Part 5
„Welche Mühe und Arbeit machen Sie sich mit Ihren Weinstöcken!” sagte oft der Eine oder der Andere zu mir. „Der und Jener dort thut gar nichts an seinen Stöcken, und hat eben so viel, wohl noch mehr Trauben, als Sie.” Dieß kann der Fall seyn; denn das weiß ich auch, daß alte, tief eingewurzelte Stöcke auf gutem Boden oft einige Jahre lang ohne regelmäßige Behandlung dennoch gedeihen und Früchte tragen können. Man lasse das aber so fortgehen, so werden nach mehreren Jahren diese Stöcke einer wild verwachsenen Dornenhecke gleichen, wie ich einen solchen gesehen und oben schon beschrieben habe. Kommt nun ein kalter Winter, in welchem glücklicherweise das ganze Dornengestrüppe bis auf die Wurzeln erfriert, so daß er rein abgeschnitten also untersetzt werden muß, und folglich nun wieder einige Jahre ohne regelmäßige Behandlung gut treiben und viele Trauben bringen kann: dann wird der unwissende Besitzer seinen Irrthum nicht gewahr, sieht es nicht ein, daß ihm die Natur zu Hülfe gekommen ist, welche seinen verwilderten, der gänzlichen Unfruchtbarkeit sich nahenden Weinstock durch den Frost untersetzt hat, was an ihm hätte geschehen müssen, wenn er nicht erfroren wäre und noch länger hätte Trauben bringen sollen. Denn wenn solche Stöcke, an denen gar nichts gethan wird, nicht einmal erfrieren, so sehen sie am Ende sehr elend aus und haben unten eine Menge altes, kahles, verwachsenes Holz und oben an der Spitze des Daches einige Ruthen mit Trauben. Stünde ein solcher Stock an einem Kirchthurme, er würde bald, wenn ihn kein Frost untersetzte, mit seinen Ruthen und Trauben die Fahne erreichen und vor Diebstahl ziemlich gesichert seyn.
33.
Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im Frühjahre.
Wenn im Frühjahre die Augen aufbrechen und die Ruthen anfangen zu treiben, so trifft es sich oft, daß einige stark und fett treibende Ruthen mit den Spitzen an eine Stange des Spaliers, an altes Holz oder an die Mauer anstoßen, sich umbeugen und abbrechen. Da hat man nun fleißig nachzusehen, und wo man dieses bemerkt, den fetten Wuchs sanft abwärts zu beugen; wenn er dieß aber vielleicht nicht aushalten könnte, so muß man den Schenkel oder die Rebe, woran er sich befindet, losschneiden, und so anbinden, daß die Ruthe frei wachsen kann. Auf diese Weise habe ich oft ein Schock Trauben gerettet, die sonst verloren gegangen wären. Denn kaum ist die Ruthe einen Zoll lang, so zeigt sich auch schon die erste Traube und bald auch die zweite, ehe noch die Blätter sich gehörig entfaltet haben. Läßt man nun die Ruthen in ihrem Entstehen verderben, so verderben damit auch zugleich die Trauben. Werden die Ruthen länger und entfalten sich die zarten Blätter, so steht gewöhnlich die erste Traube am dritten, vierten oder fünften Blatte, je nachdem die Art ist. Am nächsten Blatte kommt die zweite Traube zum Vorschein, ein, auch zwei Blätter über dieser die dritte, und bei manchen Sorten in derselben Entfernung auch die vierte. Mehr habe ich aber noch an keiner gesehen. Meine weißen und gelben Sorten sind von der Art, die blauen aber haben nicht an jeder Ruthe zwei, vielmehr an einigen sogar nur eine Traube. Dagegen sind aber ihre Trauben größtenteils eine Viertel-, oft beinahe eine halbe Elle lang, haben am obern Ende viele kleine Nebentrauben, und die Beeren sind von der Größe einer Herzkirsche.
34.
Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen.
Wenn man Weinstöcke ins Freie oder an Bäumen, Lauben, Pyramiden und dergl. anpflanzen will, so werden sie eben so behandelt, wie bisher beschrieben worden ist. Sie gedeihen daselbst auch eben so gut, als an Gebäuden und Mauern, nur daß die Trauben später reifen und die Fröste im Mai ihnen leicht schaden können, weil sie dem Luftzuge mehr ausgesetzt sind. Hohe Bäume, mit langen, kahlen, weit ausgebreiteten Aesten, sind natürlich hierzu am besten. Niedere hingegen, mit vielen buschichten Zweigen, sind gar nicht dazu tauglich. Sie rauben den Stöcken zu viel Sonne und ihre Ruthen haben keinen Raum unter den dicht belaubten Zweigen des Baumes. Ueberhaupt thut man wohl, besonders wenn die Wurzeln des Baumes etwas hoch liegen, wenn man den Stock nicht zu dicht an denselben, sondern eine bis zwei Ellen weit davon entfernt steckt, und einen langen Ast oder eine Rebe in der Erde hin in einer schmalen Rinne bis an den Baum leitet. Befestigen kann man die Ruthen des Stockes hier leicht, wenn man in einer Entfernung von einer halben Elle starke Bastbänder um den Stamm des Baumes bindet, und an dieselben nun mit schwächern Bändern die Ruthen befestigt. Steht er ganz im Freien, so muß man ihn mit in die Erde geschlagenen Pfählen und daran befestigten Querstangen befestigen. Eine Weinlaube muß etwas hoch und pyramidenähnlich gebauet seyn, oder von zwei Seiten ein recht steiles Dach oder Sparrwerk haben. Will man die Trauben eines im Freien stehenden langen Weinspalieres zeitig zur Reife bringen, so muß man hinter dasselbe auf der Nachtseite starke lange Pfähle setzen, und an dieselben vermittelst einiger Haken von starkem Drahte eine aus starkem Papiere oder schwacher Pappe gemachte schwarzgefirnißte Hängewand befestigen. Es läßt sich dieselbe, wenn sie gut aufbewahrt wird, viele Jahre lang gebrauchen.
35.
Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni.
Gegen diese Feinde des Weinstocks, nämlich die späten Fröste im Mai, (Pancratius und Servatius &c.), giebt es freilich wenige ganz sichere Schutzmittel. Weil man eines Theils nicht gewiß weiß, wann ein solcher Frost kommen wird, und wenn man es auch wüßte, die schon mit Ruthen und Trauben besetzten Stöcke nicht herunterlegen und zudecken kann, ohne sie bedeutend zu beschädigen. Das beste Mittel wäre freilich, den Abend vorher, an welchem man aus der kühlen Abendluft oder andern Kennzeichen einen solchen Frost vermuthet, die Spaliere mit einer Decke von grober Leinwand, welche auf der, dem Stock zugekehrten Seite mit Löschpapier überzogen wäre, zu bedecken. Diese Decke müßte dann mit Nägeln und Henkeln behutsam an das Gebäude angeheftet werden. Freilich wäre dieß sowohl kostspielig, als mühsam, besonders bei großen Spalieren; jedoch wäre dieses Schutzmittel gegen den Frost um diese Zeit schon hinreichend. Bei wenigen, besonders niedrigen Stöcken dürfte beides, Aufwand und Mühe, nicht so bedeutend, der Nutzen aber groß seyn; denn man verliert durch einen solchen Frost nicht allein die Trauben für dieß Jahr, sondern bekommt auch schwache Ruthen, die im folgenden Herbste bloß zu Zapfen und kurzen Schenkeln geschnitten werden können, und also im folgenden Jahre entweder gar keine oder nur sehr wenige, magere Trauben bringen. Denn obschon die erfrornen Stöcke bald wieder ausschlagen, so haben sie doch kein rechtes Gedeihen, und man thut wohl, wenn man vor dem Herbste nichts daran thut, sondern das Erfrorne nach und nach von selbst abfallen und abwelken läßt. Einige rathen auch, am Abend vorher, wenn man einen solchen Frost vermuthet, Fässer und Wannen mit kaltem Brunnenwasser dicht unten an das Weinspalier zu setzen; es soll den Frost von demselben ab- und an sich ziehen; noch besser soll es seyn, wenn man Strohseile oben an das Spalier bindet, mir den untern Enden in die Wassergefäße legt, und daselbst mit darauf gelegten Steinen befestiget. Am mühsamsten wäre wohl das Räuchern, d. h. mit einem Becken voll glühender und dampfender Kohlen die ganze Nacht am Spaliere hin und her gehen, was man zuweilen in Weinbergen zu thun pflegt.
36.
Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke.
Vor den Winterfrösten kann man die Stöcke, wie gesagt, am besten durch das Niederlegen und Zudecken schützen, oder, wenn kein Raum dazu vorhanden ist, durch das Verbinden und Umwinden mit Stroh, oder Behängen des Spaliers mit solchen Nadel- und Laubholzsträuchen, die im Winter Laub und Nadeln nicht verlieren. Es ist immer besser, diese kleine Mühe nicht zu scheuen, als den Stock erfrieren zu lassen. Er schlägt zwar im nächsten Jahre wieder aus, wird aber erst nach Verlauf von 3 bis 4 Jahren wieder das, was er gewesen ist. Manche schneiden, wenn der Stock erfroren ist, gleich im Frühjahre alles erfrorne Holz bis auf die Erde weg. Dieses Verfahren ist nicht ganz gut; denn der Stock verblutet sich durch die daraus entstandenen vielen und großen Wunden zu sehr. Ich würde in dieser Lage um diese Zeit nur das obere schwache Holz wegnehmen, von welchem wegen gänzlicher Erstorbenheit keine Verblutung zu befürchten ist. Denn im Frühjahre muß überhaupt, besonders an gesunden Stöcken, gar nicht geschnitten werden. Besser ist es auch den erfrornen Stock erst wieder ausschlagen zu lassen, und das übrige alte, starke, erfrorne Holz erst dann abzuschneiden, wenn er nicht mehr blutet; nämlich zu Johanni. Freilich muß man sich dann in Acht nehmen, daß man bei diesem schwierigen Geschäfte den jungen, fetten Wuchs nicht verdirbt. Hat man aber das meiste schwache Holz schon im Frühjahre weggenommen, so macht es sich leichter. Es muß auch das zu Johanni abgeschnittene alte, erfrorne Holz nicht gleich weggenommen werden, sondern man läßt es, wenn es fest hängt, und die jungen, daran geklammerten Ruthen sich nicht gut davon lösen, hinter und unter demselben stehen bis zum Herbste. Von den jungen Wasserruthen eines solchen Stockes, deren gewöhnlich sehr viele sind, und welche in diesem Jahre selten Trauben haben, schneidet man nun im nächsten Herbste die schwächsten ganz weg, die stärkeren zu Zapfen, die noch stärkeren zu Schenkeln, und die stärksten zu Reben. Sie dürfen aber auch hier nicht länger seyn, als schon gesagt worden ist. Man verdirbt den ganzen Stock auch hier gleich in seinem neuen Entstehen wieder, wenn man sich durch die freilich schönen, langen Ruthen, die ein solcher Stock treibt, verleiten läßt, mehr davon stehen zu lassen, als nöthig ist. Es müßte denn eine Sorte seyn, die auch an langen Reben von unten an bis oben hinauf gute Ruthen und Trauben brächte; da könnte man allerdings von der Regel eine kleine Ausnahme machen. Im folgenden Jahre bringen nun solche Stöcke wieder reichliche und gute Trauben.
37.
Vom Senken oder Vermehren der Stöcke.
Das Senken, als ein Vermehrungsmittel der Weinstöcke und Verlängerung des Spaliers verdient nun noch einer besondern Erwähnung. Hat man schon einen Weinstock von guter Art an einem Gebäude oder sonst wo stehen, und rechts und links neben demselben noch Raum zu mehreren, so nimmt man von beiden Seiten längere und kürzere Aeste, oder lange Ruthen, die dicht an der Erde unten, oder wenigstens nicht weit davon aus dem Stocke gewachsen sind, herunter, und macht eine eine halbe Elle tiefe aber etwas breitere Grube längs des Spaliers auf beiden Seiten desselben. In diese legt man die eben genannten kürzeren und längeren Aeste so, daß sie sich in der Grube nicht berühren, damit ein jeder für sich Raum behalte, seine Wurzeln zu treiben, und läßt die äußersten Enden derselben, an welchem aber nur Zapfen sich befinden dürfen, eine Viertel-Elle lang aus der Erde hervorragen. Sie können auch ganz bis an die Zapfen in die Erde kommen, so daß sich blos 2 bis 3 Augen zeigen. Diese bilden nun neue Stöcke; die kürzeren zunächst beim Hauptstocke, die längeren weiter davon entfernt. Theilt sich der herabgenommene Ast nach seinem Ende zu nach und nach in mehrere Aeste, so ist es desto besser; man kann alsdann aus diesen Seiten-Aesten oder auch Ruthen mehrere Stöcke machen, dadurch, daß man einen jeden mit seinem äußersten Ende und den daran befindlichen Zapfen da aus der Erde hervorragen läßt, wohin er reicht. Doch dürfen diese Senker nicht dichter, als eine Elle neben einander zu stehen kommen. Sollten etwa im nächsten Jahre zwischen den eine Elle weit stehenden Senkern noch Ruthen aus der Erde hervor schießen, so muß man diese wegbrechen, sonst entstehen der Stöcke zu viele. Denn noch dichter, als eine Elle, darf man sie nicht aufkommen lassen. Man kann dazu auch junge, aus dem alten Holze unten getriebene Wasserruthen benutzen. Diese dürfen aber nur mit 2, höchstens 3 Augen aus der Erde hervorstehen; es ist, wie bekannt, auch eins schon hinreichend, wenn es vor dem Verderben hinlänglich gesichert werden kann. Dieß ist es, was man Senken nennt, und man kann dasselbe auch im Frühjahre noch vornehmen; besser ist es aber auch hier im Herbste, und zwar gleich nach dem Beschneiden, oder den Winter über, wenn Frost und Schnee nicht daran hindern. Solche Senker treiben im ersten Sommer schon sehr starke Ruthen, oft sogar Trauben und können im nächsten Herbste, wenn sie auf der Stelle stehen sollen, die schwächern zu Zapfen, die stärkern zu ½- bis ¾elligen Schenkeln, auch wohl zu Reben von einer Elle lang geschnitten werden. Im zweiten Sommer bringen sie schon mehrere schöne Trauben. Ich habe auf diese Weise von einem einzigen Stocke ein Spalier von 14 Ellen lang angelegt, welches mir nun seit 7 Jahren alle Jahr eine große Menge Trauben geliefert hat. Es ist nicht nöthig, diese Senker im folgenden oder einem der nächsten Herbste vom Stocke abzuschneiden, besonders wenn sie sich ganz unten an demselben befinden, und von da aus gleich mit Erde so überdeckt sind, daß man das Senken gar nicht bemerkt. Ein anderes ist es, wenn sie höher am Stocke stehen. Da würde man allerdings wohlthun, sie in einem der nächsten Herbste abzuschneiden; denn sie bilden sonst unförmliche Bogen. Oft treiben diese Wasserruthen; soll nun der Senker am Stocke bleiben, so muß man solche gleich bei ihrem Entstehen verbrechen, oder gleich ganz vernichten, denn sie können nichts nützen, weil der Bogen im Herbste weggeschnitten wird, und rauben also dem Stocke und dem Senker nur die Nahrung. Doch habe ich auch einmal, theils um Erfahrung zu machen, theils noch leeren Raum am Spaliers auszufüllen, das Gegentheil versucht, und es gelang. Ich ließ nämlich die an einem Bogen treibenden drei Wasserruthen stehen, und düngte und begoß den Senker und den Hauptstock den ganzen Sommer durch mit Schlammwasser, habe aber nicht bemerkt, daß eins von allen dreien Schaden gelitten hätte. Der Senker trieb gut und hatte sogar Trauben, die sehr schön wurden. An den Ruthen und Trauben des Hauptstockes mangelte nichts, und die drei am Bogen befindlichen Ruthen wurden so kräftig, daß ich im nächsten Herbste die schwächere zu einem Zapfen, die stärkere zu einem halbelligen Schenkel, und die stärkste zu einer Rebe von einer Elle schneiden konnte. Jetzt schnitt ich nun den Bogen nicht am Hauptstocke, sondern am andern Ende über der letzten Ruthe ab, bog den noch übrigen am Senker hängenden Theil des alten Holzes in die Erde, um dadurch dessen Wurzeln noch zu vermehren. Den Bogen selbst aber bog ich nun wieder in die Höhe nach dem Hauptstocke zu. Er bildete jetzt wieder einen niedrig stehenden Ast, diente zur untern Bekleidung einer noch kahlen Stelle, und brachte im nächsten Jahre schöne Trauben. Auf gutem Boden und bei recht guter Abwartung kann ich dieses Verfahren anrathen; unter andern Umständen möchte es wohl mißlingen.
38.
Vom Verpflanzen der Senker.
Sollen nun die Senker nicht am Hauptstocke bleiben, sondern im nächsten Herbste weiter verpflanzt werden, was allerdings im Herbste geschehen muß, weil sonst, wenn man es im Frühjahre thun wollte, der Hauptstock und Senker an der bedeutenden, beim Abschneiden verursachten Wunde sich verbluten würde, so kann man die an den Bogen wachsenden Ruthen stehen lassen und sehr gut benutzen. Sollten sie auch auf magerm Boden nebst den Ruthen des Senkers gerade nicht so lang und kräftig werden, so sind sie ja im nächsten Herbste doch einmal bloß zu Zapfen bestimmt. Um diese Zeit schneidet man nun den Bogen, woran der Senker hängt, dicht am Hauptstocke weg, damit die dadurch an demselben entstehende bedeutende Wunde gut verwachsen kann, nimmt ihn aus der Erde, und hat nun einen Senker, der an beiden Enden Ruthen und in der Mitte Wurzeln hat. Die Ruthen werden dann an beiden Enden, die stärkeren zu Zapfen, die schwächeren aber ganz weggeschnitten. Es dürfen aber von den stärkeren nur 2, höchstens 3 bleiben, im Fall er mehr getrieben haben sollte. Mann kann dieses Beschneiden auch vornehmen, ehe man den Senker aus der Erde nimmt; es geht sich dann besser damit um. In der Mitte, wo die Wurzeln sind, schneidet man nun so durch, daß jeder Theil Wurzeln behält, und so hat man zwei Senker oder Wurzlinge. Man kann das Ganze aber auch beisammen lassen und beide Enden mit ihren Zapfen an dem Orte, wohin sie verpflanzt sind, aus der Erde hervorgehen lassen; so giebt dieß zwei Stöcke, die in der Erde gemeinschaftliche Wurzeln haben. Ich habe aber auch solche Bogen mit Wurzeln abgeschnitten und gesteckt, ob sie schon keine Zapfen mit Augen hatten und sie trieben im ersten Sommer aus dem alten Holze schöne Wasserruthen. Hieraus geht hervor, daß man auch alte Stöcke mit ihren mehrsten Wurzeln herausgraben und weiter pflanzen kann, ob man gleich dabei alles Holz bis auf eine Viertel- oder halbe Elle wegschneiden muß. Sie treiben auch ohne Augen wieder Ruthen und wachsen fort, wenn man sie nur im ersten Sommer gehörig abwartet. Unnöthiger Weise muß man aber keine Senker machen; denn vieles und öfteres Senken ist dem Hauptstocke nicht zuträglich, sondern beraubt ihn nach und nach seiner natürlichen Kraft. Ist man aber in der Lage, daß man gern viele Senker für sich und Andere haben will und muß, so thut man besser, wenn man sich von allen den Sorten, von denen man senken will, einen Stock an einem Ort, besonders pflanzt, wo ringsumher viel Raum ist, und von diesem Stocke jeden Herbst die meisten Ruthen zu Senkern einlegt. Der Stock, wenn er nicht zu kraftlos ist und guten Boden hat, pflegt seine Senker und treibt auch dabei wieder Wasserruthen, die im folgenden Herbste zu Senkern benutzt werden können. Ich habe einen solchen Stock mehrere Jahre dazu benutzt, und deshalb bloß den Mutterstock genannt. Er ist bei alledem aber so kraftvoll, daß er nicht allein fette Ruthen treibt, sondern an demselben sogar auch Trauben bringt. Freilich ist es ein 15jähriger kräftiger Stock, welcher auf gutem Boden steht.
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Dieß, lieber Leser, sind nun meine im Weinbau gesammelten, und auf Erfahrung gegründeten Beobachtungen. Habe ich dem Einen und dem Andern damit genützt, so soll es mich sehr erfreuen. Kann mich irgend Einer auf einen Irrthum aufmerksam machen, der ja bei allem menschlichen Thun so häufig vorkommt, so will ich es mit Dank annehmen und der bessern Belehrung gern Beifall geben. Und sollten sachkundige Männer auch die zweite Auflage dieser kleinen Schrift als eine wirklich verbesserte, und wegen ihrer Brauchbarkeit empfehlungswerth anerkennen, so wird mir dieß ein mächtiger Antrieb zu herzlich demüthigen Danke und neuer stärkerer Thätigkeit seyn.
Druck von ~Joh. Friedr. Glück~ in Leipzig.
Bei dem Verleger dieses Buches sind noch folgende empfehlenswerthe Bücher erschienen:
~Die Aufsicht des Geistlichen über die Volksschule~, nach den Grundsätzen des deutschen Schulrechtes. Ein Beitrag zur Pastoralklugheit von K. ~Kirsch~, Diaconus und ersten Mädchenlehrer zu Königsbrück. gr. 8. 30½ Bogen. Preis 2 Thaler.
Die Aufsicht über die Volksschule, dieser höchst wichtige Theil der geistlichen Amtsführung, wird in den Lehrbüchern der Pastoralklugheit meistens nur sehr oberflächlich behandelt; desto willkommner muß jedem Schulinspector ein Buch sein, welches, wie das oben angekündigte, sich über ~alle Gegenstände der Schulaufsicht~ verbreitet. Die Brauchbarkeit des Werkes wird dadurch erhöht, daß es auf ~die Gesetzgebung aller deutschen Länder~ Rücksicht nimmt.
Als ein Anhang zu diesem Buche ist von demselben Verfasser erschienen:
„Entwurf eines Unterichtsplanes für Volksschulen” gr. 8. 11 Bogen. Preis ⅔ Thlr. und verdient besonders auch von Schullehrern benutzt zu werden.
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~Predigtbuch~ auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres von _Dr._ ~A. L. G. Krehl~, Universitätsprediger und der prakt. Theologie ordentlicher Professor zu Leipzig. 2 Bände. ~Zweite~ durch viele neue Predigten vermehrte und verbesserte Auflage. 88 Bogen in gr. 8. Preis 3½ Thaler.
Der Verf. übergiebt dem größern Publikum in dieser vollständigen das ganze Kirchenjahr umfassenden Predigtsammlung ein Erbauungsbuch, in welcher alle Hauptlehren der christl. Wahrheit deutlich entwickelt, in die engste Beziehung zur Gegenwart gesetzt, und wo es nöthig schien, vertheidigend behandelt sind. Die Darstellung verbindet Klarheit mit Würde und Kraft.
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~Sachsens große Erinnerungen.~ Ein Kreis von Gedichten von ~Bruno Lindner~. 13 Bogen in 8. geheft. Preis 1 Thaler.
Es war die Absicht des Verfassers bei dieser Sammlung von Gedichten, seinem sächsischen Volke die reiche Geschichte des Vaterlandes in einzelnen Bildern vor’s Auge zu führen. Dem Landmann wie dem Bürger, namentlich der heranwachsenden Jugend sollten die erhebendsten Thatsachen, die edeln Züge der sächsischen Fürsten und Helden in einfacher dichterischer Behandlung zur Belebung des volksthümlichen Geistes dargestellt werden.