Die Augsburger Confession

Part 5

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Diesen Trost hat man vorzeiten nicht getrieben in Predigten, sondern die armen Gewissen auf eigene Werke getrieben, und sind mancherlei Werke vorgenommen. Denn etliche hat das Gewissen in die Kloester gejagt, der Hoffnung, daselbst Gnade zu erwerben durch Klosterleben; etliche haben andere Werke erdacht, damit Gnade zu verdienen und fuer Suende genugzutun. Derselben viele haben erfahren, dass man dadurch nicht ist zum Frieden gekommen. Darum ist not gewesen, diese Lehre vom Glauben an Christum zu predigen und fleissig zu treiben, dass man wisse, dass man allein durch den Glauben, ohne Verdienst, Gottes Gnade ergreift.

Es geschieht auch Unterricht, dass man hier nicht von solche Glauben redet, den auch die Teufel und [die] Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, dass Christus gelitten habe und auferstanden sei von [den] Toten, sondern man redet von wahrem Glauben, der da glaubt, dass wir durch Christum Gnade und Vergebung der Suenden erlangen.

Und der nun weiss, dass er einen gnaedigen Gott durch Christum hat, kennt also Gott, ruft ihn an und ist nicht ohne Gott wie die Heiden. Denn der Teufel und [die] Gottlosen glauben diesen Artikel, Vergebung der Suenden, nicht, darum sind sie Gott feind, koennen ihn nicht anrufen, nichts Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben, und heisst nicht glauben ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben. Denn also wird vom Glauben gelehrt zu den Hebraeern am 11., dass glauben sei nicht allein die Historien wissen, sondern Zuversicht haben zu Gott, seine Zusage zu empfangen. Und Augustinus erinnert uns auch, dass wir das Wort "Glaube" in der Schrift verstehen sollen, dass es heisse Zuversicht zu Gott, dass er uns gnaedig sei, und heisse nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen.

Ferner wird gelehrt, dass gute Werke sollen und muessen geschehen, nicht dass man darauf vertraue, Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes willen und Gott zu Lob. Der Glaube ergreift allezeit allein Gnade und Vergebung der Suenden. Und dieweil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, so wird auch das Herz geschickt, gute Werke zu tun. Denn zuvor, dieweil es ohne den Heiligen Geist ist, so ist es zu schwach, dazu ist es in des Teufels Gewalt, der die arme menschliche Natur zu vielen Suenden treibt; wie wir sehen in den Philosophen, welche sich unterstanden, ehrlich und unstraeflich zu leben, haben aber dennoch solches nicht ausgerichtet, sondern sind in viele grosse, oeffentliche Suende gefallen. Also geht es mit dem Menschen, so er ausser dem rechten Glauben ohne den Heiligen Geist ist und sich allein durch eingene menschliche Kraefte regiert.

Derhalben ist die Lehre vom Glauben nicht zu schelten, dass sie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu ruehmen, dass sie lehre, gute Werke zu tun, und Hilfe anbiete, wie man zu guten Werken kommen moege. Denn ausser dem Glauben und ausserhalb Christo ist menschliche Natur und Vermoegen viel zu schwach, gute Werke zu tun, Gott anzurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Naechsten zu lieben, befohlene Aemter fleissig auszurichten, gehorsam zu sein, boese Luefte zu meiden. Solche hohe und rechte Werke moegen nicht geschehen ohne die Hilfe Christi, wie er selbst spricht Joh. 15,5: "Ohne mich koennt ihr nichts tun."

Der XXI. Artikel. Vom Dienst der Heiligen.

Vom Heiligendienst wird von den Unsern also gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, auf dass wir unsern Glauben staerken, so wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren, auch wie ihnen durch Glauben geholfen ist; dazu, dass man Exempel nehme von ihren guten Werken, ein jeder nach seinem Befur, gleichwie die Kaiserliche Majestaet seliglich und goettlich dem Exempel Davids folgen mag, Kriege wider den Tuerken zu fuehren; denn beide sind sie in dem koeniglichen Amt, welches Schutz und Schirm ihrer Untertanen fordert. Durch Schrift aber mag man nicht beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. Denn es ist allein ein einiger Versoehner und Mittler gesetzt zwischen Gott und dem Menschen, Jesus Christus, 1 Tim. 2, 5, welcher ist der einige Heiland, der einige oberste Priester, Gnadenstuhl und Fuersprecher vor Gott, Roem. 8, 34. Und der hat allein zugesagt, dass er unser Gebet erhoeren wolle. Das ist auch der hoechste Gottesdienst nach der Schrift, dass man denselben Jesum Christum in allen Roeten und Anliegen von Herzen suche und anrufe. 1 Joh. 2, 1: "So jemand suendigt, haben wir einen Fuersprecher bei Gott, der gerecht ist, Jesum."

Der XXII. Artikel. Von beider Gestalt des Sakraments.

Den Laien wird bei uns beide Gestalt des Sacraments gereicht aus dieser Ursache, dass dies ist ein klarer Befehl und Gebot Christi, Matth. 26, 27: "Trinket alle daraus!" Da gebietet Christus mit klaren Worten von dem Kelch, dass sie alle daraus trinken sollen.

Und damit niemand diese Worte anfechten und glossieren koenne, als gehoere es allein den Priestern zu, so zeigt Paulus 1 Kor. 11, 26 an, dass die ganze Versammlung der Korintherkirchen beide Gestalt gebraucht hat. Und dieser Brauch ist lange Zeit in der Kirche geblieben, wie man durch die Historien und der Vaeter Schriften beweisen kann. Cyprianus bedenkt an vielen Orten, dass den Laien der Kelch die Zeit gereicht sei. So spricht St. Hieronymus, dass die Priester, so das Sakrament reichen, dem Volk das Blut Christi austeilen. So gebietet Gelasius, der Papst selbst, dass man das Sakrament nicht teilen soll, distinct. 2. De consecrat., cap. Comperimus. Man findet nicht auch nindert [nirgend] keinen Kanon, der da gebiete, allein eine Gestalt zu nehmen. Es kann auch niemand wissen, wann oder durch welche diese Gewohnheit, eine Gestalt zu nehmen, eigefuehrt ist, wiewohl der Kardinal Cusanus gedenkt, wann diese Weise approbiert sei. Nun ist's oeffentlich, dass solche Gewohnheit, wider Gottes Gebot, auch wider die alten Canones eingefuehrt, unrecht ist. Derhalben hat sich nicht gebuehrt, derjenigen Gewissen, so das heilige Sakrament nach Christus' Einsetzung zu gebrauchen begehrt haben, zu beschweren und [sie zu] zwingen, wider unsers Herrn Christi Ordnung zu handeln. Und dieweil die Teilung des Sakraments der Einsetzung Christi zuentgegen ist, wird auch bei uns die gewoehnliche Prozession mit dem Sakrament unterlassen.

Der XXIII. Artikel. Vom Ehestand der Priester.

Es ist bei jedermann, hohen und niedern Standes, eine grosse, maechtige Klage in der Welt gewesen von grosser Unzucht und wilden Wesen und Leben der Priester, so nicht vermochten, Keuschheit zu halten, und war auch je mit solchen greulichen Lastern aufs hoechste gekommen. So viel haessliches, grosses Aergernis, Ehebruch und andere Unzucht zu vermeiden, haben sich etliche Priester bei uns in [den] ehelichen Stand begeben. Dieselben zeigen an diese Ursachen, dass sie dahin gedrungen und bewegt sind aus hoher Not ihrer Gewissen, nachdem die Schrift klar meldet, der eheliche Stand sei von Gott dem Herrn eingesetzt, Unzucht zu vermeiden, wie Paulus sagt 1 Kor. 7, 2: "Die Unzucht zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib", item V. 9: "Es ist besser, ehelich werden denn brennen." Und nachdem Christus sagt Matth. 19, 12: "Sie fassen nicht alle das Wort", da zeigt Christus an (welcher wohl gewusst hat, was am Menschen sei), dass wenig Leute die Gabe, keusch zu leben, haben; denn Gott hat den Menschen Maennlein und Fraeulein geschaffen, Gen. 1, 28. Ob es nun in menschlicher Macht oder Vermoegen sei, ohne sonderliche Gabe und Gnade Gottes durch eigen Vornehmen oder Geluebde Gottes der hohen Majestaet Geschoepfe besser zu machen oder zu aendern, hat die Erfahrung allzuklar gegeben. Denn was Gutes, was ehrbaren, zuechtigen Lebens, was christlichen, ehrlichen oder redlichen Wandels an vielen daraus erfolgt, wie greuliche, schreckliche Anruhe und Qual ihrer Gewissen viele an ihrem letzten Ende derhalben gehabt, ist am Tage, und ihrer viele haben es selbst bekannt. So den Gottes Wort und Gebot durch kein menschlich Geluebde oder Gesetz mag geaendert werden, haben aus dieser und andern Ursachen und Gruenden die Priester und andere Geistlich Eheweiber genommen.

So ist es auch aus den Historien und der Vaeter Schriften zu beweisen, dass in der christlichen Kirche vor alters der Brauch gewesen, dass die Priester und Diakonen Eheweiber gehabt [haben]. Darum sagt Paulus 1 Tim. 3, 2: "Es soll ein Bischof unstraslich sein, eines Weibes Mann." Es sind auch in Deutschland erst vor vierhundert Jahren die Priester zum Geluebde der Keuschheit vom Ehestand mit Gewalt abgedrungen, welche sich dagegen saemtlich, auch so ganz ernstlich und hart gesetzt haben, dass ein Erzbischof zu Mainz, welcher das paepstliche neue Edikt derhalben verkuendigt, gar nahe in einer Empoerung der ganzen Priesterschaft in einem Gedraenge waere um gebracht [worden]. Und daselbe Verbot ist bald im Anfang so geschwind und unschicklich vorgenommen, dass der Papst die Zeit nicht allein die kuenftige Ehe den Priestern verboten, sondern auch derjenigen Ehe, so schon in dem Stand lange gewesen, zerrissen; welches doch nicht allein wider alle goettlichen, natuerlichen und weltlichen Rechte, sondern auch den Canonibus (so die Paepste selbst gemacht) und den beruehmtesten Conciliis ganz entgegen und zuwider ist.

Auch ist bei viel hohen, gottesfuerchtigen, verstaendigen Leuten dergleichen Rede und Bedenken oft gehoert, dass solch gedrungener Zoelibat und Beraubung des Ehestandes (welchen Gott selbst eingesetzt und frei gelassen) nie kein gutes, sondern viel grosser, boeser Laster und viel Arges eingefuehrt habe. Es hat auch einer von [den] Paepsten, Pius II., selbst, wie seine Historie anzeigt, diese Worte oft geredet und von sich schreiben lassen: es moege wohl etliche Ursachen haben, warum den Geistlichen die Ehe verboten sei; es habe aber viel hoehere, groesere und wichtigere Ursachen, warum man ihnen die Ehe solle wieder frei lassen. Ungezweifelt, es hat Papst Pius, als ein verstaendiger, weiser Mann, dies Wort aus grossem Bedenken geredet.

Derhalben wollen wir uns in Untertaenigkeit zu Kaiserlicher Majestaet vertroesten, dass Ihre Majestaet, als ein christlicher, hochloeblicher Kaiser, gnaediglich beherzigen werde, dass jetzund in [den] letzten Zeiten und Tagen, von welchen die Schrift meldet, die Welt immer je aerger und die Menschen gebrechlicher und schwaecher werden.

Derhalben wohl hochnoetig, nuetzlich und christlich ist, diese fleissige Einsehung zu tun, damit, wo der Ehestand verboten, nicht aergere und schaendlichere Unzucht und Laster in deutschen Landen moechten einreissen. Denn es wird je diese Sache niemand weislicher oder besser aendern oder machen koennen denn gott selbst, welcher den Ehestand, menschlicher Gebrechlichkeit zu helfen und Unzucht zu wehren, eingesetzt hat.

So sagen die alten Canones auch, man muesse zuzeiten den Schaerfe und rigorem lindern und nachlassen um menschlicher Schwachheit willen, und [um] Aergeres zu verhueten und zu meiden.

Nun waere das in diesem Fall auch wohl christlich und ganz hoch vonnoeten. Was kann auch der Priester und der Geistlichen Ehestand gemeiner christlicher kirche nachteilig sein, sonderlich der Pfarrherren und anderer, die der Kirche dienen sollen? Es wuerde wohl kuenftig an Priestern und Pfarrherren mangeln, so dies harte Verbot des Ehestandes laenger waehren sollte.

So nun dieses, naemlich dass die Priester und Geistlichen moegen ehelich werden, gegruendet ist auf das gottliche Wort und Gebot, dazu die Historien beweisen, dass die Priester ehelich gewesen, so auch das Geluebde der Keuschheit so viele haezzliche, unchristliche Aergernisse, so viel Ehebruch, schreckliche, ungehoerete Unzucht und greuliche Laster hat angerichtet, dass auch etliche unter Tumherren, [*auch etliche] Kurtisane zu Rom solches ost selbst bekannt und klaeglich angezogen, wie solche Laster im Clero zu greulich und uebermacht [masslos seien, und] gottes Zorn wuerde erregt werden: so ist's je erbaermlich, dass man den christlichen Ehestand nicht allein verboten, sondern an etlichen Orten aufs geschwindeste, wie um grosse Uebeltat, zu strafen sich unterstanden hat [*so doch Gott in der Heiligen Schrift den Ehestand in allen Ehren zu haben geboten hat]. So ist auch der Ehestand in kaiserlichen Rechten und in allen Monarchien, wo je Gesetz und Recht gewesen, hoch gelobt. Allein, dieser Zeit beginnt man die Leuter unschuldig, allein um der Ehe willen, zu martern, und dazu Priester, deren man vor andern schonen sollte, und geschieht nicht allein wider goettliche Rechte, sondern auch wider die Canones. Paulus der Apostel, 1 Tim. 4, 1ff., nennt die Lehren, so die Ehe verbieten, Teufelslehren. So sagt Christus selbst Joh. 8, 44, der Teufel sei ein Moerder von Anbeginn; welches denn wohl zusammenstimmt, dass es freilich Teufelslehren sein muessen, die Ehe verbieten und sich unterstehen, solche Lehre mit Blutvergiessen zu erhalten.

Wie aber kein menschlich Gesetz Gottes Gebot kann wegtun oder aendern, also kann auch kein Geluebde Gottes Gebot aendern. Darum gibt auch St. Cyprianus den Rat, dass die Weiber, so die gelobte Keuschheit nicht halten, sollen ehelich werden, und sagt Lib. 1, epist. 11 also: "So sie aber Keuschheit nicht halten wollen oder nicht vermoegen, so ist's besser, dass sie ehelich werden, denn dass sie durch ihre Lust ins Feuer fallen, und sollen sich wohl vorsehen, dass sie den Bruedern und Schwestern kein Aergernis anrichten."

Zudem, so brauchen auch alle Canones groessere Gelindigkeit und Aequitaet gegen diejenigen, so in der Jugend Geluebde getan; wie denn Priester und Moenche des mehreren Teils in der Jugend in solchen Stand aus Unwissenheit gekommen sind.

Der XXIV. Artikel. Von der Messe.

Man legt den Unsern mit Unrecht auf, dass sie die Messe sollen abgetan haben. Denn das ist oeffentlich, dass die Messe, ohne Ruhm zu reden, bei uns mit groesserer Andacht und Ernst gehalten wird denn bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit hoechstem Fleiss zum oesternmal unterrichtet vom heiligen Sacrament, wozu es eingesetzt und wie es zu gebrachen sei, als naemlich die erschrockenen Gewissen damit zu troesten, dadurch das Volk zur Kommunion und Messe gezogen wird. Dabei geschieht auch Unterricht wider andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den oeffentlichen Zeremonien der Messe keine merklich Aenderung geschehen, denn dass an etlichen Orten deutsche Gesaenge (das Volk damit zu lehren und zu ueben) neben lateinischem Gesang gesungen werden, fintemal alle Zeremonien vornehmlich dazu dienen sollen, dass das Volk daran lerne, was ihm zu wissen von Christo not ist.

Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit gemissbraucht, wie am Tage ist, dass ein Jahrmarkt daraus gemacht, dass man sie getauft und verkauft hat, und das mehrere Teil in allen Kirchen um Geldes willen gehalten worden, ist solcher Missbrauch zu mehreren Malen, auch vor dieser Zeit, von gelehrten und frommen Leuten gestraft worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt und die Priester erinnert sind der schrecklichen Bedrohung (so denn billig einen jeden Christen bewegen soll), dass, wer das Sakrament unwuerdiglich braucht, der sei schuldig am Leib und Blut Christi, darauf sind solche Kaufmessen und Winkelmessen (welche bis anher aus Zwang um Geldes und der Praebenden willen gehalten worden) in unsern Kirchen gefallen.

Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestraft, dass man gelehrt hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein fuer die Erbsuende genuggetan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer fuer die andern Suenden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht fuer die Lebendigen und Toten, dadurch Suenden wegzunehmen und Gott zu versoehnen. Daraus ist weiter gefolgt, dass man disputiert hat, ob eine Messe, fuer viele gehalten, also viel verdiene, als so man fuer einen jeglichen eine sonderliche hielte. Daher ist die grosse, unzaehlige Menge der Messen gekommen, dass man mit diesem Werk hat wollen bei Gott alles erlangen, das man bedurft hat, und ist daneben des Glaubens an Christum und rechten Gottesdienstes vergessen worden.

Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert, dass man wuesste, wie das Sakrament recht zu gebrauchen waere. Und erstlilch, dass kein Opfer fuer [die] Erbsuende und andere Suende sei denn der einige Tod Christi, zeigt die Schrift an vielen Orten an. Denn also steht geschrieben zu den Hebraeern, 10, 10, dass sich Christus einmal geopfert hat und dadurch fuer alle Suenden genuggetan. Es ist eine enerhoerte Neuigkeit, in der Kirche lehren, dass Christus' Tod sollte allein fuer die Erebsuende und sonst nicht auch fuer andere Suende genuggetan haben; derhalben zu hoffen, dass maenniglich [jedermann] verstehe, dass solcher Irrtum nicht unbillig gestraft sei.

Zum andern, so lehrt St. Paulus, dass wir vor Gott Gnade erlangen durch [den] Glauben und nicht durch Werke. Dawider ist oeffentlich dieser Missbrauch der Messe, so man vermeint, durch dieses Werk Gnade zu erlangen, wie man denn weiss, dass man die Messe dazu gebraucht, dadurch Suende abzulegen und Gnade und alle Gueter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester fuer sich, sondern auch fuer die ganze Welt und fuer andere, Lebendige und Tote.

Zum dritten, so ist das heilige Sakrament eingesetzt, nicht damit fuer die Suende ein Opfer anzurichten (denn das Opfer ist zuvor geschehen), sondern dass unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getroestet werden, welche durchs Sakrament erinnert werden, dass ihnen Gnade und Vergebung der Suenden von Christo zugesagt ist. Derhalben fordert dies Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht.

Dieweil nun die Messe nicht ein Opfer ist fuer andere, Lebendige oder Tote, ihre Suenden wegzunehmen, sondern soll eine Kommunion sein, da der Priester und andere das Sakrament empfangen fuer sich, so wird diese Weise bei uns gehalten, dass man an Feiertagen, auch sonst, so Kommunikanten da sind, Messe haelt und etliche, so das begehren, kommuniziert. Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehalten, wie man beweisen mag aus St. Paulo, 1 Kor. 11, dazu auch vieler Vaeter Schriften. Denn Chrysostomus spricht, wie der Priester taeglich stehe und fordere etliche zur Kommunion, etlichen verbiete er hinzuzutreten. Auch zeigen die alten Canones an, dass einer das Amt gehalten hat und die andern Priester und Diakonen kommuniziert. Denn also lauten die Worte im canone Nicaeno: "Die Diakonen sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfangen vom Bischof oder Priester."

So man nun keine Neuigkeit hierin, die in der Kirche vor alters nicht gewesen, vorgenommen hat, und in den oeffentlichen Zeremonien der Messe keine merkliche Aenderung geschehen ist, allein dass die andern unnoetigen Messen, etwa durch einen Missbrauch gehalten, neben der Pfarrmesse, gefallen sind, soll billig diese Weise, Messe zu halten, nicht fuer ketzersich und unchristlich verdammt werden. Denn man hat vorzeiten auch in den grossen Kirchen, da viel Volks gewesen, auch auf die Tage, so das Volk zusammenkam, nicht taeglich Messe gehalten, wie Tripartia Historia, lib. 9, anzeigt, dass man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt habe und sonst alle Gottesdienste gehalten ohne die Messe.

Der XXV. Artikel. Von der Beichte.

Die Beichte ist durch die Prediger dieses Teils nicht abgetan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, so nicht zuvor verhoert und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleissig unterrichtet, wie troestlich das Wort der Absolution sei, wie hoch und teuer die Absolution zu achten; denn es sei nicht des gegenwaertigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der da die Suende vergibt. Denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schluessel, wie troestlich, wie noetig sie sei den erschrockenen Gewissen, wird mit grossem Fleiss gelehrt; dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschoelle, und uns dero [deren] froehlich troesten und wissen, dass wir durch solchen Glauben Vergebung der Suenden erlangen. Von diesen noetigen Stuecken haben vorzeiten die Prediger, so von der Beichte viel lehrten, nicht ein Woertlein geruehrt, sondern allein die Gewissen gemartert mit langer Erzaehlung der Suenden, mit Genugtun, mit Ablass, mit Wallfahrten und dergleichen. Und viele unserer Widersacher bekennen selbst, dass dieses Teils von rechter christlicher Busse schicklicher denn zuvor in langer Zeit geschrieben und gehandelt sei.

Und wird von der Beichte also gelehrt, dass man niemand dringen soll, die Suende namhaftig zu erzahlen. Denn solches ist unmoeglich, wie der Psalm 19, 13 spricht: "Wer kennt die Missetat?" Und Jeremias 17, 9 spricht: "Des Menschen Herz ist so arg, dass man es nicht auslernen kann." Die elende menschliche Natur steckt also tief in Suenden, dass sie dieselbe nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolviert werden, die wir zaehlen koennen, waere uns wenig geholfen. Derhalben ist nicht not, die Leute zu dringen, die Suende namhaftig zu erzaehlen. Also haben auch die Vaeter gehalten, wie man findet distinct. 1, De Poenitentia, da die Worte Chrysostomi angezogen werden: "Ich sage nicht, dass du dich selbst sollst oeffentlich dargeben, noch bei einem andern dich selbst verklagen oder schuldig geben, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege, Ps. 37,5. Derhalben beichte Gott dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet; nicht sage deine Suende mit der Zunge, sondern in deinem Gewissen." Hier sieht man klar, dass Chrysostomus nicht zwingt, die Suende namhaftig zu erzaehlen. so lehrt auch die Glossa in Decretis, De Poenitentia, distinct. 5, cap. Consideret, dass die Beichte nicht durch die Schrift geboten sondern durch die Kirche eingesetzt sei. Doch wird durch die Prediger dieses Teils fleissig gelehrt, dass die Beichte von wegen der Absolution, welche das Haupstueck und das Vornehmste darin ist, zum Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursachen willen zu erhalten sei.

Der XXVI. Artikel. Vom Unterschied der Speise.

Vorzeiten hat man also gelehrt, gepredigt und geschrieben, dass Unterschied der Speisen und dergleichen Traditionen, von Menschen eingesetzt, dazu dienen, dass man dadurch Gnade verdiene und fuer die Suende genugtue. Aus diesem Grunde hat man taeglich neue Fasten, neue Zeremonien, neue Orden und dergleichen erdacht und auf solches heftig und hart getrieben, als waeren solche Dinge noetige Gottesdienste, dadurch man Gnade verdiene, so man's halte, und grosse Suende geschehe, so man's nicht halte. Daraus sind viel schaedliche Irrtuemer in der Kirche erfolgt.

Erstlich ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit grossem Ernst vorhaelt und treibt hart darauf, dass man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, dass glauben an Christum hoch und weit ueber alle Werke zu setzen sei. Derhalben hat St. Paulus heftig wider das Gesetz Mosis und menschliche Traditionen gefochten, dass wir lernen sollen, dass wir vor Gott nicht fromm werden aus unsern Werken, sondern allein durch den Glauben an Christum, dass wir Gnade erlangen um Christus' willen. Solche Lehre ist schier gang erloschen dadurch, dass man gelehrt, Gnade zu verdienen mit Gesetzen, Fasten, Unterschied der Speisen, Kleidern usw.