Advice to Young Musicians. Musikalische Haus- und Lebens-Regeln

Chapter 2

Chapter 2707 wordsPublic domain

Mache dich ueber den Umfang der menschlichen Stimme in ihren vier Hauptarten fruehzeitig klar; belausche sie namentlich im Chor, forsche nach, in welchen Intervallen ihre hoechste Kraft liegt, in welchen andern sie sich zum Weichen und Zarten verwenden lassen.

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Hoere fleissig auf alle Volkslieder; sie sind eine Fundgrube der schoensten Melodien und oeffnen dir den Blick in den Charakter der verschiedenen Nationen.

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Uebe dich fruehzeitig im Lesen der alten Schluessel. Viele Schaetze der Vergangenheit bleiben dir sonst verschlossen.

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Achte schon fruehzeitig auf Ton und Charakter der verschiedenen Instrumente; suche ihre eigenthuemliche Klangfarbe deinem Ohr einzupraegen.

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Gute Opern zu hoeren, versaeume nie.

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Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein warmes Herz entgegen. Gegen dir unbekannte Namen hege kein Vorurtheil.

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Urtheile nicht nach dem Erstenmalhoeren ueber eine Composition; was dir im ersten Augenblick gefaellt, ist nicht immer das Beste. Meister wollen studirt sein. Vieles wird dir erst im hoechsten Alter klar werden.

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Bei Beurtheilung von Compositionen unterscheide, ob sie dem Kunstfach angehoeren, oder nur dilettantische Unterhaltung bezwecken. Fuer die der ersten Art stehe ein; wegen der anderen erzuerne dich nicht!

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"Melodie" ist das Feldgeschrei der Dilettanten, und gewiss, eine Musik ohne Melodie ist gar keine. Verstehe aber wohl, was jene darunter meinen; eine leichtfassliche, rhythmisch-gefaellige gilt ihnen allein dafuer. Es giebt aber auch andere anderen Schlages, und wo du Bach, Mozart, Beethoven aufschlaegst, blicken sie dich in tausend verschiedenen Weisen an; des duerftigen Einerlei's namentlich neuerer italienischer Opernmelodien wirst du hoffentlich bald ueberdruessig.

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Suchst du dir am Clavier kleine Melodien zusammen, so ist das wohl huebsch; kommen sie dir aber einmal von selbst, nicht am Clavier, dann freue dich noch mehr, dann regt sich in dir der innere Tonsinn. -- Die Finger muessen machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.

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Faengst du an zu componiren, so mache Alles im Kopf. Erst wenn du ein Stueck ganz fertig hast, probire es am Instrumente. Kam dir deine Musik aus dem Innern, empfandest du sie, so wird sie auch so auf Andere wirken.

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Verlieh dir der Himmel eine rege Phantasie, so wirst du in einsamen Stunden wohl oft wie festgebannt am Fluegel sitzen, in Harmonien dein Inneres aussprechen wollen, und um so geheimnissvoller wirst du dich wie in magische Kreise gezogen fuehlen, je unklarer dir vielleicht das Harmonienreich noch ist. Der Jugend gluecklichste Stunden sind diese. Huete dich indessen, dich zu oft einem Talente hinzugeben, das Kraft und Zeit gleichsam an Schattenbilder zu verschwenden dich verleitet. Die Beherrschung der Form, die Kraft klarer Gestaltung gewinnst du nur durch das feste Zeichen der Schrift. Schreibe also mehr, als du phantasirst.

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Verschaffe dir fruehzeitig Kenntniss vom Dirigiren, sieh dir gute Dirigenten oft an; selbst im Stillen mit zu dirigiren, sei dir unverwehrt. Dies bringt Klarheit in dich.

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Sieh dich tuechtig im Leben um, wie auch in anderen Kuensten und Wissenschaften.

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Die Gesetze der Moral sind auch die der Kunst.

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Durch Fleiss und Ausdauer wirst du es immer hoeher bringen.

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Aus einem Pfund Eisen, das wenig Groschen kostet, lassen sich viele tausend Uhrfedern machen, deren Werth in die Hunderttausend geht. Das Pfund, das du von Gott erhalten, nuetze es treulich.

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Ohne Enthusiasmus wird nichts Rechtes in der Kunst zu Wege gebracht.

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Die Kunst ist nicht da, um Reichthuemer zu erwerben. Werde nur ein immer groesserer Kuenstler; alles Andere faellt dir von selbst zu.

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Nur erst, wenn dir die Form ganz klar ist, wird dir der Geist klar werden.

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Vielleicht versteht nur der Genius den Genius ganz.

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Es meinte Jemand, ein vollkommener Musiker muesse im Stande sein, ein zum ersten Mal gehoertes, auch complicirteres Orchesterwerk wie in leibhaftiger Partitur vor sich zu sehen. Das ist das Hoechste, was gedacht werden kann.

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Es ist des Lernens kein Ende.

Druck von Ferber & Seydel in Leipzig.

[ The following is a list of corrections made to the original. The first line is the original line, the second the corrected one.

Im folgenden werden alle geaenderten Textzeilen angefuehrt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geaenderte Zeile steht.

J, SCHUBERTH & CO. J. SCHUBERTH & CO.

composer; all further exertions are carricatures. composer; all further exertions are caricatures.

supreme power of music supreme power of music.

the inferior melodies, especially those out of the new italian operas; the inferior melodies, especially those out of the new Italian operas; ]