Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 41

Chapter 413,986 wordsPublic domain

24) K., 103. [Arcona i. J. 1168.] Dieselbig Stat was gelegen auff der Insel Wittow, (dan das Land zu Rhugen ist noch in andere Inseln geteilt) auff einem hohen Berge am Meer und war vom Norden, Osten und Süden von Natur vhest, dan der Bergk war steyer herab und so hoch, daß man kawm mit einem Pfeilschuß die Hohe der Mawren erreichen mochte; vom Nidergange aber was sie mit einem Walle von funfzigk Ellebogen hoch befestet, welchs Walles unterste Helffte von Erde und Leime was, und die andere Helffte oben was von Plancken und Bretern, dar Erde zwuschen geschuttet was und dar auch etliche Plochheuser eingemacht weren. Vom Nortnortwesten war ein hupscher Brunnensprinck, da die Burger ir Wasser aus holeten, und daselbst was nhur ein Thor, da man durch den Wahl an die Stat khomen mochte, und sunst kein Thor mehr. Und das Thor hetten sie itzund gar mit dem Walle uberschuttet, das die Feinde nirgentz khonten daran khomen, allein durch das einige Thor.... [Die Feinde zünden dieses an, und] nham das Fewr uberhand und hette das Thor und den holzin Thorn, so darauff stund,... all verprant und grasete je lenger je weiter an den Blochheusern.

25) P. II, 458. Pasewalk. Es ist auff die Merkische arth gepawet mit weiten gaßen, großen gekleimeten hewßern, hat gar keine oder gar weinig gemawerte hewßer.

26) P. II, 459. [Piritz] ist nicht viel beßer gepawet [als Pasewalk].

27) P. II, 441. Stettin hat mehr vnd beßer gemecher in den hewsern wan zum Sunde [= Stralsund.]

28) P. II, 445/46. [Stolp.] Es sein aber weinig hewser mit ziegel gedecket, der vrsach, das die stat jm jar 1476 auff Tiburtij von eigenem fewr gantz vnd gar ausgeprant, also das allein ein haws stehen geplieben, vnd darnach ehe die hewser widder gebawet vnd die giebel bevhestet worden, ein starcker windt entstanden, der die giebel vnd mawren eingeworffen, vnd die bürger des brandschadens halber vnvermugener worden, vnd sich bishero nicht erholen mugen, auch der kauffmanshandel so da gewest gein Dantzig verrücket, vnd fürnhemblich auch vmb mangels willen der zigelerde.

29) K., 141/2. Im Jahr 1209 hat Jaromar, der Furt von Rhugen, im Land zu Bart begünt die herrliche Stat Stral-Sund gegen dem Land zu Rhügen uber, welche man auch slechts den Sund nennet. Und meinen etliche, weil die Denen zu dem mal des Orts viel Handlung gehapt, es sol ein denisch Nhamen sein von der Insel Strela, welche man doch itzt nicht weis, wor sie gelegen ist, und dem Nhamen Sund, das auff denisch bedewtet einen Strom oder Hafenung. Etliche meinen, die Stat sey von einem Fischer, der Stral geheissen und an der Stette, do man die Stat daselbst auffgelegt, gewonet hat, genennet worden; und dasselbig glawb ich lieber; auch giebt mir das desselbigen so viel Glawbens mehr, das die Denen je so oft diesse Stadt Stralbuhe, das ist Strals Stat, wan Stral-Sund nennen.

30) P. II, 162/3. [Die Lübecker zerstören i. J. 1273 Stralsund.] Hiernach baweten die uberblieben Burger und die Rhüyaner die Stat widder, das Mererteil in Holtz wie zuuor. So brante sie nicht lange darnach noch einmal von irem eigenen Fewr gar aus. Darumb vereinigten sich die Burger samptlich das keiner widderbawen solte anders, wan von lawtern Steinen. Und haben Vertrag gemacht mit den Hollendern und andern Nidderlendischen, das sie in irer Stat solten alle Freyheit und Handlung haben, und haben von inen Gelt genhomen und sich auff genugsam Kalck und Steine und andern Vorrhat versorgt und die Stat aus lawterm gebranten Steine auffgebawet und die Gassen so hupsch gerade aus und das eine Haus wie das ander, das einer meinen moge, die Stat sey uberal in einer Stunde gebawet, und ist auch keine Sehstadt an dieser Ostsehe, die durchaus so einlich gebawet were als sie. Lubeck ist wohl grosser und hat an etlichen Ortern statlicher Hewser, aber so eintrechtig und gerade nicht durchaus wie der Sund. Und von diesser Zeit an ist der Sund so gestalt wie man ine noch sicht.

31) P. II, 437/8. [Stralsund] ist eine sehr wolerpawete stat von eitel zigelsteinen, vnd die hewser eins dem andern fast auch einlich, vnd die gaßen so ordentlich oder schnurgleich, als man keine jres gleichen an der gantzen ostsehe findet. Ist sehr stark und vheste, hat zehen thore, sechs zu wasser vnd vier zu lande. An der einen seiten leit es an der sehe, gegen dem lande zů Rhügen, auff der andern seiten hat es vmb vnd vmb große tieffe teiche vber armbrustschoß langk, dazwischen demme gehen, dadurch man zur stat khumpt, welche mit zwingern verwaret sein. Aber die stat hat gar keine welle, sondern zwüschen den teichen vnd der stat ist noch an etzlichen ortten ein kleiner graben. In der stat sein die gaßen sehr enge, vnd an allen ecken große ketten, die man vor die feinde vberhenget, vnd ist die stat dadurch so vheste, wo die bürger nhur menner wollen sein, das sie den feind mochten in die stat laßen, vnd auff jren hewßern stehen, vnd den feind in den gaßen mit steinen tot werffen[176].

32) P. II, 440. [Stralsund.] Der weinigste teil [der Lastträger etc.] wonet in den hewßern oder buden, sonder allein vnter der erden in den kellern; den es wonen hie etzliche tawsent in den kellern.

33) K., 34-36. Weil wyr itzt so auff Wineta khomen, wollen wir anzeigen, was Helmoldus darvon schreibt, welchs also lawtet: »Wineta ist gewest eine gewaltige Stat, welche hatte eine gutte Hafen vor alle umbliegende Volcker, und nachdem viel von der Stat gesagt wird und das auch schyr ungleublich ist, so wil ich des wes erzellen. Es solle gewest sein so gros eine Stat, als zu der Zeit Europa eine haben mochte, welche bewhonet haben durcheinander Greken, Slauen, Wende und ander Volcker. Es haben auch die Sachssen Macht gehapt da zu wohnen, doch das von denselben Volckern keiner den Christentumb habe berhomen und bekhennen müssen. Dan alle Burger seint abgottlich geplieben bis zu entlicher Zerstorung und Unterganck der Stat. Sunst aber von Zucht, Sitten und Herbergen solt man kawm irgentz fromer Volck noch ires gleichen spüren. Die Stat ist von allerley Kauffwahr aus allen Landen erfüllt gewest, hat alles gehapt, was nhur seltzam, lustig und nottig gewest ist. Dieselbe Stat solle ein Khonig aus Denemarcken durch eine große Schiffung und Krieg erobert und zerstoret haben. Es seint noch verbanden Beweisung und Gedechtnus der Stat, und die Insel, daran sie gelegen, wirt mit drey Stromen[177] durchflossen, davon einer sol sein grüner Farb, der ander grawlecht, und der dritte solle stets prallen und rawschen von Storm und Winde.« So weit Helmoldus, der geschrieben hat ungefer vor IIIIC Jar.

Und ist war, das man die Nachweisung noch diessen Tag sihet. Dan wan einer von Wolgast über die Pene in das Land zu Usedhom zihen wil und gegen ein Dorff, Damerow geheissen, khumpt, welchs bey zwu Meilen von Wolgast ist, so sihet man noch ungeferlich ein gros viertel Wegs in der Sehe grosse Steine und Fundament; dan das Meer hats so weit eingewaschen. So byn ich auch sampt andern hinzugefharen und hab es eigentlich besehen, aber kein Mawerwerk ist mehr da; dan es seint so viel hundert Jar sidder der Zerstorung, das es nicht müglich, das es vor dem ungestewmen Meer so lange bleiben mochte. Allein seint die grossen Fudamentstein noch vorhanden und liegen noch so an der Rhege, wie sie unter eim Hawse ligen pflegen, eins neben dem andern, und an etlichen Orten andere noch droben. Darunter seint so grosse Steine an vielen Orten, das sie wol ellenhoch uber Wasser scheinen, als das man achtet, sie werden ire Kirchen und Ratshewser daselbst gehapt haben. Die andern Steine aber liegen feyne noch in der Ordnung und zeigen sichtlich an, wie die Gassen seint in die Lenge und Qwere gegangen. Und die Fischer des Orts sagten uns, das noch gantze Steinpflaster der Gassen da weren und weren ubermoset, auch mit Sande bedeckt, das man sie nicht sehen konte. Sunst wan man einen spitzen Stangen hinein stiesse, so khonte mans wol fülen, und die Steine ligen ungeferlich so:

Und wie wyr hin und widder über die Fundamente fhureten und die Gelegenheit der Gassen anmerckten, sahen wyr, das die Stat in die Lenge ist gebawet gewest und hat sich mit der Lenge erstreckt von Osten ins Westen. Nhun tieffet sich aber die Sehe, wan man bas hinein khumpt, je lenger je mehr; darum khan man die ubrige Grosse der Stat nicht alle sehen. Aber was wyr sahen, deuchte uns, das es wol so groß war als Lubeck. Dan die Lenge macht wol ein klein virteil Wegs, und die Breite was grosser wan die Breite der Stat Lubeck. Daraus mag man gissen, was villeicht die ander Grosse, die wyr nicht sehen khonnten, sein moge. Und ich achts dafur, do diesse Stat zerstoret sey, das do Wisbu in Gotland widder auffgekhomen sey.

34) K., 36. [Wisby] Das ist auch eine gewaltige Stat gewest von eitel gehawenen Steinen und die Hewser alle oben gewelbt on Techer, darauff viele Vischteiche haben gehapt. Doselbst haben alle diesse Sehestette bisher ire Wasserrecht geholet. Itzund aber in kurtzen Jaren hat sie durch Mewterey und andern Unfall so abgenhomen, das man sie kawm mehr nennet und das uns die Steine von iren verfallen Hewsern hergepracht werden, da wyr Steinkalck von brennen.

35) K., 74. Wollyn... zu unsern Zeiten kawm ein Stetlin von drey oder vierhundert Burgern ist.

[Sidenote: Feuerung.]

36) P. II, 435. Es hat weinig holtzes auff dem lande [Rügen], darvmb müßen sie an vielen ortern auffgetrögete rasen, welches sie törff heißen, vor holtz verbrennen. Es hat nhur ein holtz, das etwas ist, das heißet die Stubbenitz, daraus nhemen die beiliegenden flecke vnd dörffer fewerunge.

[Sidenote: Städtenamen.]

37) K., 210. [Alle Städte der Mark fallen zu dem falschen Waldemar] und pleib nichts under Marggraff Ludwige wan Franckfhort an der Oder und Trewen Brietzen, davon die Stat noch den Zunhamen hat, das sie trew genant wirt.

38) K., 262. Es khemen aber die Hussiten in die Marke bis an die Uker, und nachdem es Hertzog Casemyr [von Stettin] hart vor der Thür war, zog er dem Marggrafen zu Hulffe, und haben die Hussiten im Widderkeren bey Angermund geslagen, und davon heist die Stat Ketzer-Angermund zu Unterscheide des Angermünde, so an der Elbe ligt. Sunst heissts Newen Angermund. [Vergl. Nr. 135.]

Landbau und Nahrung.

[Sidenote: Ackerbau.]

39) P. II, 421/2. Daßelbige land treget vberflüßig getreidig, roggen, weitzen, gersten, habern, erbsen, heidekorn vnd hopfen, also das man nicht das zweintzigste teil im lande bedarff. Darvmb verfhüret man viele roggen vnd maltz westwertz in Schotland, Holland, Seheland vnd Braband, vnd hopffen vnd maltz in Schweden vnd Norwegen; vnd sol wol ein einig bürger befunden werden, der im jar wol vierhundert last korns, das seint vngefherlich zehen tawsent scheffel, verschifft. Item man erzewcht im lande gute pferde, große vnd kleine, viele ochsen, schweine, schaffe vnd bienen, welche man in viele lande verkawffet; den das land ist vuller wiesen vnd weiden. Vnd von demselbigen viehe hat man auch andre mehr war, die auch weit verfhüret wirt, als honig, speck, butter, wulle, hewte vnd vnslet, das wol einen geringen namen hat, aber doch gut gelt ins lant bringt. [Vergl. Nr. 96; Weinbau Nr. 42.]

40) K., 101. Man treibt die Pflug so lange, bis das das Rad zerbricht.

[Sidenote: Bernstein.]

41) K., 409. Ich weis nichts Sonders, das dis Meer [die Ostsee] Seltzams tragt, allein Bernstein, den die Hochteutzschen weissen Agtstein nennen. Das ist etwar Hartz oder Glar aus feisten Bewmen, villeicht aus Keinen- oder Fichten-Bewmen, welchs bey Somerzeiten ausfleust und ins Mehr fehlt und alda wie ein Stein gehertet wirt und darnach, wan das Mehr durch Storm geruret wird, an Land khumpt. Das es aber Hartz oder Glar sey, khan man daraus haben, das es prent und reucht wie Hartz, und das man offt inwendig Mücken und ander Dinck darinne find, welchs do der Hartz weich geweist, darin gefallen und darnach darin gehertet ist worden. Wiewol Valerius Cordus meinet, der Barnstein khome her von einer sonderlichen Ader oder Flusse aus der Erden, wie Petrolium, und darnach von der Lufft oder der Sehe also wie ein Stein gehartet wirt. Diesserselbe Bernstein wirt nirgentz anders gefunden, wan in Pomern und in Preussen, und slecht zu Lande, wan der Norden-Wynt hart stormet. In Pomern ist er itzund weiniger acht, und mag ine ein iglicher suchen und lesen, wer nur wil, on alle Ungelt und Hindernus; aber zu der Zeit, do man Paternosterstein daraus pflag machen, was er in hoher Acht, und müste ine damals nicht ein iglicher lesen, sonder die Amptleute nhamen ine von wegen der Herrschafft zu sich. Wan er gefunden wirt, ist er gar ungeschaffen wie ein Rust; darnach poliret man ine, und er ist zweyerley, weis und gelb. Der weisse ist nicht so durchscheinig wie der gelb, doch haltet man mehe davon wan von dem gelben. Dan man meint, er sey zum Steine und zu der Frawen gepurt gut. Den gelben gepraucht man nicht so sehr.

[Sidenote: Bergbau.]

42) K., 407. Das Land [Pommern] hat gar keine Ertze wan Eisen und Saltz, auch keine Weinberge sonder allein umb Gartz und Stettin. Es wuchsse aber wol an vielen Orten Wein und wer auch wol die Gelegenheit darnach, aber das Volck ist so unachtsam, das es sich nicht darzu bemuhet, und lassen sich benügen mit irem Bier.

[Sidenote: Tierzucht.]

43) K. 362. [Der Leibhengst des Herzog Bugslaff i. J. 1496:] Darin hielt er den Unterscheid, wan der Knecht darauff saß, das er slecht und alber hereinher trat und gar keinen Pranck treib; aber wan man ime die Sammytdecke und Hinterzeugk aufflegte, das er merckte, das Hertzog Bugslaff selbst reiten wolte, so reckte er das Haupt und den Mot auff, trampfete und kratzte mit den Füssen etc... [Vergl. Nr. 39; 76; 105.]

44) P. II, 463. Das land [Ruͤgen] hat sunst nichts nhamhaftiges, allein das es große und viele gense hat. Alles was die einwoner zu kawffe haben, das müßen sie zum Sunde vnd nyrgentz anders zu markte bringen. Darvmb saget man auff schertz, wen die Rhügianischen gense aus dem thore gehen, so recken sie den hals auff nach dem Sunde, das sie dahin zu markte wollen.

45) K., 280. Hertzog Barnym der alte hat nhur al sein Thun auff Jagent gelegt und hat die Hunde so lieb gehapt, das er einmal gesagt, do man ine gepeten, das man zu Gutzkow ein Haus vor die Armen pawen wolte, so er wes ubrigs hette, wolte er ein Hospital vor alte kranke Hunde auffrichten. [c. 1450.]

46) P. II, 435. [Zu Ruͤgen] leget der adel vnd auch die pawren viel fleißes daran, das sie schöne windhunde erziehen, die sie den außer landes verschencken, vnd pflegen gern sonderlich gut sein...

47) P. II, 435. Auf Wittow aber haben die fürsten ein hasengehege, da seint vberaus viel hasen, vnd muß kein pawer daselbst einen hund haben, er habe den nhur drey bein, oder sey sunst gelehmet. [Vergl. Nr. 79; 80.]

48) K., 225. Anm. Eodem anno [1372] gibt Wartislaff der elter der Kirche zu Camin ein Wesant-Horn, das er selbst geslagen und mit Silber belegen und vergulten lassen, das [man] Heiligtumb darin tette... Von diessem Thyr weis man itzund nicht mehr wider in Preussen oder Polen.

[Sidenote: Speise.]

49) K., 304. Anm. Ao. 1465. Torgelow [est]... captum et destructum. Capti 14 viri cum tribus juvenibus et aliquot feminis. Reperta multa vasa cereviciae, medonis, multae lastae frumenti, 300 latera lardi et multae carnes fumigatae et sale alias conditae.

50) K., 365. Anm. [c. 1498]. Spottvers des Mariotto (diesser ist bei Bischoff Benedictus gwest): Ali mali, pulli nulli, pisciculi parui, flackfischi, heringi, dorski sunt pomerische richtki. [Vergl. Nr. 51; 76; 82; Krankenspeise 145; Fastenspeise 82; Gewürz 88.]

[Sidenote: Trank.]

51) K. 415. Man hat lange Zeit nicht abzuwol im Lande gekocht, auch sehr grob Bier gebrawet, aber nhu mit der Zeit beginnen sie es besser zu lernen und leren itzund von den Hochteutzschen, so viel darin handlen oder sich setzen, auch leckerich zu leben. Süße Weine bringt man zu Lande von Leiptzk oder zu Wasser aus Niderland. So khan man an etlichen Orten auch wol gut Eimbecks Bier und Mumme haben. Reinischen Wein bringt man auch zu Wasser, desgleichen viele frantzosische Weine. Lantweine khomen aus der Slesie und Lawsitz die Oder herab, hungerischen, behmischen und Francken-Wein bringt man vor Fisch und Heringk zu Wagen ins Land. Das Bier im Lande ist an vielen Ortern auch nicht bose. Sunst was Essen betrifft, gibt das Land an Wiltpret, Weidewerck, Fischen und anderm uberflussig.

52) P. II, 459. [Pasewalk]. Man brawet allhyr starck bier, das pasenel heiszet, das man verfhüret.

53) P. II, 461. [Barde]. Es brawet hier gut bier, das man hin und widder verfhüret. [Vergl. Nr. 42; 49.]

54) K., 236. Ao. 1405. Barnim ist ein sehr messiger Fürst gewest von Essen und Trincken, sonderlich von Trincken; dan man hat ine ny ein Halbs oder Gantz trincken sehen, viel weiniger ine ful gesehn; hat selten Bier getruncken, und Wein hat er nymmer getruncken on an seinem Ostertag; sunst ist sein Getrencke Couent gewest oder, wo er den nicht gehapt, gut frisch Wasser.

Handel und Gewerbe.

[Sidenote: Eigentum.]

55) K., 274. [Ao. 1435.] Weil wir aber von dem Schatz gesagt, den Khonig Erich mit sich prachte, wollen wyr auch anzeigen, was die Alten darvon sagen, das er gewest sey. Es sol erstlich ein Jesusbild wie ein Knab von XV Jaren groß gewest sein von lawterm Golde, zwolff Apostel wie Kinder groß von eitelm Silber, ein gantz Einhorn, eine Monstrantz von eitelm arabischen Golde, ein gulden Pfenningk uber hunderttausent Gulden wert, den er mit seiner Khoniginnen krech, die gulden gans vom Sloßtorm zu N. und al sein Silbergeschyr und Cleinodia. Davon hat er die Monstrantz in die Capelle auff das Schloß zu Rugenwalde gegeben und das Sacrament darin thun lassen und darvor das Einhorn zu einem Leuchter gesatzt, welche beiderley ich gesehn hab, desgleichen noch etliche statliche Credentz und silbern verguldete Schusseln, die warlich prechtig und groß seint. Wie es aber umb die andern Schetze ist, weis man nicht, etliche meinen, sie seint noch gantz vorhanden, etliche meinen nein, aber die Fursten lassen ire Heimlichkeit nicht gern wissen. [Vergl. Nr. 88.]

56) K., 182. So rechern [rachsüchtig] als das Gold von Tolose, da die Latini ein Sprichwort von haben, das alle diejennigen, so davon gekriegt, jemerlich seint ummegekhomen oder geplagt worden.

[Sidenote: Münze.]

57) K., 266. [Ao. 1431.] Um dieselbig Zeit ist auch zum Sunde ein Muntzmeister gewest, Ladewich geheißen; derselbe hat die Müntz geringer geslagen, als das gemeine Korn was. Dasselbig ist man balde innen worden und hat ine der Rat in Oele sieden lassen. Wan die Straffe zu unsern Zeiten gehen solte, wurden viel Fürsten und Hern, ja auch der Rat in vielen Stetten selbst müssen gesoten werden.

58) K., 344/5. [c. 1490.] In dießen Jaren begunte sich allenthalben die Muntze sehr zu slimmern. Dan der Marggraff [= von Brandenburg] und andere umbliegende Fursten und Stette fillen ummerzu an dem alten Grad und erfulleten die Lande mit boser Muntz. Dem Exempel folgten auch die von Stettin und slugen gar geringe Pfenninge, die sie von irer Kleine wegen Vinckenawgen hießen; der gingen zwolffe auff einen markischen Groschen, und weren nhur am Merernteil eitel Kupffer... Hirnach enderte Hertzog Bugslaff aus beweglichen Ursachen die Muntz in dem Lande. Dan ob sie wol nach irer Würde sehr gut was, so was sie doch alzu klein. Und was man keuffte, da gab man der kleinen Müntz viel umb, und was doch in der Wyrde weinig und kham also, das auch die Pawren geringe Zinse und Pacht geben und das Land nach seiner Grosse und Gutte nichts Sonders trug. Und allen Genies und Frucht des Landes hetten die Frembden. Dan dieselben keufften alle Dingk wolfeel im Lande und gabens anderswor zwey oder dreimal so tewr widder. Derhalben lies er slahen newe Schillinge, der achtundviertzigk auff einen reinischen Gulden gingen, und setzte, das derselbigen sechzehen solten eine Marck gelten, das seint drey Marck einen reinischen Gulden; und slug auch Vierrichen, derselbigen gingen vier auff einen Schilling. Und tette alle Vinckenawgen und andere alte Müntz ab und gepot allen Stetten, das sie auff denselbigen Slag auch müntzen müsten, und legte den Underthanen auff, das sie nach den Marcken bezalen solten, und steyerte also die Zinse des Lands den Viertenteil hoher, als es zuuor gewest; dan wer zuuor drei alte Marck zu geben schuldig was [das seint III Ort], der hat sidder drei der newen Marck geben müssen, das seint vier Ort, und das hat groß im Lande aufgetragen und beid des Fursten und aller Underthanen Vermogen und Einkommen gebessert. Die alte Marck heist man eine stettinische oder eine Marck Finckenaugen, die newe Marck heißet man eine sundische Marck, von den Ortern da sie zum meiste gebrauchlich seint gewest. Er hat auch gantze und halbe Marckstucke von eitelm Silber geschlagen. Dieselben seint aber so sehr aus dem Land gekhomen und verruckt worden, das man in kurtzer Zeit keine mehr gesehen. Darum moste er auffhoren dieselben zu muntzen. Wie gut aber dieselbigen Schilling gewest, die er gemüntzet, sicht man itzund aus dem wol, das die Rostker auff einen Gulden der Muntz vier Schilling Auffgelt geben und ander Schilling nach derselbigen Wyrde widder daraus slagen.

59) K., 361. [Ao. 1496.] Er vergunte ime [der Kaiser dem Herzog Bugslaff]... das er und seine Erben auch mochten gulden Muntz slagen, welches sein Geslecht zuuorn nicht gethan... [366.] So hat er auch fhort goltgulden slagen lassen.

60) K., 373. [Ao. 1503.] Item von wegen der Muntz sollen sie [die Bürger von Stralsund] auff den Grad muntzen, da die Fursten auff müntzen, und wan die Fursten aus Ursachen den Hamer legen, sollen die vom Sunde auch keine grobe Müntze slagen, allein Witten und Pfenninge.

61) K., 319. 500 Marck Vinkenawgen das seint 125 fl. reinisch... Tawsent Marck sundisch, das seint 324 fl. ungeferlich. [Vgl. Nr. 127.] --

[Sidenote: Handel.]

62) K., 163. Ist alhie [Stralsund] von den Hollendern und andern nidderlendischen Kawflewten der großiste Handel gewest. Aber nachdem die Nidderlender nur tewrpar Ware fhüreten, domit sie ire großen Schiffe nicht beladen khonten und deshalben Steine und Sand vor Ballast haben eingenhomen, welchs sie, wan sie vor den Sund khemen in die Hafenung, die izt der Gellen heißet, ausgeworffen und die Hafenung so verschuttet haben, das man kawm drei Ellen hoch dadurch schiffen khan, welches ein unuerwintlicher Schaden ist, seint die Burger gegen die Niderlender unwillig geworden. [Vergl. Nr. 28; 30; 39; 44; 51; 58; 64; 69; 81; 88.]

[Sidenote: Schiffahrt.]

63) K., 397. Hiernach [am Rand: quo tempore incertum] zogen die Fursten sampt etlichen Reten und Dienern in einem Zesekhane von Wolgast uber das frische Hafft nach Stettin und hetten umb des Traurens willen, das Hertzog Georgen sein Gemahel abgestorben was [Amelia † 1525] alle Schwartz an. So treib ein ander Zesener auff dem Hafe; als derselbig der schwartzen Kleider gewart wurt, meinte er nicht anders, es weren schwartze Munniche. Und die Zesener seint mit den Zesekanen so behend und rüsch, das sie auch gegen den Wynt mit khonen lauffen und, wan sie wollen, sie so hurtig wenden, wie einer ein Pferd thut. So wolte der Zesener den Munnichen einen Pussen erzeigen und leufft gerade mit seinem Zesekhan auff die Fursten, als wolte er sie in Grund lauffen, und kham hart daran. Do schregen sie alle auff und stachen mit den Spießen nach ime und meinten nicht anders, er wurde sie in Grunt lauffen. Aber alsbald er hart an sie kham, wendete er im Huy den Khan und lieff domit darvon, und man wuste nicht, was es vor einer gewest was. Dan der Zeskane seint mehe dan hundert auff dem Hafe. So hette aber der Zesener noch nicht anders gemeint, sonder es weren Monniche gewest, und hette sich berhomet, wie er sie geschreckt. Und dasselbig erfhuren die Fürsten und ließen ine greiffen und (zu Ukermund) in den Torm setzen, aber er wart noch erpetten, das er das Lebend behielt. [Vergl. Nr. 62; 89; 90.]

64) P. II, 437-464 ist über den Handel in Pommern zu vergleichen.

[Sidenote: Handwerk.]