500 Schwänke

Part 2

Chapter 23,549 wordsPublic domain

„Was wollen Sie,“ sagte er, „-- ~e fortunato~. Er hat eben Glück.“

Dragoner

Oberleutnant Baron Seifert schmachtete elf Jahre in einem oberösterreichischen Dragonerregiment. Elf Generationen Mostschädelrekruten waren nach und nach eingerückt -- er hatte sich bemüht, sie mit Reitergeist zu erfüllen.

Einmal stand Seifert mit seinen Leuten beim Pferdeschwemmen -- da marschierte eine Husarenschwadron vorüber.

Seifert wandte sich an seine Mannschaft:

„Ihr Affenhengste -- schauts nur an, wie schön die Husaren beisammen sein!“

Und ein Dragoner darauf:

„Ja -- mir saan aber auch net so hoffärtig.“

Der zureichende Grund

„So, jetzt trink ich meinen Schnaps.“

„Hast du denn Durst?“

„Nein. Aber Schnaps.“

Die Witwe

„Warum trage ich eigentlich nur bei Tage Trauer? Bei Nacht trauere ich doch am meisten um ihn.“

Die Eindringliche

„Moritz, kommst du, oder kommst du nicht?“

„Ich komme.“

„Ganz gewiß, Moritz?“

„Ganz gewiß, Liebste.“

„Schwör mir, daß du wirklich kommst!“

„Mein Ehrenwort, ich komm.“

„Dein Ehrenwort?“

„Mein Ehrenwort.“

„Nu sag aber im Ernst, Moritz: kommst du, oder kommst du nicht?“

Literatencafé

„Fleimer hat sich aufs Plagiieren verlegt.“

„Seine Gedichte sind seither auch viel besser.“

Die Ehrung

Eines Tages versammelte ein Berliner Zirkusdirektor seine Leute in der Manege -- Artisten, Stall- und Bureaupersonal -- und verkündete:

„Meine Damen und Herren! Sie werden in der Zeitung lesen, daß ich durch die Gnade Seiner Hoheit, des Großherzogs von Sachsen-Weimar zum großherzoglich sachsen-weimarischen Kommissionsrat ernannt worden bin. Wer mich mit diesem Titel anredet, fliegt.“

Das Buch

Ein ungeheuer kompromittierendes Buch war erschienen:

„Schandflecke der Gegenwart.“

„Enthüllungen aus dem Hofleben.“

Ein paar Tage später traf ich den General v. Warnhold. Er sprühte vor Entrüstung.

„Haben Sie das niederträchtige, verlogene Machwerk gelesen? Diesen Extrakt von Unwahrheiten, die alle aus der Luft gegriffen, glatt erfunden sind? Diese schwindlerischen Lügen? -- Ich bin dreizehn Jahre bei Hof gewesen. Ich könnte noch ganz andre Dinge erzählen. Aber tut denn ein anständiger Mensch so was?“

München

Meine Braut bestellte sich ein Redoutenkleid.

Die Schneiderin fragte:

„Wie wünschen Gnädige die Dekolletage? Hoffähig oder mehr protestantisch?“

Wagner

„Sie! Sie haben mir gestern was Schönes angetan mit dem Freibillet zu ‚Tristan‘! Diese brausende Musik! Und dann bringt mir der Kellner noch dunkles Bier.“

Ein Mißverständnis

Die ungarischen Staatslenker sind wieder einmal in Wien. Der österreichische Minister geht mit seinem ungarischen Kollegen über den Ballhausplatz.

Der Ungar fühlt sich heute ungewöhnlich wohl und schreitet wacker aus.

Der Österreicher:

„Exzellenz, hast du Eile?“

Der Ungar:

„So stinketes Vogel wird durch mich nicht gehalten.“

Literaturtratsch

„Kolossaler Kerl, dieser Friemke! Hat schon wieder ein prachtvolles Ehebruchsdrama vollendet.“

„Kunststück -- wenn man so ne Frau hat.“

Autoren

„Haben Sie schon mein neuestes Werk gesehen -- zwei Bücher in einen Band gebunden?“

„Ach, ist er von Ihnen -- der neue doppelschläfrige Roman?“

Die Tanten

Die lieben Tanten besuchten mich in meiner Junggesellenwohnung.

Doch es war sehr ungemütlich; die Tanten blickten immerzu einander an und blickten sich auf die Stiefel.

Ein lahmes Gespräch vom Wetter kam zustande.

Endlich sagte ich:

„Verzeihung -- stört es euch, wenn ich das Fenster öffne? Der Ofen riecht so sehr.“

Tante Klothilde darauf erleichtert:

„Der Ofen, lieber Neffe? Du hast uns einen Alp von der Brust genommen.“

Der Lebemann

„Wenn man eine Stunde wirklich angenehm schlafen will, muß man sich um acht Uhr wecken lassen und steht dann nicht auf.“

Der Abgesägte

„Die einzige Art, sich im Staatsdienst eine sichere Existenz zu gründen: mit der Kasse durchgehen.“

Madjaren

Mein Freund Antalffy beurteilt alle Welt nach seinen heimischen, den Budapester Verhältnissen.

Eines Tages standen wir im Zoologischen Garten.

„Herrgott,“ rief Antalffy, „is das großer Vogel!“

„Das ist ein Kondor.“

„Hat sicher früher Kohn geheißen,“ sagte Antalffy.

Restaurant

„Weißt du schon das Neueste? Ich lasse mich scheiden. Prost!“

„Prost -- ich komme nach.“

Die Freundin

Fräulein Mary erzählte mir.

„Denken Sie sich dieses Pech: meine Freundin lädt mich nach Wien -- ich komme hin, da ist sie schwer krank. Fuß gebrochen.“

„Donnerwetter! Wird wohl beim Exerzieren mit dem Sporn hängen geblieben sein?“

„Nein, er ist Tenor.“

Cercle

Herzog Bernhard von Pillingen bereiste seine Staaten.

Er kam in irgendeinen Flecken -- da wurde Seiner Hoheit die Geistlichkeit vorgestellt, das Offizierskorps und endlich auch die Staatsbeamten.

Seine Hoheit hatten für jedermann ein paar leutselige Worte.

Als der Direktor des Katasterbureaus an die Reihe kam, rief der Herzog:

„Ah -- Katasterdirektor? Ungemein interessant. Sagen Sie ... ist es wirklich wahr, daß man davon eine so hohe Stimme bekommt?“

Korrespondenz

„Wie aufmerksam, Herr Kommerzienrat! Sie haben meinen Brief eigenhändig beantwortet.“

„Nu, wenn es sich handelt um einer Angelegenheit mit feinem Stil, nimm ich mr immer selber der Mühe her.“

Bei Dressel

„Blücher hieß mit Recht der Marschall Vorwärts.“

„Nanu -- ooch en Sozialdemokrat?“

Der kaiserliche Dienst

Ich traf einst meinen alten Freund Oberleutnant Pleininger in Wien.

Er breitete die Geschichte seines Lebens vor mir aus.

„Du weißt ja, früher war ich beim Hengstendepot. Aber siegst: es war mir zu eintönig, immer die Beschäler pflegen -- da hab ich mich zur Monturverwaltung übersetzen lassen. Heut laß ich Mäntel klopfen, morgen zähl ich den Unterhosenbestand, übermorgen überwichsen wir die Stiebel -- es is doch eine ungeheure Abwechslung.“

Fragment

Heine ist der Vater des Feuilletons, Ignatieff Vater der Lüge. In welchem Grad mögen Heine und Ignatieff verwandt miteinander gewesen sein?

Musik

„Meister, welche Methode des Gesangsunterrichtes halten Sie für die beste?“

„Die, wo das Honorar im vorhinein gezahlt wird.“

Die Fleischkonserven

Bei den Benziger-Dragonern hatten wir einmal Lagerübung mit Abkochen und Füttern.

Das Lager war bezogen -- da stürzte Wachtmeister Plhal auf mich zu und meldete:

„Herr Leidnant, Gottes willen, mir ham Fleischkonserven z’ Haus vergessen.“

Saubagage! Aber was gehts mich an? Sie sollen sich helfen, wie sie können.

Eine Stunde später kommt der Oberst ins Lager, die Kochgräben und Kochmaschinen besichtigen.

Wachtmeister Plhal reicht ihm einen Löffel von unsrer Suppe -- der Oberst führt ihn zum Mund.

„Jetzt kommts,“ dachte ich mir.

Allein der Oberst gab den Löffel zurück und sagte:

„Brav. Brav. Sehr schmackhaft und ausgiebig.“ -- -- --

„Wachtmeister! Wie haben Sie das angestellt?“ fragte ich, als der Oberst weit genug weggegangen war. „Wo Sie doch die Konserven zu Haus vergessen haben?“

„O, Herr Leidnant, bitt gehorsamst, macht nix. Hamme a bißl Hufkitt mit Stiewelwichs gekocht; schmeckte teischend wie Fleischkonserve.“

Die Mainlinie

Ärztekongreß in Berlin.

Nach der Sitzung findet man sich im Restaurant zusammen. Sanitätsrat Doktor Schabuschnigg-Graz erzählt einen interessanten Fall aus seiner Praxis.

„... Die Patientin hat also an Magenkrebs und zugleich a Schnürleber. Jetzt weiß ich ja net, wies in Norddeutschland is; aber bei uns in Österreich wird der Magen auf der rechten Seiten zum Teil vom Leberlappen bedeckt ...“

Schmerz

Man brachte dem Meister -- er saß eben beim Mittagessen -- die Nachricht vom Tode seiner Gattin.

Gramgebeugt, mit zitternder Stimme fragte er:

„Wird von meinem ungeheuern Verlust in den Abendblättern schon zu lesen sein?“

Vermittelung

„Hunderttausend Mark Mitgift hat das Fräulein, malt auf Seide, spielt Klavier? Und will mich heiraten? Da muß sie doch irgendeinen Fehler haben?“

„Nu, sie kann ihre Kinder nix selber stillen.“

Die Behörde

Der interessante Fremdling heißt Iwan Iwanowitsch Pawloff. Er ist Redakteur in Tula.

„Eines Tages,“ erzählt er, „fing unsre Polizei drei Gauner. Ich hatte vor, mich auf guten Fuß mit der Polizei zu stellen -- verschaffte mir die Bilder der drei Gefangenen, die Bilder unsrer drei höchsten Polizeibeamten und wollte das alles in der nächsten Nummer bringen.

Und was geschieht?

In der Druckerei verwechselt mans. Unter den Bildern unsrer höchsten Polizeibeamten steht:

‚Die gefährlichsten Verbrecher von Tula.‘

Unter den Gaunern:

‚Diese Männer haben die Verbrecher entlarvt.‘

Am selben Morgen waren unsre drei höchsten Polizeibeamten entflohen.“

Die Beschreibung

In Linz war dereinst ein Oberst Kronholz, der hatte in seiner Qualifikationsliste stehen:

„Spricht und schreibt perfekt persisch.“

Als der Schah von Persien nach Österreich kam, kommandierte man den Obersten Kronholz zum Ehrendienst beim Schah.

Des Staunens war kein Ende, als er wirklich Persisch konnte.

Der Theoretiker

Leutnant Meidel -- der Meidel von der Luftschifferabteilung -- schilderte mir den Flugapparat, den er erfunden hatte.

Meidels Konstruktion beruht auf jahrelangem Studium des Vogelflugs.

Solche Beobachtungen haben auch andre Fachleute angestellt. Doch alle frühern Beobachtungen waren mangelhaft -- das bewies mir Meidel haarklein.

Meidel hat ganz neue Theorien für die Mechanik des Vogelflugs gefunden -- Erklärungen, die von allen bisherigen himmelweit abweichen.

Da flog draußen eine Taube vorüber.

„Siehst du,“ rief Meidel, „also, zum Beispiel: diese Taube fliegt falsch.“

Das Recht der Frau

Auf der Elektrischen in München. Alle Plätze besetzt. Eine dicke Marktfrau steigt mit ihrer Hucke ein; sie wird nicht müde, ihre bösesten Blicke einem Jüngling zuzuschleudern, der da sitzt und ihr nicht Platz macht.

Endlich mault sie:

„Junger Herr, wann Ihnen der Hintere weh tut, sagen S’ mirs -- nachher setz i mich für Eahna hin.“

Der Zerstreute

Ich kenne Herrn v. Mollnow von meinem Aufenthalt in Pommern her -- nun freute ich mich ungemein, ihm in Berlin zu begegnen.

„Ick bleibe nich lang,“ erzählte er mir, „ick fahre heute schon wieder nach meener Klitsche. Jestan abend, wissen Se, is mir nämlich hier in Balin ene sehr ene unanjenehme Jeschichte passiert.

Ick wohne doch imma int Christliche Hospiz -- nich? Un wie ick nu bei Dressel soupiert habe, jehe ick in die Winzerstuben, un dort mache ick ne sehr ene interessante Bekanntschaft mit ner russischen Jräfin. Een Wort jibt det andre -- sie erzählt, sie wohne nich jut un will janz jern diese Nacht ooch int Christliche Hospiz ...“

„Ah -- und da hat man Sie wohl nicht eingelassen?“

„Rin ließ man uns schon -- ick sagte, die Dame wäre meene Frau. Wie ick aber mit der Jräfin in meene Stube komme, wissen Se, da waren wa nich alleene. Ick hatte nämlich, wissen Se, in meenem Tran total vajessen, det ick meene richtije Frau mit nach Balin jenommen hatte.“

Ihr Grundsatz

„~Les amis de mon mari sont mes amis.~“

Der Besuch

Ich sitze in meinem Arbeitszimmer -- vor einem Berg von Korrekturen.

Das Mädchen meldet mir: draußen wär ein Herr, der mich zu sprechen wünscht.

„Fragen Sie ihn, wer er ist und was er will!“

Das Mädchen kommt im Augenblick wieder:

„Er sagt, er is Oberst und kommt in einer Privataffäre.“

„Sagen Sie ihm: ich bin aus dem Heeresverband entlassen -- satisfaktionsunfähig -- fünf Jahre Ehrverlust.“

Das Mädchen kommt zurück:

„Der Herr Oberst laßt bitten, es is eine dringende Familiensache.“

„Sagen Sie ihm, ich hätte meine Familie verstoßen.“

Das Mädchen kommt zum drittenmal:

„Der Herr Oberst muß den gnä Herrn unbedingt sprechen -- in einer wichtigen literarischen Angelegenheit, was die Zukunft betrifft.“

„Sagen Sie ihm: ich bin schon versichert.“

Da ging er endlich.

Ahnungen

„Na, und wie gehts Ihrer Tochter?“

„Sie fühlt sich Amme.“

Der Unterschied

Als ich noch bei den Benziger-Dragonern diente, da pflegte ein Trainrittmeister oft bei uns zu frühstücken.

Er war ein ganz anständiger Mensch -- gar nicht so, wie man denken sollte.

Eines Tages ließ er sich mit unserm alten Pleimschauer in einen Diskurs ein und sagte:

„Gott -- was is denn weiter für a Unterschied zwischen uns? Du bist Rittmeister, und i bin aa Rittmeister. Ob Dragoner oder Train -- Rittmeister is Rittmeister.“

„Wer sagt denn, daß a Unterschied is?“ antwortete unser Pleimschauer höflich. „Aaner von uns is wie der andre ... Nur natürlich, wann zufällig a Fremder kommet und möcht mich für an Trainrittmeister halten -- no, so möcht ich ihn halt fordern.“

Der Graf von Habsburg

Die Habsburger waren nicht immer klerikal.

Rudolf, der Ahnherr des Hauses, hatte sein Pferd einem Priester geborgt.

Als der Priester am nächsten Tag das Pferd wiederbrachte, da sagte der Graf:

„Nö -- ein Pferd, wo mal ein Priester draufgesessen hat, das reite ich nicht wieder.“

Etikette

Manche Leute, selbst in kulturfernen Zonen, sind von erstaunlicher Etikettewut besessen.

In Tetuan, zum Beispiel, lebte ein reicher Kaufmann, ägyptischer Untertan, der war Honorarkonsul von Österreich-Ungarn und Frankreich.

Am 18. August, Geburtstag des Kaisers Franz Josef, legte der Kaufmann die französische Uniform an, fuhr rund um sein Haus, ließ halten und gab auf dem österreichischen Konsulat seine Karte ab.

Fuhr weiter, kleidete sich um und machte in österreichischer Uniform dem französischen Kollegen eine Dankvisite.

Werbung

„Miß Dorothee, können Sie sich entschließen, Ihre amerikanische Heimat zu verlassen und als meine Frau zu leben -- im schönen Deutschland -- an der Seite eines Mannes, der Sie anbetet und liebt -- liebt, wie nur je ein Mann das Weib seiner Träume geliebt hat?“

„Ja.“

„Ich danke Ihnen. -- Miß Dorothee, sagen Sie: ein Dollar sind wieviel Mark?“

Das Mus

Meine Heimat ist ein Pflaumenland -- man kocht dort Mus in kolossalen Kesseln.

Einst hatte Tante Julie anheizen lassen, und als es am schönsten brodelte, beugte sie sich über, um zu sehen, ob es richtig koche -- da glitschte sie aus und fiel hinein.

Sie war sofort mausetot.

In der Familie erhob sich ein leidenschaftlicher Streit. Die einen sagten:

Von dem Mus, worin die gute Tante ersoffen ist, würden sie keinen Bissen essen können, es wär ein ewiger Vorwurf.

Die Töchter wieder sagten:

Ein Mus, wo so eine Familienerinnerung dran haftet, das dürfe man doch nicht fremden Leuten verkaufen, das wäre pietätlos.

Ich weiß, meiner Seel, nicht mehr, wie man sich einigte.

Abschied

Meine Frau konnte nicht mit -- da ließ sie mich aufs Sommerfest allein ziehen.

„Aber,“ sagte sie, „unterhalt dich wenigstens nicht sehr gut!“

Familienleben

Unsre Großmama leidet seit Jahren an intensiver Darmträgheit. Darüber regt sie sich manchmal sehr auf. Wenn sie sich aber aufregt, kriegt sie Durchfall.

Seit wir das wissen, sparen wir die teuern Medikamente. Wir werfen ihr einfach jeden Morgen gegen neun Uhr vor, sie allein wäre schuld an Großvaters frühem Tod.

Darüber regt sie sich auf -- und um halb zehn ist der Stuhl da.

Volksetymologie

Auf dem Molo San Carlo standen einst zwei Kapitäne der Segelmarine und betrachteten das Werk einer Taschenuhr.

„Ssön, ssön,“ rief der eine, „-- aber was kann probabilmente ~F~ und ~S~ bedeuten?“

„Oh -- du weißt nickt? Effe -- for; Esse -- ssurück.“

Beziehungen

„Merkwürdig -- ein Kind aus der ersten Ehe Ihrer Frau -- und sieht Ihnen so ähnlich.“

„Darum hab ich sie ja heiraten müssen.“

Die Herrenreiter

Einer der aufregendsten Momente meines Lebens: das Regimentsrennen der Benziger-Dragoner vor soundsoviel Jahren.

Bei der dritten Nummer, Steeplechase für Chargierer, stürzt Paul Kampff am Wassergraben. Kybeo, dicht auf, landet direkt vor ihm, stürzt natürlich ebenfalls, und die Reiter kommen unter die Gäule zu liegen.

Auf der Tribüne eine Panik, nicht zu beschreiben. Ein Herr von der Bahnaufsicht spritzt sofort hin zu den Gestürzten, kommt zurück und meldet:

„Beide Gehirnerschütterung. Aber zum Diner kommen sie.“

Begegnung

„Ich habe die Ehre.“

„Na, mit dieser Behauptung stehen Sie vereinzelt da.“

Seebad

„Warum schreiben Sie denn Ansichtskarten an Pollaks -- mit denen sind Sie doch bös?“

„Nu, Pollaks sollen sich doch ärgern, daß wir sind in Ostende.“

Kunsthandel

Mein Freund Rittinger, der Kunsthändler, ist brillanter Laune.

„Ich hab,“ erzählt er, „ein kleines holländisches Bild entdeckt, aus dem 17. Jahrhundert, unzweifelhaft von Eeckhout.“

„Na -- und?“

„Und jetzt brauch ich nur noch 20000 Mark Kapital und bin ein gemachter Mann.“

„Verzeih, Rittinger! 20000 Mark Kapital brauchst du? Wozu?“

„Damit ich nachweis, das Bild wär von Rembrandt.“

Tradition

„Mir Weaner brauchen dö Schkandinavier nöt. Lang, eh daß der Ibsen gschrieben hat: ‚In Schönheit sterben‘ -- ham mir Weaner gwußt: ‚Nobel muß d’ Welt zugrund gehn‘.“

Ein Freund des Friedens

„Herr, zum Teufel, können Sie nicht anderswohin sehen als in das Decolleté meiner Frau?“

„Nein.“

„Laura, zieh den Mantel an!“

Die Tochter

Unsre Tante, Frau Bark in Riga, hatte eine Näherin im Haus, und die Näherin war traurig.

„Erbaarmung,“ rief unsre Tante, „warum sind Sie so traurig, Freilein Ohsoling?“

„Wai, mein Mamming is jestorben.“

„Aber, Freileinchen, wo sie doch schon so ne alte Frau war und krank ...“

„Nu, man hat doch Kosten, Zematting ...“

„Freileinchen, haben Sie denn in keine Bejräbniskasse jezahlt?“

„Hab schon jezahlt. Hab auch zwanzig Rubelchen bekommen. Aber was kann man mit zwanzig Rubel mit ner Leich fir große Springe machen?“

Dichtercafé

„Wie ist denn Lenzers Première ausgefallen? Ich höre, das Theater war überfüllt?“

„Ja, aber nur im ersten Akt.“

Resignation

Der kleine Fritz von Taussigs kam -- zum erstenmal -- aus der Schule heim, legte seinen Ranzen ab und seufzte:

„Also jetzt weiß ichs. Ich bin ein Jud.“

Der Minister

Ich sprach eines Tages mit einem österreichischen Abgeordneten. Er schwärmte mir sehr von Berchthold.

„Sie glauben gar nicht,“ erzählte er mir, „wie tüchtig der Mann ist, unser Minister des Äußern. Schon sein Vorgänger, Ährenthal, war ein perfekter Diplomat -- er brachte es fertig, die eigenen Botschafter über seine Absichten zu täuschen. Aber was ist das gegen Berchthold? Berchthold täuscht sogar sich selbst.“

Der Streber

„Seit der Kommerzienrat geadelt ist, sucht er sichtlich den alten Aristokraten zu spielen.“

„Ja. Sogar unter Kuratel hat er sich stellen lassen.“

Die Witwe

„Sie auf dem Ball, Gnädigste? Und in Trauer?“

„Ach, der Schmerz um den Verlust meines teuern Gatten hängt mir schon zum Hals heraus.“

Ehe

Mir träumte -- ich muß es vorher irgendwo gelesen haben -- der Prophet Muhammed ließ mir eine Strickleiter aus dem Himmel nieder. Ich kletterte die Sprossen empor, sie waren von Rubinen -- und oben empfing mich der heilige Alte und führte mich ins Paradies. Das Paradies aber war ein Garten voll Duft und Liebe, voll Huris, die mich in die Büsche lockten und mit köstlichem Sorbet tränkten und wieder lockten ...

... und ich erwachte.

Wahrscheinlich mit einem Ruck -- denn meine Frau erwachte ebenfalls.

Ich erzählte ihr, berauscht von Glück, was ich gesehen hatte.

Dann schlief ich wieder ein.

Schlief wohl eine Stunde.

Meine Frau weckte mich.

„Du,“ sagte sie, „bist du mir am Ende wieder untreu?“

Fragment

Das Genie baut Häuser für ungeborne Geschlechter. Bei dieser Bauspekulation muß man natürlich verhungern.

Die Baronin

Unser Tapezierer klagt seit drei Jahren über eine Baronin Veltzow -- sie ist ihm ein paar hundert Mark schuldig und zahlt nicht.

Unlängst, erzählt der Tapezierer, war er wieder bei ihr jammern.

„Frau Baronin, ich bitt, i hab aa mei Außenständ -- d’ Leut saan unbarmherzig un verklagen mi. Wann Sö mir möchten unter d’ Arme greifen, daß i wenigstens könnt das Dringendste begleichen ...“

Die Baronin sprach:

„Lieber Freund, ich komme nicht einmal dazu, meine eigenen Angelegenheiten zu ordnen -- und nun sollte ich auch noch anfangen, Sie zu rangieren?“

Der Lebemann

„Man wird langsam alt und bequem. Wenn ich eine Dame kennen lern, und sie is häßlich, atme ich direkt auf.“

Der Neugierige

„Mama, welcher von den vielen Onkels is nu eigentlich mein Vater?“

Ton

Wir hatten einen Major Grafen Ghöll im Regiment.

Die Ghölls, sagt man, sind so vornehm, daß sie nicht leben können. Sie sterben aus.

Einmal, beim Exerzieren, war Rast -- Offizier und Mann abgesessen.

Major Graf Ghöll rief mich:

„Häär Leutnaant, bieete zuh mier! Aaabäär raaasch!“

Ich lief hin.

Major Graf Ghöll schickte mich indigniert zurück.

„Häär Leutnaant,“ sprach er, „aaajn Häär laaauft niiicht.“

Bilanz

Als der Hofrat Rossipal auf dem Sterbebett lag, sprach er:

„Kinder, ich fühle, daß meine letzte Stund geschlagen hat, es geht zu Ende. Aber ich scheide in dem Bewußtsein, nicht umsonst gelebt zu haben: Nackt bin ich auf die Welt gekommen -- in Hofratsuniform und mit der Zivilverdienstmedaille zweiter Klasse am Band des Hubert-Salvatorordens verlaß ich sie.“

Die Rechner

Vor ein paar Jahren war nahe bei Valona in Albanien wieder einmal ein fremder Wandrer erschossen worden. Der italienische Pfarrer fuhr hinaus und machte den Bösewichten Vorwürfe.

„Wehe,“ rief er, „abermals habt ihr eure Seelen mit einer Blutschuld beladen! Habt einen harmlosen, friedfertigen Mann getötet. Warum? -- Aus Rache? Er hatte euch nicht beleidigt. -- Aus Habsucht? Ihr habt nicht mehr als vierzig Centesimi bei ihm gefunden. Lohnt es, den Zorn Gottes herauszufordern -- um vierzig Centesimi?“

„Herr,“ sagten die Albaner, „du vergißt, daß eine Patrone nur zwanzig Centesimi kostet.“

Fragment

Nachgelassene Werke sind Werke, bei denen die Schaffenskraft des Autors schon sehr nachgelassen hat.

Der Mäzen

Der Großherzog von Knarre-Springinsfeld ist ein wahrhaft fanatischer Kunstfreund. Sooft er von einem Dichter hört, der am Verhungern ist, schickt er seinen Ersten Adjutanten hin und läßt sich nach des Dichters Befinden erkundigen.

Kabel

Ich war junger Mann in der Redaktion der Wiener Universalkorrespondenz. Der Chef lehrte mich, Nachrichten erfinden.

„Sie schreiben also,“ sagte er, „zum Beispiel: Valparaiso, 18. August. Kabeltelegramm unsres Sonderberichterstatters. Folgenschweres Ozeanunglück. Auf der Höhe von La Vuelpa ist der Londoner Dampfer ‚Iris‘, Kapitän O’Connor, zusammengestoßen ...“

„... mit dem Torpedoboot ‚Argentinia‘,“ schlug ich vor.

„Nein,“ rief der Chef, „nur nicht übertreiben! Wir wollen nicht gleich zwei Schiffe zusammenstoßen lassen.“

Die Zeugen

„Heut sieht man ja hier Offiziere aller Waffen. Wohl ein Appell?“

„Nein, eine Scheidungsklage.“

Der Lebemann

„Alkoholabstinenz ist heilbar. Man nehme morgens, mittags und abends einen Kognak.“

Der Gesandte

Eines Tags -- vor Jahren -- erhielt der österreichische Gesandte in Kopenhagen die Nachricht von einer gefährlichen Erkrankung seiner Mutter. Er mußte sofort abreisen.

Noch auf dem Bahnhof beauftragte er seinen Diener, den Sachverhalt sofort dem Kanzleioffizial zu melden; und der Herr Offizial möchte den Herrn Ersten Legationssekretär verständigen.

Der Offizial aber war nachlässig genug, diese Verständigung zu unterlassen.

Der Erste Legationssekretär lebte genau wie immer weiter: verkehrte beim englischen Konsul, spielte Polo mit Rumänien und Frau und aß am Abend mit Frankreich im Tivoli.

Er hatte nicht die leiseste Ahnung von der Abreise des Chefs.

Erst viele Monate später, als er plötzlich den Franz-Josefs-Orden bekam, wurde er gewahr, daß er „in höchst zufriedenstellender Weise ~ad interim~ die Dienstgeschäfte der k. und k. Gesandtschaft geführt hatte.“

Zeitrechnung

„Wie lang sind Sie verheiratet, Gnädigste?“

„Drei Jahre. Aber eigentlich schon sechs.“

Die Enkel

Die Pastorskinder sind bei Großmama zu Besuch gewesen und ungewöhnlich früh zurückgekommen.

„Sicher wart ihr unartig,“ vermutet der Herr Pastor, „da hat Großmutter euch weggeschickt.“

„Oh, wir waren durchaus nicht unartig, wir haben ganz brav gespielt.“

„So? Was denn?“

„Wir haben gespielt: Großmamas Beerdigung.“

Die vier Buchstaben

Die Zeiten ändern sich. Auf den Inschriften der alten Römer begegnen uns immer wieder die Lettern: ~S. P. Q. R.~

Im neuen Deutschland heißt es: G. m. b. H.

Der Rücksichtslose