Aladdin und die Wunderlampe Tausend und einer Nacht nacherzaehlt
Chapter 5
Erweckt von süßen Vogelliedern Hob er sich mit gestählten Gliedern Vom Lager zeitig, und gelenkt Von Sehnsucht fiel zu seiner Freude Sein erster Blick auf das Gebäude, Das ihm erschien wie neu geschenkt. Auch die Prinzessin, die vor Kummer Und tausend Ängsten Nacht für Nacht In all der Zeit nur wenig Schlummer Gefunden hatte, war erwacht. Wer aber schildert ihre Wonne, Da vor dem Fenster sich im Strahl Der eben aufgegangnen Sonne Leibhaftig vorfand ihr Gemahl! Erst wechselten sie hundertfach Kußhände, Grüße, Flüsterworte; Dann schlich durch eine kleine Pforte Verstohlen er in ihr Gemach.
Versteht sich, daß die Neuvereinten Sich herzten, sich im Überschwang Umschlungen hielten endlos lang Und heiße Freudentränen weinten In ihres Wiedersehens Rausch. Zuletzt indessen unterbrach Der Zärtlichkeiten holden Tausch Bedeutsam Aladdin und sprach: "Vergib mir, mein geliebtes Weib, Ich muß, eh wir einander klagen, Was wir erlebt in diesen Tagen, Vor allem dich nach dem Verbleib Der unscheinbaren Lampe fragen, Die, während ich zur Jagd gezogen, Im Saale stand auf einem Spind." "Ach," seufzte sie, "sei nur gelind! Ich selber wurde ja betrogen. Längst ahnt mir, daß uns ihretwegen Ereilte dieser Schicksalsschlag." Drauf Aladdin: "Da sie zu hegen Ich töricht unterlassen, lag Die Schuld an mir. Doch jetzt erwägen Wir besser, was den Schaden heilt. Drum sag' mir, wo sie hingeraten."
Sobald sie dies ihm mitgeteilt, Rief er: "Ich rieche nun den Braten! Den Händler kenn' ich! Dieser Schuft, Schon einmal wollt' er mich vernichten." Sie fuhr dann fort, ihm zu berichten, Wie nachts unmerklich durch die Luft Entführt, sie morgens beim Erwachen Sich hier in diesem fremden Land Befunden, Afrika genannt, Und wie der Kerl mit frechem Lachen Sich ihr als Schloßherrn vorgestellt. Drauf Aladdin mit Zornesfunken Im Auge: "Solchen Erzhalunken Hat nie zuvor gesehn die Welt. Sprich, hast du nicht vielleicht erfahren, Wo er die Lampe hält versteckt?" Sie gab zur Antwort: "Wohl gewahren Konnt' ich, daß unterm Kleid verdeckt Er sie beständig bei sich trägt. Denn seit ich hier bin, kommt er täglich Zu längerem Besuch und legt Es darauf ab, mich unerträglich Mit ekler Huldigung zu quälen. Ja, mehr noch, er verlangte dreist, Ich solle zum Gemahl ihn wählen, Weil du nicht mehr am Leben seist. Mein Vater habe dir im Zorn Den Kopf herunterschlagen lassen. Dies Lied begann er stets von vorn, Obwohl ich glühend ihn zu hassen Beteuerte. Der eitle Wahn Erfüllt ihn, daß ich auf die Dauer Nicht widerstehe, wenn die Trauer Um dich allmählich abgetan. So hab' ich stets vor seiner List Und seiner Schlechtigkeit gezittert Bis heute, wo du bei mir bist."
"Ihm soll", rief Aladdin erbittert, "Was andres blühen, als er meint. Sei nur getrost! Von diesem bösen, Ruchlosen, ränkevollen Feind Werd' ich uns hoffentlich erlösen. Was auch geschieht, mit Zuversicht Vertraue mir bis zur Entscheidung, Und siehst du später in Verkleidung Mich wiederkehren, staune nicht." Sobald er seines Schlosses Mauern Verlassen, ging er querfeldein Und traf in einem Palmenhain Nach kurzer Wandrung einen Bauern. Er fragte diesen nach dem Wege Zur nächsten Stadt, und ob sein Kleid Mit ihm zu wechseln er bereit. Der Bauer war durchaus nicht träge, Für dieses Fremden reiche Tracht Sein schäbig Zeug daranzusetzen, Und Aladdin, nachdem er sacht Geschlüpft war in die alten Fetzen, Schritt auf den ihm beschriebnen Pfaden Der Stadt entgegen, kam hinein Und fragt' in einem Krämerladen, Ob ein gewisses Pülverlein Zu haben sei. Der Krämer nickte, Betonte nur, weil das geflickte Gewand des Käufers ein Beweis Der Armut schien, den hohen Preis. Doch als der Fremde nicht verlegen Ein Goldstück aus dem Beutel zog, Bracht' er das Pulver ihm und wog Ein Lot ihm ab.
Auf gleichen Wegen Kam Aladdin ins Schloß zurück Und sprach zu seiner Gattin: "Höre! Notwendig für mein Wagestück Ist mir dein Beistand. Ich beschwöre Dich drum, befolge meinen Rat! Wirf dich in deinen schönsten Staat, Schmück' mit Geschmeide dich und Spangen, Um den Entführer, wenn er naht, Mit wärmstem Gruße zu empfangen. Damit kein Argwohn ihn beirrt, Stell' dich, als ob du mich vergessen, Wenn dir's auch noch so sauer wird, Und lad' ihn ein zum Abendessen. Sobald er dann mit dir in frecher Behaglichkeit bei Tische sitzt, Laß ihm kredenzen einen Becher, Gefüllt mit Wein, in den verschmitzt Vorher dies Pulver du gestreut, Und bitt' ihn höflich, dir zu Ehren In einem Zug ihn auszuleeren. Von dieser Bitte hocherfreut Wird er den Wein hinuntertrinken Und leblos auf den Boden sinken, Bevor er noch den Trunk bereut."
Wenn dieses Spiel auch recht verfänglich Ihr vorkam, so versprach sie fest, Sie werde tun, was unumgänglich. Er barg sich für des Tages Rest In einem abgelegnen Flügel Des Schlosses. Als die fernen Hügel Die Dämmerung mit ihrem grauen Gewebe langsam überspann, Rief Bedrulbudur ihre Frauen, Mit deren Beistand sie begann, Aufs wunderbarste sich zu schmücken. Voll Sorgfalt ward ein herrlich Kleid Ihr angelegt und zum Entzücken Verziert mit flimmerndem Geschmeid. Ihr Gürtel, ihre Spangen waren Gleichwie der Reif in ihren Haaren Mit Diamanten dicht besetzt; Und um den Hals die Perlenkette-- Welch noch so große Fürstin hätte Sich glücklich nicht mit ihr geschätzt? Sie sah, nachdem der Putz vollendet, Ihr Bild in einem Spiegel an Und dachte sich: "Wo lebt ein Mann, Der nicht von so viel Reiz geblendet Vor mir die Waffen mußte strecken?" Sie stieg hierauf zum Kuppelsaal Empor, worin schon für das Mahl Ein Tischlein stand mit zwei Gedecken.
Sie hatte noch nicht lang' geharrt, Als pünktlich zur gewohnten Stunde Der Zaubrer eintrat und erstarrt Von so viel reichem Schmuck im Bunde Mit so viel Schönheit stehen blieb. Sie schritt holdselig ihm entgegen, Als wäre sein Besuch ihr lieb, Und tat, als ob nur seinetwegen Sie so verlockend sich und prächtig Gekleidet. Zögernd nahm er Platz, Noch immer keines Wortes mächtig. "Freund, sollte dich der Gegensatz In meiner Stimmung Wunder nehmen," Begann sie lächelnd, "So vernimm, Ich mag mich jetzt nicht länger grämen. Denn daß durch meines Vaters Grimm Mein Gatte seinen Tod gefunden, Davon hast du mich überzeugt. Gesetzt auch, daß ich tiefgebeugt Mit unheilbaren Herzenswunden Wehklagen wollt' um ihn beständig, Er würde doch nicht mehr lebendig. Ich gönn' ihm seine Grabesrast, Und weil sich meine Fesseln lösten, Bin ich entschlossen, mich zu trösten, Und lade dich bei mir zu Gast."
Der Zaubrer bildete frohlockend Sich ein, gewonnen sei das Spiel, Sah sich im Geiste schon am Ziel Des kühnsten Wunsches, dankte stockend Und setzte sich mit ihr zu Tisch. Wie dort zu ihm verführerisch Nun ihre Blicke sich erhoben, Da schien es ihm unzweifelhaft, Sie habe sich in ihn vergafft Und wolle sich mit ihm verloben. Ein üppig Mahl ward aufgetragen, Und eine Sklavin reichte Wein. Selbst schenkte die Prinzessin ein, Goß unbemerkbar ohne Zagen Das Pulver in des Gastes Becher Und sprach: "Willst du mir frohen Mut Bereiten, dann als wackrer Zecher Trink' auf mein Wohl dies Rebenblut!" "Ja, du Geliebte, du Verehrte, Dies auf dein Wohl und unsern Bund!" So rief er hochbeglückt und leerte Den Becher aus bis auf den Grund. Nach einem letzten kurzen Schnaufen Fiel er bewußtlos rücklings hin.
Geholt von einer Dienerin Kam Aladdin herbeigelaufen. Als Bedrulbudur ihn umschlang, Sprach er: "Begib dich auf dein Zimmer; Denn mancherlei bleibt mir noch immer Zu tun, obwohl dir dies gelang." Nachdem sie sich entfernt, verlor Er keine Zeit. Er riß der Leiche Das Kleid auf, zog die wunderreiche Geraubte Lampe draus hervor, Ließ das entseelte Jammerbild Fortschaffen von zwei starken Knechten Hinaus ins nächtige Gefild, Damit die Geier sein gedächten, Wenn sie's gelüstete nach Speise, Berief dann in gewohnter Weise Den Geist und sagte: "Bring' sofort Mein Schloß an seine alte Stelle!" Noch nicht vollendet war das Wort, Als schon der Geist in Windesschnelle Mit fast unmerklichem Vollzug Das Bauwerk durch die Lüfte trug.
15.
Der Sultan, der bis jetzt unendlich Um seine Tochter sich gegrämt, War vor Verwundrung wie gelähmt Als morgens breit und gegenständlich, Zurückgekehrt zum alten Platz Das Schloß zu ihm herübergrüßte. Der Anblick bot ihm für verbüßte Betrübnis reichlichen Ersatz. Er ließ ein Pferd sich satteln, trabte Zum Schloß, verfügte sich geschwind Zu seinem lang entbehrten Kind Und ihre Zärtlichkeit erlabte Sein Vaterherz. Dann wollt' er wissen, Welch unglückselige Verkettung Sie damals plötzlich ihm entrissen, Und welchem Umstand ihre Rettung Zu danken sei. Mit knappen Strichen Erzählte sie vom fürchterlichen Schwarzkünstler, der durch Zaubermacht Sie mit dem Schloß entführt bei Nacht; Wie von dem Schändlichen bedrückt Sie schon geglaubt, ihm zu erliegen, Bis ihrem Gatten es geglückt, List gegen List ihm obzusiegen.
Ihr Vater war damit zufrieden, Und als nunmehr auch Aladdin Ins Zimmer kam, da zog er ihn An seine Brust und sprach: "Hienieden Ist man dem Irrtum ausgesetzt. Vergib mir, wenn aus Übereilung, Mein Sohn, ich blindlings dich verletzt. Du brachtest meinen Schmerzen Heilung, Indem du mir mein Kind befreit Und sie behütet hast vor Schande; Dies dank' ich dir für alle Zeit."-- Gefeiert ward im ganzen Lande Die Wiederkehr des jungen Paars. Ihr Glück verdüsterte kein Schatten. Doch nicht die letzte Prüfung war's, Die beide zu bestehen hatten.
Der Zaubrer nämlich, der ein Leben Von großer Zähigkeit besaß, War durch das Pulver, als dem Fraß Der Geier man ihn übergeben, In Wahrheit nur betäubt gewesen, Von seinem Scheintod aufgewacht Am nächsten Tag und bald genesen. Er schwor, von Racheglut entfacht Und vollgepfropft mit Gift und Geifer, Er wolle vor Vergeltungseifer Nicht rasten fürder und nicht rosten, Und drum begann zum drittenmal Er schleunigst über Berg und Tal Die Reise nach dem fernen Osten.
Nach einem ganzen Wanderjahr Voll Mühe, Drangsal und Gefahr Kaum in der Hauptstadt angekommen, War er nach einem neuen Kniff Umschau zu halten im Begriff. Er hörte dort von einer frommen, Betagten Wundertäterin Erzählen, die Fatime hieß Und sich mit schlicht erhabnem Sinn Der stillen Andacht überließ In einer abgeschiednen Klause. Durch Gassen, die man ihm beschrieb, Schlich er zu ihrem kleinen Hause Bei dunkler Nachtzeit wie ein Dieb, Drang in ihr ärmlich Zimmer, weckte Mit rohem Schütteln die Erschreckte, Hielt einen Dolch ihr vor und sprach: "Du sollst entseelt sogleich erblassen, Kommst du nicht meiner Vorschrift nach!" Sie mußt' ihm ihre Kleider lassen Sowie den Schleier und die Haube, Nebst dem geweihten Rosenkranz. Obwohl dem Räuber sie sich ganz Willfährig zeigte, ja, zum Raube Hilfreich sogar die Hand ihm bot, Stach er sie vorsichtshalber tot.
Sodann vor einem Spiegel schor Den Bart sich weg der Halsabschneider, Warf sich in seines Opfers Kleider, Und als die Sonne stieg empor, Trat er verschleiert auf die Gasse. Der eine sprach zum andern: "Schau, Dort geht einher die fromme Frau," Und eine große Menschenmasse Umgab ihn rings voll Dankgefühl Und folgte, Segenswünsche hegend, Ihm nach bis in des Schlosses Gegend.-- Als die Prinzessin das Gewühl, Vom Kuppelsaal herunterlugend, Wahrnahm und obendrein erfuhr, Daß all dies bunte Volk der Spur Fatimens folge, deren Tugend Und Heiligkeit ihr längst bekannt Als der Verehrung Gegenstand Und als das Vorbild frommer Sitten, Da dachte sie, daß ihr gezieme, Die Frau zu sich heraufzubitten. Zu der vermeintlichen Fatime Kam eine Botin, sie zu holen. Der Zaubrer, nicht an seinem Sieg Mehr zweifelnd, schmunzelte verstohlen, Als er mit ihr den Saal erstieg, Und fing, nachdem er ihn betreten, Mit solcher Inbrunst an zu beten, Daß die Prinzessin sich verneigte Voll Ehrerbietung. Da der Schlimme Sie ansprach mit verstellter Stimme, Sowie nur hinter Schleiern zeigte Sein glattgeschorenes Gesicht, Erkannt' ihn Bedrulbudur nicht Und sprach "Laß mich die Gunst begehren, Fatime, daß du dauernd weilst An unserm Herd und gute Lehren Zu frommem Wandel mir erteilst." Der abgefeimte Tückebold Erklärte gern sich einverstanden; Das war es ja, was er gewollt! "Ein stilles Zimmer ist vorhanden Im Schloß," fuhr die Prinzessin fort In ihrer gläubigen Betonung, "Und deiner Andacht wirst du dort Obliegen können ohne Störung. Erst aber mögest du mir ehrlich Gestehn, wie dir das Schloß gefällt." Der Zaubrer gab zur Antwort. "Schwerlich Ist seinesgleichen auf der Welt; Und dennoch, trotz der Raumverschwendung Und dem Geschmack der Farbenwahl, Bedrückt mich, daß in diesem Saal Noch etwas mangelt zur Vollendung." "Was ist es?" Scheinbar auf ihr Drängen Erwiderte der Schuft: "Verzeih', Von dieser Kuppel müßt' ein Ei Des Vogels Roch herunterhängen." Sie fragte, wo man das wohl fände. Der Zaubrer drauf: "Gewaltig groß Ist dieser Roch und nistet bloß Auf Spitzen schroffer Bergeswände." Sie dankte für den Rat und führte Die falsche Heilige, noch immer Nichtsahnend, selber auf ihr Zimmer.
Zum Saal zurückgekehrt, verspürte Nun die Prinzessin, an der Angel Des Zaubrers haftend, jenen Mangel, Den nie zuvor sie wahrgenommen.-- Als Aladdin von einem Ritt Heimkommend ihr entgegenschritt, War sie so wunderlich beklommen, Daß er sie fragte nach dem Grund. Sie mußt' ihm ihr Gelüst enthüllen, Und er, sobald ihr Wunsch ihm kund, Gab ihr sein Wort, ihn zu erfüllen. Er ging alsbald in sein Gemach Und rieb sie Lampe, die verschlossen Jetzt stand in einem sichren Fach. Nachdem der Geist emporgeschossen, Sprach er: "Dich wiederum zu sputen, Befehl' ich dir. Es fehlt uns noch Im Saal ein Ei des Vogels Roch. Verschaff mir's binnen drei Minuten!"
Kaum war das Wort entflohn, da fing Der Geist so furchtbar an zu dröhnen, Zu schrei'n, zu wimmern und zu stöhnen, Daß Hören ihm und Sehn verging Und zitternd er zu Boden sank. "Elender," brüllte mit Gepolter Der Riese, "spannst du mich zum Dank Für meinen Frondienst auf die Folter? Befiehlt, ich soll auf meinen Schwingen Als Deckenschmuck für seinen Saal Dir meinen eignen Vater bringen? Sei froh, wenn nicht mein Donnerstrahl Dich und dein Schloß in Asche wandelt. Ich weiß zu deinem Glück, du hast Nicht aus dir selber so gehandelt. Dein Todfeind weilt bei dir zu Gast. Er ward nicht von dir umgebracht, Nein, kam ins Land, um sich zu rächen, Ergatterte durch ein Verbrechen Der heiligen Fatime Tracht, Und deine Frau, von ihm umgarnt, Trieb zu dem schändlichen Befehle Dich arglos an. Drum sei gewarnt; Er will dir meuchlings an die Kehle." Sprach's und verschwand. Sofort verfügte Sich Aladdin zurück zum Saal, Wo seine Gattin sich vergnügte Mit einem Ballspiel, und befahl, Man mög' ihm gleich Fatime holen.
"Sei mir gegrüßt!" rief Aladdin, Als der vermummte Feind erschien; "Denn warm hat man dich mir empfohlen. Gib, fromme Frau, mir deinen Segen." Der Zaubrer kam ihm sacht entgegen, Und er bemerkte, wie der Strolch Ein Messer unter seinem Kleide Heimlich herauszog aus der Scheide. Schnell griff er seinen eignen Dolch Und bohrte dessen scharfes Erz Dem Schurken mitten in das Herz. Von seinem Blute ward im Saal Der Boden ringsumher gerötet.
"Weh, was begingst du, mein Gemahl? Du hast die Heilige getötet!" Schrie Bedrulbudur sich verfärbend. Er aber sprach voll Seelenruh': "Nein, liebe Gattin, komm herzu! Hätt' ich gesäumt, so läge sterbend Ich selber hier; denn dieser Tote Bekam den Lohn, der ihm gebührt: Erkenn' ihn, der dich einst entführt Und jetzt mit Meuchelmord mir drohte."
So hatte glücklich unser Held Sich des Verfolgers nun entledigt, Der ihm beharrlich nachgestellt, Und ward vom Schicksal reich entschädigt Für allen ausgestandnen Harm. In der geliebten Tochter Arm Entschlief im hohen Greisenalter Der Sultan, und sein Schwiegersohn Mit seiner Frau stieg als Verwalter Des weiten Reiches auf den Thron. Sie herrschten als beglückte Leute, Umringt von Kind und Kindeskind, Und wenn sie nicht gestorben sind, So leben sie gewiß noch heute.