Part 13
Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare Körbe von der innern Rinde des Matten-Holzes (^bass-wood^) und der weißen Esche. Einige dieser Körbe, von gröberer Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln, indianischem Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler finden in denselben einen sehr guten Ersatz für die im alten Vaterlande üblichen Weiden-Körbe.
Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit sie ihre zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen färben. Unser Wohnstübchen ist mit verschiednen recht hübschen Artikeln ihrer Erfindung und Fabrik geschmückt, welche wir als Noten-Futterale, Brief-Kasten, Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen.
Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen als Gegenstände, die blos zur Zierde dienen. In allen ihren Handels-Geschäften sind sie sehr schlau und eifrig und entfalten einen überraschenden Grad von Behutsamkeit in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern läßt sichs weit besser handeln als mit den Weibern; letztere zeigen sich in einigen Fällen äußerst hartnäckig. Haben sie ihre Wünsche auf irgend einen Artikel gerichtet, so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre, was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den Squaws hatte sich in einen bunten Zitz-Schlafrock meines Gatten verliebt, und ob ich ihr denselben gleich rund abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine nach der andern, um den »_^Gown^_« (Schlafrock), welches Wort sie mit einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu bewundern; und als ich sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« (^no Gown to sell^) so stießen sie einen melancholischen Klagelaut aus und gingen fort.
Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den man gerade nothwendig braucht, zu verfertigen. Wünscht man Körbe von einem besondern Muster zu kaufen, und haben sie nicht zufälliger Weise dergleichen fertig, so ertheilen sie die gewöhnliche unbestimmte Antwort: -- »Mit der Zeit,« (^by and by^). Wenn die Artikel, welche man ihnen für die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht entsprechen, so sagen sie mit einem verdrüßlichen mürrischen Ausdruck in Blick und Stimme: -- »^Car-car^« (Nein, nein), oder »Carwinni,« was eine noch stärkere Verneinung ist. Gefällt ihnen dagegen das Geschäft, so geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne bestätigende Winke und Kopfnicken, und einen fast grunzenden Laut zu erkennen; Enten, Fische, Wildbret oder Körbe stellen sie vor den Käufer hin und nehmen dagegen die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden oder Umschlagetücher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer; nicht unähnlich jenen Strohkörben, worin englische Zimmerleute ihre Werkzeuge tragen.
Die Weiber ahmen die Kleidung der Weißen nach. Manche der jungen Mädchen nähen sehr gut. Ich gebe ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet oder Spitzen, wofür sie sich sehr dankbar zeigen.
Ich habe gegenwärtig sehr viel mit meinem Garten zu thun. Einige unsrer Sämereien sind bereits in der Erde, doch sagt man mir, daß ich etwas zu eilig gewesen; es seien zehn gegen eins zu wetten, daß die jungen Pflänzchen durch die Spätfröste, welche sich oft den Mai hindurch, ja selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen werden.
Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen, er ist nichts als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung, zur Abwehr des Viehs von unsern Anpflanzungen, umgebnes Stück Land. Im nächsten Frühjahr hoffe ich ein hübsches Geländer darum, und einige Beete mit Blumen bedeckt zu sehen. In gegenwärtigem Frühjahr giebt es so viel drängende Arbeit, um das Land zur Aufnahme der Saaten völlig zu lichten und zu reinigen, daß ich meine Ansprüche auf den Besitz eines Ziergartens gern in den Hintergrund treten lasse.
Die Waldbäume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah ich den Frühling schneller eintreten als in diesem Jahre. Das Grün der Blätter ist äußerst lebhaft. Tausend liebliche Blumen entfalten in den Wäldern und auf dem gelichteten Boden ihre zarten Blüthen. Auch sind unsre canadischen Sänger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher des Rothkehlchens, die süßen Laute der Amsel und der Drossel nebst dem schwachen, aber nicht unangenehmen Schlag eines kleinen Vogels, Namens _Thitabebec_, und die lieblichen Triller eines Zaunkönigs füllen unsre Wälder.
Was mich betrifft, so halte ich es weder für nöthig noch weise, das Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil es nicht ganz für das Ersatz leistet, dessen wir uns früher erfreuten. Es ist meines Wissens unter den Reisenden leider die Mode eingerissen, zu behaupten, daß unsre gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils höchst widrige, das Ohr zerreißende Töne ausstoßen und mehr unangenehm als willkommen erscheinen. Es würde eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte, daß unsre Singvögel zahlreicher und melodienreicher seien als die europäischen; allein eben so wenig darf ich dulden, daß man mein neues Vaterland seiner Rechte beraubt, ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer beflügelten Musiker zu sagen. Ja selbst den Fröschen Canadas hat man, das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht gethan, ihr Concert erscheint mir in der That nicht ganz unmelodisch. Die grünen Frösche sind sehr schön, sie zeichnen sich durch braune eirunde Schilde auf dem lebhaftesten Grün aus; auch übertreffen sie an Größe die dicksten unsrer englischen Frösche und sind unstreitig weit schöner. Ihre Laute gleichen denen eines Vogels und haben nichts von jenem Geknarr in sich.
Die Ochsen-Frösche sind von den grünen Fröschen sehr verschieden; anstatt über ihre seltsamen Töne ungehalten zu sein, kann ich mich vielmehr kaum des Lachens enthalten, wenn ein tüchtiger Kerl sein breites braunes Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente hervor stößt, und »_Williroo, williroo, williroo_« ruft, worauf ein andrer seines Gleichen an einer entfernten Stelle des Sumpfes in gröberen Accenten erwiedert, »^Get out, get out, get out^, (komm raus, komm raus, komm raus);« und gleich darauf läßt sich ein Chor von Alt und Jung vernehmen, gleichsam als suche jede Partei die andre zu überquäken.
In meinem nächsten Schreiben werde ich Ihnen einen Bericht von unsrer Klafter-Biene (^logging-bee^) geben, welche zu Ende dieses Monats stattfinden wird. Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten Holzhaufen auf dem brachliegenden Boden um unser Haus herum etwas besorgt, da mir die Sache gefährlich erscheint.
Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben Sie wohl.
Fußnoten:
[36]: Diese Erscheinung ist bei trockner Luft überall sehr gewöhnlich.
[37] Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem gepulverten Zucker, den alle Gewürzkrämer als einen trefflichen Artikel zur Versüßung des Kaffees verkaufen, große Aehnlichkeit.
Elfter Brief.
Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften, die man besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu sein. -- Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo möglich mit sich bringen muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen einer Ansiedler-Familie. -- Mangel an Geduld und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung der Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn; seine Cultur. -- Kartoffeln. -- Arbeitslöhne.
August, 2, 1833.
Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine Aufmerksamkeit vorzüglich gerichtet wissen wollen, will ich, so gut es mir möglich ist, zu beantworten suchen, doch muß ich zu gleicher Zeit erinnern, daß Kürze im Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte ich in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitläufig werden, so müssen sie mit meiner Schwäche Nachsicht haben und es meiner weiblichen Schwatzlust zu Gute rechnen, und sollte Ihr Auge dabei ermüden, so bleiben wenigstens Ihre Ohren verschont.
Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten, wie Sie dieselben an mich gerichtet haben. Zunächst wünschen Sie zu wissen, welche Art von Leuten sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt.
Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: -- Die armen, an harte Arbeit gewohnten mäßigen Bauern, die sich durch Fleiß und Thätigkeit auszeichnen und für eine große Familie zu sorgen, und einen lobenswerthen Abscheu vor Arbeitshäusern und Bettelvoigten haben; damit überwinden sie alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, die mit einer ersten Ansiedlung in den Urwäldern verbunden sind, und gelangen in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabhängigkeit, frei von Mangel -- aber nicht von Arbeit und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden in den Dorf-Städten (^Village-towns^) und seit langer Zeit gelichteten Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler.
»Welche eignen sich zunächst am besten zur Auswandrung?«
Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen Capital können in Canada Geld gewinnen. Besitzen sie ein gesundes Urtheil und können sie größere Summen verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und Wiederverkäufe ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.
Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, welche nicht zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.
Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte Gentleman, der nicht Arbeiter genug anstellen kann, um eine hinreichende Bodenfläche in urbaren Stand zu setzen und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts für Canada, vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er sich nicht dazu verstehen will, die Axt oder das Hackemesser in die Hand zu nehmen, wird es, sogar bei einer klugen und sparsamen Lebensweise, nicht leicht finden, sich in den ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu erhalten. Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, aber nicht ohne schweres Ringen.
Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, die nicht für die Wälder paßt; dies sind die Weiber und Familien derjenigen, welche früher wohlhabende Krämer oder Handwerker und an den täglichen Genuß jedes Vergnügens, jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen oder Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe von Glückseligkeit mit einem Kreise von Lustbarkeiten und Gesellschaften und allen Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, welche die feine Welt darbieten kann, unzertrennlich verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine Verachtung gegen alles, was auf Nutzen und Ersparniß abzweckt, eingesogen haben, geben sehr schlechte Ansiedler-Weiber ab. Nichts kann unglücklicher sein, als die Lage so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel in ihrer Lebens-Weise, unzufrieden mit allen Gegenständen um sie her, finden sie jede Anstrengung lästig und jede Beschäftigung unter ihrer Würde.
Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu viele in den Colonien), ist Canada das schlechteste Land von der Welt. Und ich wollte jedem, der weder Neigung noch die erforderlichen Eigenschaften dazu hat, abrathen, den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn er würde sicher elend, arm und unglücklich werden.
Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, ja sein Glück machen will, muß folgende Eigenschaften besitzen: Beharrlichkeit, Geduld, Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und ist er ein Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich, und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage für Ankauf und Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung der nöthigen Utensilien und Vorräthe zur Unterhaltung einer Familie, Besoldung von Dienstboten, nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können ohne Geld-Mittel nicht bestritten werden; und da der Boden-Ertrag in den ersten zwei oder drei Jahren nur gering ist, so würde es für einen Ansiedler rathsam sein, einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben zu bestreiten, indem er sich andern Falls bald in große Schwierigkeiten verwickelt finden dürfte.
Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste Weg, sein Geld anzulegen, wofern man nämlich als Ansiedler mehr mit sich hierher bringt, als man für seinen Bedarf braucht?«
Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes Urtheil geben. Mein Gatte und seine Freunde, die mit dem Zustande und den Angelegenheiten der Colonisten bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der Ankauf von Land ist oft ebenfalls eine gute Speculation, aber hinsichtlich des Gewinns nicht so bestimmt, da man keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in Zukunft reichliche Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn man dessen bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer von mehren tausend Morgen Landes in verschiednen Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig Pfund Sterling in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein ganzes Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen.
Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein bares Geld vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer fallen. Es ist hier so wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, welche glücklich genug sind, dergleichen in Bereitschaft zu haben, fast alles, was sie wünschen, damit ausführen können.
»Welches sind die nützlichsten und nothwendigsten Artikel, die ein Ansiedler wo möglich mit bringen muß?«
Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und Schuhen, gute Betten, vorzüglich warme Bettdecken, da man dergleichen hier theuer bezahlen muß, und sich doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen, bei besserer Qualität, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter Garten-Sämereien, da diejenigen, welche man bei den Producten-Händlern kauft, schlechtes Zeug sind; überdies sind letztere in Packete gepackt, die man nicht eher öffnen darf, als nachdem man dafür bezahlt hat, und leider pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu, leere Hülsen und wurmstichige Samen für sein Geld zu erhalten. Dies ist, es thut mir leid, es sagen zu müssen, eine Betrügerei, die sich die Yankies erlauben; wiewohl ich nicht zweifle daß John Bull (die gemeinen Engländer) bei sich darbietender Gelegenheit das Nämliche thun würde, denn Spitzbuben und Betrüger giebt es überall unter der Sonne.
Was Hausgeräth und schwere Artikel aller Art anlangt, so thut man wohl, so wenig als möglich mit zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer, oder vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen Bedarf angemessener als die, welche man mit sich bringt; übrigens ist alles Landfuhrwerk theuer.
Wir verloren ein großes Packet Werkzeuge und waren nie im Stande, es von den Spediteurs wieder zu erhalten, wiewohl wir die Fracht im Voraus zu Prescot bezahlen mußten. Das Beste ist daher, seine Güter zu versichern, in welchem Fall der Spediteur dafür verantwortlich ist.
Sie fragen mich, »ob Gewürze und andre zur Nahrung gehörige Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?«
Dies ist je nach Ortslage und andern Umständen verschieden. In Städten und Dörfern, welche in längst urbargemachten Distrikten des Landes und nahe an Seen und schiffbaren Flüssen liegen, sind sie wohlfeiler als in der Heimath; allein in neu begründeten, von der Wasser-Communication entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die Straßen schlecht sind, und mithin der Gütertransport theuer ist, muß man fast das Doppelte dafür bezahlen. Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge der Ansiedlung neuer Emigranten in spärlich angebauten Distrikten, oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel theuer verkauft, und lassen sich überhaupt nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos vorübergehende Uebel, die bald ein Ende haben.
Concurrenz macht die Preise in den canadischen Städten eben so gut sinken, als in England, und man kauft jetzt Güter aller Art ziemlich eben so wohlfeil als in der Heimath.«
Wo Preise von örtlichen Umständen abhängen, kann man keinen festen Maaßstab geben; da das, was von der einen Stadt gilt, nicht auch auf eine andre angewendet werden kann, und eine beständige Veränderung in allen bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich geht. Auf gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden, sie sind niedriger in alten Ansiedlungen, und dies vorzüglich auf der amerikanischen Seite des Flusses oder der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas (Unter- und Ober-Canada)[38].
»Welche Eigenschaften muß die Frau eines Ansiedlers besitzen? welches sind die gewöhnlichen Beschäftigungen des weiblichen Theils der Familie?« Sind Ihre nächsten Fragen.«
Auf die erste erwiedre ich: -- Die Frau eines Ansiedlers muß thätig, fleißig, gewandt, erfinderisch und heitrer Laune sein; sie darf sich keiner Arbeit in der Hauswirthschaft scheuen, und nicht zu stolz sein, um den Rath und die Erfahrung älterer Mitglieder der Gemeinde zu verschmähen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer Weisheit erhalten können.
Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches die kluge Mutter König _Lemuel's_ beschreibt, sollte man von der Gattin des Emigranten sagen können, »Sie legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit der andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und arbeitete willig mit ihren Händen, sie besorgte fleißig ihre Wirthschaft und aß ihr Brod nicht umsonst.«
Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem Verstand und guten Gesinnungen als heitre und willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie auch im Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; gewiß wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er fühlen und denken sollte, ein Frauenzimmer, wie zärtlich und vornehm es auch immer erzogen sein mag, deswegen verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, zu welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine Pflicht erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen bin, habe ich die wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter und Weiber von Männern, -- sowohl See- als Land-Offizieren -- keineswegs niedern Ranges, kennen gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter bereiten und Arbeiten im Hauswesen verrichten, wozu sich wenige Pächter-Weiber verstanden haben würden. Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen zu verachten, suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren Stolz darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen Dingen rühmen zu können. Je weniger dummen Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine Emigrantin mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf häusliches Glück und Gedeihen rechnen.
Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen Fällen die weiblichen Familien-Glieder, welche hierher gekommen sind, sich dem Trübsinn hingeben und dadurch die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und die Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose Klagen herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, ihren Gatten oder Freunden in dieses Land zu folgen, so wird es weiser und besser sein, sich mit gutem Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich zu machen.
Eine arme Frau, die über das Elend des Landes klagte, mußte doch anerkennen, daß ihre Aussichten viel besser wären, als sie jemals in der alten Heimath gewesen. Was war denn aber eigentlich die Ursache ihrer Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum des Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend Abends nicht mehr in den Material-Laden gehen könne, um für das Wochenlohn ihres Mannes die nöthigen Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, -- denn es gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, und sie sei so zu sagen lebendig-todt. Wenn Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange sie unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, so habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt.
Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, wobei sie sich mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch eines Dorfkramladens legen konnte, wollte diese alberne Frau die Vortheile, die wirklichen sichern Vortheile, aufgeben, Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung, eignes Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die Frucht angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder Arbeit, der sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, in der Heimath ebenfalls hätte unterziehen müssen, und zwar mit keinem andern Ziel als ein durch Armuth getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen Hungerleiden in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.
Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse anlangend, so können sie den geselligen Kreis von Freunden und Verwandten, von denen sie, vielleicht auf immer, geschieden sind, nicht aus den Gedanken bringen; sie seufzen nach den kleinen häuslichen, von Eleganz und Verfeinerung des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die sie in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie haben jetzt wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, die ihnen sowohl Beschäftigung als Unterhaltung gewährten. Die ihnen jetzt obliegenden Thätigkeiten sind von andrer Art: sie müssen im Zucker- und Seife-Sieden, im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel, wofern sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. Die Hausfrau muß sich mit der Hefenbereitung aus Hopfen für ihr Gebäck, mit dem Einsalzen von Fleisch und Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe, Handschuhe und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade (dem französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das Garn färben und zu Tuch und bunten Flanellen für Gatten und Kinder verweben, die Kleider für sich selbst, für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im Busche giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.
Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft darf nicht übergangen werden; denn hier zu Lande befolgt man meistens die irische oder schottische Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren, welches in unserm Theil von England unbekannt war. Ich meines Theils bin geneigt, der Rahm-Butter den Vorzug zu geben, mir scheint Letztres ökonomischer, man müßte denn irische oder schottische Dienstleute haben, welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen.
Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern Vortheile. Die Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. Einige Ansiedler nehmen das Kalb gleich nach seiner Geburt von der Mutter und lassen es gar nicht saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels der Finger mit abgerahmter Milch gefüttert, die es bald mit großer Begierde zu sich nehmen lernt. Ich habe auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen sehen und bin Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten beschwerlichen, zu verfolgen.