Abessinien, das Alpenland unter den Tropen und seine Grenzländer

Chapter 17

Chapter 173,455 wordsPublic domain

Zu derselben Zeit nun, als die Katholiken aus Abessinien vertrieben wurden und dort die großen politischen Umwälzungen stattfanden, welche Theodor ans Ruder brachten, beschloß Bischof Gobat die protestantische Mission, die in Tigrié seit 1838 unterbrochen war, abermals zu erneuern und sandte zu diesem Zwecke Ludwig Krapf, den unermüdlichen Kämpfer, und _Martin Flad_, gleich jenem ein Württemberger, im Dezember 1854 nach Abessinien. Die Sendboten landeten am 20. Februar 1855 zu Massaua. Hier traf nun bald der flüchtige de Jacobis ein, dessen Stelle zu besetzen die protestantischen Missionäre sich schleunig anschickten. Alles stand für sie günstig; sie brachen ins Innere auf und fanden den König im Lager in der Nähe von Debra Tabor, der sich ungemein freundlich gegen die Missionäre benahm. Daß er die Protestanten schützen, die Katholiken aber keineswegs dulden wolle, war eine angenehme Nachricht für Krapf, der sofort seine Geschenke auspackte. Diese bestanden in einem ägyptischen Teppich, einem Revolver, einem silbernen Becher, einem Taschentuch, auf dem eine Flaggenkarte abgedruckt war, und aus einer Bibel in amharischer Sprache. Das Taschentuch freute den König sehr, und als er bemerkte, daß die Flagge von Jerusalem nicht in der Mitte stehe, fragte er nach der Ursache. Krapf theilte nun dem Könige mit, daß Bischof Gobat ihm eine Anzahl christlicher Handwerker, Büchsenmacher, Schmiede u. s. w. schicken wolle. Dieser Plan fand günstige Aufnahme, um so mehr als der König bereits die Absicht hatte, nach Deutschland, England und Frankreich zu schreiben, um sich von dort Arbeiter kommen zu lassen. Die Freiheit der Religion wurde diesen Leuten ausdrücklich gewährleistet, eine Missionsthätigkeit unter den christlichen Abessiniern ihnen jedoch nicht gestattet. Krapf und Flad zogen hierauf über Wochni, Metemmé und Sennar, den Nil abwärts nach Europa, wo sie Bericht über ihre Reise erstatteten. Schon im April 1856 gingen denn unter Flad’s Leitung mehrere Laienbrüder aus dem Chrischona-Institute bei Basel nach Abessinien. Sie wurden Anfangs gut aufgenommen und zu Dschenda bei Gondar und Gafat bei Debra Tabor angesiedelt. Ihre spätere Wirksamkeit fällt indessen mit der politischen Geschichte des Königs Theodoros zusammen, weshalb wir hier darauf verzichten, sie zu schildern. Wohl waren sie als Handwerker thätig, indessen konnten sie für die Ausbreitung des Protestantismus so gut wie gar nichts thun, und ihre Anwesenheit in Abessinien bezeichnet den _siebenten mißlungenen Missionsversuch_. Gleich ihnen waren auch die etwas später eintreffenden Judenmissionäre _Stern_ und _Rosenthal_ unglücklich, deren Beginnen als der _achte mißglückte Versuch_ hier angeführt werden muß.

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Wohl ist das Missionswerk ein preiswürdiges, wohl verdienen jene Männer wegen ihres Eifers, ihrer unermüdlichen Ausdauer unser Lob. Allein von Mißgriffen waren die wenigsten frei und das stete Einmischen in die politischen Verhältnisse des Landes ein arger Fehler. Auch ist ihr Blick selten vorurtheilsfrei den gegebenen Verhältnissen gegenüber gewesen und leere Hoffnungen traten stets an die Stelle wirklicher Erfolge. Reisende, die ungetrübten Blickes Land und Leute kennen lernten, waren deshalb auch ferne von den gleichen argen Täuschungen und stellten mit seltener Einmüthigkeit das Erfolglose der Missionsbestrebungen in Abessinien dar. Allein ihre klaren, für uns unumstößlichen Anschauungen und Beweise haben für die Missionäre nicht die geringste Geltung, die beim Buchstaben der Schrift stehen bleiben. Doch halten wir mit dem eigenen Urtheile zurück und lassen wir die Aussprüche einiger der bewährtesten Reisenden über die Missionen in Abessinien folgen.

_Werner Munzinger_ ist mit der Handwerkermission, insofern dieselbe einfach Bildung verbreiten hilft, einverstanden. „Abessinien aber protestantisch machen zu wollen, fährt er fort, das wäre ein Beginnen, so radikal allem Hergebrachten ins Gesicht schlagend, daß die Leute, denen man plötzlich ihren frommen Glauben und besonders die Verehrung der Mutter Gottes rauben wollte, von allem Christenthum abwendig würden. Das rücksichtslose Abreißen würde sie so stutzig und verwirrt machen, daß sie das Kind mit dem Bade ausschütten und den Glauben allen zusammen, sogar an Gott, wegwerfen würden, und mit der Verkündigung einer Religion, die keine Verwandtschaft mit dem hat, was bis jetzt für schönes goldenes Christenthum galt, wird allein ein krasser, gedankenloser Unglaube gepflanzt, der dem Volke den moralischen Halt nimmt, den ihm sein alter Glaube verliehen hatte. Wo aber ein Volk einmal den Glauben der Apostel rein bewahrt zu haben glaubt, da darf man des Systemes halber nicht in ein Extrem fallen; man muß nur das Mögliche versuchen, nur das Mögliche ist gut.“

Weit unumwundener spricht sich _Alfred Brehm_ aus. Er schreibt: „Die Bemühungen der Missionäre sind zeitweilig von großen Erfolgen gekrönt gewesen. Zeitweilig, sage ich, das heißt, so lange die Mission Geschenke der verschiedensten Art, namentlich Schnaps und Wein, zu verabreichen hatte. Je mehr aber der Vorrath an diesen beliebten Getränken abnahm, um so lauer wurden auch die Christen, und in den Zeiten der Dürre benahmen sie sich regelmäßig so, als wären sie niemals Christen gewesen. Es geht hier eben wie fast überall, wo christliche Missionäre wirken: sie gewinnen in kurzer Zeit eine Menge Leute, welche sich dazu verstehen, einige Gebräuche des Christenthums nachzuäffen! Daß man sich in der Lehre, wie in der Ausübung auf Aeußerlichkeiten beschränkt, versteht sich ganz von selbst. – – Es verdient endlich einmal gesagt zu werden, daß die christlichen Missionen in Afrika in Glaubenssachen eben nichts anderes bewirken, als überspannten oder glaubenskranken Europäern eine gewisse Genugthuung zu geben.“

Der klar blickende _Baker_, welcher in Galabat mit ein paar von den Chrischona-Missionären zusammentraf, unter denen sich ein Grobschmied befand, machte ihnen bemerklich, daß daheim in Europa ein sehr großes Feld für die Missionsthätigkeit offen liege und daß es sicherer und besser sei, dieses zu bebauen. „Ich konnte aber den Grobschmied, dessen Kopf so hart wie sein Amboß war, nicht überzeugen. Er hatte sich vollständig eingeredet, daß das Wort Gottes der Hammer sei, mit dem er, seinem Handwerk entsprechend, seine Ansichten von der Wahrheit den Leuten in die dicken Schädel treiben müsse. Ich rieth ihm wieder zu seinem Handwerk zu greifen, das ihm mehr Respekt verschaffen werde als sein Predigen. Er antwortete, das Wort Gottes müsse in allen Ländern gepredigt werden; der Apostel Paulus sei auch Gefahren und Schwierigkeiten begegnet, aber er habe nichtsdestoweniger gepredigt und die Heiden bekehrt. So oft ich einem übermäßig unwissenden Missionär begegnet bin, hat er sich immer mit dem Apostel Paulus verglichen.“

Endlich urtheilt der fromme und religiöse _Zander_, hart aber wahr, folgendermaßen: „Alle abessinischen Missionen, die bisher hier waren, haben ihre Aufgabe durchaus falsch angegriffen, indem sie sich an die Erwachsenen wandten. Das Volk könnte nur einzig und allein dadurch gehoben werden, daß man sich der Kinder von früh auf sorgfältig annähme und sie gut erzöge. Eine Mission, die sich ungehindert dieser Aufgabe hingeben würde, könnte unendlichen Segen und Nutzen stiften, allerdings nicht für die Gegenwart, wohl aber für die Zukunft. Doch die bisherigen Leiter aller Missionen sammt ihren Gehülfen waren rein unfähig, eine solche Aufgabe zu vollführen, und die Missionshäupter wurden stets von Eitelkeit, Hochmuth und grenzenloser Selbstsucht regiert. Sie schütteten stets das Kind mit dem Bade aus.“

Diese vorurtheilsfreien Stimmen, neben welchen leicht noch viele ähnlich lautende Aussprüche angeführt werden könnten, mögen zur Bildung eines Urtheils über das abessinische Missionswesen genügen.

DER ACKERBAU UND DIE VIEHZUCHT ABESSINIENS.

Von Eduard Zander.

Die Kulturfläche Abessiniens. – Die Getreidearten, ihre Anpflanzung und Verwendung. – Gewürze, Gemüse, Wein, Baumwolle, Gescho. – Ernteertrag. – Nuk. – Einfelderwirthschaft. – Ackerwerkzeuge. – Regenzeit. – Bewässerung. – Soziale Stellung der Landleute. – Die Viehzucht. – Die Regierung und der Grundbesitz. – Das Frohnwesen. – Steuern. – Wiesen und Moorgrund. – Bienenzucht. – Aussicht für europäische Ansiedelungen. – Die Wohnungen der Landleute. – Die Mühlen Abessiniens.

Abessinien besitzt sehr viel Land, welches sich vortrefflich zum Anbau eignet; jedoch kann man mit Sicherheit annehmen, daß von allem kultivirbaren Boden kaum die Hälfte benutzt wird, sodaß ungefähr von der gesammten Bodenoberfläche kaum ein Drittel bebaut erscheint.

Die zwischen 8000 und 10,000 Fuß über dem Meere gelegenen Hochländer, wie Semién, die Wasserscheide des Rothen Meeres und Nilgebietes, Begemeder, das Innere von Godscham, namentlich die Gebirge um die Quellen des Blauen Nil, Sebit, Woadla, Daunt, Talanta, Lasta, Jedschu Wollo und Schoa sind meist eben und abwechselnd mit sanften Hügeln und Höhen bedeckt, die eine zwei bis acht Fuß mächtige, sich nie erschöpfende Humusdecke tragen. In allen diesen Ländern wird, manchmal bis zu 11,000 Fuß hinaufreichend, die vierreihige Gerste kultivirt, während die zweireihige nur zwischen 7000 und 8000 Fuß Meereshöhe angebaut wird. Die verschiedenen Arten des Weizens, unter denen die Eidscha genannte die vorzüglichste ist, gedeihen nur zwischen 8000 und 9000 Fuß; in derselben Höhe kommt der Flachs am besten fort, obwol er bis zu 6000 Fuß hinabgeht. Die Flachsbereitung zu Webereien kennt der Abessinier nicht; er baut das nützliche Gewächs nur, um aus den Samen zur Fastenzeit ein Lieblingsgericht herzustellen. Die Bereitung desselben ist sehr einfach. Man röstet zunächst die Samen in einem flachen Tiegel über Feuer, doch nicht zu stark, und zerstößt sie hierauf in einem hölzernen Mörser sehr fein. So zubereitet läßt sich die gestoßene Masse in Kugeln formen und für lange Zeit aufbewahren. Um aus diesen ein Leingericht herzustellen, werden einige Kugeln in Wasser zu einer dicken Suppe zerrührt, und in diese taucht der Abessinier seine gesäuerten, dünn gebackenen Brote. Für weitere Reisen ist diese Speise außerordentlich praktisch, ja fast unschätzbar; ich selbst habe mich derselben häufig bedient und kann nur sagen, daß sie eine wohlschmeckende ist. Linsen und Saubohnen gehen bis zu einer Höhe von mehr als 9000 Fuß. Als Gemüse werden in dieser Höhe angebaut: Kohl, Senf und Knoblauch.

Zwischen 6000 und 8000 Fuß Meereshöhe finden wir auch ganz vortreffliche zum Ackerbau geeignete Landschaften: Hamasién und Serawié mit durchgängig urbarem Boden, liegen 7000–7500 Fuß über dem Meere; die Distrikte Dixan, Adigrat, Schumnesanié, Hausién, Faresmai, Adoa, Okulekusai, Adiarwate, Schirié, Tembién, Axum, Auker, Enderta u. s. w., die zu Tigrié gerechnet werden, und von Amhara: Bellesa, das niedere Woggera, ganz Dembea, das niedere Begemeder, Dakussa, Halefa, das niedere Lasta u. s. w. In den genannten Ländern auf einer Höhe von 7000 bis herab zu 5500 Fuß gedeihen vorzüglich folgende Getreidearten: Tiéf, das werthvollste und wohlschmeckendste Korn, von dem viele Abarten gebaut werden; Mais oder Maschilla, der gleichfalls in verschiedenen Varietäten vorkommt; Dakuscha, die besonders zur Bierbereitung dient; Nuk, dessen Samen ein vortreffliches Speiseöl liefert und der in großer Menge angebaut wird. Schimbera, eine Wickenart; Erbsenarten; Saubohnen; als Gemüse gelten: viele Melonensorten, spanischer Pfeffer, Zwiebeln, Kohl u. s. w.

Von 5000 Fuß bis zu 3000 Fuß über dem Meere werden noch besonders Mais und Dakuscha gebaut, die dort vorzüglich gedeihen. Dann Schimbera, spanischer Pfeffer und besonders Melonen. Auch kommt die Baumwolle gut fort.

Nach diesem flüchtigen Umriß, der nur dazu dient, die Kulturpflanzen nach der Höhe ihres Standpunktes und Vorkommens über dem Meere anzuführen, gehe ich ausführlicher auf deren Nutzbarkeit und Anwendung, deren Ertrag und Preis, sowie auf Saatzeit und Ernte einer jeden ein.

_Gerste_ kommt zwei- und vierzeilig vor; letztere wird zwischen 8000 und 11,000 Fuß angebaut; da sie gegen Kälte und rauhe Witterung nicht so empfindlich ist wie die erstere, läßt sich ihre Kultur mit mehr Gewinn betreiben. Allein sie hat sehr dicke Hülsen und deshalb geben die Körner nicht viel Mehl, nämlich 16 Metzen Gerste nur 10 Metzen Mehl. Wenn, wie gewöhnlich, im März und April einiger Regen gefallen ist, findet die Aussaat statt. Ende Juni folgt dann eine – meist mißrathende – Nachsaat. Jedoch ist die Aussaat nicht überall gleichzeitig. So säet man im Hochlande von Wollo die Gerste fast zu jeder Zeit. Gewöhnlich fällt die Ernte Mitte Oktober bis Ende November; auf den Höhen über 11,000 Fuß aber in den Dezember. Unregelmäßige Aussaaten und Ernten sind von der Lage und Höhe des Feldes abhängig. Die gewonnene Gerste wird zur Bierbereitung und zum Brotbacken benutzt. Die _Gerstenbrote_ sind 2–3 Linien dicke, anderthalb Fuß im Durchmesser haltende runde Kuchen. Der Teig zu denselben wird sehr dünnflüssig angestellt, einer zwölfstündigen Gährung überlassen und ist dann sofort zum Backen geeignet. Die flüssige Masse wird in eine flache, thönerne Schüssel gegossen, mit der Hand gleichmäßig vertheilt, mit einem gewölbten Deckel überdeckt und in einer Minute über freiem Feuer gar gebacken. Diese Art der Bereitung von gesäuertem Brote wird bei allen Getreidearten ohne Ausnahme angewandt.

Zur _Bierbrauerei_ wird die Gerste ohne vorheriges Malzen schwach braun geröstet, dann grob gemahlen, das erhaltene Mehl in einen großen thönernen Krug geschüttet und unter stetem Umarbeiten so viel Wasser zugegossen, bis das Ganze in einen nicht zu dicken Brei verwandelt worden ist. Nun wird auf folgende Art die eigentliche Würze bereitet. Man quellt Gerste in einem Thonkruge 24 Stunden lang, schüttet das Wasser davon ab und schichtet das gequollene Getreide in einem spitzen Haufen auf, den man mit Gras oder Laub dicht zudeckt und mit Steinen beschwert. Dieser bleibt so lange in Ruhe, bis die Gerste 2–3 Zoll lange Keime getrieben hat; dann trocknet man diese schnell und bewahrt sie auf. Dieses Malz wird zur Bierbereitung nun auf folgende Art verwendet. Man nimmt auf 32 Metzen geröstetes Gerstenmehl ½ Metze Malz, das vorher zu Mehl zerrieben und, mit 3 Metzen geröstetem Gerstenmehl vermischt, zu Teig angerührt ist. Diese Masse läßt man kurze Zeit gähren und bäckt aus dem so erhaltenen Teige dünne brotartige Kuchen, die am Feuer hart getrocknet und in kleine Stückchen zerbröckelt werden. Die Quantität derselben und das geröstete Gerstenmehl stehen in einem genauen Verhältnisse. Die gemischte Masse wird in ein trichterförmiges Pferdehaarsieb, das auf einem Thonkruge steht, gestellt, dann Wasser darüber gegossen und nun unter fortwährendem Wasserzugießen so lange durchgerührt, bis aller Mehlstoff, mit Zurücklassung der Hülsen, in den Krug geflossen ist. Nach vier bis sechs Stunden tritt in dem mit Wasser noch verdünnten Inhalte des Kruges Gährung ein und das Bier ist zum Trinken fertig. Biere von anderen Getreidearten, wie Dakuscha oder Mais, werden auf dieselbe Weise bereitet. In Thonkrügen, deren Deckel mit Lehm und frischem Kuhmist verstrichen sind, hält sich das Gebräu oft geraume Zeit.

Der _Weizen_ wird zwischen 7000 und 9000 Fuß über dem Meere angebaut. Die Saatzeit fällt mit jener der Gerste zusammen; die Ernte ist etwas später. Wie schon bemerkt wurde, kultivirt man verschiedene Sorten. Die gewöhnliche Benutzung des Weizens ist zur Bereitung von Hampascha-Brot, dessen Teig mit Bierhefe angestellt, dick und steif ausgewirkt und zu Broten von 1½ Zoll Dicke, aber beliebiger Größe, verbacken wird.

_Dakuscha_ (_Eleusine_) wird zwischen 3500 und 6500 Fuß gebaut, ist aber besonders in den Höhen zwischen 4000 und 5000 Fuß sehr ergiebig. Dieses Getreide dient vorzüglich zur Bier-, weniger zur Brotbereitung; verbäckt man es jedoch, so sind die warmen Kuchen sehr wohlschmeckend und nährend. Die Saatzeit fällt Anfang März; die Ernte in den November und Dezember. Es giebt schwarze und weiße Dakuscha.

_Tiéf_ oder Tef (_Eragrostis_), zwischen 5500 und 7500 Fuß gebaut, ist das beliebteste, in einer Menge Arten vorkommende Getreide Abessiniens und das aus diesem bereitete Brot das allerwohlschmeckendste im Lande, besonders das rein weiße. Die Saatzeit richtet sich nach den verschiedenen Sorten. Sie fällt von April bis Mitte Juni und danach die Ernte von Ende September bis Anfang November.

_Mais_ oder Maschilla, in verschiedenen Sorten gebaut zwischen 3000 und 7000 Fuß, gedeiht am besten zwischen 3000 und 5000 Fuß, wo er oft zwei- und dreihundertfältigen Ertrag liefert. Man verwendet ihn zum Brotbacken und zur Bierbereitung. Die Aussaat beginnt im April, die Ernte fällt – je nach Sorte und Standort – in den November und Dezember; in Woro Haimano gar schon zu Anfang Oktober.

_Schimbera_ (_Lathyrus_), eine Wickenart, zwischen 4000 und 7000 Fuß angebaut, wird vorzüglich zu Schiro, einem Lieblingsgerichte der Abessinier, verwendet. Man röstet hierzu die Samen, enthülst sie auf der Mühle, setzt spanischen Pfeffer, geröstete Zwiebeln und Salz zu und mahlt die ganze Masse zu Pulver. In siedendes Wasser nach und nach eingerührt, mit Schmalzbutter oder Oel gefettet, bildet es ein gutes Gericht. Auch backt man aus dem Mehle ungesäuerte Kuchen, die als Reiseprovision geschätzt sind. Die Saat beginnt gleich nach der Regenzeit – da die Pflanze trockene Luft und Sonne liebt – also Anfang September. Wo die Felder naß und sumpfig sind, beginnt die Aussaat erst im Oktober oder gar im November. Die Ernte erfolgt drei Monate später. Man unterscheidet eine weiße und eine gelbe Schimbera.

Zwei Arten _Saubohnen_ und eine _Erbse_ werden wie die vorige verwendet. Man baut sie zwischen 6000 und 9000 Fuß, sät zu Anfang Juli und erntet im Oktober.

Die _Linse_ kultivirt man zwischen 6000 und 9500 Fuß. Die Saat derselben erfolgt Anfang Juli, die Ernte Anfang Oktober. Gewöhnlich enthülst man die Linsen auf der Mühle, kocht sie, würzt sie mit Pfeffer, Salz und Butter und genießt sie auf diese Weise. Wo sie aber, wie in Woadla und Daunt, viel gebaut wird, bäckt man auch gesäuertes Brot daraus, das allerdings nicht sonderlich gut ist. _Eiwisch_, eine Bohnen- oder Kleeart, zwischen 6000 und 7000 Fuß, wird im August gesät und im Dezember geerntet. Die abgekochten und fein zerriebenen, dann so lange umgerührten Samen, bis sie einen kleisterartigen Brei liefern, der mit Knoblauch und Pfeffer gewürzt wird, sind die beliebteste Fastendelikatesse der Abessinier. _Atunkere_, eine Schlingbohne, zwischen 5000 und 6500 Fuß gebaut, im April gesät, Anfang November geerntet, wird wie die Linsen gegessen.

Der rothe oder _spanische Pfeffer_ ist das hauptsächlichste und beliebteste Gewürz der Abessinier, das diesen so unentbehrlich geworden ist, daß sie es handvollweise den Speisen beimischen. Die abgekochten, aber fortwährend feuchtgehaltenen Früchte werden auf der Mühle zu feinem Pulver zerrieben, dann eine gleiche Quantität gerösteter, feingemahlener Zwiebeln zugesetzt, einige wohlriechende, pulverisirte Pflanzen und Salz beigemischt und die so bereitete Würze aufbewahrt. Manchmal reibt man den Pfeffer auch nur mit Salz und Wasser ab. Man baut den Pfeffer zwischen 4000 und 6500 Fuß und bewässert ihn wohl; in Dembea wird er ohne Bewässerung gezogen und Ende Oktober geerntet. Andere Gewürze sind Sinjewil, eine beliebte, dem Pfeffer beigemischte Kalmuswurzel; gleich dieser benutzt man noch Adees, eine Rubiacee, die Samen der Awoseda, einer Umbellifere, und Schenadam, eine Labiate. Die Samen des Föto, welches unserer Gartenkresse gleicht, werden gleichfalls gegessen; jene des Schuf, einer Compositee, wie Schiro zubereitet. Dinnitsch ist ein Convolvulus, dessen den Kartoffeln ähnliche Wurzelknollen eine wohlschmeckende Speise liefern.

Zu den _Gemüsen_ übergehend, erwähne ich zunächst zwei sehr beliebte, wie unser Raps aussehende Kohlarten, deren Blätter wie Spinat gekocht werden. Im Tiefland gedeiht der Kohl nur in der Regenzeit bis zu Anfang Oktober; im Hochland aber bis zu 10,000 Fuß grünt er das ganze Jahr hindurch. Der reichliche, ölige Samen wird nur zur Aussaat und zum Einreiben der Backschüsseln benutzt, damit sich das Brot gut löse. Das einzige Gemüse, auf dessen Anbau die Abessinier neben dem rothen Pfeffer noch Fleiß verwenden, sind verschiedene Melonenarten, die nicht roh, wohl aber gekocht genossen werden. Die Samen legt man Anfang April; fehlen dann die Regen, so müssen die jungen Pflänzchen bis zum Eintritt der Regenzeit bewässert werden. Die Früchte beginnen Anfang September zu reifen. In einigen Gegenden baut man auch vortreffliche Gurken (Wuschisch). Das Gewürz Bello, eine Solanumart, dessen Samen ähnlich wie der rothe Pfeffer benutzt werden, kultivirt man besonders in Walduba bis zu 6000 Fuß Höhe. Man bedient sich seiner namentlich in den 60tägigen Osterfasten.

In der gleichen Zeit bildet auch der Knoblauch, der zwischen 7000 und 8500 Fuß häufig gebaut wird, einen beträchtlichen Handelsartikel. Er wird dann stark gegessen, und man sieht sehr oft, wie der Abessinier ganze Hände voll der rohen Zwiebeln hinabwürgt. Es kann nichts Unangenehmeres geben als die Berührung mit einem Knoblauchsfresser, dessen stinkender Athem unerträglich ist. Die Reife des Knoblauchs beginnt im Januar und Februar. Mit dem Ausgange der Regenzeit pflanzt man eine kleine, rothe, längliche Zwiebel; sie wird bewässert und reift zugleich mit dem Knoblauch. Ihre Verbreitungsregion ist zwischen 5500 und 8000 Fuß; der Handel damit sehr bedeutend.

Die _Banane_ oder Mus (_Musa paradisiaca_) wird zwischen 5000 und 6500 Fuß kultivirt. Höher hinauf bis zu 7500 Fuß kommt eine zweite ihr ganz ähnliche Art, die _Henset_, vor. Ihre kleinen Früchte sind aber nicht eßbar, dagegen liefern der fleischige Stamm und die starken Blattrippen im gekochten Zustande eine nahrhafte, wohlschmeckende, den Kartoffeln ähnliche Speise. Diese Riesenpflanze liefert in manchen Gegenden die Hauptnahrung der Bewohner. Sie wird angebaut von 5500 bis zu 8000 Fuß über dem Meere.

Der _Wein_ kommt zwischen 5000 und 7500 Fuß über dem Meere vor, ist aber nur sehr wenig in Abessinien verbreitet, doch von ganz vortrefflichem Geschmack; ja, ich kann behaupten, daß, wenn man denselben mit europäischer Umsicht, Geschicklichkeit und Pflege behandelte, er seines Gleichen nicht finden würde. Doch der Abessinier kennt weder Pflege noch Wartung des edlen Gewächses, dessen Verschneiden ihm ein unbekanntes Ding ist; er überläßt die Rebe ganz sich selbst. Aber es giebt ungemein viel Strecken im Lande, die unter verständigen Händen sich ganz vorzüglich zur Weinkultur eignen würden. Man baut nur eine Sorte mit großen, blaubeerigen Trauben, die je nach Stand und Ort von Anfang März bis Mitte April reifen. (Vergl. S. 57.)

Citronen, Pomeranzen, Pfirsiche gedeihen im verwilderten Zustande sehr gut, sind aber wenig verbreitet. Eine Citronensorte, Trunki genannt, erreicht die Größe eines Menschenkopfes; ihr angenehm schmeckendes Fleisch ist sehr beliebt. Hier und da finden sich auch saure Granatäpfel.

Die _Baumwolle_ wird nicht in dem Maße gebaut, um die Bedürfnisse des Volkes decken zu können. Abermals ein trauriger Beweis von der Unbetriebsamkeit und dem Unfleiße der Abessinier! Und doch fehlt es nicht an geeigneten Ländereien. Man könnte sehr leicht den achten Theil Abessiniens mit der nützlichen Pflanze bestellen – leider überläßt man denselben lieber den wilden Bestien als Tummelplatz. Zwischen 3000 und 5000 Fuß gedeiht eine vorzügliche Qualität, und dabei bezieht man Baumwolle aus fremden Ländern!