Achtzehn Töchter: Eine Frauen-Novelle
Part 13
Kein Mitleid! versetzte er. Zu meinen Zehn Haus- und Kindergeboten rathe ich Ihnen noch die zwei wichtigsten aufzunehmen; und mit allen Zwölfen dürfte ~ein Vater~ langen, wenn auch noch nicht ~ein Gatte~. Mein Herz hat mich noch diese letzten gelehrt:
11) Auch die schwersten und größten Fehler halte bei deinem Kinde für möglich. Denn ~selbst~ gut sein, läßt noch nicht sicher glücklich bleiben ~unter den Menschen~!
12) Stehe deinem Kinde in jedem Unglück bei, verlaß es in keiner Noth, hilf ihm in jeder Schande.
Und daß meine jüngste Tochter, meine treue Armgard, bis zu meinem Tode bei mir bleiben will? Sie hat sich auch ein Gebot gemacht: ~dem Vater die Liebe zu vergelten~. Da kommt das ~gutste~ Kind, wie sie klein sich immer selbst nannte! Jedoch auch ~sie~ schenke ich weg, wenn ihr Herr und Freund kommt! ~Ich bin der Mann der einsam leben kann~ -- vor Erinnerung! vor aller Welt! Auch sage ich nicht ab: wieder heimzukehren und für all’ mein Leid mit Freude belohnt zu werden, wenn ich wieder Sinn dafür und Kraft dazu erlangt. ~Freude will Feuer und Muth in der Seele~; die Lahmen tanzen schlecht. Ich denke wiederzukehren, ~so in zehn Jahren~! Auch schon meines ~Männerstiftes~ wegen; denn es giebt viel brave Professoren und ehrenfeste Geistliche, die es bedürfen möchten. In zehn Jahren sind hoffentlich die bösen Geister hinab in die Erde versunken, wenn auch mit Gestank. Indessen möchte mein Prytaneum noch nöthig werden, jetzt so nöthig in so schauriger Zeit, wie einst die Klöster. Die Schulmeister aber, das sind die Eisenköpfe!
Keine Sorge! beruhigte ich ihn. Gott ruft manchmal vom Himmel, ja er langt auch hinunter, oder haucht nur. Und sein Hauch macht lebendig, und ein Wind macht den Himmel schön! So schieden wir, während er mich groß ansah, weil ich noch gesagt: mich verlangt recht heim -- nach Deutschland.
In meinem Zimmer drückte ich im Gefühl meines Glückes mein Häschen an’s Herz. Auch sie fing sich an zu beklagen -- und wir reisten langsam nach Hause und kehrten gesund zu meiner rechtschaffenen Mutter zurück.
Doch was geschah? -- Nach mehren Tagen besucht mich Freund von Rizzi; jetzt auch noch durch einen Orden geehrt. Wir fahren hinüber zu den Schwestern, und Wer steht da? mitten unter den Töchtern und Söhnen? --: ~der Vater~! Heiligenhahn! wie er leibt und lebt!
... Ein Vater ist ein Sclave seiner Kinder; rief er mir zu -- aber ein glücklicher; denn er ist wie das Kind vom Hause! wie in der Türkei.
Und Herr von Rizzi sprach: „Ich sagte gleich, ~der~ kommt wieder! In der Türkei, zur Pestzeit, wenn das Weib den Mann, und der Mann das Weib geflohen, ja, wenn Mutter die Tochter und Vater den Sohn verlassen haben, da bleibt die ~Mutter~ bei ihrem ~Sohn~, und der ~Vater~ erst recht bei der ~Tochter~! Das ist Geschlechtsliebe, die reine Geschlechtsliebe. Und Du hier, Heiligenhahn, Du wolltest von achtzehn Töchtern entlaufen? -- Nicht von Einer!“ --
Breslau.
Druck von ~Robert Lucas~, Schuhbrücke Nr. 32.