500 Rätsel und Rätselscherze für jung und alt Ein Bringmichraus für Schul und Haus
Part 2
Der ersten Silb' entströmen Wein und Lieder, Und was du einsam denkst, macht sie bekannt, Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand, Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder! Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder, Sein Feueratem weht von Land zu Land, Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand, Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder. Scheint zwei mit eins sich nimmer zu vertragen, So ist das Ganze doch ein hohes Wort, Woran man nur den Widerspruch getadelt; Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt! Fürwahr! es starb des letzten letzter Hort, Wär' es gestorben jüngst in unsern Tagen.
(Hauff.)
109.
Liebliche Erste, du warst gepriesen von tausend Poeten Und in Begeist'rung für dich singen unzählige noch. Einmal nur mit all' deiner Pracht erscheinst du des Jahres, Und wie im Jahre, so blühst einmal im Leben du nur. Liebe beut dir die Zweite, du kennst sie in vielerlei Arten -- Was ihm am meisten behagt, wähle ein Jeder sich aus. So zu der Zweiten gehört auch das Ganze, das köstliche Ganze Schenkt dir die Erste. Da ist Keiner, der es je verschmäht.
110.
Die beiden Ersten geh'n Hervor aus Schmerz und Leid. Die Dritte sich vollzieht In Lust und Heiterkeit. Durch's Ganze stellt man uns Handgreiflich, wunderbar, Im Schmuck der Poesie Den Ernst des Lebens dar.
III. Kapselrätsel:
In _ein_ Wort sollen eine oder mehrere Silben eingeschaltet (=kapselt) werden.
111.
Seht ihr d'rin vier Spiele, Stets ein Spieler ist's; Fehlen die vier Spiele, Klar, wie Wasser, ist's.
112.
Von höchster Stelle aus berufen, Daß nahe ich des Thrones Stufen Der Künste schönster liege ob, Erwarb ich mir schon manches Lob. Doch wenn es glückt, aus meinem Herzen Ein sichtbar Mal ganz auszumerzen, So dien' als Held ich von Tirol Der tapfern Treue zum Symbol.
113.
Die Ostsee nimmt es auf als Fluß, Bin _ich_ ihm zugetan; Doch fehle ich; zu einer Stadt Am Rheine wird es dann.
114.
Seh' eine Mark ich darin liegen, Hol' ab und zu ich's von der Post: Doch fehlt die Mark dem Rätselworte, Empfang ich's täglich von der Post.
115.
Wo etwas nur verweilen kann, Triffst du zu jeder Zeit mich an; Doch fügst du mir den Namen ein, Dann bin ich oft von Erz und Stein, Wohl auch von Holz, Gips oder Stuck Und diene immer nur zum Schmuck.
116.
Siehst Erich meinen Bruder, Du in dem Wort versteckt, Wird's mich von Herzen freuen, Wenn's jeden Tag dir schmeckt. Tret' ich jedoch für Erich ein, Schafft dir das Rätselwort nur Pein.
117.
Sieht man Ischl darin liegen, Tummelt's sich im Rhein; Fehlet das genannte Städtchen, Heißt's gleich: das ist fein.
118.
Trag' ich ein Ei in meiner Mitte, So galt ich schon auf Schritt und Tritte So manchem als ein Hindernis, Dem Untergang er schwor gewiß.
Doch wenn das Ei er weggenommen, Um selbst an seinen Platz zu kommen, So wink' ich Trost und süße Ruh' Von oben vielen Herzen zu.
119.
Trag' ich in mir, wie jeder weiß, Auch nichts als hartes, kaltes Eis, Bin ich doch Quelle allen Lebens. Mir gilt des Todes Ruf vergebens Und ewig kann allein nur sein, Was ich in Wahrheit nenne mein.
120.
Bin ich's, wovor die Trägheit flieht, Wenn in mir einen Weg man sieht, Und was zur Nacht wie auch bei Tage Schafft vielem eine and're Lage. Doch tauscht der Weg mit einer Zahl, Bereit ich manchem herbe Qual, Dem in bezug auf seine Schulden An Mark es fehlet oder Gulden.
121.
Du kennst mich als den Wüstensohn, Der gern statt Häuser Zelte baut; Doch fliegt mein Rabe mir davon, So fahr' erschreckt ich aus der Haut: Vorbei ist's dann mit allem Spaß, Weil ich nur diene noch als Maß.
122.
Nimm, Leser, einen Schmerzensschrei Und laß ihn auseinander klaffen; Dir einen Schweizerkanton leih' Und schieb ihn in den Schmerzensschrei, Dann hast du eine Stadt geschaffen!
123.
In den folgenden Versen von Goethe ist eine Frauengestalt aus einer Oper enthalten:
Ich sah mich um an vielen Orten Nach lustigen, gescheiten Worten, An bösen Tagen mußt ich mich freuen, Daß diese die besten Worte verleihen.
IV. Logogryph:
Das Wort erhält durch Beifügung oder Weglassung eines oder mehrerer Laute eine andere Bedeutung.
124.
Mein kurzes Wort nennt eine Stadt Am schönen Donaustrande; Ein Zeichen mehr, ein schattiger Baum Im lieben Vaterlande.
125.
Es ist ein Bruch; davor ein W. Dann hört ihr's rufen aus dem Klee; Mit Sch jedoch birgt's allerhand; Oblaten, Pillen, Hut und Band.
126.
Zu fernster Spitze Afrikas Füg ein zweisilbig Längenmaß. So hast ein Kirchlein du erbaut, Das hell ins Tal herniederschaut.
127.
Zwölf Geschwister sind wir zwar, Doch immer ich der Schönste war; Drum bringt mir jeder Huld'gung dar. Versiehst du mich mit einem Fuß, Bin ich ein sehr bekannter Fluß, Den man in Deutschland suchen muß.
128.
Ich bin bekannt als deutscher Fluß, Und gibst du mir noch Kopf und Fuß, Dann klimm ich zu der Höh' hinan, Verfolgt vom kühnen Jägersmann.
129.
Mit »e« wird es ein Jude sein, Mit »i« von hohem Wert ein Stein.
130.
Mit schnellem S und scharfem T Hascht manche K so manche R.
131.
Ein großes Reich in Asien ich bin, Doch kopf- und fußlos ist es hin.
132.
In den Händen der Fürsten ist es ein Zeichen der Herrschaft; Werden die Zeichen versetzt, flößt es uns ein ihre Macht.
133.
Es liegt in Württemberg als Stadt, Berühmt durch seine Frauen. Doch wenn's sein Herz verloren hat, Trifft man's in vielen Gauen.
134.
Wer ist's, der mir den Berg wohl nennt, In dem sich birgt ein Sakrament?
135.
Mit Z der Mönch es hat. Mit C ist's eine Stadt.
136.
S' ist nur ein Augenblick, Wirf einen Augenblick In diesen Augenblick, Ist's oft ein Meisterstück.
137.
Auf dem See mit K, Auf dem Hof mit H, Durch den Schnee mit B, In dem Kopf mit W, Und im Mund mit Z, Du weißt es schon, ich wett.
138.
Ich war ein Feldherr; Nimmst du mir ein Zeichen weg, So bin ich nur Ein Teil von jeder Kreatur! Zwei Zeichen weg, ein wildes Tier!
139.
Wer's mit zu seiner Arbeit bringt, Dem muß sie auch gelingen; Mit Liebe wird er sie und Lust Allzeit zu Ende bringen. Gibt man ihm »l« statt »r« zum Fuß, Nicht weit vom Rhein man's suchen muß.
140.
Wo sich drängt mein Ganzes ein, Pfleg' ich kopflos mit zu sein.
141.
Am Wasser steht's mit D; Der Baum hat's mit St; Mit K ist es von Bein; Mit L noch jung und klein.
142.
Bei »tt« eitel Harmonie, Bei »ll« aber streiten sie; Bei »ll« gibt's oft scharfen Knall, Bei »tt« süßen Widerhall.
143.
Wenn ihr zwei Zeichen streicht, die Quelle süßer Freuden. Ich bin für Herrn und Land die Quelle mancher Leiden.
144.
Denke ein Wort dir, das gleich einer ärmlichen Hütte, Anfang und Ende hinweg, -- hast du ein geistig Getränk.
145.
Ein Wort ist es, das vier der Zeichen hat; Mit drei ein Ort, doch weder Dorf noch Stadt; Such uns nicht fern! leicht zu erspäh'n sind wir. Indem du liest, hast beide du vor dir.
146.
Manche verzieren und schmücken das Wort, das ich meine; Nimm ihm den dreifachen Kopf! sagt es auch gleich, was sie sind.
147.
Mit »e« erzählt's dir was, du darfst's nicht immer glauben; Mit »o« kannst's essen du, du darfst's mir sicher glauben.
148.
Mit »a« sagts dir: du sollst es nicht so sehr, Weil das mit »e« nicht gar so häufig mehr.
149.
Denke, mein Leser, dir jetzt einen schönen weiblichen Namen, Vorn ein Zeichen hinzu! fiel es vom Himmel herab.
150.
Mit »i« dir fern, doch siehst du mich entzückt, Mit »e« dir nah, doch ewig dir entrückt.
151.
Einstmals hat's in den Alpen gelebt; jetzt ist es verschwunden; Schiebt ihr ein l noch hinein, trifft man's dort tausendfach an.
152.
Als Jägersmann im fernen Land Bin ich dir, Rater, wohl bekannt; Nimmst du mir Kopf und Fuß -- o Graus! Entsteht ein schwarzes Tier daraus. --
153.
So mancher Kaufmann macht, was ich besage, Und in der Zeitung find'st du's alle Tage. Ein Fisch entsteht, -- versetzest du die Zeichen, Den du als Speise gern dir lassest reichen.
154.
Dem Faulen schafft's Verdruß, Dem Fleißigen Genuß. Wirfst du ein »r« hinein, So wird's nichts Ganzes sein.
155.
Es ist eine große deutsche Stadt, Doch wenn man versetzt die Zeichen hat, Da kommt herein Ein Tierchen klein, Das einer Pflanze viel Schaden tut, Darum ist ihm auch niemand gut.
156.
Mit dem A zähl ich zu denen, die dahin geschieden Mit dem B durchzieh ich Stadt und Land.
157.
Sahst du die herrliche Stadt sich spiegeln gar stolz an dem Meere? Schnell die Zeichen versetzt, spiegelt darin sich die Welt.
158.
Von Eisen ist's, bald groß, bald klein, Doch immer soll's gerade sein. Kehrst du die erste Silbe um Ist Stahl und Eisen auch, doch krumm, Und -- dessen Fuß zum Kopf verkehrt Hat das Erraten Raum gewährt.
159.
Mit einer Schar von Brüdern Sind wir Nummer 5 und 8; Weißt du wie auf leichte Weise Man uns flugs zu Mädchen macht? Füg' hinzu ein »d« dem Einen, Und dem Anderen ein »a«; Wie auf eine Zauberformel Sind die beiden Mädchen da.
160.
Ich bin im heißen Afrika geboren; Doch trennst du grausam mir den Kopf vom Rumpfe, So geht mein ganzer Leichnam mit verloren; Nichts bleibt zurück als eines meiner Ohren.
161.
Nimmst du den Kopf ihr noch, Die sonst schon starr und kalt, Dann plötzlich hebt sie hoch Und stolz ihr Haupt im Wald.
162.
Prang' ich mit »o« in grünem Kleide, Gewähr' ich vielen große Freude; Mit »i« bin ich sehr hochgestellt, Mit »ü« noch höher auf der Welt.
163.
Mit einem M ist es ein Volk Aus längst vergang'nen Zeiten; Mit einem L ist es ein Stoff, Draus manches wir bereiten. Doch eh' man's mit dem F gebraucht, In eine Flüssigkeit man's taucht.
164.
Mein Ganzes suchst du oftmals zu erringen, Ein Zeichen fort, dien' ich dir zum Genuß; Noch eins davon, bedeck ich Teich und Fluß, Und soll ich nochmals dir Genüsse bringen, Nimm noch ein Zeichen weg, jedoch am Schluß!
165.
Man nennt mich dumm, doch ohne Grund, Denn sing' ich nicht die schönsten Lieder? Tausch' jetzt den Kopf, dann flatt're bunt Vom Schiffe lustig ich hernieder.
166.
Es ist des Menschen höchstes, heil'ges Gut, Wird's ihm genommen, steht er ehrlos da; In andrer Form dient es dem Staat zur Hut, Wird's ihm genommen, steht er wehrlos da.
167.
Über Berg, über Klüfte Schwing ich hoch mich in die Lüfte, Dort ich Herrscher bin. Nimm den Kopf mir oder Leib, Ich dann noch gleichlautend bleib, Doch nicht gleich der Sinn: Eine wohlbekannte Größe Ist's, in die ich mich auflöse.
168.
Zuteil werd' ich nur höchster Würde, Bin Glanzes Sinnbild, beut's auch Bürde. Versetzest in der Mitte du zwei Zeichen, Wirst eine feste Stadt in Preußen du erreichen.
169.
Im Meer dem Fisch ist es mit »ss« eigen, Mit »t« und »t« wird's auf dem Meer sich zeigen.
170.
Der Franzmann prahlt einst gar zu bunt Auf das, was mein fremd' Wort gibt kund; Doch, ob man's später nicht mehr fand, Kopflos fließt's stets in seinem Land.
171.
Sechs sind der Zeichen, Denen der Feind muß weichen. Um die ersten Viere Sie dienen, Bereit zu Schutz, bereit zu Trutz!
172.
Ein groß und hoch Gebirg ist es mit »a«; Mit »o« ich's fast an jedem Schlosse sah; Mit »e« ein groß Stück Holz liegt vor mir da.
173.
Wer's ist mit »n«, der tut mir leid, Weil dem Verlachen er geweiht, Sei Herr er oder Dame. Mit einem »t« zu jeder Zeit Gelt ich als Männername.
174.
Ein Städtchen im württembergischen Land, -- Setze einen Buchstaben ein, findest einen Berg, worauf Moses stand im Hirtengewand.
175.
Flickst einem Pflanzenkind der Haid Zwei Zeichen richtig du ans Kleid, Wird es zu einem großen Land, Das ohne Zweifel dir bekannt.
176.
In das Herz des größten Weltbezwingers setz' ein »Du« hinein Und des Leidens höchster Überwinder wird gefunden sein!
177.
Jede Landkart' kann mich nennen, Stadt bin ich, gar schön und reich; Suche nördlich der Ardennen, Doch entfernt, dann hast mich gleich. Willst mich vorn ein wenig stutzen, Siehst du mich an manchem Tier, Aber keine große Zier.
178.
Doppelt ist es jedem Menschen eigen, Doch sollt' nen Laut es weniger zeigen, Fast zahllos in der Erde Landen Und schön und häßlich ist's vorhanden.
179.
Geschichtlich ist's mit »u« bekannt Als Stadt in der Franzosen Land; Ein Städtchen in dem Deutschen Reich Wird aber es mit »e« sogleich.
180.
In das Ende eines Seiles Schling ein langes »s« hinein, Alsdann wird es wie durch Zauber, Eine große Menge sein.
181.
Ein Adjektiv bin ich, das deinem Willen Zu jeder Stunde läßt die Wahl; Verlier' ich aber meine erste Silbe, Such' mich in der Gelehrten Zahl.
182.
Mit Kopf nenn' eine Stadt ich dir Und diene kopflos manchem Tier Zu seines eigenes Kopfes Zier.
183.
Gehst einsam du auf fremdem Pfad, So scheuest du's, wenn es dir naht -- Hat's eingebüßt jedoch den Fuß, Brauchst gerne zur Bedienung du's.
184.
Wer's ist, dem weicht ein jeder aus, Verschlossen bleibt ihm Hof und Haus. Ein einzig Zeichen fort nur, dann Ist's gern hienieden jedermann.
185.
Wer es dir bringt, der ist dir wert; Denn oft hast du's vielleicht entbehrt In trüber Lebenslage! Ein Zeichen fort, -- du hast's nicht gern, Hältst es von deinen Sachen fern, Wo's tunlich ohne Frage, Und noch ein Zeichen fort, so bricht Von dort dir an das Himmelslicht So ein wie alle Tage!
186.
Wohl mit tausend scharfen Zähnen Sucht es Rauhes zu verschönen; Nimmt man ihm das erste Zeichen, Hilft es schnell ein Ziel erreichen.
187.
In Spanien siehst du erheben Sich eine Stadt, in der ihr Leben Viel edle Geister lange Zeit Der Wissenschaft allein geweiht. Kannst den Tod aus ihr vertreiben, So wird ein Name übrig bleiben, Der, seit er einen Papst genannt, Allüberall ist wohlbekannt.
188.
Als wertvoll gelt ich unbestritten Mit einem »i« im Reich der Briten; Doch höher stehe ich mit »e«, Weil dann mich die Gelehrtenwelt Zu einer ihrer Größen zählt.
189.
Man liebet mich stets dort, Wo herrschet heit'rer Sinn; Mein erstes Zeichen fort, Führ' zwischen Bergen ich hin. Nochmals das Haupt mir ab! Im Kartenspiel ich Geltung hab.
190.
Hast du den Atlas wohl zur Hand? Drin findest an der Saale Strand Du eine altersgraue Stadt: Der Zeichen neun ihr Name hat. Stell' zwei der Zeichen um, im Nu Hast eine Stadt in Baden du: Am Bodensee, sie ist nur klein, Doch ist berühmt ihr guter Wein.
191.
Zerstörend ist's mit »g« bekannt, Mit »v« ein Fluß im deutschen Land.
192.
Ein Band ist meine Hülle, Ein Abschnitt muß ich sein, Zumeist des Dichters Wille Bringt Form in mich hinein. Ist »e« in »a« verwandelt, So wirst du durch mich reich; Mit Wertpapieren handelt, Wer mich besitzt, sogleich.
193.
Von Buch und Zeitungsblatt, Mit »L« dient es dem Drucker, Mit »R« es wohl in Nöten Jedweder gerne hat. Besuchet hätt's mit »V« jüngst Gern auf dem Lande ich, Da macht' es durch die Rechnung Mit »W« mir einen Strich.
194.
Es hat sie jedes Menschenkind, Und weißt du gern wie viel es sind, So magst du das vorletzte Zeichen Nur ohne weiteres durchstreichen.
195.
Mit »T« am Himmel mag es sein, Doch muß es allezeit begleiten; Mit »B« du siehst, nicht weit vom Rhein, Ein schönes Land mit deutschen Leuten.
196.
Nach Dichters Mund vom Himmel geweint, Es nun als köstlich Kleinod erscheint; Und nimmt man ihm den Kopf alsbald, Ersteht es als ein Baum im Wald.
197.
Ich bin ein Lied, aus alter Zeit entsprungen, Und werde in der neu'sten noch gesungen. Obwohl ich, als ein Fisch, die Tafel ziere, Sobald mein erstes Zeichen ich verliere.
198.
Wohl oft sah ich im Heldenkampf sie sprühen; Ein Zeichen d'ran, mußt du sie ziehen.
199.
In einem Teil von deinem Haus Wirf nur ein »n« hinein; Im Restaurant, im Kaffeehaus Wird's dir zu Diensten sein.
200.
Mit und auch ohne Kopf bin eine Stadt. Kopflos Arabien mich hat; Mit Kopf jedoch lieg' ich nicht weit vom Rhein Dem deutschen, den wir alle lieben, Und lade, bist du krank, dich ein, In mir, der doppelten, mich auszuüben.
201.
Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol; Das feste Band, das sich um Freunde windet, Des Fürsten Heil, des Vaterlandes Wohl?
An Stärke muß ihm Stahl und Eisen weichen; Doch hat es einen mächt'gen stillen Feind; Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen, Hast du die finstre Macht, die ich gemeint.
Solang die Welt steht, liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust; Halt fest am Ganzen, laß sie nimmer streiten In deiner stillen und zufriednen Brust!
(Hauff.)
V. Palindrom:
Das Wort ergibt auch rückwärts gelesen einen Sinn.
202.
Alles, was die Erde hegt, Was sich in den Lüften regt, Freut sich meiner innig. Umgekehrt, zieh' ich durchs Tal Und verhüll der Sonne Strahl. Nie willkommen bin ich.
203.
Du findest mich stets, Du magst mich nun lesen Von vorne, von hinten, Stets bin ich gewesen, Stets bleibe ich auch Nach altem Gebrauch.
204.
Als Frucht trat ich dir schon auf deutscher Flur entgegen. Ein großer Staat bin ich in Asien gelegen.
205.
Für ein rotes Gemüse verkauft er der Erstgeburt Rechte. Rückwärts wechselt sie stets, ändert oft launisch die Form.
206.
Räuber, Mörder und Verbrecher Eingesperrt sind hinter mir; Aber rückwärts ißt der Zecher Mit Behagen mich zum Bier.
207.
Wer in mir ruht, weiß nichts von Müh. Kehrst du mich um, nähr' ich das Vieh.
208.
Fort! ich fürchte deinen Hieb; Umgekehrt bist du mir lieb.
209.
Hast du auch vor- und rückwärts mich gelesen, Bin ich doch immer seitwärts nur gewesen.
210.
Du magst mich vorwärts oder rückwärts lesen, An jeder Küste bin ich oft gewesen.
211.
Lies oder miß von vorn, miß oder lies von hinten, Du wirst mich immer gleich an Sinn und Länge finden!
212.
Lies vorwärts oder rückwärts mich, Derselbe Vogel bleibe ich!
213.
Vorwärts ein liebender Bruder war er der Gemahlin Isaaks. Rückwärts ein treuloser Mann, David feindlich gesinnt.
214.
Vorwärts -- siehst du's beim Gelehrten, Voll von Büchern, groß und klein; -- Umgekehrt, -- gebraucht's der Müde, Will er ruhig schlafen ein.
215.
Beginn' das Wort da, wo's beliebt, Der Sinn wird dadurch nicht getrübt; Es müssen's einst wir alle werden, Die wir noch leben hier auf Erden.
216.
Vorwärts gelesen künd ich mich Als eine Ahnfrau dir; Liest du mich rückwärts, dann bin ich Als Gruß der Grüße Zier.
217.
Ob es von vorne oder rückwärts wird gelesen, Stets liegt etwas Bestechliches in seinem Wesen; Im ersten Falle Schmuck, Verschönerung es bedeutet, Im zweiten Falle, was die Sinne lockt, verleitet.
218.
Gar mächtig ist's in seinem Bau, Erhebt dein Herz zum ew'gen Licht, Und drehst du's um, trägt es zur Schau, Was heute dem Geschmack entspricht.
219.
Als eine Stadt in deutschem Land, Bin einem jeden ich bekannt; Doch, wenn verstellt sind meine Zeichen, Da muß nach Mähren ich dann weichen; Dort aber gelt' ich auch als Stadt, Die immerhin Bedeutung hat.
220.
Mächtiger Lebensnerv du! ob weiblich genannt oder sächlich, Alle, welchen du fehlst, sind Bettler oder sind schwächlich! Rückwärts gelesen -- bedeckt es die Messen mit bunten Gestalten, Kommt nun, ihr Leser und sucht, -- es ist Beides im Rätsel enthalten.
221.
Wie wird doch wohl die Stadt genannt, Die -- wird ihr Name umgewandt -- Dem Aug' und Ohr ein Wörtchen beut, Das den, der es empfängt, erfreut. Daß das Erraten nicht zu schwer, Sag' ich dir jetzt noch etwas mehr: Daß nämlich die gedachte Stadt Zum Herrn den Herrscher Ungarns hat.
222.
Unter den Alten Göttergestalten Ward dereinst er hochverehrt, Dessen Name zeigt verkehrt Eine Stadt auf engem Land Zwischen zweier Meere Strand.
223.
Ob du auch rückwärts wendest mich, Bleib' ich doch wie vorher, Erschöpfend unveränderlich Bis auf den Grund das Meer.
224.
Du magst mich vor und rückwärts lesen, Ich bleibe stets, was ich gewesen, Versehe mein Geschäft ganz wacker, Ich mach' den Bauern mürb den Acker.
225.
Du magst, wie immer willst, mich lesen, Du triffst auf mir ein hitzig Wesen, Vom Schmied und Schlosser angefacht, Das schnell das Eisen weicher macht.
226.
Was nicht ihr nennt mit dem von vorne, Das eignet euch nicht trügerisch zu, Sonst kommt es umgekehrt im Zorne Und raubt euch des Gewissens Ruh'.
227.
Ist es nicht ein artig Wesen, Dieses kleine Wörtlein hier? Kannst es vor und rückwärts lesen, Gibt es Frag' und Antwort hier.
228.
Jüdische Weisheit aus Dichters Mund Tut dir das Wort, das meinige, kund; Rückwärts lies es, und es umblüht Griechische Anmut dein Gemüt!
229.
Es ist mein Sinn zur Weiblichkeit gerichtet; Ich steh vor ihr jahrhundertlang. Es wird auch manchem vor mir bang, Er wird durch mich zur Wahrheit streng verpflichtet.
230.
Vom sehnenden Blicke des sterbenden Sehers verklärt Strahlst du, erhabener Berg, zeigst ihm das heilige Land. Scheidend nur durft es begrüßen der Führer des jüdischen Volkes; Segen vermittelnd im Tod, wie er's im Leben getan. Lies verkehrt nun die Silben, die gleichfalls die Richtung dir zeigen, Wo das verheißene Land, deiner Pilgerfahrt Ziel?
231.
Noch sitzt auf halbverfallnem Throne, Noch hält die längst bestrittne Krone Die alte Königin der Welt. Ob sie wohl je vom Throne fällt? Vielleicht; doch lies'st du sie von hinten, So wirst du einen König finden, Der herrscht, seitdem die Welt besteht, Das Reich nur mit der Welt vergeht; Sie schießt nicht ewige Donnerkeile, Doch ewig treffen seine Pfeile.
(Hauff.)
VI. Buchstabenrätsel:
Ein oder mehrere Buchstaben des Wortes werden verändert.
232.
Du hast mich oftmals schon gesehen; Zwei Dutzend Brüder habe ich, Und wenn wir nach der Ordnung stehen, Bin ich der Zweite sicherlich; Im Bad bin ich der Erst und werd nicht naß, Im Grab der Letzte. -- Was ist das?
233.
Mit Sp ist es ein niedlich Ding, Ein Tierchen, munter stets und flink; Mit St hat's England aufzuweisen, Man hört es dort als Münze preisen.
234.
Mit E steht's grün und kräftig da, Verbrenn's, so wird aus E ein A.
235.
Mit »i« als weiser Narr bekannt; Mit »e« als tapf'rer Held genannt; Mit »ü« als Kleiderstoff verwandt; Mit »o« als Hund verfolgt durch Stadt und Land.
236.
Mit »W« beim Adel hochverehrt, Hat es mit »L« nur Lumpenwert.
237.
Hart kleid ich dich (t); Weich iß'st du mich (d).
238.
Mit »e« such' es auf Erden nicht, Mit »i« an deinem Angesicht.
239.
Mit »a« ist es in jedem Haus, Wer ruht nicht gern in selbem aus; Mit »u« ist es im Herzensgrund, Wer wird nicht gern von ihm gesund?
240.
Mit »a« kann's dich empfindlich zwicken; Doch kannst du ihr gar leicht entgehen. Mit »u« wird's dir viel wen'ger glücken, Wirst oft von ihr verletzt dich sehen.
241.