Part 9
Und der Herr Oberst sagte: er wolle keinen Namen nennen und die Angelegenheit überhaupt möglichst diskret behandeln -- der betroffene Herr würde schon selbst fühlen, was er zu tun habe.
Am selben Abend hielten drei Leutnante und fünf Rittmeister um die Hand der Oberstentochter an.
~Il giornalista~
Schauplatz der Begebenheit: Riva, Café ... -- na, wie hieß es doch gleich? Kurz: ein Café in Riva.
Ich bin von den Ponalefällen gekommen und möchte den Wagen bezahlen. Dazu muß ich ein Goldstück wechseln.
Rasch ins Café. Da, als ich eintrete, ist der Cafetier knapp vor mir eingetreten, schmeißt die Tür zu -- mir entgegen ... Klirr! Ratsch! Die Glastafel ist zerbrochen, meine Hand blutet. Blutet immer ärger.
„’tschuldigen schon,“ sagt der Wirt.
„O, bitte -- es war mir ein Vergnügen.“
Fünf Minuten später bringt man mir eine Rechnung:
„~1 lastra di vetro decorata ... 12 L.--~“
Ein Blick auf die Uhr: es ist drei. Mein Dampfer geht um vier. Ich weiß nicht, wie ich diese Stunde amüsanter und lehrreicher verbringen könnte als auf einem südtirolischen Bezirksgericht.
„Eine Glastafel -- zwölf Lire? Ich zahle nicht.“
Nach mannigfachem Hin und Her schreiten wir dem Gerichtsgebäude zu. Zeugen sind der Münchener Maler Wilm und eine junge Dame, die zufällig dabei war. Wirklich zufällig dabei war. (Sowohl Wilm wie ich sind verheiratet.)
Der Wirt bringt seine Klage vor.
Ich erwidere: die Schuld läge nicht an mir; der Wirt habe mir die Tür entgegengeworfen; übrigens müßten Glastüren durch Gitterchen, Messingstangen oder dergleichen verwahrt werden.
Grade dieser Einrede schenkt der Richter -- wie erstaunlich -- besondres Gehör. Und Richter, Kläger, Angeklagter und Zeugen unternehmen einen Streifzug durch Riva, um festzustellen, ob die Sicherung von Glastüren durch wagrechte Messingstäbchen ortsüblich wäre.
3 Uhr 45. Der Streit ist nicht entschieden. Noch lange nicht.
Ich beantrage Vertagung. Der Richter ist einverstanden, wenn ich mich legitimieren könne. Ich kann mich legitimieren: Roda Roda aus München.
„Waaas?“ ruft der Wirt -- „Wie? Roda Roda? Nein, Herr, von Ihnen nehme ich nichts. Nein, nicht einen Heller.“
Ich verstehe plötzlich Dionys, den Tyrannen, der Möros, seinem Feind, verzieh. Ich wachse um zwei Zoll. Mein deutsches Wams wird mir zu enge. Ich spende zwölf Lire der Armenkasse von Riva und reiche dem Wirt stumm, bewegt die Hand.
Und vor der Tür sagt mir der Wirt:
„Sie sind ~giornalista~. Mit einem ~giornalista~ aber will ich keine Händel haben. Ich bin einmal im ~Corriere della sera~ jämmerlich verrissen worden.“
Fragment
Ihr meine Kinder! Euer Haar ist seiden, Die Hülle spannt sich über junge Brüste, Das Auge blitzt -- fast möcht ich euch beneiden. Die Sonne meiner Tage geht zur Rüste, Mit uferlosen Wünschen muß ich scheiden -- Ihr landet einst an der erträumten Küste.
Beim Dichter
„Kinder, freut euch, es gibt bald wieder Kartoffel -- Vater ist inspiriert.“
Von =Roda Roda= sind erschienen
bei +Dr. Eysler & Co. A.-G.+ in Berlin:
Der Schnaps, der Rauchtabak und die verfluchte Liebe. 34. Auflage.
Ihre Gnaden und die Bäuerinnen (Kaiserliche Kämmerer -- Adlige Geschichten). 19. Auflage.
Schummler, Bummler, Rossetummler. 24. Auflage.
Der Pascha lacht. Morgenländische Schwänke. 25. Auflage.
Die Kummerziege. 4. Tausend.
Der Feldherrnhügel. Schnurre in drei Akten von Roda Roda und Carl Rößler. 17. Auflage.
Der Sanitätsrat. Komödie in drei Akten von Roda Roda und Gustav Meyrink. 2. Tausend.
Bubi. Lustspiel in drei Akten von denselben. 2. Tausend.
Die Sklavin aus Rhodus. Lustspiel in drei Akten, nach dem Eunuchus des Terenz, von Roda Roda und Gustav Meyrink, Musik von Eugen d’Albert, Ausstattung von Olaf Gulbransson. 2. Tausend.
Die Staatsgewalten. Drei lustige Akte. 2. Tausend.
So jung und schon ... 40. Tausend.
Die verfolgte Unschuld. 68. Tausend.
bei +Rösl & Co.+ in München:
Irrfahrten eines Humoristen. 5. Tausend.
Die Streiche des Junkers Marius. Ein Buch für Backfische. 15. Auflage.
Schwabylon oder Der sturmfreie Junggeselle. 10. Tausend.
bei +Philipp Reclam jun.+ in Leipzig:
Die Uhr. Ein Spiel in zwei Akten. 3. Auflage.
bei +Ullstein & Co.+ in Berlin:
Frau Tarnotzis feinster Coup. 40. Tausend.
Serbisches Tagebuch. 50. Tausend.
im +Rikola-Verlag+ zu Wien:
Das Rosenland. Bulgarische Gestalter und Gestalten. 4. Tausend.
Die sieben Leidenschaften. 10. Tausend.
Von Bienen, Drohnen und Baronen. 27. Auflage.
bei +Paul Steegemann+ in Hannover:
Eines Esels Kinnbacken. 28. Auflage.
im +Weltbücher-Verlag+ München:
Weisheit des Morgenlandes. 10. Tausend.
~Romane der Eleganten Welt~
~Diese vornehm ausgestatteten Bände haben sich mit ihrem hochinteressanten spannenden Inhalten die Gunst der deutschen Leserwelt gewonnen, mit den reizvollen Titelbildern erster Künstler sind sie eine Zierde für jede Bücherei, für jeden Lesetisch ... ... ... ... ... ... ... Wir empfehlen besonders~:
Hans Hyan: Diabolus
~Gestalten unserer Zeit~
F. W. Koebner: Das Décolleté der Marquise
~Roman aus der hohen Diplomatie~
Leo Leipziger: Der Berg-Hirsch
~Ein Börsen-Roman~
Alfred Schirokauer: Die kleinen Fürsten
~Diplomatie und Liebe am Balkan~
Margarete Böhme: Lukas Weidenstrom
~Die Geschichte eines bewegten Lebens~
Serafine Détschy: Orchidea
~Roman aus der Kunstwelt~
Hans Land: Entgleist
~Die Tragödie einer Künstlerin~
Margarete Böhme: Die grüne Schlange
~Roman aus der Revolutionszeit~
~Durch alle Buchhandlungen!~
~VERLAG DR. EYSLER & CO. A. G.~
~Berlin SW 68 * Markgrafenstraße 77~