Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 42

Chapter 423,905 wordsPublic domain

65) P. II, 439. [Stralsund] In dieser stat ist one den rhat vnd kawffleuten nichts, das nicht in ein gilde oder werck geteilet were, vnd ein jglich handtwerck hat gemeinlich sein eigen gaßen ein, da sie zusammen wonen, damit ein handtwerck das ander nicht hindre. Man sagt, das hier allein viertzehn hundert treger seint, die nichts anders thun als das sie die waren aus den schiffen leuchten vnd in die stat tragen. [Vergl. Nr. 74; 82; 88.]

Die Kleidung und Körperpflege.

66) K., 69. Anm. 1. Der Frawen [des Dobislaff in Stettin] schenckte Sanct Otto [Ao. 1124] ein feine latzken Cortze, und nach den achte Tagen der Tauffe gab er den Knaben hüpsche weisse Zindel Westerhembde mit gulden Leisten und zwey gülden Gürtel und bunte Schuch und lies sie wider zu Haws gehen[178].

67) K., 264. Anm. 1. [Ao. 1426.] Hie sagt man, weil so verdriesliche Handlunge war und die Stette den Vertrag nicht wolten annhemen und ine doch nicht zufriden lassen, das der Khonig [Erich von Dänemark] die Lenge hat die Stette in einen Hoff zu sich khomen lassen, dar man ubel rein und trucken hinein khonte khomen zu Fusse. So haben die Stette lange Kleider mit statlichem Mardern und anderm Futter angehapt und hat sich ein iglicher geschewet, durch den Kot zu gehen. Die Lenge ist der Burgermeister vom Sund N. herfurgetretten und hat gesagt: »Ey, was stehen wyr hyr? Mein Hern vom Sunde seint wol so reich, das sie myr einen newen Rock khonnen widdergeben.« Und ist demnach mit Fleis durch den Kot gleich zu, da der Khonig was, gegangen und hat den Rock nichts auffgehoben.

68) K., 349. [Bugslaff X hat Ao. 1496 zur Jerusalemfahrt] sich und die Seinen auff dreyhundert Pferde gerustet und in rot Lundisch gekleidet und ist also im Jar 1496 am Tag Lucie ausgezogen... Und hat... alle seine Diener zu Nurembergk von newen angekleidet und gab den Knechten diessen Reim M. M. D. M. M. von gulden Flittern auff die Ermel, aber den Junckern gab ern von eitel Perlen. Den Knechten lies er die Kappen umb den Rand von eiteln silbern Flittern besticken und den Junckhern von Perlen.

69) K., 414. [Die Pommern] ubernhemen sich auch sehr mit Kleidung und Geschmuck, also das nhu unter dem Adel bey den Mennern samit und seiden Gewand und bey den Weibern gulden und silbern Stucke, Perlen und grosse guldene Keten gar gemeine ist. So setzen inen die Burger auch frisch nach und heben gleich auch an, Sampt, Perlen und Golt zu tragen. Und den wollen die Pauren nichts nachgeben und tragen nhu engelisch und ander gut gewant je so schon, als ehemals der Adel oder Burger gethan haben, und ubersteigen sich so hoch domit, das sie es von dem Iren ubel khonnen ausrichten. Darum steyern sie alle Wahre so hoch, das nhu allerley viel tewrer ist, als es pflag zu sein, und die gutte Zeit gar untergehet. Ach wo ist die Zeit geplieben, do die Fursten zu iren hohisten Ehren nhur einen scharlachen Rock und etwar ein samit Wambs und ein par leidischer Hosen hette, wie ich noch aus einem alten Register gesehen, das Hertzogk Wartislaff nhur gehapt. Doselbst ist man auch boser Tag bewohnen gewest, und seint erfharne, weidliche Kriegslewte gewest, die das Ire vor ire Feinde haben verteidigen khonnen und es auch meren. Aber itzt ist zu besorgen, das die Pracht der Kleider und der Ubermot und das leckerige weichliche Lebend wird leider die alte pomerische Art beid an Starcke und Sitten sehr verarten, dan kein farlicher Dinck ist zur Tugent, Manheit und Kraft des Menschen wan lecker Wolltage und Pracht. [Vergl. Nr. 2; 110; Pelzwerk 82; 90; Trauerkleidung 19; 63; Mönchstracht 132; Ring 76; -- Bad 74; 132.]

Gesellschaftliches Leben.

70) K., 299. Ist das Sprichwort wahr, das die Hoffart allein verterbe alle andere Tugend eins Menschen. [Scheltname vergl. Nr. 3.]

71) Über historische Volkslieder vergl. K. 195/6; 208/9; 251; 304; 343. Anm. 3. [Vergl. Nr. 110.]

72) K., 357/8 wird die Aufführung einer Comödie i. J. 1496 beschrieben, die dem zuschauenden Fürsten seine eigenen Heldenthaten vorführt.

[Sidenote: Gastfreundschaft.]

73) K., 415. Furder ist dis gemeine Folck [in Pommern] sehr abstorrig kegen Frombde sonderlich auff dem Lande und herbergt nicht gern, und wens einen schone herbergt, lests eim ungern, was man dorffet, wan man gleich duppelt geben wolte; und wans eim wes zustellt, wil mans inen bezalen, gut, wil mans auch nicht, so lassen sie es auch leicht geschehn; also wissen sie es nicht zu rechten Statten jemands zu reichen, und wan es wes gereicht, nicht bezallt zu nhemen; wiewol man in etlichen Ortern auch wol verschemte Lewte find, die nichts gern oder Guts langen und es darnach nicht hoch genug achten khonnen. In den Stetten aber, da die Herstrassen auffgehen und da Handel ist, da gehets besser zu, da kreigt man wol Herberge und Ausrichtung vor sein Gelt. [Vergl. Nr. 6; 127.]

[Sidenote: Gastmahl.]

74) K., 413/4. Das Folck aber ist durchaus sehr fressig und zerisch und mag inen eine leichte Ursach furfallen, das sie grosse Unkosten thun. Dan wirt ein Kint geporn, so haben die Weiber iren Prasz; wirts getaufft, so pittet man die Geuattern und nehisten Freund darzu. Gehet die Fraw wider zur Kirchen, thut man gleicher gstalt. Wan ein Hochzeit wirt, da pittet man Freund und Frombd zu, prasset drey, vier, funff und bisweilen mehr Tag aus und aus und schenckt dem Preutigam und Praut nichts; schenckt jemands etwas, mag die Freuntschafft thun, und das ist etwar ein zinnen Schüssel oder Khanne oder ein Tunne Bier, und wirt offter der gantze Brautschatz verprasset, wan etwas darvon erobert. Stirbt einer, so ist an etlichen Ortern gewonlich, das man die jennen, so bey der Begrebnus gewest, zu Gaste ledt und inen fluks aufschuppet. Ist der Totte etwas gewest, so lest man ime ein Seelbat nachthun, da sich die armen Leute baden und man inen Bier und Brot gibt. Darnach bestellt man vor sich und die Freuntschafft auch ein Bat, und baden auch und halten einen gutten Pras. Item es ist kein hoch Fest im Jar, als Ostern, Pfingsten, Weynachten, Fasnacht, man holt in den Stetten und Dorfern Bruderschaffte und Gilde bey acht und mehr Tagen, welchs alles mit Fressen und Sauffen ausgerichtet wirt. Also es khom einer zur Welt und wan er in der Welt ist und widder von der Welt scheidet, so mus geslemmet und gedemmet sein. [Vergl. Nr. 125.]

[Sidenote: Trinksitten.]

75) K., 304/5. Es ist von je her aus eine schentliche gewonheit im Land zu Pomern gewest mit dem Vullentrincken, und je mehr einer des hat pflegen khonen, je besser er bey den Lewten ist angenhem gewest; daher mannigerley Art und grobe Pussen des Vullentrinckens seint hergekhomen als: ein Klebletlein, das seint drey Gleser, ein iglichs im Truncke; wil einer dan ein Stenglyn darzu thun, das ist das virte glas; item den Fuchs sleffen, das ist, das man eine grosse Kanne nympt und umbher trincket. So mus der letzst, wan auch weinig daraus getruncken, das ander gar austrincken und dan ein frisch wider anheben. So kricht dan sein Nehister wider das letzste und so vortdhan die gantze Rege durch, weil sie trincken khonen. Item die Parlencke trincken, das ist einem eine grosse Schale zuzutrincken, und wans schyr aus ist, das Ubrige in die Awgen und die Schale auff den Kopff geslagen, und darum muß keiner nicht zornen. Item einen zu Wasser reiten, das ist: man setzt einem fern eine Schale mit Trincken, so muß sich derjenig, der trincken sol, auff Hende und Kny niderlegen, und einer, der ime zugetruncken hat, sytzt ime aufm Ruggen, den muß er tragen und so hinkrichen, bis das er zur Schale khumpt, und muß so niddergekniet die Schale austrincken und der ander sytzt oben ime, als der ein Pferd zu Wasser reitet. Item zutrincken Kurlemurlepuff, eine blancke Hase, eine Stenglin und der Unart so viel, das es Schande ist... Ob nhu wol, Got sey Danck, solche schentliche grobe Weisen des Vullentrinckens zu unsern Zeiten abgekhomen seint und aber dennoch sunst das Vullentrincken noch in grossem Schwange bey uns gehet... [Vergl. Nr. 7.]

[Sidenote: Jagd.]

76) P. II, 422/4. Es hat etliche große heyden im lande [Pommern] darvmb hats vberal gute jagt, an hirschen, rehen, wilden schweinen vnd behren. Hirsch vnd schweinejagt heget man nicht, sondern rehe vnd Hasen heget man an etzlichen ortern, also wan man wil, das man jrer in kurtzen tagen so viel slagen mag, als man vmmer haben wil. -- In der Vkermündischen heyde hats wilde pferde, die gehen bey gantzen hoden, dieselbigen haben allerley farbe wie andere pferde, alleine das sie einen gelben striemen vber den rüggen haben, seint nicht vbrig groß, aber sehr feste vnd arbeitsam. Man fenget sie im hagen, vnd sleget jnen ein strick vber den hals, vnd zewcht das zu, bis das sie schyr würgen. Darnach verhembt man sie mit stricken, das man sie handlen vnd vortbringen khan, vnd spent sie etzliche tage nacheinander für den pflugk, vnd treibet sie so lange, bis das jnen die wildheit vnd krafft gar gebrochen wirt. So leret man sie dan den zawm leiden, vnd werden darnach sehr gute pferde daraus, die viele arbeitens vnd böses erstehen mügen. -- In Pomern hats auch große heyden, die bis in Polen gehen, daselbst slegt man elende. Das thier hat von seiner vnmacht den namen bekhomen, den es hat gar nichts damit es sich weren khan; es hat wol breite hörner, aber es weiß sich nicht mit zu behelffen, sondern es verbirget sich in die unwegsamsten vnd tieffsten sümpffe vnd welde, das es sicher sey. Es khan aber einen minschen oder hundt weit erwittern, dasselbige ist jme offte zu heyl, sobald aber die hunde zu jme khomen, ists gefangen. Es ist von leibe wie ein großer ochse, aber die beine seint jme viele höher, vnd hat nhur kurtze weißliche gelbe haare, vnd gut fleisch zu essen. Die klawen helt man für die fallende sucht gut, darvmb macht man ringe daraus vnd treget sie vber den fingern. Etzliche haben gemeint, es habe keine kne oder gelencke, aber das ist falsch. -- Sunst fenget man auch durch das gantze lant viele merdern, jleß, wilde katzen, wülffe, füchse, otter vnd biber, deren felle man zu futter vnd bremen geprawchet. Otter synt thiere wie ein hundt, aber nicht so hoch, sondern viel lenger, haben kurtze, dicke brawne hare vnd einen kleinen rawgen schwantz, wonen in den waßern, vnd leben von den fischen. Dieselben fenget man in wehren, oder sunst mit hunden. Ein biber aber ist ein otter am leibe schyr ehnlich, aber an haren vnd schwantze treget er nicht mit ihm vberein. Den ein biber ist schwartzlechter, vnd hat lange hare, vnd hat einen kahlen breiten schwantz on alle hare, wont in vnd bei den vließenden waßern, vnd lebet auch von den fischen. Wen er bei dem waßer sytzt, hat er stets den schwantz ins waßer, man meint, das die fische gern darnach sleichen, vnd das er sie also erhaschen khöne. Er hat seltzam arth an sich, er bawet ein nest von holtz vnd sprecklen; so er sich versieht, das das waßer dis jar nicht vberlawffen werde, bawet ers nicht hoch, wo er aber meint, das es sich ergießen werde, bawet ers höher. Item er hat scharffe zehne, damit er große bewme khan darnidderlegen, vnd khan nicht wol leiden, das die bewme an dem ort am vfer, da er seine wonunge helt, sein; darvmb hewt er sie ab, vnd wen er den ersten haw thut, so lawffet er zurügge, vnd siehet ob auch der bawm fallen werde, vnd so offt als er hawet thut er das, bis er den bawm fellet. Er hat die kugeln, welche man in der artzeney werdt helt; so schreibet man davon, wo man nach jme stellet, vnd er nicht entkhomen khan, so sol er sie selbst abbeißen vnd hinwerffen, damit der jeger wen er sie siehet, auffgehalten werde, jme so hefftig zu folgen, dan er weiß wol, das jme derhalben am meisten nachgestellet wirt. Vnd sunst ist auch der schwantz vnd die füße ein fürstenessen, darvmb verlest jne der jeger nicht bis das er jne bekhumpt. [Vergl. 45; 47; 48; 102.]

77) P. II, 435. In demselben holtz [der Stubbenitz auf Rügen] hats einige jagt, als kleine spitzhirsche vnd rehe, sunst ist die jagt nicht gemein da. Auff Wittow aber haben die fürsten ein hasengehege, da seint vberaus viel hasen, vnd muß kein pawer daselbst einen hund haben, er habe den nhur drey bein oder sey sunst gelehmet. Vnd wen die fürsten wollen, khönen sie da so viel hasen schlagen lassen als sie wollen. Sunst hat das lant keine jagt.

78) K., 337/8. Hirnach [c. 1485] jagte Hertzog Bugslaff in der ukermundischen Heide. So kham ime ein grosser Hirsch vor, derselbig wolte nicht zu Netze. So rennete er ime nach und drengte inen so hart, das er vor ime zu Lipegur in das Dorff auff den Kirchhoff lieff. Daselbst beringten ine die Hunde, das er nyrgentz vor inen genesen mochte. Und Hertzog Bugslaff steig vom Klopffer und wolte ine stechen. Do der Hirsch dasselbig sahe, setzte er zu Hertzog Bugslaff ein und lieff ime selbst ins Spiesz. Aber er wurt nicht totlich verwundt. Darum eilte er auf Hertzog Bugslaffen und sties ine mit den Hornern umb und umb und sties ime in die lincker Seite eine grosse Wunde, das ime die Lunge heraus her hinck und hette ine auch gar erwurgt, wo die Diener den Hirschen nicht daruber erstochen hetten. Do lag Herzog Bugslaff vor tot und seine Diener brachten ine auff einen Wagen und fhureten ine eilends nach Ukermund und liessen ine da widder auffkülen und verbinden.

79) K., 16. Anm. 4. Die unbenossen Schweinehunde, welche, so balde sie das Schwein ersehen, gerate nhur zu yme anlauffen und menlich darein beissen und keine Wunden oder Streiche achten, bis das sie es etwar fellen oder es sunst gestochen wirt.

80) P. II, 424/7. Von weidewerk. Es [Pommern] hat vrhanen, barkhüner, haszelhüner, velthüner, kraniche, schwane, trappen, wilde gense vnd enten vberflüszig; aber man thuet keinen vleisz dazu das man sie fenget. Allein findet man bisweilen, das nach den velthünern und wilden gensen vnd enten gestellet wirt, doch ists nicht gar gemeine, one was die fürsten durch jre weidelewt laßen thun. Das ander geuögel schewszt einer wer da wil vnd khan. Es hat aber jn einer jnsuls, der Ruden geheißen, welche in der sehe liget, ein seltzam weidewerck mit den wilden gensen. Den vmb pfingsten, wen die gense beginnen zu mawsen vnd die federn auszuwerffen das sie nicht wol fliegen khönen, so ist jnen leide vor den ganszarnt, falcken oder habicht; deshalben fliegen sie gegen die zeit ins meer. Da seint sie al die zeit vber weil jnen die feddern nicht widderwachsen, den gantzen tagk im waszer, vnd wen die ganszarnt oder ein ander rawbvogel khumpt, so duken sie vor jnen vnters waßer, das sie sicher seint, vnd auff die nacht so gehen sie den auff die jnsul zu lande, das sie eßen suchen wollen. Daßelbige nhemen etzliche wahr, vnd legen an dem orte da sie herkhomen, netze, vnd bedecken sie mit sand, bis die gense darvber seint; so rücken sie die netze auff, das sie gerate vber ende stehen, vnd jagen den die gense nach dem netz, so khönen die gense weil jnen die federn ausgefallen, nicht darvber fliegen, darvmb sleget man sie den mit knütteln zu totte, vnd sollen bisweilen wen das glück gut ist, dreitzigk, viertzigk oder funfzigk gense auff einmal geslagen werden. Es sollen auch offt die fischer zu dieser zeit mit zwey oder drey khanen in die sehe fharen, vnd einen hawffen gense zwüschen sich behalten, vnd mit langen Stangen darvnter slagen, da sie den offte viel von treffen vnd bekhomen. Vnd weil die Pomern mawsen auff jre sprache ruden heißen, haben sie diesem werder den nhamen davon gegeben, das es der Ruden heißet.

Man fenget auch schöne falcken im lande, aus der vrsachen, wen die falcken in den nortlanden vber meer jre jungen ausgeheckt vnd erzogen haben, vnd es auff den herbst khumpt, das sie widder wegk wandern wollen, so müßen sie vber die ostsehe, vnd weil dieselbige lang vnd breit ist, also das sich die falcken nicht setzen vnd ruhen khönen, werden sie von fliegen vnd langen reise mat vnd hungrig. Darvmb seint zu derselben zeit etzliche falckenfenger aus Niederland hie, die deshalben alle jar herein khomen; dieselben stellen an bequemen orttern eine gans oder henne, vnd binden das, das es auff und nidder flewcht. Alsbalt ein falcke khumpt, schewßt er darnach, das ers erhasche, deßelben nhimt der falckenfenger wahr, vnd ist so behende mit dem netze, daß er den falcken im niederschießen beslecht vnd fenget. Der sollen sie also bisweilen hundert vnd mehr fahen, vnd in Frankreich bringen, da sie jnen groß gelt gelten. Wen sie sie aber tragen, so hat ein ichlicher zwey lange ricke auff beiden achßeln, darauff haben sie die falcken nach einander gebunden, vnd zihen so mit jnen bei hawffen herein. Es khan aber einer gedencken das die falcken viel freßen, vnd würden den falckenfengern viel kosten, so sie jnen stets speise kawffen solteri. Darvmb pitten sie den von den pawren die alten hunde, die nichts mehr dugen; die fhüren sie mit, vnd wen sie die falcken speisen wollen, so slagen sie einen hund vnd geben jne den falcken zu eßen. Also sollen die falcken zun ichlichen mahl wol einen gantzen großen hundt auffreßen.

[Sidenote: Fischerei.]

81) K., 411. Des Somers gehen über hundert Zesekhan darauff [auf dem frischen Haff], das seint kleine Schiffe, die khonnen gegen und mit dem Wynde segeln; da hengen die Zesener ein Netze an, welchs ein Zese heisset, und segeln domit das Haff auff und nider und fischen so; was sie grosses fahen, saltzen sie ein oder bringens in die umbliegende Stette frisch zu Marckte; was sie Kleins fahen, das ist umb Schnellickheit willen des Khans in dem Netze alles erstickt. Das schutten sie widder ins Wasser, und man mag Jamer sehen, was kleines Fisches also vertorben wirt. Diesse Zesekhane mussen ein jeder dem Fursten des Jares funff gulden und ein Virteil all geben; und wan sie des Orts zu Notdurfft ires Hofes oder Gepewes von den umbliegenden Ortern etwes von der einen Stat zur andern wollen gefhuret haben, dasselbig mussen die Zesekhane auch thun, welchs den Fursten ein nütze Dinck ist. Auff dem Winter, wen das Haff mit starckem Eise belegt ist, so haben die umgesessen Fischer grosse Netze, darzu eins Teils 20, dreitzigk und mehe Lewte sein müssen, die es zihen; die hawen Locher ins Eis und beslagen einen grossen Rawm domit und zihens mit langen Stangen. Also sollen sie offt auff einen Zug vor hundert, 2 oder dreihundert Gulden Fische fahen, bisweilen auch wol mehr und weiniger. Derselbigen Netze khomen viel darauff, und ehe sie ein Netze einwerffen, müssen sie den Fursten von iglichem Netze funff Gulden geben. Darnach, wan sie was gefangen, müssen sie den Fursten den grossisten Fisch, der im gantzen Hauffen ist, geben, desgleichen allen Lachs und Stoer, den sie fahen. Darnach seint dar aus allen Landen Kaufflewte; dieselben keuffen die andern Fische und saltzen sie ein und verfhuren sie in alle Lande. Von dem Gelde aber, das vor die Fische khumpt, nhemen die Fursten auff dem lassanischen Wasser den dritten und auff dem frischen Hafe den sechsten Pfenningk. Und hat inen, wie myr gesagt ist worden, der dritte und sechste Pfenningk bisweilen in die dreytawsent Gulden ein Jar getragen, daraus man achten khan, was eine grosse Gewalt Fische dar mus gefangen werden. Dan so sich der Dritte und Sechste so hoch erlauffen, khan man wol rechnen, das sich die gantze Summa des Gelts uber die 12000 Gulden erstreckt hat. Und ob wol solliche ungleubliche Mennige der Fische daraus gefangen wirt, so wirt doch das Haff domit an Fischen nichts nicht verwustet. Dan auff das Vorjar, wan die Fische leichen, so tretten sie aus dem Mehr in das Haff, als in ein frisch Wasser, und leichen darin umb Werme willen; dan das Haff liegt inwendig Lands, das es nicht so kalt, gestrenge und ungesteum ist als das Mehr. Und gehen die Fische bisweilen so dicke die Zweine hinauff, das die Fischer sagen, man mochte einen Stangen zwuschen sie stossen, das er nicht ummefille; und also wirt ummerzu das Haff widdererfullt. Es khomen aber auch wol etliche Jar, darin es nicht so viele Fische hat als auff andere Jare; die Ursachen seint ununbewust, und dan fehet man zum meisten Lachs; und wan die Fischer Lachs spuren, so halten sie es vor ein Zeichen, das nicht viel Fischs vorhanden ist, und sehen dasselbig ungern; dan allen Lachs und Stör, so sie im Hafe fahen, mussen sie der Herschafft geben. Sunst aber fengt man in dem Mehre den meisten Lachs und Stoer; den dorffen sie der Herschafft nicht geben.

82) P. II., 427-431. Von fischereye. Fischerey hat das land vbertrefflich... In der saltzen sehe werden allerley fische gefangen, fuͤrnehmlich werden schoͤne stoͤre darin gefangen, item sehehunde, welche die Pommern salhunde nennen. Die seint recht wie hunde, vnd haben weißfahle haar, vnd forne fuͤße wie ein hundt, aber hinten haben sie breite fuͤße wie eine gans, damit sie sich im wasser behelffen khoͤnen. Sie werffen ire jungen wie andre thier, das mehrenteil seint sie im waßer, aber wen es gut wetter ist, so liegen sie auff den großen steinen im waßer, oder auf dem strande vnd verwettern sich. Man sol bisweilen an den orten da sie gute dege haben, vber etzliche hundert stuͤck sehen, wen man aber mit schiffen bei jnen hinfharet, so schießen sie ins waßer vnd ducken sich vnter, bald khomen sie vmbs schiff wieder auff, vnd spilen, vnd lassen sich sehen, und hoͤren gerne wan einer mit dem mawle pfeiffet. Dieselben salhunde schewßt man mit der buͤchßen, vnd sobald sie geschoßen seint, khoͤnen sie nicht vnters waßer pleiben, den die sehe leidet kein verwundt, auch kein ahs. Darvmb haben diejenen, die sie schießen, hunde, welche darauff zugericht seint, dieselben holen sie zu lande. Man fenget sie auch in den netzen, wen sie nach den fischen sleichen; sie seint viel feister den ein schwein, darvmb ißet man nhur das mager fleisch darvon, das kochet man wie wildbret; von dem feisten machet man salspeck, das ißet man in der fasten, vnd den trahn, so die bewtler vnd andre handwerker geprawchen. Von den fellen machen die fischer bisweilen jekichen, auch bezewcht man viel taschen damit, vnd ist sehr dicht vor regen; es hat die natur, wenn es regnen will, das sich die haare auffstruͤben.

Man fenget in der sehe auch meerschweine, die haben keine fuͤße, keine haar, kein mawl, sondern vnder am halse wie ein schlunt, auch keine zene, sondern eine dicke schwartze haut; synt wie andre fische, aber haben jre kunde, dabei man siehet, welche menlyn oder weiblyn seint, vnd werffen auch jre jungen wie andre thiere. Dieselben seint auch sehr feist, darvmb kochet vnd ißet man von jnen das mager, wie vom salhunde, vnd machet vom feisten thran. Man fenget in der fasten auch einen fisch, der heisset hornfisch, hat gruͤnweiß fleisch vnd gruͤne graten, vnd einen schnabel wie ein storch, ist einem ahl nicht vngleich, allein das er dicker ist. Den eßen die armen lewte, den er ist nicht sonders geschmacks. Item man fenget auch einen fisch, den nennet man doͤrsch, der ist von der arth da der stockfisch aus wirt, ist gut zu essen, vnd hat eine große leber, die man vor leckrig achtet.