Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen

Part 10

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und dem entspricht die Darstellung, welche auf einem erhöheten Sitze vor einem Pulte einen Geistlichen zeigt, der aus dem vor ihm aufgeschlagenen Evangelienbuche einen Vortrag hält, dessen Erleuchtung, durch den heiligen Schein und die herbeifliegende Taube bezeichnet wird.

Drei vor ihm sitzende Ordensbrüder hören mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zu und einer von ihnen notirt das Vernommene in ein Buch.

Auffallend ist das leere Feld in Form einer Chorstuhlswand zur Seite des Redners.

Ein ganz gleiches, nur mit der Anlage einer Ranken-Einfassung, findet sich auf einer ähnlichen Federzeichnung Dürer’s in der Sammlung des Herrn Rudolph Weigel in Leipzig, und auch Prestel hat das fac-simile einer andern Zeichnung unsers Meisters mit einem genau so geformten Felde gestochen. Hier ist dasselbe aber mit einem verzierten Rande umgeben und durch ein Familienwappen ausgefüllt, wonach es scheinen möchte: daß Dürer für eine bestimmte Familie eine Folge solcher geistlicher Darstellungen zu entwerfen gehabt habe.

Die Federstriche meiner Zeichnung sind in dem vorliegenden Holzschnitt mit großer Geschicklichkeit und Treue wiedergegeben, wenn gleich der Geist und das Lebendige derselben durch die Uebertragung einige Beeinträchtigung erlitten hat; doch findet man dieses auch oft bei Holzschnitten Dürer’s, sobald er nicht selbst das Messer geführt hat, wenn man sie mit den Original-Entwürfen vergleicht. --

* * * * *

Hiermit schließe ich meine Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s, wie solche von Bartsch in seinem peintre graveur als Originale aufgeführt sind; da ich es nicht wage, mich auf das schwierige Feld der zweifelhaften Blätter zu begeben, welche Bartsch in dem Appendix zusammengestellt hat, deren Zahl aber durch Heller ansehnlich vermehrt ist und noch fortdauernd durch eifrige Sammler, mit und ohne Grund, vervollständigt wird.

Das Sammeln dieser Blätter ist von mir nie systematisch betrieben und ihre Beschaffenheit daher auf meinen Reisen auch nicht hinlänglich berücksichtigt, da, wenn gleich einzelne schöne Kunstleistungen sich darunter befinden, die mit unserm vortrefflichen Meister gleichzeitig und desselben vollkommen würdig sind, die Mehrzahl doch nur gering an Kunstwerth ist, und dem Dürer keineswegs angehört.

Ich muß es den Sammlern, welche zur Vervollständigung ihres Dürer-Werkes, es für erforderlich halten, die sämmtlichen von Heller aufgeführten und sonst aufgefundenen zweifelhaften Blätter zusammen zu bringen, überlassen: eine Prüfung der Papiere und ihrer Wasserzeichen bei den verschiedenen Abdrücken vorzunehmen, bei denen die, wegen der Priorität der Wasserzeichen, von mir gemachten Bemerkungen immer nützliche Anhaltspunkte gewähren können. --

Die gedruckten Werke Albrecht Dürer’s

Als Nachtrag zu meinen Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s glaube ich auch, die höchst interessanten gedruckten Werke desselben berücksichtigen zu müssen, da solche so sehr reich mit Holzschnitten ausgestattet sind, von denen Bartsch nur einzelne unter Nr. 146 bis 149 in seinem peintre graveur aufgenommen hat.

In Beziehung auf die zu diesen gedruckten Werken verwandten Papiere findet man die bei den alten deutschen Druckwerken im allgemeinen beobachtete Gewohnheit: verschiedene Papiersorten oft ohne regelmäßige Reihenfolge zu benutzen, in reichlichem Maße befolgt.

1. Die älteste Ausgabe eines Dürer’schen Werkes ist die im Jahre 1525 gedruckte

»Underweysung der messung, mit dem zirckel vn̄ richtscheyt, u.s.w.

In dieser kommen Papiere mit folgenden Wasserzeichen vor:

a) Der Henkelkrug, Nr. 33, mit Entfernung der Drathstriche von 13 Linien;

b) Die große hohe Krone, Nr. 21, jedoch in etwas abweichender Form, auch wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, Entfernung der Drathstriche 14¼ Linien;

c) Der kleine Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der Drathstriche 12½ Linien;

d) Der Ochsenkopf mit dem Caducaeus, Nr. 31, Entfernung der Drathstriche 13¾ Linien;

e) Der Anker im Kreise, Nr. 30, Entfernung der Drathstriche 14¼ Linien.

Die zweite Ausgabe dieses Buches, im Jahre 1538 durch Hieronymus, Formschneyder gedruckt, enthält in den Papieren folgende Wasserzeichen:

a) Eine schmälere hohe Krone, oft mit einem fünfstrahligen Stern über dem Kreuz, Nr. 36, Entfernung der Drathstriche 11½ Linien;

b) Den kleinen Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der Drathstriche 12 Linien;

c) den größeren Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, Entfernung der Drathstriche 12½ Linien.

2. Das im Jahr 1527 herausgegebene Werk:

»Etliche Underricht, zu befestigung der Stett, Schloß, vnd flecken«

Dasselbe hat vorherrschend Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, und 12½ bis 13¼ Linien Entfernung der Drathstreifen, doch gemischt mit solchem, in dem sich die schmälere hohe Krone, Nr. 36, befindet, deren Drathstriche 11½ bis 12½ Linien Entfernung haben.

Bartsch hat übrigens Unrecht gehabt: das schöne Titelblatt dieses Werkes mit dem Wappen des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich nicht unter den einzelnen Holzschnittblättern aufzuführen. Ich möchte glauben: daß es ein eigenhändiger Schnitt unsers Meisters sei, auch hat er selbst Werth darauf gelegt, wie ein in Farben gedrucktes Exemplar desselben beweist, welches Dürer, der von seiner Hand darauf befindlichen lateinischen Inschrift zufolge, seinem auch aus dem niederländischen Tagebuche bekannten Freunde Christoph Koler verehrte.[66]

3. Dürer’s Hauptwerk:

»Vier Bücher von menschlicher Proportion.«

An diesem hat unser Meister nach den zahlreichen noch vorhandenen Federskizzen und Studien dazu, während des größesten Theils seines Lebens gearbeitet. -- Es wurde, nach der in der Königlichen Bibliothek in Dresden vorhandenen Originalhandschrift des ersten Buches, im Jahre 1523 beendigt, aber im Jahre 1528 gebessert und zum Druck hergerichtet,[67] doch erlebte Dürer die Herausgabe, welche am 31. October 1528 erfolgte, nicht mehr.

Die Papiere dieser Ausgabe haben das Wasserzeichen:

a) der schmalen hohen Krone mit Kreuz, Nr. 36;

b) derselben mit Stern über dem Kreuz; beide mit Abstand der Drathstreifen von 11½ Linien;

c) des Reichsapfels mit fünfstrahligem Stern und 11¼ Linien Entfernung der Drathrippen.

Die sechs Jahre später, im Jahre 1534 veranstaltete Ausgabe der lateinischen Uebersetzung dieses Werks durch Bilibald Pirckheimer hat im Papier

a) das Wasserzeichen des größeren Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, Abstand der Drathstriche 11½ Linien;

b) dasjenige des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31, Abstand der Drathstriche 14 Linien;

c) der schmäleren hohen Krone mit Kreuz und Stern, Nr. 36, mit 11½ und 17½ Linien Entfernung der Drathstriche. --

FUSSNOTEN:

[20] S. Leben Albrecht Dürer’s, von Roth. Leipzig 1791. pag. 41. vergl. Archiv des historischen Vereins von Unterfranken. 14. Band. 2. Heft.

[21] z.B. In der Ambraser Sammlung zu Wien, auf der Königlichen Bibliothek zu Dresden und in der Kupferstich-Sammlung des Friedensteins zu Gotha.

[22] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s. 2. Bd. pag. 21.

[23] Diese Notizen verdanke ich der Güte meines verehrten Freundes, des in allem, was alte Kunst und besonders alte Drucke betrifft, höchst erfahrenen Herrn Senator Culemann hierselbst, welcher mich überhaupt durch seine Einsicht wesentlich bei diesem Abschnitt zu unterstützen die Gewogenheit gehabt hat.

[24] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst von C.Fr. von Rumohr. Leipzig 1837. pag. 82 und 83.

[25] Von den Sachverständigen pflegt das Vorkommen von Kreuzschraffirungen als ein Beweis gegen die Eigenhändigkeit Dürer’scher Holzschnitte angeführt zu werden, indem er bei der großen Mühe und Arbeit, welche jene veranlassen, bei _eigenem_ Schnitt sie vermieden haben würde. S. u.a. Jackson treatise on wood engraving. London 1839.

[26] S. Heller, 2. Theil, pag. 636.

[27] S. denselben, pag. 931.

[28] S. Bartsch peintre graveur, vol. 14, pag. 410.

[29] S. Leben Albrecht Dürer’s von J.F. Roth. Leipzig 1791. pag. 45.

[30] Mayländer Ausgabe. Vol. 10. pag. 196 und 197.

[31] S. Heller, Theil 2, pag. 550 und 551. Die Monogrammisten von Dr. G.K. Nagler, 3. Heft, pag. 182.

[32] Vgl. meinen Aufsatz in dem Archiv für die zeichnenden Künste, von Naumann, Heft 1. pag. 54.

[33] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Bd. pag. 602.

[34] Das K. Kupferstich-Cabinet in Stuttgart bewahrt ein solches noch unzerschnittenes Exemplar auf 9 Blatt, vier Holzschnitte auf jedem, welche mit etwas beschnittenem Rande in der Höhe 11, in der Breite 8 Zoll messen. Acht Blätter haben das oben bezeichnete Wasserzeichen, das neunte dasjenige des Wappen von Nürnberg, Nr. 41.

[35] Nach der Vorrede zu Henry Cole’s »Albert Durer’s Passion of our lord« London 1844, pag. 7, befand sich in England nur _ein_ completes Exemplar im Besitze des Mr. Pickering. Sie fehlte im British Museum, in Oxford u.s.w.

[36] Vgl. auch die Monogrammisten von Dr. Nagler, 3. Heft, pag. 184.

[37] Vgl. Abschnitt 3.

[38] Heller, pag. 617.

[39] Man findet sie in der Sammlung des Erzherzog Albrecht in Wien, in der Königl. Kupferstich-Sammlung in Stuttgart, auf dem Friedenstein zu Gotha, und in dem Museo zu Bremen, hier aus der Sammlung des Herzogs von Buckingham.

[40] Bartsch. Vol. 14, pag. 410.

[41] Hiernach sind die nicht ganz genauen Angaben Heller’s, pag. 677, zu berichtigen.

[42] S. De quelle manière prenait on les bains du temps de Charles Quint par le Dr. Straeter. Aix la Chapelle 1858, welchem geistreichen Schriftchen ich in Beziehung auf die Zeit der Anfertigung des Holzschnitts aus den vorher angeführten Gründen nicht beipflichten kann. Vgl. auch Dr. v. Eye, Leben und Werke Albrecht Dürer’s, pag. 164 ff.

[43] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 82.

[44] Diese Berichtigung, nach dem betreffenden Exemplare in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin, verdanke ich der Güte des zeitigen Directors desselben Herrn Professor Hotho.

[45] Le peintre Graveur, vol. VII, pag. 19.

[46] Vergleiche pag. 89.

[47] Bei den Bemerkungen wegen der Nr. 1 bis 5 bin ich durch die bereitwillige Gefälligkeit des Herrn Professor Grüner, Director der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Dresden, wesentlich unterstützt.

[48] Pag. 690.

[49] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 88.

[50] Die Monogrammisten, pag. 199.

[51] Vgl. Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 2. Jahrgang, pag. 91.

[52] Siehe die Nachricht des Etatsraths Thiele hochverdientem Director der Copenhagener Kupferstich-Sammlung im Berliner Kunstblatt vom Jahre 1853, pag. 178.

[53] Quellen und Forschungen zur Vaterländischen Geschichte, Wien 1848.

[54] Kunstblatt von 1830, pag. 104.

[55] Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108.

[56] Siehe die Monogrammisten von Nagler, 3. Heft, pag. 198.

[57] S. Campens Reliquien, pag. 113.

[58] Vgl. in der 3. Abtheilung die Dürer’schen Handzeichnungen.

[59] S. Kunstblatt vom Jahre 1832, pag. 329 und 330.

[60] Bartsch, Vol. 3, pag. 72.

[61] Heller, Zusätze zum Bartsch.

[62] S. Nürnbergs Bedeutung von Otto Gabler, pag. 32.

[63] Die Monogrammisten, 3. Heft, pag. 208.

[64] Diese Nachweisung verdanke ich meinem verehrten Freunde Herrn W.H. Carpenter, Director des print-room des British-Museums.

[65] Nur durch Unbekanntschaft mit einer namhaften Zahl Dürer’scher Federzeichnungen läßt es sich erklären, wenn C.Fr. von Rumohr in seiner Schrift »Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst«, pag. 29, sagt, daß »bekanntlich unter den zahlreichen originalen Handzeichnungen alter Zeit -- keine bisher sich angefunden, welche irgend einem Holzschnitte hinlänglich entspräche.«

[66] Dieser Abdruck befindet sich in der Sammlung des Verfassers.

[67] Vgl. Becker, A. Dürer’s eigenhändige Schriften in Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste, 1858, 1. Heft, pag. 20 u. ff.

Abschnitt III.

Die Handzeichnungen Albrecht Dürer’s.

Nichts ist geeigneter, einen richtigen Begriff von der Vielseitigkeit des Talents, dem unermüdlichen Fleiße, der strengen Gewissenhaftigkeit und der hohen Meisterschaft Albrecht Dürer’s zu gewähren, als seine zahlreichen Skizzen, Studien und ausgeführten Zeichnungen.

Man verdankt es ohne Zweifel der hohen Anerkennung, welche unser Meister schon bei Lebzeiten und gleich nach seinem Tode gefunden hat, daß eine so große Zahl dieser Entwürfe und Handzeichnungen, zum Theil noch in gutem Zustande, sich bis auf unsre Zeiten erhalten hat, doch sind sie sehr zerstreut; die Bearbeitung eines vollständigen mit Einsicht entworfenen und geordneten Verzeichnisses derselben, würde daher ein großes Verdienst sein und ein ganz neues Licht über Albrecht Dürer’s Kunstleistungen verbreiten, da derselbe, in seinen Zeichnungen, durch technische Schwierigkeiten weniger beengt als bei den Gemälden, seinem Gefühle und seinem Genius freien Lauf lassen konnte.

Heller hat in seinem Leben Albrecht Dürer’s manches Verdienstliche auch über seine Zeichnungen zusammen getragen, doch ist sein Verzeichniß weder vollständig noch mit gehöriger Kritik entworfen.

Ich selbst fühle mich zu einer solchen Arbeit nicht mehr befähigt, doch will ich in Nachfolgendem für die Freunde Dürer’scher Kunst einige Notizen über die mir bekannt gewordenen Zeichnungen geben, und bei denjenigen in öffentlichen Sammlungen befindlichen, welche mir in den letzteren Jahren zugänglich gewesen sind, auch auf das Einzelne derselben näher eingehen, zugleich aber meine Beobachtungen über die dazu verwendeten Papiere und ihrer Wasserzeichen mittheilen.

Die bedeutendsten Schätze von Dürer’schen Zeichnungen, befinden sich gegenwärtig in folgenden öffentlichen Sammlungen, als:

1) In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

2) Im print-room des britischen Museums.

3) In der Kaiserlichen Handzeichnungs-Sammlung in Paris.

4) In dem Handzeichnungs-Cabinet der Ufficij in Florenz.

5) Im Königlichen Kupferstich-Cabinet in Berlin.

6) In der ehemaligen Heller’schen Sammlung auf der Stadtbibliothek zu Bamberg.

7) In der ehemaligen Klugkist’schen Sammlung in der Kunsthalle zu Bremen.

8) Auf der Königlichen Bibliothek zu Dresden.

9) Auf der Königlichen Bibliothek zu München.

10) Auf der Stadtbibliothek zu Nürnberg.

Einzelne schöne Zeichnungen sind noch:

11) In der Ambraser-Sammlung in Wien.

12) Im Städel’schen Institut zu Frankfurt a.M.

13) Im Königlichen Kupferstich-Cabinet zu München.

14) In der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Dresden.

15) In der Akademie alla Carità zu Venedig.

16) In der Ambrosiana zu Mailand.

17) In der Kupferstich-Sammlung auf der Festung zu Coburg.

18) In dem Herzoglichen Museo zu Braunschweig.

19) Auf der Universitäts-Bibliothek zu Erlangen.

Auch in mehreren Privat-Sammlungen in Deutschland giebt es einzelne schöne echte Zeichnungen Dürer’s, die wichtigsten sind in der kostbaren Handzeichnungs-Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg; die größte Zahl dürfte wohl meine eigene Sammlung enthalten.

In England befinden sich ebenfalls noch manche Dürer’sche Zeichnungen im Privatbesitz, zum Theil aus der berühmten Sammlung des Sir Thomas Lawrence herstammend, aus welcher nach dessen Tode hundert Zeichnungen von Albrecht Dürer durch die Gebrüder Woodburn in London für 800 L. Sterling verkauft wurden.[68]

Eine bedeutende Zahl dieser letzteren Zeichnungen war früher im Besitz des französischen Generals Grafen Andreossi, welcher gleich nach der Einnahme Wiens im Jahre 1709 einen großen Schatz, durch ihre vollkommene Erhaltung besonders ausgezeichneter Entwürfe Dürer’s, an sich zu bringen gewußt hat. Andere kommen aus den älteren Englischen Sammlungen des Sir Peter Lely, W. Young Ottley, Lord Spencer, J. Richardson, P. Sanby, R. Cosway, sowie aus den bekannten Sammlungen des Chevalier Vicar und Denon.

Die Zahl der in den vorherbezeichneten öffentlichen Sammlungen enthaltenen Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen übersteigt 1000 -- und da ein großer Theil davon mit der Jahrszahl versehen ist, welche bis auf die ältesten Zeiten 1484, 1489, 1491 und 1494 hinauf reichen, so gewähren sie auch in Beziehung auf die Entwickelung unsers Künstlers die wichtigsten Anhaltspunkte.

Ueber die öffentlichen Sammlungen bemerke ich folgendes:

=ad 1.= Die =Sammlung= des =Erzherzogs Albrecht= in =Wien= ist für Dürer’sche Zeichnungen unstreitig die bedeutendste, da sie eine überwiegende Zahl ganz ausgeführter Zeichnungen, sowie Skizzen und Entwürfe zu mehreren seiner Hauptwerke enthält. Dieser Schatz -- großenteils von den Kaisern Maximilian und Rudolph II. herstammend, früher im Schloß Ambras aufbewahrt -- kam bekanntlich durch Tausch gegen Kupferstiche in den Besitz des Gründers jener Sammlung, des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. Das Geschäft scheint durch den damaligen Conservator der Herzoglichen Kupferstich-Sammlung, Namens Lefevre vermittelt zu sein, wenigstens geschah durch ihn die Aussonderung des erhaltenen sehr zahlreichen Vorraths, aus welchem nur etwa 150 Blatt der Herzoglichen Sammlung einverleibt wurden, während die übrigen theils in die von Grünling’sche Sammlung in Wien, theils in andre Hände übergingen. Acht und vierzig der bedeutenderen dieser Zeichnungen sind in den von Mansfeld u. C^{o.} in Wien veranstalteten Nachbildungen von Handzeichnungen dieser Sammlung durch wohl gelungene fac-simile auch dem größeren Kreise der Kunstfreunde bekannt geworden.

Die vorzüglichsten Zierden dieser Sammlung sind:

Die älteste Zeichnung Dürer’s als Kind vom Jahre 1484, sein eigenes Bildniß.

Die auf grünlich grauem Grunde mit der größten Sorgfalt ausgeführten weiß gehöheten Zeichnungen einer Passion aus den Jahren 1504 und 1505, welche von ähnlichen Darstellungen Dürer’s in seinen Kupferstichen oder Holzschnitten durchgehends abweichen.

Die prachtvollen großen meist sehr vollendeten Portrait-Zeichnungen, aus den Jahren 1508, 1514, 1518 und 1521, darunter die meisterhaften Brustbilder des Kaisers Maximilian und Ulrich Varnbühlers.

Die auf grünlich grauem Grunde ausgeführten, weiß gehöheten Kreide-Zeichnungen zu den großen Aposteln vom Jahre 1523.

Die wundervollen leicht colorirten Feder-Zeichnungen zu dem in Holzschnitt ausgeführten Triumphwagen des Kaisers Maximilian vom Jahre 1518.

Ausserdem sind von großem Interesse: schöne Gewand- und Hände-Studien, sowie die leichten Federskizzen zu bekannten Holzschnitten und Gemälden auch einige Farbenzeichnungen von der bewundernswürdigsten Feinheit und Pracht. Die sämmtlichen Zeichnungen dieser Sammlung sind fest auf Cartons geklebt, und die Wasserzeichen ihrer Papiere daher nicht wahrzunehmen.

=ad 2.= Ueber die in Deutschland früher unbekannte sehr reiche Sammlung von Zeichnungen Dürer’s im =print-room= des =British-Museums= habe ich zwar bereits ein Verzeichniß in dem Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft, veröffentlicht, doch ist der betreffende Aufsatz durch zahlreiche Druckfehler selbst im Sinne entstellt, auch wohl nicht jedem Liebhaber zugänglich gewesen, weshalb ich dieses Verzeichniß hier noch einmal folgen lasse.

1. Die Zeichnung zu dem Holzschnitt B. 136 des Rhinoceros.[69] Sie ist mit höchster Feinheit und Sicherheit ausgeführt von der entgegengesetzten Seite des Holzschnitts, mit einer 3¾ zeiligen Unterschrift von Dürer’s Hand. Darüber steht in römischen nur angerissenen Buchstaben

RHINOCERON. 1515.

2. Ein aufblickender bärtiger Mannskopf, Kreidezeichnung, weiß gehöhet, mit der Jahrszahl 1508.[70]

3. bis 5. Die leicht colorirten Federzeichnungen auf schwarzem Grunde zu dem Holzschnitt der Säule, B. 129,[71] drei Blatt, zu dem oberen, unteren und einem der mittleren Theile, höchst geistreich behandelt.

4. Farben-Studie zu dem hohen Hause, welches Dürer in der Landschaft des Kupferstiches der Jungfrau mit dem Affen, B. 42, angebracht hat. Es scheint der Behandlung nach eine Naturstudie von seiner italienischen Reise in den Jahren 1506-1507. Unten mit seiner Hand bezeichnet

»weiß Hauss«.

5. Ausserordentlich feine Stiftzeichnung von grünlicher Farbe, einen liegenden Hund mit Halsband darstellend. Sie ist mit dem Monogramm versehen aber ohne Jahrszahl, nach der Beischrift von Dürer’s Hand

»zw Ach gemacht«

aber vom Jahr 1520.[72]

Auf der Rückseite zwei weibliche Figuren in verschiedenen Anzügen gezeichnet.

6. Ein bunt gefiederter Vogel, vortrefflich in Wasserfarben gemalt.

7. Lebensgroßer Kopf eines Alten, im Profil gesehen, mit einem sehr langen gelockten Bart und einem Barett auf dem Haupte. Feine Kreidezeichnung auf braun grundirtem Papier mit der Jahrszahl 1518.

8. Portraitkopf eines Mannes in mittleren Jahren, mit Hals und wenig Brust, etwas zur Linken gewendet, mit einem Feder-Barett. Herrliche Kreidezeichnung vom Jahre 1516.

9. Vortreffliches lebensgroßes Bildniß eines jungen Mannes mit großem Hut, zur Rechten gewendet. Mit der Jahrszahl 1521. Das Haar ist gelockt, die Kleidung reich mit Pelzwerk gefuttert. Kreidezeichnung.

10. Der Entwurf eines jüngsten Gerichts, reiche, oben gerundete Federzeichnung, vom Jahre 1513.

11. Angetuschte Federzeichnung, der Behandlung nach für einen Holzschnitt. Sie stellt drei Mönche dar, von denen der eine bemüht ist, den andern aus einem Wasser zu ziehen, während der dritte, mit einem Heiligenschein versehen, aus einem Fenster zuschaut.

12. Eine der frühesten Arbeiten Dürer’s, eine leichte Kreidezeichnung auf weiß Papier, welche eine weibliche Figur vorstellt, mit einem Vogel auf der linken Hand. Zur Seite steht geschrieben:

»Das ist ach alt hat mir Albrecht Dürer gemacht E er zum Moler kam in des Wolgemuths Hus uff dem Oberen Boden in dem hindern Hus in bewesten Kunrat Lomazens Piligen« (Pfleghaus, Gasthaus?).

13. Ein Engelskopf.

14. Zwei Engelsköpfe, von denen der eine sich durch besondere Feinheit auszeichnet.

15 bis 17. Verschiedene mit der Feder gezeichnete Köpfe.

18. Ein kleiner, besonders sorgfältig ausgeführter weiblicher Kopf, weiß gehöhet, nach Prof. Dr. Waagen’s Ansicht zu dem Gemälde Dürer’s, die Lucretia in der Pinacothek zu München, Nr. 93.

19 bis 21. Verschiedene kleine Entwürfe mit der Feder, zwei davon haben die Jahrszahl 1520.

22 bis 24. Kleine mit der Feder skizzirte Portraits, bei dem einen steht neben der Jahrszahl 1503 »Dr. Michael Roten sen:«

25 und 26. Colorirte Studien, zu Köpfen und Händen eines Gemäldes der ehemaligen Boisserée’schen Sammlung.

27. Kopf, Kreidezeichnung vom Jahre 1508.

28. Männlicher Kopf mit einer Mütze, besonders frei gezeichnet in der Art des M. Wohlgemuth.

29. Ein aufblickender, dornengekrönter Christuskopf von sehr leidensvollem Ausdrucke, mit der Jahrszahl 1503. Dabei steht:

»während Krankheit gez:«

30. Ein Kopf in Kohlen und Kreide vom Jahre 1503.

31. Federzeichnung eines alten Kopfes im Profil, bezeichnet 1505.

32. Jugendlicher Kopf mit Mütze, halb zur Seite gewandt. Kreidezeichnung mit der Bemerkung »alt 16 Jahr«.

33. Ein leicht colorirter Frauenkopf mit der Jahrszahl 1510.

34. Ein sehr sorgfältig in Rothstift ausgeführter Frauenkopf.

35. Kindskopf vom Jahre 1519 auf roth Papier mit Kreide gezeichnet und weiß gehöhet.

36. Eine alte Frau auf roth Papier und weiß gehöhet.

37. Ein reizender weiß gehöheter Kindskopf auf grün grundirtem Papier.

38. Ein aufblickender Mannskopf.

39. Eine liebliche Federzeichnung vom Jahre 1514, zwei Kinderköpfe darstellend.

40. Ein in die Höhe sehender Kindskopf auf grau grundirtem Papier, mit Kreide sorgfältig ausgezeichnet und weiß gehöhet vom Jahre 1521, in der Behandlung völlig übereinstimmend mit dem »weinenden Kindlein« von demselben Jahre, aus der ehemaligen Imhoff’schen Sammlung,[73] gegenwärtig im Besitze des Verfassers.

41. Herunterblickender Frauenkopf, auf gelblich blauem Grunde, weiß gehöhet.

42. Lachender alter Kopf, auf dunkelgrünem Papier, weiß gehöhet, mit der Jahrszahl 152‑, die vierte Zahl ist nicht mehr erkennbar.

43. Ein sehr ausgeführter weiß gehöheter Frauenkopf, bezeichnet 1520.

44. Lebensgroßes Frauen-Portrait in Kreide, auf braunem Grunde. Der Kopf ist mit einem Tuche bedeckt, fast wie ein Nonnenschleier, mit der Jahrszahl 1521.