Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada. Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin.

Part 8

Chapter 83,466 wordsPublic domain

Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und Emilien- (^Emily^) Straße, breitet sich ein weiter Raum aus, den ich ^Squatter's ground^ nenne, weil er ganz mit Shanties bedeckt ist, worin die armen Auswandrer, ausgelößte Pensionairs[26] und dergleichen Leute sich mit ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier, um, wie sie vorgeben, ein einstweiliges Obdach für ihre Weiber und Kinder zu haben, bis sie mit Errichtung eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und Boden zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten geschieht es, daß sie aus Trägheit oder wirklichem Unvermögen, das ihnen oft meilenweit von hier in den Urwäldern und in noch ganz unbebauten Ortschaften oder Stadtbezirken[27] zugetheilte Land zu bearbeiten, verkümmern, indem sich ihnen zu große Schwierigkeiten und Hindernisse entgenstellten, deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert, als viele derselben besitzen. Andre, zu Müßiggang und Ausschweifungen geneigt, vergeuden das empfangene Geld und verkaufen das Land, wofür sie ihre Pensionen aufgaben, und müssen dann nothwendiger Weise in Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde hocken bleiben.

Die Shanty ist eine Art Hütte im ursprünglichen canadischen Baustyl, und nichts weiter als ein aus unbehauenen Baumstämmen oder Scheiten (^logs^) zusammengezimmerter Schuppen; die Fugen zwischen den runden Rändern (^round edges^) der Baumstämme sind mit Schlamm oder Lehm, Moos oder Holzschnitzeln ausgefüllt; das Dach besteht häufig aus gespaltnen und mit der Art ausgehöhlten Bäumen, die neben einander gelegt sind, so daß die Kanten auf einander ruhen; die hohlen und convexen Flächen sehen abwechselnd nach oben, und so bildet ein Scheit (gespaltner Baumstamm) um das andre eine Rinne zur Ableitung des Regens und schmelzenden Schnees. Die Traufen eines solchen Gebäudes gleichen den wellenförmigen Rändern einer Kammmuschel; allein so roh dieses Dach ist, entspricht es doch dem Zweck, das Innere trocken zu erhalten, weit wirksamer als die aus Rinde oder Bretern gebildeten Dächer durch welche der Regen nur zu leicht Eingang findet. Bisweilen hat die Shanty ein Fenster, bisweilen nur einen offnen Thorweg, welcher das Licht ein- und den Rauch ausläßt[28]. Eine rohe Esse, oft nichts weiter als ein in die obersten Dachbäume, über dem Heerde, geschnittne und in viereckiger Form roh mit Bretern umgebne Oeffnung dient zum Auslassen des Rauches; die einzige Vorsichtsmaßregel, um zu verhindern, daß die Scheit-Wände nicht Feuer fangen, besteht in Anbringung einiger großen Steine in halbkreisartiger Form, oder noch gewöhnlicher, einer Lage trockner Erde zwischen Heerd und Wand.

Nichts kann unbehaglicher sein als einige dieser mit Rauch und Schmuz gefüllten Shanties, der gemeinliche Zufluchtsort für Kinder, Schweine und Geflügel. Allein ich habe Ihnen bis jetzt nur die Schatten-Seite des Gemäldes gegeben; und es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß nicht alle Shanties auf dem Squatter's-Grunde der geschilderten gleichen; im Gegentheil die Mehrzahl war von behenden muntern Leuten bewohnt und hatte sogar zwei Fenster und einen von Lehm regelrecht durch das Dach geführten Schornstein, ja einige waren sogar roh gedielt, und fast eben so bequem eingerichtet, wie die kleinen Log-Häuser.

Sie dürften es vielleicht befremdend finden, wenn ich Ihnen versichre, daß manche achtbare Emigranten mit ihren Weibern und Kindern, Personen von zartem Körperbau und, ehe sie hierher kamen, an jede Bequemlichkeit gewöhnt, sich begnügt haben, während des ersten oder der zwei ersten Jahre ihrer Ansiedelung in den Wäldern eine dergleichen Hütte zu bewohnen.

Mit einiger Theilnahme habe ich die Erzählungen von den Beschwerden und Mühseligkeiten angehört, die einige der ersten Ansiedler in der Nachbarschaft, als Peterborough nur erst zwei Wohnhäuser enthielt, erduldet haben. Damals gab es hier weder durch die Waldung gehauene Straßen noch Boote zur Communication mit den entlegnen, bereits angebauten Theilen des Distriktes; daher denn die Schwierigkeiten, sich die nöthigen Mund-Vorräthe und andre Bedürfnisse zu verschaffen, weit größer waren, als sich irgend einer von den spätern Ankömmlingen vorstellen kann.

Als ich von einer ganzen Familie hörte, die keinen bessern Mehlvorrath hatte, als was täglich auf einer kleinen Handmühle gemahlen werden konnte, und vier Wochen hindurch fast von allen nöthigen Lebensbedürfnissen, selbst Brod nicht ausgenommen, entblößt war, konnte ich unmöglich meine Verwunderung verheimlichen, daß ich in den über Auswanderung erschienenen Büchern von dergleichen Uebeln auch nicht ein Wort gelesen, das den künftigen Ansiedler darauf hätte vorbereiten können.

»Diese besondern Prüfungen,« bemerkte mein verständiger Freund, »beschränken sich hauptsächlich auf die ersten Ankömmlinge, welche sich in den noch völlig unangebauten Theilen des Landes niederlassen, wie dies unser Fall war. Fragen Sie nur genau einige von den Familien der niedern Klasse, die sich weit von den Städten angesiedelt haben und die wenige oder keine Mittel zu ihrem Unterhalt während der ersten zwölf Monate besaßen, bis sie eine Ernte von ihrem Boden erhielten, so werden sie manche traurige Erzählung von Leiden und Mühseligkeiten vernehmen.«

Schriftsteller über Auswanderung geben sich nicht die Mühe, nach diesen Dingen zu forschen, auch entspricht die Mittheillung unangenehmer Thatsachen ihrem Zweck nicht. Nur wenige haben ausschließlich über den »_Busch_« geschrieben. Reisende durcheilen in der Regel die seit langer Zeit angesiedelten in gutem Gedeihen begriffnen Theile des Landes, sie sehen einen Strich fruchtbaren angebauten Bodens, das Resultat vieljähriger Arbeit und Thätigkeit; sie sehen bequeme Wohnhäuser, reichlich ausgestattet mit allen wesentlichen Lebens-Bedürfnissen; die Frau des Meierei-Besitzers macht ihre Seife, ihre Lichte und ihren Zucker selbst, die Familie ist in Zeuge gekleidet, die sie mit eigner Hand gesponnen und gewebt hat, sie trägt Strümpfe von eigner Fabrik. Brod, Bier, Butter, Käse, Fleisch, Federvieh u. s. w. sind insgesammt Erzeugnisse des eignen Bodens. Sie schließen daraus, daß Canada ein zweites Canaan sei, und schreiben ein Buch, worin sie diese Vortheile auseinandersetzen, mit der Hinzufügung, daß man daselbst Grund und Boden für einen wahren Spottpreis erhalte; und rathen jedem, der unabhängig und gegen Mangel gesichert zu sein wünscht, zur Auswanderung.

»Man vergißt, daß diese Vortheile das Resultat vieljähriger unablässiger Anstrengungen, daß sie der _Kranz_ nicht _die ersten Früchte_ der mühevollen Arbeit des Ansiedlers sind; und daß fast jede Klasse von Auswandrern in der Zwischenzeit sich manchen und großen Entbehrungen unterwerfen muß.

»Viele lassen sich bei ihrer ersten Ankunft, vorzüglich in den noch unangebauten Gemeinde-Bezirken (^townships^), durch den wenig versprechenden Anblick der Gegenstände um sie her entmuthigen. Sie finden keine von jenen Vortheilen und Bequemlichkeiten, wovon sie gehört und gelesen haben; und sie sind auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten unvorbereitet; einige verzagen, andre verlassen den Ort, in ihren Erwartungen getäuscht und voll Unwillen.

»Ein wenig Ueberlegung würde ihnen gezeigt haben, daß jede Route Land von der dichten Waldung, womit sie bedeckt ist, befreit werden muß, ehe man eine Weizenpflanze erziehen kann; daß, nachdem die gefällten Bäume zerschnitten, geklaftert (^logged^) und verbrannt worden sind, das Feld eingefriedigt, die Saat gesäet, geerntet und ausgedroschen werden muß, ehe an einen Gewinn zu denken ist; daß alles dies viel Zeit und Arbeit, und wenn man letztere bezahlen muß, eine beträchtliche Auslage an barem Gelde nöthig ist, und daß, eine Familie mittlerweile essen und trinken will; daß im Fall einer größeren Entfernung von den Vorrathsplätzen, jeder Artikel auf schlechten Straßen entweder durch Menschenhände oder auf der Axe zugeführt werden muß, wobei zu bemerken, daß in Verhältniß zu der Weg-Länge und den Schwierigkeiten rücksichtlich des Transports das Fuhr- und Träger-Lohn mehr oder weniger kostspielig ist. Gewiß ist es besser, alle diese Dinge im Voraus zu kennen, weil man alsdann weiß, welchen Hindernissen man zu begegnen hat.

»Selbst ein Arbeiter, wenn er auch sein eignes Land hat, ist oft, ja ich möchte behaupten, im Allgemeinen genöthigt, sich für das erste Jahr oder die beiden ersten Jahre als _Tagelöhner zu vermiethen_ (^hire out^) um den für sich und seine Familie erforderlichen Lebensunterhalt zu erwerben; und viele der in Rede stehenden Klasse müssen manche Entbehrungen dulden, ehe sie die Früchte ihrer Unabhängigkeit ernten können. Hätten sie nicht die Hoffnung, ja die bestimmte Aussicht, ihren Zustand mit der Zeit zu verbessern, sie würden unter der Last, die sie zu tragen haben, erliegen; aber diese Hoffnung erhält sie aufrecht. Sie haben kein von Armuth und Mangel getrübtes Alter zu fürchten; die gegenwärtigen Uebel müssen der Betriebsamkeit und Ausdauer weichen; sie denken auch auf ihre Kinder, und die Prüfungen der Gegenwart werden durch die Ahnung einer glücklichen Zukunft erleichtert.«

»Jedenfalls,« sagte ich, »kann man Kühe, Schweine und Federvieh halten; und Sie wissen, daß, wo es an Milch, Butter, Käse und Eiern, an Schweinfleisch und Geflügel nicht fehlt, man sich eben nicht schlecht befindet.«

»Sehr wahr,« erwiederte mein Freund, »allein ich muß Ihnen sagen, es ist leichter, im Anfange von dergleichen Thieren zu sprechen als sie zu halten, ausgenommen auf gelichtetem oder theilweise gelichtetem Boden; hier aber ist die Rede von einer _ersten_ Ansiedelung in den Urwäldern, Kühe, Schweine und Federvieh wollen fressen, allein wenn man ihnen nichts geben kann, als was man kauft und vielleicht aus der Ferne herbeiholen muß, so ist es besser, man belastet sich nicht damit, da die Beschwerde gewiß, der Vortheil aber zweifelhaft ist. Eine Kuh findet allenfalls während der warmen Monate im Busch ihr Futter, allein bisweilen verläuft sie sich, so daß man sie Tage lang vermißt, und dann keinen Nutzen von ihr hat, und möglicher Weise viel Zeit mit Suchen verliert; dann aber muß man sie, außer Laub und Zweigsprossen, die sie den Winter hindurch erhält, auch noch mit anderm Futter versorgen[29], oder, ich wette zehn gegen eins, sie wird im Frühjahr sterben; und da Kühe, wofern sie nicht sehr gut gehalten werden, in der kalten Jahreszeit ihre Milch verlieren, so ist es am besten, sie im Herbst zu verkaufen, und im Frühjahr andre anzuschaffen, man müßte denn Ueberfluß an Futter für sie haben, was in dem ersten Winter nicht oft der Fall ist. Was die Schweine anlangt, so sind sie für eine neu angelegte Meierei eine große Plage, wofern man sie nicht aus der Hand mästen kann, allein dies geht nicht, ohne daß man Futter für sie kauft, und dies würde anfänglich nicht vortheilhaft sein. Läßt man sie frei umherlaufen, so fügen sie sowohl den eignen Feldern als denen der Nachbarn, im Bereich einer halben (englischen) Meile, beträchtlichen Schaden zu; andres Vieh kann man allenfalls durch Umzäunung in der angegebnen Hinsicht unschädlich machen, aber nicht so Schweine; auch Federvieh bedarf, wenn es einigen Nutzen bringen soll, etwas mehr, als was es um das Haus herum aufpickt, wozu noch kommt, daß Adler, Igel, Füchse und Marder darauf erfolgreiche Jagd machen, bis man es hinreichend sichern kann.«

»Wie aber sollen wir unter solchen Umständen unsre eigne Wolle spinnen, unsre eigne Seife und Lichte bereiten?« fragte ich. »Sobald sie Ihre eignen Schafe, Schweine und Rinder schlachten, oder Wolle und Talg werden kaufen können.« -- Als er mich hierüber etwas niedergeschlagen sah, fügte er tröstend hinzu: -- »Nur nicht verzagt! Sie werden mit der Zeit alle diese Dinge haben und noch mehr als diese, aber gedulden müssen Sie sich und die Mittel zu ihrer Erlangung benutzen. Mittlerweile suchen Sie sich auf Entbehrungen vorzubereiten, denen Sie jetzt noch fremd sind; und wünschen Sie, Ihren Gatten glücklich und in seinen Unternehmungen begünstigt zu sehen, so machen Sie sich kluge Sparsamkeit und heitre Laune zur Regel. Nach einigen Jahren wird Sie Ihre Meierei mit allen Lebensbedürfnissen versorgen, und nach und nach werden Sie sich auch mancher Luxus-Artikel erfreuen können. Dann erst beginnt der Ansiedler, die wirklichen und sichern Vortheile seiner Auswanderung zu ernten; dann wird er den Segen eines Landes inne, wo es weder Zölle noch Zehnten noch Armensteuern giebt; dann genießt er die Wohlthaten der Unabhängigkeit. Diese glückliche Erfüllung seiner Wünsche im Auge, ebnet er den rauhen Pfad und erleichtert er sich die auf ihm lastenden Uebel. Er sieht in Gedanken eine zahlreiche Familie um sich her, ohne jene angstvollen Sorgen, die einen Vater von geringem Vermögen in der alten Heimath drücken; denn er weiß ja, daß er sie einst nicht entblößt von rechtlichen Unterhalts-Mitteln verläßt.«

Trotz allen überstandnen Mühseligkeiten und Prüfungen fand ich diesen Mann so sehr für das Ansiedlerleben eingenommen, daß er erklärte, er würde um keinen Preis in sein Vaterland zurückkehren, um dort eine längere Zeit zu bleiben; auch ist er nicht der Einzige, den ich auf diese Weise sich habe äußern hören; vielmehr scheint dieselbe Vorliebe für ihre neue Heimath unter der niedern Emigranten-Klasse allgemein zu sein. Sie fühlen sich durch das Beispiel Andrer, die sie in Genuß von Bequemlichkeiten sehen, woran zu Hause selbst bei der größten Anstrengung und mühevollsten Arbeit nicht zu denken war, ermuthigt; denn sie bedenken weislich, daß sie, wären sie in ihrer Heimath geblieben, endloses Elend und harte Entbehrungen (sehr viele nämlich hat Mangel hierher getrieben) würden haben ertragen müssen, ohne die entfernteste Aussicht, ihren Zustand zu verbessern oder unumschränkte Landeigenthümer zu werden.

»Was sind uns ein, zwei, drei, ja selbst vier mühevolle Jahre im Vergleich mit einem ganzen Leben von Plack und Armuth,« war die Bemerkung eines armen Arbeiters, der uns am andern Tage von den Mühseligkeiten erzählte, womit er in diesem Lande zu kämpfen gehabt. »Ich wußte,« sagte er, »daß sie nur kurze Zeit dauern und durch Fleiß und Ausdauer bald zu besiegen sein würden.«

Ich habe bereits zwei unsrer armen Nachbarn gesehen, die den Kirchsprengel zwölf Monate vor uns verlassen hatten; sie haben sich in Canada niedergelassen und bearbeiten gemeinschaftlich die ihnen zugetheilten Land-Parcellen; sie kommen in der That sichtlich vorwärts. Einige Morgen Landes haben sie bereits gelichtet, bestellt und abgeerntet, sind aber zur Zeit noch genöthigt, sich zu vermiethen, um ihre Familien erhalten zu können; ihr eignes Land bearbeiten sie, wenn es Zeit und Umstände erlauben. Die Männer sind guten Muthes und hoffen, nach wenigen Jahren im Besitz von manchen Lebensgenuß, mancher Bequemlichkeit zu sein, worauf sie in der Heimath, wenn sie auch vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht gearbeitet, hätten verzichten müssen; dabei klagen sie aber, daß ihre Weiber beständig nach dem Vaterlande verlangen und ihre Reise übers Meer verwünschen. Dies scheint die allgemeine Klage unter allen Klassen zu sein; die Weiber sind unzufrieden und unglücklich. Nur wenige söhnen sich ganz mit dem Ansiedlerleben aus. Sie vermissen die kleinen häuslichen Bequemlichkeiten, deren sie sich zu Hause erfreuten, sie sehnen sich nach ihren Freunden und Verwandten, die sie haben verlassen müssen; die Einsamkeit der Urwälder ist ihnen zuwider.

Diese Aussicht entmuthigt mich nicht; ich weiß, daß ich im Hause zu thun genug finden werde, und während meiner Ausflüge ins Freie dürfte es mir nicht an Unterhaltungs-Quellen fehlen, die jede üble Laune verscheuchen. Habe ich überdies nicht guten Grund, meines Gatten wegen heiter und zufrieden zu sein? Er hat nicht mehr zu erwarten als ich; und sollte ich ihn, nachdem ich seinetwegen freiwillig meine Familie, meine Freunde, mein Vaterland verlassen, durch ewige Klagelieder verstimmen und traurig machen? Ich fühle mich stets geneigt, den Worten meines Lieblingdichters _Goldsmith_: --

Auf uns allein noch überall beschränkt, Sind wir allein die Schöpfer unsers Glücks.

beizustimmen. Nun ich werde ja bald die Prüfung zu bestehen haben, da wir Morgen um zehn Uhr diese Stadt zu verlassen gedenken; der Kauf der See-Parcelle ist abgeschlossen, drei Morgen sind von Bäumen befreit, und eine Hütte (Shanty) ist ebenfalls fertig, indeß kann letztre eben nicht für ein wohnliches Obdach gelten, die Holzfäller haben sie blos als einstweiligen Zufluchtsort errichtet; und ein Haus wird bald erbaut sein. Spät genug sind wir eingetroffen, zu spät, um eine volle Ernte zu erzielen, da die Bäume blos gefällt sind, der Boden aber noch nicht gelichtet und völlig rein ist, auch ist es bereits zu spät, das gefällte Holz zu klaftern und zu verbrennen und den Weizen in den Boden zu bringen, aber für die Frühlingssaat wird er bereit sein. Wir haben unser Besitzthum den Acker mit sechstehalb Dollars bezahlt; ein ziemlich hoher Preis für wildes Land, so weit von jeder Stadt, und in einem so dürftig angebauten Theile des Bezirks; allein die Lage ist gut und hat den Vorzug, daß wir Wasser in der Nähe haben, wofür mein Gatte gern etwas mehr bezahlte, als für eine weiter landeinwärts gelegne Parcelle.

Höchst wahrscheinlich werde ich nicht sobald Zeit und Muße haben, wieder zur Feder zu greifen. Wir logiren einstweilen bei S--, bis unser Haus in wohnlichem Zustande sein wird, was ungefähr gegen Weihnachten der Fall sein dürfte.

Fußnoten:

[19] »Im Ganzen,« heißt es in der ^History of Upper and lower Canada by R. Montgomery Martin, Lond. 1836^. »ist Ober-Canada Auswandrern aus den höheren Ständen sehr zu empfehlen; und Leute von der arbeitenden Klasse können daselbst reichliche Beschäftigung finden. Für erstere stehe hier noch die Bemerkung, daß Niemand außer solchen Engländern, die bei der Trennung der vereinigten Staaten von Groß-Britannien ihrem Vaterlande treu blieben und nach Canada flohen, also Loyalisten; oder denen, welche nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen Ansprüche auf unentgeldliche Landbewilligungen an die Regierung haben, eine Parcelle von den wild liegenden Kron-Ländereien anders als durch Kauf erhalten kann. Die Verkäufe finden unter der Leitung eines Commissairs am ersten und dritten Diensttage jedes Monats in den verschiednen Distrikten statt. Die käuflichen Ländereien werden zu einem bestimmten Preise voranschlagt, welcher in der Anzeige des Verkauftermins angegeben wird. Die Zahlung der Kaufsumme geschieht in Terminen: der vierte Theil davon muß sogleich, das Uebrige in drei gleichen Fristen nebst sechs Prct. Zinsen entrichtet werden. Nach Abschluß des Kaufs erhält der Käufer unentgeldlich ein Patent über den gekauften Boden. Das für die Geistlichkeit vorbehaltne Land wird unter nachstehenden Bedingungen verkauft: -- Zehn Procent müssen sogleich angezahlt, und das Uebrige in neunjährigen Terminen und zwar zu jedem zwei Procent nebst Zinsen abgetragen werden. Gelegentlich werden auch Gemeinde-Bezirk-Parzellen verkauft. Das gewöhnliche Areal eines Gemeinde-Bezirks beträgt 69,000 Morgen, -- ein Flächenraum von zwölf englischen Meilen in Länge, und neun in Breite.

[20] »_^Guess and calculate^_,« sie bedienen sich nämlich dieser Worte sehr häufig oft auch da, wo sie nicht recht passen.

[21] Theile, wovon jeder einen halben Acker Flächenraum enthält.

[22] Seit Abfassung dieser Nachrichten über Peterborough hat die Stadt an Gebäuden und Bevölkerung um ein Drittel zugenommen.

[23] Wahrscheinlich eine ^Gaultheria^.

[24] ^The purple lichnidea.^

[25] ^Lobelia cardinalis^, Cardinals-Lobelie, _Willdenow_.

[26] Das ist, Leute, die ihren Gnadengehalt, den sie genossen, gegen ein Stück Land in den brittischen Colonien vertauscht haben.

[27] Der an die Auswandrer zu vertheilende Flächengehalt ist vorläufig in Bezirke abgetheilt, welche ^Townships^ (Stadt- oder Gemeinde-Kreise) heißen.

[28] Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir als Holzspeller und Wasserträger mietheten, und der ein Bewohner einer dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig. »Ma' am,« sagte derselbe, »als das Wetter beißend kalt war, konnten wir uns kaum warm erhalten; denn während wir, mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der einen Seite fast brateten, froren wir am Rücken, daher wendeten wir von Zeit bald die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie wenn man eine Gans am Spieße bratet. Die Mutter verwendete die Hälfte von dem Gelde, welches der Vater durch seine Stroharbeit (er war ein Strohsesselmacher) verdiente, in Branntwein, um uns auszuwärmen; allein ich glaube, ein reichliches Gericht gute heiße Kartoffeln, würde uns mehr gewärmt haben, als der Branntwein dies vermochte.«

[29] Das Vieh wird im Herbst und Winter größtentheils durch die zarten Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten, die man auf den frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern findet. Man sollte ihnen aber auch Stroh und andres Futter geben, weil sie anders bei sehr strenger Witterung sterben.

Siebenter Brief.

Abreise von Peterborough. -- Canadische Wälder. -- Wagen und Gespann. -- Ankunft bei einem Log-Hause an den Ufern des Sees. -- Niederlassung und erste Beschäftigungen.

October 25, 1832.

Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung unsrer Reise durch den Busch (die Wälder) und so fort, und füge dann unser Thun und Treiben in und außer dem Hause hinzu. Ich weiß, daß die kleinen, das Hauswesen betreffenden Umstände für Sie nicht uninteressant sein werden; und gewiß kann das Auge einer Mutter niemals ermüden, schriftliche Mittheilungen von der Hand eines abwesenden und geliebten Kindes zu lesen.

Nach einigen Schwierigkeiten glückte es uns, einen Wagen nebst Gespann, das ist ein paar starke Pferde, zu miethen, die uns und unser Gepäcke durch die Wälder an die Ufer eines von den Seen führten, wo S-- unser wartete. Eine freie Straße war nicht vorhanden sondern blos ein angedeuteter, mit umgestürzten Bäumen bedeckter und durch einen großen Moor unterbrochner Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann man knietief einsinken, indeß brauchten wir die Vorsicht, unsern Weg längs den Stämmen der bemoosten und verwitternden Bäume zu nehmen, oder auf einem willkommnen Granit- oder Kalkstein-Block zu fußen. Was in der Busch-Sprache _Blaze_ (angedeuteter Pfad) heißt, ist nichts weiter als die durch Kerben und Rinden-Abschälung an den Bäumen vorgezeichnete Straßen-Linie. Die Grenzen der verschiednen Parcellen sind oft durch einen gekerbten Baum angedeutet, das Nämliche gilt von den Concessions-Linien[30], allein dergleichen Zeichen sind nicht viel besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht.

Die Straße, welche wir einschlagen mußten, führte über die Ebnen von Peterborough, in der Richtung des Flusses, der mich durch seine Scenerei ungemein ergötzte, wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit zeigt, mit Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten Stellen.

Ungefähr drei englische Meilen über Peterborough windet sich die Straße auf der Höhe einer steilen Firste hin, deren unterer Theil ganz das Ansehn hat, früher das Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses, oder vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen und sich mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein.