A. von Menzel

Part 4

Chapter 42,444 wordsPublic domain

„Friedrich der Große auf Reisen“ ist der Titel eines figurenreichen Gemäldes, das im Jahre 1854 für die Galerie Ravené fertig wurde (Abb. 46). Der siebenjährige Krieg ist vorüber. Der König will sich persönlich von dem Erfolg der Anordnungen, die er zur Hebung der vom Krieg verursachten Schäden getroffen hat, überzeugen. Die Aufführung von Neubauten in einem zerstörten Dorfe ist im Werke. Der König ist eben seinem Wagen entstiegen, und vom General von Lentulus begleitet schreitet er auf den Geheimrat von Brenkenhoff zu, der die Baupläne, welche er dem König vorzulegen hat, sichtet. Die Dorfbewohner haben an der einen Seite des Weges Aufstellung genommen; unter ihnen der Pfarrer mit den Schulkindern und mehrere Invaliden. Auf der anderen Seite des Weges harrt die Gutsherrschaft, angethan mit dem, was im Sturm der Zeiten von der Galakleidung gerettet geblieben, auf eine gnädige königliche Begrüßung. Aber der König, der in der einen Hand den Krückstock, in der anderen die Prise hält, schreitet so schnell vorüber, daß das herrschaftliche Töchterlein um das Anbringen der bereit gehaltenen Erfrischungen und der Gutsherr um seine wohlvorbereitete Anrede gekommen ist; doch der gewandteren Dame gelingt es, den Rockschoß des Königs zu erfassen und mit tiefem Knix einen Kuß darauf zu drücken. Mit ungelenken Bewegungen versuchen gegenüber die Dorfgebieter diesem Beispiel zu folgen. Zu der scharfen Menzelschen Charakterschilderung gesellt sich in diesem Bilde eine Fülle von Humor.

Im folgenden Jahre malte Menzel im Auftrag des schlesischen Kunstvereins die Huldigung der schlesischen Stände zu Breslau im Jahre 1741, wo König Friedrich, da kein Reichsschwert zur Stelle war, seinen Degen zog, um die Huldigenden auf diesen den Treueid ablegen zu lassen.

1856 wurde die Krone von Menzels Friedrichsbildern fertig: „Friedrich und die Seinen bei Hochkirch.“ Während eines Zeitraums von sechs Jahren hatte der Meister mit unendlichem Fleiß an diesem Werk geschafft. Bei jeder nächtlichen Feuersbrunst war er an Ort und Stelle geeilt, um deren malerischen Eindruck zu beobachten; zwischen Nacht und Morgengrauen hatte er im Freien seine Modellstudien gemacht. Aber was für ein Bild ist das geworden! Seit Velasquez seine „Kapitulation von Breda“ gemalt hatte, war kein Geschichtsbild entstanden, das eine solche packende Wahrhaftigkeit in malerische Schönheit kleidete. Und an poetischem Gehalt übertrifft Menzels Schöpfung das Werk des großen Spaniers, wenn dieser auch an Farbengewalt überlegen bleibt. Der Überfall der Österreicher ist über das Preußenheer hereingebrochen wie ein verheerendes Naturereignis. Aber schon steht eine Schar von Musketieren und Füsilieren, durcheinander, wie ein jeder kam, gleich einer ehernen Mauer an einem noch offen gebliebenen Weg. Die Ladestöcke rasseln, mit fieberhafter Hast werden die Schüsse gegen den in einer Linie von Feuer und Pulverdampf verborgenen Feind entsendet. Weitere Offiziere und Mannschaften kommen atemlos heran und erklimmen tappend eine lehmige Böschung, um die Gefechtslinie zu verlängern. Das Aufblitzen des Pulvers und der Brand der ersten Häuser des Orts geben die einzige Beleuchtung in der unheimlichen Finsternis, in die kaum die erste blaugraue Dämmerung hineinflimmert. Überall schlagen die feindlichen Kugeln ein; aber die Heldenschar hält stand. Wir fühlen, wie alle in diesem Augenblick gleichsam von einem Hoffnungsstrahl in der hoffnungslosen Lage durchzuckt werden: der König ist da! Seinem Gefolge voraneilend, reitet Friedrich die Reihe der Kämpfer entlang. Scharf hervorgehoben durch das grelle Aufleuchten der Feuerblitze kommt er uns entgegen. Geängstigt schnaubt sein unsicher auftretender Schimmel. In seiner nächsten Nähe reißen die Kugeln Mann und Pferd zu Boden. Er hastet vorwärts, er will überall sein; auf seinem Antlitz liegt Ruhe, aber eine fürchterliche Ruhe, eine Starre, die seine Züge versteinert. Wenn es die Seinen auch noch nicht glauben, er weiß es, daß das Unglück nicht mehr abzuwenden ist. Und auch im Unglück erscheint er als der Große König, als ein Held, dem Helden gehorchen (Abb. 47). -- Das lebensgroße Gemälde gehört zu den seltenen Kunstwerken, deren Betrachtung niemals ermüdet; je öfter man es ansieht, um so ergreifender kommt es zur Wirkung. Es prangt jetzt an der würdigsten Stelle, im Arbeitszimmer Seiner Majestät des Kaisers im Neuen Palais zu Potsdam.

Im Jahre 1857 lieferte Menzel an die Verbindung für historische Kunst ein in deren Auftrag gemaltes Bild ab: „Die Begegnung Friedrichs des Großen mit Kaiser Joseph II in Neiße.“ Auf der Treppe des bischöflichen Palastes geht Friedrich dem rasch heraufsteigenden jugendlichen Kaiser entgegen; er legt den Arm um seine Schulter, und tief und herzlich blicken die beiden ehemaligen Gegner einander in die Augen. An der Spitze des kaiserlichen Gefolges schreitet Laudon, der Held von Kunersdorf, der mit offener Neugier die Blicke auf den großen Heerführer richtet, mit dem er so oft um die Siegespalme gerungen. Auf der Seite des Königs sieht man die Prinzen Heinrich und Friedrich Wilhelm, weiter oben Seydlitz und Tauenzien, den ruhmreichen Verteidiger von Breslau. -- Mit diesem Werk, das laut Bestimmung des Statuts der Verbindung für historische Kunst verlost worden und dadurch in den Besitz des Großherzogs von Weimar gelangt ist, schloß Menzel die Reihe der Gemälde, in denen er die Gestalt des Großen Königs verherrlichte. Zwei später begonnene große Bilder, das Zusammentreffen Friedrichs des Großen mit den österreichischen Offizieren in Lissa und die Ansprache an seine Generale vor der Schlacht bei Leuthen darstellend, blieben unvollendet in des Meisters Werkstatt stehen.

In den Kreis der Friedrichsbilder gehört noch eine Holzzeichnung vom Jahre 1856, welche einen Besuch des um die Hebung der Gewerbthätigkeit besorgten Königs in einer schlesischen Weberei zum Gegenstand hat. -- Dem Vater Friedrichs II widmete Menzel 1858 eine in Kohle gezeichnete Darstellung -- als Bestandteil eines nicht zur Ausführung gelangten vaterländischen Bilderwerks gedacht --, welche König Friedrich Wilhelm I zeigt, wie er eine Volksschule besucht. Wie in dem Gemälde „Friedrich II auf Reisen“, mischen sich in dieser Schilderung Ernst und Komik. Die Zeichnung befindet sich in der Nationalgalerie.

Als das Kronprinzenpalais zu Berlin im Jahre 1858 für den Einzug des Prinzen Friedrich Wilhelm und seiner jungen Gemahlin neu hergerichtet wurde, füllte Menzel in einem Saale dieses Palais ein Lünettenfeld mit der auf die Verbindung zwischen Preußen und England hinweisenden Darstellung der Begegnung von Blücher und Wellington auf dem Schlachtfelde von Belle-Alliance.

In dem nämlichen Jahr malte Menzel für das Versammlungslokal des Vereins Berliner Künstler ein Ölbild, welches den Mann, der in der Geschichte der neueren deutschen Kunst als der Stammvater einer auf Naturwahrheit gerichteten Auffassungsweise dasteht, Daniel Chodowiecki, in lebensgroßer Figur vorführt. Als Vorübung hierzu hatte Menzel eine Büste Chodowieckis von allen Seiten und in verschiedenen Beleuchtungen gezeichnet.

Ein kleines Ölbild von 1859, eine Reiseerinnerung aus Kufstein, führt uns in einer Menge köstlicher Charakterfiguren das ländliche Publikum vor, das in einer als Theater dienenden Bretterbude, durch deren Wand sich schmale Sonnenstrahlen stehlen, auf den Beginn der Vorstellung harrt, in andächtiger Spannung die einen, leise schwatzend die anderen, und wieder andere auf das Löschen ihres Durstes bedacht.

Als Nachklänge der vieljährigen Beschäftigung mit Friedrich dem Großen kann man vier kleine Bilder ansehen, welche ihren Inhalt der Zeit entnehmen, die Friedrich als Kronprinz in Rheinsberg verbrachte. Da ist zunächst eine hochpoetische Schöpfung, welche den Kronprinzen zeigt, wie er sich in zierlichem Kahn auf dem See am Schlosse umherfahren läßt und sich dabei im Schatten eines dunkelfarbigen Sonnensegels in behaglicher Lage in ein Buch versenkt, dessen Inhalt seine Augen leuchten macht; es ist eine träumerisch-stille Stimmung, die Glut des Sommertags flimmert in den Bäumen des Ufers, und über der glatten Wasserfläche spielen die Schwalben. Dann der mit köstlicher Laune erdachte Hofball in Rheinsberg, wo die Herren und Damen der aus der Nachbarschaft des weltentlegenen Schlosses zusammengeladenen Gesellschaft die Bewegungen und Trachten des Rokoko, die Menzel sonst mit so liebenswürdigem, feinem Reiz zu schildern weiß, von der komischen Seite zeigen (Abb. 50). Das Gegenstück zu diesem Bilde erkünstelter Eleganz bildet ein Blick in die derbere Welt der Lakaien und Kammerhusaren im Vorsaal. Das vierte der Bildchen schildert einen Besuch des Kronprinzen Friedrich auf dem Gerüst, wo Antoine Pesne mit der Ausmalung des Plafonds im Ballsaal des Schlosses beschäftigt ist; von dem Maler ungesehen, beobachtet der Prinz diesen mit stillem Vergnügen bei dem Bemühen, einem ungelenken Modell die graziöse Stellung, die es einnehmen soll, deutlich zu machen. -- Diese vier Bilder sind mit Wasserfarben gemalt, und zwar in einer Verbindung der eigentlichen Aquarellmalerei mit Deckfarbenmalerei. Sie bilden einen Teil einer Sammlung von Darstellungen kleinen Maßstabs, welche Menzel in dieser Technik, die ihm ganz besonders zusagte, für einen Berliner Kunstfreund in der Zeit von 1860 bis 1862 ausführte. Von den übrigen Blättern dieser Sammlung gibt eines, „der Abschied vor der Hausthüre“, einen Eindruck aus dem Berliner Straßenleben wieder; andere sind Augenblicksbilder, die Menzel sich auf Reisen in Deutschland und Tirol, durch die er von Zeit zu Zeit seinen Aufenthalt in Berlin unterbrach, eingeprägt hatte. Von solchen Reisen brachte er immer die Anregungen zu mancherlei köstlichen Schilderungen des Lebens mit heim.

Die Hauptarbeit des Meisters aber während des Jahres 1862, eine Arbeit, die ihn auch für die drei folgenden Jahre in Anspruch nahm, war eine große und erhabene Aufgabe. Nachdem er sich als den unvergleichlichen Schilderer preußischer Geschichte bewiesen hatte, wurde er als die berufenste Kraft dazu ausersehen, ein geschichtliches Ereignis der Gegenwart für die Nachwelt festzuhalten. Am 12. Oktober 1861 erhielt Menzel ganz unvorbereitet aus dem Munde des damaligen Kultusministers von Bethmann-Hollweg die Mitteilung, daß er die feierliche Krönung König Wilhelms, die am 18. Oktober in Königsberg stattfinden sollte, malen solle. Da galt es, in fliegender Hast in den wenigen Tagen die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Hierüber und über die ganze Art und Weise, wie das Bild entstand, hat Menzel selbst eine schriftliche Aufzeichnung an die Öffentlichkeit gebracht, die in ihrer bestimmten, treffenden Ausdrucksweise ein Muster klaren und anschaulichen Berichtes ist. Er gab diese Aufzeichnung in dem Text, mit welchem er die nach der Vollendung des Krönungsbildes veranstaltete Veröffentlichung der zu demselben gemachten Skizzen und Bildnisstudien begleitete. Da erzählt er: „Ich mußte mich in den Tagen vor dem 18., meist an Ort und Stelle, durch den Ceremonienmeister über alles, namentlich die Standorte der wichtigsten Personen etc., orientieren lassen, um danach im voraus mich über die Wahl meines Standortes, der mir die schönste Überschau der Handlung gewähren sollte, entscheiden zu können. Auch galt es, mit den Vorstudien der Örtlichkeit der Schloßkirche vorher möglichst zu Ende zu kommen. Mit mir reiste mein Freund Friedrich Werner, damit derselbe mich bei Aufnahme der vielen notwendigen Notizen unterstützte, namentlich beim Akt in der Kirche mir die Möglichkeit bleibe, meine Aufmerksamkeit auf die Hauptpersonen und -sachen zu konzentrieren. Diese Hilfe ist die einzige, deren ich mich während der ganzen Dauer der Arbeit bedient habe. Sämtliche Porträtstudien, sowie das Bild von der Aufzeichnung bis zum letzten Pinselstrich sind eigenhändige Arbeit. -- Ich hatte meinen Standpunkt in der Kirche auf der Tribüne der Mitglieder des Herrenhauses gewählt (auf der fünften Stufe, vom Altar aus gerechnet). Der meist hochgewachsenen Umstehenden wegen mußte ich während des feierlichen Aktes auf einem Stuhle stehen, dessen Wackeln meinem hastigen Zeichnen nicht zur Erleichterung diente. Neben mir, zur Rechten, stand Werner. -- So nun, wie ich im Bilde den Vorgang dargestellt habe, habe ich ihn in seiner Scenerie gesehen. Eine Licenz stellte sich als unvermeidlich heraus: die Abänderung des Vorgrundes. Die Prinzen des königlichen Hauses, die Minister und die Ritter des Schwarzen Adlerordens standen, wie es auch noch die Skizze angibt, in drei Reihen vor der Herrenhaustribüne. Sonach wäre von allen diesen wichtigen Personen wenig anderes als die Rücken und Hinterköpfe zur Darstellung gelangt. Daher mußte ich diese Partie teilen und anders ordnen. -- Zum Atelier wurde mir ein Saal im (Berliner) königlichen Schlosse, seit alter Zeit „Garde-du-Corps-Saal“ geheißen, eine Treppe hoch nach dem Lustgarten hinaus gelegen, eingeräumt. Am 6. April nahm ich Besitz von demselben, nachdem eine Sammlung von Rüstungen und Waffen, bisher darin beherbergt, teils herausgeräumt, teils zur Seite geschoben war. -- Die vorläufige Aufzeichnung mit schwarzer Tusche und dem Borstpinsel nahm zwei Monate in Anspruch. -- Bei der Größe der Bildfläche (14 Fuß rheinisch lang, 11 Fuß rheinisch hoch) war ein Hineinmalen der vielen Porträtfiguren unmittelbar nach der Natur räumlich nicht thunlich. Also alles nur nach der Natur+studie+! Dazu bei vielen Personen verschiedenartigster Lebensstellung und Aufenthaltsortes die Ungewißheit, von ihnen eine +zweite+ Sitzung, d. h. zur geeigneten Zeit, zu erhalten. Daher die Notwendigkeit, den noch frischen Eindruck der Wirklichkeit für das Malen nach der eilig vollbrachten Studie mit zu benutzen. -- Dies alles nötigte mir das Wagnis auf, das Bild von Anfang bis zu Ende prima (d. h. Stück für Stück gleich fertig, ohne vorheriges Anlegen und nachheriges Überarbeiten) zu malen. Von einer geordneten Reihenfolge in der Arbeit der Figuren in ihren verschiedenen Gruppen konnte gleichfalls keine Rede sein. Wie ich der Betreffenden mit Schreiben und Unterhandeln habhaft werden konnte oder gutes Glück sie mir vorführte, mußte ich sie vornehmen. Heute für den Hintergrund, morgen für den Vordergrund etc. etc. -- Ihre Majestät die Königin lehnte die Sitzung ab, und ich blieb in betreff Allerhöchst Ihrer auf Gedächtnis und Beobachtungen, wozu die Hoffestlichkeiten Gelegenheit boten, hingewiesen. Ich habe Ihrer Majestät Kopf viermal gemalt. Ferner sah ich mich für die Porträts von neun Personen zur Benutzung von Photographien genötigt, indem erstere teils während der Jahre verstarben, teils niemals Berlin besuchten. Glücklicherweise gehören sie sämtlich dem Hintergrunde an. Dagegen haben Seine Majestät der König, sowie alle übrigen dargestellten Personen mir in meinem Saalatelier, angethan mit ihren respektiven Ornaten, Insignien, Uniformen nach meiner Anordnung zur Studie Stellung gehalten. Im ganzen befinden sich auf dem Bilde 132 Porträtfiguren. Auch konnte ich die Hauptrequisiten des Kirchenschmuckes -- die Thronhimmel, Altarausstattung etc. nach ihrer Rückkehr unmittelbar nach der Natur malen. -- Die Altarkandelaber, Leuchter, Kerzen waren das erste, das ich malte; von da ging ich über zur Architektur des Hintergrundes. Am 19. März begannen die Sitzungen zu den Porträts. Den Anfang machte der General der Kavallerie Graf von der Gröben. Am 16. Dezember 1865 habe ich aufgehört zu malen.“

Unter all diesen aus der Natur des Gegenstandes sich ergebenden Schwierigkeiten hat Menzel ein Werk geschaffen, das nicht nur eine bildliche Urkunde, sondern auch in seiner prächtigen Wirkung ein malerisches Kunstwerk ersten Ranges ist. -- Der gewählte Augenblick ist derjenige, wo der König mit der vom Altar genommenen Krone auf dem Haupte sich der Versammlung zugekehrt hat und mit zum Himmel gewendetem Antlitz das Schwert emporhebt. Wie wunderbar ist dieses von der Heiligkeit der Handlung ergriffene Königsantlitz, das den Blick des Beschauers gefangen nimmt, wie es die Augen all der vielen im Bilde dargestellten Personen gefesselt hält, die alle, jeder in seiner Weise, die Erhabenheit des Augenblicks mitempfinden! So hat Menzel durch seine tiefinnerliche Auffassung den Vorwurf, aus dem unter anderen Händen ein kaltes, prunkhaftes Ceremonienbild hätte entstehen können, zu einer ergreifenden Schilderung eines von höchster Weihe erfüllten, zu den Herzen sprechenden Vorgangs gestaltet (Abb. 54).

Die zu dem Krönungsbilde gemachten Studienköpfe, mit Bleistift, Tusche, Wasserfarbe, farbiger Kreide ausgeführt, sind jeder für sich ein vollendetes Meisterwerk. Seit Albrecht Dürer hat es niemand vermocht, eine solche Kraft der Lebenswahrheit, eine so erschöpfende, bis in die kleinsten Formen gehende Charakteristik niederzulegen in knappen, dem flüchtigen Augenblick abgerungenen Studien.