Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 5

Chapter 53,177 wordsPublic domain

Gerade derartige alte Vorlagen-Sammlungen aber, die sich oft Jahrhunderte hindurch im Werkstattgebrauch erhalten haben, ja uns noch heute bisweilen als mehr oder minder geschätztes Vätererbe in den Werkstätten von Handwerkern und kleinen Kunstgewerbetreibenden begegnen -- sie bilden ein besonderes Jagdobjekt für den Sammler und den Museumsbeamten -- gerade sie enthalten häufig genug Seltenheiten, die im Kupferstichhandel nur noch schwer und mit erheblichen Kosten erhältlich sind. So wird denn auch den sogleich näher zu betrachtenden Stichen Georg Brentels, die ich bisher nirgends erwähnt gefunden habe, der Vorzug wenigstens der Seltenheit kaum bestritten werden können. Auch scheinen sie nicht etwa einem Buch als Tafeln beigegeben worden zu sein -- ich habe die mir zur Verfügung stehende ältere Litteratur über Sonnenuhren vergeblich darnach durchsucht -- sondern einzeln als Vorlageblätter gedient zu haben. Schon das ganz verschiedene Format der Blätter deutet darauf hin. -- Ein hervorragender Künstler freilich war unser Georg Brentel nicht, und nicht etwa als eine Ehrenrettung, sondern nur als eine Ergänzung zu den mangelhaften Angaben Andresens will die Aufzählung seiner Stiche aufgefaßt sein. Ehe ich jedoch zu dieser schreite, sei es mir gestattet, noch mit ein paar Worten auf den übrigen Inhalt des Bandes und den Gebrauch von Sonnenuhren einzugehen.

Indem ich die verschiedenen, zum Teil nur ganz flüchtigen, teilweise auch sorgfältiger ausgeführten, aber sämtlich des künstlerischen Interesses entbehrenden Handzeichnungen, die sich gleichfalls großenteils als Entwürfe zu Sonnenuhren, Hülfskonstruktionen u. s. w. darstellen, übergehe und ebenso die Stiche und Holzschnitte rein geometrischen Charakters, zu denen unter anderm zwei Blätter von dem berühmten Nürnberger Mathematiker Georg Hartmann, dessen vielfältige Verdienste bisher keine genügende Würdigung erfahren haben, aus den Jahren 1539 und 1562 gehören, wie auch einige offenbar aus Lehrbüchern stammende Tafeln unberücksichtigt lasse, erwähne ich nur in Kürze eines großen leider sehr defekten italienischen Stiches, einen ansprechend verzierten Schiffskompaß darstellend, aus dem Jahre 1567. Die Widmung des Verfertigers lautet -- unter Auflösung der Abkürzungen --: »Magnifico Nobilique genere et virtute praestanti D. Joanni Baptistae Cornelio Domino suo, de se et suis omnibus optime merito in signum deuoti animi dicabat Joannes Pavlvs _Cimerlinus_ Veronensis.« Die Anfangsbuchstaben des Künstlers I P C wiederholen sich noch einmal innerhalb eines Laubornaments, über dem sich ein Band mit der Jahreszahl hinschlingt.[3] -- Ein anderes teilweise ornamentiertes Blatt stellt wiederum -- ähnlich wie jenes bereits besprochene Blatt von G. Brentel -- einen »Cylindrvs horarivs concavvs« dar. Es ist bezeichnet: »Joachimus Tanckius Perleb[ergensis] Doctor A. 1596«; dies ist der Name eines Mechanikers, der die Anfertigung zylindrischer Sonnenuhren als Spezialität betrieben zu haben scheint. Das Museum hat deren zwei von ihm. -- Den Schluß unseres Bandes endlich bildet ein zusammengeschlagener Einblattdruck in gr.-fol. aus Georg Brentels Verlage und von ihm verfaßt. Er trägt die Überschrift »Kurtzer Bericht vnd Erklärung deß Zollstabs«, dient wiederum vorzugsweise zur Feststellung der Zeit und zu Höhenmessungen mit Hilfe der Sonne und ist bezeichnet: »Anno 1609 Die 1. Octobr. Georgivs Brentel Lauinganus«. Künstlerische Qualitäten weist das Blatt nicht auf.

Angesichts der Scharen von Künstlern, Kunsthandwerkern und Gelehrten, die namentlich während des 16. und 17. Jahrhunderts noch für die Herstellung aller Arten von Sonnenuhren thätig gewesen sind und angesichts der großen Zahl solcher Uhren, die sich eben aus jenen Zeiten erhalten hat -- auch das Germanische Museum besitzt davon bekanntlich eine sehr ansehnliche Sammlung --, muß man sich in der That über die Beliebtheit wundern, deren sich diese Zeitmesser, die, so kompliziert sie oft waren, doch stets nur bei Sonnenschein gebraucht werden konnten, offenbar noch lange nach Erfindung der Taschenuhren allgemein erfreut haben. Sehr charakteristisch ist dafür unter anderm auch die Stelle in einem Briefe, der allerdings noch der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angehört. Jeronimus Imhoff nämlich, damals, wie oft lange Monate hindurch zum Zweck des Safranhandels des von ihm vertretenen großen Imhoff’schen Handelshauses »im Adler« d. h. in Aquileja, schreibt unterm 14. Januar 1547 an Paulus Behaim in Nürnberg:

»Ich dir für diesmall auch dester minder zu schreiben ways, vnd dies mein schreiben hiemitt allain, das mein pidtt vnd begern an dich ist, mir ein baynenen compas, darauff die deutsch vnd welsch vhr stand, kaufft vnd mitt erstem gesanndtt hest. Der mayster, so solche machtt, ist genanndtt Linhartt Gressell; hab dergleichen vhr pey der Hans Welsser diener alhie gesehen, ist ein sonnencompas, verstast wol, was ich nun mayn vnd beger; was solcher cost zall ich dir hernach zu danck. Es hatt alhie schier weder vnd sonderlich kein sonnen- oder deüttende, deßgleichen wenig vnd kein gerechtte schlagende vhr, höre pey vnsserm wallen vnd in vnsserer stanzia kein vhr schlagen, das dessen also gleich wol bedarff«[4].

Zwar war Nürnberg der Hauptort für die Herstellung von Sonnenuhren, und die »Kompaßmacher« bildeten daselbst ein ansehnliches Handwerk. Dennoch würde man in Fällen, wie dem vorliegenden, ohne die ausdrückliche Erklärung des Briefschreibers wohl eher angenommen haben, derselbe hätte sich eine zur Tages- wie zur Nachtzeit brauchbare Uhr, etwa eine jener Taschenuhren, wie sie einige Jahrzehnte zuvor eben in Nürnberg erfunden worden waren, kommen lassen. Diese scheinen sich indessen nur langsam durchgesetzt zu haben und überhaupt in ihrer Konstruktion zunächst noch so mangelhaft und unzuverlässig gewesen zu sein, daß man für den gewöhnlichen Gebrauch immer wieder auf die Sand- (oder »reisenden«) und Sonnenuhren zurückkam.

Nach dieser kurzen Abschweifung mag nunmehr die Aufzählung der in unserem Bande enthaltenen Stiche Georg Brentels folgen.

1. +Sonnenuhr in Becherform+ mit spärlichem Pflanzenornament und figürlichem Schmuck; zur Seite links in barocker Umrahmung ein herzförmiges Schild mit dem Kopf eines Einhorns über einer heraldischen Rose, möglicherweie das Wappen des Nürnberger Mathematikers Caspar Uttenhofer († 1621)[5], dem unser Kupferstich gewidmet ist (»Domino Caspare Uttenhofero Norimbergensi amico suo singulari dedicat Author«), und von dessen nahen freundschaftlichen Beziehungen zu dem Lauinger Künstler uns auch sonst Zeugnisse erhalten sind[6]. Längs der Peripherie des kleineren inneren Kreissegments liest man: »Georgius Brentel Lavinganus pictor faciebat«. Ganz rechts an der Peripherie des großen äußeren Kreissegments die Jahreszahl MDCVIII. Plattengröße: 220: 130 mm (vgl. Fig. 2).

2. Die fünf Teile einer +mehrfachen Sonnenuhr+ zur Bestimmung der Stunden und der Tag- und Nachtlängen mit dem Schema der Zusammenfügung der Platten oder der Aufstellung der Sonnenuhr (»Forma Instrumenti«) auf +einem+ Blatte vereinigt; mit zwei allegorischen (die Zeit und die Wissenschaft?), einer biblischen (»2. Reg. 20«), sowie Wappen- und sonstigen Darstellungen. Auf dem größten der Teilstücke auf einem längs des Randes angeordnetem Bande die Widmung: »Magnifico Viro M. Simoni Rettero Hembauensi Civi Augustano Rectori Nordling[ensi] Domino suo colendo«; auf einem andern Teil der Sonnenuhr im Kreis die Inschrift: »Georgius Brentel Lavinganus pictor faciebat Anno 1619«; dazu auf einem anderen Teile in kleiner, kaum leserlicher Schrift: »Nooeh(?)Ae. 18« und auf einem dritten die Buchstaben BW.[7] Plattengröße 172: 216 mm.

3. Die neun Teile einer +ähnlichen Sonnenuhr+, von denen jedoch drei durch rücksichtslose Beschneidung des Blattes leider nur zum kleineren Teil erhalten sind, samt der dazu gehörigen Forma instrumenti. Das vorliegende Exemplar ist in einem braunroten Druck ausgeführt und reich mit figürlichen (z. B.: Auferstehung Christi) und landschaftlichen Darstellungen (See- und Flußbilder[8]), sowie ornamentalem Schmuck ausgestattet. Auf einem der Stücke im Kreis die Inschrift: »Georg Brentel pictor Laving. f. A^o 1619« und am unteren Rande desselben Stückes: »C. Senft (C und S verschlungen) scalp.« Gegenwärtige Größe des Blattes: 215:260; die Plattengröße mag etwa 305:260 mm gewesen sein.

4.-10. Vermutlich zur Konstruktion +einer mehrfachen Sonnenuhr+ zusammengehörige Folge von sieben Kupferstichen. Nr. 4 bietet eines der Hauptstücke, das mit figürlichen Darstellungen geziert ist, und außerdem die Forma Instrumenti. Das Blatt ist unbezeichnet, kreisrund und hat 188 mm im Durchmesser. Vgl. Fig. 3. -- Nr. 5: Windrose, unterzeichnet, 61:70 mm. -- Nr. 6: Anderes Teilstück der Sonnenuhr. Bez.: »Georg Brentel f. Lauingae« 75:95 mm. -- Nr. 7: Desgleichen, mit dem bayerischen Wappen, dem Wappen von Lauingen, der Aufschrift »Lavingae Suevorum« und den Monogrammen CS (unten links) und GB (unten rechts). Vgl. Fig. 1 an der Spitze dieses Aufsatzes. Plattengröße 75:75 mm; Größe des Stichs 67:50 mm. -- Nr. 8: Desgleichen, mit geflügeltem Totenkopf, auf dem die Sanduhr steht, darüber das Motto: »Respice finem«. Unten in kleiner Cartouche: »G. Brentel L.« Plattengröße 81:110, Stichgröße 62:108 mm. -- Nr. 9: Desgleichen, mit dem Spruch: »Vt Vitta sic fugit hora«; unbezeichnet. Unten leerer Raum zur Anbringung einer längeren Inschrift (vermutlich für den Verfertiger der Sonnenuhr). 68:100 mm (Platten- und Stichgröße ziemlich gleich). -- Nr. 10: Konstruktion des Globus, unbezeichnet. 120:45 mm.

Es erübrigt noch, ein kurzes Wort über die Mitarbeiter Georg Brentels hier anzufügen. Wir bemerkten, daß verschiedentlich außer seiner eigenen, zumeist großen und deutlichen »Künstlerinschrift« noch andere Bezeichnungen auf den im Vorstehenden besprochenen Blättern vorkamen, und schon die Verschiedenheit der Ausführung der Stiche läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß sie häufig, vielleicht stets anderen Händen überlassen worden ist. Nr. 1 und 2 stehen jede für sich, sind aber dennoch in ihrer Technik, die in der Hauptsache die Anwendung des Grabstichels zeigt, näher mit einander als mit der Gruppe 3-10 verwandt, deren Blätter alle eine ausgiebigere Anwendung der kalten Nadel aufweisen und entschieden erheblich künstlerischer ausgeführt sind. Der Kupferstecher, der sie gestochen, ist offenbar C. Senft, dessen Name uns auf Blatt 3 begegnet und dessen Monogramm auf Nr. 6 (vgl. Fig. 1) neben demjenigen Brentels erscheint. Schon Heller (Monogrammen-Lexikon, Bamberg 1831 S. 325), kannte »C. Senft« als »Kupferstecher zu Lauingen um 1603« und ebenso sein Monogramm. Nagler dagegen (Künstlerlexikon Bd. XVI 1846 S. 272) nennt ihn »Graveur und Ciseleur«[9]. Die beiden anderen Gehülfen Brentels sind ohne künstlerische Bedeutung.

Daß aber Brentel die Zeichnungen zu sämtlichen Kupferstichen gefertigt hat und nicht etwa nur als Verleger, der er freilich wohl zugleich war, aufzufassen ist, ergiebt sich -- auch abgesehen von dem seinem Namen mehrfach hinzugefügten »faciebat« -- schon aus der Gleichmäßigkeit des überall zur Verwendung gekommenen Ornaments, der sich schlängelnden Bänder, Barockcartouschen, Wappenschilder, Putten u. s. f. Sein Monogramm wird durch unsere Nr. 7 sicher gestellt. Schon Heller (a. a. O. S. 144), schrieb es ihm zu; Nagler (Monogrammisten II, 973) brachte dann durch Verwechselung mit einem doch etwas anders signierenden Formschneider um 1561 (Georg Balk?) Verwirrung in die Sache. -- Im übrigen lasse ich das Leben und Wirken des wackeren Meisters für diesmal auf sich beruhen, wie ich es auch geflissentlich vermieden habe, die Frage nach seiner etwaigen Verwandtschaft mit dem Miniaturmaler Friedrich Brentel (vgl. Andresen, Peintre-Graveur VI, 185 ff.) und die damit zusammenhängende Frage nach Beider Lebenszeit in Obigem zu berühren. Daß Andresens Ausführungen hierzu, wonach Friedrich »im Jahre 1580 das Licht der Welt erblickte« (a. a. O. S. 186), als Georg »bereits ein Alter von 58 Jahren erreicht hatte« (S. 216), derselbe Georg Brentel aber erst 1638 gestorben ist (ebenda), wenig Wahrscheinlichkeit für sich haben, leuchtet wohl ohne weiteres ein. Wo steckt der Fehler?

HERD UND HERDGERÄTE IN DEN NÜRNBERGISCHEN KÜCHEN DER VORZEIT.

VON DR. OTTO LAUFFER.

III.

Ein unstreitig sehr altes Herdgerät ist der +Dreifuß+ (lat. _tripus_[10]), der auch -- soviel ich sehe -- schon früh bei allen germanischen Stämmen gleichmäßig in Gebrauch war. Seine Form geht im letzten Grunde zurück auf drei einfache, in den Boden gerammte Pfähle, zwischen denen das Feuer entfacht wurde, und die oben den Kessel zu tragen hatten. Diese einfachste Art wurde noch in historischer Zeit von den Angelsachsen angewandt, wie das aus einer Handschrift von Alfrics Genesis entnommene Bildnis eines angelsächsischen Koches beweist, welches wir in Fig. 18 nach Wright a. a. O. 38 wiedergeben. Indessen ist es wohl kein Zweifel, daß man schon frühzeitig dazu gelangte, den Dreifuß als frei bewegliches Gerät zu verwenden, indem man die oberen Enden der drei Beine mit einander verband, was vielleicht zuerst dadurch geschah, daß man sie in eine völlig geschlossene Metallplatte einfügte. Daß diese Art thatsächlich noch im 14. Jahrhundert sich gefunden habe, glauben wir aus einer Stelle des öfter zitierten »Buches von guter Speise« S. 15/16 schließen zu müssen, welche sagt: _»Nim ein gans,... stecke sie in einen irdenen hafen,... setze sie uf einen drifuz, +der unden offen sie+,«_ und wenn man dem Grundsatze folgen will, die minder praktische Art, auch für die ältere zu halten, so müßte man wohl in dem oben geschlossenen Dreifuß, über den wir leider nichts weiteres mitteilen können, eine ältere Form erblicken als in dem noch heute üblichen Dreifuß, der nur aus einem Ringe oder Dreieck mit drei Beinen besteht.

Dieser letzteren Art gehören diejenigen von C. und D., sowie der von Hans Paur, Abt. 7 dargestellte an, die allerdings alle sich durch die Form und Stellung der Beine etwas von einander unterscheiden. Auch der große Dreifuß von F. (vgl. Fig. 19), der auf dem Fußboden der Küche stehend sich noch über die Höhe des Herdes erhebt und wohl für den Waschkessel berechnet ist, zeigt eigentlich nur die vervollkommnete Gestalt des einfachen Ringdreifußes[11].

Ehe wir nun auf die formale Erweiterung und Ergänzung desselben eingehen, kehren wir noch einmal zu der oben geschilderten einfachsten Art mit den drei Pfählen zurück und machen darauf aufmerksam, daß die Entwicklung zum selbständigen Gerät nicht der einzig mögliche Fortschritt war. Es konnten ebenso gut die drei Stützen eine Verbindung mit dem darüber gestellten Kochgerät eingehen, und dieses ist in der That geschehen. So begegnen wir denn Pfannen und Töpfen, die auf eigenen Beinen stehen (vgl. Fig. 2 und 3), selbst Hängekessel sind mit ihnen versehen, wie z. B. ein in der Küche des Museums befindlicher mit der Jahreszahl 1596 gezeichneter Bronzekessel [H G 2143], der in der Form durchaus an die mittelalterlichen drei- oder auch vierbeinigen Kessel erinnert, die aus zahlreichen Märtyrerdarstellungen zur Genüge bekannt sind.

Die technisch größere Schwierigkeit mag es veranlaßt haben, daß man in manchen Gegenden nicht dazu gelangte, auch irdene Gefäße mit Beinen zu versehen, und daß man diese Erweiterung nur am Metallgerät vornahm[12], allein diese Frage fällt nicht mehr in den Rahmen unserer Untersuchung, weil die betreffenden Geräte nicht mehr zum Herdgerät gezählt werden können. Wir mußten hier nur deshalb darauf zu sprechen kommen, damit sich nicht die Meinung einschleiche, als seien diese mit Beinen versehenen Gefäße aus einer Vereinigung des Dreifußes und des einfachen Gefäßes entsprossen.

Kehren wir zum Dreifuß zurück! Derselbe war in der bisher geschilderten Gestalt nur befähigt, diejenigen Kochgeräte zu tragen, die sich so auf ihn stellen ließen, daß ihr Schwerpunkt möglichst über die Mitte des Dreifußringes, bezw. -dreiecks zu liegen kam. Das mußte sich aber ändern, sowie dieser Schwerpunkt, durch die Gestalt des Kochgerätes bedingt, über die Seite des Dreifußes hinaus verschoben wurde, d. h. sowie das einseitige Übergewicht sich nicht mehr durch einfaches Verschieben des Kochgerätes aufheben ließ. Vor allen Dingen war dieses bei den Stielpfannen der Fall, aber es müssen auch noch andere Geräte das Bedürfnis einer formalen Veränderung des Dreifußes geweckt haben, denn der im Jahre 1896 aus einem Nürnberger Hause in das Museum gelangte Dreifuß [H. G. 5735] hat entschieden eine Stielpfanne nicht tragen können. Wir bilden in Fig. 20 das interessante Stück ab, dem sich, so viel wir sehen, unter den bislang bekannt gewordenen ähnlichen Stücken kein zweites an die Seite stellen läßt, wobei wir nach wiederholter eingehender Prüfung ausdrücklich betonen, daß es sich nicht etwa lediglich um die Verstümmelung eines Pfannenknechtes handelt: die Kürze des seitlich herausspringenden Bügels beweist das ganz sicher.

An diesem Gerät zeigt sich in der einfachsten Form, wie die entscheidende Veränderung des Dreifußes bereits eingetreten ist, welche darin besteht, daß die drei Beine nicht mehr an den drei Ecken eines über dem Dreifußringe liegend gedachten gleichseitigen Dreieckes ansetzen, sondern daß es sich bei den neuen Ansatzstellen um die Eckpunkte eines ebenso gedachten Quadrates handelt: Punkt 1 bleibt frei, an den einander gegenüberliegenden Punkten 2 und 3 setzt je ein Bein an, und bei Punkt 4 ist ein wagerechter Bügel an den Kranz angesetzt, der sich an seinem Ende zum dritten Beine umbiegt. Eines der Hauptmerkzeichen des einfachen Dreifußes ist also durch die Veränderung der Beinansatz-Stellen aufgegeben, und eben dadurch zumeist ist ein neues Gerät entstanden. Aber wie gesagt, das in der Abbildung gegebene Stück ist das einzige uns bekannt gewordene. Wirkliche Verbreitung scheint das Gerät erst gefunden zu haben, nachdem es durch eine nochmalige Erweiterung vervollkommnet und so zum Tragen der Stielpfannen hergerichtet war. Das dadurch entstandene Gerät ist der +Pfannenknecht+[13].

In den oft zitierten »Studien zur germanischen Volkskunde« sagt +Meringer+: »_Auch der Dreifuß ist alt. Aber unbedingt jünger als der Feuerbock ist wenigstens die Gestalt des Dreifußes, welche man heute im oberdeutschen Hause findet. Seine Geschichte ist offenbar mit der Geschichte der langstieligen Pfannen auf das Engste verknüpft, doch fehlt es hier noch an Vorstudien, um zu einer näheren Einsicht zu gelangen[14]._« Ob die damit über das Alter des Pfannenknechtes ausgesprochene Behauptung auch für den Gebrauch in Deutschland zutrifft, können wir bislang leider noch nicht beurteilen, weil es uns nicht gelungen ist, die im mittelalterlichen Latein übliche Bezeichnung für unser Gerät ausfindig zu machen, vorausgesetzt, daß überhaupt eine solche neben dem einfachen _tripus_ bestanden hat. So viel aber ist sicher, daß »_der Pfannen schalc_« im 13. Jahrhundert schon ein in Bayern bekanntes Gerät war, zu welcher Zeit es in einem Liede erwähnt wird, das -- nach Moriz Haupt mit Unrecht -- unter Neidharts von Reuenthal Namen geht. Die Stelle (XXXIX, 10 ff.) lautet:

»Nû weiz ich einen der sich sêre vlîzet wie er mich beswære an Engelgarte. jâ weiz ich niht waz er der guoten wîzet. im mac geschehen als jenem Durinkharte, den ir muoter mit der pfannen schalke harte an sînen drüzzel sluoc.«

Haupt schreibt dazu die zutreffende Anmerkung: »_Der Schalk der Pfanne ist das eiserne Gestell, auf dem sie über dem Feuer steht. Frisch 2, 159b führt aus Frischlins Nomenclator c. 134. an »schalk oder esel, ein dreifuß, tripus«. In der Bedeutung Stütze oder Träger kennt das Bremisch-nieders. Wörterbuch 4, 602 das Wort. Schon Frisch vergleicht die ähnliche Verwendung von Knecht, von der Schmeller 2, 370 Beispiele giebt_[15].« Die Bezeichnung »der pfannen schalc« scheint deshalb, weil sie noch nicht zur Komposition zusammengewachsen ist, dafür zu zeugen, daß das Gerät in jener Zeit noch verhältnismäßig jung war, immerhin aber glauben wir bestimmt annehmen zu dürfen, daß es sich schon um die erweiterte Form des Dreifußes, d. h. um die Form des heutigen Pfannenknechtes handelt, da sonst nicht einzusehen wäre, weshalb der Sprachgebrauch sich nicht mehr mit dem einfachen Namen Dreifuß begnügt haben sollte.

Will man zu einer gewissen Klarheit über den Pfannenknecht gelangen, so scheint es uns nötig, ihn vor allen Dingen als selbständiges Gerät zu behandeln und ihn nicht zusammen mit dem alten Dreifuß aufzuführen, wie denn auch Bancalari mit vollem Recht erklärt: _»vom Trifuàs ist der bajuvarische Krapfenhengst trotz ihrer Ähnlichkeit, sowie der Pfannenknecht wohl zu unterscheiden«_[16]. Mit Bezug auf die beiden zuletzt genannten Geräte fährt jener bekannte Forscher dann fort: _»Diese sind Vorrichtungen, welche die Beschmutzung des Eßtisches durch das rußige Gefäß verhindern«_, er erklärt sie also durchaus als Serviergeräte[17]. Nun wissen wir zwar nicht, ob irgendwo der Sprachgebrauch den Namen des Pfannenknechtes auch auf das Pfanneisen, von dem wir später sprechen werden, übertragen hat, allein im allgemeinen stehen wir grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß auch diese beiden Geräte klar von einander getrennt werden müssen, denn ursprünglich ist das Verhältnis so: +aus dem Dreifuß hat sich der Pfannenknecht entwickelt, der völlig als Herdgerät anzusprechen ist, in einzelnen Fällen freilich auch als Serviergerät benutzt sein mag; das Pfanneisen tritt in zwei verschiedenen Formen auf, von denen die eine aus dem Pfannenknecht, die andere direkt aus dem Dreifuß erwachsen ist, die aber beide nur als Serviergerät vorkommen.+