Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada. Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin.

Part 18

Chapter 183,340 wordsPublic domain

»Fast die ganze Gattung der Pirole (Bülaus),« sagt dieser Beobachter, »gehört Amerika an, und alle bauen, mit wenigen Ausnahmen, schwebende Nester. Nur wenige aber kommen in der Bauart dieser Wohnstätten für die Jungen dem Baltimore-Vogel gleich, welcher seinem Neste vor allen ihm verwandten Arten Bequemlichkeit, Wärme und Sicherheit zu geben weiß. Zu diesem Behufe wählt er die hohen, herabhängenden Zweigspitzen und befestigt starke, feste Fäden von Hanf oder Flachs um zwei der beabsichtigten Weite des Nestes entsprechende Gabelzweige; aus den nehmlichen Materialien, die mit lockerem Werge vermengt sind, webt oder fabricirt er eine starke, feste Art Filz, welcher gewissermaßen der Substanz eines noch rohen Hutes gleicht und den er zu einem sechs bis sieben Zoll tiefen Beutel gestaltet; inwendig füttert er das Nest reichlich mit verschiednen weichen und dem äußeren Netzwerk gehörig eingewobenen Substanzen, und kleidet es endlich mit einer Lage von Roßhaaren aus; das Ganze ist gegen Sonne und Regen durch ein natürliches Wetterdach oder einen Blätter-Baldachin geschützt. Was die Oeffnung anlangt, welche der Vogel, nach _Pennant_ und andern Schriftstellern, auf der Seite für die Jungen sowohl zur Fütterung als Entfernung der Excremente lassen soll, ist auf jeden Fall ein Irrthum. Ich meines Theils habe nie ein solches Loch in der Nestwand des Baltimore-Vogels gefunden. Wiewohl Vögel der nehmlichen Art im Allgemeinen eine gemeinschaftliche Form beim Bauen ihres Nestes beobachten, so bauen sie doch nicht, wie man gewöhnlich glaubt, auf dieselbe Weise. Die Baltimore-Vögel unterscheiden sich eben so sehr durch Styl, Sauberkeit und Ausführung ihrer Nester als durch ihre Stimme. Einige scheinen vor allen andern geschickte Arbeiter zu sein und wahrscheinlich nehmen sie an Kunstfertigkeit eben so wie an Farbenpracht mit den Jahren zu. Ich habe jetzt eine Anzahl ihrer Nester vor mir, sämmtlich vollendet und mit Eiern angefüllt. Eins derselben, das sauberste und netteste, hat die Gestalt eines Cylinders, ist fünf Zoll weit, sieben Zoll tief und am Boden rund. Die oben befindliche Oeffnung ist durch einen horizontalen, ungefähr drittehalb Zoll breiten Deckel beschränkt. Die Materialien sind Flachs, Hanf, Werg, Haare und Wolle, welche sämmtlich zu einer vollkommnen Art Tuch verwebt sind, das Ganze ist überall sauber mit langen, mitunter zwei Fuß messenden Roßhaaren durchnäht. Der Boden besteht aus dicken Kuhhaar-Flocken und ist ebenfalls mit Roßhaaren durchnäht. Das eben beschriebne Nest hing an der Spitze eines horizontalen Apfelbaumzweiges, nach Südost gerichtet; es war, obgleich im Schatten, in einer Entfernung von hundert Schritten sichtbar, und das Werk eines sehr schönen und vollkommnen Vogels. Es befinden sich fünf weiße, schwach fleischfarbne, am breiten Ende mit purpurnen Flecken, und an den übrigen Theilen mit langen Linien gezeichnete Eier darin, die Linien sind haarfein und durchschneiden sich in mannigfaltigen Richtungen. Ich bin deswegen in der Angabe dieser einzelnen Umstände so ausführlich, weil es mein Wunsch ist, den spezifischen Unterschied zwischen dem ächten und Bastard-Baltimore-Vogel aufzustellen, da ^Dr.^ _Latham_ und einige Andere der Meinung sind, daß beide Vögel einer und derselben Art angehören und nur durch ihre verschiednen Farbenschattirungen von einander abweichen.

»Der Baltimorevogel ist in der Brütezeit so sehr besorgt, sich die geeigneten Materialien zu seinem Neste zu verschaffen, daß die im Lande wohnenden Frauen genöthigt sind, ihr Garn und dergleichen, das sich zufällig auf der Bleiche befindet, aufmerksam zu bewachen, eben so muß der Pachter und Landmann seine jungen Pfropfreiser hüten, weil dieser Vogel sowohl das Garn als auch die Materialien, womit die letzteren befestigt sind, seinem Endzweck entsprechend findet und oft wegholt; sollte jedoch das erste zu schwer und die letzteren zu fest gebunden sein, so zerrt er lange Zeit daran herum, bevor er seinen Versuch aufgiebt. Man hat nach dem Abfallen der Blätter oft Strähne Seide und Zwirnfäden um das Nest des Baltimore- Vogels hängen sehen, die aber so verwebt und verschlungen waren, daß man sie durchaus nicht wieder herausfitzen konnte. Vor der Ankunft der Europäer konnten natürlicher Weise keine solche Materialien gewählt werden, allein mit dem Scharfsinn eines guten Architekten hat das Thierchen diesen Umstand zu seinem Vortheil benutzt, und man findet die stärksten und besten Materialien stets in denjenigen Theilen, welche das Ganze tragen.« ^Wilson's, Amer. Ornith. I. 26.^

Vierzehnter Brief.

Nutzen botanischer Kenntnisse. -- Das Feuerkraut (^fireweed^) Sarsaparilla-Pflanzen. -- Prächtige Wasser-Lilie. -- Reis-Beete. -- Indianische Erdbeere. -- Scharlachfarbner Akelei (^Columbine^) -- Farnkräuter. -- Gräser. --

Juli 13, 1834.

Der Winter scheint uns in diesem Jahre ziemlich zeitig verlassen zu wollen, zu Ende Februars war der Boden völlig frei von Schnee, und den ganzen März hindurch hielt milde und freundliche Witterung an, jedoch nicht so warm und überhaupt veränderlicher als im vorigen Jahre. In der letzten April-Woche und zu Anfange Mai's waren sämmtliche Waldbäume belaubt und prangten im schönsten lieblichsten Grün.

Am 14., 15. und 16. Mai wurde die Luft plötzlich kalt, ein scharfer Wind blies aus Nordwesten, und heftige Schnee-Stürme knickten die jungen Knospen und zerstörten manche Frühsaat; glücklicher Weise hatten wir uns mit unserm Säen nicht sehr beeilt, und dies war unter solchen Umständen sehr gut.

Unsre Wälder und Lichtungen sind jetzt mit schönen Blumen gefüllt. Sie werden sich aus den getrockneten Exemplaren, die ich Ihnen übersende, eine Vorstellung davon machen können. Sie werden darunter manche Lieblinge unsrer englischen Gärten und Gewächshäuser erkennen, welche die verschwenderische Hand der Natur nachlässig in den canadischen Wäldern und Wildnissen ausgestreut hat.

Wie oft wünsche ich Sie an meine Seite, wenn ich durch die Wälder und Lichtungen streife; die Aufsuchung unsrer botanischen Schätze würde Ihnen große Freude gewähren.

Ich bedaure jetzt nur zu sehr, daß ich, als ich noch in der Heimath war, Ihr gütiges Anerbieten, mich im Blumenmalen unterrichten zu wollen, ausgeschlagen habe; Sie sagten mir damals oft, die Zeit würde kommen, wo ich Ursache haben dürfte, die Vernachlässigung der sich mir darbietenden günstigen Gelegenheit zu bereuen.

Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage jetzt täglich, daß ich Ihnen keine genauen Schilderungen von den Pflanzen meiner neuen Heimath geben oder denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie Sie dies thun würden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen zu wenig, um eine wissenschaftliche Beschreibung zu wagen; denn ich fühle nur zu gut, daß ein Verstoß leicht entdeckt werden, und daß ich, wollte ich mich mit Kenntnissen brüsten, die ich nicht besitze, mich lächerlich und verächtlich machen würde. Das einzige botanische Werk, das mir zu Gebote steht, ist _Pursh's_ nordamerikanische Flora, aus welcher ich einige Belehrung geschöpft habe; allein ich muß gestehen, daß mir die Entzifferung der lateinischen Beschreibungen, da ich kein Latein verstehe, außer was mich mein bischen Italienisch errathen läßt, viel Mühe und Langeweile verursacht.

Ich habe von den vorzüglichsten, der Aufmerksamkeit würdigsten Pflanzen in unsrer Nähe, ein Verzeichniß entworfen, es giebt indeß noch viele andere in dem Gemeinde-Bezirk, die mir fremd sind; von einigen derselben weiß ich nicht einmal die Namen. Ich füge von denjenigen Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die sich durch irgend eine erwähnungswerthe Eigenschaft auszeichnen, eine leichte Skitze bei, aber nicht mit dem Pinsel sondern mit der Feder.

Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben Pflanzen, welche früher, als er noch mit Waldbäumen bedeckt war, darauf wucherten. Eine andre Pflanzen-Welt kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den Boden gereinigt hat. Das Nämliche läßt sich hinsichtlich unsrer Waldbäume sagen. So wie eine Generation abstirbt und verwittert, tritt eine neue, aber von ihr verschiedne an ihre Stelle. Ein zur Erläuterung dieses Umstandes dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett, eine harzige Substanz, die man gewöhnlich an Orten findet, wo die lebende Fichte weniger häufig wächst, und wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den Boden einnehmen.

Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von niedrigem, unangenehmem Geruch, ist die erste Pflanze, welche erscheint, nachdem der Boden durch Feuer entwaldet ist; bleibt ein Stück Land den ersten Sommer nach seiner Lichtung ungepflügt liegen, so schießt im nächsten Frühjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die nächste Pflanze, welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem flaumbedeckten Stengeln und sammetartigen hochrothen Blumen, die einen aufrecht stehenden stumpfen Büschel an den Zweigspitzen bilden; die Blätter werden im Spätsommer scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich sehr schön ausnimmt und recht wohl als Ziergewächs dienen kann, wird doch in alten Lichtungen als eine große Plage betrachtet, weil seine Wurzeln ausschlagen und zahlreiche Schößlinge treiben. Hierauf folgen die Brombeeren und die wilde Stachelbeere in großer Menge, und zahllose Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art überziehen den Boden gleich einem Teppich und vermischen sich mit dem Gras der Weide. Ich sah mich dieses Frühjahr genöthigt, mit schonungsloser Hand Hunderte von Sarsaparilla-Pflanzen, so wie auch den berühmten Ginseng, welcher in unsern Wälder sehr häufig ist, mit der Wurzel auszureißen; der Ginseng war früherhin ein Ausfuhr-Artikel, den die Vereinigten Staaten nach China sendeten, weil seine Wurzel von den Chinesen besonders geschätzt wird.

Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die auf einem trocknen sandigen Gange in meinem Garten den Boden durchbrochen hatte; sie scheint eine Art (^Mesembryanthemum^ (?)) zu sein; sie hat sich so schnell ausgebreitet, daß sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt. Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und treiben aus jedem Gelenk Schößlinge hervor. Die Blätter sind mehr klein, dreikantig und zugespitzt, dick und saftig, wie die gewöhnlichen Sedum-Arten, wenn man sie quetscht, so fließt eine grünliche Flüssigkeit aus. Die Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der Erde hin; die Blätter entspringen aus den Gelenken, und mit ihnen in ununterbrochner Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen, die sich ungefähr eine Stunde nach ihrer ersten Entfaltung wieder schließen. Ich werde Ihnen einige Samen von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte nämlich eine Anzahl kleiner Schoten, die wie Knospen aussahen, aber, bei näherer Untersuchung sich als die Samenbehälter erwiesen. Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich einer dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir sagt, ein lästiges Unkraut.

Ich bedaure nur, daß ich unter meinen getrockneten Pflanzen nicht einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien und Iris-Arten erhalten konnte; allein sie waren zu groß und zu saftig, um sich gut trocknen zu lassen. Da ich Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so will ich sie Ihnen wenigstens beschreiben.

Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (^Nymphaea^) welche ich der Unterscheidung halber »_Königin der Seen_« genannt habe, denn sie prangt gleich einer Krone auf den Gewässern; diese prächtige Blume gleicht in Umfang einer mäßig großen Dahlia, sie erscheint wie gefüllt, und jede Blumen-Blätter-Reihe nimmt nach der Mitte zu allmälig an Größe ab und geht in Farbe nach und nach von dem reinsten Weiß in das lichteste Citronengelb über. Die noch nicht entfalteten Blüthen nehmen sich sehr hübsch aus, man kann sie unter der Oberfläche des Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung wahrnehmen: -- von der noch völlig geschloßnen und in ihren olivengrünen Kelch gehüllten Knospe bis zu der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus ihrem Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen Schönheit ihren schönen weißen Busen dem hellen Sonnenstrahl und der milden Luft zu entfalten. Aber die Schönheit der Blume ist nicht ihr einziger Liebreiz; sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen reichen Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht unähnlich. Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen die Blätter: anfangs zeigen sie ein schönes Dunkelgrün, aber mit dem Abwelken der Blume vertauschen sie diese Farbe nach und nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo viele dergleichen Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der Wasserfläche einen unbeschreiblich schönen Anblick, der schon in einiger Entfernung das Auge auf sich zieht.

Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr schön, jedoch fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die zarte Farbe der erstern; ich nenne sie »Wasser-König.« Die Blume bietet einen dunkel goldgelben Becher dar, dessen ausgebauchte Blätter in der Mitte eine röthlich braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen, wie goldne Franzen über einander herabhängenden Antheren stark absticht, die sehr zahlreichen Antheren sind in dicht auf einander folgenden Reihen angeordnet und füllen den hohlen Blumen-Becher völlig aus.

Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen zierlichen Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen lieblichern Anblick als diese kleinen schwimmenden Gärten. Hier erblickt man unfern des Ufers ein Beet mit azurnen, ^Fleurs de lis^, vom blassesten Perlfarben bis zum dunkelsten Violett. Näher am Ufer, wo das Wasser am seichtesten ist, sendet die rosenfarbne ^Persecaria^ ihre prächtigen Blüthen empor, deren Stiele sich unter der Wasserfläche hinranken, man sieht die rothen Stengel und glatten dunkelgrünen, an der untern Fläche rosenroth geaderten Blätter; es ist eine höchst reizende Varietät dieser schönen Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht weißer Nymphäen, meine Lieblinge, alle in voller Blüthe, die auf dem Wasser schwimmen und ihre gefüllten Blumenkronen an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt sich in stolzer Schöne eine hohe schlanke Pflanze, mit dunkelgrünen lanzettförmigen Blättern und einer dicken Aehre von hellblauen Blüthen. Ich kann den Namen dieser prächtigen Blume nicht ausfindig machen und habe leider ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen keinen näheren Aufschluß zur Auffindung ihres Namens und ihrer Gattung geben kann.

Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung; aus der Ferne gesehen, erscheinen sie wie grüne Inseln auf den Seen, nimmt man seinen Weg über ein solches Beet, wenn der Reis in der Blüthe steht, so gewährt dieser, mit seinen breiten grasigen Blättern und leichten wogenden Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind mit blaßgelben oder grünen, zart purpurröthlich schattirten Blumen besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubfäden hervorragen, die sich bei jedem Lufthauch, bei der leichtesten Erschütterung des Wassers hin und her bewegen. Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben erst geöffnet, aber leider zerbröckelten sie bald nach der Trocknung. Nächsten Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen, einige zu trocknen, und vielleicht dürfte ich einen bessern Erfolg haben.

Das niedrige Ufer des Sees ist über und über mit Strauchwerk und Stauden überzogen. Wir haben ein recht hübsches Johanniskraut, mit schönen gelben Blumen. Auch schöne Geisblatt-Arten kamen hier vor, Strauch-Gewächse von ungefähr drei Fuß Höhe; die Blüthen stehen in Pärchen oder zu vieren und hängen unterhalb der lichtgrünen Blätter; sie sind zierlich trompetenförmig und zart grünlich weiß, es folgen ihnen rubinrothe Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze, so fällt besonders die zierliche Anordnung der Blüthen längs dem untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden Blüthen sind an den Nectarien auf eine eigenthümliche Weise mit einander verbunden. Die Amerikaner nennen diese Geisblatt-Art ^twinflower^ (Zwillingsblume). Ich habe unter den Blüthen derselben einige rosenrothe bemerkt, im Ganzen genommen ist sie einer der schönsten Ziersträucher, welche wir besitzen. Ich verpflanzte im letzten Frühjahr einige junge Exemplare in meinen Garten, und sie versprechen ein gutes Gedeihen. In _Pursh's_ Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; indeß weiß ich gewiß, daß das Gewächs zu den Geisblatt-Arten gehört, Klasse und Ordnung, Gestalt und Farbe der Blätter, die Blüthenstengel, die trompetenförmigen Blumen, alle gleichen einigermaßen unserm heimathlichen Geisblatt.

Ferner ist ein hoher, gerade aufschießender Strauch, mit großen gelben trompetenartigen Blüthen zu erwähnen, welche an den Zweigspitzen erscheinen; das Involucrum (Hülle) bildet einen bootförmigen Becher, welcher die Blüthen, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei unserm scharlachblumigen Jelängerjelieber, kreisförmig umschließt. Blätter und Blüthen dieser Gewächse sind grob und keineswegs mit denen der zuerst beschriebnen Art zu vergleichen.

Wir haben eine große Mannigfaltigkeit von merkwürdigen Orchiden (Ragwurz): gelbe, braune blaßfleischfarbne und scharlachstreifige; eine weiße von trefflichem Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit einem runden Blumenköpfchen und zart gefranzten Blumen, wie die Wasser-Nelken, welche in unsern Sümpfen wachsen; dies ist eine allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen vor.

Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-Wäldchen unfern unsrer Wohnung ein höchst merkwürdiges Gewächs, es kam mit nackten braunen Stämmchen, die sich wie die Aeste eines Baumes ^en miniature^ verbreiteten, aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen Knötchen besetzt. Ich beobachtete aufmerksam und mit nicht geringem Interesse das Fortschreiten ihres Wachsthums und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers; die kleinen Knötchen, die aus zwei eckigen, harten Hüllen bestanden, und wenn man sie völlig ablößte, Aehnlichkeit mit einem Boote hatten, bersteten entzwei und ließen eine blaßstrohgelbe, spreuartige Substanz, die wie feine Sägespähne aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren dies die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen; dieses sonderbare Gewächs hätte mit einem Mikroscop untersucht werden sollen. Eine Eigenthümlichkeit, die ich bemerkte, war, daß ich beim Ausreißen eines Exemplars mit der Wurzel, dies Blüthen sich unter der Erde öffnen sah, sie entsprangen von den untersten Enden der Blumenstiele und waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten, als die, welche an den überirdischen Stengeln saßen; ausgenommen, daß sie etwas bleicher waren, ein leicht erklärlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie einwirken konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser Pflanze finden, auch scheint Niemand außer mir Notiz davon genommen zu haben. Das Exemplar, welches ich für Sie bestimmt hatte, zerbröckelte, als es trocken war.

Ich habe versprochen, einige der merkwürdigsten der hier wachsenden Blumen für einen der Professoren an der Universität Edinburg zu sammeln.

Wir haben eine sehr schöne Pflanze, die unsrer Kartoffel in ihrem Blüthen-Bau sehr verwandt zu sein scheint; sie wird in günstigen Lagen zwei bis drei Fuß hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die Blumen sind groß, rein weiß, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone) mit bräunlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone ist ganz (ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gewächs von der cultivirten Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch scheinen sich an seiner Wurzel keine Knollen zu bilden. Die Frucht ist sehr schön, eiförmig und nach erlangter Reife schön apricosenfarben und von glänzendem lockendem Ansehn; der Geruch indeß verräth ihre giftige Natur: öffnet man sie, so bemerkt man einen weichen Brei, der mit glänzend schwarzen Samen gehüllt ist. Die Pflanze blüht vom Juni an, bis die ersten Fröste ihre Blätter welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die Kartoffel; die Blüthe gleicht, sobald sie sich völlig entfaltet, einem halben Kronenstück und ist ganz flach, ich glaube man nennt dies präsentirtellerförmig. Leichter lehmiger Boden sagt ihr vorzüglich zu, sie wächst auf den aufwärts gekehrten Wurzeln umgestürzter Bäume, wo das Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als auf unsrer eignen Brache gesehn.

Die Hepatica (^Anemone hepatica^, Leber-Anemone), ist die erste Blume des canadischen Frühlings; sie erfreut uns mit ihren blauen, rothen und weißen Blumen schon in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee kaum von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume, (^snow flower^) weil sie, wie eben gesagt worden, bald nach Entfernung des Schnees erscheint. Wir sehen ihre lieblichen Bouquets in den offnen Lichtungen und den Tiefen des Waldes; auch ihre Blätter sind eine dauernde Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf jedem kleinen Rasen-Hügel, jeder moosbedeckten Wurzel; die blauen Nuancen sind äußerst mannigfaltig und zart; die weißen Staubwege stechen gefällig von den blauen Blumen-Blättern ab.

Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (^ginger cress^) ist eine hübsche weiße Kreuzblume, und äußerst aromatisch; sie hat eine weiße, fleischfarbige Wurzel von stechendem meerrettigartigem Geschmack. Die Blätter sind mattgrün, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche feuchte Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man findet sie hauptsächlich auf niedrigem, etwas morastigem Boden; der Blüthenstengel ist bisweilen nackt, bisweilen mit Blättern besetzt und endet mit einer losen Aehre von weißlichen kreuzförmigen Blumen.

Es giebt hier auch eine Kresse, welche in hübschen grünen Büscheln auf dem Boden des Wassers in Buchten und Bächen wächst. Sie ist zarter und von angenehmerem Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die Blätter zeigen ein blasses, zartes Grün, sind geflügelt und schlank; die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein grünes Kissen aus. Die Blumen sind gelb, kreuzförmig und unbedeutend. Sie giebt in der ersten Hälfte des Frühlings und im Herbste einen recht angenehmen Sallat. Außerdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen einige Gewächse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten gleichen und als Frühjahrs-Gemüse benutzt werden dürften. Ferner findet man verschiedne Spinat-Arten: eine davon ist hier, unter dem Namen ^Lamb's quarter^ (Lamms-Viertel) bekannt; sie wächst in beträchtlicher Menge um unsre Gärten, und wird in reicherem Boden zwei Fuß hoch; ihr Blätterwuchs ist äußerst üppig. Die ersten Triebe dieser Pflanze werden an Schweinfleisch gekocht und sind in Ermangelung zarterer Gemüse-Arten sehr nützlich.

Ferner haben wir die indianische Rübe, eine sehr schöne Aron-Wurz (^Arum^), deren Wurzel, gekocht, der Cassave gleichen soll; die Blätter derselben nehmen sich recht hübsch aus, sie zeichnen sich durch einen schwachen Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die Wurzel als Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel; die Ansiedler essen sie oft als Gemüse; ich selbst habe sie noch nie gekostet. _Pursh_ nennt diese Art ^Arum atropurpureum^.