Amerikanische Wald- und Strombilder. Erster Band.
Part 7
In der Höhle angegriffen, ist er sehr scheu und versucht stets sein Bestes, durch die Flucht einer sich nähernden Gefahr zu entgehen; im Freien dagegen ist er viel heldenmüthiger. Ich selbst habe eine Bärin in einer der tiefsten Höhlen der Ozarkgebirge angeschossen, und bin, von ihr gefolgt, zurück gewichen, bis sie einen anderen Zweig der Höhle annahm und ich im Stande war, mir meine Büchse, die ich hatte zurücklassen müssen, wieder zu holen und zu laden; die Bärin aber, als ich ihr nachher aufs Neue zu Pelze rückte, obgleich sie ihre Jungen in unserer Gewalt wußte, wagte nicht mich anzugreifen, sondern saß, in wilder Wuth den thonigen Boden vor ihr mit den scharfen Krallen zerhauend, auf ihrem Hintertheil und schnappte in ohnmächtiger Wuth mit dem Gefänge, bis sie die zweite, tödtliche Kugel erhielt.
Hat der Bär in einem Baum seine Zuflucht gekommen und wird er vom Jäger aufgefunden, was dieser aus den freilich nicht sehr deutlichen Zeichen in der Rinde erkennen muß, so ist sein Loos allerdings kein sehr beneidenswerthes. Entweder wird der Baum umgehauen und Petz auf diese Art in seiner besten Ruhe gestört und durch den Sturz betäubt, wenn er endlich schlaftrunken emportaumelt, von dem ihn Erwartenden mit einer Kugel und von einer Meute Hunde empfangen, von denen er sich gewöhnlich gar keine Idee machen kann, wie sie alle da so geschwind hingekommen sind; oder er wird mit Rauch von unten heraus getrieben, was ihm höchst fatal ist, so daß er gewöhnlich brummend seinen bisherigen Ruheort verlassen will, bis ihn auch hier, sobald er sich oben an der Öffnung zeigt, eine todtbringende Kugel empfängt. --
Am schnellsten und komischesten ist das Heraustreiben desselben mit einem Feuerbrand; denn wenn die Höhlung des Baumes nicht bis an die Wurzel geht, daß also der Rauch auch nicht zu dem Schlafenden hinauf dringen kann, so muß, im Fall die Jäger keine Axt mit haben und der Baum zu stark ist, um ihn mit den kleineren Tomahawks umzuhacken, Einer von diesen mit einem Feuerbrand hinauf klettern, den er dann oben in die Höhlung und dadurch gewöhnlich dem Bären auf den Pelz wirft; kaum spürt Petz aber die Glut, als er voller Entsetzen in die Höhe fährt und oft den Erdboden viel früher als der gewiß nicht zögernde Jäger erreicht.
Daß er sich von dem Baum herunter stürzt, ist eine Fabel; er behält diesen zwischen den Branten und gleitet gewissermaßen daran nieder, aber so schnell, daß er kaum den Stamm zu berühren scheint, und wie ein schwarzer Blitzstrahl zwischen die ihn unten erwartenden Hunde hineinfährt; thun diese dann aber nur im mindesten ihre Schuldigkeit, so darf er nicht entkommen, denn, noch halb im Schlafe, hat er weder sein volles Bewußtsein noch seine vollen Kräfte, und wird leicht von ihnen gestellt und dem herbeieilenden Jäger zur Beute.
Ist der Bär in jagdbarer Zeit, um Nutzen von ihm zu ziehen und nicht des Schadens wegen, den er thut, erlegt, so wird er gleich an Ort und Stelle abgestreift, abfließt und dann zerlegt. Das »Abfließen« nennt man das Ablösen des Fließes (der Speckseiten), die dann in das Innere des Felles eingeschlagen und auf eins der Pferde befestigt werden; das Wildpret wird nachher ebenfalls zusammen gebunden und, auf dem Rücken der Lastthiere hängend, mit fortgenommen. Sind aber die Jäger in einem größeren Lager und haben sie einen Kessel zum Fettauslassen mitgenommen, dann wird diese Arbeit gleich im Walde vorgenommen und das ausgeschmolzene Wildpret bekommen nachher die Hunde, die besseren Stücken behalten natürlich die Jäger zu ihren eigenen Mahlzeiten. Das Beste am Bären sind die Federn,[4] und eine recht fette Wand, auf zwei Hölzern am Feuer geröstet; das herunter träufelnde Fett nachher mit dem trockenen Bruststück des Truthahns aufgefangen und das Ganze mit einem heißen Becher starken Kaffees hinunter gespült -- beim Schreiben läuft mir schon, bei der bloßen Erinnerung, das Wasser im Munde zusammen.
4: Für den Nicht-Jäger »Rippen.«
Das sind übrigens die Lichtseiten der Bärenjagd -- die Schattenseiten aber schauen viel düsterer d'rein. -- Wochenlang in Sturm und Regen den Wald durchzogen, Jäger und Hunde halb verhungert -- (denn ist man einmal ausgegangen, um Bären zu schießen, so läßt man sich nicht gern mit geringerem Wild ein.) -- Alle zu Tode erschöpft und immer noch keine warme Fährte -- endlich werden die Hunde lebendig, sie wittern den Feind, sie wissen, daß ihrer, mit dessen Erlegung, Ruhe und Stärkung wartet; sie strengen ihre letzten Kräfte an und fort geht die Jagd, über Stock und Stein -- sie überholen ihn, werfen sich in blinder Wuth auf ihn -- aber der Jäger hat durch die Dickichte oder steilen Schluchten nicht so schnell mit seinem Pferde folgen können; der Bär, ein alter erfahrener Bursche, -- nicht gerade mager, aber doch nur feist genug, um tüchtig laufen zu können, schlägt die Hunde zurück, tödtet drei oder vier, verkrüppelt andere und ist, wenn trübe Dämmerung den rasch nahenden Abend verkündet, fern von aller Gefahr und von der für ihn sorgsam aufgesparten Kugel unerreicht, -- das sind Schatten-, das sind Nachtseiten, die leider nur zu oft vorkommen. Am Lagerfeuer herrscht dann sehr üble Laune, und den nächsten Tag ist der Jäger äußerst zufrieden, wenn er nur noch so glücklich ist, einen Hirsch zu erlegen, um mit seinen übrigen Hunden, wieder eine Mahlzeit halten zu können. --
Der Bär, obgleich zu den Raubthieren gehörig, nährt sich doch nur, ausgenommen im äußersten Nothfall, von Früchten und Insekten, und greift nur im Sommer, wo er seine Nahrung zu sparsam zusammen suchen muß, Schweine und fast _nur_ Schweine an, zwischen denen er dann freilich oft recht arge Verwüstung anrichtet. Hauptsächlich lebt er von Eicheln, anderen Waldfrüchten und Beeren, und wird in fruchtbaren Jahren oft so feist, daß er fünf bis sechs Zoll Feist ansetzt. Ein ordentliches Bärenmesser darf daher auch eigentlich nicht weniger als 9 Zoll in der Klinge haben, wenn es in allen Fällen gerecht sein soll.
Zu dem jagdbaren Wilde Nordamerika's gehören auch einige Raubthiere, die eine zu wichtige Rolle im Walde spielen, um ganz unerwähnt zu bleiben.
Der _Panther_ muß mit Recht an die Spitze kommen, denn er ist der stärkste und gefährlichste Gegner des Menschen, und auch wohl das einzige Raubthier in dem weiten Urwald, das der Jäger zu fürchten hat, da es Nachts die Lager umschleicht und in manchen, aber doch sehr seltenen Fällen schon dem sorglos Schlummernden gefährlich geworden ist. Heerden und Schweine und Kälber, Fohlen, und selbst erwachsene Pferde fallen seinem Blutdurst. Hauptsächlich nährt er sich jedoch von Hirschen und kleinerem Wild, beschleicht Nachts die Salzlecken oder lauert, im Laub der Bäume versteckt, auf die ruhig darunter hin Äsenden. Von den Hunden gehetzt, bäumt er am Tage sehr leicht auf, Abends und Nachts aber verläßt er sich lieber auf seine Gewandtheit und List, bringt die Hunde durch falsche Sprünge von der Fährte ab und entgeht ihnen meistens.
Er wird etwa so groß wie ein tüchtiger Fleischerhund, ist ziemlich von der Farbe des Rothwildes und färbt, wie dieses, im Winter; sein Fell hat keinen großen Werth und die Jagd auf ihn wird daher auch nicht, wenn er sich nur irgend entfernt von den Ansiedelungen hält, besonders lebhaft betrieben. Sonderbar ist es, wird aber allgemein behauptet, daß er, so scheu er auch am Tage den Menschen flieht, mit wilder Blutgier schwangere Frauen anfalle und zerreiße.
Der _Wolf_ steht dem europäischen an Größe bedeutend nach, lebt aber wie dieser in Rudeln zusammen und geht gemeinschaftlich auf Raub aus; doch nur fürchterlicher Hunger könnte ihn dazu zwingen, einen Menschen anzugreifen, denn er ist feig und flieht bei dem leisesten Geräusch. Im Mai wirft die Wölfin 3-6 Junge, unter denen, wie die Sage geht, jedesmal ein Wolfshund sein soll, der später der grimmigste Feind der Wölfe wird. -- Diesen nun aufzufinden, führt die Wölfin die Jungen, sobald sie laufen können, an ein Wasser, um sie zu tränken. Hier verräth sich der Wolfshund, der nach Hundeart _leckt_, während die wirklichen, ächten und treuen Wölfe _saufen_, und augenblicklich wird der junge, bis dato noch unschuldige Verräther, zu Tode gebissen.
Nicht so schlau als der unsere, fängt man ihn häufig in Fallen, die gemeiniglich aus einem, aus schweren rohen Baumstämmen zusammengefügten Kasten bestehen, in dem zuerst, ehe er ganz beendigt ist, das Gescheide eines Hirsches oder anbrüchiges Fleisch geworfen wird, das er sich gemeiniglich bald holt, dann auch später den aufgerichteten Deckel nicht scheut und sich plötzlich gefangen sieht. Da er, in Fuchsfallen oder Ottereisen erhascht, gewöhnlich den fest gehaltenen Lauf abbeißt, so läßt der amerikanische Jäger die Falle unbefestigt stehen, hat aber eine drei bis vier Fuß lange, schwache Kette daran, an der ein vierhakiges Eisen hängt; dieses faßt überall, wenn der Wolf mit der Falle zu entfliehen sucht, hinter Büsche und Wurzeln, wird aber stets wieder von dem darin Sitzenden losgemacht, der sogar schon den Haken in's Gesänge genommen und zu entziehen versucht hat; aber nie greift er zum äußersten Mittel, sich den Lauf abzubeißen, so lange er noch eine Hoffnung auf Entkommen hat und wird nachher leicht mit dem Hunde ausgemacht.
In Canada hörte ich von sehr vielen Farmern, daß sein Biß, selbst bei einer leichten Verwundung, tödtlich sein solle; das ist aber wohl nur Fabel. Thatsache ist es übrigens, daß Jahre vergingen, ehe sich die Wölfe an die dortigen Landgüter hinanwagten, als zuerst auf ihnen -- Schafe aus Europa eingeführt wurden. -- Sie kannten die rauhen wolligen Thiere nicht und fürchteten sie ungemein -- wie sie aber erst einmal, durch Zufall oder peinlichen Hunger getrieben, den Geschmack derselben weg bekamen und sie als harmlose, nicht gefährliche Geschöpfe kennen lernten, räumten sie fürchterlich zwischen ihnen auf. In seiner Naturgeschichte ähnelt er sonst den europäischen Wolfe in allen Stücken, nur ist er bedeutend kleiner und schwächer als dieser. --
Der graue oder Prairiewolf ist eine Abart, sieht hellgrau aus, ist noch kleiner und furchtsamer als der schwarze, und lebt meistentheils in den Steppen.
Der _Fuchs_. Es wäre nicht halbrecht, Reinecken auszulassen, wo von Wild die Rede ist, obgleich er in Amerika eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Erstlich ist er bedeutend kleiner als der unsere, giebt ihm aber wohl kaum an Schlauheit nach und weiß tausend Mittel und Wege, die Hunde von seiner Spur abzubringen. Eine Eigenthümlichkeit hat er übrigens vor dem europäischen voraus -- er bäumt auf, was fast unglaublich klingt; ich selbst wollte aber auch meinen Augen nicht trauen, als ich zum ersten Male den Hunden zueilte, deren wildes Bellen und Klaffen zeigte, daß sie ihn gestellt oder, wie ich damals glaubte, in seinen Bau gejagt hatten; ich wußte jedoch wahrlich kaum, was ich sagen sollte, als ich den rothen Schelm ganz gemüthlich in einem jungen Baum, etwa 12 Fuß von der Erde, erblickte, wo er sich in die ersten auszweigenden Äste eingeklemmt hatte und, vor den Hunden wenigstens, geschützt war; er schnitt aber ein Gesicht wie eine Katze, die beim Milchnaschen ertappt wird, als er mich kommen sah, denn an Fliehen war nicht mehr zu denken, da zwölf rüstige Hunde den kleinen Baum umtobten.
In Amerika bäumt übrigens fast alles Wild auf, Büffel, Hirsche und Wölfe ausgenommen; selbst die Kaninchen kriechen wenigstens inwendig in hohlen Bäumen hinauf und die Rebhühner, vom Hunde verfolgt, fallen fast stets in die Bäume ein; es ist einmal die Natur des Wildes dort, in dem ungeheueren Wald auch die Bäume zum Zufluchtsort zu wählen. Der Fuchs lebt übrigens in hohlen Bäumen, kann aber nicht etwa klettern, sondern wirft sich nur, in äußerster Noth mit Springen und Anklammern, zwischen die niederen Äste eines jungen Stammes und bleibt da eingeklammert sitzen.
Den Schluß mögen zwei ächte Amerikaner machen, der Waschbär (=racoon=) und das Opossum oder die Beutelratze.
Der Waschbär, dessen Fell unter dem Namen »Schuppen« eine bedeutende Rolle auf den deutschen und russischen Märkten spielt, findet sich, besonders in den sumpfigen Thalländern des Mississippi und anderer großen Ströme, in ungeheuerer Menge, und wird dort an Ort und Stelle wenig oder gar nicht geachtet. Die Krämer bezahlen sein Fell in jener Gegend mit etwa vier guten Groschen. Der Waschbär ist übrigens an und für sich ein sehr liebes, possirliches Geschöpf, und ähnelt, obgleich er nie größer als ein starker Dachshund wird, in sehr vielen Stücken dem Bär, zu dem er auch, dem Geschlechte nach, gehört. Er lebt von Beeren, Waldfrüchten und Insekten, und liegt, wenn ruhend, in der nämlichen Stellung wie sein vierschrötigerer Vetter. Den Namen _Waschbär_ hat er mehr von seiner Neigung zu nassen Nahrungsmitteln als wegen seiner Reinlichkeit, denn das, was die Leute bei ihm _waschen_ nennen, ist doch nichts mehr als ein Anfeuchten seines Fraßes. Er kann leicht gezähmt und zu allen möglichen Kunststücken abgerichtet werden; sein Fleisch ist dabei delikat und hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Bärenwildpret, nur daß es nicht wie dieses, wenn es anbrüchig wird, leichenähnlich, sondern wie anderes Wildpret riecht.
Das Weibchen wirft 3-5 Junge und thut im Sommer den Maisfeldern ungeheueren Schaden, weshalb ihm auch die Landleute schon aus diesem Grunde sehr nachstellen. Sein Fell ist grau und sein buschiger Schwanz mit schwarz und gelben Ringen umzogen. Im Winter wird er mit Hunden gehetzt und zu Baume gejagt.
Das _Opossum_, oder die Beutelratze, steht an Größe dem Waschbären kaum nach, sieht aber ganz grau und ratzenartig aus und hat, wenn man es an einem regnerischen Tage durch den Wald trollen sieht, in der That die wirkliche Gestalt einer kolossalen Ratze, die über irgend etwas sehr erschrocken und blaß geworden ist. Besonders geben ihm der kahle, dicke Schwanz, wie die fingerartigen Krallen, ein außerordentlich widerliches Ansehen.
Äußerst komisch aber schaut es drein, wenn man ihm im Wald plötzlich begegnet und dicht zu ihm hinan geht. Zusammenfahrend legt es sich dann halb auf die Seite und ängstlich, mit weit aufgerissenem scharfen Gefänge, in die Höhe blickend, zieht es die Lefzen so weit zurück, daß es gerade so aussieht, als ob es den Störer seiner Ruhe angrinze und sich unendlich über seinen Besuch freue; es macht dann auch nicht den mindesten Versuch zu entgehen, und läßt sich nur mit einiger angewandten Vorsicht, wobei man sich besonders nicht so schnell nach ihm hinunter bücken darf, sogar hinter dem Gehör kratzen, was ich oft versucht habe, denn es hat keinesweges einen bissigen und bösartigen Charakter; schlägt man es aber mit einem Stocke, und sei es noch so leise, oder sieht es mehre Hunde (_einem stellt es sich_) kommen, so fällt es auf einmal um und ist anscheinend todt. Diese mögen es nachher beißen, daß ihm die Rippen krachen -- der Jäger mag es in die Höhe nehmen und wieder hinwerfen -- es ist todt und rührt sich nicht, und erst im wirklichen Todeszucken oder in tiefes Wasser geworfen, wo es seine Rolle vergißt und schnell zu schwimmen anfängt, zeigt es Bewegung.
Dieses kleine Thier beweist dabei, während der fürchterlichsten Qualen, die es doch nothwendiger Weise unter den wüthenden Bissen der Hunde ausstehen muß, selbst noch im Tode eine solch merkwürdige Geistesstärke, mit der es das Schlimmste erträgt und nicht zuckt, ja selbst keinen Laut von sich giebt -- daß ich mich später, als ich seine Eigenthümlichkeiten recht kennen lernte, nie mehr entschließen konnte, eins _umzubringen_, denn unter diesen Verhältnissen erschien es mir ein wirklicher Mord. Äußerst komisch sieht es aber aus, wenn man es hinter einem Baume vor beobachtet, wie es aus seinem anscheinenden Tode wieder erwacht.
Zuerst, wenn Alles ruhig und still ist, und es sich fest überzeugt glaubt, daß sein Feind den Platz verlassen hat, öffnet es leise die kleinen Lichter und äugt -- so wenig als möglich den Kopf dabei bewegend, überall umher; kann es nichts weiter erspähen, so streckt es behutsam die winzigen Lauscher vor und horcht -- Alles ruhig; jetzt hebt es den Kopf, blinzt rings im Kreise umher, liegt noch ein Weilchen ganz ruhig, wo es beim geringsten Geräusch wieder in seine vorige Stellung und Leblosigkeit zurücksinkt, und richtet sich zuletzt, wenn es den Frieden völlig wieder hergestellt glaubt, auf und trollt ab.
Wird es verfolgt und kann in der Geschwindigkeit einen Baum erreichen, so bäumt es auch auf, wobei es mit ungemeiner Gewandtheit klettert, doch benutzt es, um an starken Bäumen emporzuklimmen, gewöhnlich die herunter hängenden, wilden Weinreben. Sein Fleisch, das zart und schön aussieht, wird von Vielen leidenschaftlich gegessen, die dann behaupten, es schmecke wie junge Ferkel; ich konnte aber nie meinen Ekel vor seiner häßlichen Gestalt so weit überwinden, davon zu kosten. Seine nackten Jungen trägt es, wie das Känguruh, nach der Geburt noch eine lange Zeit in einem sich unter dem Bauche befindenden Beutel umher; in den sie sich auch, wenn sie schon herumlaufen können, bei jeder nahenden Gefahr hineinflüchten.
Das ist etwa der Urwald mit seinen Bewohnern, der nun freilich noch durch unzählige kleinere Vögel belebt wird. Schaaren von Tauben und kleinen Papageien durchschwärmen die Luft, und im Herbst und Frühjahr füllen unzählige Völker von wilden Enten und Gänsen die fließenden Wasser und einsamen Waldseen des gewaltigen Reiches, deren Jagd besonders in den südlichen Staaten, in Louisiana, wo sie, aus dem hohen Norden kommend, überwintern, äußerst interessant ist.
Louisiana kann ich aber nicht erwähnen, ohne der Schnepfenjagd dabei zu gedenken, die ich dort von Anfang Februar bis Mitte März getrieben. Fast fürchte ich jedoch hier in Deutschland, wo die Schnepfe eigentlich zu den Seltenheiten gehört, keinen Glauben zu finden, wenn ich die Zahl angebe, die ich jede und jede Nacht erlegt habe; ich will aber die Sache erzählen, wie sie wirklich ist, und derjenige, welcher je die Ufer des Mississippi nach mir betritt und in dem flachen Lande, das an seinen Ufern, zwischen diesen und den weiter zurückliegenden Sümpfen liegt, jagt, wird finden, daß ich nicht übertrieben habe, denn jene Massen können nicht vernichtet werden.
Die ungeheueren Schilf- und Sumpfdickichte dienen der amerikanischen Waldschnepfe und Becassine den Tag über, zum Aufenthalt, und mit Dunkelwerden, wie bei uns, streichen sie in die offen liegenden nassen Wiesen und Baumwollenfelder. Nun könnte man sich zwar anstellen und sie auf dem Strich schießen, denn _Tausende_ schwärmen aus den schützenden Büschen in's Freie; die Bäume sind aber dazu zu hoch und eine viel bequemere, Kraut und Blei sparende Jagd betreibt der Creole dort, zu dessen Lieblingsgerichten die Schnepfe gehört. Auf ähnliche Art habe auch ich _jede_ Nacht -- über sechs Wochen hinter einander, gejagt, wobei ich selten und nur dann, wenn das Wetter ungünstig war, nach zweistündigem Umherwandern weniger als zwölf bis achtzehn Schnepfen hatte.
Die Schnepfe wird aber hier, wie der Hirsch im Walde, bei Fackellicht geschossen. Mit eben solcher Pfanne versehen, wie ich sie für die Feuerjagd des Rothwildes beschrieben habe, betritt der Jäger Abends nach Dunkelwerden, wenn der Wind nicht zu stark bläst und der Mond nicht zu hell scheint, die feuchten Wiesen. Ein Sack mit feingespaltenem Kienholz hängt an seiner Seite oder wird besser von einem ihm dicht folgenden Begleiter nachgetragen, der dann auch das Wiederauflegen des herunter gebrannten Kiens besorgen muß, um stets eine recht helle, lebhafte Flamme zu unterhalten, und jetzt, in der rechten Hand die leichte Doppelflinte, in deren Rohren sich nur eine Viertelladung befindet, um die kleine Schnepfe (sie sind bedeutend kleiner als bei uns, den deutschen sonst aber ziemlich ähnlich) nicht zu sehr zu zerschießen, wandert der Jäger leise und höchst aufmerksam, das kurze Gras der Wiesen überschauend, an kleinen, feuchten Gräben und nassen sumpfigen Stellen entlang. Auf dreißig Schritt schon kann er, wenn er eine recht gute Flamme führt, die Schnepfe erkennen, die, entweder das Feuer gar nicht beachtend, sorglos weiter läuft und den langen Schnabel in den weichen Erdboden hineindrückt, oder mit auf den Rücken gelegtem Kopf, den Schnabel vor sich hinausstreckend, stehen bleibt und den Herankommenden ruhig erwartet.
Auf zehn bis zwölf Schritt habe ich gewöhnlich geschossen und natürlich nur selten gefehlt, was aber dennoch manchmal vorfällt, da das Feuer oft auf dem hellen Lauf, den man bei einer Schrotflinte übersehen muß, blendet, und man beim Abdrücken schon hinan zu sein glaubt, die Schnepfe aber dennoch unterschießt. Durch den Schuß oder auch durch den ihr zu nahe auf den Leib rückenden Jäger aufgescheucht, steigt sie mit schwirrendem Laute gerade in die Höhe, fällt aber auch augenblicklich in einem kleinen Bogen und fast stets noch im Bereich des Feuerscheins wieder ein, und kann schnell auf's Neue gefunden werden.
So wenig scheut sie die Flamme, daß viele Neger, deren Herr ihnen nicht erlaubt, eine Flinte zu führen, Nachts mit der Fackel und lang abgeschnittenen Zweigen hinausgehen und sie zu Boden schlagen. In der einen Ansiedelung, =Pointe Coupée= am Mississippi, die sich etwa zwei englische Meilen in das Land erstreckt und zwei und zwanzig englische Meilen am Fluß hindehnt, werden doch in jedem Jahre, (d. h. in den sechs Wochen, denn im Herbst läßt sie sich nicht in den Wiesen sehen) wenigstens 10,000 Schnepfen und Becassinen erlegt und theils nach New-Orleans und in die kleinen Städte auf den Markt gebracht, theils selbst verzehrt. Bei dieser Nachtjagd, zwischen den zahlreichen Lagunen der Niederung umher, schoß ich denn auch sehr häufig dort eingefallene Enten, ja einmal selbst eine wilde Gans, für die ich jedoch besonders laden mußte; auch Kaninchen und Rebhühner, die man in den Baumwollenfeldern auftreibt, halten, und ich glaube gewiß, daß man eben dieselbe Jagd hier in Deutschland, wenigstens auf Enten und Hühner, betreiben könnte; denn Schnepfen sind doch dazu zu selten; -- es kommt natürlich nur einmal auf einen Versuch an.
Die Bewaffnung eines Bärenjägers in Arkansas, der sich nicht fortwährend in drei und vier Meilen um sein Haus herum treibt, sondern längere Züge in die Waldung unternimmt und oft wochenlang keine Wohnung, außer der, die er sich selber aus Rindenstücken aufbaut, zu sehen bekommt, ist etwa die folgende. Eine gute einläufige Büchse und ein Bärenmesser -- etwa 9 Zoll lang in der Klinge und zwei und einen halben breit, mit der gehörigen Schwere, um nicht allein kleine Lagerstangen, sondern auch beim Zerlegen des Wildes das Schloß ohne Mühe durchschlagen zu können, dazu ein kleineres, kurzes Messer (Scalpirmesser) ausschließlich für das Zerwirken und Essen bestimmt und dann ein Tomahawk (indianisches Beil) im Gürtel, um im Nothfall stärkere Bäume umhauen, Kienholz spalten und ein tüchtiges Lager bauen zu können, ist Alles, was er als Vertheidigungs- und Angriffswaffen bei sich führt; zu seiner Bequemlichkeit trägt er aber noch eine wollene Decke zusammengerollt auf dem Rücken, und einen Blechbecher an einem Henkel im Gürtel, um in diesem Abends, wenn er seine Decke aufgespannt oder ein Rindendach erbaut hat, etwas von dem gebrannten Kaffee, den er in einem ledernen Säckchen in die Decke gewickelt mit sich führt, erst mit dem Stiel seines Tomahawks im Becher zu stoßen und dann in diesem zu kochen.
Die Bekleidung besteht fast ganz aus Leder, was die Unzahl von dornigen Schlingpflanzen, die überall den Wald durchziehen, nöthig machen. Ein ordentlicher Jäger muß aber nicht allein sein eigener Schneider und Schuster sein, sondern er gerbt auch die Häute, die er verwenden will, selber, und nur dann kann er sich in jenen gewaltigen Wäldern unabhängig fühlen, wenn er aus sich selbst sich zu erhalten, zu nähren und zu bekleiden vermag.