# West-östlicher Divan

## Part 4

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Als die Welt im tiefsten Grunde Lag an Gottes ewger Brust, Ordnet' er die erste Stunde Mit erhabner Schöpfungslust. Und er sprach das Wort: "Es werde!" Da erklang ein schmerzlich Ach! Als das All mit Machtgebärde In die Wirklichkeiten brach!

Auf tat sich das Licht; so trennte Scheu sich Finsternis von ihm, Und sogleich die Elemente Scheidend auseinander fliehn. Rasch in wilden, wüsten Träumen Jedes nach der Weite rang, Starr, in ungemeßnen Räumen, Ohne Sehnsucht, ohne Klang.

Stumm war alles, still und öde, Einsam Gott zum ersten Mal! Da erschuf er Morgenröte, Die erbarmte sich der Qual; Sie entwickelte dem Trüben Ein erklingend Farbenspiel, Und nun konnte wieder lieben, Was erst auseinanderfiel.

Und mit eiligem Bestreben Sucht sich, was sich angehört; Und zu ungemeßnem Leben Ist Gefühl und Blick gekehrt. Sei's Ergreifen, sei es Raffen, Wenn es nur sich faßt und hält! Allah braucht nicht mehr zu schaffen, Wir erschaffen seine Welt.

So mit morgenroten Flügeln Riß es mich an deinen Mund, Und die Nacht mit tausend Siegeln Kräftigt sternenhell den Bund. Beide sind wir auf der Erde Musterhaft in Freud und Qual, Und ein zweites Wort: Es werde! Trennt uns nicht zum zweiten Mal.

Vollmondnacht

Herrin, sag, was heißt das Flüstern? Was bewegt dir leis die Lippen? Lispelst immer vor dich hin, Lieblicher als Weines Nippen! Denkst du deinen Mundgeschwistern Noch ein Pärchen herzuziehn? "Ich will küssen! Küssen! sagt ich."

Schau! Im zweifelhaften Dunkel Glühen blühend alle Zweige, Nieder spielet Stern auf Stern, Und smaragden durchs Gesträuche Tausendfältiger Karfunkel; Doch dein Geist ist allem fern. "Ich will küssen! Küssen! sagt ich."

Dein Geliebter, fern, erprobet Gleicherweis im Sauersüßen Fühlt ein unglückselges Glück, Euch im Vollmond zu begrüßen, Habt ihr heilig angelobet, Dieses ist der Augenblick! "Ich will küssen! Küssen! sagt ich."

Geheimschrift

Laßt euch, o Diplomaten, Recht angelegen sein, Und eure Potentaten Beraten rein und fein! Geheimer Chiffern Sendung Beschäftige die Welt, Bis endlich jede Wendung Sich selbst ins gleiche stellt.

Mir von der Herrin süße Die Chiffer ist zur Hand, Woran ich schon genieße, Weil sie die Kunst erfand. Es ist die Liebesfülle Im lieblichsten Revier, Der holde, treue Wille, Wie zwischen mir und ihr.

Von abertausend Blüten Ist es ein bunter Strauß, Von englischen Gemüten Ein vollbewohntes Haus; Von buntesten Gefiedern Der Himmel übersät, Ein klingend Meer von Liedern, Geruchvoll überweht.

Ist unbedingten Strebens Geheime Doppelschrift, Die in das Mark des Lebens Wie Pfeil um Pfeile trifft. Was ich euch offenbaret, War längst ein frommer Brauch, Und wenn ihr es gewahret, So schweigt und nutzt es auch.

Abglanz

Ein Spiegel, er ist mir geworden; Ich sehe so gerne hinein, Als hinge des Kaisers Orden An mir mit Doppelschein; Nicht etwa selbstgefällig Such ich mich überall; Ich bin so gern gesellig, Und das ist hier der Fall.

Wenn ich nun vorm Spiegel stehe Im stillen Witwerhaus, Gleich guckt, eh ich mich versehe, Das Liebchen mit heraus. Schnell kehr ich mich um, und wieder Verschwand sie, die ich sah; Dann blick ich in meine Lieder, Gleich ist sie wieder da.

Die schreib ich immer schöner Und mehr nach meinem Sinn, Trotz Krittler und Verhöhner, Zu täglichem Gewinn. Ihr Bild in reichen Schranken Verherrlichet sich nur, In goldnen Rosenranken Und Rähmchen von Lasur.

Suleika

Wie mit innigstem Behagen, Lied, empfind ich deinen Sinn! Liebevoll du scheinst zu sagen, Daß ich ihm zur Seite bin.

Daß er ewig mein gedenket, Seiner Liebe Seligkeit Immerdar der Fernen schenket, Die ein Leben ihm geweiht.

Ja, mein Herz, es ist der Spiegel, Freund, worin du dich erblickt; Diese Brust, wo deine Siegel Kuß auf Kuß hereingedrückt.

Süßes Dichten, lautre Wahrheit Fesselt mich in Sympathie! Rein verkörpert Liebesklarheit Im Gewand der Poesie.

Laß den Weltenspiegel Alexandern

Laß den Weltenspiegel Alexandern; Denn was zeigt er?--Da und dort Stille Völker, die er mit den andern Zwingend rütteln möchte fort und fort.

Du! nicht weiter, nicht zu Fremden strebe! Singe mir, die du dir eigen sangst. Denke, daß ich liebe, daß ich lebe, Denke, daß du mich bezwangst!

Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen

Die Welt durchaus ist lieblich anzuschauen, Vorzüglich aber schön die Welt der Dichter; Auf bunten, hellen oder silbergrauen Gefilden, Tag und Nacht, erglänzen Lichter. Heut ist mir alles herrlich; wenn's nur bliebe! Ich sehe heut durchs Augenglas der Liebe.

In tausend Formen

In tausend Formen magst du dich verstecken, Doch, Allerliebste, gleich erkenn ich dich; Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken, Allgegenwärtge, gleich erkenn ich dich.

An der Zypresse reinstem jungem Streben, Allschöngewachsne, gleich erkenn ich dich. In des Kanales reinem Wellenleben, Allschmeichelhafte, wohl erkenn ich dich.

Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet, Allspielende, wie froh erkenn ich dich! Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet, Allmannigfaltge, dort erkenn ich dich.

An des geblümten Schleiers Wiesenteppich, Allbuntbesternte, schön erkenn ich dich; Und greift umher ein tausendarmger Eppich, O Allumklammernde, da kenn ich dich.

Wenn am Gebirg der Morgen sich entzündet, Gleich, Allerheiternde, begrüß ich dich, Dann über mir der Himmel rein sich ründet, Allherzerweiternde, dann atm ich dich.

Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne, Du Allbelehrende, kenn ich durch dich; Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne, Mit jedem klingt ein Name nach für dich.

Das Schenkenbuch

Saki Nameh: Das Schenkenbuch

Ja, in der Schenke hab ich auch gesessen, Mir ward wie andern zugemessen; Sie schwatzten, schrieen, händelten von heut, So froh und traurig, wie's der Tag gebeut, Ich aber saß, im Innersten erfreut; An meine Liebste dacht ich--wie sie liebt? Das weiß ich nicht; was aber mich bedrängt-- Ich liebe sie, wie es ein Busen gibt, Der treu sich einer gab und knechtisch hängt. Wo war das Pergament, der Griffel, wo, Die alles faßten? Doch so war's! ja, so!

Sitz ich allein

Sitz ich allein, Wo kann ich besser sein? Meinen Wein Trink ich allein; Und niemand setzt mir Schranken; Ich hab so meine eignen Gedanken.

So weit bracht es Muley

So weit bracht es Muley, der Dieb, Daß er trunken schöne Lettern schrieb.

Ob der Koran von Ewigkeit sei

Ob der Koran von Ewigkeit sei? Darnach frag ich nicht! Ob der Koran geschaffen sei? Das weiß ich nicht! Daß er das Buch der Bücher sei, Glaub ich aus Mosleminen-Pflicht.

Daß aber der Wein von Ewigkeit sei, Daran zweifl ich nicht; Oder daß er von den Engeln geschaffen sei, Ist vielleicht auch kein Gedicht. Der Trinkende, wie es auch immer sei, Blickt Gott frischer ins Angesicht.

Trunken müssen wir alle sein

Trunken müssen wir alle sein! Jugend ist Trunkenheit ohne Wein; Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend, So ist es wundervolle Tugend. Für Sorgen sorgt das liebe Leben Und Sorgenbrecher sind die Reben.

Da wird nicht mehr nachgefragt, Wein ist ernstlich untersagt. Soll denn doch getrunken sein, Trinke nur vom besten Wein! Doppelt wärst du ein Ketzer In Verdammnis um den Krätzer.

Solang man nüchtern ist

Solang man nüchtern ist, Gefällt das Schlechte; Wie man getrunken hat, Weiß man das Rechte; Nur ist das übermaß Auch gleich zu Handen, Hafis, o lehre mich, Wie du's verstanden! Denn meine Meinung ist Nicht übertrieben: Wenn man nicht trinken kann, Soll man nicht lieben, Doch sollt ihr Trinker euch Nicht besser dünken: Wenn man nicht lieben kann, Soll man nicht trinken.

Suleika

Warum du nur oft so unhold bist?

Hatem

Du weißt, daß der Leib ein Kerker ist: Die Seele hat man hinein betrogen; Da hat sie nicht freie Ellenbogen. Will sie sich da- und dorthin retten, Schnürt man den Kerker selbst in Ketten; Da ist das Liebchen doppelt gefährdet; Deshalb sie sich oft so seltsam gebärdet.

Wenn der Körper ein Kerker ist

Wenn der Körper ein Kerker ist, Warum nur der Kerker so durstig ist? Seele befindet sich wohl darinnen Und bliebe gern vergnügt bei Sinnen, Nun aber soll eine Flasche Wein, Frisch eine nach der andern herein. Seele will's nicht länger ertragen, Sie an der Türe in Stücke schlagen.

Dem Kellner

Setze mir nicht, du Grobian, Mir den Krug so derb vor die Nase! Wer mir Wein bringt, sehe mich freundlich an, Sonst trübt sich der Eilfer im Glase.

Dem Schenken

Du zierlicher Knabe, du komm herein! Was stehst du denn da auf der Schwelle? Du sollst mir künftig der Schenke sein; Jeder Wein ist schmackhaft und helle.

Schenke spricht

Du mit deinen braunen Locken, Geh mir weg, verschmitzte Dirne! Schenk ich meinem Herrn zu Danke, Nun, so küßt er mir die Stirne.

Aber du, ich wollte wetten, Bist mir nicht damit zufrieden, Deine Wangen, deine Brüste Werden meinen Freund ermüden.

Glaubst du wohl mich zu betrügen, Daß du jetzt verschämt entweichest? Auf der Schwelle will ich liegen Und erwachen, wenn du schleichest.

Sie haben wegen der Trunkenheit

Sie haben wegen der Trunkenheit Vielfältig uns verklagt Und haben von unsrer Trunkenheit Lange nicht genug gesagt. Gewöhnlich der Betrunkenheit Erliegt man, bis es tagt; Doch hat mich meine Betrunkenheit In der Nacht umhergejagt. Es ist die Liebestrunkenheit, Die mich erbärmlich plagt, Von Tag zu Nacht, von Nacht zu Tag In meinem Herzen zagt, Dem Herzen, das in Trunkenheit Der Lieder schwillt und ragt, Daß keine nüchterne Trunkenheit, Sich gleich zu heben wagt. Daß keine nüchterne Trunkenheit Ob's nachtet oder tagt, Die göttlichste Betrunkenheit, Die mich entzückt und plagt.

Du kleiner Schelm, du!

Du kleiner Schelm, du! Daß ich mir bewußt sei, Darauf kommt es überall an. Und so erfreu ich mich Auch deiner Gegenwart, Du Allerliebster, Obgleich betrunken.

Was in der Schenke waren heute

Was in der Schenke waren heute Am frühsten Morgen für Tumulte! Der Wirt und Mädchen! Fackeln, Leute! Was gab's für Händel, für Insulte! Die Flöte klang, die Trommel scholl! Es war ein wüstes Wesen-- Doch bin ich, lust- und liebevoll, Auch selbst dabei gewesen.

Daß ich von Sitte nichts gelernt, Darüber tadelt mich ein jeder; Doch bleib ich weislich weit entfernt Vom Streit der Schulen und Katheder.

Schenke

Welch ein Zustand! Herr, so späte Schleichst du heut aus deiner Kammer; Perser nennen's Bidamag buden, Deutsche sagen Katzenjammer.

Dichter

Laß mich jetzt, geliebter Knabe! Mir will nicht die Welt gefallen, Nicht der Schein, der Duft der Rose, Nicht der Sang der Nachtigallen.

Schenke

Eben das will ich behandeln, Und ich denk, es soll mir klecken, Hier, genieß die frischen Mandeln, Und der Wein wird wieder schmecken.

Dann will ich auf der Terrasse Dich mit frischen Lüften tränken; Wie ich dich ins Auge fasse, Gibst du einen Kuß dem Schenken.

Schau, die Welt ist keine Höhle, Immer reich an Brut und Nestern; Rosenduft und Rosenöle! Bulbul auch, sie singt wie gestern.

Jene garstige Vettel

Jene garstige Vettel, Die buhlerische, Welt heißt man sie, Mich hat sie betrogen, Wie die übrigen alle. Glaube nahm sie mir weg, Dann die Hoffnung! Nun wollte sie An die Liebe; Da riß ich aus. Den geretteten Schatz Für ewig zu sichern, Teilt ich ihn weislich Zwischen Suleika und Saki. Jedes der beiden Beeifert sich um die Wette, Höhere Zinsen zu entrichten. Und ich bin reicher als je, Den Glauben hab ich wieder! An ihre Liebe den Glauben! Er, im Becher, gewährt mir Herrliches Gefühl der Gegenwart. Was will da die Hoffnung!

Schenke

Heute hast du gut gegessen, Doch du hast noch mehr getrunken; Was du bei dem Mahl vergessen, Ist in diesen Napf gesunken.

Sieh, das nennen wir ein Schwänchen, Wie's dem satten Gast gelüstet; Dieses bring ich meinem Schwane, Der sich auf den Wellen brüstet.

Doch vom Singschwan will man wissen, Daß er sich zu Grabe läutet; Laß mich jedes Lied vermissen, Wenn es auf dein Ende deutet!

Schenke

Nennen dich den großen Dichter, Wenn dich auf dem Markte zeigest; Gerne hör ich, wenn du singest, Und ich horche, wenn du schweigest.

Doch ich liebe dich noch lieber, Wenn du küssest zum Erinnern; Denn die Worte gehn vorüber, Und der Kuß, der bleibt im Innern.

Reim auf Reim will was bedeuten. Besser ist es, viel zu denken. Singe du den andern Leuten Und verstumme mit dem Schenken!

Dichter

Schenke, komm! Noch einen Becher!

Schenke

Herr, du hast genug getrunken; Nennen dich den wilden Zecher!

Dichter

Sah'st du je, daß ich gesunken?

Schenke

Mahomet verbietet's.

Dichter

Liebchen! Hört es niemand, will dir's sagen.

Schenke

Wenn du einmal gerne redest, Brauch ich gar nicht viel zu fragen.

Dichter

Horch! Wir andern Musulmanen, Nüchtern sollen wir gebückt sein, Er, in seinem heilgen Eifer, Möchte gern allein verrückt sein!

Saki

Denk, o Herr, wenn du getrunken, Sprüht um dich des Feuers Glast! Prasselnd blitzen tausend Funken, Und du weißt nicht, wo es faßt.

Mönche seh ich in den Ecken, Wenn du auf die Tafel schlägst, Die sich gleisnerisch verstecken, Wenn dein Herz du offen trägst.

Sag mir nur, warum die Jugend, Noch von keinem Fehler frei, So ermangelnd jeder Tugend, Klüger als das Alter sei.

Alles weißt du, was der Himmel, Alles, was die Erde trägt, Und verbirgst nicht das Gewimmel, Wie sich's dir im Busen regt.

Hatem

Eben drum, geliebter Knabe, Bleibe jung und bleibe klug! Dichten zwar ist Himmelsgabe, Doch im Erdenleben Trug.

Erst sich im Geheimnis wiegen, Dann verplaudern früh und spat! Dichter ist umsonst verschwiegen, Dichten selbst ist schon Verrat.

Sommernacht

Dichter

Niedergangen ist die Sonne, Doch im Westen glänzt es immer; Wissen möcht ich wohl, wie lange Dauert noch der goldne Schimmer?

Schenke

Willst du, Herr, so will ich bleiben, Warten außer diesen Zelten; Ist die Nacht des Schimmers Herrin, Komm ich gleich, es dir zu melden.

Denn ich weiß, du liebst, das Droben, Das Unendliche zu schauen, Wenn sie sich einander loben, Jene Feuer in dem Blauen.

Und das hellste will nur sagen: "Jetzo glänz ich meiner Stelle; Wollte Gott euch mehr betagen, Glänztet ihr wie ich so helle."

Denn vor Gott ist alles herrlich Eben, weil er ist der Beste; Und so schläft nun aller Vogel In dem groß und kleinen Neste.

Einer sitzt auch wohl gestängelt Auf den ästen der Zypresse, Wo der laue Wind ihn gängelt, Bis zu Taues luftger Nässe.

Solches hast du mich gelehret, Oder etwas auch dergleichen; Was ich je dir abgehöret, Wird dem Herzen nicht entweichen.

Eule will ich deinetwegen Kauzen hier auf der Terrasse, Bis ich erst des Nordgestirnes Zwillings-Wendung wohl erpasse.

Und da wird es Mitternacht sein, Wo du oft zu früh ermunterst, Und dann wird es eine Pracht sein, Wenn das All mit mir bewunderst.

Dichter

Zwar in diesem Duft und Garten Tönet Bulbul ganze Nächte, Doch du könntest lange warten, Bis die Nacht so viel vermöchte.

Denn in dieser Zeit der Flora, Wie das Griechenvolk sie nennet, Die Strohwitwe, die Aurora, Ist in Hesperus entbrennet.

Sieh dich um, sie kommt! wie schnelle! über Blumenfelds Gelänge!-- Hüben hell und drüben helle, Ja, die Nacht kommt ins Gedränge.

Und auf roten, leichten Sohlen Ihn, der mit der Sonn entlaufen, Eilt sie irrig einzuholen; Fühlst du nicht ein Liebe-Schnaufen?

Geh nur, lieblichster der Söhne, Tief ins Innre, schließ die Türen! Denn sie möchte deine Schöne Als den Hesperus entführen.

Der Schenke (schläfrig)

So hab ich endlich von dir erharrt In allen Elementen Gottes Gegenwart, Wie du mir das so lieblich gibst! Am lieblichsten aber, daß du liebst.

Hatem

Der schläft recht süß und hat ein Recht, zu schlafen, Du guter Knabe, hast mir eingeschenkt, Vom Freund und Lehrer, ohne Zwang und Strafen, So jung vernommen, wie der Alte denkt. Nun aber kommt Gesundheit holder Fülle Dir in die Glieder, daß du dich erneust. Ich trinke noch, bin aber stille, stille, Damit du mich, erwachend nicht, erfreust.

Buch der Parabeln

Mathal Nameh: Buch der Parabeln Vom Himmel sank

Vom Himmel sank in wilder Meere Schauer Ein Tropfe bangend, gräßlich schlug die Flut; Doch lohnte Gott bescheidnen Glaubensmut Und gab dem Tropfen Kraft und Dauer. Ihn schloß die stille Muschel ein. Und nun, zu ewgem Ruhm und Lohne, Die Perle glänzt an unsers Kaisers Krone Mit holdem Blick und mildem Schein.

Bulbuls Nachtlied

Bulbuls Nachtlied durch die Schauer Drang zu Allahs lichtem Throne, Und dem Wohlgesang zu Lohne Sperrt er sie in goldnen Bauer. Dieser sind des Menschen Glieder. Zwar sie fühlet sich beschränket, Doch wenn sie es recht bedenket, Singt das Seelchen immer wieder.

Wunderglaube

Zerbrach einmal eine schöne Schal Und wollte schier verzweifeln; Unart und übereil zumal Wünscht ich zu allen Teufeln.

Erst rast ich aus, dann weint ich weich Beim traurigen Scherbelesen. Das jammerte Gott, er schuf es gleich So ganz, als wie es gewesen.

Die Perle, die der Muschel entrann

Die Perle, die der Muschel entrann, Die schönste, hochgeboren, Zum Juwelier, dem guten Mann, Sprach sie: "Ich bin verloren! Durchbohrst du mich, mein schönes All, Es ist sogleich zerrüttet; Mit Schwestern muß ich, Fall für Fall, Zu schlechten sein geküttet."

"Ich denke jetzt nur an Gewinn; Du mußt es mir verzeihen; Denn wenn ich hier nicht grausam bin, Wie soll die Schnur sich reihen?"

Pfauenfeder

Ich sah mit Staunen und Vergnügen Eine Pfauenfeder im Koran liegen, "Willkommen an dem heilgen Platz, Der Erdgebilde höchster Schatz! An dir, wie an des Himmels Sternen Ist Gottes Größe im kleinen zu lernen Daß er, der Welten überblickt, Sein Auge hier hat aufgedrückt, Und so den leichten Flaum geschmückt, Daß Könige kaum unternahmen, Die Pracht des Vogels nachzuahmen. Bescheiden freue dich des Ruhms! So bist du wert des Heiligtums."

Ein Kaiser hatte zwei Kassiere

Ein Kaiser hatte zwei Kassiere, Einen zum Nehmen, einen zum Spenden; Diesem fiel's nur so aus den Händen, Jener wußte nicht, woher zu nehmen. Der Spender starb. Der Herrscher wußte nicht gleich, Wem das Geberamt sei anzuvertrauen, Und wie man kaum tät um sich schauen, So war der Nehmer unendlich reich; Man wußte kaum vor Gold zu leben, Weil man einen Tag nichts ausgegeben. Da ward nun erst dem Kaiser klar, Was schuld an allem Unheil war. Den Zufall wußt er wohl zu schätzen, Nie wieder die Stelle zu besetzen.

Zum Kessel sprach der neue Topf

Zum Kessel sprach der neue Topf: "Was hast du einen schwarzen Bauch!" "Das ist bei uns nun Küchenbrauch!" Herbei, herbei, du glatter Tropf, Bald wird dein Stolz sich mindern. Behält der Henkel ein klar Gesicht, Darob erhebe du dich nicht, Besieh nur deinen Hintern."

Alle Menschen, groß und klein

Alle Menschen, groß und klein, Spinnen sich ein Gewebe fein, Wo sie mit ihrer Scheren Spitzen Gar zierlich in der Mitte sitzen. Wenn nun darein ein Besen fährt, Sagen sie, es sei unerhört, Man habe den größten Palast zerstört.

Vom Himmel steigend Jesus bracht'

Vom Himmel steigend Jesus bracht' Des Evangeliums ewige Schrift, Den Jüngern las er sie Tag und Nacht, Ein göttlich Wort, es wirkt und trifft. Er stieg zurück, nahm's wieder mit; Sie aber hatten's gut gefühlt, Und jeder schrieb, so Schritt für Schritt, Wie er's in seinem Sinn behielt, Verschieden. Es hat nichts zu bedeuten: Sie hatten nicht gleiche Fähigkeiten; Doch damit können sich die Christen Bis zu dem Jüngsten Tage fristen.

Es ist gut

Bei Mondenschein im Paradeis Fand Jehovah im Schlafe tief Adam versunken, legte leis Zur Seit ein Evchen, das auch entschlief. Da lagen nun in Erdeschranken Gottes zwei lieblichste Gedanken-- "Gut!!!" rief er sich zum Meisterlohn, Er ging sogar nicht gern davon.

Kein Wunder, daß es uns berückt, Wenn Auge frisch in Auge blickt, Als hätten wir's so weit gebracht, Bei dem zu sein, der uns gedacht. Und ruft er uns, wohlan, es sei! Nur, das beding ich, alle zwei! Dich halten dieser Arme Schranken, Liebster von allen Gottesgedanken.

Buch des Parsen

Parsi Nameh: Buch des Parsen Vermächtnis altpersischen Glaubens

Welch Vermächtnis, Brüder, sollt euch kommen Von dem Scheidenden, dem armen Frommen, Den ihr Jüngeren geduldig nährtet, Seine letzten Tage pflegend ehrtet?

Wenn wir oft gesehn den König reiten, Gold an ihm und Gold an allen Seiten, Edelstein' auf ihn und seine Großen Ausgesät wie dichte Hagelschlossen:

Habt ihr jemals ihn darum beneidet? Und nicht herrlicher den Blick geweidet, Wenn die Sonne sich auf Morgenflügeln Darnawends unzählgen Gipfelhügeln

Bogenhaft hervorhob? Wer enthielte Sich des Blicks dahin? Ich fühlte, fühlte Tausendmal in soviel Lebenstagen Mich mit ihr, der kommenden, getragen,

Gott auf seinem Throne zu erkennen, Ihn den Herrn des Lebensquells zu nennen, Jenes hohen Anblicks wert zu handeln Und in seinem Lichte fortzuwandeln.

Aber stieg der Feuerkreis vollendet, Stand ich als in Finsternis geblendet, Schlug den Busen, die erfrischten Glieder Warf ich, Stirn voran, zur Erde nieder.

Und nun sei ein heiliges Vermächtnis Brüderlichem Wollen und Gedächtnis: Schwerer Dienste tägliche Bewahrung, Sonst bedarf es keiner Offenbarung.

Regt ein Neugeborner fromme Hände, Daß man ihn sogleich zur Sonne wende, Tauche Leib und Geist im Feuerbade! Fühlen wird er jeden Morgens Gnade.

Dem Lebendgen übergebt die Toten, Selbst die Tiere deckt mit Schutt und Boden, Und, so weit sich eure Kraft erstrecket, Was euch unrein dünkt, es sei bedecket!

Grabet euer Feld ins zierlich Reine, Daß die Sonne gern den Fleiß bescheine; Wenn ihr Bäume pflanzt, so sei's in Reihen Denn sie läßt Geordnetes gedeihen.

Auch dem Wasser darf es in Kanälen Nie am Laufe, nie an Reine fehlen; Wie euch Senderud aus Bergrevieren Rein entspringt, soll er sich rein verlieren.

Sanften Fall des Wassers nicht zu schwächen, Sorgt, die Gräben fleißig auszustechen; Rohr und Binse, Molch und Salamander, Ungeschöpfe, tilgt sie miteinander!

Habt ihr Erd und Wasser so im Reinen, Wird die Sonne gern durch Lüfte scheinen, Wo sie, ihrer würdig aufgenommen, Leben wirkt, dem Leben Heil und Frommen.

Ihr, von Müh zu Mühe so gepeinigt, Seid getrost! nun ist das All gereinigt, Und nun darf der Mensch als Priester wagen, Gottes Gleichnis aus dem Stein zu schlagen.

Wo die Flamme brennt, erkennet freudig: Hell ist Nacht, und Glieder sind geschmeidig, An des Herdes raschen Feuerkräften Reift das Rohe Tier- und Pflanzensäften.

Schleppt ihr Holz herbei, so tuts mit Wonne! Denn ihr tragt den Samen irdscher Sonne, Pflückt ihr Pambeh, mögt ihr traulich sagen: "Diese wird als Docht das Heilge tragen."

Werdet ihr in jeder Lampe Brennen Fromm den Abglanz höhern Lichts erkennen, Soll euch nie ein Mißgeschick verwehren Gottes Thron am Morgen zu verehren.

Da ist unsers Daseins Kaisersiegel, Uns und Engeln reiner Gottesspiegel, Und was nur am Lob des Höchsten stammelt Ist in Kreis um Kreise dort versammelt.

Will dem Ufer Senderuds entsagen, Auf zum Darnawend die Flügel schlagen, Wie sie tagt, ihr freudig zu begegnen Und von dorther ewig euch zu segnen.

Wenn der Mensch die Erde schätzet

Wenn der Mensch die Erde schätzet, Weil die Sonne sie bescheinet, An der Rebe sich ergötzet, Die dem scharfen Messer weinet, Da sie fühlt, daß ihre Säfte, Wohlgekocht, die Welt erquickend, Werden regsam vielen Kräften, Aber mehreren erstickend-- Weiß er das der Glut zu danken, Die das alles läßt gedeihen, Wird Betrunkner stammelnd wanken, Mäßger wird sich singend freuen.

Buch des Paradieses

Chuld Nameh: Buch des Paradieses Vorschmack

Der echte Moslem spricht vom Paradiese, Als wenn er selbst allda gewesen wäre; Er glaubt dem Koran, wie es der verhieße: Hierauf begründet sich die reine Lehre.

Doch der Prophet, Verfasser jenes Buches, Weiß unsre Mängel droben auszuwittern, Und sieht, daß trotz dem Donner seines Fluches Die Zweifel oft den Glauben uns verbittern.

Deshalb entsendet er den ewgen Räumen Ein Jugendmuster, alles zu verjüngen; Sie schwebt heran und fesselt ohne Säumen Um meinen Hals die allerliebsten Schlingen.

Auf meinem Schoß, an meinem Herzen halt ich Das Himmelswesen, mag nichts weiter wissen, Und glaube nun ans Paradies gewaltig; Denn ewig möcht ich sie so treulich küssen.

Berechtigte Männer

(Nach der Schlacht von Bedr, unterm Sternenhimmel)

Mahomet spricht:

Seine Toten mag der Feind betrauern: Denn sie liegen ohne Wiederkehren; Unsre Brüder sollt ihr nicht bedauern: Denn sie wandeln über jenen Sphären.

