# Venetianische Epigramme

## Part 2

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Daß ich schweige, verdrießt dich? Was soll ich reden? Du merkest Auf der Seufzer, des Blicks leise Beredsamkeit nicht. Eine Göttinn vermag der Lippe Siegel zu lösen; Nur Aurora, sie weckt einst dir am Busen mich auf. Ja, dann töne mein Hymnus den frühen Göttern entgegen, Wie das Memnonische Bild lieblich Geheimnisse sang.

XC.

Welch ein lustiges Spiel! Es windet am Faden die Scheibe, Die von der Hand entfloh, eilig sich wieder herauf! Seht, so schein' ich Herz, bald dieser Schönen, bald jener Zuzuwerfen; doch gleich kehrt es im Fluge zurück.

XCI.

O, wie achtet' ich sonst auf alle Zeiten des Jahres; Grüßte den kommenden Lenz, sehnte dem Herbste mich nach! Aber nun ist nicht Sommer noch Winter, seit mich Beglückten Amors Fittig bedeckt, ewiger Frühling umschwebt.

XCII.

Sage, wie lebst du? Ich lebe! und wären hundert und hundert Jahre dem Menschen gegönnt, wünscht' ich mir morgen, wie heut.

XCIII.

Götter, wie soll ich euch danken! Ihr habt mir Alles gegeben, Was der Mensch sich erfleht; nur in der Regel fast nichts.

XCIV.

In der Dämmerung des Morgens den höchsten Gipfel erklimmen, Frühe den Botes des Tags grüßen, dich, freundlichen Stern! Ungeduldig die Blicke der Himmelsfürstinn erwarten, Wonne des Jünglings, wie oft locktest du Nachts mich heraus! Nun erscheint ihr mir, Boten des Tags, ihr himmlischen Augen Meiner Geliebten, und stets kommt mir die Sonne zu früh.

XCV.

Du erstaunest, und zeigst mir das Meer; es scheinet zu brennen. Wie bewegt sich die Fluth flammend um's nächtliche Schiff! Mich verwundert es nicht, das Meer gebar Aphroditen, Und entsprang nicht aus ihr uns eine Flamme, der Sohn?

XCVI.

Glänzen sah ich das Meer, und blinken die liebliche Welle; Frisch mit günstigem Wind zogen die Segel dahin. Keine Sehnsucht fühlte mein Herz; es wendete rückwärts, Nach dem Schnee des Gebirgs, bald sich der schmachtende Blick. Südwärts liegen der Schätze, wie viel! Doch einer im Norden Zieht, ein großer Magnet, unwiderstehlich zurück.

XCVII.

Ach! mein Mädchen verreis't! Sie steigt zu Schiffe! - Mein König, Aeolus! mächtiger Fürst! halte die Stürme zurück! Thörichter! ruft mir der Gott: befürchte nicht wüthende Stürme: Fürchte den Hauch, wenn sanft Amor die Flügel bewegt!

XCVIII.

Arm und kleiderlos war, als ich sie geworben, das Mädchen; Damals gefiel sie mir nackt, wie sie mir jetzt noch gefällt.

XCIX.

Oftmals hab' ich geirrt, und habe mich wieder gefunden, Aber glücklicher nie; nun ist dies Mädchen mein Glück! Ist auch dieses ein Irrthum, so schont mich, ihr klügeren Götter, Und benehmt mir ihn erst drüben am kalten Gestad.

C.

Traurig, Midas, war dein Geschick: in bebenden Händen Fühltest du, hungriger Greis, schwere verwandelte Kost. Mir, im ähnlichen Fall, geht's lust'ger; denn was ich berühre, Wird mir unter der Hand gleich ein behendes Gedicht. Holde Musen, ich sträube mich nicht; nur daß ihr mein Liebchen, Drück' ich es fest an die Brust, nicht mir zum Mährchen verkehrt?

CI.

Ach, mein Hals ist ein wenig geschwollen! so sagte die Beste Aengstlich. - Stille, mein Kind! still! und vernehme das Wort: Dich hat die Hand der Venus berührt; sie deutet die leise, Daß sie das Körperchen bald, ach! unaufhaltsam verstellt. Bald verdirbt sie die schlanke Gestalt, die zierlichen Brüstchen. Alles schwillt nun; es paßt nirgends das neuste Gewand. Sey nur ruhig! es deutet die fallende Blüthe dem Gärtner, Daß die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht.

CII.

Wonniglich ist's, die Geliebte verlangend im Arme zu halten, Wenn ihr klopfendes Herz Liebe zuerst dir gesteht. Wonniglicher, das Pochen des Neulebendigen fühlen, Das in dem lieblichen Schoß immer sich nährend bewegt. Schon versucht es die Sprünge der raschen Jugend; es klopfet Ungeduldig schon an, sehnt sich nach himmlischem Licht. Harre noch wenige Tage! Auf allen Pfaden des Lebens Führen die Horen dich streng, wie es das Schicksal gebeut. Widerfahre dir, was dir auch will, du wachsender Jüngling - Liebe bildete dich; werde dir Liebe zu Theil!

CIII.

Und so tändelt' ich mir, von allen Freunden geschieden, In der neptunischen Stadt Tage wie Stunden hinweg. Alles, was ich erfuhr, ich würzt' es mit süßer Erinn'rung, Würzt' es mit Hoffnung; sie sind lieblichste Würzen der Welt.

CIV.

Sauber hat du dein Volck erlöst durch Wunder und Leiden Nazarener! Wohin soll es dein Häufchen, wohin? Leben sollen sie doch und Kinder zeugen doch christlich, Leider dem früheren Reiz dienet die schädliche Hand. Will der Jüngling dem Uebel entgehn, sich selbst nicht verderben, Bringet Lais ihm nur brennende Quaalen für Lust. Komm noch einmal herab du Gott der Schöpfung und leide, Komm, erlöse dein Volck von dem gedoppelten Weh! Thu ein Wunder und rein'ge die Quellen der Freud und des Lebens Paulus will ich dir seyn, Stephanus wie du's gebeutst.

CV.

Heraus mit dem Theile des Herrn! heraus mit dem Theile des Gottes! Rief ein unglücklich Geschöpf blind für hysterischer Wuth, Als, die heiligen Reste Gründonnerstag Abends zu zeigen, In Sanct Markus ein Schelm über der Bühne sich wies. Armes Mädchen was soll dir ein Theil des gekreuzigten Gottes? Rufe den heilsamern Theil jenes von Lampsacus her.

CVI.

Wundern kann es mich nicht daß unser Herr Christus mit Gern und mit Sündern gelebt, gehts mir doch eben auch so.

CVII.

"Warum willst du den Christen des Glaubens selige Wonne Grausam rauben?" Nicht ich, niemand vermag es zu thun. Steht doch deutlich geschrieben: die Heyden toben vergeblich. Seht, ich erfülle die Schrift, lest und erbaut euch an mir.

CVIII.

Krebse mit nacktem Hintern, die leere Muscheln sich suchten, Sie bewohnen und sie wähnen ihr eigenes Haus, Sind mir seltne Geschöpfe, sie sind so klug als bedürftig; Manches kam mir in Sinn, als ich am Ufer sie sah. Christ und Mensch ist eins! Sagt Lavater! Richtig! Die Christen Decken die nackende Schaam weislich mit Menschenvernunft.

CIX.

In ein Puppenspiel hatt' ich mich Knabe verliebet, Lange zog es mich an biß ich es endlich zerschlug. So griff Lavater iung nach der gekreuzigten Puppe. Herz' er betrogen sie noch wenn ihm der Athem entgeht!

CX.

G u t e n schreibt er, das glaub ich, die Menschen müssen wohl gut seyn Die das alberne Zeug lesen und glauben an ihn. W e i s e n denckt er zu schreiben, die Weisen mag ich nicht kennen: Ist das Weisheit, bey Gott, bin ich mit Freuden ein Thor.

CXI.

Dich betrügt der Staatsmann, der Pfaffe, der Lehrer der Sitten, Und dieß Kleeblatt wie tief betest du Pöbel es an. Leider läßt sich noch kaum was rechtes denken und sagen Das nicht grimmig den Staat, Götter und Sitten verlezt.

CXII.

Was auch Helden gethan, was Kluge gelehrt, es verachtet's Wähnender christlicher Stolz neben den Wundern des Herrn. Und doch schmückt er sich selbst und seinen nackten Erlöser Mit dem besten heraus was uns der Heide verlies. So versammelt der Pfaffe die edlen leuchtenden Kerzen Um das gestempelte Brod das er zum Gott sich geweiht.

CXIII.

Viele folgten dir gläubig und haben des irdischen Lebens Rechte Wege verfehlt, wie es dir selber erging. Folgen mag ich dir nicht; ich möchte dem Ende der Tage Als ein vernünftiger Mann, als ein vergnügter mich nahn. Heute gehorch ich dir doch und wähle den Pfad ins Gebirge, Dießmal schwärmst du wohl nicht, König der Juden leb wohl.

CXIV.

Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder! Auferstanden! - Wer's glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.

CXV.

Was vom Kristenthum gilt, gilt von den Stoikern, freyen Menschen geziemet es nicht Krist oder Stoiker seyn.

CXVI.

Juden und Heiden hinaus! so duldet der christliche Schwärmer. Christ und Heide verflucht! murmelt ein jüdischer Bart. Mit den Christen an Spies und mit den Juden ins Feuer! Singet ein türckisches Kind Christen und Juden zum Spott. Welcher ist der klügste? Entscheide! Aber sind diese Narren in deinem Palast, Gottheit, so geh ich vorbey.

CXVII.

Höllengespenster seyd ihr und keine Christen ihr Schreyer Die ihr den lieblichen Schlaf mir von den Augen verscheucht. Warum macht der Pfaffe soviele tausend Gebärden Und verscheuchet euch nicht wieder zur Hölle zurück?

CXVIII.

Wenn ein verständiger Koch ein artig Gastmal bereitet, Mischt er unter die Kost vieles und vieles zugleich. So genießet auch ihr dieß Büchlein und kaum unterscheidet Alles ihr was ihr genießt. Nun es bekomm euch nur wohl.

CXIX.

Sagt, wem geb' ich dieß Büchlein? Der Fürstin die mirs gegeben, Die uns Italien noch jetzt in Germanien schafft.

CXX.

"Wagst du Deutsch zu schreiben unziemliche Sachen!" - Mein Guter Deutsch dem kleinen Bezirk leider ist griechisch der Welt.

CXXI.

Aus zu eklem Geschmack verbrannte Nauger Martialen. Wirfst du das Silber hinweg, weil es nicht Gold ist? Pedant!

CXXII.

Mehr hat Horaz nicht gewollt, er fand es, weniger wollen Kann man mit größerm Verdienst und man erhält auch nicht das.

CXXIII.

Wie der Mensch das Pfuschen so liebt! Fast glaub ich dem Mythus, Der mir erzählet ich sey selbst ein verpfuschtes Geschöpf.

CXXIV.

Das gemeine lockt jeden: siehst du in Kürze von vielen Etwas geschehen, sogleich dencke nur: dieß ist gemein.

CXXV.

Wären der Welt die Augen zu öffnen! - Das könnte geschehen! Besser du suchest dir selbst und du erfindest dein Theil.

CXXVI.

Helden herrlich zu seyn beschädigen tausende. Tadelt Nicht den Dichter der auch wie ein Eroberer denkt.

CXXVII.

Wenn du schelten willst, so wolle kein Heiliger scheinen, Denn ein rechtlicher Mann schweigt und verzeihet uns gern.

CXXVIII.

Unglückselige Frösche die ihr Venedig bewohnet! Springt ihr zum Wasser heraus, springt ihr auf hartes Gestein.

CXXIX.

Einen zierlichen Käfig erblickt ich, hinter dem Gitter Regten sich emsig und rasch Mädchen des süßen Gesangs. Mädchen wissen sonst nur uns zu ermüden, Venedig Heil dir daß du sie auch uns zu erquicken ernährst.

CXXX.

Alle Weiber sind Waare, mehr oder weniger kostet Sie den begierigen Mann der sich zum Handel entschließt. Glücklich ist die Beständige die den Beständigen findet, Einmal nur sich verkauft und auch nur einmal gekauft wird.

CXXXI.

Hat dich Hymen geflohn? Hast du ihn gemieden? - Was sag ich? Hymen! köstlich ist er, aber zu ernsthaft für mich. Aus dem Ehbett darf man nicht schwätzen und Dichter sind schwatzhaft. Freye Liebe sie läßt frey uns die Zunge, den Muth.

CXXXII.

Jungfer! ruf ich das Mädchen, ist, Jungfer, der Herr nicht zu Hause? Aber sie hört nicht, der Ruf schlägt ihr am Ohr nicht an.

CXXXIII.

Vier gefällige Kinder hast du zum Glauben erzogen Alter Gauckler und schickst nun sie zum Sammlen umher. Meine Güter trag ich bey mir! so sagte der Weise, Meine Güter, sagst du, hab ich mir selber gemacht.

CXXXIV.

Amerikanerinn nennst du das Töchterchen alter Phantaste, Glücklicher! hast du sie nicht hier in Europa gemacht?

CXXXV.

Ich empfehle mich euch! Seyd wacker, sagst du und reichest Mir das Tellerchen dar, lächelst und dankest gar schön. Ach empfohlen bist du genug und wärst du nur älter, Wacker wollten wir seyn, wach biß zum Krähen des Hahns.

CXXXVI.

Zürnet nicht ihr Frauen daß wir das Mädchen bewundern: Ihr genießet des Nachts was sie am Abend erregt.

CXXXVII.

Was ich am meisten besorge: Bettina wird immer geschickter, Immer beweglicher wird jegliches Gliedchen an ihr; Endlich bringt sie das Züngelchen noch in zierliche <Fötzchen> Spielt mit dem artigen Selbst, achtet die Männer nicht viel.

CXXXVIII.

Auszuspannen befiehlt der Vater die zierlichen Schenkel, Kindisch der liebliche Theil den Teppich herab. Ach wer einst zuerst dich liebet, er findet die Blüte Schon verschwunden, sie nahm frühe das Handwerk hinweg.

CXXXIX.

Caffé wollen wir trinken mein Fremder! - da meynt sie branliren; Hab ich doch, Freunde, mit Recht immer den Caffé gehaßt.

CXL.

Seyd ihr ein Fremder, mein Herr? bewohnt ihr Venedig? so fragten Zwey Lacerten die mich in die Spelunke gelockt. Rathet! - Ihr seyd ein Franzos! ein Napolitaner! Sie schwatzten Hin und wieder und schnell schlürften sie Kaffe hinein. Thun wir etwas! Sagte die Schönste, sie setzte die Tasse Nieder, ich fühlte sogleich ihre geschäftige Hand. Sacht ergriff ich und hielte sie fest; da streckte die zweyte Zierliche Fingerchen aus und ich verwehrt es auch ihr. Ach! es ist ein Fremder! so riefen sie beyde; sie scherzten Baten Geschencke sich aus, die ich doch sparsam verlieh. Drauf bezeichneten sie mir die entferntere Wohnung Und zu dem wärmeren Spiel spätere Stunden der Nacht. Kannten diese Geschöpfe sogleich den Fremden am Weigern, O so wißt ihr warum blaß der Venetier schleicht.

CXLI.

Gieb mir statt "Der " ein ander Wort o Priapus Denn ich Deutscher ich bin übel als Dichter geplagt. Griechisch nennt ich dich Phallos, das klänge doch prächtig den Ohren, Und lateinisch ist auch Mentula leidlich ein Wort. Mentula käme von Mens, der ist etwas von hinten, Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß.

CXLII.

Camper der iüngere trug in Rom die Lehre des Vaters Von den Thieren uns vor wie die Natur sie erschuf, Bäuche nahm und gab, dann Hälse, Pfoten und Schwänze. Alles gebrochenes Deutsch so wie geerbter Begriff. Endlich sagt' er: "Vierfüßiges Thier wir haben's vollendet Und es bleibet uns nur, Freunde, das Vöglen zurück!" Armer Camper du hast ihn gebüst den Irrthum der Sprache, Denn acht Tage darnach lagst du und schlucktest Merkur.

CXLIII.

Knaben liebt ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen, Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch.

CXLIV.

Köstliche Ringe besitz ich! Gegrabne fürtreffliche Steine Hoher Gedanken und Styls fasset ein lauteres Gold. Theurer bezahlt man die Ringe geschmückt mit feurigen Steinen, Blinken hast du sie oft über dem Spieltisch gesehn. Aber ein Ringelchen kenn ich, das hat sich anders gewaschen, Das Hans Carvel einmal traurig im Alter besas. Unklug schob er den kleinsten der zehen Finger ins Ringchen, Nur der größte gehört, würdig, der eilfte, hinein.

CXLV.

Alle sagen mir, Kind, daß du mich betriegest, O betriege mich nur immer und immer so fort.

CXLVI.

Welche Hoffnung ich habe? Nur eine die heut mich beschäftigt, Morgen mein Liebchen zu sehn das ich acht Tage nicht sah.

CXLVII.

Alles was ihr wollt, ich bin euch wie immer gewärtig Freunde, doch leider allein schlafen, ich halt es nicht aus.

CXLVIII.

Nackend willst du nicht neben mir liegen, du süße Geliebte, Schamhaft hältst du dich noch mir im Gewande verhüllt. Sag mir: begehr ich dein Kleid? begehr ich den lieblichen Körper? Nun, die Schaam ist ein Kleid! zwischen Verliebten hinweg!

CXLIX.

Lange sucht ich ein Weib mir, ich suchte, da fand ich nur Dirnen, Endlich erhascht ich dich mir Dirnchen, da fand ich ein Weib.

CL.

Eine Liebe wünscht ich und konnte sie niemals gewinnen. Wünschen läßt sich noch wohl, aber verdienen nicht gleich.

CLI.

Fürchte nicht, liebliches Mädchen, die Schlange die dir begegnet! Eva kannte sie schon, frage den Pfarrer mein Kind.

CLII.

Ob erfüllt sey was Moses und was die Propheten gesprochen An dem heiligen Christ, Freunde, das weiß ich nicht recht. Aber das weiß ich: erfüllt sind Wünsche, Sehnsucht und Träume, Wenn das liebliche Kind süß mir am Busen entschläft.

CLIII.

Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel Daß ein Gärtchen beschränkt, zierlich mein eigen gehört. Bringet mich wieder nach Hause! was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt's ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.

CLIV.

Ach! sie neiget das Haupt die holde Knospe, wer gießet Eilig erquickendes Naß neben die Wurzel ihr hin? Daß sie froh sich entfalte, die schönen Stunden der Blüthe Nicht zu frühe vergehn, endlich auch reife die Frucht. Aber auch mir - mir sinket das Haupt von Sorgen und Mühe. Liebes Mädchen! Ein Glas schäumenden Weines herbei.

CLV.

In dem engsten der Gäßchen es drängte sich kaum durch die Mauern Saß mir ein Mädchen im Weg als ich Venedig durchlief. Sie war reizend, der Ort, ich ließ mich Fremder verführen Ach ein weiter Canal that sich dem Forschenden auf. Hättest du Mädchen wie deine Canäle Venedig und <Fötzchen> Wie die Gäßchen in dir, wärst du die herrlichste Stadt.

CLVI.

Ein ander Handwerck und doch wer möchte dich nicht hier am Strande sehen

CLVII.

Laß die Quellen die und suche die Quelle Lieblich fließt sie im Thal die Quelle der Liebe Dürstend lehnt sich der Wanderer zu seiten der Quelle Löscht die brennende Qual und eilt gestärckt weiter zum Ziel und segnet die Quelle

CLVIII.

Glücklich wer einst dich genießt wenn du das Wachsthum vollendet dem du die Schenckelchen zart über den Körper legst

CLIX.

Was ist oben was unten an dir was vorne was hinten? Voller Gefahr scheint jede Bewegung Sorge Und so zierlich du's machst wünscht die Gefahr man erneut.

CLX.

Wär ich ein Mahler mit lauter Bettinen Wollt ich den Himmel mit lauter Bettinen bevölckern

CLXI.

Wär ich ein Maler du solltest als Engelchen überall seyn

CLXII.

Ach wie herzt' ich den Knaben den lieben sittlichen Eros Heute war er der Sohn der himmelgebohrenen Göttin Drückt ihn sanft an mein Herz und wir vermischten die Thränen

CLXIII.

Aus zu gutem Geschmack verbrennst du, Nauger, Martialen, Lieber Nauger dein Gedicht leider verbrännte Catull.

CLXIV.

Einst wendeten die Grazien sich nach Norden Schaudernd kamen durch schnee die zierlichen Eine Thüre fanden sie offen, sie eilten und wollten Sich der Gastfreundschaft erfreuen tritt ein Mann in die Thüre: wer seyd ihr Fort riss er <...> mit h<...> nicht auf Bitter ist Schnee uns, doch bittrer der Anblick des Mannes

CLXV.

Meister der Schalckheit ihr alte verruchte verwegene Heiden Schildert die Buben

CLXVI.

Ungern brauch ich meinen Gedichten die anderen Sprachen. Wäre es sicher! so arm sieht sie <anmaßlich> Aber bald wird mirs unmöglich, ich habe der Distichen viele, Manches sagt ich noch nicht weil es die Sylbe verbot. Wenn du es Leser erlaubst, so brauch ich manchmal ein Wörtchen Deutscher Leser erlaube mir nun bey fremden zu Du verstehst doch alle Sprachen geschickt Fremde Sprachen verstehst du, o deutscher Leser, in einem Kleinen Gedichte verstehst du wohl auch ein fremdes Wort.

CLXVII.

So führt der Tonkünstler uns durch viele Töne biß er uns wieder zurück mit dem Grundton befriedigt

CLXVIII.

Was ich geschrieben habe das hab ich vertraulich den Hingelegt und nun steht es die ewige Zeit. Manches hab ich gefehlt in meinem Leben, doch keinen Hab ich belistet.

CLXIX.

So seht nur wie gefährlich es ist Büchlein zu lesen

CLXX.

Immer glaubt ich gut<müthig> von anderen etwas zu lernen, Vierzig Jahr war ich alt, da mich der Irrthum verließ. Thöricht war ich immer daß andre zu lehren ich glaubte Lehre jeden du selbst, Schicksal, wie er es bedarf.

CLXXI.

Leben hab ich gelernt, fristet mir Götter die Zeit.

CLXXII.

Achte hatt ich gesetzt, nun ist die n e u n e gezogen Sieh wie nah ich schon war, immer flieht mich die Zahl. Und so klagen die Menschen, die sich dem Zufall vertrauen

CLXXIII.

Zum Erdulden ists gut ein Krist zu seyn nicht zu Und so machte sich auch diese Lehre zuerst

CLXXIV.

Thörig war es ein Brod zu vergotten wir beten doch alle Unser täglich Brod gib uns <heut.>

CLXXV.

Pfaffe möcht ich seyn im Glauben und Götter verzehren Die ich mit eigener Hand mir täglich erzeugt Pilger möcht ich seyn und glauben daß Schritte nach Schritten Der v <[unausgeführt]> Nur nicht Lavater seyn und Sinn mit Unsinn vermischen Denn so glauben das heißt sündgen am heiligen Geist

CLXXVI.

Stiften die Christen mit Heil viel unheil so stiften die Büchlein Heidnisch durch Unheil viel Heil. Aber noch eile dich nicht, Laß mich erst noch hienieden, es kann die Barcke passiren Nimmt sie mich diesmal schon mit, nun so leb wohl in die Welt.

CLXXVII.

Was ist Reisen? ist fröhlich Leben

CLXXVIII.

Sagen wir doch Zitrone, es ist ein fremdes Gewächs Und die sie wächst neben der nicht leicht

CLXXIX.

Brachtet ihr iene Löwen hierher vom großen Pireus Uns zu zeigen daß hier eben Pireus nicht sey.

CLXXX.

Immer hab ich dich heilige Sonne mit Freude verehret Wenn du aus trübem Gewölck oder nach Nebel mir kamst, Niemals aber so fröhlich als im Venetischen Wenn du nach Regen erscheinst freudig die Gondel dir dampft.

CLXXXI.

Masten stehen gedrängt an Masten, es trocknet die Segel In dem Sonnenschein ruhig der Schiffer an dem Gestade der Stadt. Deine Paläste zeigen sich hier du edles Venedig Alles verschwindet dem Blicke Bettine wenn du kleine Tische und Leuchter besteigst und Masten und zwischen Hin <...> Du Bettina dich zeigst alles verschwindet dem Blick

End of "Venetianische Epigramme" by Johann Wolfgang von Goethe

