Part 9
Zu seinem achtzigsten Geburtstage, der unter allseitiger Teilnahme noch glänzender als der siebzigste gefeiert wurde, empfing Menzel eine Fülle von hohen Ehrungen. Kaiser Wilhelm II ernannte ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat „Excellenz“; außerdem verehrte er ihm seine von Schott modellierte Bronzebüste, und er bereitete dem Gefeierten eine besondere Herzensfreude dadurch, daß er zu der in den Räumen der Berliner Akademie veranstalteten Festhandlung eine Abteilung Fridericianischer Riesengrenadiere sandte. Die Stadt Berlin ernannte Menzel zum Ehrenbürger. Die Akademie zu Paris, das _Institut de France_, ernannte ihn zu ihrem Mitglied; dasselbe that die königliche Akademie der Künste zu London. Bewunderungswürdig war die Rüstigkeit, mit welcher der Gefeierte an diesem Ehrentage vom frühen Morgen bis tief in die Nacht hinein all den mannigfaltigen festlichen Veranstaltungen seine vollste Aufmerksamkeit schenkte.
Gegen Ende des Jahres 1895 schwebte Menzels Leben infolge eines schweren Sturzes über eine Treppe in Gefahr. Aber seine zähe Natur überwand schnell und vollständig die Folgen dieses Unfalls. Im neunten Jahrzehnt seines Lebens fuhr Menzel fort, mit der Frische eines Jünglings zu arbeiten. Jedes neue Werk, das unter seinen Händen entstand, war ein neuer Beweis seiner nicht alternden Künstlerschaft.
Nur zum Ausscheiden aus dem Senat der Akademie der Künste zu Berlin sah er sich durch sein hohes Alter im Jahre 1898 bewogen. Er wurde darauf zum Ehrenmitglied dieses Senats ernannt.
In dem nämlichen Jahre gab Kaiser Wilhelm II seiner Verehrung und Bewunderung für Menzel den höchsten Ausdruck durch eine ohne Vorbild dastehende Auszeichnung. Im Dezember 1898 ernannte der Kaiser ihn zum Ritter des Schwarzen Adlerordens; mit dieser Ernennung war die Erhebung in den Adelstand verbunden. Wenn Tizian, Rubens, Velazquez von ihren Fürsten in ähnlicher Weise geehrt worden sind, so hatte doch keine der diesen Meistern verliehenen Auszeichnungen auch nur annähernd einen so hohen Rang wie der preußische Orden vom Schwarzen Adler. Das Benachrichtigungsschreiben des Kaisers an den Direktor der Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin, Anton von Werner, hat den schönen Wortlaut: „Ich habe Seiner Excellenz dem Professor _Dr._ von Menzel meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler verliehen; es soll diese höchste Ehrung, die einem Künstler je zu teil geworden, ein Zeichen meiner Dankbarkeit sein für die durch seine Kunst meinem Hause geleisteten Dienste, sowie ein Sporn werden für die Jünger der Kunst der Malerei, auch auf den von Menzel so erfolgreich betretenen Bahnen zu folgen und zu streben es ihm gleich zu thun.“
Der vielseitigen und doch in so ausgeprägte Eigenart gefaßten Kunst Menzels steht die gesamte Kunstwelt ehrfurchtsvoll gegenüber. Und mitten in dem gärenden Kampf zwischen alten und neuen und werdenden Anschauungen versagt keiner dem Manne seine aufrichtige Bewunderung, der früher als andere das Vorhandensein malerischer Schönheit überall ringsum in der alltäglichen Wirklichkeit entdeckt und mit echter Künstlerschaft verwendet hat.