Anweisung zum Weinbau an Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen Herausgegeben zu Ermunterung der Kinder zu edler Thätigkeit

Part 2

Chapter 23,803 wordsPublic domain

Man muß nur gleich beim Legen der Weinstöcke dafür sorgen, daß solche Frucht haben können. Deßhalb mache ich den Graben zum Einlegen nicht ganz dicht au das Gebäude, sondern ½, auch ¾ Elle weit davon ab, so daß die Traufe mitten auf den Graben, und also auf die Stelle fallen muß, wo die Wurzeln liegen. Beim Zuschütten des Grabens mache ich nach dem Gebäude zu auf die frei gelassene halbe Elle festen Bodens ein schräges Dämmchen, welches das Wasser vom Gebäude ableitet und auf die Wurzeln führt. Auf diese Weise bleibt es an der Wand immer trocken, und wird wenigstens nicht so naß, daß es dem Gebäude schaden könnte. In dieses schräge Dämmchen beuge ich nun gleich beim Legen die Spitzen der Schnittlinge, so daß die Stöcke dicht am Gebäude zu stehen scheinen und an demselben in die Höhe gehen können. -- Auf der andern Seite der Grube mache ich gleich beim Zuschütten ein eben so schräges Dämmchen, daß aber natürlich seine hohe Seite nach Außen haben muß, und so entsteht auf der eine halbe Elle breiten Grube eine Vertiefung, in welcher das Regenwasser und alle andere Flüssigkeiten, die man zur Beförderung des Wachsthums dahin gießt, stehen bleiben und auf die Wurzeln eindringen müssen. Es ist sehr gut, wenn diese Vertiefung um das ganze Gebäude herum wagerecht ist; denn auf diese Weise bekommen alle Stöcke gleiche Frucht. Nur von den Seiten des Gebäudes nach den Giebeln zu mache ich die Vertiefung etwas schräg, damit die sonst an den Seiten sich vermehrende Traufe nach den Giebeln fließt, wo gewöhnlich, besonders am Morgengiebel, weniger Regen hinkommt. Sollte bei anhaltendem Regen des Wassers in der Vertiefung zu viel werden, so darf man nur in das Dämmchen an der Außenseite eine kleine Oeffnung machen, um es abfließen zu lassen. Stehen aber die Stöcke auf trockenem sandigen Boden und ist kein Teich oder sonstiger Wasserbehälter in der Nähe, aus welchem sie Frucht ziehen können, so bekommen sie auch nicht leicht zu viel Nässe. -- Ich habe in trockenen Sommern einem Weinspaliere von 24 Ellen Länge jeden Mittwoch und jeden Sonnabend 100 Eimer Wasser gegeben; vorausgesetzt, das solches auf trockenem, sandigen Boden stand. Auf feuchten Boden dürfte natürlich nicht so viel nöthig sein. Bei Stöcken auf solchem Boden bedurfte ich noch nicht der Hälfte Wasser, und dennoch wurden die Trauben eben so gut, als jene. Es kommt auch viel auf das Alter des Stockes an. Ein solcher, der seine Wurzeln schon in der Länge und Tiefe weit ausgebreitet hat, gedeihet oft mit seinen Ruthen und Trauben auch auf sandigem Boden, ohne begossen zu werden. Wenn der Stock an den Spitzen der Ruthen welk wird, nicht mehr treibt, und sogar die Trauben anfangen zu welken, dann ist’s hohe Zeit, ihn zu begießen; besser aber ist’s, man läßt es so weit nicht kommen. Es war dieß bei meinen Stöcken einige Mal der Fall; ich begoß, und sah binnen 24 Stunden, daß die schon ganz hingewelkten Trauben alle wieder frisch wurden. Unterläßt man nun das Gießen nie, so erleidet der Stock keine Störung, und die Trauben kommen zeitig zur Reife. Folgen häufige Regen, so ist natürlich das Gießen nicht nöthig. -- Am liebsten begieße ich mit dem von der Sonne erwärmten Teich- oder Pfützenwasser, besonders solchem, welches recht schlammig ist; denn dadurch erhalten die Stöcke zugleich eine herrliche Düngung; keinen andern Dünger, als solches Schlammwasser gebe ich meinen Stöcken, und sie gedeihen dabei vortrefflich. Mistjauche halte ich für zu scharf. Auch Waschwasser, welches mit Lauge vermischt ist, taugt nichts; wohl aber das Wasser, in welchem die Wäsche gespühlt worden ist, das zwar Seife, doch keine zu starke Lauge enthält. In Ermangelung solchen Wassers habe ich aber auch bei großer Trockenheit meine Stöcke mit kaltem Brunnenwasser begossen, um zu sehen, ob es ihnen schaden würde; habe aber keinen Nachtheil gefunden. Doch ist ihnen jenes dienlicher, als dieses. Beim öfteren Begießen geschieht es nun, daß die Grube verschlämmt, und nicht mehr die gehörige wagerechte Richtung behält; diese muß man dann immer wieder herzustellen suchen. Weil nun in der Grube zwar die Wurzeln des Stockes liegen, er selbst aber nicht aus derselben hervorragt, sondern in das Dämmchen an der Wand geleitet ist, so läßt sich dieses auch mit einer Schippe ganz bequem machen; denn so breit ist gewöhnlich an meinen Weinspalieren die Grube, daß ich mit einer solchen darin hinfahren kann, so daß sie einem glatten Fußsteige ähnlich sieht, auf welchem man sehr bequem um das Spalier herumgehen kann. Was aus der Grube geräumt wird, werfe ich auf das Dämmchen an der Mauer; dadurch wird es in gutem Stande erhalten und die in demselben liegenden Thauwurzeln bekommen zugleich eine herrliche Düngung, denn es ist ja größtentheils hineingespühlter Schlamm. Häuft sich derselbe zu sehr an, so verstärke ich damit auch das Dämmchen an der Außenseite. Außerdem aber bediene ich mich zur Verstärkung desselben anderer Erde, wenn es nöthig seyn sollte.

7.

Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen.

Die oben erwähnten Schnittlinge können auch noch auf eine andere Art gesteckt werden. Wenn man nämlich einen Ort hat, wo man nicht gern einen solchen Graben machen will und kann, und der Boden an sich schon nicht zu fest ist, so nimmt man einen Pfahl oder ein Pfahl-Eisen, stößt damit ein Loch senkrecht so tief, als der Schnittling lang ist, stellt alsdann denselben hinein, doch so, daß das obere Auge heraussteht und das andere einen bis zwei Finger breit tief in die Erde kommt. Sind es mehrere Schnittlinge, die ein längeres Spalier bilden sollen, so kann man auch den Löchern gleich mit dem Pfahle oder Pfahl-Eisen oben eine schräge Richtung, nach dem innern Dämmchen zu, geben, um nachher beim Setzen das obere Ende des Schnittlings eben dieser Richtung fähig zu machen. Auch hier versteht sich das Anheften mit einem Häkchen von selbst. Nun nimmt man gute klare Erde, und reibt dieselbe langsam zwischen beiden Händen über dem Loche, bis dasselbe mit Erde angefüllt ist. Ein Andrücken derselben ist hier nicht nöthig, könnte sogar den sämmtlich aufwärts stehenden Augen schädlich werden; es wird dieselbe durch das nachherige Begießen von selbst fest, und man muß, wenn es mit der Zeit oben an Erde fehlen sollte, etwas nachfüllen. Die auf diese Art gepflanzten Stöcke halten bei trockener Witterung lange aus, da ihre unteren Wurzeln tief in die feuchte Erde hinunter treiben. Bei ganz hartem festen Boden dürfte jedoch diese Art der Anpflanzung nicht anwendbar seyn. Daß auch hier des Begießens wegen oben an den Stöcken eine mit Dämmchen umgebene Vertiefung bleiben muß, versteht sich von selbst. Ich kann diese Art der Anpflanzung um so mehr empfehlen, da ich sie mehrere Jahre lang erprobt und gut befunden habe.

8.

Vom Begießen und ersten Beschneiden der Schnittlinge.

Eine Hauptsache ist nun, daß solche Schnittlinge, sie mögen auf diese oder jene Art gepflanzt worden seyn, besonders im ersten Sommer, immerwährend feucht gehalten werden; alsdann treiben die mehresten schon im ersten Jahre eine Ruthe von 1 bis 2 Ellen. Unterläßt man das Begießen, oder fährt damit nicht regelmäßig fort, so daß sie bald zu naß, bald wieder zu trocken stehen, so wird, besonders wenn wenig Regen fallen sollte, selten einer davon fortkommen. Wer, wegen Mangel an Zeit, nicht oft genug nach seinen Schnittlingen sehen kann, thut wohl, wenn er die an denselben angebrachte Vertiefung zwischen den Dämmchen mit strohigem Kuhmiste, in welchem jedoch wenig Koth hängen darf, anfüllt; unter demselben halt sich natürlich die Feuchtigkeit länger. Es kann derselbe den ganzen Sommer durch liegen bleiben, und immer wieder darauf gegossen werden. Nur muß man vorher erst untersuchen, ob der Boden darunter trocken und also das Begießen nöthig ist. Denn oft ist der obere Theil des Mistes trocken und der untere ist immer noch feucht. Man kann diese Befeuchtungs-Methode überhaupt auch bei allen frischgepflanzten Weinstöcken anwenden. Die Ruthe nun, welche die Schnittlinge im ersten Sommer getrieben haben, muß im nächsten Herbste bis auf 2, höchstens 3 Augen weggeschnitten werden, und das über derselben stehende alte Holz wird ebenfalls glatt und dicht über der Ruthe weggeschnitten. Sollte man einem Schnittlinge zwei Ruthen gelassen haben, so wird die schwächere, wenn sie zu schwach ist, ganz weggeschnitten; im anderen Falle kann man ihr ein Auge lassen, mehr aber nicht.

9.

Vom Anpflanzen der Wurzlinge.

Wenn man Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, pflanzen will, so wähle man solche, die nicht zu langes, altes Holz haben, sonst hat man unbequemes Stecken, indem dasselbe bis auf eine Viertel-Elle in die Erde gelegt werden muß; die Stöcke kommen außerdem nicht gut fort, und wenn es auch geschähe, so wachsen sie sparsam, und haben ~mit~ demselben ein schlechtes Ansehen, sind auch in wenigen Jahren über das Spalier hinausgewachsen. Die beste Zeit zur Anpflanzung derselben ist, wie bei den Schnittlingen, der Herbst; doch kann es auch im Frühjahre geschehen, aber nur zeitig, ehe die Augen anfangen zu schwellen. Ist die Erde nicht gefroren, so kann man den ganzen Winter über pflanzen. Das an den Wurzlingen befindliche junge Holz, die Ruthe, muß bis auf 2, höchstens 3 Augen, und zwar 2 bis 3 Finger breit über dem dritten Auge, weggeschnitten werden. Sind mehr Ruthen daran, so werden diese ganz dicht am alten Holze weggeschnitten; der Stock hat sonst mehr zu treiben, als er Kraft besitzt, weil er im ersten Jahre mit dem Anwurzeln zu thun hat. Auch die zu langen Wurzeln muß man abkürzen, und beschädigte bis an den Schaden wegschneiden. Sollte der Wurzling mehrere Zweige von altem Holze haben, so zieht man sie auseinander, so daß sie ohngefähr eine bis anderthalb Elle weit von einander zu stehen kommen. Auf diese Weise werden aus einem Stocke zwei bis drei, oft noch mehr, wenn genug kurze und lange Zweige daran sind, daß sie in gehöriger Weite von einander entfernt werden können, und diese Stöcke hängen dann in der Erde an einer gemeinschaftlichen Wurzel, welche sich aber noch dadurch vermehrt, daß alles in der Erde liegende alte Holz Wurzeln treibt, wodurch schon im ersten Sommer jeder Stock seine eigenen Wurzeln bekommt. Man kann auch, wenn der Wurzling zu langes altes Holz haben sollte, dasselbe so weit wegschneiden, daß es nur eine Viertel-Elle aus der Erde hervorragt. Auch dieses alte Holz, ohne eine Ruthe mit Augen, schlägt aus, wiewohl etwas später. Ich habe sogar den unteren Theil des Senkers, an dem ich einige Wurzeln ließ, gesteckt, und mit dem Ende, wo ich den Senker vom Stocke abgeschnitten hatte, aus der Erde hervorgehen lassen, also den Stock verkehrt gesteckt, und die auf diese Art gepflanzten Stöcke wuchsen eben so gut, als die anderen. Die Grube zu den Wurzlingen wird eben so gemacht, wie bei den Schnittlingen. Sollten die Wurzeln groß seyn, so muß dieselbe natürlich etwas breiter werden, wenn nämlich diese so gewachsen und so stark sind, daß man sie nicht gut in der Grube lang hin ziehen kann. Dieß kann leicht der Fall werden, wenn der Wurzling mehrere Zweige an der Stelle hat, wo die Haupt-Wurzel hin zu liegen kommt. Die Wurzeln macht man mit den Händen recht sorgfältig aus einander, und drückt die zuerst darauf geworfene wenige klare Erde etwas mit der Hand und den ausgebreiteten Fingern an sie an, nicht aber mit dem Fuße fest getreten; dieß verwandelt diese lockere weiche Erde leicht in einen, den zarten Wurzeln schädlichen Kloß. Die übrige, zur Ausfüllung der Grube nöthige Erde braucht gar nicht fest getreten zu werden, sie senkt sich mit der Zeit von selbst. Auch bei diesen Wurzlingen muß beim Zuschütten der Grube ebenso verfahren werden, wie bei den Schnittlingen. Es muß nämlich oben auf der Grube eben eine solche Vertiefung bleiben, damit das Wasser stehen bleiben kann. Und auch diese müssen, sowie die Schnittlinge, im ersten Sommer immer feucht gehalten, doch nicht zu häufig begossen werden. Auch müssen sie, gleich jenen, mit den aus der Erde hervorragenden Enden in das an der Mauer gemachte Dämmchen geleitet seyn, damit sie beim Reinigen der Vertiefung kein Hinderniß verursachen. Alle auf diese Art gepflanzten und gepflegten Stöcke wachsen gewiß. Mir ist von mehreren Hunderten, die ich bereits pflanzte, auch nicht ein Einziger eingegangen. Nur Einer fing einst an zu kränkeln und nicht ~ein~ Auge kam zum Aufbrechen. Ich ließ ihm Zeit bis nach Pfingsten, begoß fleißig, aber er kam nicht. Nun nahm ich denselben wieder heraus, und fand, daß solcher durch zu vieles Begießen gelitten hatte, denn seine Wurzeln standen gleichsam im Schlamme. Ich schüttelte die nasse Erde von den Wurzeln ab, räumte die Schlamm-Erde aus der Grube heraus und setzte denselben wieder in lockere bloß frische Erde ein. Nach 3 Tagen schwollen die Augen, und er trieb noch in denselben Sommer schöne kräftige Ruthen. -- Dieß möge Jedermann zur Belehrung dienen.

10.

Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge.

Die an diesen Wurzlingen im ersten Sommer gewachsenen Ruthen müssen im nächsten Herbste, die schwächsten dicht am Stocke, die stärkeren bis auf 1, die noch stärkeren bis auf 2, und die stärksten bis auf 3 Augen weggeschnitten werden. Dieß ist durchaus nöthig; denn läßt man alles im ersten Sommer gewachsene Holz stehen, so treiben im nächsten Jahre alle daran befindliche Augen nur schwache Ruthen, weil die noch zu geringe Kraft des Stockes sich zu sehr vertheilt; derselbe würde dann in kurzer Zeit einem Dornenbüschchen ähnlich sehen, nie Trauben bringen und wohl gar erkranken und eingehen. Schneidet man aber das überflüssige Holz auf die hier beschriebene Weise ab, so geht im nächsten Jahre die ganze Kraft des Stockes in die wenigen Augen, und treibt einige schöne, starke Ruthen.

11.

Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer Weinstöcke überhaupt.

Die im Herbste gepflanzten Schnittlinge, Wurzlinge und alle andere Weinstöcke müssen nun, ehe der Winter kommt, zugedeckt werden, damit sie nicht erfrieren. Es geschieht dieß zwar nicht jeden Winter; wenn die Kälte nicht zu heftig wird, so halten sie aus. Da man dieß aber nicht vorher wissen kann, so ist es besser, man unterzieht sich der kleinen Mühe; und wenn auch die ~Wurzeln~, wie bekannt, nicht erfrieren, so würden doch dadurch die Stöcke um 3 Jahre zurückgesetzt werden. -- Bei den Schnittlingen ist das Zudecken sehr leicht. Man stecke um jeden Schnittling einige Stückchen Holz die etwas höher sind, als der Schnittling selbst, so daß um ihn herum gleichsam ein kleiner Zaun, etwa eine Spanne im Durchmesser, entsteht. Diesen Raum fülle man mit trockenem Laube, Heu oder klarem Stroh aus, und der Schnittling wird nicht erfrieren, wenn es auch noch so kalt würde. Den Wurzling, wenn er zu hoch seyn sollte, beuge man auf die Erde, befestige ihn mit einem Haken an dieselbe, und umstecke und bedecke ihn eben so. Das Niederbeugen und Umstecken muß gleich beim Beschneiden geschehen, weil man da noch in die Erde kann und der Stock sich gut beugen läßt; das Zudecken aber wird dann erst nöthig, wenn es anfängt, zu frieren. Denn so lange es nicht friert, ist es für jeden Weinstock besser, wenn er unbedeckt liegt. Ich lege deßhalb alle meine Stöcke im Herbste, nachdem sie beschnitten und vielleicht von einem Regen durchnäßt worden sind, zwar auf die Erde nieder, decke sie aber erst dann zu, wenn es zu frieren anfängt. Zum Bedecken nehme ich auch hier nur die oben genannten Gegenstände. Mit Mist darf man durchaus nicht zudecken; derselbe verursacht zu viel Wärme, durch welche Fäulniß entsteht; und von Erde, welche von Vielen für die beste Decke gehalten wird, werden die Stöcke unansehnlich; auch verfaulen bei gelinden Wintern leicht mehrere Augen, und die Mäuse können ungehindert den Stöcken großen Schaden zufügen, weil man nicht so leicht nach denselben sehen und die Mäuse vertreiben kann. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Weinstöcke nur einer ganz leichten Decke bedürfen, um nicht zu erfrieren. Früher bediente ich mich des schlechten unbrauchbaren Heues zu denselben. In Ermangelung dessen nahm ich im vergangenen Winter langes Roggenstroh, mit welchem es sich noch bequemer machte. Man setzt es mit den Sturzen auf die Erde, lehnt die in die Höhe stehenden Aehren an die Mauer und schiebt sie unter die erste oder zweite Stange des Spaliers. Sollte es ein langes Spalier seyn, so muß man eine Querstange anzubringen suchen, damit es von einem etwanigen Sturmwinde nicht mit fortgeführt werden kann. Der von der Traufe herabfallende Regen gleitet recht gut daran hernieder in die Gußrinne zwischen den Dämmchen, giebt den Wurzeln die Winterfrucht und der Stock selbst bleibt unter dem Strohe trocken; denn dadurch, daß solches schräg steht, können bei warmen Wintertagen die Sonnenstrahlen recht gut wirken; auch kann die Luft das unter dem geraden Strohe hohle Weinlager recht durchstreichen, welches beides die Fäulniß verhindert und den Mäusen die Gelegenheit entzieht, ihre Winternester darin zu bauen. Ueberdieß hat mich auch noch die Erfahrung gelehrt, daß das Stroh, wie an andern Gewächsen, also auch hier, gleichsam ein Frostableiter ist. Drei Finger breit Stroh ist zu den Decken hinreichend. Wo wegen Mangel an Raum das Herunterlegen und Zudecken mit Stroh nicht möglich ist, muß man sich freilich blos des Umwindens mit Stroh bedienen, das aber mühsamer ist. Wo das Zudecken mit Stroh unbequemer ist als mit Erde, da möchte ich lieber Sand für Erde anrathen. Ich habe es versucht, und solchen besser befunden als Erde. Die Stöcke halten sich darunter trockner und reinlicher, und ein Verfaulen der Augen ist dabei nicht so leicht zu befürchten.

12.

Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre.

Im Frühjahre decke man dieselben nicht zu zeitig auf; späte Fröste können leicht den schon aufgeschwollenen und im Aufbrechen stehenden Augen schaden. Man lasse aber auch die Decke nicht zu lange liegen, sonst bringt die dadurch entstehende Wärme die Augen eher zum Treiben, als es ihrer Natur nach geschehen kann, und man ist beim Anbinden nicht im Stande, die weichen Triebe alle vor Verletzung zu bewahren. Auch sind dieselben nun nicht an die natürliche Luft gewöhnt, und können daher leicht durch Frost Schaden leiden. Wären diese Nachtheile nicht zu befürchten, so würde ich rathen, die Decke lange darauf liegen zu lassen, solche nach und nach zu verschwächern, und endlich ganz wegzunehmen. -- Durch das Stroh wirkt am Tage die warme Frühjahrs-Sonne, und des Nachts schützt dasselbe die Stöcke vor den kalten Frühlingslüften. Die Augen kommen dadurch zeitiger zum Treiben und die Trauben erscheinen früher. Freilich würde man sich dann beim Anbinden sehr in Acht nehmen müssen; auch dürfte diese Behandlungsweise bei großen, holzreichen Stöcken nicht so gut anwendbar seyn, als bei kleineren.

13.

Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer.

Alle Ruthen, die im zweiten Sommer an den Schnitt- und Wurzlingen gewachsen sind, läßt man ungestört treiben, heftet und henkelt sie gehörig an, daß sie bei Sturm und Regen oder durch ihre eigene Schwere nicht abbrechen können; kneipt aber nicht wie Einige zu thun pflegen, die an den Blättern heraustreibenden Seitenruthen, den sogenannten Geiz, ab, sondern schneidet dieselben erst im Herbste beim Beschneiden dicht weg, doch so, daß man das dabei stehende Auge nicht verletzt. Einige meinen zwar, diese Seitenruthen raubten der Hauptruthe die Kraft; dieß ist aber nicht der Fall, sondern sie führen derselben vielmehr Nahrung zu und schützen und nähren besonders das Auge, an welchem sie stehen. Sollten an diesen jungen Stöcken außer den aus den Augen treibenden Ruthen auch noch mehrere aus dem alten Holze kommen, was bei gut bewurzelten Stöcken und auf gutem Boden wohl manchmal der Fall seyn könnte, so daß ihrer zu viel würden; so kann man wohl dem allerschwächsten die Spitze nehmen, die stärkern aber lasse man gehen. Sie rauben den Hauptruthen nicht zu viel Kraft, sondern bleiben von selbst zurück, und im Herbste lassen sie sich oft, wie ich in der Folge zeigen werde, zur Vergrößerung des Stockes gut benutzen, besonders wenn derselbe gleich von unten an erweitert werden soll. Durch das richtige Beschneiden im ersten Herbste sind die Stöcke schon in einen solchen Zustand versetzt, daß sie nicht leicht mehr Ruthen treiben, als sie ernähren können. Einige Schnitt- und Wurzlinge jedoch, die mir im zweiten Sommer zu lange und schwache Ruthen und Seitenruthen trieben, brachten mich auf den Gedanken, einen Versuch zu machen, ob man sie nicht durch Abkneipen der Spitzen zwingen könnte, sich unten mehr zu verstärken. Ich nahm nun von den Ruthen so viel weg, daß sie bloß noch von einer halben bis höchstens zu einer Elle lang blieben, und die Seitenruthen drei bis vier Blätter behielten, und der Erfolg entsprach ganz meiner Erwartung. Die Ruthen wurden stärker und kräftiger und die Seitenruthen nahmen nun nicht so viel Raum weg.

14.

Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste.

Ganz schwachen Wuchs schneidet man dicht am Stocke weg; Stummel dürfen nicht stehen bleiben, sie vertrocknen mit der Zeit und machen den Stock unansehnlich. Bei glatt weggeschnittenen aber verwächset die Wunde. Etwas stärkere Ruthen schneidet man weg bis auf 1 Auge, noch stärkere bis auf 2 und 3 Augen. Man nennt dieß Zapfen. Die allerstärksten Ruthen werden nicht länger, als eine Viertel-, höchstens eine halbe Elle lang gelassen, und diese nennt man Schenkel, wenn nämlich die Augen so dicht stehen, daß auf der angegebenen Länge sich mehr als 3 Augen befinden. Bei Ruthen, wo die Augen weitläuftig stehen, müßte man sich allerdings nach denselben richten, und ihrer 4, 5 bis 6 stehen lassen, obschon dadurch der Schenkel nun länger würde, als eine Viertel- oder eine halbe Elle. Es müßte eine sehr gute, starke und kräftige Ruthe seyn, wenn man sie im zweiten Jahre schon eine bis anderthalb Elle lang lassen sollte, so daß sich an ihr mehr, als 6 Augen befänden; denn diese nennt man nicht mehr Schenkel, sondern Reben, und solche Reben läßt man gewöhnlich erst im dritten Jahre stehen. Es ist ein Hauptfehler, wenn man in dem zweiten Jahre die Ruthen zu lang läßt, oder wohl gar nicht abschneidet. Der Stock bekommt dann im nächsten Jahre eine Menge schwachen Wuchs, den er nicht gehörig ernähren kann, und Trauben bringt er selten. Da hingegen die kurzen Schenkel in dem folgenden dritten Jahre schon Trauben bringen. Auch wird der Stock durch das Nichtbeschneiden in wenigen Jahren zu schnell hoch und behält unten schwaches Holz, da er hingegen beim Kurz-Beschneiden sich nach und nach gleich von unten an verstärkt, kräftige Wurzeln treibt, und mit den Jahren erst seine gehörige kraftvolle Höhe und Stärke erreicht. Es ist sehr wohlgethan, wenn man auch die Stöcke auf diese Art erzieht, die eigentlich später ihre größere Ausbreitung am zweiten Stockwerke des Gebäudes erhalten sollen, weil, z. B. in Städten, am ersten Stockwerke, wegen der Fenster, kein Raum dazu vorhanden ist. Sie erhalten dadurch einige niedere Zweige oder Aeste, mit denen man ja auch hier den Raum unter und neben den Fenstern bekleiden kann. Zum Schlusse dieses Kapitels muß ich nochmals ausführlich wiederholen, was schon im 9. §. kürzlich gesagt worden ist. Alle Schnitte am jungen Holze müssen 3 bis 4 Finger, wohl oft eine Hand breit über dem Auge geschehen. Dieses Holz über dem Auge vertrocknet im nächsten Sommer und wird im folgenden Herbste dicht über der aus diesem Auge entstandenen Ruthe weggeschnitten. Schneidet man aber zu dicht über dem Auge, so vertrocknet dasselbe leicht, und die aus demselben zu erwartende Ruthe mit den Trauben ist verloren.

15.

Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer.