Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 40

Chapter 403,769 wordsPublic domain

ein wol erfahrner Man, Mit Namen Saul, von Tharß geborn, Auch unsrer Regel, Sect vnd Ordn Ein trewer Freund vnd schützer

habe ihm angeboten, die Verfolgung jener doch nur vom Teufel eingegebenen Lehre auf das schärfste und strengste ins Werk zu setzen. Diese Versprechungen habe er erfüllt. Saul, der eben in eine Wohnung einzubrechen im Sinne habe, werde sogleich, von seinen Knechten umgeben, erscheinen. Der Hohenpriester geht ab, um von ferne zuzusehen. Nun betritt der Wüterich die Bühne, in heftiger Zornesrede den Untergang aller derjenigen verkündend, die sich ihm nicht unterwerfen wollen. Vergeblich sucht der Stockmeister ihn milder zu stimmen, er schwört:

Die newe Lehr muß abelan, Oder will nicht mein Leben han.

So stürmen sie das Haus. Der Hohenpriester kommt zurück, von Gamaliel, Moses, Annas und Caiphas umgeben, voll Lobes über Sauls Thaten, und begierig, auch den Erfolg dieser letzten zu sehen. Die Gefangenen werden herausgeführt, und Saul fragt, was man mit ihnen thun solle, da die Kerker alle gefüllt seien. Auf den Wunsch des Hohenpriesters werden alle diejenigen freigelassen, die den Glauben an Gottes Sohn abschwören, die anderen dem Henker überantwortet:

Sie sollen verreden, das sie wöllen, Sich nimmer an die Lehr gesellen, Ir lebenlang, so sind sie loß, Nicht mehr thun, sey ir höchste buß.

Bezeichnend für die naive Denkart der Zeit ist, daß die noch auf der Bühne befindlichen Personen nunmehr das Lied »Eine feste Burg ist unser Gott« anstimmen, bevor sie die Einladung des Hohenpriesters, ihm zu Tische zu folgen, nachkommen.

Zu Beginn des zweiten Aktes treten Petrus, Simeon, Samuel und Johannes auf. Die Furcht vor der Macht Sauls läßt sie zu dem Entschluß kommen, eiligst nach Damaskus zu entfliehen. Es folgt ein kurzes Gespräch Sauls mit zwei Knechten. Wir erfahren, daß die Christen sich lieber foltern lassen, als daß sie ihren Glauben an den Messias aufgeben. Saul gerät hierüber in großes Erstaunen:

Solte vnser Moses falsch seyn, Vnd auch die Schriftgelehrten fein? -- -- Ein Zimmergsell soll sein der Christ, Der vns von Gott versprochen ist -- -- -- Wo wolt der Zimrgsell genommen haben Soll Herrligkeit vnd grosse gaben?

Das Ende des Aktes wird über Gebühr lang hinausgezögert. Drei Szenen werden mit einförmigen Beratungen zwischen Saul, dem Hohenpriester, und den Aeltesten ausgefüllt. Die neue Lehre hat auch hier schon Eingang gefunden. Gamaliel stimmt für Frieden und Duldung derselben, wird aber von den übrigen heftig angegriffen und überstimmt. Es wird beschlossen, daß Saul nach Damaskus sich begeben solle, um dort sein Zerstörungswerk fortzusetzen. Ein Brief soll ihm als Erkennungszeichen mitgegeben werden.

Der dritte Akt ist kurz und im Gegensatz zu den langweiligen Auseinandersetzungen vor dem hohen Rat voll dramatischen Lebens. Sauls Knabe tritt auf, um den erwähnten Brief abzuholen. Er ist ein Freund der Christen, und ergeht sich, nachdem ihm der Hohenpriester Brief und Geschenk übergeben, in Flüchen über das Pfaffentum:

Das euch der Teuffel sehend vnd blendt, Ihr schmerbäuch vnd ir Hellebrendt. Pfuy dich, du schnödes Pfaffengut, Du bringst manchen vmb Leib vnd gut. (pecuniam pedibus conculeat.)

In Eile richtet sich Saul mit den Seinigen zum Aufbruch. Die Daumenstöcke werden herbeigeschafft, der Stockmeister wappnet sich, ein Imbiß wird bereitet. Es folgt eine kurze Szene im hohen Rat, welcher beschliesst, dem Zuge einen Abschiedstrunk zu sckicken.

Vier grosse Kannen reinischen Wein Zum frewden Trunk, im vnd der Rott, Die er zu sich genommen hat.

Dieser rheinische Wein hat aber die Folge, daß die Knechte, vor allem aber Saul sich allzu gütlich thun, und der Abmarsch erst gegen Abend vor sich gehen kann. Dem Publikum des 16. Jahrhunderts gegenüber mußte diese einfache Begründung für die folgende Katastrophe -- das Wandern in der Nacht und das Einschlagen des Blitzes -- am wirksamsten erscheinen. Die nötige Unterbrechung wird durch ein kurzes Gespräch zwischen Samuel und Johannes, die ein übernatürliches Ereignis ahnen, herbeigeführt. Beide letzte Szenen haben uns schon zur Mitte des vierten Aktes gebracht. Die 3. Szene desselben bildet den Höhepunkt der Handlung. Saul ist mit den Seinigen auf dem Marsche. Es ist Nacht, ein gewaltiges Unwetter zieht herauf. Plötzlich umflammt sie der Blitz. Hiebei gibt Strauß die folgende szenische Bemerkung »Hic circumfulget eos lux. Man mag ein Hand vol gekloppfet Pech vnter sie lassen werffen, mit einem kertzlein auß der Hand angezündet, geschieht on Schaden«. Saul stürzt zu Boden und fängt laut zu klagen an. Da ertönt die Stimme des Herrn:

Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

Saul: O Herr, Wer bist du? Zeyg dich an.

Christus: Ich bin Jesus, der Gottes Son, Den du verfolgest also hart, Nach jüdischer verkehrter art, Der Stachel hat ein scharpffes Sper, Dawider lecken wirt dir schwer.

Saul: O Herr, zeyg an, was ich sol thun, Es soll geschehen, o Gottes Son.

Christus: Steh auff, vnd mach dich in die Statt, Alldo so will ich finden raht. Das dir da werd gezeyget an Auffs trewlichst was du sollest than.

Durch den Lichtglanz ist Saul geblendet, der Stockmeister und einer von den Knechten müssen ihn nach Damaskus hineinführen, dort weist ihnen ein Bürger den Weg zum Hause des Judas, welcher ihnen allen Herberge gewährt.

Wie der dritte so beginnt auch der fünfte Akt mit einer Erzählung des Knaben. Der jammervolle Zustand seines Herrn gibt ihm Anlaß zu den schlimmsten Befürchtungen. Saul selbst hegt jedoch neue Hoffnung. Sein Sinn ist gewendet, er fleht in Demut zu dem Herrn:

O lieber Gott, wen du mich doch Mit gnaden wolst besuchen noch Das ich des ligens ledig würd, Vnd meinet Schwachheit harter bürd, Das ich auch blind daruber bin, Das krenckt mich hart in meinem Sinn. Ach Herr gedenck nicht an mein Sünd.

Im Traume hat er ein erfreuliches Gesicht gehabt. Ein Mann mit Namen Ananias ist zu ihm gekommen, hat ihm die Hände aufgelegt, und er ist wieder sehend geworden. Drum bittet er, daß ihm dieses Glück wirklich zu Teil werden möge. Der Herr erfüllt die Bitte. Er erscheint bei Ananias, und heißt ihn zu Saul hinzueilen:

Geh hin, er ist ein rüstzeug thewer, Mir außerwählt, sol stehn fürm Fewer Vnd meinen Namen tragen hin In alle Land nach meinem Sinn.

In der Versammlung der Jünger berichtet Ananias von dem an ihn gerichteten Befehl. Trotz der Furcht, den diese vor der Rache des hohen Rates haben, folgt er den Worten des Herrn und betritt das Haus des Judas, um Saul zu heilen. Während er dem Geblendeten die Hände auflegt, weiht er ihn in die Lehre des Christentums ein:

Den Christum solt du nemen an, Der dich so weidlich mustern kan, Bekennen in inn alle Landt, Sein Nam tragn vnd machen bekandt, On alle schew, ob schon darauß Dir leyd zu stünd fall drumb nicht auß, Das Creutz ist doch allzeit beym Wort, Diß merk, vnd lass es sein dein Hort.

Voll Dank und Ehrfurcht preist Saul die ihm zu teil gewordene Gnade:

Gotts Namen will ich rühm, ehrn Die ganze Welt sol mirs nicht wehrn. -- -- Ich bin gar anderst jetzt gesinnt Denn vor, mir brent das Hertz für lieb Zu Gott, ach das ichs täglich trieb.

Gegen unsere Erwartung schließt mit diesen schönen Versen das Spiel nicht. Es folgen noch zwei kurze Szenen. Der Stockmeister und die Knechte erfahren von der wunderbaren Heilung, und beschliessen den ihnen geworden Auftrag, dem hohen Rat Kunde zu bringen, nicht auszuführen, sondern gemeinsam mit ihrem Herrn und den Jüngern einen frohen Abend zu feiern. Der abschließende Epilog, in lehrhafte Form gekleidet, bildet zum Teil einen Vergleich zwischen Saul und den Feinden der Christenheit auf Erden, endlich eine Aufforderung zu unverbrüchlichem Gehorsam an Gottes Gebot.

Daß unser Stück auch deshalb Beachtung verdient, als es im Vorwort einige Angaben über die Thätigkeit des Verfassers bringt, wurde schon oben bemerkt. Johannes Strauß hat sein Spiel dem Grafen von Bünau gewidmet. Es ist dies die gleiche Familie, deren bekanntester Sproß, der erste Graf von Bünau, als Gönner Winkelmanns mit Ehren in der Geschichte der deutschen Kunst genannt wird. Von den Herren von Bünau war Strauß zum Diakon in Elsterberg ernannt worden. Dort hat er sein Spiel geschrieben, dort ist dasselbe in Anwesenheit seiner Herrn aufgeführt worden. Nach Neustadt am Schneeberg übersiedelt, nachdem er elf Jahre in Elsterberg geweilt hatte, will Strauß mit der Widmung seinen Dank für die ihm erwiesene Gnade aussprechen. Seine »Bekerung Pauli« ist nur ein ganz bescheidenes Glied in der langen und enggeschlossenen Kette der geistlichen Spiele, trotzdem wert, einmal wieder genannt zu werden. Echt protestantisch, echt deutsch, gehört es einer Zeit an, welche dem Aufblühen der neueren Dichtung zwar nicht unmittelbar vorausging, aber doch auf diese solchen Einfluß hatte, daß auch geringe Ergebnisse nicht übersehen werden dürfen.

LITERARISCHE BESPRECHUNGEN.

SAMMLUNGEN ZUR VOLKS- UND ALTERTUMSKUNDE POMMERNS.

VON DR. OTTO LAUFFER.

Im Jahre 1891 hat die Rubenow-Stiftung der Universität Greifswald die Preisaufgabe gestellt: »es sollen die Geschichtswerke des +Thomas Kantzow+ kritisch untersucht und es soll auf Grund der Untersuchung eine kritische Textausgabe der beiden hochdeutschen Bearbeitungen der pommer’schen Chronik hergestellt werden.« Dadurch wurde die wissenschaftliche Forschung wieder energischer auf das Lebenswerk des Thomas Kantzow gelenkt, der in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts in Stralsund geboren ist, in Rostock studierte, seit 1528 Sekretär bei den Herzögen von Pommern war, später, um seine historischen Studien zu vertiefen, noch etwa vier Jahre in Wittenberg studierte und auf der Heimreise am 25. September 1542 zu Stettin im evangelischen Glauben gestorben ist.

Professor +Georg Gaebel+ zu Stettin erhielt den ausgeschriebenen Preis und beförderte die erste und die letzte hochdeutsche Bearbeitung der Chronik nebst den kritischen Untersuchungen zum Druck[174]. Die Verdienste dieser Ausgabe um die Geschichtswissenschaft hervorzuheben, liegt an dieser Stelle kein Grund vor. Dagegen bietet sie uns eine willkommene Gelegenheit, auf das reiche Material hinzuweisen, welches Kantzow für deutsche Volks- und Altertumskunde liefert, Studien, denen er mit einer für seine Zeit merkwürdig klaren und sicheren Auffassung nachgegangen ist. Ihnen hat er ein ganzes, das 14. Buch seiner Chronik gewidmet, deren erster Satz sehr charakteristisch ist: »Nachdem wyr nhu von den Geschichten der Pommern gesagt, ists auch nicht undienstlich von itziger irer Gelegenheit, Sitten und Wesende etwas anzuzeigen, damit man die Historie desterbesser vernheme, und auch deshalben, nachdem sich offte der Volcker Art und Sitten verendern, das men zukumftig diesser itzigen Gelegenheit und Art eine Wissenschaft habe.«

Dieses vierzehnte Buch nun ist leider zum größten Teile verloren. Daß wenigstens sein Inhalt, zum Teile wohl mit reichlichen Ergänzungen und Erweiterungen, auf uns gekommen ist, verdanken wir einem nicht viel späteren ungenannten Geschichtsschreiber, der Kantzows Chronik überarbeitet und mannigfach erweitert hat, dem Verfasser der sogen. »Pommeriana«[175]. Dieses Verhältnis bietet den Grund dafür, daß ich im folgenden eine systematische Zusammenstellung der für die pommerische Volks- und Altertumskunde wichtigen Angaben Kantzows zusammen mit den ergänzenden Stellen der Pommeriana darbiete, denn es ist kein Zweifel und Gaebels Ausgabe verdient es, daß man künftig fast immer eben diese Ausgabe benutzen wird. Für die historische Volkskunde hat aber daneben auch die Pommeriana ihren selbständigen Wert, weil gerade dort sich viel wichtiges Material findet.

Die folgende Zusammenstellung an sich zu rechtfertigen, dürfte wohl kaum ein Grund vorliegen, denn jeder, der sich mit altertumskundlichen Studien befaßt hat, weiß, wie wichtig oft solche einzelne Fundstücke sind, und wie schmerzlich man heute derartige Fundgruben, wie ich hier eine zu erschließen versuche, missen muß. Durch die Randbemerkungen und zahlreiche Überweisungen hoffe ich die schnelle Benützung zu ermöglichen.

Zugleich möchte ich durch diese Zusammenstellung nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam machen, welch reiches Material für Volks- und Altertumskunde in den Schriften der Historiographien seit dem 16. Jahrhundert meist unbenutzt verborgen liegt. Nur durch solche Auszüge, die freilich das Resultat einer sehr entsagungsvollen Arbeit sind, kann es in absehbarer Zeit nutzbar gemacht werden. Daß ich nachher das Zurückgehen auf die Quellen selbst für überflüssig hielte, wird mir niemand zutrauen: jede Zeit wird, das weiß ich sehr wohl, bei dem steten Wechsel der wissenschaftlichen Anschauungen und Bestrebungen für ihre neuen Zwecke auch das neue Material aus den Quellen selbst zu nehmen haben. Wirklich erschöpfend können daher weder die folgenden noch alle ähnlichen Auszüge jemals genannt werden. Was mir aber für volks- und damit auch für altertumskundliche Zwecke wichtig erschien, stelle ich im folgenden zusammen, indem ich die Schreibweise meiner Quellen beibehalte, die ich mit K. = Kantzow und P. = Pommeriana nach den oben genannten Ausgaben von +Gaebel+ (Bd. I. Letzte Bearbeitung) und +Kosegarten+ zitiere.

Land und Leute.

1) K., 5. Polen..., das ist wendisch und heisset auff Teutzsch ein eben Land, gleich als wolt man sagen »auff der Ebene« in Ansehung des Lands Boemen, das im Gebirge leit. Und die Lande, so an der Sehe ligen, wurden Pomern genennet, das ist das Land, das am Mehre ligt. Dan pomorsi auff Wendisch heisset so viel als beym Mehre, wie man itzt die Stette, so an der Ostsehe ligen, Ansehe-Stette auff Teutzsch nennet, das ist: Stette, die an der Sehe ligen.

2) K., 3. Cassuben aber ist ein Teil von Pomern und seint die Wende gewest, die nicht gar am Mehre, sonder landwerts eingewohnet haben, welche widder gewonheit der anderen Wende weite gefaltzte Kleider trugen. Dan Cassubietz, heißt gefaltzte Kleider; und seint die gewest, dar itzt das Bischtumb zu Camin, der Heitort in Pomern und die Newemarcke ist; ire Sprach aber, die etwas Unterscheids mit dem andern Wendischen hat, ist nur allein in Pommern im Heitorte geplieben.

3) K., 3. Itzund noch ein gantzer Ort in Hinterpomern ist, da nur eitel Wende wohnen... Ytzund der Wenden Nhame und Geschlecht bey uns so verachtet ist, das man einen zum Schimpffe einen Wend oder Slafen (welchs ein Dinck ist) nennet.

4) K., 5. Keine Wende seint, die die Slafonier, so hinter Hungern sitzen, besser verstehen vnd mit inen reden khonnen, wan die pomerischen Wende, welchs noch hewtigs Tags glawbwirdige Leute bey uns Zewge seint.

5) P. II, 411. Die Pomern seint durchaus große wohlerwachßene, starcke lewte, vnd menlichs gemuts, doch seint sie traͤges zornes; darvmb treiben sie nicht leichtlich krieg vnd werden ehe bekrieget, den das sie es anfahen solten. Sie seint aber zu kriege beide zun waßer vnd lande geruͤstet vnd geschickt, vnd wen es jnen vonnoͤtten thut, sich der feinde zu erweren, seint sie vnerschrocken vnd hefftig; aber so balde der erste grim vber ist, seint sie wol widder zu stillen.

6) K., 415. Es ist das Folck mer guthertzigk wan freuntlich, mehe simpel dan klug, nicht sonders wacker oder frolich, sonder etwes ernst und schwermutig. Sunst aber ists ein auffgericht, trewe verschwigen Folck, das die Lugen und Schmeichelwort hasset; pittet sich untereinander gern zu Gaste und gehet widderum zu Gaste und thut eim nach seiner Art und Vermügen gern gutlich.

7) P. II, 433/5. Es seint die einwoner dieses landes [Rügen] sehr ein zenckisch vnd mortisch folck, das es eben an jnen schyr wahr ist, wie das latinische spruͤchwort lawtet: omnes insulares mali. Den im gantzen lande zu Pomern werden kein jahr so viel vom adel vnd andern erslagen, als allein in dieser kleinen jnsul. Es gibt auch dies folck so viel rechtgans als das halbe land zu Pomern. Den alle Sonnabend helt der landvoigt sampt den eltisten vom adel des gantzen landes zu Bergen gericht; da hat er von fruͤe morgens bis schyr an den abent genug zu thunde, vnd er hoͤret auch nicht gerne vmb des mittagmahls willen auff, den so er sie wegkgehen leßt, vnd nach eßens widder bescheidet, so trinken sie sich etwan ful, oder richten ein new allerm an, oder wen sie widderkhomen, treiben sie solch vngestuͤmigkeit vor gericht, das der her landvoigt nyrgentz mit jnen aus khan. Darvmb sytzt er gern das gericht gar aus, das er sie auff den andern gerichtstag verweise. Es ist kein edelman oder pawer im lande so slecht, das er sein wort nicht selbst redete, vnd das er nicht jr gewoͤhnlich landtrecht wißen solte. Vnd aus solcher vermeßenheit wil einer dem andern in nichts weichen, vnd khumpt daraus viel haders vnd morts; sonderlich gerhaten sie in den kruͤgen oder wirtshewßern leichtlich an einander, vnd wan einer von jnen saget: dat walde got, vn een kolt isen, so mag man jme wol auff die fewste sehen, vnd nicht auffs Mawl, den er ist balde an einen. Vnd geschieht in den kruͤgen so viel slagens vnd andre injurien, das offte ein edelman, der einen krug hat, so viel von buße vnd straffgelt ein jar daraus gewinnet, als sunst von einem halben oder gantzen dorffe. Vnd wor die Rhuͤgianer gehen oder reißen, haben sie einen schweinspies vnd einen rewtlingk an der seiten; wen sie zur kirchen gehen, setzen sie die spieße vor die kirchenthuͤr, einstheils nhemen sie die in die kirchen mit, vnd sol sich bisweilen, wen sie aus der kirchen gehen, offt ein lermen erheben. Gehen sie zur kirchen so seint sie gewapnet, gehen sie zur hochzeit, so seint sie gewapnet, bringen sie einen totten zu grabe, so seint sie gewappnet, vnd in summa man findt sie nyrgentz, sie haben jre were bey sich. Daraus khan man erachten, wen sie die wredigkeit, so sie vnter jnen treiben, in kriegen vnd gegen feinde geprawchen, das es ein tapffer kriegsfolck were. [Vergl. Nr. 91.]

8) K., 419/420. Das sie Slafi heissen, ist die Ursach, das die beiden Worter slaff und slafa in yrer Sprach sehr gemeine seint, sonderlich in Zusammensetzung yrer Tauffnhamen, und darum von den Andern, die yrer Sprache nicht gewest, Slafen seint genennet worden. Oder wie die polnische Chronika sagt, so seint sie davon Slafi und Slafones genennet, das sie schwetzig und vuller Wort seint. Dan Slafonos nennen sie verbosos, und slafa heisset ein Wort.

Die Familie.

9) K., 393. Sein [des Herzogs Bugslaff von Pommern. († 1523.)] Reim ist gewest D. U. J. W., das ist: »Der Uren ich warte«, domit er stets eine Gedächtnus des Tods gehapt.

10) K., 402. Er [Herzog Georg von Pommern († 1531)] war sunst frolich und hurtig in allen Sachen. Darum was sein Reim: H. M. F., das ist: Herdurch mit Freuden. [Vergl. Nr. 68.]

[Sidenote: Hochzeit.]

11) Die Größe fürstlicher Mitgiften werden von K. angegeben: S. 204 aus dem Jahre 1343; S. 218 a. d. J. 1363; S. 242 a. d. J. 1412; S. 281. Anm. 2, a. d. J. 1453; S. 342 Anm. 1, a. d. J. 1491; S. 378 a. d. J. 1515; S. 379 a. d. J. 1518; S. 397 a. d. J. 1525. [Vergl. Nr. 87.]

12) P. II, 439. Sie [die Bürger von Stralsund] haben vber die gewohnheit der andern Pommerschen stette den großen vnkosten der hochzeiten eine maße gesetzt, also das die buͤrger ein jglicher seinem stande nach wißen, wie hoch sie muͤßen hochzeit halten oder nicht; vnd wer darvber thun wil, mus es mit willen des rhats thun, vnd gelt dafuͤr geben. Solch gesetz zu machen, hat vervrsachet die beschwerlichkeit der hochzeiten; den hie vnd sunst in ganz Pommern ist eine gewohnheit, das man nichts zu den hochzeiten schencket, vnd man pittet alle bekhante vnd nachparen dartzue, vnd weret an etzlichen ortten wol vier oder fuͤnff tage, vnd wirt offt mehr verzeret, wan aller prawtschatz wert ist.

13) P. II, 447. Sonders ist nichts von jnen [den Bürgern von Anklam] zu schreiben, wan das sie in kurtzen jaren ein maße in den großen hochzeiten gemacht. [Vergl. Nr. 7; 74; 127.]

[Geburt vergl. Nr. 74; Taufe Nr. 66; 74; 127; Einsegnung der Wöchnerin Nr. 7; 74; 127; Sittlichkeit Nr. 135.]

[Sidenote: Eheleben.]

14) K., 340. Diesse Hertzogin Catharina [von Braunschweig, geb. Prinzessin von Pommern] ist so groß gewest, das Hertzog Heinrich [ihr Gemahl] jr kawm an die Axeln gereicht, und wie es ein zorniger Furst war, wan er bisweilen auff sie bewogen was und sie villeicht schlagen wolte, hat sie ine in die Arme gefangen und so lange gehalten, das er müste Fried zusagen; sunst ist eine verstendige Furstin gewest. [c. 1485.] [Vergl. Nr. 110.]

[Sidenote: Namengebung.]

15) K., 402. [Herzog Georg von Pommern stirbt 1531.] Sein Gemahel aber, die Marggrafin, was schwanger; die gepur darnach aufn Winter eine Tochter, die wurt Georgia geheissen nach der Art der Pommern, die die Tochter, so nach dem Vater geporn werden, nach dem Vater nennen pflegen.

[Sidenote: Leiche.]

16) K., 229. Anm. 2. Umb diesse Zeit [1388] haben die Sundischen den Rat ausgetrieben, darum das sie der Gemein zu viel auffgelegt und nicht haben ringern wollen, seint aber mit Eren widdereingesetzt; und einen Burgermeister, der im Elend gestorben, hat seine Freuntschafft tot in seine Stette gesetzt, anzuzeigen, daß er unschuldig vertrieben.

17) K., 246/7. So gewunnen die Sundischen und Gripswaldischen das Schloß [zu Usedom] und fingen sehzehen von den, die da hetten bey dem Totslag gewest, und fischeten den Marschalk, [der ertrunken war] widder auff und fhureten sie gein Sunde und bunden inen Pferde an die Fusse und slepften sie in der Stat ummeher, darnach haben sie alle gerichtet. Den Marschalk haben sie auch also tot noch aufs Rat gelegt. [Vergl. Nr. 141.]

[Sidenote: Begräbnis.]

18) K., 301. Als Hertzog Otto [von Stettin, der Letzte seines Stammes] begraben wurt, warff er [Albrecht Glinden, Bürgermeister von Stettin] ime Schilt und Helm hinnach in das Grab und sagte: »da leit unser Herschafft« und wolte also das Land auff den Marggrafen [von Brandenburg] fhüren. Aber ein Edelman, Hans Eickstette, spranck in das Grab und holete Schilt und Helm widder heraus und sagte: »Nein, nicht also! wyr haben noch erbliche, geborne Herschafft, die Hertzogen von Pomern und Wolgast. Denselben gehört der Schilt und Helm zu!« Und hat sich mit den andern Edellewten vereinet, das sie Hertzog Erichen und Hertzog Wartislafen von Pomern und Wolgast den Schilt und Helm prachten mit Erpietung ires Gehorsams. [i. J. 1464.]

19) K., 414. In den Stetten und Dorffer, wan sie einen zu Grab beleiten, so suchen sie keine schwartze Kleider darzu, sonder je besser und bunter sie sie haben, sonderlich die Frawen, je lieber sie sie anthun. [Vergl. Nr. 7; 74; 127.]

Die Wohnung.

[Sidenote: Wand.]

20) K., 369. [Die Herzogin von Pommern wird i. J. 1503 krank.] Etlich sagen, das sie zu Ukermunde solle in ein Gemach gekhomen sein, das newlich gekalket war, darvon ir der Dampff umbs Hertze geslagen. Und ist die Lenge darvon gestorben. [Vergl. Nr. 25 ff.]

[Sidenote: Turmzier.]

21) K., 272. So stund auf dem Torm, der auffm Sloß ist eine Gans von eitelm Golde, dieselbige lies der Khonig [Erich von Dänemark] in der Nacht abnehmen. [Es handelt sich um ein ungenanntes Schloß in Schweden i. J. 1434.]

[Sidenote: Turmnamen.]

22) K., 278. [i. J. 1442.] Davon ist noch gebawt der Torrn »kike in die Marke«, davon man sagt: »kyck in die Marke, trawre nicht! Marggraff Fridrich der thut dir nicht.« [Vergl. Nr. 24.]

[Sidenote: Burgbau.]

23) K., 291. Das Schloß Marienburgk... sol so herlich ein groß, wolgebawet und veste Schloß sein, das es in gantz teutzschen Landen und allen umbliegenden Khonigreichen kein gleichen hat, und ist des gantzen Ordens in Preussen Hertze und Krafft gewest.

[Feste Kirche vergl. Nr. 116.]

[Sidenote: Städtebau.]