# Wallensteins Tod

## Part 8

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Thekla. Ich wurde überrascht von meinem Schrecken, Mein Herz verriet mich bei dem fremden Mann, Er war ein Zeuge meiner Schwachheit, ja, Ich sank in seine Arme--das beschämt mich. Herstellen muß ich mich in seiner Achtung, Und sprechen muß ich ihn, notwendig, daß Der fremde Mann nicht ungleich von mir denke.

Wallenstein. Ich finde, sie hat recht--und bin geneigt, Ihr diese Bitte zu gewähren. Ruft ihn. (Fräulein Neubrunn geht hinaus.)

Herzogin. Ich, deine Mutter, aber will dabei sein.

Thekla. Am liebsten spräch' ich ihn allein. Ich werde Alsdann um so gefaßter mich betragen.

Wallenstein. (zur Herzogin) Laß es geschehn. Laß sie's mit ihm allein Ausmachen. Es gibt Schmerzen, wo der Mensch Sich selber nur helfen kann, ein starkes Herz Will sich auf seine Stärke nur verlassen. In ihrer, nicht an fremder Brust muß sie Kraft schöpfen, diesen Schlag zu überstehn. Es ist mein starkes Mädchen; nicht als Weib, Als Heldin will ich sie behandelt sehn. (Er will gehen.)

Gräfin. (hält ihn) Wo gehst du hin? Ich hörte Terzky sagen, Du denkest morgen früh von hier zu gehn, Uns aber hierzulassen.

Wallenstein. Ja, ihr bleibt Dem Schutze wackrer Männer übergeben.

Gräfin. O nimm uns mit dir, Bruder! Laß uns nicht In dieser düstern Einsamkeit dem Ausgang Mit sorgendem Gemüt engegenharren. Das gegenwärt'ge Unglück trägt sich leicht, Doch grauenvoll vergrößert es der Zweifel Und der Erwartung Qual dem weit Entfernten.

Wallenstein. Wer spricht von Unglück? Beßre deine Rede. Ich hab ganz andre Hoffnungen.

Gräfin. So nimm uns mit. O laß uns nicht zurück In diesem Ort der traurigen Bedeutung, Denn schwer ist mir das Herz in diesen Mauern, Und wie ein Totenkeller haucht mich's an, Ich kann nicht sagen, wie der Ort mir widert. O führ uns weg! Komm, Schwester, bitt ihn auch, Daß er uns fortnimmt! Hilf mir, liebe Nichte.

Wallenstein. Des Ortes böse Zeichen will ich ändern: Er sei's, der mir mein Teuerstes bewahrte.

Neubrunn. (kommt zurück): Der schwed'sche Herr!

Wallenstein. Laßt sie mit ihm allein. (Ab.)

Herzogin. (zu Thekla) Sieh, wie du dich entfärbtest! Kind, du kannst ihn Unmöglich sprechen. Folge deiner Mutter.

Thekla. Die Neubrunn mag denn in der Nähe bleiben. (Herzogin und Gräfin gehen ab.)

Zehnter Auftritt

Thekla. Der schwedische Hauptmann. Fräulein Neubrunn.

Hauptmann. (naht sich ehrerbietig) Prinzessin--ich--muß um Verzeihung bitten, Mein unbesonnen rasches Wort--Wie konnt' ich--

Thekla. (mit edelm Anstand) Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn, Ein unglücksvoller Zufall machte Sie Aus einem Fremdling schnell mir zum Vertrauten.

Hauptmann. Ich fürchte, daß Sie meinen Anblick hassen, Denn meine Zunge sprach ein traurig Wort.

Thekla. Die Schuld ist mein. Ich selbst entriß es Ihnen, Sie waren nur die Stimme meines Schicksals. Mein Schrecken unterbrach den angefangnen Bericht. Ich bitte drum, daß Sie ihn enden.

Hauptmann. (bedenklich) Prinzessin, es wird Ihren Schmerz erneuern.

Thekla. Ich bin darauf gefaßt--Ich will gefaßt sein. Wie fing das Treffen an? Vollenden Sie.

Hauptmann. Wir standen, keines Überfalls gewärtig, Bei Neustadt schwach verschanzt in unserm Lager, Als gegen Abend eine Wolke Staubes Aufstieg vom Wald her, unser Vortrab fliehend Ins Lager stürzte, rief: der Feind sei da. Wie hatten eben nur noch Zeit, uns schnell Aufs Pferd zu werfen, da durchbrachen schon, In vollem Rosseslauf dahergesprengt, Die Pappenheimer den Verhack; schnell war Der Graben auch, der sich ums Lager zog, Von diesen stürm'schen Scharen überflogen. Doch unbesonnen hatte sie der Mut Vorausgeführt den andern, weit dahinten War noch das Fußvolk, nur die Pappenheimer waren Dem kühnen Führer kühn gefolgt.-- (Thekla macht eine Bewegung. Der Hauptmann hält einen Augenblick inne, bis sie ihm einen Wink gibt, fortzufahren.) Von vorn und von den Flanken faßten wir Sie jetzo mit der ganzen Reiterei Und drängten sie zurück zum Graben, wo Das Fußvolk, schnell geordnet, einen Rechen Von Piken ihnen starr entgegenstreckte. Nicht vorwärts konnten sie, auch nicht zurück, Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge. Da rief der Rheingraf ihrem Führer zu, In guter Schlacht sich ehrlich zu ergeben, Doch Oberst Piccolomini-- (Thekla schwindelnd, faßt einen Sessel.) ihn machte Der Helmbusch kenntlich und das lange Haar, Vom raschen Ritte war's ihm losgegangen-- Zum Graben winkt er, sprengt, der erste, selbst Sein edles Roß darüber weg, ihm stürzt Das Regiment nach--doch--schon war's geschehen! Sein Pferd, von einer Partisan durchstoßen, bäumt Sich wütend, schleudert weit den Reiter ab, Und hoch weg über ihn geht die Gewalt Der Rosse, keinem Zügel mehr gehorchend. (Thekla, welche die letzten Reden mit allen Zeichen wachsender Angst begleitet, verfällt in ein heftiges Zittern, sie will sinken, Fräulein Neubrunn eilt hinzu und empfängt sie in ihren Armen.)

Neubrunn. Mein teures Fräulein--

Hauptmann. (gerührt) Ich entferne mich.

Thekla. Es ist vorüber--Bringen Sie's zu Ende.

Hauptmann. Da ergriff, als sie den Führer fallen sahn, Die Truppen grimmig wütende Verzweiflung. Der eignen Rettung denkt jetzt keiner mehr, Gleich wilden Tigern fechten sie, er reizt Ihr starrer Widerstand die Unsrigen, Und eher nicht erfolgt des Kampfes Ende, Als bis der letzte Mann gefallen ist.

Thekla. (mit zitternder Stimme) Und wo--wo ist--Sie sagten mir nicht alles.

Hauptmann. (nach einer Pause) Heut früh bestatteten wir ihn. Ihn trugen Zwölf Jünglinge der edelsten Geschlechter, Das ganze Heer begleitete die Bahre. Ein Lorbeer schmückte seinen Sarg, drauf legte Der Rheingraf selbst den eignen Siegerdegen. Auch Tränen fehlten seinem Schicksal nicht, Denn viele sind bei uns, die seine Großmut Und seiner Sitten Freundlichkeit erfahren, Und alle rührte sein Geschick. Gern hätte Der Rheingraf ihn gerettet, doch er selbst Vereitelt' es; man sagt, er wollte sterben.

Neubrunn. (gerührt zu Thekla, welche ihr Angesicht verhüllt hat). Mein teures Fräulein--Fräulein, sehn Sie auf! O warum mußten Sie darauf bestehn!

Thekla. --Wo ist sein Grab?

Hauptmann. In einer Klosterkirche Bei Neustadt ist er beigesetzt, bis man Von seinem Vater Nachricht eingezogen.

Thekla. Wie heißt das Kloster?

Hauptmann. Sankt Kathrinenstift.

Thekla. Ist's weit bis dahin?

Hauptmann. Sieben Meilen zählt man.

Thekla. Wie geht der Weg?

Hauptmann. Man kommt bei Tirschenreit Und Falkenberg durch unsre ersten Posten.

Thekla. Wer kommandiert sie?

Hauptmann. Oberst Seckendorf.

Thekla. (tritt an den Tisch und nimmt aus dem Schmuckkästchen einen Ring). Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn Und mir ein menschlich Herz gezeigt--Empfangen Sie (indem sie ihm den Ring gibt) Ein Angedenken dieser Stunde--Gehn Sie.

Hauptmann. (bestürzt). Prinzessin-- (Thekla winkt ihm schweigend, zu gehen, und verläßt ihn. Hauptmann zaudert und will reden. Fräulein Neubrunn wiederholt den Wink. Er geht ab.)

Elfter Auftritt

Thekla. Neubrunn.

Thekla. (fällt der Neubrunn um den Hals) Jetzt, gute Neubrunn, zeige mir die Liebe, Die du mir stets gelobt, beweise dich Als meine treue Freundin und Gefährtin! --Wir müssen fort, noch diese Nacht.

Neubrunn. Fort, und wohin?

Thekla. Wohin? Es ist nur ein Ort in der Welt! Wo er bestattet liegt, zu seinem Sarge!

Neubrunn. Was können Sie dort wollen, teures Fräulein?

Thekla. Was dort, Unglückliche! So würdest du Nicht fragen, wenn du je geliebt. Dort, dort Ist alles, was noch übrig ist von ihm, Der einz'ge Fleck ist mir die ganze Erde. --O halte mich nicht auf! Komm und mach Anstalt. Laß uns auf Mittel denken, zu entfliehen.

Neubrunn. Bedachten Sie auch Ihres Vaters Zorn?

Thekla. Ich fürchte keines Menschen Zürnen mehr.

Neubrunn. Den Hohn der Welt! des Tadels arge Zunge!

Thekla. Ich suche einen auf, der nicht mehr ist. Will ich denn in die Arme--o mein Gott! Ich will ja in die Gruft nur des Geliebten.

Neubrunn. Und wir allein, zwei hilflos schwache Weiber?

Thekla. Wir waffnen uns, mein Arm soll dich beschützen.

Neubrunn. Bei dunkler Nachtzeit?

Thekla. Nacht wird uns verbergen.

Neubrunn. In dieser rauhen Sturmnacht?

Thekla. Ward ihm sanft Gebettet, unter den Hufen seiner Rosse?

Neubrunn. O Gott!--und dann die vielen Feindesposten! Man wird uns nicht durchlassen.

Thekla. Es sind Menschen, Frei geht das Unglück durch die ganze Erde!

Neubrunn. Die weite Reise--

Thekla. Zählt der Pilger Meilen, Wenn er zum fernen Gnadenbilde wallt?

Neubrunn. Die Möglichkeit, aus dieser Stadt zu kommen?

Thekla. Gold öffnet uns die Tore. Geh nur, geh!

Neubrunn. Wenn man uns kennt?

Thekla. In einer Flüchtigen, Verzweifelnden sucht niemand Friedlands Tochter.

Neubrunn. Wo finden wir die Pferde zu der Flucht?

Thekla. Mein Kavalier verschafft sie. Geh und ruf ihn.

Neubrunn. Wagt er das ohne Wissen seines Herrn?

Thekla. Er wird es tun. O geh nur! Zaudre nicht.

Neubrunn. Ach! und was wird aus Ihrer Mutter werden, Wenn Sie verschwunden sind?

Thekla. (sich besinnend und schmerzvoll vor sich hinschauend) O meine Mutter!

Neubrunn. So viel schon leidet sie, die gute Mutter, Soll sie auch dieser letzte Schlag noch treffen?

Thekla. Ich kann's Ihr nicht ersparen!--Geh nur, geh.

Neubrunn. Bedenken Sie doch ja wohl, was Sie tun.

Thekla. Bedacht ist schon, was zu bedenken ist.

Neubrunn. Und sind wir dort, was soll mit Ihnen werden?

Thekla. Dort wird's ein Gott mir in die Seele geben.

Neubrunn. Ihr Herz ist jetzt voll Unruh, teures Fräulein, Das ist der Weg nicht, der zur Ruhe führt.

Thekla. Zur tiefen Ruh, wie er sie auch gefunden. --O eile! geh! Mach keine Worte mehr! Es zíeht mich fort, ich weiß nicht, wie ich's nenne, Unwiderstehlich fort zu seinem Grabe! Dort wird mir leichter werden, augenblicklich! Das herzerstickende Band des Schmerzens wird Sich lösen--Meine Tränen werden fließen. O geh, wir könnten längst schon auf dem Weg sein. Nicht Ruhe find ich, bis ich diesen Mauern Entrunnen bin--sie stürzen auf mich ein-- Fortstoßend treibt mich eine dunkle Macht Von dannen--Was ist das für ein Gefühl! Es füllen sich mir alle Räume dieses Hauses Mit bleichen, hohlen Geisterbildern an-- Ich habe keinen Platz mehr--Immer neue! Es drängt mich das entsetzliche Gewimmel Aus diesen Wänden fort, die Lebende!

Neubrunn. Sie setzen mich in Angst und Schrecken, Fräulein, Daß ich nun selber nicht zu bleiben wage. Ich geh und rufe gleich den Rosenberg. (Geht ab.)

Zwölfter Auftritt

Thekla. Sein Geist ist's, der micht ruft. Es ist die Schar Der Treuen, die sich rächend ihm geopfert. Unedler Säumnis klagen sie mich an. Sie wollten auch im Tod nicht von ihm lassen, Der ihres Lebens Führer war--Das taten Die rohen Herzen, und ich sollte leben! --Nein! Auch für mich ward jener Lorbeerkranz, Der deine Totenbahre schmückt, gewunden. Was ist das Leben ohne Liebesglanz? Ich werf es hin, da sein Gehalt verschwunden. Ja, da ich dich, den Liebenden gefunden, Da war das Leben etwas. Glänzend lag Vor mir der neue goldne Tag! Mir träumte von zwei himmelschönen Stunden. Du standest an dem Eingang in der Welt, Die ich betrat mit klösterlichem Zagen, Sie war von tausend Sonnen aufgehellt; Ein guter Engel schienst du hingestellt, Mich aus der Kindheit fabelhaften Tagen Schnell auf des Lebens Gipfel hinzutragen. Mein erst Empfinden war des Himmels Glück, In dein Herz fiel mein erster Blick! (Sie sinkt hier in Nachdenken und fährt dann mit Zeichen des Grauens auf.) --Da kommt das Schicksal--Roh und kalt Faßt es des Freundes zärtliche Gestalt Und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde-- --Das ist das Los des Schönen auf der Erde!

Dreizehnter Auftritt

Thekla. Fräulein Neubrunn mit dem Stallmeister.

Neubrunn. Hier ist er, Fräulein, und er will es tun.

Thekla. Willst du uns Pferde schaffen, Rosenberg? Stallmeister. Ich will sie schaffen.

Thekla. Willst du uns begleiten?

Stallmeister. Mein Fräulein, bis ans End' der Welt.

Thekla. Du kannst Zum Herzog aber nicht zurück mehr kehren.

Stallmeister. Ich bleib bei Ihnen.

Thekla. Ich will dich belohnen Und einem andern Herrn empfehlen. Kannst du Uns aus der Festung bringen unentdeckt?

Stallmeister. Ich kann's.

Thekla. Wann kann ich gehn?

Stallmeister. In dieser Stunde. --Wo geht die Reise hin?

Thekla. Nach--sag's ihm, Neubrunn!

Neubrunn. Nach Neustadt.

Stallmeister. Wohl, ich geh, es zu besorgen. (Ab.)

Neubrunn. Ach, da kommt Ihre Mutter, Fräulein.

Thekla. Gott!

Vierzehnter Auftritt

Thekla. Neubrunn. Die Herzogin.

Herzogin. Er ist hinweg, ich finde dich gefaßter.

Thekla. Ich bin es, Mutter--Lassen Sie mich jetzt Bald schlafen gehen und die Neubrunn um mich sein. Ich brauche Ruh.

Herzogin. Du sollst sie haben, Thekla. Ich geh getröstet weg, da ich den Vater Beruhigen kann.

Thekla. Gut Nacht denn, liebe Mutter. (Sie fällt ihr um den Hals und umarmt sie in großer Bewegung.)

Herzogin. Du bist noch nicht ganz ruhig, meine Tochter. Du zitterst ja so heftig, und dein Herz Klopft hörbar an dem meinen.

Thekla. Schlaf wird es besänftigen --Gut Nacht, geliebte Mutter! (Indem sie aus den Armen der Mutter sich losmacht, fällt der Vorhang.)

Fünfter Aufzug

Buttlers Zimmer.

Erster Auftritt

Buttler. Major Geraldin.

Buttler. Zwölf rüstige Dragoner sucht Ihr aus, Bewaffnet sie mit Piken, denn kein Schuß Darf fallen--An dem Eßsaal nebenbei Versteckt Ihr sie, und wenn der Nachtisch Aufgesetzt, dringt ihr herein und ruft: Wer ist Gut kaiserlich?--Ich will den Tisch umstürzen-- Dann werft ihr euch auf beide, stoßt sie nieder. Das Schloß wird wohl verriegelt und bewacht, Daß kein Gerücht davon zum Fürsten dringe. Geh jetzt--Habt Ihr nach Hauptmann Deveroux Und Macdonald geschickt?

Geraldin. Gleich sind sie hier. (Geht ab.)

Buttler. Kein Aufschub ist zu wagen. Auch die Bürger Erklären sich für ihn, ich weiß nicht, welch Ein Schwindelgeist die ganze Stadt ergriffen hat. Sie sehn im Herzog einen Friedensfürsten Und einen Stifter neuer goldner Zeit. Der Rat hat Waffen ausgeteilt; schon haben Sich ihrer hundert angeboten, Wache Bei ihm zu tun. Drum gilt es, schnell zu sein, Denn Feinde drohn von außen und von innen.

Zweiter Auftritt

Buttler. Hauptmann Deveroux und Macdonald.

Macdonald. Da sind wir, General.

Deveroux. Was ist die Losung?

Buttler. Es lebe der Kaiser!

Beide. (treten zurück) Wie?

Buttler. Haus Östreich lebe!

Deveroux. Ist's nicht der Friedland, dem wir Treu geschworen?

Macdonald. Sind wir nicht hergeführt, ihn zu beschützen?

Buttler. Wir einen Reichsfeind und Verräter schützen?

Deveroux. Nun ja, du nahmst uns ja für ihn in Pflicht.

Macdonald. Und bist ihm ja hieher gefolgt nach Eger.

Buttler. Ich tat's, ihn desto sichrer zu verderben.

Deveroux. Ja so!

Macdonald. Das ist was anders.

Buttler. (zu Deveroux) Elender! So leicht entweichst du von der Pflicht und Fahne?

Deveroux. Zum Teufel, Herr! Ich folgte deinem Beispiel: Kann der ein Schelm sein, dacht' ich, kannst du's auch.

Macdonald. Wir denken nicht nach. Das ist deine Sache! Du bist der General und kommandierst, Wir folgen dir, und wenn's zur Hölle ginge.

Buttler. (besänftigt) Nun gut! Wie kennen einander.

Macdonald. Ja, das denk ich.

Deveroux. Wir sind Soldaten der Fortuna, wer Das meiste bietet, hat uns.

Macdonald. Ja, so ist's.

Buttler. Jetzt sollt ihr ehrliche Soldaten bleiben.

Deveroux. Das sind wir gerne.

Buttler. Und Fortüne machen.

Macdonald. Das ist noch besser.

Buttler. Höret an.

Beide. Wir hören.

Buttler. Es ist des Kaisers Will' und Ordonnanz, Den Friedland, lebend oder tot, zu fahen.

Deveroux. So steht's im Brief.

Macdonald. Ja, lebend oder tot!

Buttler. Und stattliche Belohnung wartet dessen An Geld und Gütern, der die Tat vollführt.

Deveroux. Es klingt ganz gut. Das Wort klingt immer gut Vor dorten her. Ja, ja! Wir wissen schon! So eine guldne Gnadenkett' etwa, Ein krummes Roß, ein Pergament und so was. --Der Fürst zahlt besser.

Macdonald. Ja, der ist splendid.

Buttler. Mit dem ist's aus. Sein Glücksstern ist gefallen.

Macdonald. Ist das gewiß?

Buttler. Ich sag's euch.

Deveroux. Ist's vorbei Mit seinem Glück?

Buttler. Vorbei auf immerdar. Er ist so arm wie wir.

Macdonald. So arm wie wir?

Deveroux. Ja, Macdonald, da muß man ihn verlassen!

Buttler. Verlassen ist er schon von zwanzigtausend. Wir müssen mehr tun, Landsmann. Kurz und gut! --Wir müssen ihn töten. (Beide fahren zurück.)

Beide. Töten!

Buttler. Töten, sag ich. --Und dazu hab ich euch erlesen.

Beide. Uns?

Buttler. Euch, Hauptmann Deveroux und Macdonald.

Deveroux. (nach einer Pause) Wählt einen andern.

Macdonald. Ja, wählt einen andern.

Buttler. (zu Deveroux) Erschreckt's dich, feige Memme? Wie? Du hast Schon deine dreißig Seelen auf dir liegen--

Deveroux. Hand an den Feldherrn legen--das bedenkt!

Macdonald. Dem wir das Jurament geleistet haben!

Buttler. Das Jurament ist null mit seiner Treu.

Deveroux. Hör, General! Das dünkt mir doch zu gräßlich.

Macdonald. Ja, das ist wahr! Man hat auch ein Gewissen.

Deveroux. Wenn's nur der Chef nicht wär', der uns so lang Gekommandiert hat und Respekt gefordert.

Buttler. Ist das der Anstoß?

Deveroux. Ja! Hör! Wen du sonst willst! Dem eignen Sohn, wenn's Kaisers Dienst verlangt, Will ich das Schwert ins Eingeweide bohren-- Doch sieh, wir sind Soldaten, und den Feldherrn Ermorden, das ist eine Sünd' und Frevel, Davon kein Beichtmönch absolvieren kann.

Buttler. Ich bin dein Papst und absolviere dich. Entschließt euch schnell.

Deveroux. (steht bedenklich) Es geht nicht.

Macdonald. Nein, es geht nicht.

Buttler. Nun denn, so geht--und--schickt mir Pestalutzen.

Deveroux. (stutzt) Der Pestalutz--Hum!

Macdonald. Was willst du mit diesem?

Buttler. Wenn ihr's verschmäht, es finden sich genug--

Deveroux. Nein, wenn er fallen muß, so können wir Den Preis so gut verdienen als ein andrer. --Was denkst du, Bruder Macdonald?

Macdonald. Ja wenn Er fallen muß und soll, und 's ist nicht anders, So mag ich's diesem Pastalutz nicht gönnen.

Deveroux. (nach einigem Besinnen) Wann soll er fallen?

Buttler. Heut, in dieser Nacht, Denn morgen stehn die Schweden vor den Toren.

Deveroux. Stehst du mir für die Folgen, General?

Buttler. Ich steh für alles.

Deveroux. Ist's des Kaisers Will'? Sein netter, runder Will'? Man hat Exempel, Daß man den Mord liebt und den Mörder straft.

Buttler. Das Manifest sagt: lebend oder tot. Und lebend ist's nicht möglich, seht ihr selbst--

Deveroux. Tot also! Tot!--Wie aber kommt man an ihn? Die Stadt ist angefüllt mit Terzkyschen.

Macdonald. Und dann ist noch der Terzky und der Illo--

Buttler. Mit diesen beiden fängt man an, versteht sich.

Deveroux. Was? Sollen die auch fallen?

Buttler. Die zuerst.

Macdonald. Hör, Deveroux--das wird ein blut'ger Abend.

Deveroux. Hast du schon deinen Mann dazu? Trag's mir auf.

Buttler. Dem Major Geraldin ist's übergeben. Es ist heut Faßnacht, und ein Essen wird Gegeben auf dem Schloß, dort wird man sie Bei Tafel überfallen, niederstoßen-- Der Pestalutz, der Leßley sind dabei--

Deveroux. Hör, General! Dir kann es nichts verschlagen. Hör--laß mich tauschen mit dem Geraldin.

Buttler. Die kleinere Gefahr ist bei dem Herzog.

Deveroux. Gefahr! Was, Teufel! denkst du von mir, Herr? Des Herzogs Aug', nicht seinen Degen fürcht ich.

Buttler. Was kann sein Aug' dir schaden?

Deveroux. Alle Teufel! Du kennst mich, daß ich keine Memme bin. Doch sieh, es sind noch nicht acht Tag', daß mir Der Herzog zwanzig Goldstück reichen lassen Zu diesem warmen Rock, den ich hier anhab-- Und wenn er mich nun mit der Pike sieht Dastehn, mir auf den Rock sieht--sieh--so--so-- Der Teufel hol mich! ich bin keine Memme.

Buttler. Der Herzog gab dir diesen warmen Rock, Und du, ein armer Wicht, bedenkst dich, ihm Dafür den Degen durch den Leib zu rennen. Und einen Rock, der noch viel wärmer hält, Hing ihm der Kaiser um, den Fürstenmantel. Wie dankt er's ihm? Mit Aufruhr und Verrat.

Deveroux. Das ist auch wahr. Den Danker hol der Teufel! Ich--bring ihn um.

Buttler. Und willst du dein Gewissen Beruhigen, darfst du den Rock nur ausziehn, So kannst du's frisch und wohlgemut vollbringen.

Macdonald. Ja! da ist aber noch was zu bedenken--

Buttler. Was gibt's noch zu bedenken, Macdonald?

Macdonald. Was hilft uns Wehr und Waffe wider den? Er ist nicht zu verwunden, er ist fest.

Buttler. (fährt auf) Was wird er--

Macdonald. Gegen Schuß und Hieb! Er ist Gefroren, mit der Teufelskunst behaftet, Sein Leib ist undurchdringlich, sag ich dir.

Deveroux. Ja, ja! In Ingolstadt war auch so einer, Dem war die Haut so fest wie Stahl, man mußt' ihn Zuletzt mit Flintenkolben niederschlagen.

Macdonald. Hört, was ich tun will!

Deveroux. Sprich!

Macdonald. Ich kenne hier Im Kloster einen Bruder Dominikaner Aus unsrer Landsmannschaft, der soll mir Schwert Und Pike tauchen in geweihtes Wasser Und einen kräft'gen Segen drüber sprechen, Das ist bewährt, hilft gegen jeden Bann.

Buttler. Das tue, Macdonald. Jetzt geht aber. Wählt aus dem Regimente zwanzig, dreißig Handfeste Kerls, laßt sie dem Kaiser schwören-- Wenn's eilf geschlagen--wenn die ersten Runden Passiert sind, führt ihr sie in aller Stille Dem Hause zu--Ich werde selbst nicht weit sein.

Deveroux. Wie kommen wir durch die Hartschiers und Garden, Die in dem innern Hofraum Wache stehn?

Buttler. Ich hab des Orts Gelegenheit erkundigt. Durch eine hintre Pforte führ ich euch, Die nur durch einen Mann verteidigt wird. Mir gibt mein Rang und Amt zu jeder Stunde Einlaß beim Herzog. Ich will euch vorangehn, Und schnell mit einem Dolchstoß in die Kehle Durchbohr ich den Hartschier und mach euch Bahn.

Deveroux. Und sind wir oben, wie erreichen wir Das Schlafgemach des Fürsten, ohne daß Das Hofgesind' erwacht und Lärmen ruft? Denn er ist hier mit großem Komitat.

