Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen

Part 4

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Die Bedeutung dieses Gegenstandes ist sehr verschieden aufgefaßt, daher der Stich unter mancherlei Benennungen vorkommt; Vasari[14], nachdem er dieses Blatt als die äußerste Vollendung der Kupferstecher-Kunst bezeichnet hat, beschreibt es als Venus, welche eine Nymphe schlägt, die -- um vertheidigt zu werden -- sich einem Satyr in den Schoß gesetzt hat.

Er fügt hinzu: wie Dürer in diesem Blatte habe zeigen wollen, daß er das Nackte darzustellen wisse, und meint: daß er dieses vielleicht deshalb nicht habe besser machen können, weil er -- wenn er Nacktes darzustellen gehabt habe -- in Ermangelung anderer Gelegenheit, einige seiner Schüler nachgebildet habe, welche, wie meist die Deutschen, keine schönen nackten Körper gehabt hätten, obgleich man in Kleidern viele schöne Männer aus jenem Lande sähe.

Von diesem Blatte findet sich ein sehr merkwürdiger unvollendeter Probedruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; auf demselben ist der Satyr fast nur angeritzt, der Kopf der Nymphe und ihr Arm noch nicht ausgeführt, und der untere Theil der Landschaft mit dem Amor nur angelegt.

B. 74. Die Melancholie.

Dieses sehr beliebte, von Dürer mit ganz besonderer Sorgfalt behandelte Blatt, von welchem Vasari sagt: daß es alle die Gegenstände (gli istromenti) enthalte, welche jeden, der sie gebrauche, zur Melancholie brächten, zeichnet sich durch eine eigenthümliche Zartheit aus.

Die alten Abdrücke sind weniger kräftig und voll als diejenigen mancher früheren Stiche, haben dagegen durch eine feine, warme und harmonische Wirkung einen eigenen Reiz. Die späteren Drücke entbehren desselben, sind indeß oft noch klar und rein.

Das Papier der schönen Drücke ist dem des heiligen Hieronymus von demselben Jahre, B. 60, gleich; bei geringeren Drücken trifft man ein stark geripptes Papier mit 12¾ Linien Abstand der Drathstriche, bei den neueren das Wasserzeichen des Wappens von Schrobenhausen.

B. 75. Die vier nackten Frauen.

Die alten Abdrücke sind zum Theil sehr schwarz, und kommen auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes und dem der verbundenen Thürme mit 13 Linien Abstand der Drathstriche vor.

Die anfangs etwas rauhen Schattenlagen im Fleisch haben sich indeß bald abgenutzt, denn man findet schon auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, noch gute, aber weit weniger kräftige Abdrücke.

B. 76. Der Traum.

Nach Vasari’s Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schläft, mit Venus daneben, welche ihn im Traume in Versuchung führt, während Amor, auf zwei Stelzen steigend, sich vergnügt, und der Teufel mit einem Blasebalg jenem in’s Ohr bläst.

So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen schönen Abdrücke nur höchst sparsam. -- Sie sind auf Papier mit den Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen ~P~ oder der hohen Krone, die späteren noch guten Abdrücke haben das Wasserzeichen des Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere Abdrücke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts, welche indeß matt und unbedeutend sind.

B. 77. Die Nemesis,

gewöhnlich, die große Fortuna genannt.

Daß dieses große Blatt dasjenige sei, welches Dürer in seinem Tagebuche wiederholt »eine Nemesin« nennt, glaube ich in dem Aufsatze des Naumann’schen Archives für die zeichnenden Künste, 2. Jahrgang, 1. Heft, genügend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Bestätigung dieser Ansicht ist mir seitdem durch eine Veröffentlichung des gelehrten Vorstandes des print-room im British Museum, M^{r.} W.H. Carpenter, im Athenäum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit denselben von mir geltend gemachten Gründen belegt, ausspricht.

Die alten kräftigen Drucke dieses schönen Stiches werden sehr gesucht. Die mir vorgekommenen waren sämmtlich auf Papier mit der hohen Krone, nur einzelne, nicht einmal besonders schöne Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier.

Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die kleinen Punkte an, welche links über den Wolken, in der Mitte des Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist indeß trügerisch, denn auch auf späteren schwächeren Drucken sind diese Punkte noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frühesten Abdrücke ist dagegen der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der Landschaft in der Mitte der Brücke, als Stütze derselben, in das Wasser geht, und bei den späteren Abdrücken kürzer wird, zuletzt nur als ein einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Stützen unter der Brücke starken Grat.

B. 78. Die kleine Fortuna.

Die schönen Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Das Blatt ist nicht selten, häufig sind die Abdrücke aber matt und unbedeutend, auch oft im Papier verschnitten.

B. 79. Die Gerechtigkeit,

von Heller und Nagler irrthümlich die Nemesis genannt.

Bei sehr schönen Abdrücken dieses, der Behandlung des Vordergrundes nach, unstreitig der zweiten Periode Dürer’s, nach der Italienischen Reise, angehörenden Blattes, findet man sowohl Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, wie mit dem der hohen Krone, doch sind solche, dann recht malerische Abdrücke selten. Der zu den Dürer’schen Geschenken gehörende Abdruck in Copenhagen hat den Ochsenkopf im Papier.

B. 80. Der kleine Courier.

Dieser Stich gehört zu den nicht häufigen; die schönen Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier, auch kommen welche mit dem Lilienwappen und Krone, Nr. 11, bei 11 Linien Entfernung der Drathstriche vor.

Bei geringeren Drucken findet man festes Papier mit 13¼ Linien Abstand der Drathstriche.

B. 81. Der grosse Courier.

Dieses, bereits in der Einleitung besprochene Blatt ohne Monogramm und Jahrszahl gehört bekanntlich zu den allergrößten Seltenheiten und fehlt sogar der reichen Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

Es sind nur zwei Abdrücke davon bekannt: der eine im Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden, der andere in der K.K. Bibliothek zu Wien. Dieser letztere ist nicht rein im Druck und namentlich die hintern Schenkel des Pferdes sind unklar. Der Abdruck in Dresden ist auf sehr festem Papier, welches nur 11 Linien Abstand der Drathstriche und ein nicht gebräuchliches, dem aus alten Bücherdrucken bekannten Cardinals-Hut einigermaßen ähnelndes Wasserzeichen hat. Die Platte hat unten stark abgerundete Ecken, welches bei Dürer etwas ganz ungewohntes ist, und der Stich erscheint im Vergleich mit den übrigen Arbeiten unsers Meisters als auffallend roh behandelt.

B. 82. Die Dame zu Pferde.

Ein nicht häufiges Blatt, von dem man indeß sehr schöne Abdrücke, sowohl auf Ochsenkopf-, wie auf Kronen-Papier findet; der mir zu Gesicht gekommene schönste, zu Dürer’s Geschenken in Copenhagen gehörig, hat kein Wasserzeichen.

B. 83. Der Bauer und seine Frau.

Die schönen Abdrücke sind auf denselben Papieren, wie das vorstehende Blatt.

B. 84. Die Wirthin und der Koch.

Heller setzt dieses Blättchen in die Zeit vor 1506, vergleicht man es aber mit anderen Stichen dieser Periode, namentlich B. 85 und 86, so wird man den wesentlichen Unterschied in der Behandlung, besonders auch des Vorgrundes nicht verkennen. Ich halte dasselbe daher entschieden für eine spätere Arbeit.

Neben vielen matten und abgenutzten Abdrücken findet man diesen Stich zuweilen auch sehr kräftig und schön, das Papier hat dann das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, selten das des gothischen ~P~.

B. 85. Der Orientale und seine Frau.

Das Blatt ist in schönen Abdrücken selten, dann aber recht kräftig. Bei solchen trifft man das Papier mit dem Ochsenkopf.

B. 86. Die drei Bauern.

In den alten warmen Abdrücken auf Ochsenkopf-Papier ist dieses Blättchen von recht malerischer Wirkung.

Die Kupferplatte davon ist noch vorhanden und kam im Jahre 1856 in Frankfurt a.M. zum Vorschein, wurde aber, ehe die dortigen Dürer-Sammler Kenntniß davon erhielten, nach Rußland verkauft.

B. 87. Der Fahnen-Träger.

Diesen lieblichen Kupferstich, welcher allerdings in dem Vorgrunde noch Spuren der älteren conventionellen Darstellungsweise hat, halte ich -- abweichend von Heller -- für eine Arbeit nach der italienischen Reise, besonders wegen der Behandlung des Wassers und der sorgfältigen Ausführung der Federn.

Recht schöne Abdrücke, bei denen ich nur Papier mit einem Stückchen des Ochsenkopfes gefunden habe, sind von hervorstechender Wirkung.

B. 88. Die Versammlung der Kriegsleute.

Ein überall nicht häufiges, in vollkommen schönen Abdrücken aber ausserordentlich seltnes Blatt, welches zu den ältesten Stichen Dürer’s gehört. Man erkennt dieses vorzüglich an der Form des Monogramms und an der eigenthümlichen Behandlungsweise des Gebüsches in der Landschaft.

Die in neuerer Zeit an der Aechtheit dieses Stiches erhobenen Zweifel halte ich für völlig unbegründet und möchte dabei nur auf die Blätter B. 82, 83, 85, selbst 86 und 87 verweisen, wo man, freilich bei verschiedenartiger Stichweise, denselben Meister erkennt. Die schönen Abdrücke haben gewöhnlich das Papier mit dem Ochsenkopf oder dem gothischen ~P~.

B. 89. Der Marktbauer. 1519.

Dieses in Dürer’s Tagebuch »der neue Bauer« benannte Blatt findet man fast nie in Abdrücken von recht voller Farbe. Es kömmt ziemlich häufig vor, doch giebt es alte frische Abdrücke wenig. Diese haben anscheinend Kronen-Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Bei weniger frischen, späteren Drücken trifft man das Papier mit einem Abstand von nur 13½ Linien.

B. 90. Der Bauerntanz. 1514.

In schönen Abdrücken selten. Das Papier derselben ist fest und hat 12¾ auch 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Die Platte muß sich lange erhalten haben, denn man findet einzelne ganz schlechte Abdrücke davon.

B. 91. Der Dudelsack-Pfeifer. 1514.

Die alten recht kräftigen Abdrücke sind nicht häufig, ein Wasserzeichen habe ich in den Papieren derselben nicht wahrnehmen können, die Entfernung der Drathstriche betrug 14 auch 13¼ Linien.

B. 92. Der Gewaltthätige.

Dieser frühe Stich gehört zu den seltenen, und die Platte scheint in späterer Zeit nicht wieder abgedruckt zu sein, wenigstens sind mir abgenutzte und schwache Drucke davon nicht vorgekommen. Die alten Drucke sind besonders schwarz in Farbe, haben Platten-Grat und gewöhnlich Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich einen auch auf Kronen-Papier angetroffen.

B. 93. Der Liebes-Antrag.

Die alten Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfs, mit Doppelstrich, Kreuz und Blume darüber, Nr. 2, sind sehr schwarz, manchmal in den tiefen Schatten unklar. Die etwas späteren Abdrücke auf Papier mit dem gothischen ~P~, dessen Drathstriche sehr weit, fast 17 Linien von einander abstehen, oder mit der hohen Krone, sind dem Auge wohlthuender.

B. 94. Der Herr und die Dame oder der Spaziergang.

Durch den sorgfältigen Nachstich Marc Antons von der Gegenseite ist dieses Blatt doppelt interessant, es gehört aber bei aller darauf verwandten Kunstfertigkeit doch ohne Zweifel zu den früheren Arbeiten Dürer’s.

Die Platte, wovon die schönen Abdrücke Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone haben, ist auch noch in späterer Zeit abgedruckt, denn man trifft Abzüge mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes.

B. 95. Das monströse Schwein.

Ich habe in Uebereinstimmung mit Heller dieses Blatt unter die Arbeiten der ersten Periode Dürer’s aufgenommen, und bin dazu veranlaßt theils durch die Anführung: daß nach einer alten geschriebenen Chronik eine solche Mißgeburt im Jahre 1496 in der Nähe von Nürnberg gefallen sei, theils auch durch die eigenthümliche Behandlung des Erdreichs im Vorgrunde, welche für die Stiche dieser ersten Periode besonders bezeichnend ist. Sonst würde die sorgfältige Ausbildung der Architektur in der Landschaft und die Form des Monogramms auf eine spätere Zeit schließen lassen. Zum Abdruck muß die Platte jedenfalls erst in späteren Jahren gekommen sein, denn ich habe bei den alten schönen Abdrücken nur einmal Ochsenkopf-Papier, sonst immer das Wasserzeichen der hohen Krone gefunden.

Die Platte ist späterhin aufgestochen.

B. 96. Das kleine Pferd. 1505.

Dieser Stich gehört zu denjenigen, welche man verhältnißmäßig häufig in schönen Abdrücken findet und es scheint, daß derselbe früher nicht besonders berücksichtigt ist. Die mir vorgekommenen alten Abdrücke waren sämmtlich auf Papier mit dem Ochsenkopf nur ein einziger hatte die hohe Krone.

B. 97. Das grosse Pferd. 1505.

Die Abdrücke dieser Platte sind bedeutend seltener als diejenigen der vorhergehenden. Die schönen Exemplare, zuweilen wahrhaft prachtvoll, haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes.

Dieses Blatt gehört übrigens nicht zu denjenigen, deren Dürer in seinem Tagebuche der Reise nach den Niederlanden Erwähnung thut.

B. 98. Der Ritter mit Tod und Teufel. 1513.

von Dürer »ein Reuther« genannt.

Es ist dieser einer der schönsten, vollendetsten und beliebtesten Stiche unsers Meisters, welcher von ihm auf seiner Niederländischen Reise auch zu Geschenken verwandt wurde und in ausgezeichneten Abdrücken, mit am theuersten bezahlt wird. --

Die alten Abdrücke kommen auf demselben Papier vor, welches Dürer zu dem heiligen Hieronymus, B. 60, und der Melancholie, B. 74, gebrauchte. Bei dem Abdruck der Ackermann’schen Sammlung mit breitem Papierrand, welcher indeß nicht zu den Kräftigen gehörte, hatte das Papier das Wasserzeichen des Kruges.

B. 99. Die Kanone. 1518.

Diese Radirung ist in neuen Abdrücken mit Rostflecken häufig, in vollkommen reinen alten Drucken jedoch selten. Die frischesten haben das Wasserzeichen der hohen Krone, doch giebt es noch sehr gute mit dem Wasserzeichen der Thürme, Nr. 9.

B. 100. Das Wappen mit dem Hahn.

Wegen der wundervollen Verzierung des Helms gehört dieser Stich mit zu den vortrefflichsten Arbeiten Dürer’s. Die Abdrücke sind häufig schön, zuweilen ganz ausgezeichnet. Der vorzüglichste, welcher mir zu Gesicht gekommen, in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, hat das Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 8, die übrigen schönen Abdrücke haben das Wasserzeichen der hohen Krone, die geringeren ein festes Papier mit nicht kenntlichem Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13¾ Linien von einander entfernt sind, auch wohl das Wasserzeichen Nr. 43. --

B. 101. Das Wappen mit dem Todtenkopf. 1503.

Einer der ältesten, mit der Jahreszahl versehenen Dürer’schen Kupferstiche, von dem ein schöner Abdruck jeder Sammlung zu besonderer Zierde gereicht. Unser Meister erwähnt dieses großen zu den »ganz Pögen« gehörenden Blattes in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise nicht, doch befindet sich in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen ein Abdruck von einer solchen Kraft, Schönheit und frischen Erhaltung, daß er ohne Zweifel mit zu den Geschenken gehört, welche Dürer dem Könige von Dänemark, Christian II., in Antwerpen verehrt hat. Dieser ist auf einem sehr festen Papier ohne Wasserzeichen mit ungleicher Entfernung der Drathstriche zu 11 und 13¾ Linien. Einige wenige schöne Abdrücke kenne ich auf Papier mit dem Ochsenkopf, der hohen Krone oder der Thürme mit Mauer; die Mehrzahl derselben haben das Wasserzeichen des Kruges, woraus hervorgeht, daß diese Platte noch in der letzten Lebensperiode Dürer’s oder nach seinem Tode zum Abdruck gekommen ist.

B. 102. Albrecht von Mainz, von vorn gesehen. 1519.

Dieses, gewöhnlich »der kleine Cardinal« genannte, sehr seltene Brustbild kommt im ersten Etat ohne Text auf der Rückseite, zuweilen in sehr schönen Abdrücken vor.

Sie haben Papier mit dem Wasserzeichen des kleinen Reichsapfels, Nr. 5, und eine Entfernung zwischen den Drathstrichen von 13½ Linien.

Die Abdrücke des zweiten Etats, auf deren Rückseite sich der Titel des eminent seltenen Buches

VOrtzeichnus und |zeeigung des Hochlob | wirdigen heiligthumbs | der Stifftkirchen der heiligen | Sanct Moritz und Ma- | rien Magdalenen zu Halle |

befindet[15], sind im Jahre 1520 mit geringer Sorgfalt genommen und stehen an Kraft und Klarheit gegen den ersten Etat sehr zurück.

Das dazu gebrauchte Papier hat das Wasserzeichen eines größeren Reichsapfels mit 5strahligem Stern, dessen Drathstriche indeß nur 11½ Linien Abstand haben und welches in Feinheit der Masse und Festigkeit dem Papiere des ersten Etats sehr nachsteht.

B. 103. Albrecht von Mainz im Profil. 1523.

Aus dem noch erhaltenen Briefe an den Cardinal Albrecht, Erzbischof von Mainz, vom Freitag nach Aegidii (13. September) 1523[16], wissen wir, daß Dürer die Platte des bezeichneten Portraits nebst 500 Abdrücken schon »vor längerer Zeit« dem Cardinal übersandt hatte.

Aus dem dadurch erwiesenen gleichzeitigen Abdruck einer so bedeutenden Zahl von Blättern erklärt sich die große Gleichmäßigkeit der guten Exemplare, welche man in den Sammlungen findet. Sie sind nur in so fern von einander verschieden, als die besseren Abdrücke Plattengrat und eine wärmere harmonische Färbung haben. Das Papier ist auch das gleiche, mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.

Die sehr wenigen besonders kräftigen Abdrücke, wie diejenigen in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden und dem Print-room des British Museum, scheinen ganz erste von Dürer zurückbehaltene Probedrücke zu sein, denn diejenigen, zweifellos von den erwähnten 500 Abdrücken herrührenden, welche man in einzelnen kostbaren Büchern aus dem früheren Besitz dieses kunstliebenden Kirchenfürsten als Bibliothekzeichen eingeklebt findet, wie z.B. in dem schönen Missale mit Miniaturen des Glockendom in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, sind durchaus nicht besser wie die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke. --

Einige wenige gute Abdrücke kommen auch auf Atlas vor.[17]

Die Platte ist späterhin aufgestochen und man findet in dem Dürer-Werke der Kaiserlichen Bibliothek in Wien ein Exemplar beider Gattungen zur Vergleichung neben einander. Der retouchirte Abdruck unterscheidet sich vorzüglich dadurch, daß den Contouren des Mundes und des Kinnes die Barbe fehlt, auch sind in demselben die Nähte des Kleides besonders markirt und die Unterschrift ist merklich unreiner.

B. 104. Friedrich, Churfürst von Sachsen. 1526.

Dieses schöne Bildniß kömmt zuweilen, doch nicht sehr häufig in ganz besonders kräftigen Abdrücken vor, das Papier hat das Wasserzeichen des Kruges und 13¼ Linien Abstand der Drathstriche. -- Die Platte muß späterhin nach Holland gekommen sein, denn in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in München befindet sich ein Abdruck auf Schellenkappen-Papier; er ist indeß matt und das Monogramm sehr verwischt.

B. 105. Philipp Melanchthon. 1526.

Die schönen Abdrücke haben dasselbe Papier als das vorstehende Blatt, doch ist dieses seltener als jenes.

B. 106. Bilibald Pirkheymer. 1524.

Keins der Dürer’schen Bildnisse ist so allgemein verbreitet, als dieses, seines gelehrten und treuesten Freundes. Die Abdrücke kommen daher in den verschiedensten Zuständen und auf den mannigfaltigsten Papieren vor. Die ältesten haben das Wasserzeichen des Kruges oder der kleinen hohen Krone Nr. 36. In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in München habe ich ausnahmsweise einen Abdruck auf Ochsenkopf-Papier gefunden, sie sind kräftig, aber nicht sehr fett in Farbe. Es giebt noch ziemlich gute Abdrücke auf einem Papiere, dessen Wasserzeichen unter einem dem Nürnberger ähnlichen Wappen, einen Mohrenkopf hat, Nr. 16, oder auf einem festen Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.

Die neueren schwärzeren Abdrücke sind von der späterhin aufgestochenen Platte, von der man in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien ebenfalls einen Abdruck zur Vergleichung neben einem des ersten Etats sieht. Sie unterscheiden sich durch eine gewisse Rauheit in den Haaren und den Buchstaben der Unterschrift, auch ist die Halskrause stärker markirt.

B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.

Dieses Bildniß ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur höchst wenige sehr schöne und kräftige Abdrücke. Die beiden vorzüglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder häufiger eines gekrönten Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas abweichender Form zwar schon bei Abdrücken der ältesten Kupferstiche vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen Kupferstichen Dürer’s, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.

Spätere Abdrücke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Sie wird gegenwärtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses Friedensstein in Gotha aufbewahrt.

Die Abdrücke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen, sind zuweilen noch schön, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden Thürme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines großen geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden, immer noch gut zu nennen, halten indeß den Vergleich mit den älteren Abdrücken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von 13 Linien, ist aber dadurch merkwürdig, daß der berühmte Astronom Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im Jahre 1520 gegenwärtig gewesen sei, als Dürer den Erasmus für diesen Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand, gezeichnet habe.

B. 108. Joachim Patenier.

Dieses seltene Portrait übergehe ich als eines anerkannt nicht von Dürer herrührenden Stiches, und bemerke nur, daß sich in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg eine sehr schöne Federzeichnung Dürer’s vom Jahre 1520 befindet, welche auf der Rückseite mit dem Namen Patenier bezeichnet, wohl diesem Stich zur Grundlage gedient haben möchte, obgleich sie in einzelnen Theilen von demselben abweicht.

* * * * *

Schließlich habe ich noch einer unvollendeten Platte, Christus am Kreuze darstellend, zu erwähnen, welche auf Grund der Anführung Sandrarts: daß Dürer eine solche nachgelassen habe, unserm Meister zugeschrieben wird und von der einzelne Originaldrücke, mit und ohne Monogramm, sowie mehrere ältere und neuere Copien vorhanden sind. --

Obgleich dieses Blatt in einer alten, wahrscheinlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts geschriebenen, aus der Familie Scheurl in Nürnberg herstammenden, »Specification deß gantz Dürerisch Trukhs«[18] mit aufgeführt steht, so wage ich es doch, in Beziehung auf dasselbe, den Ansichten mehrerer mit Recht angesehener Kunst-Autoritäten entgegen zu treten, namentlich der Meinung, welche Herr Dr. Nagler auf pag. 161 seiner Monogrammisten darüber ausgesprochen hat, indem ich entschieden behaupten zu dürfen glaube, daß diese Anlage eines Kupferstiches nicht von Albrecht Dürer herrühren könne.

Meine Gründe dafür sind folgende:

1) Alle Darstellungen des gekreuzigten Heilandes von A. Dürer, sowohl in Gemälden, Kupferstichen, Holzschnitten, als auf zahlreichen Zeichnungen und Entwürfen, sind in der Beziehung vollkommen übereinstimmend, daß der Körper an einem Kreuze von rohem, nur theilweise behauenem Holze, mit der ganzen Schwere an den durchbohrten Händen und ausgestreckten Armen hängt, und nur durch den einen größeren Nagel, welcher _beide übereinander gelegte Füße durchbohrt_, einigermaßen unterstützt wird. Auf der fraglichen Anlage steht aber der Körper ganz ruhig auf einer an dem Stamm eines ganz platt gezimmerten Kreuzes angebrachten Platte, beide Füße sind _nebeneinander_ von zwei Nägeln durchbohrt, die Arme, ausser den Nägeln, welche durch die Hände gehen, noch mit Stricken befestigt.

Eine solche Darstellungsweise der Kreuzigung war bei den ältesten Italienischen Malern gebräuchlich, ist aber von Dürer nie zur Anwendung gekommen.