den Ringken an der Thür lassen. = 1529. Nr. 274.
1548. Nr. 183. Was du mir flüchest oder wünschest, das bestehe dein aignen Hals. = 1529. Nr. 489. Was du mir fluchst, das bestehe dein halſs.
Begreiflicherweise gilt dieselbe Zählung von jeder späteren Ausgabe der 749 oder 750 Sprichwörter des Agricola. Die erste, die in runder Zahl von 750 Sprüchen redet, ist die von Franck angezogene von 1534.
Noch erheblicher ist endlich
III. der Irrthum Franck’s hinsichtlich der verschiedenen Ausgaben der 500 Sprichwörter von 1548. Was er als sichere Gründe für diese Vermuthung hinstellt, hat sich mir bei nähererer Prüfung insgesammt als hinfällig erwiesen; ich wünsche und hoffe geradezu, für den folgenden Nachweis seine ausdrückliche Zustimmung zu finden.
Francke stützt sich darauf:
a) Nopitsch und Zacher reden von einer Ausgabe „ohne Vorrede und Register.“ Der erstere biete auſserdem in seiner diplomatisch-treuen Titelangabe eine abweichende Zeilen-Abtheilung.
b) Buchholzer, ein theologischer Gegner Agricola’s, behauptet ihm gegenüber, gewissermassen, um Agricola’s Antinomismus durch seine eigenen Worte zu widerlegen, er habe in seinen Sprichwörtern von 1548 deutlich gesagt, daſs „gute Werke nöthig seyn zu der Seligkeit.“ Franck hat einen derartigen Ausspruch bei Agricola nicht finden können.
Am leichtesten läſst sich das äuſsere Argument zurückweisen. Die ganze Abweichung bei Nopitsch geht darauf hinaus, daſs er in den Worten /durch/ J. Agr. E. die Präposition als eigene Zeile zu bezeichnen versäumt hat. Wenn aber Nopitsch und Zacher davon reden, daſs die Ausgabe ohne Vorrede 188 Bll. enthalte, so würde ich das, auch ohne Einsicht meines eigenen Exemplars, dahin verstanden haben: ungerechnet der Vorstücke sind es 188 Bll. im Ganzen. Um aber ganz sicher zu gehen, wandte ich mich nach Berlin, wo das von Zacher benutzte Exemplar sich befindet, und erhielt unter dem 22. Jan. von Herrn Dr. Schrader folgende freundliche Erwiederung meiner Anfrage, die jede weitere Erörterung abschneidet: „Ihre Vermuthung über die Agricola-Ausgabe von 1548 ist die richtige. Es sind 20 Blätter Vorstücke, signirt ~Aa~, ~Bb~ und ~A~. Dann folgen, mit der Signatur ~B~ beginnend, die foliirten Blätter 1-188.“
Hinsichtlich des inneren Grundes ist einzuräumen, daſs Agricola wie in der früheren Sammlung, so auch hier das Princip der Rechtfertigung durch den Glauben auf das nachdrücklichste betont hat, und sein Antinomismus nicht selten hervortritt; man sehe z. B. Bl. 102 a die Gerechtigkait, die vor Gott gildt, ist nicht auſs dem Gesetze, Sondern on das Gesetze, offenbaret, auſs glauben ff.
Gleichwohl findet sich eine Stelle, die eine Auffassung wie die von Buchholzer sehr nahe legt, und nur bei strenger Vergegenwärtigung der Persönlichkeit Agricola’s ist man vor Miſsständniſs geschützt. Agricola selbst wird auch hier eventuell den Geist seiner Worte gegen ihren Buchstaben vertreten haben. In Spr. 9. /Es gehört auff alle Fragen nicht antwort/ bemerkt Agricola einleitend: auf Narrenfragen sei keine Antwort erforderlich, wohl aber auf Fragen über Gott und sein Wesen. Er unterscheidet dann in Gott den geoffenbarten und den verborgenen Willen und sagt hinsichtlich des ersteren:
„In diesem geoffenbarten willen, sollen wir beharren, dann inn den ist gefaſst der rechte Gottesdienst, ins wort vnd in die Sacrament, da hat die seele vnnd das hertz aines menschen frid, inn aller fahr vnd not, vnd (Bl. 23a) waiſs, wa es trost vnd hilffe suͦchen vnd finden sol. Nämlich bey Gott, durch Christum. Zum anderen, so soll man auch den leib, das leben, handel vnd wandel, mässig, züchtig, auffrichtig, /in allen guͦten wercken/ regiern vnnd halten, anderen leütten zum dienst, zuͦ rhaten, und zuͦ helffen. Hiernach soll man fragen, vnd on vnderlaſs diſs leeren, vermanen, vnd alle welt, die darnach fragt, berichten vnd beantworten. Dann hiedurch wirt verantwortet, alles was not ist zur säligkait.“
Ich sollte meinen, Buchholzer könnte diese Stelle mit seiner obigen Aeuſserung recht gut im Sinne gehabt haben. Ob er sie recht verstanden, ist eine andere Frage, die uns auſserhalb des eigentlich literarischen oder philologischen Bodens stellt. Genug, daſs von keiner Seite ein Grund vorliegt, für die Sprichwörter von 1548, d. h. für die 500 /neuen/ Sprüche, eine doppelte Ausgabe anzunehmen.
Si quid novisti rectius istis, Candidus imperti; si non, his utere mecum.
/Schwerin/, im Februar 1866.
/Friedr. Latendorf./
_Nachschrift._ Zur Vervollständigung des obigen Beweises ist vielleicht einem oder dem andern Leser ein Verzeichniſs von Irrthümern Agricola’s nicht unwillkommen, die sicherlich in allen Exemplaren des fraglichen Druckes wiederkehren; auch sind sie gewissermassen ein Zeugniſs für die schriftstellerische Naivetät des 16. Jahrhunderts. Ein ähnliches Verzeichniſs für die ältere Sammlung habe ich in meinem Buch über Agricola’s Sprichwörter, 1862, S. 79, zusammengestellt. Auſser dem Druckfehler /thierern/ für /thieren/ in Nr. 158, s. Franck im Anz. 1865, Sp. 391 nenne ich:
Spr. 1. Bl. 5a wird von einem weisen Mann „Melicerla in der Insel Melita“ erzählt, er habe zwei Truhen für empfangene und vertheilte Wohlthaten geführt, deren erste immer leer geblieben sei. Im Alterthum ist dies von Simonides überliefert worden; siehe Agricola’s Sammlung, Spr. 202 und mein Buch über Agricola, S. 18.
Spr. 2. Bl. 9b. bittet Minerva den Jupiter, den „bey der Bosen haut Cyrce“ (l. Kalypso) weilenden Ulysses zu befreien.
Spr. 2. Bl. 11b nimmt Dionysius dem Aesculap den goldenen Bart, da sein Vater Jupiter (l. Apollo) bartlos sei.
Spr 153. Bl. 64b nennt Agricola den Creon den Eidam (Aydem) des Oedipus; er konnte ihn doch nur Oheim oder Schwager nennen.
Spr. 191. Bl. 83b es ist gefarlich, bey den herren am Tische sitzen, wie dann Cambysis Küniges zu Persien, und des grossen Alexanders historien zeügen mit Clito, Parmenione, vnd /Collophone/ (l. Philotas oder einen andern passenden Namen).
Spr. 252. Bl. 115a wird Marius unter den Zeitgenossen des Octavian aufgeführt.
Eine neue Flugschrift über den englischen Schweiſs des Jahres 1529.
Mitgetheilt von Dr. H. /Häser/ zu Breslau.
Herr Dr. /Davidson/ der Aeltere, praktischer Arzt hierselbst, ein bewährter Freund der Geschichte der Medicin, war vor Kurzem so glücklich, auf der hiesigen kgl. Bibliothek ein bis jetzt völlig unbekanntes, gleichzeitiges Dokument über die Schweiſsseuche des Jahres 1529 zu entdecken, und so gütig, es mir Behufs der Veröffentlichung mitzutheilen. Die letztere wird um so mehr gerechtfertigt sein, als das Original, wie es scheint, von der gröſsten Seltenheit ist. Wenigstens haben weder /Gruner/, der für seine groſse Monographie über 20,000 Schriften nachschlug, noch ich selbst bei der Herausgabe des durch eigene Nachträge vermehrten /Gruner/’schen Werkes (Scriptores de sudore anglico superstites collegit Christ. Gottfr. /Gruner/; post mortem auctoris adornavit et edidit Henricus Haeser. Jenae, 1847. 8.) von der Existenz desselben eine Ahnung gehabt.
Von Interesse ist, daſs die Schrift selbst nicht Original, sondern Uebersetzung eines andern anonymen in niederdeutscher Sprache gedruckten („excussus“) „Regiments“ ist, welche sich vielleicht noch auf einer norddeutschen Bibliothek vorfindet. Die lateinische Uebersetzung besteht aus drei Blättern in Quart, ohne Angabe des Druckortes. Aus der Dedication an zwei Geistliche in Würzburg und Mellerstadt läſst sich vermuthen, daſs sie in Franken, und, da der Uebersetzer, /Bartholomaeus Zehner/, auf dem Titel „optimae indolis adolescens“ genannt wird, also wahrscheinlich Student der Medicin war (auſserdem auch das Wohlwollen seiner Gönner gegen „omnes bonos et studiosos“ hervorhebt), daſs sie zu Würzburg gedruckt wurde. Aus dem Datum der Vorrede (nonis Sept. 1529) ergibt sich, daſs das Schriftchen erschien, während die Seuche in Norddeutschland allgemein verbreitet war, und kurz vorher, ehe sie in Süddeutschland auftrat. (Frankfurt 11. Sept. -- Franken Ende Sept.)
Neues bietet die ihrem Zwecke gemäſs wesentlich therapeutische Schrift nicht; sie huldigt selbst noch dem im ferneren Verlaufe der Seuche als nachtheilig erkannten 24stündigen Schwitzen. Im Uebrigen sind die ertheilten Vorschriften durchaus zweckmäſsig; erfreulich ist namentlich die Warnung vor den Rathschlägen von „Ungelehrten“ und „allerhand Aerzten.“
* * * * *
REGIMEN MORBI ISTIUS
nuper exorti, qui per sudorem exitium affert, in salutem omnium & sanitatem Christifidelium, ex vernacula lingua latinitati donatum per optimae indolis adolescentem.
Bartolomeum Zehner.
Anno Millesimo Quingentesimo vicesimonono Nonis Septembris. DIGNISSIMIS CHRISTI SACERDOTIBUS Andreae Fabro Canonico Haugensis ecclesiae Herbipolis, & Chiliano Ruperti Mellerstattino. Dominis suis & Maecenatibus obseruandis
Bartolomeus Zehner.
Nuper peruenerat in manus meas libellus quidam, continens remedia & regimen, quod dicunt, contra illam nouam pestem, quae ex sudore inferre praesentissimum homini exitium, dicitur, hic quia vernacula lingua inferioris Germaniae excussus erat, non poterat apte dono mitti hominibus superioris Germaniae, quia ferè parum aut nihil in eo intellexissent nostrates. Transtuli ergo in latinam linguam, non tamen in hoc vt publice ederetur, sed vt vno & altero descripto gratum facerem amicis nostris. Quod cum vidisset alter atque item alter apud me, non destiterunt precibus me cogere & minis quousque me vicissent vt tandem publice assentirem aeditioni. Quare optimi Maecenates colendi sui domini, si qua vtilitas in rem illinc publicam manare posset, volo vobis acceptum ferendam esse, qui omnes bonos & studiosos amore et officijs amplecti et vobis deuincere numquam cessatis.
Valete. OMNIBUS PIIS ET CHRISTI FIDELIBUS SALUS ET GRA- tia à Domino deo.
Non dubium est, noui hoc morbi genus immissum à deo optimo Maximo in vindictam & vltionem negligentiae & contemptus praeceptorum & salutaris verbi sui, sicut & olim varia genera eandem ob caussam exorta sunt, & afflicturum varijs quoquè pestibus comminatus sit, quia fallere non potest deus. Deut. 28. Leui. 26. Istud apparet manifestissime, quia abundanter & copiose verbum nobis reddidit suum nostris turpibus aliquandiu absconditum & subductum propter peccata nostra, nec tamen quisquam est, heu, qui accipiat vel tribuat cum virtute. Euangelizantes annuntiare debentes pacem, nescio quomodo permisceant coelum terre omnia peruertentes qui aedificare deberent in concionibus agentes magis histriones quam veri verbi praecones. Auditores autem quem fructum referunt? acceptis zizanijs non gignunt certe ficus vel vuas, nam vtcunque isti protracti sunt forte in odium vel cleri vel potestatis vel proximi jamsatis ante illis iniquiores, porrò insaniunt & saevire gestiunt in eos amplius: Ita salutare dei verbum, fit nobis offendiculum & petra scandali, quo nostra vita adiuuari debuerat. Verbum enim in medium positum poenitentiam primum agere praecipit omnibus, & vt à suis peccatis quisque conuertatur, primum trabem de oculo suo nequam amoueat & deinde fratrem benigne adiuuet, non persequatur & grassetur in eum, quod Abangelici fecerunt.
Quare mirum non est, cum omnes declinemus, nemo sit qui faciat bonum vsque ad vnum etiam, imò cum non solum in vetera peccata relabamur, sed etiam praua mens nostra quotidie peior fiat inquirendo assidue fraudes, voluptates astutias, malas artes technas quibus irritatur deus, mirum, inquam, ergo non est & iustum deum nouas quotidie pestes iacere, ferreas parare virgas, quibus nos ad frugem compellere vult, bonitate & longanimitate sua nimis quam satis diu nunc abutentes. Qui vero pij & nondum obdurati corde sunt, metuentes iram diuinam, placarique eam satagentes, ne in ea corripiantur arguti in furore, redeant in viam, poeniteat peccatorum primumque ex toto corde auertantur à vijs suis pessimis, reuertentes ad veram viam quae Christus est, per quem apud patrem misericordiarum non minorem gratiam obtinebimus imò abundatiorem quam filius ille prodigus Lucam 15. modo eandem humilitate & confessione testemur indignitatem nostram.
Qui autem corriperentur sudante isto morbo. Ante omnia dedant se primum deo voluntatem eius in se patientissime ferant, obsecrantes, vt quicquid sibi intulerit mali, ipse qui author sit omnis boni, in bonum vertat, spemque suam ita in deum erigat & confirmet, vt certum habeat, Deum qui affligat corpus nunc suum, maiori misericordia anima subuenturum suae, Cum sciamus, ipsum corripere quos diligit.
Mente ita confirmata, quia omnis cura sui subreiecta sit in deum, obseruemus nihilominus nos ipsos regimine subsquenti.
Sciendum est ergo, variam esse inuasionem huius morbi. Quidam enim primo corripiuntur turbatione aliqua, quidam trepidatione & commotione, quidam vero frigida concussione quatiuntur.
Alij autem calida turbatione cum sudore & angustijs, qui & ipsi tremore commouentur.
Alij occupantur ab hoc morbo in somno, vt sudare postea euigilantes incipiant.
Alij quoque, rarius autem istud, nimio labore fatigati, & alij calidioribus poculis grauati contrahunt istum sibi morbum.
Vtcunque sit initium morbi, remedium eius idem est. Qui tenetur illo si decumbit in lecto, ne surgat, sed contineat se in eo, foveaturque quam calidissime quod fieri possit. Innoxium tamen esset si statim ex vuo lecto in alterum transiret ab initio, non postea, ne vllus cum apprehendat aer, qui praesentissimum ex hoc morbo infirmis parit exitium. Qui ex via, stans & gradiens hoc malo inuaderetur (_sic_), quantum possunt ad lectum properare debent, nee vestes exuant, sed ita simul cum vestibus decumbant, soluere tamen possunt vestes propter respirationem. Lectus vero sit amplus et spaciosus, propter timorem furoris qui accidere solet ex vehementia doloris. Si vero haberi non potest, in solo sternatur, vt commodius retineantur aegroti furere incipientes, & conseruentur ne aliquid aeris illos contingat. Contineantur ergo 24. horis in lectis cooperti stragulis, summa cura semper habita ne afflentur aere. Moderato tamen calore, ne vel ille aut frigus redundent, temperatus enim plurimum proderit. A lateribus tamen stragula onerari potest ne quicquam aeris ad aegrotum irrumpat, quando forte moueret se de latere in latus.
Nullum ergo membrum in viginti quatuor horis nudetur, vnicum caput appareat, totum reliquum corpus diligentissime à vento preseruetur. Sudor autem à facie bene potest abstergi aegrotantis, calefactis modo id fiat sudarijs. Praterea si angustiaretur nimium aegrotus propter spiritum posset aliquantulum laxari circa gutturem stragula: conseruentur saltem perpetuo calore scapulae, inferioraque membra ne aliquo frigore corripiantur.
Insuper, diligentia sit, ne aegrotum dormire permittant qui curam eius susceperunt praescripto temporis spatio. Nam ex somno feruor ille colligeret se in caput, & duplex periculum pareret.
Potus quoque porrigatur hoc morbo male habenti, qui neque frigidior nec sit calidior, sed temperatus. Cereuisia scilicet leuior, vel eiusmodi. Bibat autem ex vase angusti oris, ne sibi ipsi damnum det auidius ingurgitando, melius tamen esset abstinere prorsus à potu. Quando autem fieri hoc non potest, parcius quoad potest bibat. Ad haec vti possunt ad confortandum conseruatiuis rosarum, saccaro candido, & alijs pectus confortantibus. Caueat autem quisque ne se temere indoctis & quibuslibet medicis credat. Quia maior pars sine vlla medicinarum cura conualescit.
Sudor plerunque durat infirmis illis per duodecim horas, postea ex ingenti aestu maximum cruciatum sentiunt, tum autem diligentius conseruandi sunt ab omni afflatu aeris, item à somno arcendi.
In hac angustia, refici possunt, odoramentis suauibis vt naribus eorum adhibeatur pauniculus in aquam lauendularum vel rosarum tinctus. Poterunt & innoxie aquis illis circa tempora, & frontem refrigerari, panniculo tamen non nimium madido, sed bene expresso.
Quamuis plerunque hoc regimine, mediante gratia dei, subuentum sit multis, Cuius auxilio si certo confidimus & aliis subueniri potest, tamen post horas viginti quatuor expletas nondum cesset diligentia, sed tunc sollicite attendant & prouideant, vt aegro porrigantur sub stragulas calefacti panniculi, quibus abstergat sudorem. Deinde quoque interulam similiter calefactam quam & ipsam sub stragulis induere debet, tum demum leuetur ex lecto & quam mox circumdetur vestibus suis, ponaturque ad ignem camini qui non sit vltra mensuram extructus. Exindeque cibus ei praebeatur modicus si postulat, non autem qui frigidus sit. Et hoc cito reficiat se modicum. Lectus vero vertatur, & cooperiatur nouis & tepidis linteaminibus, nec multo post reponatur in eum infirmus, quietique parum indulgere permittatur.
Porrò, cum iam post viginti quatuor horas periculum cesset, consultum tamen nihilominus est aegro, vt post aliquot dies vel biduum aut triduum se ipsum custodiat à frigoribus, totumque corpus calidum conseruet, sudoremque qui forte proueniret, quam mundissime semper abstergat, & istud praecipue tempore mutationis lunae.
Praegnantes, aliquod continuis diebus ita regant se, vel partu proxime vel in ipso partu, tantisper, dum sentiant redijsse sanitatem pristinam. Omnes abstineant à frigidis potibus, donec vires suas bene & integre collegeriat, praesertim fugientes in hac peste, quicquid frigidum fuerit. Istis omnibus tamen praevalet diuina misericordia quae jugiter cum contritione peccatorum est nobis exoranda. Nam frustra nunqam imploratur, si vera fide interpelletur.
Quare exhortationes & promissiones diuinae diligenter seligendae sunt ex sacris literis, indoctis, vulgatiora ista ex Psal. 4. Cum inuocarem. Psal. 130. De profundis & 30 consimilesque alios, ex quibus aegrotis spes in deum fulciri, et fidutia roborari debet, vt in omnibus discant, tam in prosperis quam in aduersis, se & sua omnia deo committere, proculdubio, benignum patrem experturi. Ita voluntati diuinae commedetur aegrotus.
Gratias agant singuli pro sua gratia Deo cui sit benedictio, claritas, laus, honor & gloria in secula seculorum. Amen.
Regenspurgischer gsundttrunckh.
Frisch auf Torschen Sohn du Caualier, Disen Trunckh den bring ich dir, Aufs Römischen Khaysers noth, Vnnd all seiner Officiren Todt, Aufs Churfürsten von Bayrn verderben, Auf der Jesuiter vnd aller pfaffen sterben, Aufs Churfürsten von Sachsen khranckheit, Vnd aller Schwedischen Soldaten gsundtheit.
/Der Segen darauf./
Wie ich die Vers bey mir bedacht, So hats ein rechter Raup gemacht, Deme auch der Modus nit bewist, Was Reimen und censiren ist, Der Teuffell woll ihm seinen Trunckh Gsegnen et semper et pro nunc, Damit er endtlich eben[A] das, Was andere mehr auſs disem glas Gesoffen haben schon vill Jahr, Er khert doch auch in dise schaar, Die nunmehr dort im winckhell sizt, Allwo man ohne ein offen schwizt, Mit einem wort das auf sein gloſs Der Trunckh ihm selbst das herz abstoſss. Vale:/:
Dieser /Regenspurgische Gsundttrunckh/ scheint auf ein Glas eingraviert gewesen zu sein; der /Segen darauf/ wurde dann von einem späteren Besitzer oder Besichtiger des Glases gedichtet. Ob das Glas wol noch vorhanden ist?
Der Spruch befindet sich in einem Manuscript in 8. des säkularisierten Klosters Sanct Veit an der Rott in Bayern; die Bibliothek dieses Klosters war merkwürdiger Weise bis vor wenigen Jahren in demselben verblieben, wo sie um eine unbedeutende Summe an einen Händler verkauft wurde, und, wie es scheint, nun in alle Welt zerstob. Einsender hat wenigstens dies Buch von einem auſserbayerischen Antiquar bezogen.
Gedachtes Manuscript ist vom Jahre 1656; der Spruch wurde jedoch von späterer Hand an einer leeren Stelle eingeschrieben.
Titel: „Libellus Pulchras Tragicomoedias continens, summo labore, summaque industriâ loca recreationis â me supra infrascripto conscriptus H/H H.“
Wer dieser infrascriptus ist, kann nicht ersehen werden, denn der Schluſs des Buches lautet nur:
„Finem huic imposui libello 2. die Augusti Anno 1656.“ „Compactus fuit iste libellus 3. die decembris Anni millesimi sexcentesimi, quinquagesimi sexti pro quo compingendo dedi viginti duos crucigeros et duos nummos.“ (Gepreſster Hornband mit Spangen.)
Die zehn lateinischen Tragödien und Dramen, gröſstentheils von Jesuiten, die genannt sind, gedichtet, füllen 1072 Octavseiten aus und wurden in den Jahren 1643-1653 zu Salzburg, Hall u. s. w. aufgeführt. -- Die ersten und letzten Blätter enthalten einige halb deutsche, halb lateinische Studentenlieder; auch sind hie und da an leeren Stellen lateinische Gedichte eingeschrieben.
H.--ff.
FUSSNOTE:
[Fußnote A: /eben/ -- d. h. ebene, hat hier wol die Bedeutung von: ausgleiche oder sühne.]
Unglückstage.
Gibt es doch auch jetzt noch Leute genug, denen bestimmte Tage des Jahres als Unglückstage gelten, an welchen sie nichts Wichtiges unternehmen wollen. Wir dürfen es deshalb unsern Altvordern so hoch nicht anrechnen, wenn sie auch ihre Unglückstage hatten. Ein alter Kalender aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh. zählt sie auf, um, wie der Kalendermann ganz naiv sagt, „der erben war zu nemen“, d. h. die Nachkommen vor Schaden zu warnen. Es sind folgende:
Das sind pos verworffen tag, so in dem jar komen; an den sol man weder lassen, keuffen nach verkeuffen, nach vmb kein weip werben, und auch keinerley sach treiben nach tun in den nachgescriben tagen, dy an dem moneten komen; vnd darvmb ist notturfftig der erben war zunemen: Der erst ist das ein gend iar, der dritt tag nach lichtmesse[1], der drit nach sant matheis tag[2], der erst tag des merczen, der virt tag nach vnser frawen tag jm merczen[3], der zehende tag jm apprilen, der virt tag vor geory[4], der drit tag im meyen, der sibent tag, so der mey aus get[5], der newnt tag vor iohanis baptiste[6], der drit tag vor margarete[7], der negst tag nach margarete[8], an sant marien magdalenen tag[9], der erst tag im augsten[10], der drit tag nach augustini[11], der sechst tag vor vnser frauen tag zu herbst[12], an sant mathes tag[13]), der fünfft tag nach michaelis[14], der sechst tag vor martini[15], der drit tag nach katherine[16], der ander tag vor nicolay[17], der ander tag vor sant thomas tag nechst vor weyennachten[18].
/Nürnberg/. /Baader/.
FUSSNOTEN:
[Fußnote 1: 5. Februar.]
[Fußnote 2: 27. Februar.]
[Fußnote 3: 29. März.]
[Fußnote 4: 19. April.]
[Fußnote 5: 25. Mai.]
[Fußnote 6: 15. Juni.]
[Fußnote 7: 10. Juli.]
[Fußnote 8: 14. Juli.]
[Fußnote 9: 22. Juli.]
[Fußnote 10: August.]
[Fußnote 11: 31. August.]
[Fußnote 12: 2. September.]
[Fußnote 13: 21. September.]
[Fußnote 14: 4. October.]
[Fußnote 15: 5. November.]
[Fußnote 16: 28. November.]
[Fußnote 17: 4. December.]
[Fußnote 18: 19. December.]
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.
BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.
1866. Nº 6. Juni.
Chronik des germanischen Museums.
/Nürnberg/, den 15. Juni 1866.
Die freundlichen Leser dieser Blätter werden sich erinnern, daſs das german. Nationalmuseum, um die verschiedenen Vorschüsse, die es während der ersten Jahre seines Bestehens, namentlich zum Zwecke der Restauration der in ruinösem Zustande übernommenen weitläufigen Gebäude des Karthäuserklosters und zur Bestreitung sonstiger unumgänglicher Einrichtungskosten aufzunehmen genöthigt war, in ein einziges, geschlossenes Passivkapital zu verwandeln und diesem eine geregelte Tilgung zu sichern, im Jahre 1861 bei dem Bankhause /Joseph von Hirsch in München/ ein Anlehen von 65,000 fl. negoziierte. (Vgl. das Programm am Schlusse der Nr. 10 des VIII. Jahrganges dieser Zeitschrift.) Dieses „/Bauanlehen/“ fand zwar recht erfreuliche Theilnahme, indem eine ansehnliche Zahl (68 Stück) der von dem genannten, die fragliche Angelegenheit in liberaler und anerkennenswerthester Weise behandelnden Bankhause ausgegebenen 4%igen Partialobligationen (zu 500 fl.) von Gönnern und Freunden des german. Museums übernommen wurde (vgl. die Bekanntmachungen in Nr. 12 d. Bl. von 1861); gleichwohl verblieb noch immer ein bedeutender Rest von unbegebenen Aktien. Verhandlungen mit der kgl. Bank dahier, bei welcher, wie wir bei diesem Anlasse dankbarst anzuerkennen haben, unser nationales Institut mit seinen Anliegen stets die geneigteste Berücksichtigung fand, führten dann schlieſslich dahin, daſs die kgl. Bank jenen Aktienrest im Nennwerthe von 31,000 fl. als interimistische Deckung für ein altes Hypothekkapitalguthaben von 13,000 fl. und für ein neues dem german. Museum gemachtes Vorlehen von 17,000 fl. unter der Bedingung pfandweise übernahm, daſs eine, ihr zur Sicherung des früheren, damals bis auf 19,000 fl. bereits herabgeschmolzenen Anlehens von 50,000 fl. vom Gründer unserer Anstalt, Freiherrn v. u. z. Aufseſs bestellte, und auf seine Güter Freyenfels, Weyer und Neidenstein hypothekarisch eingetragene Bürgschaft von 25,000 fl. auch ferner noch bestehen bleibe, was denn auch Seitens des Freiherrn v. Aufseſs dem german. Museum sehr bereitwillig zugestanden wurde. So anerkennenswerth nun dieses weitere Eintreten des Genannten für seine Schöpfung war, eben so freudig haben wir, eingedenk der groſsen Opfer, die Frhr. v. Aufseſs dem german. Museum in jeglicher Richtung schon gebracht, wie eingedenk namentlich des Umstandes, daſs derselbe mit ca. 60,000 fl. (Kaufschillingsrest für seine Sammlungen), die vorläufig nur mit 2% verzinst werden, /noch/ Gläubiger unserer Anstalt ist, die uns jüngst gewordene Kunde zu begrüſsen, /daſs die kgl. Bank/, nachdem die fragliche Schuld des german. Museums im Laufe der Jahre durch Ausloosung und Rückkauf mehrerer der deponierten Aktien nicht unwesentlich sich gemindert hat, /die auf des Frhrn. v. u. z. Aufseſs Güter eingetragene Caution von 25,000 fl. nunmehr hat löschen lassen/. Wir verbinden mit dieser angenehmen Mittheilung den Wunsch und die angelegentliche Bitte, daſs Gönner und Freunde unseres nationalen Werkes durch Uebernahme weiterer, je auf 500 fl. lautender 4% Partialobligationen des hier in Rede stehenden Bauanlehens, wie solches in vergangenem Jahre wieder Seitens der Herren /Oskar Benckiser/ in /Pforzheim/ und Hofrath /Dr. Dietz/ dahier geschah, uns in den Stand setzen möchten, von den bei der königl. Bank deponierten Papieren mehr und mehr einzulösen. Prospekte mehrerwähnten Anlehens, das im Wege jährlicher Ausloosung zur Rückzahlung kommt, stehen auf Verlangen gratis und franko zu Diensten.
Nächst dieser dem Credite unserer Nationalanstalt sehr günstigen Entschlieſsung hiesiger kgl. Bank haben wir heute zunächst eines Beschlusses des Gemeinderathes der k. k. /Reichshaupt- und Residenzstadt Wien/ vom 14. Mai zu gedenken, dem wir auch für das J. 1866 einen Beitrag von 100 fl. ö. W. zu verdanken haben, und der, ohne unser Zuthun gefaſst, aufs Neue Zeugniſs ablegt für die fortdauernd rege Theilnahme und geneigte Würdigung, deren sich die Bestrebungen unseres nationalen Institutes in der Kaiserstadt zu erfreuen haben.
Auch hat, wie wir dankbarst hier hervorheben, die /Gemeindevertretung der Stadt Nördlingen/, die an der Förderung unseres nationalen Werkes seit Jahren schon regen Antheil nimmt, den uns bisher gewährten jährlichen Beitrag von 6 auf 10 fl. erhöht, ein Vorgang, den wir der Nachahmung von Seiten anderer Gemeindeverwaltungen des deutschen Vaterlandes hiermit recht warm empfohlen haben möchten.
Die wissenschaftlichen Arbeiten unserer Anstalt, insbesondere das, Gelehrten wie Künstlern schon recht nutzbringend gewordene Bilderrepertorium, erfuhren eine sehr wesentliche Förderung dadurch, daſs die k. k. /Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale in Wien Separatabdrücke sämmtlicher in den Jahrgängen V-X ihrer Publicationen benutzten Holzstöcke/ uns zugehen lieſs, so daſs, da Separatabdrücke der in den ersten Bänden enthaltenen Abbildungen uns von anderer Seite schon früher zugekommen, nunmehr der ganze Illustrationenapparat jener umfassenden und gediegenen Publicationen unserem Repertorium einverleibt werden kann. Möchten Herausgeber anderer, der vaterländischen Geschichte gewidmeten illustrierten Werke und Zeitschriften diesem Beispiele recht einmüthig folgen! Es würde dann über alles in dieser Beziehung Erscheinende hier eine treffliche Uebersicht zu gewinnen sein.
Die Uebergabe des Seitens hiesigen Magistrats mit Genehmigung der kgl. Regierung unter Eigenthumsvorbehalt zur Aufstellung in unseren Sammlungen uns überwiesenen /freih. v. Kreſsischen Münzcabinets/, dessen wir bereits in unserer vorjährigen Decemberchronik zu gedenken hatten, ist nunmehr erfolgt und hat, wie erwartet, unserem numismatischen Materiale einen bedeutenden, sehr werthvollen Zuwachs gebracht. Es bietet dieses Cabinet, das ausschlieſslich auf Nürnberg und dessen ehemalige Zugehörungen sich beschränkt, hier aber bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts herauf eine seltene, dem Imhof (Sammlung eines Nürnbergischen Münz-Cabinets, 2 Bde., Nürnberg, 1780 und 82) ziemlich nahe kommende Vollständigkeit aufzuweisen hat, namentlich an /Originalmedaillen des 16. Jahrh./ eine ganz treffliche Folge.
Mit Dank haben wir, was unsere Münzsammlung weiter betrifft, hier auch zu erwähnen, daſs von einem zu /Furth a. W./ kürzlich zu Tage gekommenen /Funde bayerischer und bischöflich regensburgischer Pfennige/ aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh. durch unseren dortigen Pfleger, Herrn /Notar J. Kohn/, geschenkweise alsbald eine Partie uns übermittelt wurde. Möchte anderwärts bei derartigen Vorkommnissen ebenso freundlich unserer gedacht werden, um so mehr als, namentlich was die Münzverhältnisse des Mittelalters betrifft, die Wissenschaft der sorgfältigsten Registrierung und Untersuchung vorkommender Funde noch sehr dringend bedarf.
Ein sehr wesentliches Verdienst um unsere Anstalt hat sich neuerdings weiter Hr. /Georg Widter/, k. k. /Postdirektor/, in /Vicenza/ erworben durch geschenkweise Ueberlassung einer eigenhändig, mit groſsem Fleiſse angelegten Sammlung interessanter Materialien zur Geschichte und Topographie der Provinz Vicenza, sowie auch werthvoller Notizen über die alten Reste des deutschen Elementes, insbesondere über das Vorkommen deutscher Orts- und Personennamen daselbst vornehmlich in den dieser Provinz angehörigen bekannten „Sieben Gemeinden“; und in ähnlicher Weise hat durch Anfertigung und Ueberlassung eines Verzeichnisses der im städtischen Archive zu Sulzbach vorhandenen Pergamenturkunden und einer Abschrift dortiger Bürgerspital-Ordnung vom 15. Jahrh. unser Pfleger für /Sulzbach/, Hr. /Stadtschreiber Wilh. Bieswanger/, uns zu besonderem Danke verpflichtet.
Um die Sammlungen des Museums auch minder Bemittelten zugänglich zu machen und insbesondere dem Arbeiterstande Gelegenheit zu geben, dort manches Nützliche zu lernen, wurde im Einvernehmen mit dem Lokalausschusse unserer Anstalt beschlossen, diese Sammlungen vorläufig bis auf Weiteres an den Sonntagsnachmittagen von 2-4 Uhr zu ermäſsigtem Eintrittsgelde von 6 kr. (statt 24 kr.) zu öffnen. Es wurde mit dieser Maſsregel am Sonntage nach Pfingsten der Anfang gemacht. Am Nachmittage dieses Sonntags besuchten 116, am Nachmittage des folgenden 103 Personen unser Museum.
Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Dahn/ und /Freystadt/ in Bayern, zu Bad /Bertrich/ in Rheinpreuſsen, zu /Hall/ in Tirol und zu /Weitz/ in Steiermark.
An neuen Geldbeiträgen sind, auſser den oben bereits genannten, während des vergangenen Monats noch folgende gezeichnet worden:
Aus =öffentlichen und Vereinskassen=: Von der Stadtgemeinde /Neunburg/ v. W. 1 fl. 12 kr. und von der Stadt /Weida/ 1 fl. 45 kr., ferner vom Vereine zur Beförderung des Gemeindewohls in /Eutin/ 8 fl. 45 kr., vom Stenographen-Vereine in Landshut 2 fl. und vom theologischen Seminar zu /Schönthal/ 5 fl. (einm.)
Von =Privaten=: /Bärn/ (Mähren): Hans Lichtblau, Freigutsbesitzer 2 fl. 20 kr. (einm.); /Braunschweig/: Kaufmann Adolph Schmidt 3 fl. 30 kr.; /Cöln/: Erzbischof Paulus, Excellenz, 8 fl. 45 kr.; /Dachau/ (Bayern): Joseph Eberl, Notariatsbuchhalter, 1 fl., Andreas Gradinger, Notariatsconcipient, 1 fl., Ludwig Wunderlich, Rentamtsoberschreiber, 1 fl.; /Detmold/: Dr. jur. Gisbert Rosen, Geheimer Justizrath, 1 fl. 10 kr., Rechtsanwalt Wilhelm Runnenberg 1 fl. 45 kr.; /Dresden/: Karl von Schleinitz 1 fl. 45 kr.; /Ebingen/: Stadtpfleger G. F. Daser 1 fl. 28 kr. (einm.); /Eutin/: Collaborator J. Kürschner 1 fl. 45 kr., Obergerichtsrath Lentz 1 fl. 45 kr. /Fürth/: Lehrer Höchstetter 1 fl.; /Gera/: Obergerichtsadvokat Seifarth 1 fl. 45 Kr.; /Landshut/: Dr. Michael Fertig, k. Studienrektor, 1 fl. 30 kr., Professor Georg Zeiſs 3 fl.; /Mitau/: Oberlehrer H. Diederichs 1 fl. 45 kr.; /Neunburg/ v. W.: Apotheker Andreas Bachmeier 1 fl. 12 kr., Heinrich Filberich, kgl. Staatsanwalt, 1 fl. 12 kr., Advokat L. Kleiter 1 fl. 12 kr., Franz Xaver Kornmüller, kgl. Bezirks-Ger.-Assessor, 1 fl. 12 kr., Handelsmann J. A. Kröner 1 fl. 12 kr., Handelsmann K. Pfaffinger, 1 fl. 12 kr., Gutsbesitzer Ludwig Quinant 1 fl.; /Nördlingen:/ Benedikt Conrad, Kaminkehrermeister, Inhaber des Verdienst-Ordens der k. bayer. und württemb. Krone, 1 fl. (statt früher 48 kr.); /Nürnberg:/ Kassier Baumann 1 fl. 30 kr., Kaufmann Philipp Blumröder 2 fl., Friedrich Karl Crämer, Kaufmann u. Fabrikbesitzer, 3 fl., Dr. med. Ed. Ebermayer 1 fl. 12 kr., Fabrikbesitzer J. Karpf 1 fl., Kaufmann Ludwig Vetter 3 fl.; /Prag:/ Ingenieur Schmidt 2 fl. (einm.); /Rockenhausen/ (Pfalz): Carl Freiherr von Gienanth, Eisenhüttenwerksbesitzer in Hochstein 3 fl. 30 kr.; /Schwerin:/ Revisor F. Faull 1 fl. 45 kr., Dr. R. Schultze 1 fl. 45 kr.; /Schwimmbach:/ Theod. Friedr. Studtrucker, Pfarrer, 1 fl. 12 kr.; /Stuttgart:/ Mechanikus Georg Seeger 1 fl. (einm.); /Sulzbach:/ Georg Paulus, Bäckermeister u. Realitätenbesitzer, 1 fl.; /Ulm:/ M. Dauner, Glasermeister und Stadtrath, 1 fl. 45 Kr., Handlungsgehilfe Sigmund Mayer 1 fl.; /Vicenza:/ Joh. Jakob Heinrich Ritter von Hohenthurn, k. k. Hofrath und Landesgerichts-Präsident i. P., 3 fl.; /Wolgast:/ Buchdruckereibesitzer Elsner 1 fl. 45 kr.
Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:
I. Für das Archiv.
=Wilhelm Bieswanger=, Stadtschreiber, in Sulzbach:
3343. Regesten von den im städtischen Archiv zu Sulzbach vorhandenen 299 Pergamenturkunden von 1305 bis 1797. Pap.
3344. Abschrift der Ordnung für das Bürgerspital zu Sulzbach. Ende des 15. Jahrh. Pap.
=Erffurth=, Fabrikant, in Coburg:
3345. Neun Decrete und Diplome für den Hofapotheker Donauer in Coburg. 1805 bis 1850. Pap.
=Friedrich Bleicher=, Kaufmann, in Nürnberg:
3346. Fünf Urkunden und mehrere Aktenstücke, das Gamersfelderische Haus zu Nürnberg, der Wage gegenüber, betreffend; 1537 bis 1700. Pap.
II. Für die Bibliothek.
=Juristische Gesellschaft= in Laibach:
19,399. Dies., Verhandlungen u. Mittheilungen; Bd. II, 11. u. 14. H. 8.
=Siebenbürgischer Museumsverein= in Klausenburg:
19,400. Ders., Evkönyvei; III. Bd. 2. Heft. 1866. 4.
=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, k. b. Prof. u. Conservator, und Friedr. Petri, k. b. Baurath, in München:
19,401. Dies., Ornamentik f. Kunst u. Gewerbe; Taf. 1-6. 1866. 4.
=K. sächs. Verein für Erforschung u. Erhaltung vaterländischer Geschichts- u. Kunst-Denkmale= in Dresden:
19,402. Ders., Mittheilungen; 14. Heft. 1865. 8.
=Redaktion der altpreuſsischen Monatsschrift= in Königsberg:
19,403. Dies., altpreuſs. Monatsschrift; II. Jhrg. 7. u. 8. Heft und III. Jhg. 1. Heft. 1865. 1866. 8.
=Schleswig-Holstein-Lauenburg. Gesellschaft für vaterländ. Geschichte= in Kiel:
19,404. Dies., Jahrbücher; Bd. VIII, 3. 1866. Nebst d. 26. Bericht. 1865. 8.
=Comité central de publications des inscriptions funéraires etc.= in Gent:
19,405. Dass., Graf- en Gedenkschriften der Provincie Oost-Vlaenderen; 42.-44. Aflev. 1865. 4.
=Ferd. Enke=, Verlagshandl., in Erlangen:
19,406. v. Maurer, Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; I. u. II. Theil; 1865-66. 8.
=Allgem. deutsche Verlags-Anstalt (Sigism. Wolff)= in Berlin:
19,407. Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst; Jhrg. 1866, II. 1-3. 4.
=Vandenhoeck & Ruprecht=, Verlagshandl., in Göttingen:
19,408. Müldener, bibliotheca historica; Jhrg. XIII, 2. 1865. 8.
=Rudolph Weigel=, Verlagshandl., in Leipzig:
19,409. Ders., Kunstlager-Catalog; Abth. 25, 27, 29, 31-34. 1853-66. 8.
19,410. Archiv f. d. zeichnenden Künste; Jhrg. 6-11. 1860-65. 8.
19,411. Weigel, die Werke der Maler in ihren Handzeichnungen. 1865. 8.
=J. N. Enders=, Verlagshandl., in Neutitschein:
19,412. Enders, die Buchdruckerkunst in ihrer welthistor. Bedeutung. 1866. 8.
19,413. Ders., über Reichenbach’s Hypothesen zur Kenntniſs der Meteoriten. 1866. 8.
=Dr. Eduard Löwenthal= in Berlin:
19,414. Der Cogitant, hg. v. E. Löwenthal; Nr. 1-6. 1866. 8.
=Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin= in Colmar:
19,415. Dies., III. année, 2. séance. 1866. 8.
=Dr. Tr. Märcker=, geh. Archivrath und k. Hausarchivar, in Berlin:
19,416. Ders., Sophia von Rosenberg, geb. Markgräfin von Brandenburg. 1864. 8
19,417. Ders., der Fall des kurbrandenb. Oberst-Kämmerers Grafen Hieron. Schlick. 1866. 8. Sonderabdr.
=K. pr. Friedrich-Wilhelms-Universität= in Berlin:
19,418. Rudorff, Festrede etc. 1865. 4.
19,419. Boehm, quemadmodum ab Ottone I. ad Heinrici IV. inita ipsum imperium unitatem nationis Germanicae affecerit ejusque artes, litteras commercium adauxerit; part. I. 1865. 8.
19,420. Dove, de Sardinia insula etc. 1866. 8.
19,421. Fischer, de Ernesti comitis de Mansfeld apologiis et de „Actis Mansfeldicis“. 1865. 8.
19,422. Hille, de continuatore Prosperi A. 641. Havniensi. 1866. 8.
19,423. Lindner, da concilio Mantuano. 1865. 8.
19,424-31. 8 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts. 1865-66. 4. u. 8.
=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:
19,432. Geschichtliche Nachrichten u. Sage von der Kirche zu Oberstein. 8.
19,433. Geschichte der protestantischen Kirche zu Birkenfeld. 8. (Titel fehlt.)
=Alexander Gibsone=, Privatier, in Nürnberg:
19,434. Herrtwich, thüringische Heimathskunde. 8.
19,435. Beschreibung vom St. Blasius Dom zu Braunschweig. 6. Ausg. 1850. 8.
19,436. Schadeberg, Skizzen über den Kulturzustand des Regierungsbezirks Merseburg; 1.-4. Abth. 1852-58. 8.
19,437. Die Grenzboten; Jhrg. 1855-59. 8. (Defekt.)
=Dr. G. Mehnert=, Gymnasiallehrer, in Dresden:
19,438. Ders., Luther’s und Zwingli’s Streit über d. Abendmahls-Dogma. 1858. 8. Propr.
=Heinr. Mor. Neubert=, Bürgermeister, in Dresden:
19,439. Ders., Vortrag an d. Stadtraths-Collegium zu Dresden über die Rechtsverhältnisse der dasigen alten Elbbrücke. 1857. 8.
=Dr. Friedr. Polle= in Dresden:
19,440. Ders., de artis vocabulis quibusdam Lucretianis. 1866. 8.
=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:
19,441. Mone, Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins; Bd. XIX, 2. 1866. 8.
=Historisch-statistischer Verein= in Frankfurt a. O.:
19,442. Ders., Mittheilungen; 5. Heft. 1865. 8.
=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:
19,443. Ders, Blätter f. Landeskunde von Nieder-Oesterreich; Jahrg. 1865, Nr. 7-18. 8.
=Industrie- und Gewerbe-Verein= in Fürth:
19,444. Ders., Statuten; 4. Aufl. 1861. 4.
19,445. Fronmüller, Rede etc. 1866. 4.
=Kurländische Gesellschaft für Literatur u. Kunst= in Mitau:
19,446. Dies., Sitzungs-Berichte etc. 1865. 8.
=Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben= zu Ulm:
19,447. Ders., Verhandlungen etc.; XVII. Veröffentl. 1866. 4.
=Direktion des Gymnasiums= in Emden:
19,448. Abicht, römische Blätter. 1866. 4. Progr.
=H. A. Pierer=, Verlagshandlung, in Altenburg:
19,449. Pasch, zur Kritik d. Geschichte d. Kaisers Tiberius. 1866. 8.
=J. C. Hofrichter=, Notar, in Windisch-Graz:
19,450. Ansichten aus d. Steiermark; Heft 41-43. qn. 4.
19,451. Kutschera, Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 1.-3. H. 1865. 8.
=Historischer Verein im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg= in Augsburg:
19,452. Ders., 31. Jahres-Bericht f. d. J. 1865. 1866. 8.
=Verein für das Museum schlesischer Alterthümer= in Breslau:
19,453. Ders., vierter Bericht. 1866. 4.
=Schlesinger=’sche Buch- und Musikhandl. in Berlin:
19,454. Firmenich, Germaniens Völkerstimmen; Bd. III, 10-12. 1864-66. 8.
III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.
=F. C. Mayer=, herzogl. sächs. Hofrath, Professor an der Kunstschule zu Nürnberg:
5093. 9 Bruchstücke vom Silberbeschlage des Sebaldusgrabes zu Nürnberg und 2 Gypsabgüsse von solchen.
=Stiftungsverwaltung des Protestant. Kirchenvermögens= zu Nürnberg:
5094. 2 Teppiche in Wollenweberei vom 15. Jhdt.
=J. Winzer=, Reallehrer, zu Coburg:
5095. 3 Silber- und 3 Kupfermünzen vom 17. und 18. Jhdt.
=F. Beyer= in Flensburg:
5096. Eine Flinte mit Bajonet, Säbel, Tornister, Patrontasche, Brodbeutel, Feldflasche, ein Czakostern, eine Tabakspfeife und vier Kugeln, sämmtlich von den Wahlstätten auf den Düppeler Schanzen und bei Oeversee.
=Th. Rogge=, Oberamts-Ger.-Canzlist, in Rostock:
5097. 11 Bleiabgüsse Mecklenburger Münzen und Medaillen nebst 3 Kupfermünzen.
=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:
5098. Thürklopfer mit verzierter Unterlage, 15. Jhdt.
5099. Gypsabguſs eines Pokals von Elfenbein mit reicher figürlicher Ausstattung, vom 17. Jhdt., im Nationalmuseum zu München.
5100. Gypsabguſs eines geschnitzten Jagdbechers vom 17. Jhdt., ebendas.
=Engelhardt=, Privatier, in Nürnberg:
5101. Gravierte Elfenbeinplatte mit Darstellung eines Musquetiers.
=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Professor, Inspektor des kgl. Kupferstichkabinets zu München:
5102. Figur eines geharnischten Heiligen, Holzstatue vom 15. Jhdt.
=Joh. Zeltner=, Fabrikbesitzer, in Nürnberg:
5103. 2 Flügel einer Predella, Oelgemälde mit Darstellung des Martyriums der 11,000 Jungfrauen, 15. Jhdt.
=Burger=, Stadtpfarrer und geistl. Rath, in Nürnberg:
5104. 4 Chorstuhlwangen u. 6 gemusterte Fuſsbodenplatten v. 15. Jhdt.
=Ascan Conrad= in Charlottenhütte:
5105. Eine in den Marmorbrüchen des Untersberges gefundene römische Kupfermünze.
=J. Kohn=, kgl. Notar, in Furth a. W.:
5106. 18 bayer. Silberpfennige.
=C. H. Zeh=’sche Buch- und Kunsthandlung in Nürnberg:
5107. „Nürnbergs alte Kaiserburg von der Südseite“, Tondruck, von J. Geiſsler.
=Magistrat der Stadt Nürnberg:=
5108. Goth. verziertes Thürschloſs nebst Thürring und Unterlage.
=K. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale= in Wien:
5109. Separatabdrücke der im V. bis X. Jahrgange der Veröffentlichungen der Commission benutzten Holzstöcke.
Chronik der historischen Vereine.
/Az Erdélyi Muzeum-Egylet Évkönyvei/ (des siebenbürgischen Museums-Vereins Jahrbücher). Harmadík Kötet. Második Füzet. Szerkesztette Brassai Sámuel. Két rajzláblával. Kolozsvárt (Klausenburg), 1866. 4.
/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander Freiherrn von Belfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg. März-April. Wien, 1866. 4.
Die Alterthümer von Osztrópataka. Von Dr. E. Henszelmann. (Mit drei Holzschnitten und zwei Tafeln.) -- Reisebericht über die mittelalterlichen Kirchen in Kärnten. Von Hanns Petschnig. (Mit dreizehn Holzschnitten.) -- Das Wappen der Stadt Wien. Von Dr. Karl Lind. (Mit neunzehn Holzschnitten und einem Farbendruck.) -- König David und der Gott Wuotan. Von Joseph Haupt. (Mit einem Holzschnitt.) -- Ueber die Grabdenkmale österreichischer Regenten. -- Die Junkherren zu Prag. Von Bernhard Grueber. -- Der Grabstein von drei deutschen Ordensrittern. -- Besprechungen. Correspondenzen. -- Notizen: Römische Inschriftsteine in Riva. -- Der Ofen im Hoforatorium der Domkirche zu Grätz. (Mit einem Holzschnitt.) -- Die neuesten Funde auf dem Leibnitzerfelde in Steiermark.
/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I. Jahrg. 1865. Nr. 7-18. Wien. 8.
Die Karthause Aggsbach. Von Ferdinand von Hellwald. -- Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich. Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. II. Liebe, Hochzeit und Ehe. III. Tod und Begräbnis, Seelen und Geister. -- Privat-Archive in Nieder-Oesterreich. -- Eidsymbolik. -- Purkersdorf zur Zeit Maria Theresiens. Aus einer handschriftlichen Chronik von Carl Kurz. -- Fragen zur Förderung der Ortskunde. -- Der Weinbau in Nieder-Oesterreich vor 200 Jahren. Von Franz Weigert. -- Daten zur Culturgeschichte von Nieder-Oesterreich. -- Land und Leute in Nieder-Oesterreich und die Methode, ihre Eigentümlichkeiten zu erforschen. Von V. Streffleur. -- Kreuzenstein (U. M. B.). Untersucht und bearbeitet von Friedrich und Ferdinand von Hellwald. -- Ueber die römischen Alterthümer in Petronell. Von Karl Landsteiner. -- Ueber die Stellung der Städte Krems und Stein in der Handelsgeschichte Oesterreichs. Von Dr. Karl Haselbach. -- Die Freibriefe der Städte Krems und Stein im Kremser Stadtarchive. Von Felix Eberle. -- Ueber die Bauformen in ihrer zeitlichen Entwicklung. Von Friedrich Schmidt, Dombaumeister. -- Kleinere Mittheilungen. -- Vereinsangelegenheiten.
/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu München./ 1866. I. Heft. I. II. München. 1866. 8.
/Collectaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns/, insbesondere für die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und der ehemaligen Grafschaft Graisbach, bearbeitet von Mitgliedern des /historischen Filial-Vereines in Neuburg/. Einunddreiſsigster Jahrgang, 1865. Neuburg, 1866. 8.
Die Pfalzgrafen am Rhein in chronologischer Uebersicht. -- Die Gieſskunst in Neuburg a/D. Zur Kunstgeschichte im ehemaligen Herzogthume Neuburg. -- Ein interessanter Wappenschild in Neuburg. -- Auszüge aus einem Tagebuche der Pfarrei St. Peter aus dem XVII. Jahrhunderte. -- Dr. M. Leonhard Mayr, Stadtpfarrer zu St. Peter in Neuburg an der Donau (geb. 1590). -- Monographien: Tagmersheim. Rohrbach. -- Nekrologe. -- Treffen bei Neuburg den 27. Juni 1800. -- Jahresbericht.
/Einunddreiſsigster Jahres-Bericht des historischen Kreisvereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg/ für das Jahr 1865. Augsburg, 1866. 8.
/Vereinsangelegenheiten./ -- Beiträge zur Geschichte der Markgrafschaft Burgau (Fortsetzung), von Dr. P. Luitpold Brunner.
/Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben./ Siebenzehnte Veröffentlichung. Der gröſsern Hefte elfte Folge. Mit 6 Steindrucktafeln. Ulm, 1866. 4.
Die Pfahlbaufunde des Ueberlinger Sees in der Staatssammlung vaterländischer Alterthümer zu Stuttgart, beschrieben und erläutert von Oberstudienrath Dr. K. D. Haſsler.
/Vierter Bericht des Vereins für das Museum schlesischer Alterthümer./ Mit 2 Bildtafeln. Breslau, 1866. 4.
Kupferner Krug des Bartholomeus von Rosenberg, von 1595. (Mit einer Abbildung.) -- Ueber den gegenwärtigen Stand der Ermittelungen auf dem Gebiet des schlesischen Heidenthums. Von Dr. Rudolf Drescher. Erster Theil: Zur Kenntniſs der Fundstätten von heidnischen Alterthümern in Schlesien. Mit einer Tafel Abbildungen. -- Vereinsangelegenheiten.
/Mittheilungen des Historisch-Statistischen Vereins zu Frankfurt a. O./ Fünftes Heft. 1865. Geschichte der Stadt Frankfurt an der Oder von Eduard Philippi. Mit einem lithographierten Stadtplan von 1706. Frankfurt a. O. 1865. 8. 128 Stn.
/Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen./ Auf Veranstaltung der /Antiquarischen Gesellschaft in Zürich/ bearbeitet von /Hermann Wartmann/, Dr. phil. in St. Gallen. Theil II. Jahr 840-920. Zürich. In Commission bei S. Höhr. 1866. 4. 492 Stn.
/Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom /historischen Verein in St. Gallen/. V. u. VI. St. Gallen, Verlag von Scheitlin u. Zollikofer. 1866. 8.
Johannes Kesslers Sabbata. Chronik der Jahre 1523-1539. Herausgegeben von Dr. Ernst Götzinger. Erster Theil. 1523-1525. 388 Stn.
/Joachim Vadiani Vita/ per /Joannem Kesslerum/ conscripta. E codice autographo. Historicis helveticis d. d. d. historicorum et amatorum historiae sangallensium coetus nonis septembribus anno MDCCCLXV. Typis Zollikoferi. 1865. 4. 14 Stn.
/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société française d’archéologie pour la conservation et la description des monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2. 32. Vol. de la Collection. Nr. 3. Paris et Caen, 1866. 8.
Trois jours à travers champs, par M. Charles Vasseur. -- Essai sur les origines et les développements du Christianisme dans les Gaules; par M. Tailliar. -- Ruines gallo-romaines et restes d’un edifice carlovingien dans l’est de l’ancien Maine; par L. Charles. Chronik.
/Sitzungsberichte der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat./ 1865. Dorpat. 8. (Mit Abbildungen vorgelegter Alterthümer.) 46 Stn.
/Der Codex Zamoscianus/ enthaltend Capitel I-XXIII, 8. der Origines Livoniae. Beschrieben und in seinen Varianten dargestellt von /C. Schirren/. Mit zwei lithographierten Schrifttafeln. Dorpat. 1865. 4. 69 Stn. (Der kurlandischen Gesellschaft für Literatur und Kunst zu Mitau zur Mitfeier ihres 50jährigen Bestehens dargebracht von der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat und dem Verfasser.)
Nachrichten.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
13) /Xylographische und typographische Incunabeln der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover./ Beschrieben von /Eduard Bodemann/, königl. Rath und Secretär der königl. öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Mit 41 Platten typographischer Nachbildungen der Holzschnitte und Typenarten und 16 Platten mit den Wasserzeichen des Papiers. Hannover, 1866. Hahn’sche Hof-Buchhandlung. 2. 130 Stn.
So lange eine wissenschaftliche Disciplin im Entstehen ist und es sich noch darum handelt, Material herbeizuschaffen, muſs eine Betrachtung desselben auch nach zufälliger räumlicher Ansammlung um so mehr gerechtfertigt erscheinen, je reicher die letztere ist und je mehr Seltenheiten sie enthält. Die vorliegende Schrift bespricht 246 Druckwerke aus dem Zeitraume bis 1500, und zwar mehr oder weniger ausführlich, je nachdem der Verfasser auf die bibliographischen Werke von Hain, Panzer, Ebert u. s. w. Bezug nehmen konnte, oder daran zu berichtigen und hinzuzufügen hatte. Das letztere ist in nicht geringem Maſse geschehen und namentlich die Abhandlungen über die zu Hannover befindlichen Ausgaben der hauptsächlichsten xylographischen Incunabeln, der /Biblia pauperum/, des /Speculum hum. salvationis/ und der /Ars moriendi/ sind zu ziemlich umfangreichen Abhandlungen angewachsen. Die Anordnung des Stoffes ist die chronologische unter Zusammenstellung der Druckwerke, welche ohne Angabe des Ortes und der Zeit sind. Ein angefügtes Register der besprochenen Bücher nach alphabetischer Ordnung der Druckorte genügt dem Bedürfnisse nach dieser Richtung. Als wesentlicher Bestandteil der Veröffentlichung sind die in reichem Maſse gegebenen facsimilierten Nachbildungen von Druck- und Holzschnittproben hervorzuheben -- nach einer Bemerkung im Vorwort nicht auf dem bisher zu Gebote stehenden xylographischen oder lithographischen, sondern auf typographischem Wege hergestellt, -- denn die genaueste Beschreibung muſs Manches unerörtert lassen, was der in gutem Facsimile gebotene Augenschein an’s Licht stellt und der Vergleichung bereit legt; -- wie in unserm Falle die mitgetheilten Proben es auſser allem Zweifel setzen, daſs das Alter der frühen Holzplattendrucke bisher viel zu hoch angenommen ist und über die Mitte des 15. Jahrhunderts wenig und selten hinausgeht. Die bisher nur in der Kupferstichkunde in Anwendung gebrachte Betrachtung der Papierzeichen auch auf dem in Rede stehenden Gebiete einzuführen, ist gewiſs ein glücklicher Gedanke. -- Eine folgende Beschreibung der Handschriften auf der genannten Bibliothek ist in nahe Aussicht gestellt und würde, in gleicher Weise durchgeführt, hochwillkommen gehalten werden müssen.
14) /Ornamentik für Kunst und Gewerbe nach Originalien im königl. bayer. Kupferstich-Kabinet zu München/, von /Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck/ und /Friedrich Petri/. Lief. 1. München, 1866. In Commission der M. Rieger’schen Univers.-Buchhandlung (G. Himmer). Selbstverlag der Herausgeber.
Die praktische Richtung unserer Zeit strebt darnach, Alles zum Gemeingute zu machen. Das Kunstgewerbe, ein eigentlich ganz neuer Begriff, wird von allen Seiten geschult und gemeistert, und so bedarf es der Lehrmittel, die in so reichem Maſse in den Museen schlummern. Der Alterthums- und Kunstforscher soll das Material sichten und ordnen; da er aber nicht in Original alles vor sich auf seinem Studiertisch haben kann, so bedarf er einer Vermittlung; es muſs ihm ebenso recht zugänglich gemacht werden, wie dem schaffenden Künstler und Gewerbsmann, der nicht stets geschwind in ein Museum laufen kann, um sich Motive zu holen. Da hat denn die Photographie die groſse Aufgabe erhalten, zu vermitteln und das in Copie zum Gemeingut zu machen, was in Original nur wenige besitzen können. Diesem Streben hat nun auch das königl. Kupferstichkabinet in München sein Recht werden lassen, und der Vorstand desselben, dessen werthvolle Publicationen längst ein Stolz und eine Zierde der archäologischen Literatur Deutschlands sind, Prof.