Alfried Krupp: Ein Lebensbild

Part 13

Chapter 133,230 wordsPublic domain

Die Verfügung blieb in Kraft, nur der Frohnleichnamstag ward noch in demselben Jahre wieder freigegeben. Den Gegnern war sie eine Waffe, und sie verstanden sie auszunutzen, um in Essen und in der Gußstahlfabrik gegen Krupp Stimmung zu machen.

Den Bemühungen entsprechend, welche unausgesetzt auf eine Erweiterung des Absatzgebietes seiner Artikel gerichtet waren, hatte Krupp auch große Anstrengungen gemacht, um bei der Weltausstellung in Philadelphia im Jahre 1876 seine Fabrik und die deutsche Eisenindustrie in würdiger Weise vertreten zu sehen. Das Hauptstück der Sammlung bildete eine 35,5 ~cm~ Kanone in Küstenlaffete, ein Rohr von 8 ~m~ Länge und 57,5 Tonnen Gewicht. Es machte nicht geringe Schwierigkeit, dieses Monstre-Geschütz an Ort und Stelle zu schaffen. Zwar hatte der eigene Dampfer »Essen« der Firma genügt, um neben den eigenen Ausstellungsgegenständen die von noch 27 anderen deutschen Firmen zu verladen und die Geschütze hatten im untersten Schiffsraum gut untergebracht werden können. Aber das Heben des Rohres bis zum Deck und die Beförderung ans Land, nachdem das Schiff in den Schuylkill-Fluß eingelaufen war, verursachte eine beinahe unüberwindliche Arbeit. Die großen Krähne der Allison'schen Werft reichten für diese Last nicht aus; der große Krahn, welcher behufs Einlegen des Rohres in die Laffete auf dem Schiff mitgeführt worden war, mußte auf dem Deck aufgestellt werden. Durch die kleine Schiffsluke konnte das Rohr aber nicht horizontal herausgehoben werden; man mußte es erst mittelst Hebebäumen quer drehen und dann mit dem Krahn in eine schiefe Stellung heben. Nun erwiesen sich aber die Ketten zu kurz, da sie für diesen Zweck nicht bestimmt waren. Es blieb kein anderer Ausweg, als ein streckenweises Heben, Unterstützen der schweren Last mit starken Balkenunterlagen und abermaliges Heben mit der neu abgerollten Kette, bis man in einzelnen kleinen Hebungen das Rohr auf Deck hatte. Nicht weniger schwierig war das Ausschiffen auf den achtachsigen Eisenbahnwagen.

Neben den 6 ausgestellten Geschützen standen Friedensartikel in großer Zahl und theilweise riesigen Dimensionen zur Ansicht; eine Schiffswelle mit drei Kurbeln und Kuppelscheibe war aus _einem_ massiven Tiegelgußstahlblock von 30 Tonnen Gewicht hergestellt worden, sie wog in fertigem Zustande noch 13,5 Tonnen, eine zweite kleinere Schiffswelle 9 Tonnen. Außer dem Eisenbahn-Material jeder Art waren aber zwei eiserne Räder von ganz neuer Konstruktion ausgestellt. Sie waren durch Aufwickeln und nachheriges Zusammenschweißen eines schmiedeeisernen Bandes gebildet und zwar derart, daß die Breite des Bandes für Bildung der Nabe, der Scheibe und des Radkranzes in entsprechender Weise wechselte. Diese Räder wurden auch für die Vereinigten Staaten und Kanada patentirt.

Es ist merkwürdig, wie Professor Reuleaux, der als Mitglied der Ausstellungs-Jury des deutschen Reiches damals in Philadelphia weilte, Angesichts dieser Sammlung von 46 Gegenständen, unter denen nur 9 -- nämlich außer den 6 Geschützen 3 Tragesättel für Gebirgsartillerie -- als Kriegsartikel bezeichnet werden konnten, folgendes schreiben konnte:

»Und wieder in der Maschinenhalle: sieben Achtel des Raumes, so scheint es, für Krupps Riesenkanonen, die »Killing Machines«, wie man sie genannt hat, hergegeben, die da zwischen all dem friedlichen Werk, das die anderen Nationen gethan haben, wie eine Drohung stehen! Ist das wirklich der Ausdruck von Deutschlands friedlicher »Mission«?« Wenngleich Herr Reuleaux später sein allgemeines Urtheil über die deutsche Ausstellung: »Billig und schlecht« dahin abgeschwächt hat, daß wenigstens die deutsche Eisengroßindustrie die »amerikanische an Tüchtigkeit übertreffe, ja sich hier auf der Ausstellung allen übrigen als überlegen darstelle« und des Weiteren sagt: »Krupps Leistungen bedürfen hinsichtlich ihrer hohen Meisterschaft keines Kommentars,« so hat er damit nicht wieder gut zu machen vermocht, was er mit seinem unbedachtsamen und wegwerfenden Urtheil, mit jenem von allen konkurrirenden Nationen mit Schadenfreude und Wohlbehagen aufgenommenen »geflügelten Worte« der vaterländischen Industrie geschadet hat. Und was Krupp betrifft, so hätte er wohl in Erwägung ziehen müssen, daß die friedlichen Werke der anderen Nationen auch die Kriegsmaschinen-Sammlungen Schwedens, Rußlands, Brasiliens und Amerikas enthielten, mit denen der »deutsche Kanonenkönig« doch wohl die Konkurrenz aufzunehmen verpflichtet war.

Die durch die manchesterliche Mehrheit des Reichstages allen Warnungen zum Trotz beschlossene Aufhebung auch der letzten noch bestehenden Zölle auf Eisenfabrikate am 1. Januar 1877 schien dazu bestimmt, der vaterländischen Eisen-Industrie den Gnadenstoß zu geben. Viele Werke mußten ihren Betrieb ganz einstellen, der Bergwerksbetrieb sank zunehmend, da die erzielten Werthe immer mehr herunter gingen. Im Oberbergamtsbezirk Dortmund sank die Zahl der Bergarbeiter in diesem Jahre von ca. 84000 auf 74000 und die Produktion verlor bei fast gleicher Masse der Förderung nicht weniger als 22 Millionen Mark an Werth. Und doch wies im Gegentheil der Fortschritt der Technik, auch die deutschen phosphorreichen Erze durch Entziehung des Phosphors in vollstem Maße nutzbar zu machen, auf eine mächtige Steigerung der Bergindustrie hin. Aber das Absatzgebiet ward der deutschen Industrie immer mehr beschränkt und hiermit die Möglichkeit genommen, von diesem Fortschritt einen Nutzen zu ziehen. Allerorten gab es Schaaren feiernder Arbeiter, und mußten Volksküchen errichtet werden, um die im Winter 1876/77 überhandnehmende Noth zu lindern.

Dem gegenüber ist es auffallend, daß die Gußstahlfabrik im Laufe des Jahres 1877 ihre Arbeiter von 8322 auf 9318 Mann vermehren konnte, und daß sie allein an Gußstahl 5553 Tonnen mehr produzirte als im Vorjahr, während allerdings die in den Bergwerken beschäftigten Arbeiter auf die Zahl von 5300 heruntergingen. Die Gründe sind in vermehrten Bestellungen auf Kriegsmaterial und Eisenbahnschienen zu suchen. Allein für die russische Regierung waren bis zum Jahre 1878 1800 Geschütze zu liefern, da der russisch-türkische Krieg die mangelhafte Konstruktion ihrer Feldgeschütze klar gelegt hatte. Außerdem waren aber auch für Griechenland, Italien, China, Schweiz, Holland und Japan namhafte Bestellungen auszuführen; der orientalische Krieg hatte vielfach die Verbesserung des Geschützwesens nahegelegt. In Folge dessen war in der Fabrik vollauf Beschäftigung und die Stadt Essen empfand die Wohlthat, welche ihr aus dem Gußstahlwerk erwuchs, in vollstem Maße.

Obgleich Krupp nun auch nicht ermüdete in der Fürsorge für seine Untergebenen, und gerade in diesem Jahre durch Gründung einer Lebensversicherungs-Anstalt und Eröffnung einer neuen Privatvolksschule seine Wohlfahrtseinrichtungen vervollständigte, mußte er doch zu seiner Bekümmerniß sehen, daß die sozialdemokratischen Agitatoren auf seinem Gebiet wieder Fuß faßten und ihren verderblichen Lehren Eingang zu verschaffen wußten. Gelegentlich der Reichstagswahl am 10. Januar 1877 wurde mit allen Kräften gewiegelt und gehetzt, so daß der ultramontan-sozialistische Arbeiter-Kandidat Stötzel und der speziell sozialdemokratische Kandidat zusammen 10890 Stimmen erhielten und daß bei der Stichwahl zwischen ihm und dem ultramontanen Gegner Stötzel mit 11645 gegen 7653 Stimmen den Sieg davontrug.

Krupp hatte bis dahin auf politischem Gebiete sich vollständig neutral verhalten. Ebenso wie er in religiöser Beziehung keinen seiner Angestellten glaubte irgendwie beeinflussen oder der einen Konfession vor der andern irgend ein Vorrecht einräumen zu dürfen, hatte er auch nach dem politischen Glaubensbekenntniß niemals gefragt und weder direkt noch indirekt irgendwie in die Bewegung eingegriffen. Er sah jetzt, daß er dem gesunden Menschenverstand seiner Arbeiter zuviel zugetraut hatte, daß sie von den Lehren der staatsfeindlichen Partei in ihrem Unverstand gefangen genommen, daß sie mit allen denkbaren Mitteln ins sozialdemokratische Lager hinübergezogen wurden und daß hieraus dem Staate, der Gesellschaft und dem Frieden seiner Fabrik große Gefahren erwuchsen. Er erkannte seine Pflicht, die Unverständigen zu belehren und einen anderen besseren Einfluß den gegnerischen Hetzereien gegenüber zur Geltung bringen zu müssen. Er verfaßte deshalb eine Brochüre, welche am 15. März als Manuskript gedruckt, unter dem Titel »Ein Wort an die Angehörigen meiner gewerblichen Anlagen« erschien und folgendermaßen lautete:

»Ich richte diese Worte an die Angehörigen meiner gewerblichen Anlagen, der Gruben und Hüttenwerke, vertraulich und ausdrücklich beschränkt auf den Verband von Arbeitern, Meistern und Beamten. Sie betreffen meine eigene Hausordnung und sind nicht bestimmt für das große Publikum. Ich verwahre mich deshalb ausdrücklich dagegen, Grundsätze, Verfahren und Entschließung anderer Arbeitgeber hiermit berühren oder beeinflussen, oder auf irgend welchen Zeitungskampf mit streitlustigen Gegnern mich einlassen zu wollen. Das Urtheil darüber, ob meine Mahnung zeitgemäß, ob sie eine erkannte Pflicht ist, ob Eigennutz sie mir eingegeben oder Wohlwollen, das klar zu stellen überlasse ich getrost der Zukunft. Von Jedem, Mann und Frau, auch von den weniger Gebildeten, will ich verstanden sein. Darum spreche ich einfaches deutliches Deutsch. In ähnlicher Weise richtete ich an Euch das letzte Mal die Mahnung zu Frieden und Verträglichkeit trotz jeder Glaubensverschiedenheit -- und, wie ich glaube, nicht ohne Erfolg. Heute trete ich noch einmal an Euch heran in einer ebenso ernsten Frage. Die Gefahr, um die es sich handelt, ist zwar noch nicht drohend, und ich vertraue, daß der gesunde Geist des Volkes sie bei Zeiten abwenden werde. Dennoch will ich heute schon mich aussprechen, weil ich glaube, Euch nützen zu können und weil ich nach 50jähriger Dienstzeit nicht darauf rechnen darf, heute Versäumtes später noch nachzuholen. Wohl aber rechne ich auf das alte Vertrauen. Trotz wiederholter Warnung scheint sich unter einem Theile von Euch der Geist der _Sozialdemokratie_ einschleichen zu wollen. Dieser Geist aber ist verderblich, und jeder Verständige muß ihn bekämpfen, der Arbeiter so gut wie der Arbeitgeber. Daß Ihr dies erkennen möchtet, das ist mein Wunsch und Streben.

In der mildesten Form geht die Lehre der Sozialisten dahin, das Eigenthum des Einzelnen zu beschränken, es ihm theilweise zu nehmen. Die Gesammtheit oder größere Genossenschaften sollen es besitzen und der einzelne Arbeiter Antheil am Gewinn haben. So soll die Lage der Arbeiter verbessert werden, sie wird aber nur dadurch verschlechtert. Nehme man z. B. an, daß ich aus meinem Besitz sogar freiwillig zurückträte und die Leitung meiner Werke dem Belieben der Gesammtheit überlassen wäre. Aus der bisherigen oberen Verwaltung und von den wirklich Eingeweihten und Befähigten würde schwerlich auch nur Einer der neuen Herrschaft sich unterordnen. An Stelle der Erfahrung, welche allein im Stande ist, durch geschickte Leitung der Fabrikation und Verwaltung die Werke zu erhalten und über die Gefahren ungünstiger Zeitumstände hinwegzuführen, würden daher gar leicht zweifelhafte unbewährte Kräfte treten und damit das Ganze dem Untergange bald zutreiben. Das braucht wohl Niemand näher erklärt zu werden. -- Aber selbst angenommen, daß man Leute finden würde, welche die Werke zu führen im Stande wären, welche in Preis und Qualität die bisher uns vorbehaltene Leistung ausführen würden, mit der mächtigen fremden Industrie zu konkurriren und sie zu überflügeln -- selbst in diesem Falle würde dennoch die Fabrik aus Mangel an Arbeit untergehen müssen, folglich ferner Niemandem mehr Nahrung geben, denn die Waare muß nicht nur gemacht, sie muß auch verkauft werden. Der inländische Verbrauch ist aber nicht groß genug, um alle unsere Werkstätten zu beschäftigen, und ohne eine ununterbrochene, vereinte, volle Thätigkeit ist das Werk nicht lebensfähig. Der größte Theil der Arbeiten muß also in fremde Länder verkauft werden und geht über die ganze Erde. Diese Ausnahmestellung und seine Größe verdankt das Werk dem alten Ruf, der Bekanntschaft und dem Vertrauen, welches die Verwaltung sich seit dem Beginn der Fabrik vor und nach erworben hat. Ohne dieses an Personen gebundene Vertrauen fällt der ganze Weltverkehr weg. Kein Staat und keine Regierung würde das Werk als das alte ansehen, wenn es unter die Herrschaft der Sozialisten käme, an Stelle des Vertrauens würde Mißtrauen treten, und dadurch allein schon würden alle Besteller von Kriegs- und Friedensbedarf, Staaten und Private, ferngehalten werden.

Die neuen Volksbeglücker werden sich übrigens auch nicht mit diesem bloßen Anfange der Umwälzung begnügen, sie werden weiter gehen von Stufe zu Stufe. Was eine fleißige, sparsame Familie, was eine Generation ehrlich erworben hat, soll der Faule, Liederliche sich aneignen dürfen und der Unfähige dem Tüchtigen gleich gestellt werden. Von selbst müssen dann diese Volksbeglücker, welche um jeden Preis ihre Pläne durchführen wollen, dazu kommen, alles Eigenthum und Erbe, jeden Thron und jede feste Staatsgewalt beseitigen zu wollen. Viele gestehen es offen oder versteckt zu, daß sie auch die Religion und die Ehe aufheben wollen, damit aber würde Ordnung und Zucht, Scham und Sitte verschwinden. Was Jahrhunderte an Gutem geschaffen, veredelt, geheiligt haben, soll vernichtet werden -- vernichtet natürlich mit Feuer und Schwert. Das ist das Ende, zu welchem diese Lehre führt. Die vielbesprochene Pariser Kommune, ihre Schreckenswirthschaft mit Mord, Brandstiftung und Zerstörung war ein Beispiel der Ausführung solcher verwilderter Anschauungen. Dabei begann auch schon bald, was sich überall früher oder später wiederholen würde, der Kampf der Leiter und Wortführer unter sich um die Oberherrschaft. Diese zu erlangen, ist eben das verborgene Streben vieler, die jetzt noch für den gemeinsamen nächsten Zweck, für den Umsturz der bestehenden Ordnung in Staat und Haus, vereint kämpfen und später kein Bedenken tragen werden, die verleitete Masse ihrem Eigennutz zu opfern. Freilich dürfen wir uns sagen, daß in unserm Vaterlande eine Umwälzung solcher Art von vornherein scheitern würde an der Solidität aller bestehenden Verhältnisse und Ordnungen, an der Macht des Staates. Aber ich hege die Zuversicht, daß es deren nicht einmal bedürfen wird, um uns vor jenem Aeußersten zu bewahren. Die Mehrzahl der Leute, welche für die Sozialdemokratie gewonnen sind, bleiben nur dabei, weil sie keine Ahnung haben von den verbrecherischen und verderblichen Zwecken derselben. Der Mann, der täglich um sein Brot sich abmüht, ist zwar geneigt, auf die Verheißungen eines besseren Looses zu hören und möchte es glauben, wenn ihm müheloser Genuß des Lebens versprochen wird. Aber die große Mehrheit steht zu hoch in Bildung und Rechtsgefühl, um solchen Bethörern dauernd zu folgen. Darum werden deren Bestrebungen schon an dem gesunden Sinne des Volkes scheitern. _Das_ kann ihm nicht verborgen bleiben: die Pläne der Sozialisten sind unausführbar in sich selbst und eine Thorheit, denn die Welt läßt es sich einmal nicht gefallen, daß jeder Unterschied in Stellung und Werth von Menschen und Dingen, daß alles Bestehende, das Gute und Bewährte, auf Kosten von Recht und Gesetz vertilgt werde, damit Verbrecher aus den Trümmern ihre Lese halten.

Ich verlasse nun dieses häßliche Bild und so unerquickliche Betrachtungen, um zu einem anderen Gegenstande überzugehen und zwar zu der Geschichte meiner Werke, damit Ihr einsehen möget, aus welchen Gründen und mit welchem Rechte ich nicht ein Haar breit nachgebe in meinen Forderungen, welche den Schluß dieser Ansprache bilden werden. Es ist bekannt, daß im Jahre 1826 die verfallene Gußstahlfabrik ohne Vermögen mir zur Führung anvertraut wurde. Mit wenigen Leuten fing ich an, sie verdienten mehr und lebten besser als ich; so ging es fast 25 Jahre fort mit Sorgen und mühevoller Arbeit, und als ich dann eine größere Zahl von Leuten beschäftigte, war dennoch mein Vermögen geringer, als was heute mancher Arbeiter der Gußstahlfabrik besitzt. Es waren alle sehr brave Leute, mit denen ich die Arbeiten begonnen und durchgeführt habe. Allen, von denen viele bereits in die Ewigkeit hinübergegangen sind, habe ich meinen vollen Dank für ihre Treue bewahrt. Jene aber, die ich von der Heerde, vom Pflug, als tüchtige Handwerker, als Arbeitslose von allen Professionen, oder als Kinder von Wittwen angenommen habe, traten bereitwillig bei mir ein, weil sie ihr Loos verbesserten, und sie haben in den meisten Fällen auch dafür ihren Dank gern ausgedrückt. Mancher von ihnen ist ein wohlhabender Mann geworden. (Viele Aeltere, Meister und Arbeiter, die zum Theil schon vor ca. 46 Jahren bei mir eingetreten sind, genießen schon seit lange ihre Pension; andere arbeiten noch mit voller Kraft und alter Treue.) Den Leuten, die ich gebraucht habe, habe ich ihren Lohn gezahlt, meistens ihre Stellung verbessert und nach gesetzlichen Bestimmungen den Kontrakt verlängert oder sie entlassen. Mancher verließ die Fabrik, um anderswo sich zu verbessern, der eine ist gegangen und ein anderer hat die Stelle wieder besetzt, und wo ursprünglich 3 Mann beschäftigt waren, standen später 15000. Im Laufe der Zeit haben mehr als 100000 Mann solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht, und es ist ganz natürlich, daß solcher Ab- und Zugang fortdauern wird. Jeder Mann hat nach seiner Kraft und Fähigkeit seinen Lohn erhalten, und anstatt eines Jeden konnte in den meisten Fällen auch ein Anderer hingestellt werden.

Es ist bisher Keinem eingefallen, nach Empfang des vereinbarten Lohnes noch einen Anspruch zu erheben an den Gewinn. Für diesen Anspruch treten aber heutigen Tages gelehrte Volksbeglücker mit den schönsten Redensarten auf, und diese haben wesentlich zu den bethörenden sozialistischen Lehren geführt. Der Arbeiter hat die Erfindungen nicht gebracht. Er wird nicht betroffen von den Kosten und Verlusten, welche der Fabrikant für Versuche und Anlagen zu tragen hat. Für die Arbeit erhält er seinen Lohn. Es kann keine Rede davon sein, daß irgend Jemand einen besonderen Anspruch behalte, außer solchem, der in Steigerung des Lohnes und des Gehaltes besteht und immer nur Folge größerer Leistungen ist. Das ist Sache der freien Vereinbarung. Die Erfindungen und dazu gehörenden Produktionen habe ich eingeführt; der Arbeiter darf aber nicht die Frucht verlangen von der Thätigkeit Anderer, das ist gegen das jedem Menschen eingeborene Rechtsgefühl. Wie Jedermann vertheidige auch ich mein Eigenthum; wie mein Haus, so ist auch meine Erfindung mein und die Frucht derselben, sie mag Gewinn sein oder Verlust. In seinem Lohne hat der Arbeiter den größeren Antheil am Ertrage. Denn durchschnittlich beträgt in guten Zeiten der Lohn mehr als drei Viertel des ganzen Werthes der Fabrikate, der Rest muß Zinsen, Entwerthung, Verwaltungskosten, verlorene Posten und dergleichen decken. Dann erst kommt der Gewinn. In schlechten Zeiten aber, wo der Arbeitgeber oft nichts verdient, vielleicht viel verliert, behält der Arbeiter immer noch seinen Lohn. Der Arbeiter, der in guten Zeiten Antheil am Gewinn verlangen möchte, müßte doch auch in schlechten Zeiten, wo zugesetzt wird, den Verlust theilen, und doch verlangt er auch dann vollen Lohn. Daher ist es nothwendig, daß der Arbeitgeber in guten Jahren mehr verdient, als er gebraucht. Gerade wie der Landwirth, muß er auf Wechselfälle vorbereitet sein. Beide haben oft die Kosten für die Saat und keine Ernte. Hat die Fabrik in guten Jahren ihr Kapital nicht vergrößert, so könnte sie in schlechten Jahren nicht bestehen und müßte die Arbeiter entlassen. -- Das ist bisher in größerem Maße nicht nöthig gewesen, sie hat, wenn Alles darnieder lag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrath fabrizirt oder mit Verlust verkauft, um die Leute zu ernähren und ihren Heerd warm zu halten. Wie ich den Verlust allein tragen muß, so ist auch der Gewinn mein von Rechtswegen, denn ich habe ihn erworben mit meiner Kraft und meiner Sorge. Ich habe das Bewußtsein, daß diese Werke ein Segen sind für das Land und für die Arbeiter. Sie sind das umsomehr, weil _mein Interesse mir empfohlen haben würde, dieselben im Auslande zu errichten, wo ich früher und mehr Anerkennung und Absatz gefunden habe und größere Vortheile haben würde_.

Um die Lage meiner Arbeiter zu verbessern, war ich von jeher zunächst darauf bedacht, ihnen ein möglichst sorgenfreies Dasein für die Zeiten zu verschaffen, in denen sie selbst nicht mehr arbeiten könnten. Ihr selbst wißt es am besten, wie es mit Kranken, Invaliden und ausgedienten Arbeitern bei uns gehalten wird. Dann habe ich den Arbeitern Wohnungen gebaut, worin bereits 20000 Seelen untergebracht sind, habe Schulen gegründet, Schenkungen verliehen und Einrichtungen getroffen zur billigen Beschaffung von allem Lebens- und Hausbedarf. Ich habe mich dadurch in eine Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muß. Damit dies geschehen kann, muß Jeder seine Schuldigkeit thun in Frieden und Eintracht und in Uebereinstimmung mit unseren Vorschriften. Die jetzt allgemein verbreitete Geschäftsstille hat bereits viele Fabriken, Hütten und Gruben unseres Landes empfindlich berührt. Geringe Preise haben geringe Löhne zur Folge gehabt, und bei einigen Werken ist schon vollständiger Mangel an Arbeit und dadurch Stillstand eingetreten. In den verschiedenen Klassen der Gesellschaft giebt es Leute, die irrthümlich die Besserung ihrer Lage von der Aenderung der Verfassung, der Regierung und der Gesetze erwarten, dabei aber das Wesentlichste vernachlässigen, was in ihrer eigenen Gewalt liegt. Fleiß, Ordnung und Sparsamkeit ist der erste und sicherste Schutz gegen die beklagte Noth, und wo sie fehlen, helfen auch die beste Regierung und die besten Gesetze nichts. Umwälzungen jeder Art sind ebenso verkehrte Mittel zur Besserung der Lage, als wenn man ein Haus wegen einzelner Fehler abbrechen wollte. Dann wird man obdachlos. Man verbessert und reparirt und erhält das Bestehende.