Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums, Jahrgang 1901

Part 28

Chapter 283,238 wordsPublic domain

DEUTSCHES HANDELSMUSEUM.

Geschenke.

=Nürnberg.= Schlossermeister Hans +Pfann+: Eiserner Wagbalken aus dem Jahre 1717. Ludwig +Berger+: Westphälischer Staatsschuldschein zu 200 frcs. aus dem Jahre 1808.

Herausgegeben vom Direktorium des germanischen Museums.

Abgeschlossen den 15. November 1901.

Für die Schriftleitung verantwortlich: +Gustav von Bezold.+

* * * * *

Gedruckt bei U. E. +Sebald+ in Nürnberg.

HERD UND HERDGERÄTE IN DEN NÜRNBERGISCHEN KÜCHEN DER VORZEIT.

VON DR. OTTO LAUFFER.

V.

In dem letzten Artikel sprachen wir vom Bratspieße und haben bei dieser Gelegenheit auch bereits einige Andeutungen über seinen Gebrauch gemacht, aus denen schon soviel klar geworden ist, daß der einfache Bratspieß mit geradem Griffe in beide Hände genommen und so gedreht wurde, während seine Spitze irgend wie gestützt werden mußte. Diese Unterstützung des Bratspießes nun hat eine Reihe von neuen Herdgeräten entstehen oder an den alten Geräten Veränderungen eintreten lassen, die uns jetzt beschäftigen sollen.

Die erste Art des +Bratspießlagers+ war wohl unzweifelhaft diejenige, die von der Natur selbst dargeboten wird, nämlich ein gegabelter Zweig, den man neben dem Feuer in den Boden steckte. Sobald diese Befestigung auf der gehärteten Feuerstätte und dem entstehenden Herde nicht mehr möglich war, muß ein Holzklotz als Lager gedient haben, in den seitlich ein Loch zum Hineinstecken der Bratspießspitze eingebohrt war. Diese Form wird durch die späteren +steinernen+ Bratspießlager einfachster Art wahrscheinlich gemacht. Es erhob sich nämlich wie bei den anderen Herdgeräten so auch hier das Bedürfnis, das Holz durch ein festeres Material zu ersetzen, und so entstand, zunächst vermutlich ohne wesentliche Änderung der Form das steinerne Bratspießlager. Die Gestalt desselben tritt mir, für die mittelalterlichen Zeiten, am deutlichsten auf der bereits erwähnten Miniatur Nr. 67 aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts, deren Enstehungsgebiet wir im allgemeinen bestimmen können, entgegen[91]. Mein sachkundiger Kollege Bredt erklärt die betreffende Miniatur für böhmisch, damit würde dieses Bratspießlager also um 1430 für Böhmen bezeugt sein. Das Stück besteht unzweifelhaft aus gebranntem Thon, wie man aus der dafür charakteristischen roten Bemalung deutlich erkennen kann, der obere Rand ist in drei gleichhohen Kurven gewellt, und unter jeder derselben ist, wieder gleich hoch über dem Erdboden, je ein Loch zum Einstecken des Spießes angebracht. Man sieht, daß durch die Einrichtung des Gerätes selbst eine verschiedene Höhenlage nicht ermöglicht ist, dieselbe kann vielmehr nur hergestellt werden, wenn man nötigen Falles dem ganzen Geräte eine Unterlage gibt. Daß zu diesem Zwecke der früher geschilderte treppenförmige Ausbau des Wilsteines stattgefunden habe, glaubte ich Jahrg. 1900, S. 169 vermuten zu dürfen.

Ein Vergleich mit jenem Bratspießlager läßt uns nun auch die fast vier Jahrhunderte ältere Darstellung des gleichen Gerätes auf der Tapete von Bayeux verstehen, die uns sonst wohl kaum recht erklärlich sein würde. (Vgl. Abb. 44.) Dort sieht man den Kessel über dem Feuer hängen, während dahinter das Bratspießlager aufgestellt ist, bei dem gleichfalls eine verschiedene Höhenlage der sechs darauf gelegten Spieße nicht möglich ist.

Diese älteste und einfachste Form hat sich in einfachen Verhältnissen sehr lange gehalten: noch zu Menschengedenken wurde nach J. +Bünkers+ Bericht in der Gegend von Oedenburg ein einfacher Steinblock mit Rille als Unterlage für das Griff-Ende eines Kurbelbratspießes benützt[92], und es ist kaum zu bezweifeln, daß sich dasselbe auch für reichsdeutsches Gebiet noch heute würde nachweisen lassen, aber leider liegt die Erforschung des Hausrats bei uns noch so sehr im Argen, daß alle Berichte darüber bislang fehlen. Der Liebenswürdigkeit des Herrn Archivrat Dr. Corn. Will in Regensburg verdanke ich nur die Nachricht, daß noch heutzutage steinerne Bratspießaufleger in der Oberpfalz vielfach im Gebrauche sind, aber nähere Beschreibungen stehen auch darüber noch aus.

Ein Fortschritt in der Gestaltung unseres Gerätes muß nun aber schon im Mittelalter eingetreten sein. Die Ansprüche der feineren Küche und daneben die Rücksicht auf die wechselnde Glut des Feuers, die ja auch die Verstellbarkeit des Kesselhakens und der Kesselschwinge bedingt hatten, schließlich wohl die Erinnerung an die ähnlichen Verhältnisse der Pfannenschwinge mögen zusammengewirkt haben, um die an sich ja sehr einfache Vorrichtung zur Höhenregulierung des Bratspießes an dem Steinlager entstehen zu lassen. Es erscheint die voll entwickelte Form des steinernen Bratspießlagers, wie sie +Essenwein+ bereits im II. Bde. dieser Mitteilungen S. 64, nach einem im Museum befindlichen Stücke aus gebranntem Thone beschrieben hat. Die dort gebotene Abbildung gebe ich der Vollständigkeit halber hier in Fig. 45 nochmals wieder, sie überhebt mich der näheren Beschreibung. Wenn +Essenwein+ das Stück freilich für mittelalterlich hält, so ist dem zu entgegnen, daß formale Gründe dafür nicht vorhanden sind, und daß es ebensogut noch dem 19. Jahrhundert angehören kann.

Glücklicher Weise fehlt es aber auch an älteren Stücken nicht. In den Sammlungen des historischen Vereins zu Regensburg nämlich befinden sich sechs steinerne Bratspießlager, die nach gütiger Auskunft des Herrn Archivrat +Will+ sämtlich aus Regensburger Küchen stammen. Zwei davon fand derselbe vor etwa 10 Jahren in dem Grunde eines abgebrochenen Hauses inmitten der Stadt, wie ihm denn auch sonst auf Schutthaufen vor der Stadt wiederholt Bruchstücke begegnet sind. Unter den sechs genannten Exemplaren nun zeichnen sich drei Stücke durch Verzierungen aus, die teils mit Zahnrädchen in den Thon eingezeichnet, teils mit Modeln eingedrückt sind, und die Stücke sicher als Arbeiten des 16. Jahrhunderts bezeugen. Die gütige Erlaubnis des Herrn Archivrat +Will+ setzt mich in die angenehme Lage, in Fig. 46 zwei der schönsten dortigen Stücke abbilden zu können: das von der Seite aufgenommene ist 30 cm. hoch, 25 cm. breit und am unteren Ende 12 cm. dick, das andere verzierte Stück ist 28 cm. hoch, 18 cm. breit, 9 cm. dick.

Diese Stücke lassen die in die obere Kante eingesetzten Rillen ja deutlich erkennen, in die der Bratspieß eingelegt wurde. Die durchgeschlagenen Löcher, von denen das verzierte Regensburger Stück eines, das des Germanischen Museums aber drei aufweist, dienen dazu, die untere Spitze des Spießes aufzunehmen und dessen Verrutschen beim Drehen zu verhindern. Das erste Regensburger Stück hat freilich kein solches Mittelloch, aber Herr Archivrat +Will+ hatte die große Freundlichkeit, mir nach meinen Fragen mitzuteilen, daß die übrigen fünf von den sechs Regensburger Stücken Mittellöcher haben. Von den sechs Stücken zeigt ein jedes Verschiedenheiten von den anderen, sodaß keine zwei als zusammengehörig erscheinen und also auch nicht -- wie ich zunächst annehmen wollte -- paarweise verwandt worden sein mögen. Noch weniger aber läßt sich mit den Regensburger Stücken nachweisen, daß bei jenem vermuteten paarmäßigen Gebrauch etwa ein Stein mit und einer ohne Mittelloch zusammen in Verwendung gewesen wären.

Die Herstellung der in Thon gebrannten Stücke lag offenbar in den Händen der Ziegelbrenner, und wir sehen, wie dieselben bestrebt waren, dem einfachen Gerät auch einen gewissen äußeren Schmuck zu verleihen, wir können sogar von einem zweiten Regensburger Stücke sagen, daß es aus derselben Werkstatt wie das von vorn abgebildete stammt: auch zu seiner Verzierung ist der Löwenmodel dreimal verwandt, während außerdem an ihm noch viermal der Model eines liegenden Hirsches im Eichenkranze eingedrückt wurde, sodaß uns dadurch zugleich ein gewisser Einblick in den Modelvorrat des betreffenden Zieglers eröffnet wird. --

An Stelle des Steines tritt nun das Eisen, und zwar erscheint zunächst eine Form des eisernen Bratspießständers, die offenbar in unvermittelter Anlehnung an das Steinlager entstanden ist. Zufälliger Weise ist aber das einzig mir bekannt gewordene derartige Exemplar kein altes, sondern J. R. +Bünker+ hat es erst vor wenigen Jahren in einem siebenbürgisch-sächsischen Bauernhause in Schönbirk gefunden. Man sieht daraus, wie vorsichtig man gerade bei diesen Stücken mit der Datierung sein muß und wie gelegentlich in einer Gegend eine offenbare Übergangsform fest wird, so daß dort das betreffende Gerät die weitere, an anderen Orten sich vollziehende Entwicklung nicht mehr mitmacht. Ich gebe das erwähnte Exemplar, welches +Bünker+ in den Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien 1899, Bd. XXIX, S. 210, Fig. 64 abgebildet hat, und dessen Zusammenhang mit dem steinernen Vorgänger ja absolut deutlich ist, in Fig. 47 wieder.

Wann der Materialwechsel vom Stein zum Eisen erfolgte, ist mir bislang nicht klar, jedenfalls aber ist er ebenso wie beim Feuerbocke an den verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten eingetreten. Wenn die oben auf den Bratspieß gedeutete Stelle aus Tuchers Haushaltungsbuch S. 132, wo von »2 eißen, iedes mit -- hacken czum pratten in der küchen« die Rede ist, etwa den Bratspießständer meinte, dann wäre derselbe ja freilich schon für das Jahr 1516 als eisernes Gerät in Nürnberg bezeugt, indessen das bleibt fraglich. Auch ob die von Marperger a. a. O. S. 652 genannten »Brat-Böcke« von Stein oder Eisen waren, müßte die norddeutsche Lokalforschung erst feststellen, wenngleich wohl das letztere anzunehmen ist.

Die Form des Bratspießständers vereinfachte sich dann zu einer einfachen Eisenstange, an der beiderseitig angesetzte Eisenhaken und oben auf der Spitze zwei lyraförmig gegeneinander gestellte ähnliche Haken die Lager für die Bratspieße bilden. +Meringer+, a. a. O. XXIII, S. 149 hat in Fig. 99 und 100 zwei solche Ständer aus Admont abgebildet, und auch in Nürnberg müssen sie häufig gewesen sein. Schon auf unseren Figuren 1 bis 3 traten sie uns entgegen, wobei das Exemplar auf Fig. 3 von dem, wie wir sahen, auch sonst nicht zuverlässigen Zeichner nur mit zwei Beinen bedacht ist. Ferner sind sie uns in den Puppenhäusern D. und F. begegnet in zwei Exemplaren, die in Fig. 48 und 49 zur Darstellung kommen[93]. Diesen schließt sich an eine Reihe von Stücken, die sich in der Küche des Museums finden, nämlich H. G. 1186 (Fig. 50), leider unbekannter Herkunft[94], und ein gänzlich unbezeichnetes Exemplar, welches Fig. 51 darstellt. Ebenda befindet sich ein solcher Ständer mit einem schweren Eisenstück als Fuß (Fig. 52), zu dem dann zuletzt vielleicht auch noch das Stück mit einer gleichen Eisenplatte als Untersatz und mit dem in der Zahnschnittreihe laufenden Haken (Fig. 53) gehört.

Bei diesem letztgenannten Exemplar ist es aber doch wohl wahrscheinlicher, daß es als Lampenständer diente, wobei die Höhe des in den Haken eingehängten Lämpchens durch den Zahnschnitt reguliert werden konnte. Es ist sogar möglich, daß der obengeschilderte Bratspießständer -- wenigstens in manchen Gegenden -- zugleich auch als Lampenständer gebraucht wurde. +Heyne+ a. a. O. I, S. 284 Fig. 81 bildet nämlich unter dieser letzteren Bezeichnung ein Gerät aus der städtischen Altertumssammlung in Göttingen ab, welches fast völlig unserer Fig. 50 entspricht, und das ich deshalb auch für einen Bratspießständer halten wollte. Auf mein Befragen teilte mir jedoch Herr Geheimrat +Heyne+ freundlichst mit, daß das fragliche Gerät durch den Stifter, einen auch mir bekannten, durchaus zuverlässigen Mann, sicher als »Lichtwocke« bezeugt ist. Es fragt sich also, ob hier zwei ähnliche Haushaltsfunktionen selbständig jede für sich genau dasselbe Gerät entstehen ließen, oder ob ein Gerät zwei verschiedenen Zwecken zugleich dienstbar gemacht worden ist. In dem letzteren Falle dürfte der Dienst als Lichthalter wohl der secundäre sein, wie auch an vielen anderen Geräten Vorrichtungen zum Halten des Kienspahnes nachträglich angebracht sind (vgl. Fig. 27)[95].

Eine besondere Art von Bratspießhalter, die mir nur in diesem einen Exemplar bekannt geworden ist, zeigt ein Stück der Museumsküche, welches ich in Fig. 54 abbilde, dessen Herkunft leider unbekannt ist. Daß dieses Gerät befähigt gewesen wäre, nach zwei Seiten hin einen Bratspieß zu stützen, wie es auf den ersten Blick scheint, ist doch deshalb nicht anzunehmen, weil gerade dieses Stück sehr leicht, fast möchte ich sagen, zart gebaut ist. Höchstens hätte es ein paar Vogelspieße tragen können. Über seine Herkunft und Gebrauch Auskunft zu geben, bleibt der Volkskunde noch vorbehalten.

Die lokale Verbreitung der Bratspießlager ist für Nürnberg, wo sie den Namen »+Bratbock+« führen, nicht nur durch die genannten Bestände unserer Sammlungen gesichert, vielmehr finde ich sie schon erwähnt in des +Joh. Amos Comenius+ seiner Zeit vielgerühmtem Werke »Orbis sensualium pictus«, welches zuerst im Jahre 1657 bei J. A. Endter’s Erben in Nürnberg erschien, und dessen zweiter Teil, nach Angabe der später »erneuerten Vorrede«, von +Wolfg. Christoph Deßler+, Conrector der Schule zum Hl. Geist im Neuen Spital zu Nürnberg verfaßt ist. Dort findet sich Bd. II, S. 132 die unzweideutige Angabe: »_Brat-Boͤcke, worauf der Spieß ligt. -- Crateuterium, ein Brat-Bock_«. Der dazu gehörige ziemlich schlechte Holzschnitt auf Seite 130 zeigt einen Bratbock, dreibeinig etwa wie meine Fig. 50. Die Trägerstange ist aber sehr kurz, kaum so lang wie eins der drei Beine, und sie trägt auf ihrer Spitze nur eine Rast für den Bratspieß, wie es scheint in Gestalt einer Öse, während alle Seitenäste fehlen. Wir haben es hier also mit einem sicher bezeugten Nürnbergischen Stücke zu thun. Fernerhin finde ich nun aber auch für norddeutsche Verhältnisse Gerät und Namen zu Beginn des 18. Jahrhunderts belegt bei +Marperger+ a. a. O. S. 652, wo neben den »Brand-Ruthen« noch besonders die »Brat-Boͤcke« als zur Herdausstattung gehörig, aufgeführt werden. Auch in Dänemark ist das Gerät unter dem Namen »bradebuk« üblich[96].

Ältere Belege für die Bratböcke sind mir deshalb leider bislang nicht verfügbar, weil sowohl bei Du Cange wie bei Diefenbach die lateinische Bezeichnung »crateuterium« sich nicht findet.

Wegen der Verwendung der Bratspießlager neigte ich zunächst zu der Annahme, daß sie von der Gestalt des Bratspießes abhängig gewesen sei, indem ich für den Bratspieß mit glattem Griffende nur einen Bratspießhalter, für den Kurbelbratspieß dagegen immer zwei voraussetzte. Daß dieses letztere nicht durchaus richtig ist, zeigt aber unsere Fig. 1 völlig deutlich, wo die Köchin die Bratspießspitze zwar auf den Ständer aufgelegt hat, das Kurbelende dagegen in beiden Händen frei hält und dreht. Andererseits scheint mir aber auch der vorkommende Gebrauch von zwei Ständern sicher erwiesen durch die Erweiterung, welche der in Fig. 39, c abgebildete Bratspieß erfahren hat. Die dort vor der Kurbel angebrachten zwei Ringe können doch wohl nur dazu dienen, den auch am Kurbelende auf einen Ständer gelegten Bratspieß in seiner Lage festzuhalten. Sicher bestätigt wird diese Anschauung durch +Joh. Karl Gottfr. Jacobsons+ technologisches Wörterbuch (Berlin 1781 ff.) welches I, 281a vom Bratspieße sagt: »Wenn er durch die Hand eines Menschen umgedrehet wird, so hat solcher zu mehrerer Bequemlichkeit auf dem vordern Ende nicht allein eine gebogene Kurbel, sondern steckt auch neben diesem in dem Loch eines eisernen Bocks, der dem Spieß zum Fuß dienet, und worinn es als in einer Hülse umgedrehet werden kann. Die Spitze des Bratspießes ruhet auch in diesem Fall auf dem Bratbock«. --

Neben diesem beweglichen Bratspießständer tritt uns nun noch ein dem gleichen Zweck dienendes unbewegliches Gerät entgegen. Auf dem von Havard, a. a. O. I, 1127/1128, Fig. 800 reproduzierten Küchenbilde aus dem Calendarium Romanum von 1518, scheint es nur ein mit einem Loche zum Einstecken der Spießspitze versehenes einfaches Stück Holz zu sein, welches in einiger Entfernung oberhalb der Herdplatte an die Küchenwand befestigt ist. Dagegen in Eisen ausgeführt erscheint uns dieser selbe Bratspießhalter in dem Puppenhause C., wo er die in Fig. 55 dargestellte Form hat. Das Gerät, das ich sonst nicht erwähnt oder beschrieben gefunden habe, ist durch jenes Vorkommen in seiner lokalen Verbreitung mindestens für Nürnberg bezeugt, und auch im Volke habe ich mir seinen jetzt geschwundenen Gebrauch für die hiesige Gegend bestätigen lassen. --

Eine Vereinfachung im Bestande des Herdgerätes wurde nun dadurch erstrebt, daß man die Bratböcke überhaupt unnötig zu machen suchte, indem man die übrigen Herdgeräte zum Tragen des Bratspießes befähigte. Der Versuch dazu ist vermutlich wohl an allen denjenigen Geräten gemacht worden, die dafür überhaupt in Betracht kamen, nämlich am Pfannenknecht, Dreifuß und Feuerbock. Für das erstgenannte Gerät habe ich diese Adaptierung freilich bislang nicht feststellen können und sie bleibt deshalb immerhin fraglich, zumal der Pfannenknecht für solche Erweiterung eine kaum hinreichende Standfestigkeit besaß, ferner die Pfanne schon an und für sich nicht allzu sicher auf ihm ruhte, und schließlich auch nur in großen Haushalten auf einem Herde, auf dem sich der Bratspieß drehte, zu gleicher Zeit auch ein Pfannenknecht in Thätigkeit sein konnte, weil dieses Zusammenwirken die gleichzeitige Zubereitung von zwei verschiedenen gebratenen »Trachten« oder »Gängen« voraussetzen würde, ein Luxus, der doch nur im wohlhabenden Hause möglich war.

Alle diese Verhältnisse liegen anders beim Dreifuß, und so ist denn auch an diesem Geräte die in Rede stehende Adaptierung sicher vorgenommen worden. Um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts bietet sich uns dafür ein sehr interessanter Beleg in einer Abbildung, die aus einer in der Bodleian Library zu Oxford befindlichen Handschrift des Alexanderliedes entnommen ist. Ich muß mich leider darauf beschränken, dieselbe nach der mangelhaften Reproduktion bei Wright, a. a. O. S. 166 Nr. 112 in Fig. 56 wiederzugeben. Man sieht deutlich, wie der Küchenjunge seines Amtes, den Bratspieß zu drehen, in der Weise waltet, daß er denselben auf einen, nachträglich am Dreifuß angebrachten Haken auflegt, während der hinter dem Feuer stehende Koch, wie es scheint damit beschäftigt ist, die bratende Gans zu begießen.

Wann diese Adaptierung des Dreifußes eingetreten ist, kann ich bislang nicht feststellen, ebensowenig, wie weit ihre lokale Verbreitung über England, wo sie durch obige Darstellung bezeugt ist, hinausreichte, wie lange sie sich erhalten hat und ob sie heute noch sich irgendwo findet, bislang ist sie meines Wissens von den modernen Hausforschern noch nicht angetroffen, wenigstens nicht beschrieben worden. So viel dagegen ist sicher, daß sie -- wenn überhaupt -- heute nur noch sehr vereinzelt gebräuchlich sein kann, denn wirklich durchgedrungen ist die Adaptierung zum Bratspießständer nur an einem einzigen Gerät, nämlich an dem Feuerbock. --

Über die Form des einfachen Feuerbockes und über seine Geschichte habe ich schon Jahrg. 1900, S. 180-184 mich geäußert, und ich kann also hier darauf verweisen. Zugleich möchte ich aber jetzt schon einen, wie mir scheint, nicht unwichtigen Nachtrag dazu geben. Ich habe bei der aus dem Jahre 816 stammenden Erwähnung von: »andedi« und »andenae« in Karls d. Gr. Capitulare de villis keinen sicheren Beweis dafür finden können, daß eins der beiden Geräte ein eisernes sein müsse, da andedus und andena nur eine Scheitunterlage bezeichneten, eine Materialbezeichnung aber nicht in sich trügen. Wegen dieser letzteren Auffassung bin ich inzwischen für den Ausdruck andena doch sehr schwankend geworden, da derselbe in der That eine Bezeichnung für Eisen zu sein scheint. Bei Konrad v. Megenberg findet sich nämlich im »Buch der Natur«, das er genau in der Mitte des 14. Jahrh., in den Jahren 1349 und 1350 schrieb, folgende Angabe (hrsg. Pfeiffer, S. 479, 31): »_Ez ist auch ainer lai eisen in den landen gegen der sunnen aufganch, daz haizt andena. daz ist guot ze sneidenden wâfen und læzt sich giezen sam daz kupfer oder daz silber, aber ez læzt sich niht ziehen sam daz gemain eisen_«. Demnach möchte ich nunmehr mich dahin entscheiden, daß in dem Capitulare unter andedi die steinernen, unter andenae dagegen die eisernen Feuerböcke zu verstehen sind, und es +dürfte dadurch das Eisengerät schon in Karolingerzeit für westfränkische+ -- von romanischem Brauch beeinflußte -- +Verhältnisse gesichert sein+. Die Erkenntnis dagegen, daß es in Baiern nicht viel vor dem 12. Jahrhundert eingedrungen ist, wird davon in keiner Weise berührt.

Bevor wir nun auf die bezeichnete Erweiterung des Feuerbockes eingehen, müssen wir uns über das Vorkommen und die Verwendung desselben in seinen beiden früher geschilderten verschiedenen Formen klar werden. Herr Prof. +Meringer+ hatte die Freundlichkeit, mir seine Anschauungen darüber brieflich mitzuteilen und da dieselben den meinigen völlig entsprechen, so darf ich seine Worte hier wiedergeben. Er schreibt: »Heute scheint die Sache so zu stehen, daß nur der Kamin beide Feuerrösser erhalten hat, nicht aber der »oberdeutsche« offene Herd. Es wäre interessant zu wissen, ob irgendwo in den romanischen Kaminländern man sich mit einem Bocke behilft. Wo sich bei Deutschen oder Slaven kaminartige Herde (d. h. Herde mit Feuermantel, Rauchhut und darüber aufgesetztem Schornsteine) finden, da begegnete mir doch immer nur ein Feuerbock... Wo (im Kamin) ein Bock blos vorhanden war, da scheint er quer vorne im Kamin gestanden zu sein, wie z. B. der prächtige Riesenbock im Besitze des Grafen Hans Wilczek sen., den ich Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien XXV, S. 57 abgebildet habe, der wohl gewiß keinen Bruder hatte. Im Kamine dürfte die Regel gewesen sein: zwei dreibeinige nach innen gestellte Böcke oder ein vierbeiniger quer gestellter«[97].