Abessinien, das Alpenland unter den Tropen und seine Grenzländer

Chapter 35

Chapter 353,265 wordsPublic domain

Theodor, welcher seines Sieges sicher war, hatte unterdessen geschickt eine andere Abtheilung in den Rücken der englischen Bagage gesandt; aber auch dieser ging es schlecht. Von einer Bergbatterie unterstützt, richtete die Bagagemannschaft ein entsetzliches Blutbad unter den Abessiniern an, die immer in dem Glauben gelebt hatten, wehrlose Leute vor sich zu haben. Von diesen 600 Mann kehrte keiner in die Amba heim; die Ueberlebenden konnten nicht in die Burg zurück, da ihnen der Rückzug abgeschnitten war, und, ins Land fliehend, wurden sie ein Opfer der erbitterten Bevölkerung. Der Kampf dauerte bis 6½ Uhr Abends, wo Dunkelheit und Regen die Engländer nöthigten, die Verfolgung, die bis an die Felsenwälle Magdala’s selbst führte, einzustellen. Während des ganzen Gefechts, das die Engländer als „Schlacht von Arodsche“ bezeichnen, fand ein furchtbares Gewitter statt, sodaß Donner und Kanonengebrüll sich miteinander mischten. Die Zahl der abessinischen Todten betrug viele hundert, die Engländer dagegen hatten keinen Todten und nur zwanzig Verwundete.

Theodor war über den Mißerfolg seiner Waffen außer sich. Zum ersten Male, seit er die Krone trug, war er ordentlich geschlagen worden, und zwar von den verachteten „rothen Barbaren“. Seine Wuth kannte keine Grenzen, und das Damoklesschwert schwebte fortwährend über dem Haupte der europäischen Gefangenen. Indessen kühlte er seinen Zorn nur an den abessinischen Gefangenen, von denen er über 300 vor den Augen der Europäer hinrichten und über die Felswälle Magdala’s hinabstürzen ließ. Aber soviel sah er ein, daß er auf die Dauer den Engländern nicht zu widerstehen vermöge. Am nächsten Morgen sandte er daher den Missionär Flad, von zwei abessinischen Häuptlingen begleitet, in das englische Lager, um zu unterhandeln. Die einzige Antwort, die Sir Robert Napier durch diese dem König geben konnte, war: bedingungslose Kapitulation.

Noch einmal schickte Theodor die Parlamentäre ins Lager, doch Sir Robert Napier gab ihnen dieselbe Antwort, und traurig waren sie im Begriff, in die Gefangenschaft zurückzukehren, als sie auf dem Wege die plötzlich freigegebenen Europäer Cameron, Rassam und einige der Handwerker antrafen. Am nächsten Morgen wurden alle übrigen Gefangenen freigelassen, der Franzose Bardel, den man für den schlechten Rathgeber Theodor’s hielt, ausgenommen. Bardel fanden die Truppen später, bei der Einnahme von Islam-Gie, hinter einem Felsen liegend, krank vor Hunger und Fieber. Theodor hatte ihn aus Magdala hinausgejagt. Dieser selbst aber war entschlossen, sich nicht zu unterwerfen und bis zum letzten Augenblicke auszuhalten. Lieber wollte er muthig untergehen, als feige sich ergeben. So blieb denn den Engländern nichts übrig, als zum Sturm auf Magdala zu schreiten, welches immer noch von einigen tausend Mann besetzt war.

Die Festung, von steilen Felsen beschützt, so erzählt ein englischer Bericht, bot nur zwei Zugänge, an der Nord- und der Südseite, die so enge waren, daß nur ein Maulthier sie jedesmal passiren konnte, und die jeder zu einem stark verrammelten Thore führten. Das nördliche Thor war es, durch welches der Eingang erzwungen wurde. Gegen halb drei Uhr Nachmittags am 13. April, dem Ostermontag, begann das Bombardement, und nach einer zweistündigen Kanonade wurde der Befehl zum Sturm gegeben. Die Truppen erkletterten den zum Thore führenden Pfad, fanden aber dieses, wie das umgebende Pfahlwerk, von den Kugeln nur wenig verletzt. Die Palissaden mußten daher mit Hülfe einer Strickleiter überstiegen werden, um das Festungsthor von beiden Seiten angreifen und die Vertheidiger zurücktreiben zu können. Den Zugang bildeten zwei etwa zehn Fuß voneinander entfernte Thore; der Raum zwischen denselben war mit schweren Steinen angefüllt. Hatte die Kanonade auch keinen direkten Vortheil erzielt, so trieb sie doch die Vertheidiger zurück. Nur sechs Offiziere stellten sich mit Todesverachtung den Angreifern entgegen, doch waren ihrer zu wenige, um die Position halten zu können.

Als die Engländer über die Leichen dieser Tapferen vordrangen, fanden sie auf einer etwas entfernten Anhöhe den entseelten Körper des Königs Theodoros liegen – er hatte die Schande nicht überstehen können und sich, um einer schmachvollen Gefangenschaft zu entgehen, durch den Mund erschossen, und zwar mit einem jener Revolver, welche ihm „die Königin Victoria zum Zeichen ihrer Dankbarkeit für die Güte geschenkt hatte, die er ihrem Diener Plowden erwiesen.“ So sagte die Inschrift des sechsläufigen Revolvers. Theodor’s Waffenträger gab die Einzelheiten an über das Verhalten seines Herrn in den letzten Stunden während des Angriffs der Engländer, gegen welchen der sonst so gefürchtete Tyrann nur mit wenigen Getreuen Stand hielt. Zweimal brach unter den hervorragendsten Häuptlingen und deren Gefolge Meuterei aus. Sie weigerten sich, an seiner Seite zu kämpfen, und beschlossen, ihn dem Feind auszuliefern, doch hatten sie noch immer nicht genug Muth, ihr Vorhaben auszuführen. Als so Alles verloren war, erschoß sich Theodor selbst, gleichsam um seine Feinde dadurch zu beschämen, daß er wie ein König sterbe. Das Gesicht des Todten ließ allerdings nicht auf seine früheren Züge schließen, zumal da das Auge das Feuer und den Ausdruck verloren, die als sein Charakteristicum bezeichnet wurden. Die Stirn zeugte von Intelligenz, der Mund von Entschlossenheit und Grausamkeit. Eine Anzahl englischer Truppen hielt bei dem königlichen Leichnam Wache, bis er, am Abend des 14. April, in der Kirche von Magdala begraben wurde.

Der englische Oberbefehlshaber bot das eroberte Magdala dem Gobazye, Schum von Waag, an; dieser lehnte jedoch das Geschenk ab, weil er es nicht gegen die Angriffe der Wollo-Galla vertheidigen könne und es überdies noch jedem, der dort geherrscht, den Untergang bereitet habe. Deshalb beschloß Napier, Magdala zu zerstören. Am Nachmittag des 17. April wurde der Ort in Brand gesteckt, die hochaufwirbelnden Feuer- und Rauchsäulen verkündeten den erstaunten Eingeborenen, daß Theodor gefallen, seine Zwingburg zerstört sei. Mit der Kirche, die man vor den Flammen nicht retten konnte, verbrannte auch der Leichnam des Königs. Damit war jedoch nur der Ort Magdala vernichtet, die natürliche Felsenfeste aber war unzerstörbar. Die Stadt an und für sich war uninteressant, sie bestand aus den gewöhnlichen Hütten mit kegelförmigen Strohdächern. Nur die keineswegs schöne Kirche und die Wohnung Theodor’s stachen von den übrigen Häusern ab. Letztere bestand aus zwei Stockwerken und war mit einem flachen Dache gedeckt. In ihr fand sich eine Anzahl europäischer Luxusartikel vor, Klaviere, Harmoniums, Spieldosen, Patronen für Hinterlader und ein Gemenge anderer Gegenstände. Sonst fanden sich Zeichen der Civilisation nur in den Werkstätten der von Theodor gefangen gehaltenen Handwerker. Einige Kronen, Becher, die Mörser Theodor’s, Speere, Säbel, Kreuze, amharische Bibeln u. s. w. wurden als Trophäen mit nach England genommen. Unter den Gefangenen befand sich auch ein Sohn Theodor’s, welchen der Obergeneral mit nach England zu nehmen beschloß. Auch die beiden Königinnen fielen den Engländern in die Hände. Die rechtmäßige Gattin Toronesch, die Tochter Ubié’s, erschien als eine vornehm aussehende Frau von 26 Jahren, mit heller Hautfarbe, lebhaften Augen, hübscher Hand und wunderschönem Haar, das in dichten Locken auf die Schultern herabfiel. Sie vermochte das Ende ihres Gemahles nicht zu überleben und starb auf dem Wege nach der Küste.

Sofort begannen die Engländer den Rückmarsch; um den Besitz der kahlen Felsenwände Magdala’s, das zur Berühmtheit geworden, stritten sich nun wieder die Galla – für die Abessinier war das Land am Kollogebirge, welches sie von ihren Stammesgenossen in Schoa trennt, verloren, und der muhamedanische Keil, den einst Theodor beseitigt, war wieder zwischen die christlichen Reiche eingeschoben. Auf der Talanta-Hochebene sammelte Sir R. Napier sein kleines tapferes Heer, hielt über dasselbe Revue und dankte ihm für die bewiesene Aufopferung. Dann wurde die Dschidda überschritten und auf demselben Wege, den man gekommen, die Heimkehr vollzogen.

Die befreiten Gefangenen und die Beute brachten die Engländer triumphirend nach Zula, von wo sie nach England eingeschifft wurden. Auch die deutschen Handwerker kehrten heim und nur Schimper und Zander zogen es vor, sich nach Adoa in Tigrié zu begeben, wo sie ihre Tage beschließen wollen. Die Expedition selbst war ein großer Erfolg, für den England aber theuer bezahlen mußte. Wenn der Brief, den Theodor Ende 1862 an die Königin Victoria schrieb, im Auswärtigen Amte nicht vergessen und nicht unbeantwortet geblieben wäre, so würde kein Grund vorhanden gewesen sein, die Expedition überhaupt zu unternehmen, 6 Millionen Pfund Sterling zu opfern und einige Tausend schlecht bewaffneter Abessinier mit Armstrongkanonen und Hinterladern niederzuschießen.

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Selten wurde wol ein Kriegszug mit solchem Widerstreben unternommen, mit solcher Genauigkeit entworfen und so rasch und vollständig ausgeführt, wie die englische Expedition gegen Abessinien. Sir Robert Napier konnte mit Cäsar schreiben: _Veni, vidi, vici!_ Der König todt, Magdala erstürmt, die Gefangenen frei! Das waren die nächsten Resultate. Die Schnelligkeit und Entschiedenheit des Erfolges, die vollständige Vernichtung Theodor’s und seiner Macht kann uns kaum Wunder nehmen. Der Kampf zwischen einem englischen Heere mit englischen Waffen und einer Streitmacht wenig geschulter, wenn auch tapferer Abessinier war für letztere von vornherein ein hoffnungsloser. Das eigenthümliche Verdienst der Engländer bestand aber nicht darin, daß sie die Abessinier, sondern daß sie das Land besiegten. Die Natur kämpfte gegen sie, aber die Wissenschaft und die Organisation überwanden diesen gefährlichsten der Gegner. Napier mußte sich fast Zoll für Zoll erst den Weg bahnen, und dieser mühsame und gefahrvolle Marsch ging über jäh abstürzende Klippen und an schwindelnden Abgründen vorbei; dazu gesellte sich die Kälte auf den Alpenhöhen von 12,000 Fuß über der Meeresfläche. Man begreift die ängstliche Spannung der englischen Armee, indem sie sich Magdala näherte, Theodor möchte sich zurückziehen und sie in endloser Verfolgung seiner Person und seiner Gefangenen zu ermüden suchen – aber der Negus hatte geschworen: „wenn auch alle seine Truppen flöhen, allein den Briten Stand zu halten“. Und er hat Wort gehalten, und in der That kann man im Hinblick auf die früheren Großthaten und die letzte Stunde sein Mitgefühl dem Manne nicht versagen, der selbst die Engländer zwang, ihn zu zermalmen. Er war aus dem Stoffe vieler orientalischer Eroberer gemacht, ein willensstarker, bedeutender Mensch, aber ohne Selbstbeherrschung und unfähig, die Kraft einer der seinigen überlegenen Civilisation zu begreifen. Selbst die Engländer ließen dem überwundenen Feinde schließlich Gerechtigkeit widerfahren und eines ihrer Blätter ruft aus: „Schade um den Mann! Der wahnsinnige Barbar, das feige Ungeheuer, als welchen ihn die schreibseligen Judenmissionäre in ihren Episteln aus der Gefangenschaft schilderten, war vielleicht der einzige wirkliche Held in diesem romantischen Drama. Schade um den Mann! Ein Mann von wilder Genialität, durchdringendem Scharfsinn und eiserner Willenskraft, mit all den Eigenschaften ausgerüstet, welche nöthig sind, um Afrikanern zu imponiren und Barbaren für die Civilisation zu gewinnen, so erschien er unsern Kriegern und er hat ihr Urtheil durch sein Herzblut besiegelt.“

In Abessinien sind von Zeit zu Zeit große Männer aufgetreten, welche ihr daniederliegendes Vaterland aus dem Staube zu heben suchten – der Abuna Tekla Haimanot stellte zu Ende des 13. Jahrhunderts das Reich unter der salomonischen Dynastie wieder her; Kaiser Fasilides verjagte die Jesuiten und unterwarf alle Rebellen – aber größer und gewaltiger erscheint der Sohn der armen Kussohändlerin aus Koara, Theodor II. – Und Abessinien? wird man fragen. Ohne kräftige Regierung steht es wieder da, zerklüftet und zerfallen, als das Land, das es von je gewesen, „das Land der Verwirrung“.

_Ende._

_Verlag von __Otto Spamer__ in Leipzig._

Das Buch der Reisen und Entdeckungen.

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Bibliothek der Länder- und Völkerkunde.

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*Abessinien, das Alpenland unter den Tropen** und seine Grenzländer.* Schilderungen von Land und Volk, vornehmlich unter König Theodoros (1855–1868). Nach den Berichten älterer und neuerer Reisender bearbeitet von Dr. *Richard Andree*. Mit 80 Text-Abbildungen, sechs Tonbildern sowie einer neuen Karte von Abessinien. *Vollständig in 6 Heften.* In elegantem Prachtband 1-2/3 Thlr.

*Die Erforschung des Nilquellen-Gebietes** und der angrenzenden Länder von Zanzibar bis Chartum.* Nach *Burton*, *Speke*, *Baker*, *Petherick*, *Heuglin*, *v. d. Decken* u. A. In 6–8 Heften. Mit 100 Text-Abbildungen, Tondrucktafeln, einer Karte etc. (_In Vorbereitung_.)

_Asien._

*Die Nippon-Fahrer oder das wiedererschlossene Japan.* In Schilderungen der bekanntesten älteren und neueren Reisen, insbesondere der amerikanischen Expedition in den Jahren 1852 bis 1854 und der preußischen Expedition nach Ostasien in den Jahren 1860 und 1861. Ursprünglich bearbeitet von *Friedrich Steger* und *Hermann Wagner*. In neuer Auflage herausgegeben von Dr. *Richard Andree*. _Zweite_ gänzlich umgearbeitete, vermehrte Auflage. Mit etwa 150 Text-Abbildungen, sieben Tondrucktafeln, sowie einer Karte von Japan. *Vollständig in 10 Heften.* In elegantem Prachtband 2-1/3 Thlr.

*Reisen in den Steppen und Hochgebirgen Sibiriens** und der angrenzenden Länder Central-Asiens.* Nach Aufzeichnungen von T. W. _Atkinson_ und Anderen. Bearbeitet von *A. v. Etzel* und *H. Wagner*. Mit 120 Text-Abbildungen und fünf Tondrucktafeln. *Vollständig in 8 Heften.* In elegantem Prachtband 1-2/3 Thlr.

*Das Amur-Gebiet und seine Bedeutung.** Reisen in Theilen der Mongolei, in den angrenzenden Gegenden Ost-Sibiriens, am Amur und seinen Nebenflüssen.* Nach den neuesten Berichten, vornehmlich nach Aufzeichnungen von *A. Michie*, *G. Radde*, *R. Maack* und Anderen. Herausgegeben von Dr. *Richard Andree*. Mit 80 Text-Illustrationen, vier Tonbildern, sowie einer Karte des asiatischen Rußlands und der angrenzenden Theile von Inner-Asien. *Vollständig in 6 Heften.* In eleg. Prachtband 1-2/3 Thlr.

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*Das Tropen-Eiland Java.* Mit 120 Text-Abbildungen, sechs Tonbildern und einer Karte von Java.

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*Sumatra, Borneo, Celebes, die Molukken und Neu-Guinea.* Mit 100 Text-Illustrationen, sechs Tonbildern etc.

*Neueste Kinderschriften, illustrirt durch F. Flinzer u. A.*

*Die Kinderstube I.** Was man seinen Kindern erzählt, wenn sie 2 bis 5 Jahre alt sind.* Kleine Geschichtchen, Gedichtchen und Räthsel. Von *Ernst Lausch*, Lehrer an der Ersten Bürgerschule zu Wittenberg. – In zwei Abtheilungen, mit 54 Text-Abbildungen und drei Buntbildern. Geheftet 15 Sgr. = 54 Kr. rhein. In prächtig ausgestattetem Umschlag gebunden 20 Sgr. = 1 Fl. 12 Kr. rhein.

Die _erste_ Abtheilung enthält 50 Geschichtchen und Gedichtchen, die _zweite_ Abtheilung 50 Gedichtchen, Räthsel und Gebete zum Auswendiglernen.

*Die Kinderstube II.** Hundert kleine Erzählungen, Gedichte und Verschen für Kinder von 4 bis 6 Jahren.* Der lieben Kinderwelt und deren Freunden gewidmet von *Fr. A. Glaß*. Neu bearbeitet und herausgegeben von *Ernst Lausch*. _Zweite_ umgearbeitete Auflage. Mit 60 Text-Abbildungen und drei Buntbildern. Geheftet 15 Sgr. = 54 Kr. rhein. In prächtig ausgestattetem Umschlag gebunden 20 Sgr. = 1 Fl. 12 Kr. rhein.

*Die Kinderstube III.** Erstes A-B-C-, Lese- und Denkbuch für brave Kinder, die leicht und rasch lesen lernen wollen.* Ein Führer für Mütter und Erzieher beim ersten Unterricht durch Wort und Bild. Herausgegeben von *Ernst Lausch*. Mit 300 Text-Abbildungen und zwei Buntbildern. Geheftet 15 Sgr. = 54 Kr. rhein. In prächtig ausgestattetem Umschlag gebunden 20 Sgr. = 1 Fl. 12 Kr. rhein.

*Inhalt:* I. Die kleinen Buchstaben. II. Die großen Buchstaben und Ergänzung der kleinen. III. Lesebuch. IV. A-B-C-Bilder-Reime. V. Kinderspiele. VI. Rechenbuch. VII. Gebetbuch.

Ein namhafter Pädagog spricht sich über die vorstehenden Bändchen in folgender Weise aus: „Wir können nicht anders als mit Freuden anerkennen, daß es dem Autor gelungen ist, den rechten Stoff und für denselben die rechte Form, d. h. die rechte Sprache für die Kinder-Erzählungen getroffen zu haben. Die Geschichtchen sind höchst einfach und natürlich in der Sprechweise der Kinder gegeben, ohne jedoch etwa einen kindischen oder gar läppischen Ton anzuschlagen. Man siehts diesen Büchelchen deutlich an, daß ein innig liebendes Vaterherz, geleitet von einem klaren pädagogischen Sinne, sie zunächst für sein Theuerstes auf Erden, für seine eigenen Kinder erfunden und erzählt hat. Sie sind den Kleinen aus der Seele gelesen und darum echte Mosaikstücke aus einem wahren und wirklichen Kindesleben. Mit vielem Glück hat der Verfasser in diesen Erzählungen alles Gekünstelte und Sentimentale, alles Ueberschwengliche und Unnatürliche _à la_ Struwelpeter, sowie besonders auch trocknes und langathmiges Moralisiren fern gehalten.“

Noch sei bemerkt, daß diese Geschichtchen so einfach und kunstlos sind, um von jeder Mutter und Erzieherin jemalig nach dem Bedürfniß und der Anschauungsweise ihrer Pfleglinge leicht umgeändert oder auch als Themata zu verschiedenen Variationen benutzt werden zu können.

Wo und wann ein Lehrer von _Müttern_ oder von _Erzieherinnen_ nach lobenswerthen und zweckdienlichen Erzählungen für kleine Kinder befragt wird, da kann derselbe mit gutem Gewissen die Geschichtchen von *Ernst Lausch* ihnen aufs Wärmste empfehlen.

Gleiches Lob verdient das _neueste_ Bändchen desselben Verfassers unter dem Titel:

Die Schule der Artigkeit.

*Goldenes A-B-C der guten Sitten** in Lehr- und Beispiel, Mahnung und Warnung.* Auserwählte Fabeln, Sprüche und Sprüchwörter _für die Kinderstube_. Herausgegeben von *Ernst Lausch*. Mit einem Titelbilde, sowie 60 Text-Abbildungen von F. Flinzer, O. Rostosky und Fr. Waibler. Elegant geheftet 22½ Sgr. = 1 Fl. 21 Kr. rhein. In prächtig ausgestattetem Umschlag gebunden 25 Sgr. = 1 Fl. 30 Kr. rhein.

(Diesem Bändchen schließt sich im nächsten Jahre eine Sammlung der vorzüglichsten deutschen *„Märchen und Sagen“* an.)

Die kleinen Tierfreunde.

*Fünfzig Unterhaltungen über die Thierwelt.* Ein lustiges Büchlein, für die liebe Jugend bearbeitet von Dr. *Karl Pilz*, Lehrer an der Dritten Bürgerschule zu Leipzig. _Zweite_, gänzlich umgearbeitete, vermehrte Auflage. Mit 60 Text-Abbildungen und einem Titelbilde. Geheftet 20 Sgr. = 1 Fl. 12 Kr. rhein. Elegant cartonnirt 25 Sgr. = 1 Fl. 30 Kr. rhein.

*Kinderschriften von Hermann Wagner.*