Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 43

Chapter 433,787 wordsPublic domain

Auff den sommer fenget man auch eine art von krebsen, die man krabben heißet, welche Plinius carabas nennet; seint nicht gar krebse, den sie haben keine große scheren forne, sonder nhur kleine ermen wie der krebs kleine schopen. Und seint die krabben nicht viel groͤßer vnd lenger den eines kleinen kindes kleinster finger, schießen zuruͤgge wie krebse, vnd wen man sie sewt, werden sie auch so roth. Vnter diesen krabben fenget man bisweilen eine andre arth der krebse, die heißet man mehrspinnen, die jßet man bey vns nicht, den sie seint klein vnd werden nicht bei hawffen gefangen. Die seint breit und schyr rund, vnd haben keinen schwantz, sondern es scheinet, als wen jnen der schwantz vnten in den bawch gewachsen, haben hohe beine, und wan sie gehen oder schießen, so thun sie es nicht hinter sich wie die krebse, auch nicht vor sich, sondern vber die seite. So fenget man auch einen andern fisch von groͤße eines kulbarses, aber auff vnd auff gleich dicke, ist gruͤn, gleibfrig von fleisch, hat vier reigen als kleine stacheln, als were er vierecket, den nennet man einen sehehanen. Derselbige pfleget, wie die schiffer sagen, wan ein vngewitter wil ersteigen, wie ein hane kreigen, den jßet man nicht, den man helt jne vergifft. Item durch den gantzen Pomerschen strand fenget man hering; man hat auch ehemals wahlfisch gefangen, item schwertfisch, davon noch ribben vnd beine viel bei vns sein. Der schwertfisch hat ein schwert von graten forn am kopffe, je so scharff und huͤpsch gereifft, wie man sunst ein schwert macht. Den sagt man, das er des wahlfisches feind sey, vnd wen er vnter jme khomen khan, so sucht er jme das weiche am bawch, vnd ersticht jne. Das sey von den meerfischen gesagt, nhun wollen wyr von den andern auch was sagen.

Die Raddenye bey Colbitz ist ein vberaus tieffer sehe, das man meint, man khoͤne jnen kawm mit 300 klafftern gruͤnden. Darin ist sehr feister braßen vnd ander fisch, sonderlich sein so große marenen darin, wie man sunst an keinen andern ort findet. Derselben khan man keine das gantze jar vber fahen, vmb tieffe willen des sehes, sondern vmb catarina so leicht er, alsden khumpt er in die hoͤhe. So fenget man jne bei vier wochen lanck, seint einsteils vier oder fuͤnf spannen lanck, schyr von gestalt einer karpffen aber viel feister vnd neeßlicher. Man troͤget sie auff, aber sie khoͤnen feistigkeit halber nicht lenger den auff den meyen wahren. In Hinterpomern hats schoͤne lachsfenge, die seint so gestalt. Der lachs wil vmmerzu aus dem saltzen waßer in das frische, vnd trit so hoch hinauff als er vmmer khomen khan. So hat man die fließe mit schlewßen gefaßet, das das waßer mehr den zween menner hoch hervberschewßet. Wen nhun der lachs dafuͤr khumpt, vnd das frische waßer von oben herab kostet, so wil er stracks darein, darvmb schwengkt er sich so lange bis er hinauff springet; wen er hinauff khumpt so lewfft der strom so gestrenge, das er nicht khan vortkhomen, sondern drenget jne an den kasten vnd an die leiter. Vnd wen den zeit ist, das man meint, das man was gefangen hat, so hat man ein schutzbrett, das leßt man nieder, so stehet das fließ, vnd der kasten wird zwuͤschen dem schutzbrette vnd der leiter droͤge; so siehet man den, was man gefangen hat, vnd slagt die lechse mit knuͤtteln zu totte. Es seint also zu Ruͤgenwalde wol ehemals auff eine nacht vber 300 stuͤck gefangen, aber das khumpt nicht offte.

Sunst aber fenget man durchaus im gantzen lande, beide im saltzen vnd frischen waßer allerley gemeinen fisch, hechte, braßen, raben, zannat, aland, bleye, schwepen, barße, butten, schullen, ele, newnogen, kulbarse, goldfische, zarten, gruͤndelen; etzlicher ortten hats auch forellen vnd schmerlen, auch karpffen vnd krebs, aber nicht gemeine. Es werden aber viel krebs aus der Marke, vnd den anderen vmbliegenden landen gepracht.

Staats- und Gemeinde-Altertümer.

[Sidenote: Frieden.]

83) K., 92. [Ao. c. 1160.] Fried und Vertrag volzihen nach alter gewonheit der Rhugianer. Das war also, das der jennig, der den Fried machete oder annham, pflag einen stein ins Meer werffen mit der Wunschung, welches Teil ersten den Fried brechen wurde, das der so solte vergehen wie der Stein im Meer.

84) K., 313. [Ao. 1472.] Was gewunnen was [im Kriege an Land und Städten] bleibt, wie es pflegt, gewunnen, und die Gefangen seint gegeneinander losgegeben.

[Sidenote: Fürsten.]

85) K., 379. Also haben die Khonige und Fursten dem Sprichwort nach lange Armen, das sie auch die Weitgesessen [= die fern Sitzenden] straffen khonnen.

86) K., 386 Anm. 1. [Ao. 1520.] 20 in der Fasten ist Hertzog Barnim von Wittenberg mit 50 Pferden widderholet, zum Berlyn ime der alte Marggraff entgegen geritten, der junge seiner im Sloß mit dem Frawenzimmer gewartet und ine lateinisch empfangen. [Vergl. Nr. 18; 41; 94.]

[Sidenote: Abgaben.]

87) P., II., 414/5. Auch seint sie [die Fürsten von Pommern] den vnterthanen gar nicht lestig gewest, denn sie leben nhur von jren eigenen emptern vnd zollen, vnd legen dem folk kein vnpflicht auff. Die stette geben jren jerlichen tribut, der heißet orbar, die pawren geben auch jren bescheiden zinsen an getreidig vnd gelt, darnach sie viele landes bawen, vnd geben darvber nichts, es sey zehend aller jrer guͤter, hernschoß, bawgelt, zinse, veheschoß, fewerschoß, hewerschoß, hawptschoß oder was die beschwerunge vnd auslage mehr ist, so in andern fuͤrstenthumben ist. Wen es aber groß vonnoͤten thut, das man sol keyserdienst thun oder ein frewlyn ausrichten, welches den vmb die zehn jar, bisweilen ehr vnd lenger khumpt, oder den fuͤrsten awgenscheinliche not anligt, so geben sie einen gemeinen landschatz, die buͤrger vom hawße etwan einen halben guͤlden, oder zum hoͤchsten einen oder zwu guͤlden, die pawren auch soviel von ichlicher hofe landes, das sie bawen. Vnd gibt keiner nach wardirung seiner guͤtter, vnd daßelbe haben sie fuͤr eine alte gewohnheit, wiewol es sich ansehen leßt, das es sehr vngleich ist; den ein buͤrger der etwan zweintzig, dreitzig, viertzig oder mehr tawsent guͤlden reich ist, gibt nicht mehr den ein ander armer buͤrger, der vellichte mehr schuldig ist, welches doch gleicher zuginge, wen nach der werde eines jchlichen guͤter geschetzet wuͤrde, den so gebe der da viele hette viele, vnd der da weinig hette, weinig. Aber solche gleichheit nhemen die reichen nicht an. -- Der adel vnd die priesterschafft seint vor jre person gemeiniglich gerne frey geplieben. [Vergl. Nr. 81.]

88) K., 343/4. [Ao c. 1490.] In diesser zeit fhuren etliche Kawffleute von Dantzig und anders wo durch das Land zu Pomern und hetten grosse Secke an Pfeffer und ander Specerey. Dasselbig verzolleten sie zu Stettin, Dham und Golnow. So kham aber ein getawffter Jüde Farentzholtz von Colberg. Der sagte Hertzog Bugslafe, die Kawfflewte hetten al was mehr in den Secken wan Gewurtz und reitzete inen so viel, das er den Kawfflewten nachschickte und sie besuchen lies. So loiketen sie es. Darumb müsten sie die Secke umbschutten. So fand man darunter viel zehe Golts und Silberkuchen; auch hetten sie sunst schone flamische Teppich, die sie nicht verzollet hetten. Derhalben fhurete man sie widder gein Stettin. Und wie Hertzog Bugslaff den Betrug gesehen, domit es nicht ein Exempel were andern, das sie auch den Zollen unterslugen, so gab er inen alles widder, was sie verzollet hetten und lies sie zihen, das ander aber behielt er, das war aber zehentawsent Gulden wert, und dasselbig hetten sie villeicht mit weinigk Gulden Zollen behalten khonen.

89) K., 355. [Ao. 1496.] Nachdem im Land zu Pommern wie in andern umbliegenden Landen eine unmensliche und barbarische Weise gewest, wan einer schiffbruchig geworden und das Schiff und Gutter gestrandet seint, das die Herschafft dasselbig Schiff und Gutter pflag wegkzunhemen, unangesehen, ob der Schiffer und die Kawftleute, den die Gutter gehoreten, noch lebten oder ire Erben darnach khemen, so hat Hertzog Bugslaff dasselbig bis an diessen Tag auch so gehalten. [Nach seiner Jerusalemfahrt aber hat er nur noch herrenloses Gut genommen.]

90) K., 366. [c. 1499.] Es hette auch Hertzog Bugslaff erfharen, wie sein Amptman zu Rugenwalde hette von den Strantgutern etliche Zabelen, Mardern, Loschen und ander Felwerck unterslagen, und wolte ine darum absetzen. Das erpat der Pawr [Hans Lange] und sagte, diesser hette sich itzt begraset; wenn er einen newen darhin setzete, der wurde sich auch settigen wollen und darum die Lewte von newen anschinden und schatzen. Darum pleib der alte Amptman.

[Sidenote: Stände.]

91) P. II, 432/3. Die geistlichen sein hie im lande [zu Rügen] wol versorget, den es hat reiche pfarren, mit liegenden gruͤnden wol fuͤrgesehen, vnd haben zudem den zehenden von vieh vnd korn. Es hat viel adel im lande, reich vnd arm durch einander, der dennoch weinig auskhumpt, studiret oder in krieg zewcht. Den das ist eine sonderliche arth dieses volks, auch aller andern so auff diszeit der Oder im gantzen Wolgastischen ort sytzen. Etzliche dewtens dahyn, daß sie beszer versorget sein wan etzlicher pomerischer adel, vnd darvmb nicht vonnoͤten haben zu dienen. Aber es sey wie es wolle, es ist nicht allein vnterm adel dieses orts, sondern auch vntern buͤrgern, darvmb muß es ein ander vrsach haben. Und wil sich dies folk nicht so gedulden, oder leiden wie andre lewte, vnd so es je nhur was hat, meints es hat ein khoͤnigreich, vnd wil darvmb nymands dienen. Die pawren stehen in diesem lande wol vnd seint reich, den sie haben jre bescheidene zinse vnd dienst, vnd darvber thun sie nichts; vnd die meisten thun gar keine dienste sondern geben gelt dafuͤr, daher es khumpt, das die pawren sich als frey achten, vnd dem gemeinen adel nicht nachgeben wollen. Darin sie von deswegen so viel mehr gemutet werden, das offte ein armer edelmann einem reichen pawren seine tochter gibt, vnd die kinder sich darnach halb edel achten; dieselbigen kinder werden dan die knesen im lande genennet. [Vergl. Nr. 69; 87; 96; 135.]

[Sidenote: Öffentliche Sicherheit.]

92) K., 384. [c. 1510.] In obgenanten... Absagungen und Rawbereyen seint die furnhemisten Schnaphanichen gewest zween Putkhummer von den sich einer Hertzog Lolle, der ander Hertzog Barnim nennete, und ein Priester, Tomas Briesen geheißen, auch ein Edelman, der sich den Pabst nennete, und ein Podewils, der sich Priester Johan hies... [Weiteres über die pommerschen Raubritter vergl. Ibid. 404,5.] [Vergl. Nr. 99.]

93) K., 368. [Ao. 1503.] So zuchte Ramelow seine Wehre und lieff ime nach, und er entkham vor ime aus dem Hawse und schrey, wie bey den Pommern eine gewonheit ist: »Jodute, jodute!« [Vergl. Nr. 7.]

[Sidenote: Fahrende Leute.]

94) P. II, 279. [c. 1500.] Es ist zu dißer zeit ein edelman Jürgen Krokow geheißen bei Hertzog Bugslaffen im hoffe gewest. Derselbig ist so starck gewesen, das er hat ein huffeisen mitten khonen entzwei reißen; vnd hat zugleich khoͤnen drei tunnen bier aus einem tieffen keller tragen, zwei gantze tunnen hat er in beide hende bei den spunden gefaßet, vnd zwei halbe vnter die arme genhomen, vnd ist also damit vongegangen. Solches hat er offte geubet, dan er hat es zu Stettin, zu Wolgast, zu Schwerin, vnd in anderer fuͤrsten hoͤffen gethan. Vnd zu den zeiten ist zu Stettin ein sehr berhomter ringer gekhomen, der hat sich ausgepeten mit einem zu ringen vmb ein kleinodt. Do hat sich Krokow erbotten mit jme zu ringen, doch das es one betrug zuginge; vnd haben demnach auff dem hoffe zu Stettin, da hertzog Bugslaff sampt dem frawenzimmer vnd dem gantzen hoffgesynde zusahen, gerungen. Nun furchte sich der ringer sehr fuͤr Krokowen Sterke, darvmb gedachte er vnangesehen der abrede, ein stuͤck zu geprawchen, vne sties jne da er nicht solte, vnd fellete jne, dovon Krokow sehr krank wurt. So baten die andern edellewte, weil der ringer widder die abrede gethan, das hertzog Bugslaff jne nicht wolte entkhomen laßen, bis das man sege, wie es Krokow gehen wuͤrde. So lies jne hertzog Bugslaff bestricken; darnach wie Krokow widder gesunt wurt, bat er hertzog Bugslaffen das er den ringer loß gebe auff den bescheidt, das er noch mit jme ringen mochte on betrug. Das tette hertzog Bugslaff, vnd rungen demnach die beiden noch einmal mit einander, vnd Krokow sach jme auff die schantze, das er keine tuͤcke mehr gegen jne geprawchen muste, vnd faßte den ringer, vnd hub jne auff, vnd sties jne nidder vnd zerknirschte jne, vnd wurff jne zuletzt zu gottes erdboden, das er fuͤr tot liegen pleib, vnd darnach in sechs wochen nicht widder gesunt wurt.... Dieser Krokow hette keine vnterscheidene zehne, sonder die vntern vnd obern zehne waren izlich nhur ein gantzer knoche, wie auch sunst solcher geslechte der edellewte bei vns mehr sein als die Ramel, Brockhusen, Bulgrine vnd andere mehr, die auch nicht vnterscheidene zehne haben vnd darvmb etwas lispeln wan sie reden.

95) K., 374. Anm. 1 [c. 1503.] Umb dieße Zeit der frassiger Wend bey Werner und Jacob von der Schulenburgk, der in II Tagen gantze Ochssen und Pferd khonte auffressen, item gantz Milen ful roher Fisch. Sunst aß aber weinig wie ein ander Mensch; wurt Hertzog Friedrich von Sachssen, darnach Keiser Maximilian geschenckt. [Henker vergl. Nr. 132.]

[Sidenote: Bauern.]

96) P. II, 418/420. Der pawren wesend ist nicht durchaus gleich. Etzliche haben jre erbe an den hoͤfen darauff sie wonen. Dieselben geben jre bescheidene zinse vnd haben auch bestimmten dienst. Dieselben stehen wol vnd seint reich, vnd wan einem nicht geliebet auff dem hofe lenger zu wonen, oder seine kinder darauff wonen zu laßen, so verkawffet ers mit seiner herschafft willen, vnd gibt der herschafft den zehenden vom kawffgelde. Vnd der widder auff den hoff zewcht, gibt der herschafft auch gelt, vnd also zewcht der ander mit seinen kindern vnd guͤtern frey wegk dahin er wil. -- Aber mit den andern ists nicht so; die haben an den hoͤfen kein erbe, vnd muͤßen der herschafft so viel dienen, als sie vmmer von jnen haben wollen, vnd khoͤnen offt vber solchen dienst jr eigen werk nicht thun, vnd muͤßen derohalben verarmen vnd entlawffen. Vnd ist von denselben pawren ein spruͤchwort, das sie nhur sechs tage in der wochen dienen, den siebenden muͤßen sie brieffe tragen. Demnach seint dieselben pawren nicht viel anders als leibeigen, dan die herschafft verjaget sie wan sie wollen, wan aber die pawren anders wollen wohin zihen, oder jre kinder an andre orte begeben, vnd es nicht mit willen der herschafft thun, obgleich jre hoͤfe zu guter wehre gepracht, so holet sie doch die herschafft widder als jre eigen lewte. Vnd muͤßen derselben pawren kinder, es sey sohn oder tochter, nicht aus jrer herschafft guͤtter ziehen, er gebe es den sonderlich nach; den es ist nicht genug, das jres vaters hoff besetzet ist, sondern sie muͤßen auch andere wuͤste hoͤfe, wo die herschafft wil, annehmen vnd bawen. Doch entlawffen jrer viele, oder entzihen heimlich, das offte die hoͤffe wuͤste werden. Alsdan mus die herschafft sehen, das er einen andern pawren darauff kriege; hat den der ablewffige nichts beim hofe gelaßen, damit er moͤge erhalten werden, so muß die herschafft demjenen der widder darauff zihet, pferde, kuͤhe, schweine, pflug, wagen, samen vnd anders dazu geben, damit er den acker vnd hoff begaten khan, vnd bisweilen noch etzliche jar wol zinsfrei dazu. Vnd derselbige wirt den sampt seinen kindern so eigen als die andern pawren. Wen er aber oder seine kinder mit willen der herschafft widder davon zihen, so laßen sie daßelbige was sie im hofe empfangen oder anders so gut dabey. Vnd dieße laßen sich aus leichten vrsachen vertreiben, vnd entlawffen sunst. Aber die andern pawren, die jre erbe an dem hofe haben, wen man sie gerne bisweilen wegktriebe, so wollen sie nicht wegk, vnd die seint so eigen nicht, sondern zihen wohin sie wollen. [Vergl. Nr. 87; 91.] [Armenpflege vergl. Nr. 45.]

Rechtsaltertümer.

97) P. II, 420/1. Von recht vnd gewonheit des lands. Man geprawcht mancherlei recht im lande; die fuͤrsten vnd lehnlewte geprawchen keyserrecht, die stette haben an etzlichen ortten luͤbisch, an etlichen sechsisch oder weichbildenrecht, auff den toͤrffern geprawcht man schwerinisch recht; so hats auch im lande zu Rhuͤgen noch landtrecht, welches wendisch recht ist. One das hat in iglichen stetten sondere satz vnd beliebungen, das also die manchfaltigkeit des rechten offte viel wunders vnd beswerunge gepere. Es beghunte aber das schwerinsche vnd wendische recht umb seiner vnpilligkeit willen sehr abzunhemen. Vnd damit man etwas davon wiße, so mus sich im schwerinischen selbst nymands verantworten, sondern durch einen fuͤrsprecher, vnd wo er ein wort redete on fuͤrgebetene erlawbnuß, so hat er den hals verbrochen, den er mit gelde loͤßen muß; vnd der vnpilligkeit viele. Im wendischen landtrecht ists, wan einer erslagen, vnd viele frome lewte in derselbigen staube vnd zeche weren, die doch nichts darzu tetten, vnd der tetter entkhumpt, so gibt des totten freuntschafft denselben den totten als hetten sie jne erslagen, vnd das heißen sie die vnreine gunst. So ist auch im luͤbischen das ein vnnatuͤrlich recht, das sie sagen, wuͤrde einer zur notwehr gedrungen, vnd whiche fuͤr bis gein Rhom, das er denjenen der jne noͤttiget nicht sluͤge, vnd sich darnach wenden wuͤrde, vnd ersluͤge jne, so sol jme die nottorfft nicht helffen, sondern er sol widder sterben, vnd solche vngepuͤrlichkeit in andern fellen mehr. Welche vngepuͤrlichkeit sich daraus so viel mehr mehret, das die gemelte recht nicht beschrieben seint, sondern aus alten geprawchen gehalten werden, vnd ein jeder darnach richtet, wie es ime duͤncket. Darvmb achte ich, die lantschafft vnd sonderlich die stette werden einmal solche vnordenlichkeit vnd vnfuge derselben rechte mercken, vnd mit den fuͤrsten andre maße darin treffen, die billicher vnd leidlicher seint. [Vgl. Nr. 7; 34; 83; 84.]

98) K., 299. [Ao. 1460.] Gericht über Tote. [Vgl. Nr. 16; 17.]

99) K., 232/3. [Ao. 1393.] In diessen Zeiten hette Margareta, die Khonigin von Denemarcken mit Hertzog Albrechte von Mekelburgk, der Khonig zu Schweden was, Krieg. Deshalben weren viel Auslieger und Rewber in der Sehe. Dieselbigen benhamen viel burger vom Sunde, die doch mit der Vehd nicht zu thun hetten. Darum rusteten sie ein gross Schiff und schicktens widder die Ausleger. So betruffen sie die Ausleger und fillen sie an und schlugen sie und fingen ein gross Schiff vul der Ausleger und fhureten sie in die Stat. Und weren der Gefangen so viel, das man nicht gefencknus genug darzu hette. So lereten sie von den Gefangen selbst, wie man im thun solte, als das man eine Tunne nheme und einen Boddem ausschluge und durch den andern Boddem ein Loch machete, so groß, das ein Mensch den Kopff dadurch bringen mochte. Dieselbige Tunne stulpet man dem Gefangen uber den Kopff und macht unter durch die Tunnenstebe zwe Loecher, dadurch steckt man ein Holtz, das es dem Gefangen zwuschen die Beine durchgehet und schleusset aussenwendig durch das Holtz ein Sloß. Also mus einer in der Tunnen zusamen gedruckt und gezwungen sitzen, das er den Kopff oben aus halte, und khan sich gar nichts darin berüren; so er auch mit der Tunnen umbfolt, khan er sich nicht widder auffhelfen, sonder wo er lange so lege, so solte ime der Hals wol am scherffen Boddem abreiben. In solliche Gefencknus setzten die Sundischen die Serawber und liessen sie darnach alle kopffen.

100) K., 330. [Ao. 1479.] Darauff hat Hertzog Wartislaff... ime das Seel umbn Hals gethan und ine auff einen Klopper gesatzt und das Seel lassen an einen Bawm khnüpffen und den Klepper anhawen, das er unter ime wegkgelauffen ist.

101) K., 337. [c. 1480.] Herzog Bugslaff von Pommern läßt einen Arzt, der mit seiner Gemahlin »in Khuntschafft gekommen, greiffen und in einen Sack stechen und in die Oder werffen.« [Im Ms. ist die Strafangabe dann korrigiert in: »Zue Ukermunde auff dem Schloß im Gefengnus Hungers sterben.«] [Vergl. Nr. 17; 57; 63; 111; 115.]

Kriegsaltertümer.

102) K., 138. Kriegk und Jagt, welche dan, wie man sagt, Schwester-Kinder seint.

103) K., 113. Ein schoner Rawm und Platz, da man wol Herschawung thun khonte. Da sie nun daran khemen, do stunden die Karentzer und der Adel gerustet da, bey den sieben tawsent Mennern, und hetten ire Spiesse in die Erden vor sich niddergesteckt. [Vergl. Nr. 5; 7; 18; 132; 134.]

104) K., 227. Anm. 2. Eodem anno [1380] sollen die Buchssen erfunden sein.

105) P. II., 411/2. In vorzeiten haben sie [die Pommern] nur leichte pferde vnd rüstung geprawcht wie die Francken; jtzt aber haben sie schwere frische geule vnd gantze kuͤritzer, mehr zum standt wan auff die flucht geruͤstet, fhuͤren reimspieße, kurtze breite Schwerter vnd stridthammer. Das fusvolck hat nhur einen pantzer, oder ruggen vnd krebs, vnd eine packenetlein, fhuͤren zum merenteil rewtling, helparten, vnd schweinspieße, ist auffm wasser zum besten gevbet.

106) K., 310. In disser Belagerung [Ao. 1468] war zu Ukermund auffm Schloß ein schwartz Augustiner Münnich, der tette viel Schadens mit Schiessen. Dan er khonte schwartze Kunst, das er gemeinlich das treffete, was er wolte, wiewol es ime in allen nicht gluckte. Deshalben do er auch ein mall auff des Marggrafen [von Brandenburg] Gezelt zilete und der Marggraf aß, schoß er ime den Tisch und die Schusseln vorm Mawl wegk, welchs dan den Marggrafen nicht weinig erschreckte.

107) K., 106. [Ao. 1168.] Die Lenge liessen sie viel Holtzes zu Leytern, Schantzen und anderm Zewge, das man in der Belagerung und zum Storm bedorffet, zusamen bringen. Und als die Zimerlewt daruber arbeiteten und sich die zeit etwes verzog, ehe es alles fertig wurt.... [Vergl. Nr. 24; 31; 49.]

Christliche Altertümer.

[Sidenote: Heilige.]

108) K., 81. Anm. 1. St. Otto..., den die Pommern vor iren Apostel halten und ehren.

109) K. 73. Sanct Adelbert... und Sankt Steinslaf.... Die [Polen] halten die beiden Heiligen vor ire sondere Patronen.

110) K., 168. Hertzog Przemislaff von Posen hat zur Ehe genhomen Heinrichs, des Fursten von Mekelburgk Tochter Lutgarten, welche im Hertzog Barnim als der Grosvater verheirate und furstlich ausrichtete. So hette Przemislaff keine Erben mit ir, darum wurt er ir gram und verhengte, das ire eigene Hofmeisterin und Camerjunckfraw sie heimlich mit einem Stricke wurgten und sagten, sie wer sunst gestorben. So singen die Polen noch ein kleglich Lied von ir, wie sie so jemerlich gepeten hab, das man ir nur das Leben liesse und sie slechts in einem blossem Hembd widder in ires Vaters Land ziehen liesse. Aber es halff nicht. Und die Polen halten sie vor heilig.

[Sidenote: Kreuz.]

111) K., 288. [Ao. 1456.] Einem unschuldig Gerichteten wird »ein steinen Creutz, an der Stell, da sie inen gerichtet, zur Gedechtnus« gesetzt. [Vergl. Nr. 112.]

[Sidenote: Klerus.]