Part 24
Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen fallen in diesem Lande nicht so in die Augen, als in der Heimath; besonders weil man den Mangel an religiösen Zusammenkünften nur zu merklich fühlt, und mehr den großen allgemeinen Zweck aufrichtiger und inniger Gottesverehrung ins Auge faßt. Das Wort »_Gott_« ist ein Wohlklang für das Ohr. Möge der Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden, welche in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die öffentlichen Gebräuche des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie unsrer eignen Leitung überlassen blieben, nur zu leicht in Vergessenheit gerathen dürften.
Leben Sie wohl!
Achtzehnter Brief.
Geschäftreiches Frühjahr. -- Zunahme der Gesellschaft und Bequemlichkeit. -- Erinnerungen an die Heimath. -- Nordlicht.
Dies ist ein geschäftreiches Frühjahr für uns gewesen; zuerst hatten wir Zucker zu sieden, und diesmal in größerer Menge als früher, als wir unsern ersten Versuch machten. -- Alsdann hatten wir Werkleute, indem unser Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine große und bequeme Küche bauen lassen, die alte dient jetzt als Schlafgemach; das Wurzel-Haus und die Milcherei sind ziemlich vollendet. -- Wir haben einen Brunnen mit trefflichem Wasser gleich vor der Thür, und eine hübsche hölzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden, sie enthält zugleich einen Getraideboden und einen Stall, mit einer Abtheilung für das Federvieh, welches mir viel Unterhaltung und Freude gewährt.
Außer einem hübschen Hühner-Völkchen, den Abkömmlingen von zwei Hennen und einem Hahn oder Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe ich einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner und Gänse kommen werden. Ich verlor etliche meiner besten Vögel nicht durch den Stößer, sondern durch ein sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau verwandt ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit räuberischer, und richtet größere Verheerungen an als Fuchs und Habicht; denn es kommt wie ein Dieb in der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und hinterläßt furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.
Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, dem Auge gefälligere Form; zwei halbkreisförmige Flügel laufen vom Eingange nach beiden Seiten des Hauses; der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk, wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, und welches die Bauern geflochtnen Zaun nennen; jedenfalls nimmt sich eine dergleichen Einfriedigung weit malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.
Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, eine Art Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen Sträucher anzupflanzen, wovon unsre Wälder und Seeufer strotzen.
Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten mit weißen und rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen Botaniker nennen dieselben ^Quilostium^.
Dann habe ich die weiße ^Spiraea^, (ein strauchartiges Gewächs), welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer wächst, die canadische wilde Rose, die rothe blühende Himbeere (^rubus spectabilis^), Leder-Holz (^dircas^) auch amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt, dies ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch; die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut für Stricke, zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; die Indianer nähen ihre Weidenrinden-Körbe gelegentlich damit.
Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, Apfelbäume und hier und da ein Weißdorn-Strauch, und einige andre dergleichen Gewächse sind alles, was ich bisher habe einführen können.
Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe erst kürzlich am Fuße der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. Ich habe auch zwei tragende Ableger einer purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen.
Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; unser geliebtes Kind befindet sich ebenfalls wohl und läuft überall umher. Wir erfreuen uns einer angenehmen und freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der letzten zwei Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung von der volkreichern Stadt kaum beklagen können.
Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich in ihrer neuen Wohnstätte sehr behaglich und haben ein schönes Stück Land gelichtet und angebaut. Wir besuchen sie häufig und plaudern dann manches liebe Stündchen von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, und schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, daß wir in einer nicht allzufernen Zeit ihre fruchtbaren Felder und blumigen Thäler einmal wieder sehen werden.
Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen Canadier ihren Großmüttern und Tanten vorführen; mein kleiner Buschmann soll zeitig die Namen dieser unbekannten aber theuren Freunde aussprechen und das Land verehren und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der Welt erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und mein eignes geliebtes England.
Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, und noch dazu von einem so schönen und gesegneten Lande gar kein Bedauern, gar kein Weh, so würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch aber muß ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner Rauhigkeit liebe und mich in meinem niedrigen Block-Hause eben so froh und glücklich fühle, als dies in einem reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte; Gewohnheit versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns anfangs nicht recht zusagen wollen. Es ist stets mein Bestreben gewesen, lieber das Süße als das Bittre in den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß ist dies das Beste und klügste, was man thun kann. In einem Lande, wo alles -- Jung und Alt, Vornehm und Gering -- sich zur Thätigkeit aufgefordert fühlt, würde es höchst ungereimt und thörigt sein, seine Lebensgeister durch unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im Hause durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder über die Trennung von so vielen theuren Gegenständen in der alten Heimath, eine düstre Stimmung zu verbreiten. Da wir nun einmal hier sind, müssen wir uns so gut als möglich in die Umstände schicken und mit heitrem Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst gewählt haben. Die Fähigkeit, das Gute, welches wir besitzen, zu genießen, scheint mir ein Haupterforderniß zur menschlichen Glückseligkeit zu sein.
Wiewohl wir von vorn herein manche Widerwärtigkeiten erfuhren, manche unvorhergesehne Kosten zu bestreiten hatten, uns manchen unangenehmen Aufschub gefallen lassen mußten und viele Entbehrungen, die uns sehr drückend erschienen, zu erdulden hatten, so können wir doch, im Ganzen genommen, von gutem Glück sagen; vorzüglich, was die Lage unsers Grundstücks betrifft, welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen ist; die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt überwunden, wenigstens hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten einer wohl eingerichteten Meierei genießen.
Mein Gatte söhnt sich von Tage zu Tage mehr mit dem Lande aus, und auch ich fühle mich täglich fester daran gebunden. Sogar die Baumstummel, welche mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas von ihrer Häßlichkeit zu verlieren; das Auge gewöhnt sich sogar an die unangenehmsten Gegenstände, bis sie fast gar nicht mehr beachtet werden. Wie ganz verschieden von seiner gegenwärtigen Erscheinung wird sich dieser Fleck nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen! meine Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten Bäumen vor; alles wird anders sein; unsre gegenwärtigen rohen Wohnungen werden andern bequemern und schönern Platz gemacht haben, und Anmuth und Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenwärtig eine Waldwildniß ist.
Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada gefällt; aufrichtig zu reden, so glaube ich nicht, daß es alle die Lobsprüche verdient, welche ihm Reisende gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre war sehr drückend, die Dürre außerordentlich groß, und erwies sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorzüglich schadete sie der Kartoffel-Ernte. Die Fröste traten zeitig ein, und eben so fiel zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen Nachsommer betreffend, so scheint er vor der Hand Abschied von dem Lande genommen zu haben, denn seit unserm dreijährigen Aufenthalte daselbst haben wir nur wenig davon gesehn. Letztverfloßnes Jahr war auch nicht ein Schein davon wahrzunehmen, und in diesem Jahre wurde ein abscheulich düstrer trüber Tag, der mich gewaltsam an einen Londoner Nebel erinnerte, und der ganz eben so niederschlagend und geistlähmend wirkte, von den alten Bewohnern für den Anfang des indianischen Sommers erklärt; die Sonne schien düster und roth, und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die Atmosphäre, so daß es fast nöthig wurde, am Mittage Licht anzuzünden. Wenn dies der indianische Sommer ist, so könnte man eine Reihe auf einander folgender londoner Nebeltage den »Londoner-Sommer« nennen, dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer Art bewilderndem düstern Lichtschimmer umhertappte; und, froh war ich, als nach ein- oder zweitägigem heftigen Regen, Frost und Schnee eintraten.
So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in hohem Grade veränderlich; nicht zwei Jahre sind sich einander nur einigermaßen gleich gewesen; und wie man glaubt, wird diese Veränderlichkeit in demselben Verhältniß zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr zu Jahr vorwärts schreitet. In der Nähe der Flüsse und großen Seen ist das Klima weit milder und gleichförmiger; mehr landeinwärts fällt der Schnee selten so hoch, um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein geworden, mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist indeß, wenn wir den Zustand unsrer Buschstraßen berücksichtigen, mehr ein Umstand zu unsern Gunsten, insofern das Reisen minder schwierig wird, obgleich die Wege immer noch ziemlich holperig bleiben.
Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen eine glänzende meteorische Erscheinung, glänzender und großartiger als alles, was ich der Art je zuvor beobachtet. Großen Spaß machten mir die Worte eines jungen Burschen, der einem Herrn die Erscheinung einer Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell über den Himmel weggeschossen, erklärte, »Sir,« sagte der Bursche, »ich habe nie zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette von Sternen mit der Block-Kette (^logging-chain^) vergleichen,« gewiß ein höchst natürlicher und einziger Vergleich, ganz in Einklang mit der Beschäftigung des Burschen, der es häufig mit den Ochsen und ihrer Block-Kette, (der Fortschaffung von gefällten Bäumen) zu thun hatte, -- und am Ende nicht bäurischer, wenn ich so sagen darf, als die gewöhnlichen Namen, welche mehre unsrer prächtigsten Sternbilder führen -- z. B. Pflug, Sichel u. s. w.
Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem Besuche bei einer Freundin nach Hause kehrte, überraschte mich eine glänzende blaßgrünliche Lichtsäule im Westen; sie erhob sich zu einiger Höhe über die dunkle Fichten-Linie, womit die jenseitigen Ufer des Otanabee bekränzt waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht unähnlich, welches der Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet; sie war nicht ganz pyramidal, jedoch an der Basis um vieles breiter als an der Spitze; sie erbleichte allmälig, bis nur noch ein weißes flimmerndes Licht die Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und auch dieser schwache Lichtschimmer verschwand ungefähr nach einer halben Stunde. Es war eine so schöne und liebliche Erscheinung, daß ich ordentlich trauerte, als sie in die dünnen Lüfte zerrann; ja bisweilen bestimmte mich meine Phantasie zu dem Glauben, als sähe ich das Gewand eines glanzvollen Besuches aus einer andern und bessern Welt; -- aber weg mit dergleichen Träumereien! -- war es vielleicht eine phosphorische Ausdünstung von einem unsrer zahlreichen Moräste oder Binnen-Seen, oder stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung, welches so häufig an unserm Himmel gesehn wird?
Ich muß jetzt diesen Brief schließen; denn ich habe noch an einige Freunde zu schreiben, denen ich blos bei günstiger Gelegenheit etwas von meiner Hand zufertigen kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man muß für alles, was man nach New York sendet, oder von daher erhält, theuer bezahlen.
Leben Sie wohl Meine Gütigste und Beste Freundin.
Erster Anhang.
(Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin dieses Werkes während dessen Druck eingegangen.)
Ahorn-Zucker.
Dieses Frühjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit feinerem Korn und besserer Farbe bereitet, als er mir jemals zu Gesicht gekommen ist; und mehre alte Ansiedler haben mir versichert, es sei der beste oder ziemlich der beste, den man nur immer erhalten könne; diese Lobsprüche bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte Verfahren hier mitzutheilen: Sobald der Saft in dem Zucker-Kessel von ungefähr sechszehn Eimern bis auf zwei eingekocht war, goß ich ihn zunächst durch einen dünnen Flanell-Beutel, der ungefähr so beschaffen sein muß wie ein Sack zum Durchseihen von Gelées, und befreite ihn dergestalt von den ersten Unreinigkeiten, die ziemlich groß sind. Hierauf ließ ich ihn durch dickeren Flanell in den eisernen Topf laufen, der zu seiner Eindickung zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch kalt oder höchstens nur lau war, das Weiße eines Eies zu Schaum und verbreitete es behutsam über die Oberfläche der Flüssigkeit, wobei ich den Topf, als er durch das Feuer heiß zu werden anfing, sorgfältig in den Augen behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker kochen möchte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die eben geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen kommt, muß der Schaum, der sich oben absetzt, mit einem hölzernen Schöpflöffel sorgfältig abgenommen und entfernt werden. Meines Erachtens hängt die Weiße und Reinheit des Zuckers zum großen Theil von der sorgfältigen Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die beste Vorschrift, welche ich hierzu (dem Abschäumen des Zuckers[59]), ertheilen kann, ist, den Saft fortwährend in schnellem Kochen zu erhalten, nur muß man dabei sorgfältig sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von der Flüssigkeit in dem Rührlöffel behält, und wenn die Masse nach dem Rande aufsteigt oder zu schnell aufwallt, von Zeit zu Zeit etwas hinein tropfen läßt, um sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in einem Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller Thüren das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker außer dem Hause bereiten, befestigen einen hölzernen Krahn in einen Baumstummel, das Feuer wird hierauf angezündet, und der Kessel an dem Krahne aufgehängt; durch diese einfache Vorrichtung, -- jeder Knabe kann damit zu Stande kommen, -- kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit auf das Kochen, jedes Ueberlaufen vermeiden; allein das Auge darf nicht vom Kessel weggewendet werden, eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen großen Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos einen kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers; die dazu gehörigen Töpfe hielt man für zu klein, und ihre Form für ungeeignet, so daß ich anfangs den Versuch aufgeben zu müssen fürchtete; allein ich beharrte bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß mein Ofen ein trefflicher Apparat zu dieser Art von Fabrikation ist, da sich die Hitze nach Belieben reguliren läßt.
Eine der ängstlichsten Perioden beim Zuckersieden ist, nach meiner Erfahrung, wenn der Saft zuerst anfängt, ein gelbliches, schaumiges Ansehn anzunehmen, und eine so große Dampf-Menge von seiner Oberfläche aufzuwerfen, daß man den Inhalt des Kessels nicht sieht; in welchem Fall er, selbst bei der größten Aufmerksamkeit, unvermerkt überlaufen kann. Sobald sich der Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine schön gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum zu sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen die Tropfen an, klar und zähe vom Löffel zu fallen; und wenn man kleine glänzende körnig aussehende Bläschen darin wahrnimmt, so tröpfele man einige auf eine kalte Platte und fahre fort, ihn umzurühren oder zu reiben, bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren, findet man ihn griesig, eine weißliche oder blaßstrohgelbe Farbe annehmend und steif. Alsdann kann man den Zucker unbesorgt in eine zinnerne Schüssel, in einen Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes Gefäß ausschütten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden, nachdem ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte aber in seinem Aussehn keine Verschiedenheit wahrnehmen, ausgenommen daß bei der einen der Zucker mehr zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in großen Klumpen blieb; übrigens aber war weder in Reinheit noch Funkeln ein Unterschied bemerkbar. Was die erste Methode anlangt, so rührte ich den Zucker fortwährend um, bis er anfing, zu erkalten, und eine weißlich dicke Substanz zu bilden, und die Körner gut krystallisirten; bei dem andern Verfahren, -- das ich für vorzüglicher halte, da es die wenigste Mühe verursacht, -- wartete ich, bis die Molasse zu Zucker verhärtet war, hierauf durchlöcherte ich die Cruste an mehren Stellen, und stürzte die Masse in einen Durchschlag über einem Gefäße, bestimmt, die vom Zucker abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf des Tages oder zweier Tage, rührte ich den Zucker häufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit ward, und ein schönes funkelndes Korn annahm; er schmeckte genau wie Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes konnte man keine Spur daran bemerken, kurz man konnte ihn zu allem gebrauchen.
Ich habe die Bemerkung gemacht, daß im Allgemeinen Ahorn-Zucker, wie er gewöhnlich bereitet wird, hart und derb ist, wenig Korn zeigt, und im Verhältniß zu seinem Umfange sehr ins Gewicht fällt. Gerade das Gegentheil aber kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im Verhältniß zu seinem Volumen außerordentlich leicht, indem die schwere Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen davon getrennt ist. Wäre das gegenwärtige Frühjahr nur günstig genug gewesen, was es nicht war, so würden wir eine gute Quantität trefflichen Zuckers bereitet haben.
Weinessig.
Kocht man fünf Gallonen Saft auf eine ein, setzt man, wenn er gerade die Temperatur frisch gemolkner Milch ein wenig übersteigt, ein Weinglas Hefen hinzu, und läßt man das Gefäß während des Sommers in der Küche nahe am Heerde stehen, so erhält man einen guten, wohlfeilen, angenehm schmeckenden starken und sehr brauchbaren Essig. Diesen Plan habe ich zwei Jahre hindurch mit Glück verfolgt. Das Faß oder die Butte muß gehörig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig hinein gethan werden kann; denn andernfalls würde es durch die Sonnenhitze einschrumpfen und leck werden. Ist es gut gearbeitet, so überstreicht man die Fugen und den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige Oeffnungen gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben der gleichförmigern Küchen-Temperatur, was den Standort des Essigs anlangt, den Vorzug vor der freien Luft; denn die in diesem Lande häufig eintretenden kalten Nächte sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er kein dergleichen Hinderniß erfährt, schneller zur Vollendung kommt. Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer Weine und Biere gut bewandert sind, dürften mit geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit einen trefflichen Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten.
Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergewächs, in seinem Garten (oder sollte dies thun) Hopfen, welcher einen der Haupt-Bestandtheile des Ahorn-Bieres bildet, nachdem man ihn dem Safte zugesetzt hat.
Hopfen-Hefen.
Dieser treffliche, und ich möchte sagen, unentbehrliche Artikel in jedem Ansiedler-Hause, ist ein schätzbares Substitut für Ale- oder Bier-Hefen, und wird auf folgende einfache Weise bereitet: -- Man nimmt zwei Hände voll Hopfen, kocht diese Quantität in einer Gallone weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen kann, bis der Hopfen zu Boden des Gefäßes sinkt; bereitet einen Teig, indem man eine Dessert-Schüssel voll Mehl und kaltes Wasser so lange zusammen rührt, bis sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden; filtrirt die Hopfen-Flüssigkeit, während sie noch siedend heiß ist, in das Gefäß, welches den Teig enthält, und läßt einen Gehülfen die Hopfen-Flüssigkeit abgießen, während man den Teig umrührt. Sobald sie bis zu einer gelinden Wärme abgekühlt ist, so daß man den Finger ohne unangenehme Empfindung hinein halten kann, füge man ein Glas von den frühern Hefen, oder etwas weniges Sauerteig hinzu, um sie gähren zu machen; ist auch dies geschehn, so läßt man sie ruhig stehen, bis sie gehörig gegohren hat, füllt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie sorgfältig. Den Sommer über muß sie im Keller oder an einem kühlen Ort stehen, und im Winter muß man dafür sorgen, daß sie nicht friert. Einige fügen zwei oder drei mehlige, wohl gekochte und fein gestoßne Kartoffeln hinzu, was während der kalten Monate des Jahres sich sehr vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu Brodmehl ist ebenfalls höchst zweckmäßig und meines Erachtens für neue Ankömmlinge, die alle ihr Mehl kaufen müssen, jedenfalls ein großes Ersparniß.
Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres, leichteres Brod als das auf dem gewöhnlichen Wege gemischte Mehl: -- Angenommen, ich wollte ungefähr anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht sich, nachdem sie völlig rein geschält sind,) etwa drei Dutzend ziemlich große Kartoffeln, in ungefähr drei Quart oder einer Gallone Wasser, bis die Flüssigkeit das Ansehn einer dünnen Grützsuppe zeigt, und die Kartoffeln sich mit dem Wasser fast ganz verkörpert haben. Mit dieser Kartoffel-Grütze wurde das Mehl vermischt, Wasser war nicht erforderlich, außer wenn ich zufällig nicht genug von der Mischung hatte, um mein Mehl hinlänglich anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu kneten, die Gährung durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm Teige und Brode angewendet. Während des Backens nimmt es eine glänzend hellbraune Farbe an und ist leichter als das auf gewöhnlichem Wege bereitete Brod, daher eine Kenntniß des besprochnen Verfahrens den Emigranten-Familien nützlich sein dürfte.
Salz-Sauerteig.
Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler häufig Gebrauch machen; allein obgleich das damit bereitete Brod entschieden weißer, und von besserem Aussehn ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So macht es doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält, manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil ist, daß es während des Winters äußerst schwer hält, diesen Sauerteig zum Gehen (Gähren) zu bringen, da er eine Temperatur erfordert, die man an einem canadischen Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch, daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine Höhe erreicht hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch macht, wieder fällt, und dann nicht wieder steigt; eine sorgsame Hausfrau, welche diesen Umstand kennt, giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine Art Gebäcke wie Haferkuchen im Hause haben würde.