A Book of German Lyrics

Chapter 3

Chapter 33,197 wordsPublic domain

Was wir still gelobt im Wald, Wollen's draußen ehrlich halten, 20 Ewig bleiben treu die Alten: Deutsch Panier, das rauschend wallt, Lebe wohl! Schirm dich Gott, du schöner Wald!

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35. NACHTS

Ich stehe in Waldesschatten Wie an des Lebens Rand, Die Länder wie dämmernde Matten, Der Strom wie ein silbern Band.

Von fern nur schlagen die Glocken 5 Über die Wälder herein, Ein Reh hebt den Kopf erschrocken Und schlummert gleich wieder ein.

Der Wald aber rühret die Wipfel Im Traum von der Felsenwand. 10 Denn der Herr geht über die Gipfel Und segnet das stille Land.

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36. FRÜHLINGSDÄMMERUNG

In der stillen Pracht, In allen frischen Büschen und Bäumen Flüstert's wie Träumen Die ganze Nacht. Denn über den mondbeglänzten Ländern 5 Mit langen weißen Gewändern Ziehen die schlanken Wolkenfrau'n wie geheime Gedanken, Senden von den Felsenwänden Hinab die behenden 10 Frühlingsgesellen, die hellen Waldquellen, Die's unten bestellen An die duft'gen Tiefen, Die gerne noch schliefen. Nun wiegen und neigen in ahnendem Schweigen 15 Sich alle so eigen Mit Ähren und Zweigen, Erzählen's den Winden, Die durch die blühenden Linden Vorüber den grasenden Rehen 20 Säuselnd über die Seen gehen, Daß die Niren verschlafen auftauchen Und fragen, Was sie so lieblich hauchen-- Wer mag es wohl sagen? 25

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37. ELFE

Bleib bei uns! Wir haben den Tanzplan im Tal Bedeckt mit Mondesglanze, Johanneswürmchen erleuchten den Saal, Die Heimchen spielen zum Tanze.

Die Freude, das schöne leichtgläubige Kind, 5 Es wiegt sich in Abendwinden: Wo Silber auf Zweigen und Büschen rinnt, Da wirst du die schönste finden!

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38. ABENDLANDSCHAFT

Der Hirt bläst seine Weise, Von fern ein Schuß noch fällt, Die Wälder rauschen leise Und Ströme tief im Feld.

Nur hinter jenem Hügel 5 Noch spielt der Abendschein-- O hätt' ich, hätt' ich Flügel, Zu fliegen da hinein!

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39. DIE NACHT

Nacht ist wie ein stilles Meer, Lust und Leid und Liebesklagen Kommen so verworren her In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind, 5 Schiffen durch die stillen Räume, Wer erkennt im lauen Wind, Ob's Gedanken oder Träume?--

Schließ' ich nun auch Herz und Mund Die so gern den Sternen klagen: 10 Leise doch im Herzensgrund Bleibt das linde Wellenschlagen.

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40. SEHNSUCHT

Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, 5 Da hab' ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang. 10 Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, Wo die Wälder rauschen so sacht, Von Quellen, die von den Klüften 15 Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern, Von Gärten, die überm Gestein In dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondenschein, 20 Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht, Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht.

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41. DAS ZERBROCHENE RINGLEIN

In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Mein' Liebste ist verschwunden. Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu' versprochen, 5 Gab mir ein'n Ring dabei, Sie hat die Treu' gebrochen, Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht' als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, 10 Und singen meine Weisen, Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht' als Reiter fliegen Wohl in die blut'ge Schlacht, Um stille Feuer liegen 15 Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen: Ich weiß nicht, was ich will-- Ich möcht' am liebsten sterben, Da wär's auf einmal still. 20

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42. FRÜHE

Im Osten graut's, der Nebel fällt, Wer weiß, wie bald sich's rühret! Doch schwer im Schlaf noch ruht die Welt, Von allem nichts verspüret.

Nur eine frühe Lerche steigt, 5 Es hat ihr was geträumet Vom Lichte, wenn noch alles schweigt, Das kaum die Höhen säumet.

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43. NACHTS

Ich wandre durch die stille Nacht, Da schleicht der Mond so heimlich sacht Oft aus der dunklen Wolkenhülle, Und hin und her im Tal Erwacht die Nachtigall, 5 Dann wieder alles grau und stille.

O wunderbarer Nachtgesang: Von fern im Land der Ströme Gang, Leis Schauern in den dunklen Bäumen-- Wirrst die Gedanken mir, 10 Mein irres Singen hier Ist wie ein Rufen nur aus Träumen.

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44. MONDNACHT

Es war, als hätt' der Himmel Die Erde still geküßt, Daß sie im Blütenschimmer Von ihm nun träumen müßt'.

Die Lust ging durch die Felder, 5 Die Uhren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, 10 Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus.

FRIEDRICH RÜCKERT

45. AUS DER JUGENDZEIT

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar; O wie liegt so weit, o wie liegt so weit, Was mein einst war!

Was die Schwalbe sang, was die Schwalbe sang, 5 Die den Herbst und Frühling bringt; Ob das Dorf entlang, ob das Dorf entlang Das jetzt noch klingt?

"Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, Waren Kisten und Kasten schwer; 10 Als ich wieder kam, als ich wieder kam, War alles leer."

O du Kindermund, o du Kindermund, Unbewußter Weisheit froh, Vogelsprachekund, vogelsprachekund 15 Wie Salomo!

O du Heimatflur, o du Heimatflur, Laß zu deinem heil'gen Raum Mich noch einmal nur, mich noch einmal nur Entfliehn im Traum! 20

Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, War die Welt mir voll so sehr; Als ich wieder kam, als ich wieder kam, War alles leer.

Wohl die Schwalbe kehrt, wohl die Schwalbe kehrt, 25 Und der leere Kasten schwoll, Ist das Herz geleert, ist das Herz geleert, Wird's nie mehr voll.

Keine Schwalbe bringt, keine Schwalbe bringt, Dir zurück, wonach du weinst; 30 Doch die Schwalbe singt, doch die Schwalbe singt Im Dorf wie einst:

"Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, Waren Kisten und Kasten schwer; Als ich wieder kam, als ich wieder kam, 35 War alles leer."

HEINRICH HEINE

46. DIE GRENADIERE

Nach Frankreich zogen zwei Grenadier', Die waren in Rußland gefangen. Und als sie kamen ins deutsche Quartier, Sie ließen die Köpfe hangen.

Da hörten sie beide die traurige Mär': 5 Daß Frankreich verloren gegangen, Besiegt und zerschlagen das große Heer,-- Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.

Da weinten zusammen die Grenadier' Wohl ob der kläglichen Kunde. 10 Der eine sprach: Wie weh wird mir, Wie brennt meine alte Wunde!

Der andre sprach: Das Lied ist aus, Auch ich möcht' mit dir sterben, Doch hab' ich Weib und Kind zu Haus, 15 Die ohne mich verderben.

Was schert mich Weib, was schert mich Kind! Ich trage weit beßres Verlangen; Laß sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind,-- Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen! 20

Gewähr mir, Bruder, eine Bitt': Wenn ich jetzt sterben werde, So nimm meine Leiche nach Frankreich mit, Begrab mich in Frankreichs Erde.

Das Ehrenkreuz am roten Band 25 Sollst du aufs Herz mir legen; Die Flinte gib mir in die Hand, Und gürt mir um den Degen.

So will ich liegen und horchen still, Wie eine Schildwach', im Grabe, 30 Bis einst ich höre Kanonengebrüll Und wiehernder Rosse Getrabe.

Dann reitet mein Kaiser wohl über mein Grab, Viel Schwerter klirren und blitzen; Dann steig' ich gewaffnet hervor aus dem Grab,-- 35 Den Kaiser, den Kaiser zu schützen!

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47.

In mein gar zu dunkles Leben Strahlte einst ein süßes Bild; Nun das süße Bild erblichen, Bin ich gänzlich nachtumhüllt.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln, 5 Wird beklommen ihr Gemüt, Und um ihre Angst zu bannen, Singen sie ein lautes Lied.

Ich, ein tolles Kind, ich singe Jetzo in der Dunkelheit; 10 Klingt das Lied auch nicht ergötzlich, Hat's mich doch von Angst befreit.

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48.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Märchen ans alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt, 5 Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar, 10 Ihr goldnes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme, Und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, 15 Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Er schaut nur hinauf in die Höh'. 20

Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen Die Lorelei getan.

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49.

Du bist wie eine Blume So hold und schön und rein: Ich schau' dich an, und Wehmut Schleicht mir ins Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände 5 Aufs Haupt dir legen sollt', Betend, daß Gott dich erhalte So rein und schön und hold.

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50.

Auf Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag' ich dich fort, Fort nach den Fluren des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten 5 Im stillen Mondenschein; Die Lotosblumen erwarten Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen, Und schaun nach den Sternen empor; 10 Heimlich erzählen die Rosen Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen Die frommen, klugen Gazell'n; Und in der Ferne rauschen 15 Des heiligen Stromes Well'n.

Dort wollen wir niedersinken Unter dem Palmenbaum, Und Liebe und Ruhe trinken Und träumen seligen Traum. 20

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51.

Die Lotosblume ängstigt Sich vor der Sonne Pracht, Und mit gesenktem Haupte Erwartet sie träumend die Nacht.

Der Mond, der ist ihr Buhle, 5 Er weckt sie mit seinem Licht, Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht.

Sie blüht und glüht und leuchtet, Und starret stumm in die Höh'; 10 Sie duftet und weinet und zittert Vor Liebe und Liebesweh.

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52.

Ein Fichtenbaum steht einsam Im Norden auf kahler Höh'. Ihn schläfert; mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme, 5 Die fern im Morgenland Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand.

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53.

Mein Liebchen, wir saßen beisammen, Traulich im leichten Kahn. Die Nacht war still, und wir schwammen Auf weiter Wasserbahn.

Die Geisterinsel, die schöne, 5 Lag dämmrig im Mondenglanz; Dort klangen liebe Töne, Und wogte der Nebeltanz.

Dort klang es lieb und lieber, Und wogt' es hin und her; 10 Wir aber schwammen vorüber Trostlos auf weitem Meer.

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54.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen ändern erwählt; Der andre liebt eine andre, Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger 5 Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; 10 Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei.

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55.

Dämmernd liegt der Sommerabend Über Wald und grünen Wiesen; Goldner Mond im blauen Himmel Strahlt herunter, duftig labend.

An dem Bache zirpt die Grille, 5 Und es regt sich in dem Wasser, Und der Wandrer hört ein Plätschern Und ein Atmen in der Stille.

Dorten, an dem Bach alleine Badet sich die schöne Elfe; 10 Arm und Nacken, weiß und lieblich, Schimmern in dem Mondenscheine.

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56.

Es fällt ein Stern herunter Aus seiner funkelnden Höh'! Das ist der Stern der Liebe, Den ich dort fallen seh'.

Es fallen vom Apfelbaume 5 Der Blüten und Blätter viel Es kommen die neckenden Lüfte Und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher Und rudert auf und ab, 10 Und immer leiser singend Taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel! Verweht ist Blatt und Blüt', Der Stern ist knisternd zerstoben, 15 Verklungen das Schwanenlied.

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57.

Der Tod, das ist die kühle Nacht, Das Leben ist der schwüle Tag. Es dunkelt schon, mich schläfert, Der Tag hat mich müd' gemacht.

Über mein Bett erhebt sich ein Baum 5 Drin singt die junge Nachtigall; Sie singt von lauter Liebe, Ich hör' es sogar im Traum.

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58.

"Sag, wo ist dein schönes Liebchen, Das du einst so schön besungen, Als die zaubermächt'gen Flammen Wunderbar dein Herz durchdrungen?"

Jene Flammen sind erloschen 5 Und mein Herz ist kalt und trübe, Und dies Büchlein ist die Urne Mit der Asche meiner Liebe.

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59. FRIEDEN

Hoch am Himmel stand die Sonne Von weißen Wolken umwogt, Das Meer war still, Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes, Träumerisch sinnend--und, halb im Wachen 5 Und halb im Schlummer, schaute ich Christus, Den Heiland der Welt. Im wallend weißen Gewande Wandelt' er riesengroß Über Land und Meer; 10 Es ragte sein Haupt in den Himmel, Die Hände streckte er segnend Über Land und Meer; Und als ein Herz in der Brust Trug er die Sonne, 15 Die rote, flammende Sonne; Und das rote, flammende Sonnenherz Goß seine Gnadenstrahlen Und sein holdes, liebseliges Licht, Erleuchtend und wärmend 20 Über Land und Meer.

Glockenklänge zogen feierlich Hin und her, zogen wie Schwäne, An Rosenbändern, das gleitende Schiff, Und zogen es spielend ans grüne Ufer, 25 Wo Menschen wohnen, in hochgetürmter Ragender Stadt.

O Friedenswunder! Wie still die Stadt! Es ruhte das dumpfe Geräusch Der schwatzenden, schwülen Gewerbe, 30 Und durch die reinen, hallenden Straßen Wandelten Menschen, weißgekleidete, Palmzweig-tragende, Und wo sich zwei begegneten, Sah'n sie sich an, verständnisinnig, 35 Und schauernd in Liebe und süßer Entsagung Küßten sie sich auf die Stirne. Und schauten hinauf Nach des Heilands Sonnenherzen, Das freudig versöhnend sein rotes Blut 40 Hinunterstrahlte. Und dreimalselig sprachen sie: "Gelobt sei Jesus Christ!"

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60.

Leise zieht durch mein Gemüt Liebliches Geläute. Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus, 5 Wo die Blumen sprießen. Wenn du eine Rose schaust, Sag, ich laß' sie grüßen.

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61.

Es war ein alter König, Sein Herz war schwer, sein Haupt war grau; Der arme alte König, Er nahm eine junge Frau.

Es war ein schöner Page, 5 Blond war sein Haupt, leicht war sein Sinn; Er trug die seidne Schleppe Der jungen Königin.

Kennst du das alte Liedchen? Es klingt so süß, es klingt so trüb'! 10 Sie mußten beide sterben, Sie hatten sich viel zu lieb.

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62.

Es ziehen die brausenden Wellen Wohl nach dem Strand; Sie schwellen und zerschellen Wohl auf dem Sand.

Sie kommen groß und kräftig 5 Ohn' Unterlaß; Sie werden endlich heftig-- Was hilft uns das?

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63.

Es ragt ins Meer der Runenstein, Da sitz' ich mit meinen Träumen. Es pfeift der Wind, die Möwen schrein, Die Wellen, die wandern und schäumen.

Ich habe geliebt manch schönes Kind 5 Und manchen guten Gesellen-- Wo sind sie hin? Es pfeift der Wind, Es schäumen und wandern die Wellen.

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64. IN DER FREMDE

Ich hatte einst ein schönes Vaterland. Der Eichenbaum Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum.

Das küßte mich auf deutsch und sprach auf deutsch 5 (Man glaubt es kaum, Wie gut es klang) das Wort: "Ich liebe dich!" Es war ein Traum.

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65. WO?

Wo wird einst des Wandermüden Letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden an dem Rhein?

Werd' ich wo in einer Wüste 5 Eingescharrt von fremder Hand? Oder ruh' ich an der Küste Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben Gotteshimmel, dort wie hier, 10 Und als Totenlampen schweben Nachts die Sterne über mir.

AUGUST, GRAF VON PLATEN

66. DAS GRAB IM BUSENTO

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder; Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!

Und den Fluß hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer Goten, Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben, 5 Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette, Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde, Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung, auf 10 dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe, Daß die hohen Stromgewächse wüchsen ans dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen: Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern: "Schlaf in deinen 15 Heldenehren! Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!"

Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere; Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

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67.

Im Wasser wogt die Lilie, die blanke, hin und her, Doch irrst du, Freund, sobald du sagst, sie schwanke hin und her: Es wurzelt ja so fest ihr Fuß im tiefen Meeresgrund, Ihr Haupt nur wiegt ein lieblicher Gedanke hin und her!

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68.

Wie rafft' ich mich auf in der Nacht, in der Nacht, Und fühlte mich fürder gezogen, Die Gassen verließ ich, vom Wächter bewacht, Durchwandelte sacht In der Nacht, in der Nacht, 5 Das Tor mit dem gotischen Bogen.

Der Mühlbach rauschte durch felsigen Schacht, Ich lehnte mich über die Brücke, Tief unter mir nahm ich der Wogen in acht, Die wallten so sacht 10 In der Nacht, in der Nacht, Doch wallte nicht eine zurücke.

Es drehte sich oben, unzählig entfacht, Melodischer Wandel der Sterne, Mit ihnen der Mond in beruhigter Pracht, 15 Sie funkelten sacht In der Nacht, in der Nacht, Durch täuschend entlegene Ferne.

Ich blickte hinauf in der Nacht, in der Nacht, Ich blickte hinunter aufs neue: 20 O wehe, wie hast du die Tage verbracht, Nun stille du sacht In der Nacht, in der Nacht, Im pochenden Herzen die Reue!

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69.

Ich möchte, wann ich sterbe, wie die lichten Gestirne schnell und unbewußt erbleichen, Erliegen möcht' ich einst des Todes Streichen, Wie Sagen uns vom Pindaros berichten.

Ich will ja nicht im Leben oder Dichten 5 Den großen Unerreichlichen erreichen, Ich möcht', o Freund, ihm nur im Tode gleichen; Doch höre nun die schönste der Geschichten!

Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget, Und hatte, der ermüdet war, die Wangen 10 Auf seines Lieblings schönes Knie geleget:

Als nun der Chöre Melodien verklangen, Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget, Doch zu den Göttern war er heimgegangen.

NIKOLAUS LENAU

70. BITTE

Weil' auf mir, du dunkles Auge, Übe deine ganze Macht, Ernste, milde, träumerische, Unergründlich süße Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel 5 Diese Welt von hinnen mir, Daß du über meinem Leben Einsam schwebest für und für.

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71. SCHILFLIED

Auf dem Teich, dem regungslosen, Weilt des Mondes holder Glanz, Flechtend seine bleichen Rosen In des Schilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel, 5 Blicken in die Nacht empor; Manchmal regt sich das Geflügel Träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muß mein Blick sich senken; Durch die tiefste Seele geht 10 Mir ein süßes Deingedenken Wie ein stilles Nachtgebet!

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72. DER EICHWALD

Ich trat in einen heilig düstern Eichwald, da hört' ich leis' und lind Ein Bächlein unter Blumen flüstern, Wie das Gebet von einem Kind;

Und mich ergriff ein süßes Grauen, 5 Es rauscht' der Wald geheimnisvoll, Als möcht' er mir was anvertrauen, Das noch mein Herz nicht wissen soll;

Als möcht' er heimlich mir entdecken, Was Gottes Liebe sinnt und will: 10 Doch schien er plötzlich zu erschrecken Vor Gottes Näh'--und wurde still.

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73. DER POSTILLION

Lieblich war die Maiennacht, Silberwölklein flogen, Ob der holden Frühlingspracht Freudig hingezogen.

Schlummernd lagen Wies' und Hain, 5 Jeder Pfad verlassen; Niemand als der Mondenschein Wachte auf der Straßen.

Leise nur das Lüftchen sprach, Und es zog gelinder 10 Durch das stille Schlafgemach All der Frühlingskinder.