Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen
Part 11
45. Kleineres männliches Portrait mit einem Barett, Oelskizze auf Papier, von sehr warmer Färbung, fast in der Art des Titian.
46. Ein prächtiges lebensgroßes Portrait eines Mannes, von vorn gesehen und mit einer Mütze bedeckt. Kreidezeichnung auf gelblichem Papier.
47. Schöner Mannskopf mit Barett, vom Jahre 1521.
48. Ein Frauenskopf mit Mütze, auf grau grundirtem Papier mit Kreide gezeichnet und weiß gehöhet, mit der Jahrszahl 1522.
49. Portrait der Formschneiderin Fronica vom Jahre 1525. Sie ist mit einer platten Mütze dargestellt, mit wenigen großartigen Meisterstrichen in Kreide gezeichnet, auf schwarzem Grunde. Die Inschrift lautet
»Fronica Formschneiderin«.[74]
50. Ein sehr sorgfältig gezeichnetes großes männliches Bildniß, den Kopf im Profil gesehen, mit der Jahrszahl 1527. Das Gewand ist mit Pelz verbrämt.
51. Herrlicher, nach links gewandter Mannskopf mit spitzer Nase und aufgeschlagener Mütze. Kreidezeichnung auf schwarz schraffirtem Grunde.
52. Kreidezeichnung eines alten Frauenkopfes, im Profil gesehen.
53. Mannskopf von mittlerer Größe mit Mütze, in Rothstift sehr schön gezeichnet, besonders der Bart, mit der Jahrszahl 1523.
54. Federskizze eines Ritters in einer mit Stacheln versehenen Rüstung. Auf der Rückseite zwei fechtende Ritter.
55 und 56. Sorgfältig gezeichnete wunderbar verschlungene eckige mathematische Figuren, vom Jahre 1506. Sie erinnern an die »sechs Knoten«, B. 140-145.
57. Christus als Knabe im Tempel lehrend, ein leichter Feder-Entwurf.
58 und 59. Leichte Feder-Entwürfe zu Wappen.
60. Entwurf einer Fassung echter Steine, ohne Zweifel für einen Goldschmied.
61. Eine Federzeichnung in runder Form, welche drei weibliche Figuren in Umrissen darstellt, in deren Mitte auf einem Altar sich ein Herz befindet, welches zerschlagen werden soll. Eine andere weibliche Figur liegt zu den Füßen derselben.
62. Zwei Entwürfe des Wappens Albrecht Dürer’s mit lateinischen Inschriften, bestimmt zu der Rückseite eines Portraits von Dürer.
63. Anderer leichter Entwurf zu dem Wappen Albrecht Dürer’s.
64. Ein unbekanntes colorirtes Wappen.
65. Federzeichnung eines Wappens, welches mit der Kette des goldenen Vließes umgeben ist.
66. Ein grau und schwarz getuschtes Wappen.
67. Der buntfarbige Flügel eines Vogels, mit wundervoller Feinheit auf schwarzem Grunde gemalt.
68. Sehr reiche Composition, der Form nach für eine Degenscheide bestimmt. In der Mitte tragen zwei Kinder eine Vase, das Ganze ist mit der Feder höchst geschmackvoll und elegant verziert.
69. Federzeichnung für einen Ring.
70. Zwei mit der Feder gezeichnete Genien, welche ein reiches Gewinde von Zweigen und Früchten halten.
71. Gehänge von Laubwerk und Früchten. -- Ein Phönix mit Verzierungen.
72. Entwurf eines Kelches mit Deckel, auf welchem oben ein Storch befindlich, Federzeichnung.
73. Mit der Feder gezeichneter Entwurf eines geschweiften Kelches.
74. Zwei Längen-Durchschnitte eines Kelches, gelb colorirte Federzeichnung, vom Jahre 1514.
75. Federzeichnung eines ovalen Kelches, gelb colorirt, mit der Jahrszahl 1526.
76. Zwei phantastisch verzierte Säulen, sehr schöne colorirte Federzeichnung vom Jahre 1515, daneben steht von Dürer’s Hand
»~das sind Schtörch~«.
77. Vortreffliche große Federzeichnung eines sehr reichen Bechers mit einem Deckelaufsatz in gothischer Architektur, colorirt.
An dem Fuße sind Jäger mit Hunden, Krieger, Bauern die mit der Erndte beschäftigt sind, und Hirten mit Vieh dargestellt.
78. Ein Vogel mit langem Schnabel, Zeichnung in Wasserfarben, oben darüber ein verziertes Band mit der Inschrift »GI. GI. GIG.«
79. Erster leichter Federentwurf zu dem Holzschnitt: der Darstellung im Tempel aus »unser Frauen Leben«, B. 81.
80. Entwurf einer ähnlichen Darstellung. Federzeichnung von großer Feinheit, welche zum Theil auf das allersorgfältigste ausgeführt ist.
Darunter steht:
»Albrecht Durer hatt dies stück gemacht In wenr ledige werd Jar.«
81. Ein stehender Ritter mit einer Federmütze, eine Hellebarde in der Hand. Federzeichnung vom Jahre 1510.
82. Darstellung des Jupiter in einem Oval, oben der Adler, unten erschlagene Krieger und ein Kind. Federzeichnung. Darunter steht:
A JVPITER XXXXVI 46
83 bis 90. Entwürfe zu venetianischen Tarockkarten, vielleicht von Dürer in Venedig gezeichnet.
91. Entwurf zu dem Holzschnitt des sich geisselnden Heiligen, B. 119. Federzeichnung.
92. Federzeichnung eines dreibeinigen Gestells, wohl für eine Kanne bestimmt.
93. Sechs feine runde Federzeichnungen mit allegorischen Figuren.
94. Eine sehr schöne Federzeichnung, welche Maria und Johannes darstellt.
95. Zwei weibliche Figuren; die eine bekleidete hat ein Messer in der Hand, die andre nackte trägt eine Wage. Federzeichnung.
96. Erster Entwurf mit der Feder zu dem Kupferstich die »Nemesis«, B. 77. Der eine der Flügel ist besonders gezeichnet und mit der äussersten Feinheit und Sorgfalt ausgeführt.
97. Federzeichnung einer fortschreitenden weiblichen Figur.
98. Christus am Kreuz, Federzeichnung vom Jahre 1511.
99. Ein verschanztes Lager mit sehr vielen Figuren, in der Ferne eine Landschaft, -- reiche Federzeichnung.
100 bis 103. Entwürfe mit der Feder zu einem Altarbilde.
Das Mittelbild stellt die Krönung der Jungfrau dar, die Predella den Tod derselben. Auf dem linken Flügel ist St. Georg und ein Heiliger mit einem Reh, auf dem rechten ein heiliger Bischof mit einer Kirche und ein Heiliger mit dem Kelche.
104 und 105. Darstellung zweier wilder Indianer von brauner Farbe, der eine auf schwarzem, der andere auf weißem Grunde.
106. Eine weibliche Figur, darunter ein Thor mit der Durchsicht in eine Landschaft. Federzeichnung.
107. Drei musicirende Figuren. Federzeichnung.
108. Eine weibliche Figur, welche sich vor einem Spiegel putzt. Das Gerippe des Todes steht hinter ihr. Mit der Feder gezeichnet.
109. Das Innere eines Zimmers mit einem Camin. Federzeichnung mit der Jahrszahl 1509.
110 bis 113. Vier leichte Federzeichnungen mit kleinen allegorischen nicht wohl zu deutenden Figuren, anscheinend Muster für Goldschmiede.
114. Die Jungfrau mit dem Kinde an einem Zaune sitzend; ein leichter sehr schöner Entwurf, ähnlich dem Kupferstich der Jungfrau mit der Birne, B. 41.
115. Christus im Oelgarten, eine sehr schöne leichte Federzeichnung.
116. Christus erscheint seiner Mutter; zu beiden Seiten die knieenden Portraite eines Ehepaars, letztere nur angelegt. Federzeichnung.
117 bis 121. Fünf reizende Entwürfe zu Goldschmieds-Arbeiten; bei einer knieenden weiblichen Gestalt sind zwei verschiedene Kopfverzierungen angebracht, und dabei steht von Dürer’s Hand geschrieben:
»Do mach welchen Kopfli Du wilt.«
122 bis 126. Fünf leichte Federzeichnungen:
Eine sitzende Ente.
Eine Kreuztragung Christi.
Die Marter der heiligen Catharina.
Die Anbetung der Könige.
Die Kreuztragung. (Die vier letzten Compositionen sind in der Form schmaler Frise.)
127. Schöne Federzeichnung eines heiligen Georg, hier älter als gewöhnlich dargestellt.
128 und 129. Zwei schöne sehr sorgfältige Federzeichnungen auf Pergament; nach dem darauf befindlichen Wappen für einen englischen Edelmann bestimmt. Die eine stellt Christus, das Kreuz tragend, vor, mit der Unterschrift:
»Qui non tollit crucem suam et sequitur me non est me dignus.«
Die andere einen betenden Mann, welcher ein Kreuz trägt, mit der Unterschrift:
»Nam si ambula vero in medio umbre mortis non time Bomala quoniã tu mecũ est.«
130. Ein sehr schönes A als Initiale in Farben.
131. Zwei Genien auf einem Stabe fliegend, welche einen griechischen Büchertitel tragen. Röthlich angetuscht.
132. Zwei Säulen-Capitäle mit Kronen. Federzeichnung.
133. Die rechte Seite eines Adlers. Federzeichnung.
134. Der obere Theil eines Raubvogels.
135. Liegende Kühe und Schaafe, erster Entwurf zu dem Holzschnitt Nr. 16 in dem dritten Buche von Dürer’s »Underweysung der messung mit dem zirckel u.s.w.« Nürnberg 1525, Blatt Jij. Federzeichnung.
136. Zwei Hasen und ein Hirschkopf.
137. Colorirte Zeichnung eines Schnabelfisches, der Kopf desselben noch besonders gezeichnet.
138. bis 141. Verschiedene Baum- und Landschafts-Studien, mit der Feder gezeichnet, unter denen der mit unglaublicher Sorgfalt behandelte Stamm eines Tannenbaums mit Aesten.
142. Studie einer bräunlichen Felsmasse von Kalkstein, bezeichnet mit dem Jahre 1506, und ohne Zweifel eine Naturstudie von der italienischen Reise.
143. Landschafts-Studie in Wasserfarben, der Kopf einer Tanne ist besonders dargestellt.
144. Farbenstudien von Pflanzen und Wurzeln.
145. Kreidezeichnung eines knieenden Christuskindes mit den Leidens-Instrumenten.
146. Ein lesender Heiliger, in der linken Hand eine Palme haltend, auf grau Papier, weiß gehöhet, vom Jahre 1520.
147. Ein Jüngling mit einem Lockenkopf unter einem Baume, welcher die Viola spielt, sehr schöne Farbenzeichnung mit der Jahrszahl 1507, die Umrisse mit der Feder.
148. Ein knieender Heiliger, hinter ihm der Henker.
149. Erster Entwurf zu dem Kupferstich des verlorenen Sohnes, B. 28. Sehr schöne Federzeichnung; die Figur des verlorenen Sohnes und ein Theil der Schweine sind ausgeführt, das Uebrige -- namentlich die Gebäude -- ist nur angelegt.
150. Nürnberger Matrone in ganzer Figur, dieselbe, welche auf dem Holzschnitt der Vermählung in »unser Frauen Leben«, B. 82, vorkommt.
151. Colorirte Zeichnung, welche eine weibliche Figur mit brennender Fackel darstellt, zu welcher ein von Bienen verfolgter Amor läuft. Neben diesem sieht man drei Bienenkörbe, von denen der eine umgestürzt ist. Zur Seite steht »Pluto« und
»Der Bienen stich bringt großen Schmerz So auch die Lieb verwundt manches Hertz Mit Freud an Lust mit Angst und Qual Lieb ist voll Honig und bitter gall.«
152. Die allegorische Figur des Mammons mit dem Merkurstabe, welcher die verschiedenen Stände an Ketten nach sich zieht, einen Kaufmann, einen Gelehrten, einen Krieger, ein Frauenzimmer. Colorirte Zeichnung.
153. Eine Federzeichnung auf braunem Grunde, den oberen Theil eines Portals mit acht reizenden Knaben darstellend, mit dem Wappen des Cardinals Longius von Augsburg, Bischof von Gurk, zur Zeit Julius II.
154. Studie in Kreide von zwei Unterarmen und Händen, vom Jahre 1518.
155. Vortreffliche Federstudie von Armen und Händen zu einer Eva, welche den Apfel faßt, und einem Adam. -- Daneben Felsenstudien.
156. Drei Entwürfe mit der Feder auf schwarzem Hintergrunde, in jedem eine Eva mit dem Apfel in einer anderen Stellung darstellend.
Zwei davon sind mit der Jahrzahl 1506, einer ist 1507 bezeichnet.
157. Entwurf eines Apollo, in der Hand eine Sonne, in welcher der rückwärts geschriebene Name Apollo steht.
158. Umriß einer weiblichen Figur, mit einem eingetheilten Zirkel, vom Jahre 1500. Der Grund ist grün schraffirt und auf der Rückseite befindet sich dieselbe Figur mit Eintheilungen. Auf einem Blatt in klein Folio daneben steht eine Erklärung in 44 Zeilen von Dürer’s Hand. -- Es ist dies wohl einer der ersten Versuche zu dem von Dürer mit so unglaublicher Ausdauer und Sorgfalt während seines ganzen Lebens vorbereiteten Werke »Vier Bücher von menschlicher Proportion, 1528.[75]
159. Umriß einer fortschreitenden männlichen Gestalt, von der Seite gesehen, mit der Jahrszahl 1526, anscheinend Studie zu demselben Werke, denn auf der Rückseite ist dieselbe Figur mit mathematischen Einteilungen.
160. Umriß derselben Figur, von vorn gesehen, ebenfalls mit Einteilungen auf der Rückseite, vom Jahre 1526.
161. Zeichnung vom Jahre 1509, oben rund. Sie stellt Gott Vater, von Engeln umgeben dar, unten sind Engel, welche Teufelsgestalten niederstürzen, rechts zur Seite wird einem knieenden Manne -- augenscheinlich Portrait -- von einem Engel zugesprochen.
162 und 163. Colorirte Federzeichnungen zu einem Schuh in natürlicher Größe, nebst dabei geschriebenen Erläuterungen.
164. Federzeichnung des St. Antonius des Einsiedlers mit Kreuz und Glocke, welcher in einem Buche liest.
165. Colorirte Zeichnung zweier fliegender Engel, welche eine Krone tragen.
166. Ein Kameel, auf beiden Seiten des Blattes mit der Feder gezeichnet, aus der Sammlung des Sir Peter Lely.
167. Eine Maria mit dem Kinde auf einer Rasenbank sitzend, in einem reichen weit ausgebreiteten Gewande; reizende, sehr leichte Federzeichnung, mit der Jahrszahl 1503.
=ad 5.= In dem =Königlichen Kupferstich-Cabinet= zu =Berlin=, besteht der Hauptschatz Dürer’scher Zeichnungen in 57 Portraitskizzen aus der früheren Sammlung des Herrn von Derschau in Nürnberg, welche zu der etwa gleichen Zahl gehören, die Heller aus derselben Sammlung erwarb und in seinem Leben und Werken Albrecht Dürer’s, pag. 21 bis 34, näher anführt und beschreibt. --
Sämmtlich sind sie mit Kohle und Kreide meist sehr leicht gezeichnet und die dargestellten Personen nach links gewendet, bis auf eine einzige Ausnahme[76], ganz im Profil dargestellt.
Gleich den Hellerschen -- gegenwärtig in der Stadtbibliothek zu Bamberg aufbewahrten -- sind die Zeichnungen silhouettenartig ausgeschnitten und auf starkes weißes Papier geklebt, so daß die Wasserzeichen selten wahrgenommen werden können.
Nach den alten Unterschriften und der Einordnung des Königlichen Kupferstich-Cabinets sind die Dargestellten:
Fürstliche Personen, 10, als:
»Markgraff Jochain Churfürst« »Markgraff Jochain, Sohn« »Frau Margareth,« »Bischoff zu Brandenburg,« »Albrecht Bischoff und Churfürst zu Maintz,« »Der von Anhaldt,« »Geörg Graf zu Wirtenberg,« »Friedrich von Bayern, Pfalzgraff etc.« Zwei ohne Namensbezeichnung.
Vornehme vom Adel, 5, als:
»Ulrich von Hutten,« »Bonaventura Fortenbach,« »Graf Bertolt von Henneberg,« »N. von Emershofer, Teutscher Herr,« »Sigmundt von Dietrichstein.«
Geistliche, 9, als:
»Bischoff zu Trient,« »Mathias Archiepiscob Saltzburg,« »Johannes Administrator Episcop: Ratisp,« »Bischoff zu Speyer,« »Abbas fontis Salicitis,« »Udalricus Abbas S. Pauli, Vallis Lauentenensis,« »Abbas Scti Egidij Nürmberge,« »Prediger bei St. Egidien,« »Melchior Pfintzing Abt zu St. Sebald und St. Victor.«
Patrizier, Nürnberger, 15, als:
»Bernhardt Hürßvogel,« »Felix Hemsin im Hof,« »Geörg Folkheimer,« »Katharina Folkhaimerinn,« »Ulrich Starkh,« »Enders im Hof,« »Georg Schlauderspach,« »Sebaldt Pfinzing,« »Barbara Schedlin,« »Anna Maria Pfinzinginn,« »Martin Pfinzing,« »Thomasin Florianus,« »Lorentz Staiber,« »Friedrich Behaim,« »Herr Heinrich Stainheurl.«
Verschiedene, 18, als:
»Portugales,« »Vintzentz Pumbelt,« »Maister Lucas,« »Hanns Tummer,« »Häug Huebner,« »Hoffräulein bey der E. Herzoginn Margareth,« »Jacob Ponisio,« »Braun Engel,« »Maister Conrad Schnitzer,« »Heinrich Schlicke,« »Maister Mathes Parbierer,« »Thomas Polonius,« »Hoffräulein bey der E. H. Margareth,« »Maister Hans Voltz Parbierer,« Vier ohne Namensunterschrift.
Ausser diesen Portraitskizzen, die ohne Zweifel von den Skizzenbüchern herrühren, welche Dürer mehrfach in dem Tagebuche seiner niederländischen Reise erwähnt, von denen aber nur etwa ein Dutzend dieser Reise angehören, besitzt das Cabinet drei ausgeführtere Portraitzeichnungen in Kreide.
1. Ein besonders schönes kräftig gezeichnetes männliches Brustbild, 13 Zoll 6 Linien hoch, 9 Zoll 6 Linien breit, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1520 bezeichnet.
Das etwas zur Linken dem Beschauer zugewendete Gesicht ist zu beiden Seiten durch volles Lockenhaar gehoben, welches ein barettartiger Hut bedeckt.
2. Ein nach rechts gewendeter Frauenskopf mit Dürers Monogramm, hoch 11 Zoll, breit 8¾ Zoll, kräftig schattirt.
3. Weibliches Brustbild mit halb geschlossenen Augen, etwas nach rechts gewendet und leicht colorirt, mit der Jahrszahl 1505 und dem Monogramm bezeichnet. Hoch 10 Zoll, breit 7½ Zoll. Der Kopf ist mit einem Schleier bedeckt.
Die Zahl der übrigen dem Albrecht Dürer zugeschriebenen Zeichnungen beläuft sich auf 62 Blatt, doch ist manches darunter was zweifelhaft sein, mehreres, welches unserm Meister entschieden nicht angehören dürfte.
Ausgezeichnet schön ist ein Studienblatt ohne Monogramm und Jahrszahl, hoch 14 Zoll 6 Linien, breit 10 Zoll 7 Linien, auf welchem ausser zwei Muscheln, zwei Flügel eines Vogels und mehrere einzelne Federn mit der höchsten Farbenpracht und der bewundernswürdigsten Feinheit des Pinsels in Wasserfarben ausgeführt sind. Sie gehören zu dem Schönsten welches Dürer in dieser Art gearbeitet hat.
Nicht minder schön und vollendet ist der Flügel eines Vogels, ebenfalls in Wasserfarben, aus der berühmten Crozat Mariette’schen Sammlung, Hoch 6 Zoll 7 Linien. Breit 4 Zoll 8 Linien mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1500 bezeichnet.
Die Federn sind schwarz mit weißen Spitzen und einigen grünen gemischt.
Von den zahlreichen Darstellungen von mancherlei Thieren und Inseckten, letztere in natürlicher Größe, die Thiere meist in kleinem Format und colorirt, sind 20 Blatt wohl entschieden ächt.
Unter den übrigen colorirten Zeichnungen verdienen besonderer Beachtung:
Die Darstellung eines Bades in einem von hohen Felsen umgebenen Wasser-Bassin mit zwei Frauen und vier Männern, von denen der eine die Geige spielt.
Die Zeichnung ist hoch 11 Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 6 Linien, und scheint nach einer zweizeiligen Unterschrift von Dürer’s Hand, welche sich auf die Ausführung bezieht, als Modell für eine Goldschmieds-Arbeit, entworfen zu sein.
Ein runder auf zwei Vogelbeinen stehender Kessel auf dessen Deckel ein Löwe ruhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1513 bezeichnet, darüber ist eine Bandrolle mit der Inschrift FORTES FORTUNA JUVAT. Hoch 10 Zoll, breit 8 Zoll.
Ausgeführte Federzeichnungen und Entwürfe zu bekannten Kupferstichen oder Holzschnitten Dürer’s fehlen der Sammlung, doch stellt eine artige Federzeichnung einen auf dem linken Knie ruhenden Kriegsmann dar, der in der linken Hand einen Hahn, mit der rechten einen Becher empor hält. Sie ist hoch 9 Zoll 4 Linien, breit 6 Zoll 7 Linien und hat das Monogramm mit der Jahrszahl 1501.
Eine leichte Federzeichnung mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1510 hoch 8 Zoll 9 Linien, breit 6 Zoll 2 Linien zeigt den heiligen Augustinus stehend.
Ausgezeichnet ist ein mit dem Monogramm versehener leichter Federentwurf, hoch 7 Zoll 10 Linien, breit 12 Zoll, welcher fast nur in Umrissen den von verschiedenen Nationen und Ständen getragenen Erlöser darstellt.
Christus sitzt, als Mann der Schmerzen, umgeben von Maria und Johannes, auf dem Rande eines viereckten Brunnen-Beckens, unter einem geschweiften und verzierten Thronhimmel. An drei Seiten des Beckens sieht man Delphine, auf welchen musicirende Engel sitzen. Es wird durch zwei lange Tragstäbe auf den Schultern von 15 Männern getragen, von denen 7 vorn und 8 hinten gehen und welche verschiedene Nationen und Stände, jedoch mit Ausnahme des Wehrstandes, darstellen.
Ein fast lebensgroßer liegender Haase, von vorn gesehen, in Wasserfarben auf Pergament, hoch 13 Zoll, breit 9 Zoll 6 Linien, hat neben dem Monogramm die Jahrszahl 1528.
Ein nach rechts gewendeter Christuskopf mit der Dornenkrone, in einer Rankeneinfassung wie man solchen wiederholt von unserm Meister antrifft, ist hier auf grünem Grunde mit Gold gehöhet, und auf einem Täfelchen neben dem Monogramm mit 1510 bezeichnet.
Ein Blatt von präparirtem Papier aus einem der Skizzenbücher Dürer’s, hoch 7 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 6 Linien, ist auf beiden Seiten mit je zwei sehr fein mit einem Metallstift gezeichneten Landschafts-Studien bedeckt, die eine davon ist leicht colorirt. Darüber stehen auf einer Seite undeutliche Inschriften und die Jahrszahl 1514. Auf der andern Seite liest man von Dürer’s Hand »Kaltemstall bei stuckart 1515«, wonach anzunehmen sein dürfte: daß Dürer die in diesem Jahre angetretene Reise nach Augsburg auch weiter ausgedehnt habe.
=ad 6.= Die Sammlung Dürer’scher Zeichnungen des verdienstvollen =Joseph Heller= ist dessen letztwilliger Verfügung zufolge, welche seinen ganzen Kunstnachlass der Stadt =Bamberg= überwies, gegenwärtig der dortigen Stadt-Bibliothek einverleibt und wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends, Jedermann zugänglich. Der frühere Besitzer hat dieselbe im 2. Band seines Lebens u.s.w. Albrecht Dürer’s pag. 19 bis 34 beschrieben.
Von besonderem Interesse ist darin die bedeutende Zahl der ausgeschnittenen Portrait-Skizzen, in Kohlen und Kreide, aus Dürer’s Skizzen-Büchern, welche vorher im Besitz des Herrn von Derschau in Nürnberg waren, und von denen mehr als 30 nach dem Tagebuche unsers Meisters, auf dessen Niederländischer Reise gezeichnet sind. Sonst ist mehreres Zweifelhafte unter den Blättern, von großer Schönheit indeß der auf Pergament in den glänzendsten Farben ausgeführte Flügel eines Vogels.
=ad 7.= Die von dem verstorbenen Senator Dr. =Klugkist= in =Bremen= mit dem regsten Kunsteifer und unter besonders glücklichen Umständen zusammengebrachte reiche Sammlung der Werke Albrecht Dürer’s hat derselbe seiner Vaterstadt vermacht, wo sie in der dortigen Kunsthalle verwahrt wird. Sie enthält an Dürer’schen Zeichnungen 33 Stück, welche früher der von Grünling’schen Sammlung in Wien angehörten und von Heller pag. 120 und folgende unter den Nummern 1, 2, 4, 6, 8, 10, 11, 12, 14, 16, 17, 18, 19, 20, 22, 23, 25, 27, 28, 31, 32, 35, 36, 39, 40, 41, 43, 44, 45, 46, 48, 49 und 50 beschrieben sind.
Nicht alle haben gleichen Werth, einige sind zweifelhaft, dagegen befinden sich auch darunter verschiedene ganz vortreffliche Blätter, sehr interessante Studien von Gewändern und Händen, sowie Landschafts-Skizzen nach der Natur von Dürer’s Reisen und die merkwürdige von Heller unter Nr. 28 aufgeführte Zeichnung, welche mit der Jahrszahl 1489 und noch nicht mit dem Monogramm, sondern den bei einander stehenden Buchstaben AD bezeichnet, einen höchst interessanten Blick in die frühesten Kunstleistungen unsers Künstlers thun läßt.
Ausser diesen Zeichnungen der von Grünling’schen Sammlung befinden sich noch folgende sehr beachtungswerthe Arbeiten Dürer’s in dieser Sammlung, als:
1. Brustbild des Cardinal-Churfürsten Albert von Mainz, Federzeichnung vom Jahre 1518, hoch 5 Zoll, breit 3 Zoll 9 Linien.
Es ist die Zeichnung, welche zu dem Kupferstiche B. Nr. 102 gedient hat, und die Schrift ist, um bequemer danach zu arbeiten, verkehrt geschrieben.
2. In einer Landschaft hält rechts ein Kaiser zu Pferde mit Gefolge, vor ihm kniet ein Mann, anscheinend ein Verbrecher, welcher nach der links auf einer Anhöhe sichtbaren Richtstätte geführt werden soll. Hinter ihm ist ein Soldat mit anderen nachfolgenden. Sehr reiche Federzeichnung, hoch 9 Zoll 6 Linien, breit 8 Zoll.
3. Männliche Figur auf beiden Seiten des Blattes gezeichnet zu dem Werke «der menschlichen Proportionen« mit Zahlen und Bezeichnungen, auch der Jahrszahl 1513 versehen, feine Federzeichnung, hoch 10 Zoll 4 Linien, breit 8 Zoll 9 Linien.
4. Eine leicht colorirte Zeichnung, welche einen Bauer und eine Bäuerin neben einander stehend darstellt. -- Sie umfaßt ihn lachend von hinten und fühlt mit ihrer linken Hand in des Mannes Munde nach dessen Zähnen. Mit 1515 bezeichnet, hoch 11 Zoll, breit 6 Zoll 4 Linien.
5. Federskizze zu dem Holzschnitt der Tod der Maria in »unser Frauen Leben«, B. Nr. 93, hoch 11 Zoll, breit 8 Zoll, aus der Sammlung Esdale.
6. Federzeichnung, welche die heilige Catharina sitzend darstellt, neben ihr das Rad und die Jahrszahl 1526. Hoch 9 Zoll, breit 7 Zoll 3 Linien.
7. Ein Dampfbad voll Frauen und Kinder, unter welchen sich eine sehr dicke alte sitzende Frau sowohl durch ihre Häßlichkeit als einen wunderbaren runden Aufsatz des Kopfes auszeichnet.