Part 7
ist in Graudenz (Westpreussen) geboren, befindet sich aber seit dem achten Lebensjahre mit ihren Eltern in Amerika. Bis zum 19. Jahre war sie nicht aussergewöhnlich corpulent, nahm aber von der Zeit an schnell an Leibesfülle zu und wiegt jetzt, im Alter von 30 Jahren, 412 Pfund. Sie ist seit Jahren verheirathet (gilt aber auf den Affichen und für das grosse Publicum noch als Fräulein) und hat zwei reizende Kinder. Auch diese Abnormität erwirbt den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie, indem sie sich in Museen etc. zur Schau stellt und bewundern lässt.
J. Hanson
alias »Sir« Marcus Goodwilly
43 Jahre alt, 6 Fuss 5 Zoll (engl. Mass) hoch, wiegt 907 Pfund, und ist somit wohl die schwerste Person dieser Sammlung. Er ist Nordamerikaner, wurde geboren in Ja. Raiser, Ky. und lebt jetzt in Danville, Ind. Bei der Geburt wog er 11 Pfund, 11 Monate alt 77 Pfund, und 2 Jahre alt 206 Pfund. Zu jener Zeit bezog er Einnahmen von 1000 Dollar pro Jahr in der Baby-Ausstellung in New-York City im Jahre 1858. Sein Gewicht nahm mit dem fortschreitenden Alter ganz ausserordentlich zu, so wog er 5 Jahre alt 302 Pfund, 13 Jahre alt 405 Pfund, 21 Jahre alt 601 Pfund und mit 25 Jahren 725 Pfund. Er braucht 41 Yards Tuch zu einem passenden Anzug und 2½ Pfund Wolle zu einem Paar Socken. Die Eltern waren nicht abnorm, so wog der Vater nur 115 und die Mutter 122 Pfund.
Mary,
die lebende Puppe
ist gewiss eine kommende »Berühmtheit«. Dieses Kind ist in Hull am 16. April 1895 geboren, war bei der Geburt nur 7 Zoll lang und wog nicht ganz 1 Pfund. Es musste in Watte gewickelt und durch heisse Wasserflaschen warm gehalten werden. Drei Monate lang erhielt es nichts als Zuckerwasser, dann verdünnte Milch, und erst mit 2 Jahren bekam es etwas Fleischbrühe etc. Zur Zeit ist es 4½ Jahre alt, 17 Zoll hoch und wiegt nicht ganz 5 Pfund. Die kleine Mary ist recht gesund, sehr lebhaft und heiter, läuft und spielt wie normale Kinder gleichen Alters, und ist natürlich der Liebling aller Damen. Auch dieses Kind »arbeitet« schon für seinen und der Eltern Lebensunterhalt, denn es wird für Geld gezeigt und macht überall grosse Sensation. Jedenfalls trägt Mary ihre Bezeichnung »die lebende Puppe« mit vollem Rechte.
Radica & Doodica
»The Orissa Twin Sisters«
wurden 1888 in Orissa (Indien) geboren und im Jahre 1892 vom Manager Capt. Colman nach Europa gebracht; sie konnten sich anfänglich nicht recht an das Klima gewöhnen und erkrankten im Herbst 1892, so dass sie längere Zeit in einem Pariser Hospital lagen und erst im Frühjahr 1893 die begonnene Tournée fortsetzen konnten.
Radica & Doodica zeigen dieselbe parallele Verdoppelung, wie die siamesischen Zwillinge, welche in den sechsziger Jahren den Kontinent bereisten und überall das lebhafteste Interesse der medicinischen Kreise sowohl wie des Laienpublicums hervorriefen, so dass man alle zusammengewachsenen Menschen jetzt kurzweg »siamesische Zwillinge« nennt und dieser Ausdruck zum Sammelbegriff geworden ist.
Das Bild lässt erkennen, dass Radica & Doodica -- übrigens sonst gut entwickelte und körperlich gesunde Mädchen -- durch eine Verwachsung der vorderen Rumpftheile mit einander verbunden sind. Das Ligament, welches sie verbindet, entspringt aus der unteren Spitze des Brustbeins. Die Blutgefässe communiciren nicht mit einander, Herzschlag, Pulsschlag und Athembewegung sind isolirt. Trotzdem ist die Verbindung sehr beweglich, denn gewisse, dem einen Kind gegebene Arzneien äussern auch bei dem andern ihre Wirkung, wenn auch in beschränkter Art, und das Nahrungsbedürfniss des einen Kindes soll durch die Ernährung des andern befriedigt werden. Diese grosse Beweglichkeit beweist, dass die Verwachsung nur die Schwertfortsätze und einige Rippenknorpel, sowie die Oberbauchgegend und gewisse Abschnitte des Magendarmkanals betreffen kann, also verhältnissmässig biegsame oder völlig weiche Theile. Damit sind ausser der Beweglichkeit die auf die Wirkungen der Arznei und die Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses bezüglichen Punkte erklärt.
Während bei den gleichfalls zusammengewachsenen Mädchen Rosa & Josepha Blaczek (geb. 20. Januar 1878 in Skreychow in Böhmen) die eigenthümliche Erscheinung zu Tage tritt, dass während die eine schläft, die andere 3 bis 4 Stunden wacht und darauf die Rollen vertauscht werden, ist dieser Zwang bei Radica & Doodica nicht vorhanden, beide können gleichzeitig schlafen, das eine Mädchen liegt dabei auf dem Rücken, das andere auf der Seite. Die Intelligenz ist bei beiden normal.
Obwohl nun edle und wichtige Theile nicht zusammengewachsen sind, so haben doch alle medicinischen Autoritäten einer Operation widerrathen, und so werden die hübschen Kinder wohl ihr Lebenlang zusammenbleiben, freilich nicht zu ihrem pekuniären Nachtheil, denn sie werden ordentlich gehalten von ihrem Impresario, lernen durch ihre Tournée die Welt kennen, werden anständig gekleidet, essen und trinken gut und verdienen reichlich, was alles ihnen, als zwei getrennt lebenden indischen Mädchen, für die das grosse Publicum keinerlei Interesse hätte, nicht möglich wäre. Zur Zeit sind sie in Frankreich und machen dort überall berechtigtes Aufsehen.
Unzie,
der australische Albino.
Die Albinos, auch Kakerlaken oder lichtscheue Menschen genannt, gehören als Schau-Objecte keineswegs zu den Seltenheiten, da sie bei allen Menschen-Rassen vorkommen. In den vierziger und fünfziger Jahren namentlich -- jetzt sind sie ja mehr vom Schauplatze verschwunden -- sah man deren beiderlei Geschlechtes oft vier bis sechs zusammen ausgestellt, und ihre Lieder, mit denen sie das Publicum in der Regel regalirten, waren meistens der Art, »dass sie Steine erweichen und Menschen rasend machen konnten«. (Im Gegensatze zu diesen gesanglichen Ungeheuerlichkeiten lebten noch 1867 in Augsburg zwei dort geborene Albinobrüder, die noch als bejahrte Männer als Gesangs-Duettisten auftraten und beim Publicum sehr beliebt waren. In ihren jungen Jahren waren auch sie öffentlich gezeigt worden.) Sie wurden dem Publicum damals als eine eigene Menschen-Rasse -- »Nachtmenschen« genannt -- vorgeführt, die vornehmlich auf der Landenge von Panama vorkomme und dort in Löchern tief unter der Erde lebe. Nachtmenschen nenne man sie aber, weil sie bei Tage überhaupt nicht, sondern nur Nachts sehen, somit auch all ihre Beschäftigungen nur Nachts verrichten könnten.
Der Albinismus beruht auf dem gänzlichen Fehlen des Farbstoffes in der unteren Schicht der Epidermis oder Oberhaut des Körpers, durch den diese ihre Färbung erhält. Da aber der Mangel dieses Farbstoffes sich auf den ganzen Körper erstreckt, so hat die Haut nicht nur die glasige farblose Durchsichtigkeit, sondern auch die Haare und Augen haben das anormale Aussehen.
Am häufigsten kommt der Albinismus bei den Negern und Indianern vor, könnte man aber auch nur die in Deutschland geborenen und jetzt noch in den verschiedensten Lebensverhältnissen stehenden bei einander haben, so würde diese stattliche Karawane Repräsentanten beiderlei Geschlechtes vom schulpflichtigen Alter an bis zum Greisen-Alter umfassen.
Unzie, der australische Albino, wurde 1869 in Tarrabandra in Neu-Süd-Wales geboren. Seine Eltern gehören den Ureinwohnern an, die dunkelfarbiger wie die Indianer Amerikas sind. Bei seiner Geburt hatte Unzie schneeweisse Haare und eine Haut wie Alabaster, und das Entsetzen über dieses aussergewöhnliche Vorkommniss war bei dem abergläubischen Volke so gross, dass Manche mit Entsetzen flohen, Andere sich dagegen um die Mutter und ihn sammelten, da sie ihn für ein ganz besonderes Geschenk des Himmels hielten. Trotzdem war sein Leben in Gefahr und würde es noch weit mehr gewesen sein, wenn sein Vater nicht ein Häuptling gewesen wäre, dessen Familie unter dem Schutze des Königs der Mingery-Neger stand. Nachdem die erste Aufregung sich gelegt hatte, bildete das Wunderkind zehn Jahre lang den Gegenstand der Anbetung für die Menge, dann aber wurde er durch einen Engländer nach der Stadt Melbourne entführt, der ihn wie sein eigenes Kind aufzog und ihn für sein jetziges Leben vorbereitete.
Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftreten im Jahre 1886 wurde ihm von den Medicinern ein grosses Interesse entgegengebracht und sie erklärten ihn für einzig in seiner Art dastehend. Eine Menge schneeweisser Haare nämlich wächst wie ein offener Sonnenschirm von sechs Fuss Umfang auf seinem Kopfe. Es ist elastisch, kraus, elektrisch und wächst so üppig, dass es dem Kamms Widerstand leistet und nur mit Bürsten bearbeitet werden kann, und damit es nicht zu lang wird, alle vier bis sechs Wochen gestutzt, um nicht zu sagen geschnitten werden muss.
Auch die Augen sind sehr wunderbar und unterscheiden sich von den rothen Augen der anderen Albinos auffallend. Für gewöhnlich sind sie sehr hell und ausdrucksvoll, aber sie wechseln die Farbe je nach dem Lichte, welches auf sie einwirkt. In gewöhnlichem Lichte erscheinen sie gleich den Augen anderer Albinos blassroth, bei gedämpftem Lichte dagegen blaugrau und nach Sonnenuntergang purpurroth; starkes glänzendes Licht verursacht den Augen Schmerzen und vermindert die Sehkraft, während diese bei schwachem Lichte geschärft wird, so dass Unzie noch in der grössten Dunkelheit alle ihn umgebenden Gegenstände deutlich erkennen kann, eine Thatsache, die auf seinen Reisen die grösste Verwunderung hervorrief.
Unzie misst fünf Fuss und zehn Zoll und wiegt 154 Pfund, ist aufgeweckten Geistes und erfreut sich einer vollkommenen Gesundheit, die ihn denn auch zu seinen grossen Reisen besonders befähigte. Am 12. April 1890 besuchte er zuerst die Vereinigten Staaten. Er landete in San Francisco und blieb 1½ Jahr an der pacifischen Küste, deren Klima dem seines Vaterlandes gleicht.
Nicodemus
der »Unbeschreibliche«
ist für Amerika eine erstclassige Attraction, und ein Blick auf das Cliché zeigt uns, dass wir eine ganz seltene Abnormität vor uns haben, die das Prädicat »der Unbeschreibliche« (the Nondescript) wohl verdient. Ganz besonders muss jedoch auf sein linkes Bein aufmerksam gemacht werden, das die Form des Beines eines Bären hat, und da Nicodemus ein »rabenschwarzer« Neger ist, so ist die Täuschung eine um so grössere.
Er ist in Texas geboren, jetzt etwa sechsunddreissig Jahre alt und von Kindheit an »ausgestellt« gewesen, und in seinen vielen Reisen ist auch wohl der hauptsächlichste Grund seiner Intelligenz zu suchen. Da Seinesgleichen nicht existirt und er stets ein gesuchtes Schau-Object gewesen ist, so hat er auch stets hohe Gagen bezogen, denen gegenüber er sich ganz zufrieden mit seiner abnormen Körperbeschaffenheit zu fühlen scheint.
Chevalier Cliquot,
der Schwerter-Verschlinger,
darf unbestritten als der Beste seines Genres bezeichnet werden. Er entstammt einer alten französischen Adelsfamilie und ist in Französisch-Canada in Amerika geboren. Schon als Knabe verliess er seine Heimath und schloss sich einem fahrenden Circus an. In Buenos-Ayres machte er die Bekanntschaft eines Schwertverschlingers, der ihn jedoch trotz allen Bittens in die Mysterien dieser Kunst nicht einweihen wollte. Der junge Kunst-Novize liess sich dadurch aber nicht entmuthigen, begann seine Exercitien ohne Anleitung mit einem Stückchen Silberdraht und brachte es durch Ausdauer bald dahin, dass er sich öffentlich produciren konnte, und heute ist er der Beste seines Genres nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa. Vor kurzem producirte er sich auch mit ganz ungewöhnlichem Erfolge im Circus Ciniselli in St. Petersburg und bringt eine der dortigen deutschen Zeitungen einen ziemlich eingehenden Bericht über seine Leistungen, der im Nachstehenden in seinen Hauptmomenten reproducirt ist:
»_Circus Ciniselli._ Gestern Abend wohnten wir der ersten Vorstellung des Schwertkünstlers Chevalier Cliquot bei und müssen gestehen, dass seine für den Laien ganz unerklärlichen Productionen eine geradezu frappirende Wirkung auf den Zuschauer ausüben. Schlund und Magen dieses merkwürdigen Amerikaners, der nebenbei gesagt im Besitz einer wohlproportionirten, kräftigen Gestalt ist, weisen jedenfalls eine von dem Gewöhnlichen vollständig abweichende Beschaffenheit auf. Mit einem Degen beginnend, beförderte Herr Cliquot, die Zahl derselben steigernd, schliesslich nicht weniger als dreizehn flach aufeinander liegende Degen in seinen Magen, anscheinend ohne jegliche Beschwerde, denn seine Gesichtszüge behalten stets den ruhigen, sympathischen Ausdruck bei. Dieselbe Procedur machte er mit einem an einer Metallstange befestigten Degen, nachdem an beiden Enden derselben gewichtige Metallhanteln angebracht worden waren, ferner mit einem Degen, auf dem ein nach oben gerichtetes Jagdgewehr befestigt war, welches von der Gattin des Schwertkünstlers abgefeuert wurde. Regten sich nach allen diesen geschauten Wunderdingen vielleicht noch immer leise Zweifel in dem Zuschauer, so wurden solche vollständig gehoben, als Herr Cliquot ohne weiteres auch einen scharfen, zolltief in den Holzboden gedrungenen Säbel und dann einen Degen in seinen Schlund führte, den er sich von einem der anwesenden Officiere hatte ausbitten lassen, desgleichen eine von demselben Herrn hergegebene goldene Uhr, die er an einer feinen Kette in seinen Magen hinunterliess. Diese hielt er zwei Minuten, in der Arena umhergehend, dabei gemüthlich rauchend, im Magen und liess zwei Herren aus dem Publicum sich von dem Ticken derselben überzeugen. Schliesslich wanderte eine Metallstange, an deren Ende ein elektrisches Glühlämpchen angebracht war, denselben Weg, wobei man im verdunkelten Circus den Kehlkopf durchleuchtet und das Lämpchen sich allmählich tiefer hinabsenken sah. Für das Gros des Publicums bildet Chevalier Cliquot eben nur eine sehenswerthe »Specialität«, während der Arzt in ihm sicher ein medicinisch interessantes Phänomen erblicken wird.«
Zur eventuellen Notiznahme für andere Schwertkünstler möge auch ein Unglücksfall, der Herrn Cliquot betroffen, nicht unerwähnt bleiben:
Als er dem Publicum bei einer Vorstellung zeigen wollte, dass er sich trotz des in seinem Schlunde und Magen steckenden Schwertes nicht nur nach allen Seiten hin bewegen, sondern sich auch sogar bücken könne, da fühlte er, dass das Schwert sich bog. Es mit Blitzesschnelle herausziehend, verletzte er sich in ganz grässlicher Weise.
Seip
der verknöcherte Mann
war im Staate Rochester, Nord-Amerika, geboren. Er war bis etwa zum dreissigsten Jahre ein grosser und kräftiger Neger, der für die Michigan Central Railway als Rangirer arbeitete. Im Winter 1876 wurde er Nachts von einem Frachtzuge überfahren und trug schwere Verletzungen davon. Nach mehreren Stunden wurde er aufgefunden und als todt ins Krankenhaus geschafft. Jedoch siegte seine kräftige Natur und er blieb am Leben. Acht Jahre lang konnte er das Bett nicht verlassen, und während dieses Zeitraums war er zum Skelet geworden. Infolge von Gelenk-Rheumatismus war totale Verknöcherung aller Gelenke eingetreten und er hierdurch vollständig bewegungslos geworden.
Wie mit hunderten solcher Leute in Amerika Geld »gemacht« wird, weiss wohl jeder Leser, so wurde auch Mr. Seip bald von einem pfiffigen Showman aufgefunden und für zehn Jahre engagirt. Bis dahin war Seip von seiner sehr armen Familie kümmerlich ernährt worden, nun hatte alle Noth ein Ende. Die Familie erhält bis zum heutigen Tage noch 10 Dollars (Mark 43) per Woche und Seip wird aufs beste versehen, damit er nur recht lange am Leben bleibe. Dass der Impresario für die ersten Jahre von Seip's Auftreten eine Gage bis zu 500 Dollars (Mark 2,100) per Woche erhielt und noch jetzt 75 bis 100 Dollars wöchentlich bezieht, ist wohl Grund genug alles aufzubieten, um den Armen am Leben zu erhalten. Seip ist im vollen Besitze seiner Geisteskräfte, sehr geweckt und intelligent. Seine Sprache ist jedoch sehr unverständlich, da er die Kinnlade nicht bewegen kann und seine Vorderzähne herausgebrochen werden mussten, um ihm Speise einflössen zu können. Oft wird er der versteinerte Mann genannt und nicht so ganz unzutreffend, denn er kann nur den kleinen Finger der linken Hand bewegen, während der ganze Körper wie aus Stein gemeisselt ist. Er leidet absolut gar nicht, und wenn er genügend Bier bekommt, ist er überglücklich.
Gay Jewett
der menschliche »Jumbo«,
so genannt nach P. T. Barnum's Riesen-Elephant, mit dem Barnum etwa eine halbe Million Dollars einnahm, war als Sohn eines Postvorstehers, der gleichzeitig einen hübschen Bauernhof hat, im Staate Iowa, Nord-Amerika, geboren.
Bis zum 18. Lebensjahre versah er die Wirthschaft seines Vaters, zusammen mit zwei Brüdern. Dann lernte er das Fleischer-Geschäft und betrieb es bis etwa zum 26. Jahre. In der Zeit war er jedoch so dick geworden, dass es ihm nicht mehr möglich war, seinem Geschäft vorzustehen; er gab es auf, und da er keinen anderen Weg sah, Geld zu verdienen, so ging auch er zu den Vaganten und hat colossales Aufsehen in ganz Amerika hervorgerufen.
Er starb im Jahre 1893 an Herzverfettung und wog kurz vor seinem Tode 728 engl. Pfund. Er war 6 Fuss 3 Zoll hoch, und wir können wohl mit Recht sagen, »Jumbo« war einer der schwersten Männer, die jemals gelebt.
Gay, so genannt bei seinen Freunden, war der gutherzigste Mensch der Welt, stets bereit zum Helfen, und wenn er seine Geige im Arm hatte und seinen Freunden einige Lieder vorsingen konnte, dann war er glücklich.
Gay Jewett war acht Jahre verheirathet; seine Frau, die Tochter eines wohlhabenden Bauern in Minnesota, war ein kleines, schwächliches Weib und wog nur etwa 94 Pfund, jedoch war sie die Güte in Person und verliess ihren Dicken nicht einen Tag. Sie betrauert ihren Gay noch jetzt und will sich auch nicht wieder verheirathen.
Marietta
das scheckig behaarte Mädchen.
In der Völkergeschichte begegnen wir ähnlichen Typen haarreicher Volksstämme, so den Ainos und neuerdings den zottigen Menschen im Innern von Siam und Anam. Auch an einzelnen interessanten Individuen -- es sei nur an den pinscherartigen Russen Adrian Jestichew und an die kleine Kra-o erinnert -- sind solche Formen abnormer Behaarung zu beobachten gewesen; indessen als ein Naturwunder eigenster Art tritt Marietta, das »gescheckte Mädchen«, in Erscheinung, denn bei ihr offenbart sich eine ganz merkwürdige Haarbildung, die in dieser Weise noch nirgends beobachtet worden ist. Marietta stammt, wie es bei den sogenannten »Haarmenschen« nachzuweisen ist, weder von einem wilden Naturvolke, noch von einer farbigen Race ab, sondern sie ist von europäischer Herkunft. Sie erinnert bald an den Leoparden, bald an das Zebra oder an den Affen, je nach der Art der Zeichnung, Färbung und Behaarung der einzelnen Körpertheile. Höchst unregelmässig hat hier die Natur gearbeitet, eigentlich ganz systemlos einen atavistischen Rückfall bezeichnend. Das Gesicht Marietta's ist auf der rechten Seite vollständig schwarz gezeichnet und zum grössten Theil behaart, auf der linken Wange dagegen nur mit einem Backenbart bedeckt. Auch das Kinn weist einen ziemlich stark entwickelten Bart auf. Am auffallendsten ist die Verfärbung und die zottige Behaarung des glänzenden Rückenfells. Seine Haare erreichen eine Länge von über 2 Centimeter, während die Haare des Bartes eine solche über 6 Centimeter, des Unterarmes eine solche über 3 Centimeter aufweisen. Entgegen den Haaren des Rumpfes, der Arme und Oberschenkel, die nach unten gerichtet sind, streben die Haare der Unterschenkel nach oben, wie die der Unterarme der Anthropomorphen oder Menschenaffen. Der übrige Körper des »scheckigen Mädchens« trägt ein Gemisch von Streifen und Flecken, bald dichter, bald dünner mit Haaren besetzt. Dabei treten überall merkwürdige Gegensätze hervor. So ist z. B. bei Marietta von den zehn Fingern nur einer schwarz; das eine Ohr schwarz, das andere dagegen weiss. Das braune Colorit der Beine contrastirt merkwürdig mit der tiefschwarzen Färbung des Kopfes.
Im allgemeinen zeigt der Oberkörper eine vorwiegend schwarze Färbung, die an den Unterarmen abschneidet und nur am Oberarm in spangenartigen Streifen wieder zum Vorschein kommt.
So bietet denn Marietta durch ihre Erscheinung ein völlig neues, bisher noch nie gesehenes Naturwunder dar, das der Wissenschaft ein neues und ungewöhnlich interessantes Räthsel zu lösen aufgiebt. In der That erregte Marietta überall, wo sie in wissenschaftlichen Hörsälen vor Anthropologen und Medizinern erschien, die grösste Sensation. Von Herrn Medizinalrath Prof. Dr. C. Hennig der medizinischen Gesellschaft in Leipzig vorgeführt, äusserte sich der berühmte Gelehrte in einem längeren Vortrage, dass Marietta ein Naturspiel noch nie gesehener Art, ein leibliches Wunder sei und in ihrer Erscheinung an Menschen unserer entrücktesten Urzeit erinnere. Auch Herr Geheimrath Prof. Dr. Ponfick, Breslau, betonte bei einer Demonstration Marietta's im wissenschaftlichen, vaterländischen Verein daselbst, dass Marietta wohl der erste Fall von so ausgeprägter Flecken- und Haarbildung sei, den man je an einem Menschen beobachtete.
Mlle. Brison
die Dame mit den Krebsklauen
die das Cliché zeigt, ist eine hübsche Französin von etwa zwanzig Jahren, aber ein bedauernswerthes Geschöpf, denn ihre Hände und Füsse haben mehr Aehnlichkeit mit Krebsscheeren, wie mit menschlichen Gliedmaassen. Die Hände sind bis zum Handgelenk gespalten und von den Fingern sind nicht einmal Rudimente vorhanden; die Füsse dagegen sind weniger verkrüppelt.
Durch unausgesetzte Uebung von Kindheit an hat es Mlle. Brison dahin gebracht, dass sie fast alle Arbeiten selbst besorgen kann; sie versieht ihren Haushalt, näht und strickt und im Sticken hat sie sich sogar eine bewundernswerthe Fertigkeit angeeignet. Seit etwa vier Monaten erfüllt sie auch an einem reizenden kleinen Töchterchen gewissenhaft ihre Mutterpflichten, denn sie ist seit etwa zwei Jahren die glückliche Gattin eines jungen liebenswürdigen Franzosen, den sie leidenschaftlich liebt.
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